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MW tialich «ß« w Äerftege» «ch ®enw unb Mtrtagen. Querta»=toennemtittHM8 bei bet «Meditien 2 Mk., bei alle»

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Zweites Blatt

prechen wir noch die Bitte aus, keinen der er-

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) Wurden während der Türkenkriege angeordnet.

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Erinnerungen und Gedanken von Otto Fürst v. Bismarck.

Ergänzung in den Bezirksversammlungen zu be- rathen uud daun gefälligst im Laufe dieses Winters bis spätestens Ostern 1899) an uns einseuden zu wollen. Die Bearbetter find für ihre Berichte ver­antwortlich ; ihre Namen werden an geeigneter Stelle tets angeführt werde».

Mr bitten nun, über folgende Puntte in der unten angegebenen Reihenfolge zu berichten. Zugleich

M 284

Die feinsten Thees 1898 er Ernte der bekannten Firma Thee Messmer (KaiserL König!. Hoflieferant) sind im Verkauf. 1898 er Souchong mit Blttthen (100 Gramm Packete L 1 Mark) und Kaiserthee (in Blech­dosen ä 1.86 Mark) sind Kennern empfohlen.

*) Selbstverständlich können auch ander» Herren zur Mitwirkung herangqogen werden, ja, eS ist sogar sehr wünschenswert^, namentlich in gröberen Städten, em- heimische Bürger znr Mitarbeit zu Rathe zu ziehen, da dieselben über Sitten und Gebräuche ihres tzeimathsortes am besten unterrichtet sind. So hat sich z B. Herr Dr. med. Schwarzkopf »u Taste! in bei hebens« «ürdigstens Weise bereit erklärt, über die Tasteier Ber- hältniste einen eingehenden Bericht zu liefern. Geeignete Beiträge werben von Jedermann mit Dank entgegen ge­nommen.

Zu der diesjährigen Novemberfitznng desVer­eins für Erdkunde" iu Cassel unterbreitete Herr Heßler der Versammlung zunächst nachstehende Vorlage, welche fteudige Zustimmung und Annahme fand. Dieselbe enthält eine Bitte au die Lehrer Hessens uud lautet folgendermaßen: DaS 19. Jahrhundert naht seinem Ende. Ei» Zeit­raum schließt mit ihm ab, der Deutsch­land» Schicksal gar herrlich gewendet, der unS aus Schmach, Zerrissenheit und Ohnmacht zu Ruhm, Ehre und unvergleichlicher Macht erhoben hat. Was wird wohl das kommende Jahrhundert für uns in seinem Schooße bergen? Wer aufmerksamen Blickes um sich schaut, dem wird es nicht entgehen, daß sich im Leben unseres Volkes in gar mancher Beziehung ein Wandel vollzieht, ein Wandel, der jedoch nicht in jeder Hinficht geeignet ist, unsere Herzen mit Freude und froher Hoffnung zu erfüllen. Wohl tritt mit Recht das Beffere an Stelle des Guten, aber leider wird gar oft das Ente nicht durch Besseres ersetzt. Blicken wir im Seifte zwanzig bis fünfzig Jahre zurück, so können wir die Wahrnehmung machen, daß fich in unserem Volks­leben gar Vieles geändert, daß sich wohl Manches zum Besseren gewandt, daß aber auch gar manche schöne Sitte, gar mallcher gute »rauch durch eiue immer mehr sich auSbreiteude verderbenbringende ReuerungSsucht verdrängt worden ist. Aber noch ist zum Glück nicht alles Schöne und Poettsche aus dem Leben unseres Volkes gewichen. Noch zeigt fich, wenn wir genauer blicken, tiefe, reiche Poesie in manchem Liede, in manchem Brauch, iu mancher Tracht uud Sitte. Doch wie lauge wird man sie noch übeu, lieben und beibehalteu? Führt nun auch der stete Wechsel der Zeit und der Verhältnisse ganz naturgemäß im äußeren Leben des Volke» Ver äuderuvgen herbei, so verharrt doch zu unserem Trost das ännere des Volkes, sein Fühlen und sein Denken, in einer gewissen Stetigkeit und Ruhe. Fest wie der Berge Grund, treu wie das Blau deS Himmel», wie die Maienlüste und Winterstürme sich immer gleich bleiben, so ist auch das Volk in seinem tiefinnersten Sinnen und Denken.

Unsere Pflicht ist eS nun, nach gewissen Zeit­abschnitte« an den Wendepunsten einer neuen Zeit, die ganze Eigenatt eines Volkes, sein Leben und Treiben, seine Sitten und Gebräuche iu Wort uud Bild treu wiederzugeben und dm künftigen Ge­schlechtern zu überliefern; bemtda» Volksthum ist die Urquelle aller Kmntuiffe über ein Volk, das LolkSthum ist aber auch der Völker Jungbrunnen, der fie jung erhält, der fie, wenn ihnen Untergang droht, verjüngen kann". Ein Werk, das ein Spiegelbild de» Volkslebens bietet, bis zum Ende dieses JahrhundettS über ben Regierungsbezirk Eaffel, daS ehemalige Kurfürstentum Heffen, zu schaffen, hat der Verein für Erdkunde zu Caffel fich vorgenommeu. Worin wird nun die Hauptthätigkeit des Verein» bestehen muffen? Dieselbe wird fich uammtlich beschränken auf die planmäßige Durch- führnng deS Werkes, sowie auf die Bearbeitung und Anordnung deS Stoffes. Richt kann es die Auf­gabe deS Verein« fei», die Bausteine überall selbst zu sammeln. ES ist dies gänzlich ausgeschlossen; dmn die ans Retsm gesammeltm Beobachtungen und Bettachtungen bleiben in dm meisten Fällm an der Oberfläche, ohne das Innere des Volkslebens richttg kennen zu lernen. Wir wenden »nS daher an die hessische Lehrerschaft*) in der festen Zuversicht, daß dieselbe znr Erreichung dieses edlen Zweckes uns die Hand bieten werde. Die hessische Lehrerschaft wird sich in einem solchm Werke ein bleibende» ehrendes Denkmal setzm.

Wir bitten darvm die Herren Bezirksvorstände, geeignete Herrm ihre» Bezirks zur Bearbeitung des Stoffes zu veraulaffm, die Arbeiten zwecks etawiger

Eine Sitte an Hessens Lehrer.

C. T. ««fiel, 1. December.

WMwoMch 0r bk ÄtbeÄton: RodaAmr M. Hartmann ta Itafatt KtboBtM: Statt M. «

sich:Wie geht es bei Ihnen?" In der Gereiztheit, die ich seit den Märztagen in mir trug, antwortete ch:Schlecht". Darauf der König:Ich denke, die Stimmung ist gut bei Ihnen." Darauf ich, unter dem Eindrücke von Auordnungm, deren In­halt mir nicht erinnerlich ist:Die Stimmung war sehr gut, aber sei die Revolution uns von den königlichen Behörden unter königlichem Stempel ein- geimpst worden, ist fie schlecht geworden. DaS Vettrauen zu dem Beistände des Königs fehlt." In dem Augeabcke trat die Königin hinter einem Ge­büsche hervor und sagte:Wie können Sie so zu dem Könige sprechen?"Laß mich nur, Elise," versetzte der König,ich werde schon mit ihm fertig werden,; und dann zu mir gewandt:Was werfen Sie mir denn eigentlich vor?"Die Räumung Berlins."Die habe ich nicht gewollt",verwiderle der König. Und die Königin, die noch in Gehörs­weite geblieben war, setzte hinzu:Daran ist der König ganz unschuldig, er hat seit drei Tagen nicht geschlafen."Ein König muß schlafen können", versetzte ich. Unbeirrt durch diese schroffe Aeußerung sagte der König:Man ist immer klüger, wenn man von dem Rathhause kommt; was wäre denn damit gewonnen, daß ich zugäbe,wie ein Esel" gehandelt zu haben? Vorwürfe sind nicht daS Mittel, einen umgesiürzten Thron wieder aufzurichteu, dazu bedarf ich des Beistandes und thätiger Hingebung, nicht der Kritik." Die Güte, mit der er dies und ähnliches sagte, überwälttgte mich. Ich war ge­kommen in der Sttmmung eines Frondeurs, dem

ißigster icitäts- Firm« : ttttl te uo> fi-«s 5 Pf-. in

1847 dafür gewesen, daß die Möglichkeit öffent­licher Kritik der Regierung im Parlamente und in der Presse ersttebt werde, um den Monarchen vor der Gefahr zu behüten, daß Weiber, Höflinge, Streber und Phantasten ihm Scheuklappen anlegten, idie ihn hinderten, seine monarchischen Aufgaben zu ! übersehn und Mißgriffe zu vermeiden oder zu corrigiren. Diese meine Auffassung hat sich um so r T__ , f ... .. ! schärfer ausgeprägt, je nachdem ich mit den Hof- wähnten Punfte unberücksichttgt zu lassen; ist nichts! treffe« mehr vertraut wurde und gegen ihre Besonderes über denselben zu sage«, so möge die» I Strömungen und gegen die Oppofitton des Ressort- ausdrücklich bemertt werden. Die Blätter wolle man! Patriotismus daS Staatsiuteresse zu vertreten hatte, gefälligst nur auf einer Seite beschreiben, damit die!Dem Sammlertrieb seiner College« widmet einzelne« Abschnitte leicht zur Bearbeitung verteilt! er folgende ironisch gewürzte Bemerkung: werden können. Sollten fich noch Bräuche finden,! Ich gestehe, daß ich mich, als ich (1849) meine auf die hier nicht hingewiesen worden ist, so bitten let^t Auszeichnung, die Rettungsmedaille, erhielt, wir, auch über diese zu berichten. Ferner wolle 1 erfreut und gehoben fühlte, weil ich damals ein in man noch die Sttten und Gebräuche erwähnen, btelbiefer Beziehnung nicht blasirter Landjunker war. noch bis vor etwa 1020 Jahren üblich waren, I Im Staatsdienste habe ich diese Ursprünglichkeit der aber mit dem Hinweis, daß dieselben gegenwärttg I Empfindung schnell verloren; ich erinnere mich nicht, nicht mehr bestehen. |bei spätem Decorirungen ein objektives Vergnügen

Wir bitten also um Folgendes: I empfunden zu haben, sondem nur die subjective

1. Volkstrachten, Beschreibung nach Stoff, Form I Freude über die äußerliche Lethättgung des Wohl- uud Farbe. Gewünscht werden hierzu Ab-1 wollens, mit welchem mein König meine Anhänglich- bilduugen und bunte Trachtenbilder. I feit erwiderte, oder andere Monarchen mtt ben

Sitten unb Gebräuche: I Erfolg meiner polittschen Werbung um ihr

a) bei Familienfesten: wie bei Kinbtaufen, I Vertrauen unb ihr Wohlwollen bestätigten. Unser Hochzeiten, Begräbnissen, Trauermahl, I H^Mer v. Zorbau in Dresben antwortete auf Trauerfarben, Hochzeitsgebräuche und bereu scherzhaften Vorschlag, eine seiner vielen Bebeutung, Brautwerber, Brauttanz, I Decorationen abzutteten:Je vous les cede Fenstern, Liebeszauber u. s. w. Itoutes, pourvu que vous men laisserez une

b) bei Erntefesten, Schlachtefesten, bei der I pOur COuvrir mes nudites diplematiques. In Kirmeß (Beschreibung besonberer Tänze), I ber Dhat gehört ein grand cordon zur Toilette beim Bau eines Hauses, beim Hanbel, betm I e|ne8 Gesandten, unb wenn es nicht der des eigenen Wechsel von Knechten und Mägden, in ber|$oftg ist, f0 bleibt die Möglichkeit, wechseln zu Spinnstube, bei Neujahrsgaben u. s. w. I können, für elegante Diplomaten ebenso erwünscht, c) in der Volksmedicin: Blutstillen, Besprechen, I to|e Damen bezüglich der Kleider. In Paris Schutzbriefe, Amulette, Leichenvogel, SIei«La6e ich erlebt, daß unverständige Gewaltthaten gießen, Träume, Vorbedentuugen, den Tod ßefltn Menschenleben plötzlich stockten, weil sie auf betteffend u. s. w. I nUn monsieur decore stieße». Orden zu tragen,

d) bei anderen Gelegenheiten, z. B. in der l mich, außer in Petersburg unb Paris, nie- Walpurgisnacht, zu Weihnachten, Fastnacht, I ma{§ e|n Bedürfniß gewesen; an beiden Orden muß Ostem, Himmelfahrt (Kräutersammeln), l auf der Sttaße irgend ein Band am Rock Pfingsten (Wasserschöpfen), am Nicolaus- zeigen, wenn man polizeilich und bürgerlich mit der tage (Klowesabend) n. s. w. wünschenswerten Höflichkeit behandelt werden will.

Erzählungen vom Teufel, Werwolf und ber 1 gDnft ^abe ich in jebem Falle nur bie durch die Hexe (Pflanzenglauben, Riese») u. s. w. Gelegenheit gebotenen Decorattonen angelegt; eS ist Sagen unb Märchen, Volkslieder, Trinklieder, I m|r immer als eine Chinoiserie erschienen, wenn ich Kinderlieber, Wiegenlieder, Volksspiele, Kinder-1 mahmahm, wie krankhaft ber Sammlertrieb in Be­spiele, welche ben einzelnen Landschaften eigen-1 jUß auf Orden bei meinen College» und Mit- thümlich sind. arbeitem in ber Bureaukratie entwickelt war, wie Ge-

Volkshumor iu Sprüchen, Reimen, Rebens-! s^atbe, welche schon bie ihnen aus ber Brust arten. Wetterregeln, Nachwächterrufe u. s. w. quellende ObenScascabe nicht mehr gut beherrschen Beschreibung vim Gettäuken unb Sebäckm, welche konnten, ben Abschluß irgend eines kleinen Ver­den einzelnen Gegenden eigenthümlich sind. träges anbahnten, well fie zur Vervollständignug VolkSbeuennungen (wie z. B. Diemelfüchse). I ihrer Sammlung noch des Ordens mitconttahirendeu Inschriften von Sauten, Glocken, Grabdenk-1 Staates bedurften.

mälem. I Von Bismarcks Fähigkeit, eine Persönlichkeit

Beschreibungen und Abbildungen »o» JW ^nd zu kennzeichnen, enthält daS Werk

malem (Denksteine an Velten Muhly und ^. $ b So sagt er von dem Genera

Breda bei Niebrlsdorf, MMein bei Maden ^TLtz7GeM er den geschickten « 1-«)' ^e?eSatdB' r^n ftfr ?enS9 I«arbero6ier ber mittelalterlichen Phantasie bes

(Nabelöhr bei Friebewald) u. s. w. I Königs machte unb dazu beitrug, daß ber König

10. An welchen Ortm besteht noch die Sitte, historische Formftagen und reichsgeschichtliche wahrend berGebetschlage ) eine Andacht zu | ^rytneiungen Gelegenheiten zu praMschem Ein­verrichten. I greifen in die Entwicklung ber Gegenwart ver-

»ße Zaschriften und Anftagen wolle man gefi.I|äumte« Die unerschrockene Mannes- uchten^an ben ®0I^n^e : Se^reI|natur Bismarcks, wie fein Charakterifimngstalent

6atl Heßler, Cassel, Weinbergstraße 16. I kommen in folgmber Episobe vorttefflich zur An-

A«W«hmWWttgeH«»: EWeditis«MffeSBWS.dttÄmwntnt»

U Bureaus von Haasenßtt» * «e«kr, Frankfurt a M., Caffel, Magd«- nn

_ , . ~ t Wwa, Rudolf Maß«. Frankfatt t. M., Btrftu. Münch»». ««»; oo.

Sonntag, 4. December 1898. k»»«»»«« ».»«««, fr*.« ____________

Mein erster Besuch iu Sanssouci kam unter

ungünstigen Aspecten zu Stanbe. In ben ersten Tagen des Juni 1848 befand ich mich In Potsdam, als ein Leibjäger mich in dem Gasthofe auffucht, um mir zu melden, daß ber König mich zu sprechen («erlag von Cotta, Stuttgart,, I wünsche. Ich sagte unter dem Eindruck meiner

Niemand wttd von den beiden vorgestern von uns I ftondirenden Gemüthsstimmung, daß ich bedauerte, schon warm empfohlenen Bänden sensationelle E»t-Idem Befehle Sr. Majestät nicht Folge leisten zu Hüllungen ertoartet haben; in der That ist denn! können, da ich im Begriffe sei, »ach Hanse zu reffen, auch das meiste, was Bismarck erzählt, in dm Um-1 und meine Frau, deren Gesundheit besonderer rissen bekannt, und doch wirft diese ftare Darstellung! Schonung bedürfe, fich ängsttgen wurde, wenn ich lebensvoller Gedanken und denkwürdiger Begebenheiten! länger als verabredet ausbliebe. Nach einiger Zeit ungemein fesselnd durch die erfrischende Unmittelbar-!erschim der Flügeladjutant Edwin von Manteuffel, kett, mit der hier ein großer, freier und tapferer! wiederholte bie Aufforderung in Form einer Eiu- Geist zu nnS redet. Es ist ein landläufiger Jrrthum, I ladung zur Tafel unb sagte, ber König stelle mir daß ber junge Bismarck tief in ben Borurtheilenleinen Feldjäger zur Verfügung um meine Frau zu und in ber Ueberschätzung seines Standes gesteckt! benachrichtigen. Es blieb mir nichts übrig, als habe. BiLmarck schrieb seinen Namen von Jugend! mich nach Sanssouci zu begebm. Die Tischgesell- an ohne ,v." und nahm dasv." erst aus I schäft war sehr klein, enthielt, wenn ich mich recht Opposition' gegen die Snttäge auf Abschaffung des I erinnere, außer ben Damen und Herrm vom Dienste Abels 1848 an. Seine bamalige politische Grund-1 nur Camphausen unb mich. Nach ber Tafel führte anschauung kennzeichnet er also:Ich bin schon Iber König mich auf die Terrasse unb fragte freund­

es ganz recht sein würde, ungnädig weggeschickt zu werden und ging vollständig entwaffnet und gewonnen.

Bei meinem Verkehr in Sanssouci lernte ich die Personen kennen, die das Vertrauen des Königs auch in politischen Dingen besaßen, und traf zuweilen in dem Cabinet mit ihnen zusammen. Es waren be­sonders die Generäle Leopold von Gerlach und von Rauch, später Niebuhr, der Cabinetsrath. Ich er­innere mich, daß ich in Gegenwatt beider Brüder, deS Präsidenten und des Generals, veranlaßt wurde, mich über den ihnen gemachten Vorwurf des U»- practtschen zu erklären, und das in folgender Weise that:Wenn wir drei hier aus dem Fenster einen Unfall geschehen sehen, so wird der Herr Präsident daran eine geistreiche Betrachtung über unfern Mangel an Glauben und die Unvollkommenheit unserer Ein- ttchtungen knüpfen; der General wird genau das Richtige augeben, was unten geschehen müsse, um zu helfen, aber sitzen bleiben; ich wüde bei einzige fei«, bei hiMvtei ginge ober Leute riefe, um zu helfen." Sehr begabt, ber fleischgewordene gesunde Menschenverstand, tapfer und ehrlich, ohne Schul­bildung, mit ben Tenbenzm eines preußischen Generals von ber öesten Sorte, war Rauch wieberholt als Militärbevollmächttgter in Petersburg in ber Diplo­matie thäiig gewesen. Einmal war Rauch von Berlin in Sanssouci erschienen mit bem mündlichen Auftrage des Ministerpräsidenten Grafen Branden­burg, von bem Könige bie Entscheidung über eine Frage von Wichtigkeit zu erbitten. Als der König, bem bie Entscheidung schwer wurde, nicht zum Ent­schluß kommen konnte, zog endlich Rauch die Uhr aus der Tasche und sagte mit einem Blick aif das Zifferblatt:Jetzt sind noch zwanzig Minuten, bis mein Zug abgeht; da werden Ew. Majestät doch nun befehlen müssen, ob ich dem Grafen Branden­burg Ja sagen soll oder Nee, oder ob ich ihm melden soll, daß Eure Majestät uich Ja und uich Nee sagen wollen." Diese Aeußerung kam heraus in dem Tone der Gereiztheit, gedämpft durch die militärische Disciplin, als Ausdruck der Verstimmung, die bei dem klaren, entschiedenen und durch die lange, fruchtlose Discussion ermüdeten General er­klärlich war. Der König sagte:Ra, denn meinet­wegen Ja", worauf Ranch sich sofort entfernte, um in beschleunigter Gavgatt durch die Stadt zum Bahnhof zu fahren. Nachdem der König eine Weile schweigend dagestanden hatte, wie wenn er die Folgen ber wiberwillig getroffenen Entscheidung noch er­wöge, wandte er sich gegen Gerlach und mich und sagte:Dieser Ranch! Er kann nicht richttg deutsch sprechen, aber er hat mehr gesunden Menschenverstand als wir alle", und darauf gegen Gerlach gewandt und daS Zimmer verlassend:Klüger wie Sie ist er immer schon gewesen."

(Fortsetzung folgt.)