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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für Hie Kreise Marburg «ub Kirchhai«.

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33. Jahrg.

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Aus. beab- durch

eine» billigen und bequemen Weg für die gleichuug kleinerer Zahlungen zu schaffen, wird stchtigt, ein Check und Ausgleichungsverfahren Vermittelung der Postanstalten einzurichten.

Reichsbank - Institute die Erfüllung seiner finanz- polstischen Aufgaben zu erleichtern, ohne die erprobten Grundlagen unserer Bankgesetzgebung zu verlassen.

Um den Gefahren zu begegnen, die der Verkehr mit ununtersuchtem, zum menschlichen Genuffe be- stimmteu Fleische, sei es in- oder ausländischer Herkunft, mit sich bringt, wird von den verbündeten Regierungen die allgemeine Einführung der Schlachtvieh- und Fleischbeschau erwogen. Ein diesen Gegenstand regelnder Gesetzvorschlag wird Sir, wie Ich hoffe, noch in dieser Tagung beschäftigen.

Der in der vorigen Legislaturperiode nicht verab­schiedete Gesetzentwurf über einige Aenderungen auf dem Gebiete de« Post - Taxwesens und der grund­sätzlichen Rechte der Post wird in umgearbciteter und erweiterter Fassung von neuem Ihrer Beschlußfassung unterliegen. Aus Billigkeitsrückfichten ist darin eine Entschädigung der durch die Erweiterung des Post­zwanges unmittelbar Geschädigten vorgesehen; hinzu­gekommen ist die Neuordnung des Post - ZeitungS tarifs. Um den breiten Schichten der Mittelklassen, die kein Girokonto bei der Reichsbank halten können,

Den Bedürfnissen des mächtig fortschreitenden Fernsprechwesens soll eine Gesetzesvorlage dienen, die der Tclegraphenverwaltung die Benutzung der öffent­lichen Wege mehr als bish-r sichert.

Die Einnahmen deS Reichs haben auch im ver- floffenen Rechnungsjahr und bis zur Gegenwart eine stettg steigende Entwickelung gezeigt.

Der ReichshauShaltsplan sieht neben dem Auf­wande für die Aenderungen der Heeresorganisation reichliche Mittel vor für weitere Verbesserungen der Lage zahlreicher Klaffe» von unteren und mittleren Beamten sowie für die Förderung allgemeiner wtrth» schaftlicher Interessen, insbesondere in den Colonien. Wenn in Folge dessen zur Herstellung des Gleich­gewichts in höherem Maße als in den letzten Jahren auf Anleihe zurückgegriffen werden muß, so ist doch bei der ungewöhnlichen Höhe der einmaligen Aus­gaben zu erwarten, daß solche in auch nur an­nähernd so hohen Beträgen nicht wiederkehren werden, und daß mithin die Nothwendigkeit einer stärkeren Anspannung deS CreditS nur vorübergehend sein wird.

Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ablauf des zur Zeit für die Fricdenspräfenzstärke deS deutschen Heeres gültigen Gesetzes weiden Ihnen zwei Gesetzes- Vorlagen zugehen, welche den Zweck verfolgen, wesentliche Lücken unstres Heerwesens zu beseitigen. Mit dem Anwachsen der Armee hat die Schaffung der Comtnandostelen nicht überall gleichen Schritt gehalten, und eS bedarf an einigen Stellen einer

rst Deutschland gewissenhaft und loyal nach beiden Seiten hin gerecht geworden.

Die deutsche» Colonien befinden sich in gedeihlicher Entwickelung. Den ruhestörenden Unternehmungen kindlicher Stämme find Meine Schutztruppen in Ost- und West-Afrika fiegreich begegnet. Mit der Neu- Guinea-Compagnie ist wegen Uebernahme ihres Schutz­gebiets auf das Reich ein Vertrag abgeschlossen worden, welcher Ihnen zur Genehmigung vorgelegt werden wird.

In Kiautschou sind die ersten Schritte zur wirth« schaftlichen Entwickelung des Schutzgebiets gethan. Die Grenze ist im Einvernehmen mit der chinesischen Regierung endgültig festgesetzt, der Freihafen ist er­öffnet worden, die Hafenbauten find in Angriff ge­nommen, und der Beginn des Eisenbahnbaues nach dem Hinterlande steht für die nächste Zukunft bevor.

Gestützt auf die bestehenden älteren Verträge wie auf die durch den deutsch - chinesischen Vertrag vom 6. März d. I. neu erworbenen Rechte, wird Meine Regierung, unter gewissenhafter Achtung der wohl­erworbene» Rechte dritter Staaten, auch in Zukunft bestrebt sein, die von Jahr zu Jahr gewichtiger werdenden wirthschastlichen Beziehungen Deutschlands mit China weiter zu entwickeln und den deutschen Reichsangehörige» de» vollen, ihnen gebührende» Antheil an der wirthschastlichen Erschließung des fernen Ostens zu sichern.

Bei Meinem Aufenthalt in Konstantinopel, Palästina und Syrien ist es Mir eine Freude ge­wesen, Mich durch den Augenschein davon zu über- zeugen, wie deutsche Tüchtigkeit und Sitten de» im Türkischen Reich lebenden Reichsangehörigen zu ge­achteter Stellung verholfen haben.

Mit bewegtem Herzen habe Ich mit der Kaiserin und Königin, Meiner Gemahlin, an den Stätte« geweilt, die durch das Leiden des Erlösers der ge- sammten Christenheit theuer find. Dem evangelische» Bekenntnisse dort ein Gotteshaus zu errichten, war schon das sehnlickie Verlangen Meiner drei Vorgänger an der Krone Preußens. Daß es Mir vergönnt war, jenes Verlangen zu erfüllen und die Erlöser­kirche zu Jerusalem dem Dünste des Herrn zu über­geben, ist Mir ein neuer Antrieb, die Mir von Gottes Gnaden verliehene Gewalt auch weiter einzu- setzen für die ewigen Grundwahrheiten des Christen- thums. Von solchen Gefühlen geleitet, hat es Meinem Herzen besondere Genngthuung gewährt, einen langgehegten Wunsch der deutschen Katholiken durch Erwerbung eines ihnen durch weihevolle Er­innerungen geheiligte» BefitzthumS auf dem Berge Ziou in Erfüllung zu bringen.

So gebe Ich Mich der Hoffnung hin, daß Mein Aufenthalt im Türkischen Reiche, die ebenso gast­freundliche wie glänzende ^Aufnahme, die ich bei Seiner Majestät dem Sultan, entsprechend den freund­schaftlichen Beziehungen der beiden Reiche, gefunden,

ftitpigtn nehm« «irtgege«: He Expedition dieser Blatte«, die Annoncen» vnreaux von Haosentzein & Segler, Frankfurt e. M., Cassel, Magd» e. $L, Berk», München, Köln;

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anderweitige», die Einwirkung der Führer mehr ge­währleistenden Gliederung der vorhandenen Verbände. Auch ist bei einzelnen Waffengattungen, um den im Ernstfälle zu stellenden Anforderungen und den Fort­schritten der Technik gerecht werden zu können, eine Vervollständigung der Organisation nicht länger auf­schiebbar. Hierbei soll der financiellen Leistungs­fähigkeit des Reichs durch allmähliche Durchführung der nothwendigen Aenderungen Rechnung getragen werden. Ich vertraue, daß Sie fich von der dringen­den Nothwendigkeit der Vorschläge der verbündeten Regierungen überzeugen und durch die Bewilligung der erforderlichen Mittel der Armee die Erfüllung ihrer hohen Aufgabe, ein zuverlässiger Schutz des Friedend und des Vaterlandes zu sein, auch in Zukunft ermöglichen werden.

Der Voranschlag für die Marine ist durch das Flottengesetz vorgezeichuet und hält fich im Rahmen desselben.

Die Beziehungen Deutschlands zu allen aus- wärttgen Mächten sind unverändert fteuudliche. An Meinem Theile mit beizuttagen zur Aufrechterhaltung und immer größeren Festigung des Weftftiedeus, ist das vornehmste Ziel Meiner Politik.

Mit warmer Thetlnahme habe Ich deßhalb die hochherzige Anregung Meines theure» Freundes, Sr. Majestät deS Kaisers von Rußland, zu dem Zusammenttitt einer internationalen Conferenz be­grüßt, welche dem Friede» und der bestehende» Ord­nung der Dinge zu dienen bestimmt ist. Die auf der Conferenz zu Tage ttetenden Vorschläge, welche jenen edlen Zweck zu fördern geeignet erscheinen, find von Seiten Meiner Regierung sympathischer Auf­nahme gewiß und werden von ihr sorgfälttg geprüft und behandelt werden.

tiefem Schmerze und Abscheu gedenke Ich des fluchwürdigen Verbrechens, das Meinem tteuen Bundesgenossen, Seiner Majestät dem Kaiser und Könige Franz Joseph, die erlauchte Gemahlin jäh tnttiffin hat. Die ruchlose That, die ganz Deutsch­land, Fürsten und Volk, andauernd mit innigem Mitgefühl erfüllt, hat der Regierung Sr. Majestät des Königs von Italien eine Berathung wirksamer Maßregeln gegen die anarchistische Propaganda ge­boten erscheinen lassen und ihr Veranlassung zur Ein­berufung einer Conferenz gegeben. Die Bereitwilligkeit, mit welcher dieser dankenswerthen Einladung allerseits entsprochen worden ist, berechtigt zu der Zuversicht, daß ein richtiges Gleichmaß zwischen Rechten und Pflichten als unerläßliches Erforderniß für die ge­deihliche Entwickelung der internationalen Beziehungen nicht nur theoretisch von neuem anerkannt, sondern auch durch praktisch brauchbare Schlußfolgerungen be- thätigt werden wird.

Den auS unserer Neutralität im spanisch-amerikani­sche» Kriege sich ergebenden völkerrechtlichen Pflichten

Der Reichstag

gestern Mittag 12 Uhr im Weißen Saale des zzniglichen Schlosses zu Berlin von Sr. Majestät k» Kaiser mit folgender Thronrede er- rffnet worden:

Geehrte Herren! Bei dem Beginne einer neuen Legislaturperiode habe Ich Sie zu Mir entboten, mu Sie als die gewählte» Vertteter des deutschen LolkeS Namens der verbündete» Regierungen will­kommen zu heißen; möchte es Ihrer selbstlosen rhätigkeit gelingen, die zahlreichen und wichtigen gesetzgeberischen Aufgaben, welche Ihrer harren, einem der Wohlfahrt des Vaterlandes dienlichen Abschluß entgegenzusühreu.

Der weitere Ausbau der socialen Gesetz­gebung liegt den verbündeten Regierungen nach eit vor am Herzen. Auf diesem Gebiete wird Zhnm wiederum ein Gesetzentwurf zugehen, der den Ränge!» der JuvaliditätS- und Alters­versicherung in wesentlichen Beziehungen abzu- helfen sucht. Durch eine Novelle zur Ge- wer beordnung soll der den gewerblichen Arbeitern bereits gewährte Schutz vor Gefahren tür Leben, Gesundhett und Sittlichkeit auf die Gehülfen und Lehrlinge im Handelsgeschäft ausgedehnt und gleichzeitig Mißständen gesteuert werden, welche sich namentlich in der ConfecttonSindustrie gezeigt haben.

Eine besondere Vorlage schlägt Ihnen vor, die Zulassung von Beauftragten zur Vertretung der Parteien im patentarntlichen Verfahren gesetzlich zu regeln.

Der Terrorismus, durch den Arbeits- willige an der Fortsetzung oder Annahme von Arbeit gehindert werden, hat einen gemeinschädlichen Umfang angenommen. Dos den Arbeitern gewährleistete lloalitionsrecht, welches unangetastet bleiben soll, darf licht dazu gemißbraucht werden, das höhere Recht: zu arbeiten und von der Arbeit zu leben, durch Ein­schüchterung oder Drohung zu vergewalttgen. Hier die persönliche Freiheü und Selbstbestimmung nach­drücklichst zu schützen, ist nach Meiner und Meiner hohen Verbündeten Ueberzeugung die unabweisbare Pflicht der Staatsgewalt. Hierzu reichen aber die bestehenden Strafvorschristen nicht aus; sie bedürfen deßhalb der Erweiterung und Ergänzung. Diesem Zwecke entspricht ein Gesetzentwurf zum Schutze deS gewerblichen Arbeitsverhältnisses, welchem Sie, wie Ich zuversichtlich erwarte, Ihre Zustimmung nicht versagen werden.

Rach Vorschrift des Bankgesetzes ist bis zum Ablaufe des nächsten Jahres zu beschließen, ob das Privilegium der Reichsbank von neuem verlängert weiden soll; Sie dürfen entsprechenden Vorschlägen eutgegensehen, welche gleichzeittg bestimmt sind, dem

Srscheiot täglich «mtzer an Werttagen nach Sorm- und Feiertagen. 'OSTrTvRiiTrt

QuartalS-Sb-miementr-PretS bei der Srpedirisn 2 Mk , d« allen . m

Donnerstag. 8. Deccmber 1898.

(Nachdruck verboten.)

Schule des Lebens.

Roman von Marie Bernhard.

(Fortsetz»»,.)

DaS Kind gedieh, aber LorleS Kräfte wollten^ sich nicht heben. Die beiden sehr umsichtigen Aerzte versuchten dies und das, eS blieb Alles beim alten. Au organischer Fehler war nicht da, eS fehlte eben tu Frische, an Elastizität immer diese Schlaffheit, dies müde Zusammerrsinkeu l Und dabei warnten die Aerzte eindringlich jeden Tag: »Nur keine Auf­regung!" Dazwischen neue Scenen, neue Kämpfe mit ihm meinem Peiniger! Ich hatte mich ernstlich geweigert, seine Forderungen weiter zu er- Wien, mit voller Energie hatte ich ihm erklärt, dies solle und müsse ein Ende haben, meine Mttel seien erschöpft. Er hörte mir ganz ruhig zu und erwiderte dann, er könne zwar a» meine erschöpften Mtttcl uicht glauben, wenn ich ihm aber nicht weiter bei- stehen wolle, so sei er ja außer Stande, »ich dazu zu zwingen, er müsse denn einen anderen Weg ein­schlagen. Ich beschwor ihn, Lorle zu schonen er behauptete, gleichfalls keinen anderen Wunsch zu haben, aber mein Benehme» erschwere ihm diesen Vorsatz ungemein. Ich gab noch einmal" zum letztenmal! und schleuderte ihm meine ganze Verachtung ius Gesicht, sagte ihm Alles, was ich von ihm dachte, in den stärksten Ausdrücken. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er mich lächelnd anhörte, die Anweisung für den Bankier, die ich ihm gegeben, während dessen sorgsam zusammenfallete, in sein Portefeuille fleckte und endlich, als ich in ohnmächtigem Zorn verstummte, mit einer tiefen, höflichen Verbeugung zur Thür ging.

Es giebt einen französischen Roman von Georges Ohnet:Serge Panin, kennen Sie ihn? Nun also, wie jene Frau, die den schurkischen Gatten ihrer Tochter niederschoß, als er das Maß seiner Schlechttgkeit füllte, so hätte ich auch handeln mögen, und ich glaube nicht, daß mir später Ge­wissensbisse gekommen wären. Ich bin immer eine leidenschaftlich empfindende Natur gewesen, das wiffen Sie, und er war mir nichts davon abhanden ge- kommen; im Gegentheil, die innere wühlende Auf­regung hatte all' die Zeit hindurch dies Empfinden nur gesteigert. Aber der Tod dieses Menschen hätte jetzt auch der Tod meines Kinder werden können, so dachte ich damals! Vielleicht . . . aber waS nützt eS jetzt, davon zu reden!

Langsam, langsam ging eS mit meiner Tochter bergauf. Ich pflegte fie unermüdlich und die schöne Jahreszeit balf mit. ES war ein köstliches Früh­jahr, überall ein machtvolles Blühen und- Sprießen, die herrlichsten Blume» so wohlfeil, wie ich es in dem theure» Wien nie für möglich gehalten, die Luft wie Balsam. Wir konnten schon täglich eine kurze Ausfahrt wagen, konnten das Kind mit seiner Strome ins Freie schicken auf LorleS bleichem Gesicht blühten matte Rosen auf. Nun konnte es bald Zeit werden, ein offenes Wort mit ihr zu sprechen!

Da kam ei» wundervoller Juninachmittag. Mein Bankier hatte an mich geschrieben und um eine Unterredung mit mir gebeten; er glaubte, meine Gelder vortheilhafter placieren zu können, wollte aber selbstredend ohne meine Bewilligung nichts in der Sache thuu. Ich sagte meiner Tochter davon wir waren am Vormittag mit der Kleinen spazieren gefahren, die überaus warme Lust hatte Lorle ein wenig angegriffen, ich rieth ihr, fich niederzulegen.

Ihren Gatten hatten wir nm früh des Morgens flüchtig zu Gesicht bekommen, seither nicht wieder; das durfte uns nicht wundern, er war schon mehr­mals für den ganzen Tag fortgegangen. Meine Tochter versprach, mir den Willen zu thun, ich brachte ihr »och ei» besonders spannendes Buch, das ich zu lesen angefangen hatte, aus meiner Wohnung herauf, küßte sie und die Kleine und ging bis zur nächste» Pferdebahn ... ich hatte eine» weite» Weg vor mir.

Als ich zurückkam'

Der alten Frau versagte die Stimme. Sie lehnte sich in die Sophaecke zurück und bedeckte dir Augen mit der zitterüden Hand.

Sprechen Sie nicht weiter, liebe, arme Freundin, sagte Werder bittend.Es regt Sie über Gebühr auf! Lassen Sie es bis Morgen.

Sie machte ein verneinendes Zeichen.

Das wäre noch schlimmer für mich. Ich bin auch mit diesem Theil meiner Erzählung bald zu Ende, es ist nicht mehr viel zu sagen; lassen Sie eS mich kurz fassen. Ich kam nach mehreren Stunden heim, eS war schon Abend geworden. Ich fand die ganze Wohnung leer, niemand in der Küche, niemand im Kiuderzimmer. Nur die Kleine schlief ruhig in ihrem Korbwagen. In den Zimmern meiner Tochter war alles aufge­räumt, alles wohnlich und jchön wie immer. Wo­hin konnte sie noch so spät gegangen fein? Wo waren die Leute, die Köchin, eine ältere, sehr zuver­lässige Person, wo die Amme, die ihre» Pflegling zärtlich liebte? Ich war sehr erstaunt, dann erschrocken, was konnte dies bedeuten? Auch im Zimmer de» Mannes niemand, die Schränke, die Schubfächer sorgfältig abgeschloffeu, nicht» lag umher nicht ein­mal ein Cigarettenetui, ein Buch, ein Handschuh! Mit wankenden Knieeu stieg ich in meine Wohnung her­

ab auch dort alles leer und still, genau so, wie ich es verlassen hatte! Nun packte mich eine wilde Angst, ich stürzte die Treppe wieder herauf, ich lief von Zimmer zu Zimmer, laut Lorles Namen rufend und wieder! Als keine Antwort kam, hastig zum Portier hatte er jemand fortgehen sehen? Ja wohl,' zuerst die Köchin, die noch ein wenig gescholten habe: jetzt habe die Gnädige fie nach dem entlegensten Theil der Stadt geschickt, dahin, wo Wien bald zu Ende sei da könne fie ja vor neu» Uhr nimmer zurück sein, und wer derweil das Abend­essen richten solle? Und »ach einer Weile, so gegen sechs Uhr, sei die Amme gekommen, glückstrahlend: eben habe ihr die Gnädige erlaubt, ihre» Buben z« besuche« und ihr «och das Geld für die Pferdebahn gegeben die Kleine sei satt und schlafe fest, und die Gnädige wolle nach ihr sehen. Weiter sei nie­mand gekommen, die junge gnädige Frau sei nicht ausgegange», darauf könne er, der Portier, schwören. Mir blieb kein Zweifel, fie hatte die Leute fort­geschickt, um allein zu sei», ab« sie selbst wo konnte sie sein? Ich lief wieder hinauf, hatte ich denn auch überall gesucht? Ich sah in die Bade­stube, die VorrathSkammer, endlich fiel mir das Schrankzimmer ein, die früheren Bewohner hatten e» als Wohnzimmer benutzt, uns war es übrig gewesen, tzs stand ein Ofen darin, in den Plafond war ein starker Haken für eine Hängelampe eingeschraubt. Und da dort fand ich

Der Justizrath fuhr auf und faßte entsetzt Fra« Magdalenens eiskalte Hand.Um Gottes willen! eS ist doch nicht möglich!

Sie nickte stumm.

Er wagte eine ganze Weile nicht zu sprechen, sie zu fragen, er wagte nicht fie anzusehen.