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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt fiu die Kreise Marburg und Kirchhain.
Ib-Wm* Midi Sl. — XeSaiea SS. Jllnftrirtes S-nntagsblatt. "* *■
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Warburg
Mittwoch,7.December 1898.
Anreizen nehm«, «ntgtgta: He Exp-bition dieser Blatter, H« Annoncen-
Bureau; von Haosensüt« & Bögler, Frankfurt e. M., Cassel. Magd«- nn cVaPiva ietfi, Wien: Rudolf Moss«, Franffurt a. M., Berlin, München, Köln; OO. xjUlJLy.
C. 8. Daube * Co , Frankfurt a. SW., Berkin, Hannover. Pari« re.
Von Frankreichs „Patrioten."
* Die französischen Patrioten, welche ihre Haupt- ggfgabt in der Wiedergewinnung von Elsaß-Lothringen «blicken, haben hierzu schon die eigenartigsten Vorschläge gemacht. Dost die Wiedergewinnung mit gemalt nicht angeht, ist ihnen bei der heutigen Stärke Deutschlands und bei dessen Bündnissen völlig klar. Die Leutchen an der Seine find deßhalb immer und immer wieder bestrebt, den Krieg um die Reichslande allerdings als möglich erscheinen zu lassen, * im Uebrigen aber ihrerseits in Zeitungen und Broschüren allerlei Tauschgeschäfte vorzuschlagen, die Deutschland genehm fein könnten und eS sogar aufnahmefähig machen würden in den französisch - russischen Bund. So soll Deutschland, meinen fie, jetzt die Reichslande en Frankreich abtreten gegen einen beliebigen jetzt ftanzöfischen Colonialbesitz, den es sich selbst auswählen könne.
Weiter enthält daS neueste Heft des Pariser l’Europe nouvelle nachstehende Aeußerungen angesehener Franzosen au« den verschiedensten Ständen und Kreisen über die elsaß lothringische Frage. Der Deputirte Möziöres fordert für die Elsaß-Lothringer nur das Eine, daß sie selbst ihre Nationalität wähle» dürften. Der ehemalige Minister G o b l e t hält den Zeitpunkt sür günstig, daß Frankreich, der Unterstützung Rußlands sicher, die elsaß-lothringische Frage auf dem angesagten Congreß anschneide und eine Abstimmung der Elsaß-Lothringer über die bilden Fragen anreg?: ob sie bei Deutschland bleiben ober zu ihrem „ehemaligen Vaterlande zurück kehren" wollten. Der Akademiker Lemaitre fordert entweder ein Plebiscit in Elsaß - Lothringen, oder die Neutralifirung deS Elsaß; einen ähnlichen Standpunkt nimmt Leroi - Beaulieu ein, während Prof-ssor de Rosn y wenigstens so weit sich Beschränkung auferlegt, daß er die Lösung der elsaß-lothringischen Frage nur den Elsaß-Lothringern selbst überlassen wissen will.
Ob denn wirklich ein vernünftiger Franzose glaubt, daß Deutschland Elsaß - Lothringen that- sächlich je wieder herausgeben würde? Das deutsche Blut, das wir als Preis für dies zurückeroberte deutsche Land gezahlt haben, ist uns für ewig so theuer, daß wir um seinetwillen niemals die Reichslande als zum Tausch uns feil ansehen. Für dies Opfer an Blut ist urs der Rhein der betduftige deutsche Strom geworden, die Grenze gegen daS einsalllustige Frankreich sichert uns Metz, vom Straßburger Münster weht wieder die d-utsche Flagge, Elsaß- Lothringen ist unveräußerlicher Theil, ein von der deutschen Kaiserkrone untrennbares Stück.
Man kann sagen, daß allerdings ein Vorschlag schon etwas beachtenswerlher lautet, der jüngst in Paris, aber von keinem Franzosen, sondern von einem Russen, die ja den Herren alliirt sind, gemacht worden ist. Bei A. Charles in Paris erschien soeben unter dem Pseudonym A. Pereswiöte eine kleine Schrift „Der Krieg möglich, Bündnisse nothwendig." Der Verfasser räth den Franzosen sehr einfach:
Geschehenes geschehen sein zu lassen und zu vergessen, waS nicht mehr zu ändern ist, zumal da sich keine um das Wohl des Landes besorgte französische Regierung in einen furchtbaren Krieg stürzen werde .in der zweifelhaften Hoffnung, bte Souverainität über einige hundert Kilometer Landes wiederzuge- ttinnen". Wenn Frankreich zu dem für es so verthvollen Bündniß mit Deutschland gelangen wolle, so muffe es die Revanche ein- für allemal fahren laffen.
„ES ist lächerlich, so sagt Pereswiöte, eine BelerdMng in einer Sache zu finden, worin kein anderer Mensch eine Solche findet, und noch lächerlicher ist es, wenn man sie ewpiindlt, nichts zu thun. Da wär« es besser, Lberbanpt nicht mebr daran zu denken! Ich wenigstens bin der Mer- nung, daß der Rückzug von Faichoda, ein durch eine grund- und finnlole Forderung veranlakter Rückzug, weit schwerer zu t-agen ist, als die Abtretung von zwei Provinzen in Folge eines unglücklichen Krieges, desien V.rantwoitung und Ursache in den Augen von ganz Europa auf eine Regierung fällt, die das Land für alle Z-it verurtheilt hat. Frankreich muß das Beispiel Rußlands befolgen, das die ungerechtfertigten und rein dynastischen Jnvasionen von 1H2 und 1856 vergessen und 1891 wie 1815 Frankreich die Hand gereicht hat, weit e» Verständnitz dafür hatte daß in der Politik nicht die Vergangenheit, sondern die Gegenwart herrscht, daß man nicht an daS Vergangene, ignbtrn an die Zukunst denken muß. daß nicht die stumme Wut'n Kraft verleiht, sondern daß die Gesa meidigkeit und der Glaube an sich selbst den Nationalcharakrer erheben . .'
Viel, vernünftiger kann ein Verbündeter zu beit französischen Patrioten, über dies Thema kaum spreche»; nur freilich, daß er die Verbündeten Rußlands von der Seine nicht gut genug kennt. Während von den ftanzöfischen Regierungsmännern, die ja oft ge
wechselt habe», sich keiner im Besitz des Portefeuilles des Ministeriums des Aeußern der Eiker.ntniß verschlösse» hat, daß Frankreich heute nicht stark genug gegen Deutschland ist, Rußland aber nur ein Defensiv- bündniß zur Aufrechthaltung des Friedens kinging, daß also vorläufig in der activt» Regierungspolitik die Revanche-Frage gavz außer Spiel zu lassen ist, kann ein französischer Patriot, unter Meister Dsroulöde vornehmlich, nicht darauf eingeheu, irgend eine Zelt einmal die Revanche - Frage nicht zu reiten. Sie sorge» weniger im Interesse Frankreichs cls im Selbstintcresse zur Erlangung von Mandaten, Fang von Abonnenten für von ihnen herausgegetene Blätter und Blättchen, unaufhörlich für die Neu - Anfachung des Revanche - Gedankens. Eines erreichen auch fie dabei mit, daß ihre Ge> flnnungs Genossen natürlich nie fehlen, wenn es gilt, Heer und Marine Frankreichs zu verstärke». Für uns Deutsche kann diese Haltung wenigstens den Nutzen bringen, daß wir uns bewußt find, wie von Frankreich, falls es sich eben stark genug fühlte, eine Friedensstörung noch allezeit zu erwarte» ist. Wir haben daraus die Lehre zu ziehe», daß auch wir Deutsche uns stark genug, und unser Pulver allezeit trocken zu halten habe». In diesem Sinne ist auch wieder die Erhöhung der Heeresstärke, die alsbald dem heute zusammentretende» Reichstage vorgelegt und in der Commission motivirt werden wird, mit aufzufassen; erklären fie unsere militärischen Sachverständigen für nöthig, so geben wir auf die Gegenschreierei Eugen Richters und der Demokraten genau so viel wie auf Virchows einstigen Abrüstungs- Antrag.
Umschau.
Ein deutsches Blatt hatte vor einiger Zeit über mangelhafte Wahrnehmung der I n t e r e s s e n der im Auslande lebenden Deutschen durch die dazu berufenen diplomatischen und konsularischen Vertreter des Reiches Klage geführt und zur Begründung seiner Beschwerde auf zwei Fälle hin- gewiesen, in denen die Bethe'ligten, deutsche Fischer am Bodensee, bei der Geltendmachung von Entschädigungsansprüche» gegen Schweizer, und ein deutsches Ehepaar bei einer Reklamation über widerrechtliche Verhaftung durch schweizerische Behörden von der Kaiserlichen Gesandtschaft in Bern und von dem Konsulate des Reiches in Zürich angeblich nicht energisch unterstützt worden sind, lieber den diesen beiden Fällen zu Grunde liegenden Sachveihalt erfährt die „N. A. Ztg." von unterrichteter Seite Folgendes:
Mehrere Fischer aus der badischen Gemeinde Allmanns- dorf am Bodensee, die in Folge des Genusses verdorbener, ihnen in Kurzrikenbsch im Schw-izer Kanton Thurgau v r- abfolgter Wurstwaaren nicht unbedenklich erkronki waren, hatte! sich an das Kaiserliche Consvlat in Zürich mit der Bitte gewandt, ihnen bei der Erlangung von Schadenersatz für die durch die Erkrankung erlittenen Verluste behülflich zu sein. Bei de' Höh« idier Forderungen erschien ein Versuch, durch consularische Vermittelung von dem Regreß- pstichtigen Zahlung zu erhalten, von vornherein aussichtslos. Da andere-seitr, wenn sich eine gütliche Einigung zwischen den Parteien nicht erzielen li-ß, zur Turaführung der Schadenersatzansprüche als eimiges Mittel nur die Beschreitung des Rechtsweges offen stand, mußte sich der Conful in Zürich nach Einholung des Rothes dortiger Anwälte darauf beschränken, den Antragstellern die Erhebung der Klage anzuratben und ihnen zu diesem Zwecke einen gttigrehn Sachwalter namhaft zu machen. Dies ist geschehen. Mehr konnte der Conful zunächst nicht thun, so bereitwillig er war, den Fischern im weiteren Verlaufe der Angelegenheit jede innerhalb seiner Amtsbrfuguiffe liegende Hülfe angedeihen zu laffen. Der gegen ihn erhobene Vor wurs, für d « Allma-nsdorfer Fischer nicht eifrig genug eingetreten zu sein, erscheint daher nicht begründet.
Ebensowenig bietet der zweite Fall eine genügende Unterlage für die gegen unsere Vertretungen im Auslande allgemein erhobenen Anschuldigungen. In der zweiten Hälfte des Octobers d. I. erschien nämlich auf der Kaiserlichen Gesandtschaft in Bern der Kaufmann Karl Matthes mit der Bitte, ihm und seiner ihn begleitenden Ehefrau die Mittel zur Rückreise nach Zürich, ihrem Wohnsitze vorzustrecken. Herr Matthes theilte dabei mit, daß er wie feine Gattin von Schweizer Behörden widerrechtlich feft= genommen und einige Zeit in Haft behalten worden sei. Da das Ehepaar Matthes seine Behauptung, im Besitze der Reichsangehörigkeit zu sein, durch Ausweispapiere nicht zu erhärten vermochte, durfte ihm die erbetene Geld Unterstützung nach de» maß- cebenben Bestimmungen au8 öffentliche» Mitteln nicht gewährt werden. Herr Matthes wurde deßhalb an beit deutschen Hülssverein in Bern gewiesen, nachdem ihm wiederholt erklärt worden war, daß die Kaiserliche Gesandtschaft selbstverständlich gern bereit sein werde, sich seiner Beschwerde gegen
die beteiligten Behörden anzunehmen. Herr Matthes lehnte dieses Anerbitten inbeffen ausdrücklich mit dem Bemerke» ab, daß er seine Reklamation bereits beim Schweizer Bundesrath anhängig gemacht und im Uebrigen mit der Verfolgung seiner Schadenersatzansprüche einen Advokaten betraut habe. Auch in biefem Falle liegt mithin nichts vor, was die Behauptung, die Gesandtschaft in Bern sei ihrer Pflicht, einem Deutschen Schutz zu gewähren, nicht nach- gekomme», rechtfertigen könnte.
Von Seiten der Pariser Patrioten wurde am 4. d. M. in Champigny der Jahrestag der Schlacht von 1870 gefeiert. Mehr als 10 000 Personen hatten sich eiugefunben, auch der unermüdliche Deroulede war mit einer stattliche» Schaar Patrioten erschienen. Der Bürgermeister der Gemeinde hatte in einer Ansprache empfohlen, jede An- spiegelung auf die Tagesstreitigkeiten zu vermeiden; als aber der Bürgermeister von Nogent für Marne erklärte, die Generäle Trochu, Ducrot und andere hätten nicht siegen wollen, erhob sich lebhafter Einspruch. Nun griff auch Deroulßde ein und erklärte, indem man die tobten Generäle beschimpfe, habe man bin lebenden beschimpfen wollen. Er wurde im Triumph nach dem Bahnhof geleitet, und dort hielt er eine Ansprache, worin er sagte: „Sie zählen auf mich, um den Cosmopolitismus zu bekämpfen, Sie haben recht, ich werde bis zum Ende streiten. Sollten mir die Kräfte ausgehen, so ersetzt "mich; falle ich, so rächt mich/ Der gewohnheitsmäßige Prahlhans! — Nach der „Aurore" überreichte der Advokat Mimerel im Name» Picquart's am 5. d. Mts. dem Kassationshof dessen Recurs gegen die Kompetenz des Kriegsgerichts. Der Recurs beruft sich auf die Thatsache, daß bereits ein civiles Verfahren gegen Picquart wegen tbeilweise der nämlichen Handlungen anhängig ist, macht aber auch geltend, daß das militärische Verfahren insgesammt die nämliche Tendenz verfolgt wie daS civile, nämlich darzmhun, daß Picquart Esterhazy durch das „petit bleu" vernichten wollte. Damit sei die formelle und sachliche Connexttät beider Verfahren bewiesen. Vom Tag der Zustellung des Rekurses bis nach der Entscheidung des Ccssationshofs tritt nach § 531 der Strasproceßordnung die Vertagung beider Ver sahren ein.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Dccbr. Se. Majestät d-r Kaiser hörte im Siadtschlosse zu Potsdam heute Morgen den Vortrag des Chefs beS Civilkadinets, Wirklichen (geheimen Raths Dr. von Lucanus und hierauf die Marinevorträge.
— Das Staats-Ministerium traf heute Nachmittag 3 Uhr im Dienstgebäude, Leipziger Platz 11, unter dem Vorsitz des Minister-Präsidenten Fürste» zu Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen.
— Bei der heute im 2. Berliner Wahl- bezirk vorgenommenen Ersatzwahl zum Hause der Abgeordneten wurde der Brauerei-Direktor Goldschmidt (freisinnige Volks Partei) mit 991 von 998 abgegebenen Stimmen gewählt.
— Geheimrath Prof. v. Bergmann weilte am gesttige» Sonntag in Kiel, um in Gemeinschaft mildem Geheimrath v. ESmarch eine Operation an dem an einer Halsentzündung erkrankten Prinzen Waldemar vorzunchmeu. Als der Kaiser, der für seine beiden Neffen, namentlich während der augenblicklichen Abwesenheit ihrer Eltern (Prinz und Prinzessin Heinrich) in Asten, sehr besorgt ist, hiervon telegraphische Kenntniß erhielt, wollte er Abends selbst dorthin fahren und nahm erst davon Abstand, als ihm gemeldet wurde, daß das Befinden des Patienten sich erheblich gebessert habe. Auch heule hält diese Besserung an. Zur Pflege des Prinzen ist in Kiel die Prinzessin Baltenberg, eine Schwester der Prinzessin Heinrich, eingetroffen.
Hamburg, 5. Dccbr. Die „Hamburger Nachrichten" enthalten eine Correspondenz aus Stuttgart, welche die Angaben der Biätter über das von der Colta'schen Verlagsbuchhandlung für die Bi smarck'schen Memoiren gezahlte Honorar als übertrieben bezeichnet und mitiheilt, daß pro Band nur 100 000 Mk. stipulirt seien, und zwar ein- für allemal, so daß alle pekuniären Ergebnisse aus der Uebersetzung und späteren Auslagen ausschließlich und ohne Einschränkung dem Verlage Vorbehalten blieben.
Stuttgart, 5. Dccbr. Das ärztliche Bülletin über das Befinden der Prinzessin Friedrich
von heute Abend 5 Uhr lautet: Der Zustand hat sich nicht gebessert; ernste Befürchtungen find nicht ausgeschlossen.
Aus Marburg und Umgegend.
f Marburg, 6. Decbr. Der Vaterländische Franenverein zu Marburg beabsichtigt im Januar künftigen Jahres für Samen einen Unterrichlskursus in der Krankenpflege zu veranstalten. Es geschieht dies in der Absicht, um Hilfskräfte für den Krankendienst auszubilden, die im Falle einer Mobilmachung Verwendung finden können und nothwendig sein werde». Damit ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch solche Damen an dem Unterricht Theil nehmen können, die sich nicht für den Kriegsfall verpflichten wollen, wohl aber sonst die Absicht haben, die Krankenpflege zu erlernen. Herr Dr. Kleinschmidt, Assistenzarzt der chirurgischen Klinik, welcher schon früher ähnliche Kurse mit Erfolg geleitet hat, hat sich gütigst bereit erklärt, den Unterricht zu erteilen. Der Kursus soll ungefähr 15 Stunden umfassen, und es werden in diesem nicht nur Vorträge über die Grundbegriffe der Krankenpflege gehalten, sondern auch kleine practische Uebungen z. B. in der Anlegung von Verbänden vorgenommen werden. Es liegt auf der Hand, daß ei» solcher Kursus zu einer vollkommenen Ausbildung in der Krankenpflege nicht ausreicht, und es besteht deshalb die Absicht, in erster Linie solchen Damen, die sich verpflichten wollen, im Kriegsfälle dem Vaterländischen Frauenverein ihre Dienste zur Verfügung zu stellen, ausgiebigere Gelegenheit zu practische» Uebungen zu geben. Dies Ziel wird am besten erreicht durch eine Uebungszeit in der chirurgischen Klinik. Herr Geheimrath Küster hat dieErlaubniß ertheilt, daß immer je zwei Damen, die vorher den theoretischen Kursus durchgcmacht habe», während vier Wochen in der Slir.it beschäftigt und im practischen Dienst am Krankenbett aus gebildet werden. Die Damen können in der chirurgische» Klinik Wohnung unv Vrpflegung finden und es ist bafür der niedrige Preis von 2 Mk. pro Tag in Anschlag gebracht. Solchen Damen, die eS vorziehen, nicht in der Klinik Wohnung zu nehmen, kann gestattet werden, nur den Tag über in derselben zu verweilen. Der Vaterländische Frauenverein hofft, daß er auf die Hülfe auch derjenigen Damen, welche sich auf eigene Kosten dieser practischen Ausbildung unterziehen, für den Kriegsfall, soweit cS ihre Verhältnisse gestatten, in hiesigen Lazarethen rechnen kann. Der Vorstand bittet, schriftliche Anmeldungen zu den theoretischen Kursen bis zum 15. Dezember an Frau Geh eimrath Steinmetz ober an Frau Dr. von ßengerte gelangen zu lassen.
* Verleihung. Wie schon durch Königl. Erlaß vom 27. Januar d I. in Aussicht gestellt worden war, hat nunmehr Se. Majestät der König sämmt- lichen Professoren der höheren Lehranstalten (statt bisher der Hälfte) den Rang als Räthe IV. Claffe verliehen.
* Ernannt wurde zum Hauptlehrer der Lehrer an der hiesigen städtischen katholischen Schule, Herr Bor».
* Der Bürgerverein nimmt Morgen (Mittwoch) Nachmittags 4 Uhr eine gemeinsame Besichtigung der städtischen Klärbecken - Anlagen vor. Näheres siehe das heutige Inserat.
* Vortrag. Seitdem Arthur Schopenhauer die Grundgedanken der buddhistischen Philosophie gepriesen hat, sind buddhistische Anschauungen und Lehren immer mehr von de» Kulturvölkern auf» genommen worden. I» der heutigen Litteratur und Kunst finden wir die Lehre von der Seelevwanderung und dem Ausruhen der Seele in Gott; in Dresden ist sogar eine Stiftung gemacht worden, um die liiterarische Verbreitung der Lehre von der Wiederverkörperung zu fördern. Im Christenthum und Buddhismus stehen die beiden verbreitetsten Religions- ar,schaumigen mit je mehr als 400 Millionen Anhängern einander gegenüber. In dcu Kampf dieser Religionen hat Herr Divisionspfarrer Falke auS Erfurt mit einer berechtigtes Aufsehen erregenden Schrift „Christus, Buddha und Muhammed" ein» gegriffen, Am nächsten Donnerstag werden wir Gelegenheit haben, Ihn seine Ansichten selbst vor- tragen zu hören und macken wir auf de» interessanten Sortrag besonders aufmerksam.
Telephon-Verkehr. Künftig soll "beim telephonischen Fernsprecher von allen Fällen, in welche» wegen zeitweiliger Abwesenheit des gewünschten Thcil-