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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für tzie Kreise Marburg und Kirchhain.
Jlluftrirtes Sonntagsblatt. —a^** * **
33. Jahrg.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn« unb Feiertagen. »tyeigev neh«« entgehn i bi« Expedition dieser Blattes, die Annoncen-
W> 6)OA Q-attalr-illdormements-Preir bei der Exveditton 2 Dtk.. bei allen y Bnreaux von Haasenstein & Bögler, Frankfurt e. M., Taffet. Magd«-
M Mittwoch. 30. November 1898.
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„KreiSblatt" für die Kreise Marburg uni Kirchhain, „Illustriertes Sonntags blatt" und „Verloosungsliste der -gl. preußischen Klassenlotterie" »erden von allen Postanstalten, Landbrief- trügern, in der Expedition (Markt 21) sowie, von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Neustadt und Wetter entgegengenommen.
Landwirthschastliche Fragen, ii.
* Auf die im vorigen Artikel mitgetheilte, so Merans bedeutsame Entscheidung des Oberverwaltungs- jerichts zur FeenpalastSVersammlungs-Frage, welche ndlich die Durchführung des Börsengesetzes über den kerminhandel in Getreide, Mühlenprodukten nicht »ehr illusorisch macht, kommen wir nach Bekanntgabe ki Entscheidungsgründe noch ausführlicher zurück hier fahren wir jetzt mit Mittheilung der wesent- ßchsten Punkte a«S dem Vortragt des Herrn Oeconomierath W. Gerland - Cassel in der jüngsten Sitzung des landwirthschaftlichen Kreis Vereins Marburg ßrt. Der Herr Redner behandelte da weiter zunächst die Frage deS Getreidehandels und wies durch ziffernmäßige Feststellungen »ach, daß eS absolut »ubthig sei, in dem von den Großmühlen und Großhändlern beliebten Maße Getreide vom Ausland, immer ilich von Süd-Rußland, Amerika u. s. «. nach Deutschland heremzusühren. Der deutsche Getreidebau, wie dessen benutzte Fläche haben durchaus nicht »bgepommen. Auf deu Einzelnen kommt im deutschen Leiche durchschnittlich ein Konsum von 171 kg im Jahr. Die amtliche Zusammenstellung der deutschen trate-Ergebnisse im letzten Jahrzehnt, ergab außer i» Trieuuium, in das die 1893er Mißernte durch Trockenheit fällt, (eS gab da 168 kg pro Kopf) 181 kg und 1895—1897 sogar 191 kg deutscher Ernte pro Kopf. Die deutsche Ernte, zu der aus erklärlichen Gründen wohl Mancher nicht seinen solle» Ertrag angiebt, beträgt im Durchschnitt etwa 8 ‘/ie Millionen Tonnen, der Gesammtbedarf im Leich noch nicht 9 Millionen Tonne». Es ist anzu- lehMeu, daß zu Verdienst der amerikanischen und
russischen Großimporteure der Dollar und der Rubel auch im Reiche arbeite», um, durch Bekämpfung jede» Schutzzolls und aller sonstigen Mittel, den Import ftemden GetteideS zn fördern. Wir sehen ja, daß im Vorjahre der Spekulant Leiter in Chicago den Weizenpreis in enormer Weise ewporgetticber, hatte, als aber, „um den Weizen damals zu ver billigen" Frankreich und Italien die Schutzzölle dagegen aufhoben, stieg doch sofort noch der Weizen preis in Chicago genau um die Höhe des bisherigen französischen Schutzzolls.
Eine weitere Frage, die Redner berührte, ist die Handelsvertrags frage. Da ist bekanntlich in Berlin der wirthschaftltche Ausschuß zur Zeit thätig, festzustellen, wie weit Schädigungen von Landwirthschaft und Industrie durch die v Caprivi- scheu Handels verttäge erfolgten und wie diese» bei Avschließung der künftigen Handelsverträge abzuhelfen ist, beziehentlich vorgebeugt werden raufe. Aus den jetzige» Verträgen sei auf die kaum glaubliche Bestimmung zu Gunsten Rufelands nur hingewiesen, dafe unsere deutschen Bahnen das russische Getreide zu deu deutschen Häfen für denjenigen Tarifsatz fahren muffen, den die russischen Bahnen habe». Führe Rufeland einmal anf seinen Bahnen zur Förderung bei Exports sein Getreide umionst, so müssen wir dies russische Getreide in dieser Zeit onch umsonst fahren! Die Tarifftage hängt überdies eng mit der Canal- und Wasserwegs - Tarifftage zusammen. Die Canal- nnd Wasserstraßen kosteten in den letzten Jahren dem Staat jährlich 38 Millionen Mark, in den jüngsten beiden noch m«hr, brachten dem Staat aber nur 2 Millionen Mark jährlich! Die Eisenbahnen bringen jährlich dagegen eine Rein- Einnahme von 1150 Millionen Mark. Die Land wirthschaft muffe verlangen, daß das fremdländische Getreide zu gleichem Tarif auf die Wasserwege befördert werde, wie auf der Bahn.
Zur Reichsbankfrage wies Redner darauf hin, wie es falsch sei, wenn mau sage, daß die Land- wirthe „die Verstaatlichung" der Reichsbank wollten. Sie sei ja schon verstaatlicht, ihre Beamte seien ja alle Reichsbearate. Rein, die Landwirthe wollen nur, daß die deutschen Bankiers, welche bei der Con- stituirung der Reichsbank ihre 120 Millionen Mark zu 7 Prozent vorgestreckt haben, ferner nicht mehr dies ihr Geld mit 7 Proz. verzinst von der Reicvs- bank erhalten, während der übrige Reichsbürger für sein Geld nur 3 Proz. Zinsen erhalte! Man stoße diese Schuld ab, wenn nöthig durch eine Anleihe; durch diese Reorganisation der Reichsbank würden jährlich 5 Millionen Mk. gespart, die jetzt die Darleiher jener Millionen «ehr Zinsen schlucken, als die anderen deutschen für ihr Geld! Der dem Reichstag demnächst zugeheude Entwurf wegen der Berlärg rung des „Privilegiums" der Reichsbauk wird eine Er-
lRachdrnck verboten.)
SchuLe des Lebens.
Roman von Marie Bernhard.
(gertfet»»«.)
Seine Hand festhaltend, führte sie ihn zu einer Kruppe von Sitzmöbeln in der Tiefe des Zimmers. Als sie au dem deckhohe« Spiegel vorüderkameu, ilickte sie flüchtig hinein.
„Wie Sie noch jung auSseheu neben mir!"
„Jung? Ich? Wo denken Sie hi», verehrte Freundin!" versuchte er zu scherzen. „Ich werde sechzig, daß Sie eS wissen!"
„O ja, ich weiß! Aber Sie sind rüstig und frisch, gottlob!"
„Danke — ich darf nicht klagen! Obgleich ich »st über Gebühr zu thun habe. Ich kann's immer >»ch durchhalten, zumal feit ich regelmäßig jeden bommer nach Sylt gehe; das thut meine» Nerven «glaublich gut. Aber was ist den» von mir zu rede»! Sie, Frau Magdalene —"
Sie hob ein wenig die Hand. „Noch nicht — sicht gleich jetzt, ich bitte Sie! Ich kann nicht mehr Hel vertragen, Sie werden geduldig sei» müssen. Zuerst raufe ich eS auSkoften, auch einmal eine Freude M habe», eine wttkliche, echte, große HerzenSfteude für «ich! Damit bin ich jetzt fpwcsam bedacht, mit solchen Freuden I"
,J» der That? Lnd Ihr Enkelkind —"
Ihre Hand zuckte in der seine», sie schloß halb
Auge», wie jema»d, der einen jähe» Schmerz «chstndet.
„Richt — nicht das jetzt l" wehrte sie vs» neuem ab.
Der Justizrath sah sie von der Seite an und schüttelte bekümmert de» Lspf. Bal konnte sie
habe» ? Er saß jetzt dicht »eben ihr und musteite sie mit kurzen, verstohlenen Blicken immer wieder. Ihm war bedrückt und ttaurig zu Siun. Ein schweres Schicksal mußte el gewesen sei», das die alte Freundin so ttostloS verwandelt hatte!
„Sie find ganz unerwartet gekommen," begann sie nach einer Panse, „doch nicht bin ft vom Bahnhof?"
„Nein, ich bin int „Deutschen Hause" abgestiegen."
„Und warum daS? Wollen Sie meine Einladusg nicht annehmen und bei mir wohnen?
„Verzeihen Sie mir meine Offenheit, liebste Freundin! Nein! Lassen Sie sich zum Dank dafür, daß Sie mich haben wollen, die Hand küssen, es war sehr, sehr gütig von Ihnen I Aber sehen Sie, solch ein alter Hagestolz steckt voll Schrullen und Sonderbarkeste», damit möchte ich Sie nicht gern belästigen! Ich komme her, wann Sie wolle» und so oft Sie wolle» — ist'S gut so?"
„Wie Sie wolle», lieber Werder! Ich kav» eS Ihnen nicht verdenken, wenn Sie sich nicht neben einer trübsinnigen alten Frau einsperren wollen —'
„Um der Himmels willen, Frau Magdalene, wer spricht deu» davon?"
„Ich thue das und mit dem besten Recht! Sie werden mir nach ein paar Stunden unbedingt zu- stimraen. Ich bin äußerlich wie innerlich kaum mehr ei» Schatten meines früheren Selbst!"
„Scheint mir stark übertrieben!" Der Jnstizrath war bestrebt, einen recht munteren unbefangenen Ton anzuschlagen. .Ich glaube nicht, daß Sie mich zu Ihrer Ansicht bekehren. Aber weiter, ich beabsichtige, die gute Stadt Pose», gründlich zu durchstreift», alle Stätten meiner Jugeuderuineiungeu abzusuchen, so viele noch davon vorhanden find, ein paar gute Bekannte wiederznsehen — leben Direktor Neudorfs noch?"
Höhung des Grundkapitals und eine Abänderung der Bestimmungen über die Kontingevttrung des Notenumlaufs enthalten. Wir meine», man könnte dabei die gewünschte Abänderung im Sinne des Reichs- Profits und der Gerechtigkeit vornehme»!
Zum Schluß seines hochinteressanten Vortrags behandelte der Herr Redner die Genoffenschaftsftage und die Kornhäuser. Er constatirte die Zunahme der Genossenschaften auch im Bezirk der LandwttthschaftS- kamraer zu Cassel nud legte ausführlich bar, wie bie bisher in diesem Bezirke im Betrieb bifindlichen vier Kornhäuser das, war man von ihrer Errichtung erwartete, voll erfüllt haben. Sie haben es ermöglicht, gereinigte, gleichmäßige Waare, unfer heimisches Product, auch an Großabnehmer zu verkaufen, den wünfchenswerthen Preis zu halten und durch das Lombardireu seines GetteideS schützt man den Bauer vor deu Nothverkäufen, bei denen er, wollte er überhaupt Geld habe», schließlich nehmen mußte, was der Händler bot und so ost erheblich einbüßte, während er jetzt auS dem abzuwartenden möglichst guten Der- kauf durch die Kornhausgenoffenschaft nichts mehr verliert, sonder» die Differenz seines Gekeidewerthes über den Lombard hinaus ohne Abzug nachträglich ausbezahlt bekommt!
Herr Director Hesse sprach de« Herrn Set» tragenden bett Dank der Versammlung für seine vor- Kkffliche» Ausführungen ans nnd bie Versammlung erhob sich zur Bekundnng dieses ihres Danke! von den Sitzen.
Umschau.
3n de« Termine vor dem O b e r v e r w a l - tnngSgerichte wegen der Feenpalast- Versammlungen der Getreide-Börsianer in Berlin, der bekannttich z« Ungunsten bet letzteren ausgesalle» ist, hat bet Geheime Regierungsrath Wenbelstabt zunächst Folgendes ausgeführt:
Wenn b«r Herr Vertreter d«S klagenden Verein« Recht hätte, dann würde da« BLrsengesetz überhaupt seine Wirkung verfehlen. Wenn e« möglich sein sollte, freie Börsen zu bilden, unter Umgehung der Börseneiurichtungen, bann wäre da« ganze Börsengefetz widersinnig. Wenn sich eine Versammlung bildet, die unter anderer Form Börsengeschäfte abschlieht, dann hat der Herr Polizeipräsident die Pflicht, einzuschreite». Daß selbst die betheiltxten Kaufleute diesen Stan punkt theilen. geht auS dem Umh ande hervor, daß bei der Borberathung de» Börsengesetzes ein Vertreter der Hamburger SaAfwannschaft im Börsenausschuß sagte: E« wird selbstverständlich Pflicht der Regierung sein, Privat- böiseu zu verbieten. Der Redner führte den Nachweis, daß die Feenpalastversammlungen sich gebildet haben, um den verbotenen Get.eideterminhandel fortzuführe». Wenn auch die Bö^seneinrichtungen nach Möglichkeit abgestreift wurden, so genüge eS bot, daß die Versammlungen, wenn auch in etwa« ve hülltet Form, den Cbaratter einer Börse haben. E« kommt nicht auf die äußeren Merkmale, sondern auf den inneren wirthichaftlichen Werth der Versammlungen
„Det Manu. Die Frau ist seit sechs Jahre» tot." „Und bie alte Latours?" Wohl beide gestorben?" „Beibe, lange schon! Der einzige Sohn — Sie erinnern sich an Gaston Latour?"
„Wie sollte ich nicht? Dieser Flackergeist, dieses Sprühfeuer, alles angreifend, nichts durchführend, immer irgend eine Idee im Kopf, die nach acht lagen schon wieder zum alten Eise» geworfen wurde — dabei begabt und gut zu leiben —"
„Nun, bei hat also (Saniere gemacht. Zunächst reich geheirathet, die Tochter eines großen Fabrikanten im Lanbe draußen. Der Man» hatte eigene Ländereien, einen riesenhaften Betrieb, Dampfmühle», Säge- mühlev, Papierfabriken — was weife ich sonst noch! Latour fing an, sich dafür zu interessieren —"
„Glaub' ich geint Drei Wochen hindurch?"
„Diesmal länger. Er war mehr draußen als hier in seinem Stadthaus in Posen, ließ feine sehr zarte, junge Fra» viel allein, ttaf neue Eiurichtungeu» machte Erfindungen anf diesem und jenem Gebiet."
„Taugten sie etwas?"
„O ja! Sie sagte» e! ja selbst, er war begabt! Nach de! Schwiegervater« Tode übernahm er deu ganzen ungeheuren Bettieb allein, er arbeitete rastlos, kam nm dann und wann zur Stadt, um fehle Frau zu sehen, zeigte sich aber uuttöstlich, als sie ihm im vierten Jahr der Ehe stmb!"
„Ist Familie da?"
„Eine Tochter, etwa« iltet als mein Enkelkind; die beiden Mädchen find intim befreundet, sie stecken den ganzen Tag zusammen. Das Hanl in dem wir wohnen, gehött Latom, er bewohnt die erste Etage darin, dal heißt, er bewohnt sie eigentlich nicht, denn auch heute noch ist er mehr in feinen Fabriken zu suchen al! i» Posen."
„Lnd wer erzieht dal Sind?
an. Nicht die äußeren Einrichtungen, sondern die innere wirthschaflliche Nothwendigkeit hat die Mitglieder der Feeu- palastversammlungeu zusammen geführt. Aeußere Einrichtungen lasten sich auch durch stillschweigend«« Abkommen ers tzen.
Wetter bemerkte der Staatscommissar der Berliner Börse Herr Geh. Ober-Reg.-Rath Hemptermacher Folgendes: „Der Herr Vertreter des klagende» Vereins sagt: Wenn ein Maler vorhanden sei, so sei noch kein Bild vorhanden. In dem gegenwärtige» Falle ist aber nicht blos der Maler, sondern auch ein Bild vorhanden. Die Berliner Getreide- und Produktenhändler verließen am 1. Januar 1897 bie Börfenräume lebigltch weil sie sich de» BestimmungendeS Bö rf en ge setz e 8 nicht fügen wollten. Sie wollten aber weiter Geschäfte machen, deshalb wähtteu sie den gegenüberliegenden Feenpalast als willkommenen Ersatz. Der Herr Vertreter der Kläger sagt: Die Gleichartigkett der Geschäfte ist daS Eigenthümliche des Großhandels. Ich füge hinzu: des Großhandel«, der zu Börsengeschäften führt. Die Gleicharttgkeit der Zusammen« fünfte während der Börsenzeit, bie Gleicharttgkeit ber Umsätze, ber Preisabschlüffe u. s. w. find bie charakteristischen Merkmale einer Börse. Ich gebe ja zu, baß ohne bereibete Kursmakler, ohne Schlußscheine u. s. w. daS Geschäft sehr erschwert ist. Man hat sich aber damit abgefunden, es geht auch so. Das Hauptmerkmal einer Börse ist jedenfalls die Preisbildung. Wenn diese auch nicht »ach amtlicher Notirung stattgefunden hat, so war ihr Vorhandensein jedenfalls nicht zu leugnen. Der Bezirksausschuß ist ja zur Ungiltigkeitserklärung ber Verfügung gekommen, weil bie in bie Z itunge» gekommenen Preisnotirungen auf ihre Richtigkeit nicht zu konttollireu wäre». Ich ka»a biefer Auffassung nicht beipflichte». Ich behaupte, ber Umstand, daß die Zeitungen regelmäßig Preisnotirungen aus de» Feenpalastversammlungeu veröffentlichten, gestattet keinen Zweifel, daß Preisnotirungen ftatigefunbe» haben. Die Feenpalastversamrnlungen find daher al« Börse zu betrachten. Der Herr Vertreter ber Kläzer scheint der Meinung zu fein, dafe nur Termingeschäfte Börsengeschäfte find. Es ist baS ein vollstänbiger Jrrthura. Auch jebes Efftcktiv-- geschätl kann ein Börsengeschäft ft in. Wenn ei» Lieutenant 50 Tonne» Roggen per Ultimo kauft und nicht rechtzeitig verkauft, bann ist er ebenfalls zur effektiven Abnahme genöthigt. Maiktgeschäfte find eben keine Börsengeschäfte, weil jeber Mark öffentlich ist, während z« einer Börse »nb auch zu ben Feenpalastbersammlungen nur Mitglieder Zutritt haben. Ich billige keineswegs ben Zweck ber polizeiliche» Verfügung, ber darin bestand, den Klageweg vorzuberettk». Es soll durch die Verfügung lediglich daS Staatsinteresse gewahrt werde», gemäß dem Grundsätze: Justitia fundamentum regnorum."
T.
„So get ich eben könnt, habe ich es bisher ge« than, im übrigen ist die arme Kleine genöthigt, sich selbst zu erziehen. Ei» bedauernswertes Kind bei all seinem Reichtbum! Beinahe in jedem Jahr erschien irgend eine neue Ausländerin im Loloursche» Hause; gefiel sie dem Kinde nicht, so bekam fie ihre» Gehatt und das Reisegeld und konnte wieder abfahren. Nanou ist wie eine kleine Prinzessin verwöhnt worde» und dabei doch wieder wie eine Blume des Felde« aufgewachsen. Im Grunde sah ich ihre» intimen Verkehr mit meiner Enkelin gar nicht gern, aber mk that da« arme, reiche Kind auch wieder leid — ich glaube, der einzige Mensch, den Nauon liebt, ist Erika!"
„Und ihren Vater liebt sie nicht?'
„Wenn Väter sich so wenig nm ihre Kinder bekümmern, nur bann und wann wie au« ber Versenkung austauchen, um solch urtheUslose«, kleines Geschöpf mit Geschenken «ab Liebkosungen zu überhäufen, ein andermal nicht zu beachten, beibe« ganz unmotibiert, je nach Laune, bann sollen die Herr» sich nicht wundern, wenn ein ohnehin nicht besonders warrafühlendeS Kindesherz sich am Ende gleichgilttg abwendet."
Der Jnstizrath hörtt jede! Wort, da« feine alte Freundin zu ihm sprach, er ratcrefterte sich auch für Gaston Latour, den er alS jungen Menschen gut gekannt hatte — und doch, was war ihm heute Latour und sein Töchterchen Naron? Er war nicht »en- gierig, aber ein Geschick, das so anfallende Spuren i» Frau Magdalenens Antlitz zurückgelaffe» hatte, das mußte er kennen, — und hier fitzen und über andere Dinge rede» zu solle», daS erschien ihm geradezu als eine Pein.
(Lortsetzung