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em letztes geklammert, und wtll man mir da» nehmen, dann wird e» Nacht nm mich l Sie fallen mir sagen, daß man er nicht darf!"

„Wer will Ihnen denn da» Kind nehmen? Ist es —1’

„Sein Vater! Gewiß l Wer sonst? «derer hat kein Recht auf dies Kind — soll keine», kann keine» haben —*

„Doch, liebe Freundin, doch! Bor dem Gesetz —'

„Gesetz!" Die leidenschaftliche Fran griff da» Wort heran» und wiederholle r» in schneidendem Hohn. .Ein schöne» Gesetz, da» einer wehrlosen Fran die schwersten Pflichten anferlegt, ihr gestattet, ein Kind vom ersten Tage feine» Daseins an mit tausend Sorgen und Mühen, mit Angst und Thräueu aufzuziehen, um e» dann plötzlich, sobald es diesem Schuft, — diesem niedrigen Schurken —"

Hall, meine arme, liebe Freundin, ich bitte Sie um Ihrer selbst Willen! Ist er vor dem Gesetz als Ehrloser bekannt? Haben Sie ihn damals dem Gesetz als solchen überwiese»?

„Ich sagte Ihnen schon: nein! ES widerstand mir in ttefster Seele, den Namen, de» meine unglückliche Tochter getragen, den das unschuldige Kind trägt, öffentlich durch allen Schmutz schleife» zu laffen. Ich habe beschönigt und vertuscht nach alle» Seite», und t» ist mir gelungen."

„Ünd wen» Sie heute, jetzt noch, die Abficht hätten, den Mann vor Recht und Gesetz als einen Ehrlosen zu brandmarke», würde Jhaen dies ge> liegt» —?"

„Wie sollte er? Warum frage» Sie mich so? E» find zwölf Jahre und mehr darüber ^gegangen — die Sexte, mit denen ich damal» in Wie» zn ihn»

Eine» neuen Beleg dafür, in welcher Weffe von len Führern der Socialdemokratie 'dir Schreckenherrschaft gegen den eigene» Genossen duichgeführt wird, liefert das jüngst erschienene Schriftchen de» Korbmacher» Ernst F i s ch e r in Berlin: „3m Kampfe mit den Führern der Socialdemokratie." Hier macht ein von der Parteileitung bi» zum Versuch des Selbstmorde» ab­gehetzter Genosse seinem gepreßten Herzen Luft und hrleat mit Tatsachen, wie die arglo» vertrauenden Massen irregeführt und wie fie, wenn ste unbequem erscheinen, gemißhandev werden. Zu wünschen ist, daß diese» für wenige Pfennige käufliche Schriftchen von alle» Arbeitern gelesen werde. Einem aus ihrer Mitte werden fie vielleicht eher Glauben schenken, als de» wohlgemeinten Warnungen an» anderen Kreisen. Geschähe eS, dann würden ihnen doch endlich die Augen ausgehen über die Art, wie die Arbeiterschaft von ihren eigenen Führern auSgesoge» und preis- gegeben wird. Bo» den Beispielen, die der durch Verzweiflung in den Kampf getriebene Verfasser an- führt, sei hier nur eine» wiedergegebe». Sell einigen Jahren steht die Berliner Korbmacherei infolge großer staatlicher Lieferungen in hoher Blüthe. Es find Wochenlöhne nicht unter 50 Mark, aber auch bi» zu 105 Mark gezahlt worden. Körbe, von denen ein mittlerer Arbeiter täglich zwei unfertigen kann, wurden mit 5,50 Mark Arbeitslohn für da» Stück bezahlt. Die dlnt-rnehmer hätten die Lieferungen zu 11,50 Mark für da» Stück abgeschloffen. Der weitaus größere Theil de» Nutzens kam also den Arbeiter» zu gute; denn die Arbeitgeber hatten ja außer dem Arbeitslöhne alle sonstigen Herstellungskosten zu tragen. Die Arbeiter ließen e» sich dabei wohl fein; fie machten wöchentlich zwei bi» drei Tage blan. Es kam vor, daß die Arbeitgeber, um die LieserungSzeü einhalten zu können und nicht das nach Tausenden zählende Haftgeld zu verlieren, in die Kneipen gehen mußten, um die Arbeiter mit guten Worten zur Arbeit zu holen. Aber die Wortführer des Korb. macher-Verbandes wollte» nicht, daß die Leute arbeitete«; sie konnten nur durch einen Ausstand Geld verdienen, rechneten den Arbeitern vor, daß die Unternehmer noch zu viel verdienten, und brachten wirklich eine Arbeitseinstellung zu Stande. Das war den Unternehmern doch zu stark; fie bewilligten keinen Pfennig und holle» Arbeiter von auswärts. Vierzehn Tage lang kündigte der „Vorwärts" an: „Achtung! Korbmacher! Die Werkstätten von Ancton u. Co. (Inhaber Starke), Wilhelmstraße 123, sowie Schmidt u. Co., «rautstraße 6, find gesperrt. Zuzug ist streng fern zu hatten." Unmittelbar neben dieser Ankündigung stand aber im „Vorwärts" (Nr. 220, Jahrgang 1897) zu lese»: „Erklärung. Es ist un­verständlich, über die Werkstätten der Firma Ancton u. Co. die Sperre zu verhängen, da die Werkstätten »oll besetzt find und täglich 10—15 arbeitsuchende Korbmacher von der genannten Firma abgewiesen werden müflen. 3m Auftrage der College«: Rose." Die Regierung erfuhr von dem Treiben der Korb­macher. Die Unternehmer mußte» bei dem dies- jährigen Ausschreibe» der Lieferungen den billigste» Preis mache» und kynnten demzufolge nicht mehr als 2,60 Mark Arbeitslohn für da» Stück zahlen. Außerdem kam auch zum Schrecken der Blaumacher die Lieferung von 100000 Körben nach Hamburg. Die Hamburger arbeitet hatten nun den Berliner Führern zu danken, daß sie 2,90 Mark Arbeitslohn für das Stück weniger erhallen, als die Berliner im Vorjahre bekommen haben, die Berliner mußten froh fein, zu einem noch niedrigeren Lohn überhaupt Arbell z» bekommen. So hat der leichtfertige Ausstand den Berlinern mehr al» für eine halbe Million Aufträge gekostet und ben Berlinern mehr al» eine Vieriel- millioa Verdienst entzogen!

Die „Agence HavaS" veröffentlicht folgende Sn- ferm ationen : Die Kommentare, welche die jüngste Rede des britischen Botschafters Sir Edmond Ronfon auf dem Bankett der Pariser brllischeu

Handelskammer hervorgerufen hat, zeigen, daß der Gedanke de» Botschafter» nicht verstanden oder nicht mit genügender Klarhell anSgedrückt worden ist. Sir Edmond Monson wollte sich in keiner Weise in die inneren Verhältnisse Frankreichs einmische« oder über deffen Politik ei» Uriheil fälle», denn er ist in keiner Weise berechtigt, die» zu thun, und e» ist nicht seine Aufgabe. Uebrigens widerspricht seine ganze Haltung jedem Verdacht einer übelwollenden Absicht.

Neueren Meldungen zufolge hat der Nabob von Dir die llebermacht über den Mullah. Eine Anzahl seiner StammeSgenoffen hat letztere» verlaffe»; aber andere haben sich ihm angeschloffen, und ein »euer Kamps steht bevor. Die Wahrschein­lichkeit eine» Eingreifens der brittsche« Truppen nimmt täglich ab, obwohl die jüngsten Ereigniffe ge­zeigt haben, daß die Militärbehörden i» der Lage find, eine Streitmacht rechtzeittg über die Grenze zu bringen, fall» dies nothwendig wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Decbr. Gestern Vormittag 11 Uhr unternahmen beide Majestäten eine» gemein­samen Spazierritt in die Umgegend von Potsdam. Zur Frühstückstafel bei 3hren Majestäten war nach Potsdam geladen der Kammerherr v. Esbeck-Platen auf Kapelle mit Gemahlin. Nachmittags arbeitete Se. Moj. der Kaiser allein und begab sich um 7 Uhr zur Besichtigung der Beleuchtungsanlagen in die reftaurirte Garnisonkirche. Von 8 Uhr ab hörte Se. Majestät im Garnison-Kasino in Potsdam einen Vortrag des Henn BuSby. Heute Morgen 9'/z Uhr begab sich S. M. der Kaiser nach dem Forsthau» Entenfang bei Wildpark, um eine Fasanen« 3agb abzuhalten.

— Der Bundesrath hat in seiner heutigen Plenarsitzung dem Entwurf einer neuen Militär- transportordnung rc. und eines neuen Militärtarifs für Eisenbahnen die Zustimmung eriheilt; desgleichen der Vorlage, bett, die Statistik der Auswanderung, dem Gesetzentwurf wegen Verwendung überschüssiger Reichseinnahmen aus dem Rechnungsjahr 1899 zur Schuldentilgung und der Vorlage, bett, den Be- soldungs- und Pensionsetat der Reichsbankbkamten für 1899. Den zuständigen Ausschüssen wurden überwiese« die Vorlage, betr. Aenderungen der An­lage B zur Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands; der Gesetzentwurf über Aenderungen der Civilprozeßordnuog und der Strafprozeßordnung rc.; die Vorlage, betr. Aendernng des statistischen Waarev- verzeichniffes und de» Verzeichnisses der Massen­güter ; die Vorlage, betr. die anderwelle Festsetzung der Gebühren für Postanweisungen und für Sendungen von Waarenprobe»; der Gesetzentwurf über die ge­meinsamen Rechte der Besitzer von Schuldver­schreibungen und der Entwurf eines Hypothekenbank­gesetzes. Von einer Mittheilung über die Jahres­berichte der Gewerbeausfichtsbeamten für 1897 wurde Kenutniß genommen. Schließlich wurde über einen Sr. Majestät dem Kaiser für die Besetzung einer Reichsgerichtsrathsstelle zu machenden Vorschlag und über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

— Nach der Offiziellen Fractions- liste de» Reichstags zähle» die Deutsch-Kooservattve» 52 Mitglieder, die Deutsche Reichspartei 22, die Deutsch-soziale Reformpartei 10, das Centrum 106, die Polen 14, die Nationalliberale« 48, die Frei­sinnige Vereinigung 12, die Deutsche Freisinnige Volkspartei 29, die Deutsche Volkspartei 8, die Sozialdemokraten 56 Mllglieder; keiner Partei ge­hören 40 Mitglieder an. Bei den Deutsch - Konser­vativen find unter de« 52 Mllglieder« 3, nämlich v. Maltzan, Frhr. zu Wartenberg und Penzlin, Mentz, v. Treuenfels als Hospitanten eingeschrieben, bei der Deutschen Reichspartei unter den 22 Mit­gliedern 1 Hospitant Nauck, bei der Deutsch-sozialen Reformpartei unter den 10 Mitgliedern 1 Hospitant

hatte, können längst tobt ober verschollen fein, ich fände schwerlich auch nur einen einzigen Zeuge» auS jener Zeit wieder, selbst wen» ich das wollte."

„So müßte» Sie selbst als Zeugi» wider ih» auf« trete», die vollgültigen Beweise liefern, daß er der Mörder ihrer Tochter gewesen ist — dies vor Gericht eidlich erhärten —"

Frau Wallis' große, stammende äugen waren fest auf den Redenden gerichtet, er glaubte die Magdalene Kraft früherer Jahre vor sich zu sehen, wenn fie in feuriger Beredtsamkell irgend eine ihr am Herzen liegende Sache vertheidigte.

„Beschwören? Ich? Dies Alles vor das Gericht, an die Oeffenttich zerren, was ich Ihnen dem einzigen Freunde, der mir noch geblieben, und Ihnen allem anbertraute? Haben Sie mich nicht verstanden? Könne» Sie nicht ahne», was eS mich kostet, dies Stück Vergangenhell lebendig werden z« lassen, langsam mit der Sonde tiefer, immer tiefer in diese nie verheilte, nie zu heilende Wunde zu tauchen, um zu sehen, wie sie »naushörlich noch zuckt und brennt? Und da» fühle ich Ihnen gegenüber, mein bester, einziger Freund! Wie sollte mein Empfinden sei», wen» ich dazu verdammt wäre, ftemde» mitleidslosen Mensche» eine solche Beichte abzulegen! Nie! Keine Macht der Erde könnte mich je dazu bewege»! Und Beweise? Meine Be­weise find hier —" sie preßte die Hand gegen ihr Herz — „nnd sind so klar und schreie» so laut zum Himmel, daß ich ost meine, Gott müsse sie hören und mich rächen — aber Ihr Gesetz fordert ja wohl stärkere Zeugnisse als solche. Meine Tochter ist weder vergiftet noch erdolcht worden — fie selbst hat ihrem Lebe» et» Ende gemacht, vielleicht sogar in einem Anfall von Geistesstörung . . . aber wer

Köhler, Centrn« unter de» 106 Mitgliedern 5 Hospi­tanten, die Welfen v. Arnswaldt-Böhm«, Baron von ArnSwaldt-Hardenbostel, Goetz v. Olenhusen, Frhr. v. Schele-Schnlenbnrg, Frhr. v. Wangenheim-Wake; bei den Rationalliberaleu unter den 48 Mitgliedern 4 Hospitanten, nämlich Prinz Heinrich zu Schönaich- Carolath, von Kaufmann-Helmstedt, Mauser, Uhle- mann; bei der Deutschen Freisinnige« BolkSpartri unter 29 Mitgliedern 1 Hospitant, Jacobsen. Keiner Fractio» gehören an 10 Elsaß- Lothringer, Delsor, Hauß, Küchly, Merot, Piersou, Preiß, Roellinger, Spies, SBetterle und Winterer, ferner Ahlwardt, Bachmeier, Graf Ballestrem, Graf Bernstorff (llelzen), Fürst Bismarck, v. Blöda«, Dr. Böckel, von Dallwitz, Graf v. Dönhoff- Friedrichstein, Eßlinger, Dr. Hahn, Frhr. von Hammerstei», Harriehausen, Hilpert, Frhr. v. Hoden­berg, Prinz Alexander zu Hohenlohe - Waldenburg Schillingsfürst, Johannsen, Lanzinger, Lucke, Pauli- PotSdam. Dr. Ratzinger, Riff, Roeficke (Dessau!, Dr. Ro.sicke (Kaiserslautern), Sabin, Frhr. von Schele - Wunstorf, Baron de Schmid, Schwarz (München), Smalatis und Stokcker.

— Nach de» für da» Rechnungsjahr 1899 ge­planten Organisationsänderungen würde sich die Etatsstärke des deutschen Heeres auf 23 730 Offiziere, 79873 Unteroffiziere, 491826 Gemeine, 2155 Militärärzte, 1039 Zahlmeister «. s. w., 659 Roßärzte, 1014 Büchsenmacher und Waffenmeister, 93 Sattler und 101065 Dienst­pferde belaufe». .

Ausland.

Krankreich.

Paris, 9. Dec. Nie Regierung hat die Ab­sendung der Schriftstücke, deren Mittheiluug der An­walt Demange verlangt hatte, an Alfred Dreysus gestattet. Diese Schriftstücke sollten der B rsüzung des CaffationsHofes zufolge der Bertheidigung als Grundlage dienen. — Die „Agence Nationale" meldet, der Caffationshof werde am Montag die Generäle Boisdeffre und Gonse vernehmen. Letzterer hat sich bereits zweimal gestellt, ohne zum Verhör zu kommen. Der Hauptmann Lebrun-Renault wird später vernommen werde», und für den Fall, daß DreyfuS »ach Frankreich gebracht werde» wird, was allgemein als wahrscheinlich gilt, wird die Berthei­digung die Gegenüberstellung von Lebrun - Renault und Dreyfns verlangen, um die Frage der Geständ­nisse DreyfuS' endgültig zu erledigen. Weiter er» klärt sich die „Agence Nationale" zu der Meldung bevollmächtigt, daß eine Untersuchung über die Rolle, die dn Paih de Clam in der DreyfuS - Angelegenheit gespielt hat, fall» fie eingeleitet werden sollte, von dem Kriegsminister persönlich und nicht vom Militärgouverneur von Paris, Zurlinde», geführt werden würde. — Der Anwalt Christian Esterhazys hat beim Civilgericht eine Klage eingereicht, um die Unterdrückung derjenigen Stellen in den Memoiren W. Esterhazys zu beantragen, die sich auf ihn beziehen und die er als Beleidigungen seiner Ehre betrachtet. Christian Esterhazy fordert außerdem Entschädigung für den ihm zugefügten Schade». Seme Klage richtet sich zugleich ggen Esterhazy unb dessen Verleger. — Der „TempS" glaubt zu wissen, daß die Klage, die gegen ver­schiedene nationalistische Abgeordnete eingereicht ist, noch vom Ministerium Brisson herrührt. Die Klage betrifft die Maueranschläge, die während des Aus­standes der Pariser Erdarbeiter und auS Anlaß der große» Versammlung im Wagramsaale veröffentlicht wurden.

Aus Marburg und Umgegend.

Marburg, 10. Decbr. Die Geschäfte, welche morgen, am sogenannten „silbernen Sonntag" schon früh von 7—9 Uhr aufmache»,

dafür gesorgt hat, daß eS soweit kam, da» weiß ich, und Gott im Himmel weiß es ebenso."

„Ich wußte im voraus, wa» Sie mir antworten toürben und müßten," sagte Werder sanft, „und den­noch habe ich Sie gefragt. Verzeihen Sie mir da», liebe Freundin. Ich haben nur gewollt, daß Sie — Sie selbst e» sich klar machten, wie hier mit persönlichen Empfindungen, und wären fie noch so stark unb überzeugend, nicht» zu machen ist. Meine theure Frau Magdalene, wo kämen wir Juristen hi», weu» wir immer nur frage« wollten: welches ist Deine Ueberzeugung? — wa» sagt Dir Dem Gefühl bei dieser oder jener Angelegenhett? Das Gesetz muß mti Thatsachen rechnen, ober wir ziehen ihm de» realen Boden unter den Füßen fort und machen ein Scheinbild daran» ganz ohne Kraft und Leben!"

Noch immer brannte in den Angen der Frau die Flamme innerer Empörung.

„Ich will nicht mtt Ihnen um Kraft und Form der Gesetze streite», Sie find Jurist und habe» das Gesetz zu vertheidigen. Aber in dieser Ihrer Eigen­schaft al» Jurist frage ich Sie: soll ich — muß ich diesem Bries eines Berliner Rechtsanwaltes, der mir im Namen dieses — dieses — Menschen befiehlt, zu einem bestimmte» Termin das Kind a» den Vater auszuliefer» — muß ich diesem Brief Folge geben?' Sie zog ein stark zerknitterte», ,erlesenes Blatt Papier an» der Tasche und reichte es dem Justizrath.

Dieser laS es aufmerksam vom Anfang bis zum Ende bitrdj und dann noch einmal. Er hörte neben sich das rasche, erregte Athme» der Fra» — e» war ihm schwer «m» Herz, er vermochte zunächst nicht i* spreche«.

dürfen bann »ach der üblichen Zeit noch von S Nachmittag» bis Abends 7 Uhr, die aber, weich, erst »ach dem Gottesdienst öffne», von 2—9 länger geöffnet bleibe».

* Personalien. Den nachbenannten Professor^ an höheren Lehranstalten ist der Rang der RSth- vierter Klafft verliehen worden: Otto Manuß uni Sulin» Zütch am Casseler Wilhelm» - Gymnasins,, Dr. Oscar Melchior an der Realschule tu Fvlda, Philipp Hafner am Gymnasium in Hersfeld, HeinMs Hölzerkops an der Realschule in Marburg, Wilhelm Henk l am Gymnasium in Hannu, Richard Franz am Casseler Wilhelms - Gymnasium, San Knoop an der Ober - Realschule i» Hamm, Sari Hohenthal am Gymnasium in Marburg, Wilh. Völler am Casseler Realgymnasium, Dr. Anguß Hoßfeld am Progymnasium in Hofgeismar, 9®[ Junghans an der Casseler Ober - Realschule, Kay Orth an der Friedrich - Wllhelmsschule in Eschwege, Dr. August Eigenbrodt am Casseler Wilhelms-Gh«, nafium, Wilhelm von Kamptz am Gymnafinm » Rinteln.

* Pnrolemnfik findet morgen Sonntag bot Vsl—1'}2 Uhr auf dem WilhelmLplatz statt.

* Aeademischer Coneert-Lerein. Am nächste, Dienstag, ben 13. December, Abends 71/ä Uhr, findet im Museumsssale das zweite Coneeil dieser Wintersaison statt. ES ist diesmal ein Orchester - Concert unter Mitwirkung eines Chors hiesiger Damen und unter Direktion les Hern Universttäts-Musikbirectors Senner. Das Program« bringt zunächst die Ossian-Onvertüre von Miels W. Gabe, be# Vertreters der nordischen Musik und viel, fettigen Komponisten, sodann die Serenade f, Streich. Orchester D-dur von Robert Fuchs. Den weitern Theil des Programms füllen an8 Brahms, Frauw- cköre mit Begleitung von 2 Hö »er» und Harfe; Dvorak, Carneval von Schumann, Symphonie B-dur. Wir machen dieses sehr hübschen Programms weg« auf dies zweite Concert hier noch besonders auf. merksam, obgleich sich bei deren Beliebtheit natürlich auch ohne besondere Hinweise der Saal doch bis aus den letzten Platz füllen würde.

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* Der Mufikverem im Kgl. Gymnasium hierselbst giebt in her Aula des Gymnasiums 'an kommenden Monrag, Abends 71/ä Uhr wiederum eine musikalische Abend- Unterhaltung. Der Eintrittspreis beträgt 50 Pfg. Wer in bei letzten Jahren diesen Musikabenben bes von Hern Kapellmeister Noack s, überaus erfolgreich geleitet» Musikvereins beigemohnt unb bie Leistungen bei jugenblichen Musikfreunde schätzen gelernt hat, freut sich gewiß, am nächsten Montag sie wieder einmal hören zu können.

+ Nachweis bet Bevölkerung?Vorgänge in der Stabt Marburg für den Monat November 1898. ßebenbgeborene: 28 männliche, 29 weibliche, insge- sammt 57. Todtgeborene: 1 weibliche. Gestorbene: 15 männliche, 8 weibliche, insgesammi 23 (oarunter Kinder bis zu 1 Jahr 2 eheliche, 1 außereheliches). Von de« Geburtsfällen entfalle» auf hiesige Ein­wohner 31, auf Auswärtige 26. Bon den Sterbe- fällen kommen auf hiesige Einwohner 9, auf Aus­wärtige 14. Bon den Todesursachen betraf» Diphtherie und Croup 1, Lungenichmindsucht 2, akute Erkrankungen der Athmungsorgane 3, an sonstig» Krankheiten 16, Verunglückung oder nicht näher fest­gestellte gewaltsame Einwirkung 1.

+ Strafkammer. Bei dem folgenden Falle der gestrigen Sitzung handette es sich ebenfalls u» eine Körperverletzung mittels eine» gefährlichen Werk­zeuges. Am 5. 3«ni b. 3. fanb in Mühlhaus« bei Homberg a. d. E. in bei Uhlet'sche» Wirthschast Tanzmusik statt, an welcher auch eine Anzahl junget Leute aus Homberg Theil nahm. Bei dieser Ge­legenheit geriethen nun zwei Burschen Namen» 6rebi und Schröder miteinander in Wortwechsel und schließ­lich in Streit, der von einem anderen Bursch» Namen» Preßler geschlichtet wurde. Jetzt mischte

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„Nnnstk' Sie legte ihre eisig kalte, zitternde Hand auf die seine. Langsam ließ er den Brief finken. —

„Meine gute, liebste Freundin, e» wird mit schwer, Ihnen zu sagen, was ich doch sage» muß! Ihr Schicksal ist hart und schmerzt mich tief' aber Sie müssen sich fügen. Ein Vater hck das nächste Anrecht traf fein Kind, er kann über bie minderjährige Tochter verfügen, sie gehört ihm!"

„Gehört ihm!" wiederholte fie mechanisch; ihre Gestalt kam ins Wanken, da» Gesicht entfärbte fiä plötzlich, der Kops fiel gegen die Sophalehne zurüik. Für die nächsten Minute» war sie wie eine sterbende Greisin anzusehen.

Werder kannte seine alte Freundin gut genug. Jedes Aufsehen, jede sogenannte Scene war i|t verhaßt, daher wollte er ftemde Hilfe nicht früher herbeirufe», als bis seine eigene sich als machtloi erwiese». Er sah, daß fie mtt einer schwere» Oh» macht rang — was fie ihm von ihren geschwächte« Körperkräften gefagt hatte, war buchstäblich wahr ge> wesen — aber er drückte nicht auf den Knopf da elekkttischen Leitung, er ging rasch zu einem Tab» mit Karaffe und Gläsern, daS er auf einem Eckttschche« entdeckt, goß hastig ein Glas Wasser ein und bene-u Schläfen und Wange» der hllslosen Fran. Daw öffnete der Justizrath auf» Geradewohl einen Schraub um nach irgend einer belebenden Essenz zu suche« — er fand nach einiger Zett ein Fläschchen mi Eau de Cologne und setzte seine Bemühungen fort Allgemach verloren die Lippe» die bläuliche Färb« die Auge» den starren, glasige» Blick, es kehrte eil wenig Blut in das wachsweiße Gesicht zurück. Ei« schwacher Händedruck lohnte de» alte» Freunds Mühe. (Fortsetzung folgt.)

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