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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nb Kirchhain.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn« und Feiertage». OuartalS-Abonnemrntk-PreiS bei der Exoeditirn 2 Mk., bei oHtn PostäWter» 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jusertionsgebühr: dir g«- fceittn« Zeil« »der der« Rau» 10 Pfg. Reklamen dir Zeil» 95 Ma.

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Dienstag. 29. November 1898.

»zeigen nehm« entgehn: die Expedition diese, Blatt«, dir «imoneen-

®utte*S,6on & »-gl«, Frankfurt a. M., Cassel, Magd«- oo

6**6- Wien ; Rudolf Moss«, Frankfurt «. M., Berlin, München, Köln; O>. ^Ztlyrg.

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für den Monat December auf die ^xhess. Zeitung nebst deren Gratisbeilage»

Kreisblatt" für die Kreise Marburg uni Kirchhain,Illustriertes Sonntags blatt" undVerloosungsliste der Kgl. preußischen Klassenlorterie" werden von allen Po Anstalten, Landbrief­trägern, in der Expedition (Markt 21) sowie, von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Reustadt und Wetter entgegengenommen.

Landwirthschastliche Fragen, i.

* In der Sitzung des laudwirthschaftlichen Krcis- vereins Marburg berichtete am 26. d. M. Herr Oecovomierath W. Gerland aus Cassel über eine Anzahl für unsere deutsche Landwirthschaft hochwichtige Fragen, die zur Zeit im Vordergrund des allgemeinen Interesses stehen.

Die eiste Frage, welche der Herr Redner berührte, war die einer wirklichen, auf dem Lande arg empfundenen Noth: der Leute-Mangel. Wir haben unS hierzu im Sinne des Herrn Redners noch »«längst an dieser Stelle ausgesprochen. Erwähnt sei ans seinen Ausführungen, daß unsere Gesetzgebung geradezu darauf hingearbeitet hat, daß die Leute von der Heimath losgelöst und in die Fabriken und großen Städte geführt wurden. Ma» sehe nur dort die Vergünstigungen an, die den Leuten schon die Eisenbahn gewährt, indem fie fie zu halben Preisen ans 5060 Kilometer-Entfernungen hin und zurück­führt. Hierzu kommt das sehr fragwürdige Gesinde- Vermittler Wesen, dar Arbeitnehmer und Arbeitgeber in gleicher Weise ausbeutet. Ueberdics hat die Gesetz- p gebung in letzter Zeit ja immer nur erweiterte Rechte den Arbeitnehmern gegeben, dem Arbeitgeber find da­gegen nur fortwährend neue Verpflichtungen auferlegt ! worden. Zur Placirung von Leuten und Ver- «iuderung der Ausbeutung durch Stellen- Vermittler hat unsere Landwirthschaftskammer * einen Stellen­nachweis errichtet, der gute Dienste thut, und von dem wir die Landwirthe ersuchen thunlichst Gebrauch z» machen.

Dan» sprach Redner von einer angeblichen Roth, die den Gegenstand große» Geschrei's in der groß-

Machdruck verboten.)

Schute des Lebens.

Roman von Marie Bernhard.

(Foirlrtznng.)

Der alte Herr lehnte sei» graues Haupt gegen die Sammetpolfter und schloß die Augen, er wünschte i» schlafen. Aber Gott Morpheus läßt sich leider richt beliebig kommandiren. da, wo er oft heiß «wünscht wird, bleibt er fort, und so saß »ach einer Men halben Stunde auch unserer Justizrath da, hell Vach und munter und mit der tröstlichen Ueberzeugnng « seinem Inner», daß es für diese Nacht mit dem Schlafen absolut nichts sei. Mit unwilligem Kopf- «chütteln schloß er seinen Handkoffer auf und entnahm diwselbe» ein Buch in schreiend gelbem Umschlag, da» er sich auf gut Glück im letzte» Augenblick al» Reiselektüre erstanden. Es waren die neuesten Novellen eines jungen, zur Zeit in Berlin stark ge­stierten und gelesenen Schriftstellers, und der alte «rr, der zumeist nur Zeitungen, Fachschriften und Wenfall» »och die Werke seiner Lieblinge, Dickens

Frehtag, las, vertiefte sich jetzt in daS neueste ^zeugniß eines echt naturalistischen Jungen - Deutschen, «eine starken Augenbrauen gingen immer mehr in die Höhe, er fing an, rastlos auf seinem Sitz hin und zu rücke», sich zu räuspern, endlich nahm tt das gelbe Buch mit beiden Händen und klappre £ so energisch zusammen, daß die losen Blätter mben: ,Sttaf' mich Gott ist so was erhört? "er kann das lesen, na, was reg' ich «Ich weiter *»f? Endlich wird doch 'mal Pose» kommen!"

2. Kapitel.

3a, Posen kam endlich, und wunderlich war'S ** «Ur» Mann zu Siu», als er die wohlbekannten

capitalistischen Presse bildet, die aber in Wirklichkeit garnicht existtrt, nämlich von derFleisch­not h". DaS Geschrei bezweckt nur, die Grenzen, die zum Heile unseres deutschen Viehstavdes wegen Seuchengefahr gesp rrt find, für das Krankheiten ein­schleppende Vieh aus dem Osten und für die amerikanischen Schinken mit Borax - Zusatz und die amerikanischen, oft Trichinen enthaltenden Schweine fleischwaaren zu öffnen, und da hat man denn Petitionen mit großem Aufwand gegen dieFleisch noth" zurechtgemacht und in de» Städten, Berlin voran, aufgelegt; die Regierung aber ist zum Glück fest geblieben und wird dies zu Gunsten der heimi­schen Viehzucht auch ferner. Eine Viehnoth, resp. Mangel an Schlachtvieh ist garnicht da. Man lese nur die Berichte über unsere Viehmärktc, da heißt es immerstark übertrieben," Rcstbestand, Handel flau u. s. f. Und, «en» fich auch im Reiche in den letzten Jahren der Rindviehbestand gleich ge­blieben, Schweine und sonstiges Schlachtvieh haben ganz erheblich an Zahl zugcnomme», das Fleisch ist nicht theurer, als ftüher. Auffallend aber ist, daß eS gerade dort, wo am meisten über Fleischnoth geschrieen wird, im Osten, in Gleiwitz erheblich billiger laut amtlichen Berichten ist, als de» Durchschnittspreis im Reiche, der per Kilo 1 Mk. 43 Pfg. beträgt. Man sehe nur an, wie fich andere Staaten gegen den Vieh-Import und die Seuchen abgeschloffen haben: Frankreich, Belgien, Amerika u. s. w. In Schweden und Norwegen schließt mau sich durch eine Quaranräne-Zeit für fremdes Vieh von der Dauer von 90120 Tagen ab; dadurch wird dies Lieh so theuer, daß der Handel aufhöit; ja man nimmt dort das eigene Vieh nicht zurück, so daß die Händler bc8 zurückgewiesene tuberculöse Vieh auf dem Dampfer schlachten und uns mit dem bedenk­lichen zollfreien Fleische beglücken! Der Hamburger Großhändler Isaac kaufte 500 Centner dänisches Rindfl,isch, solches ist fast durchweg tuberkulös, » Kilo für 30, Pfg.! und lieferte es, wie die Gerichrs- verhandlung ergab, an eine Garnison ä Kilo 1,10 Mk., er profitirte also für jedes Kilo die Kleinigkeit von 80 Pfennigen! Nickt der Bauer bekommt das Geld, es machen das Fleisch für die Eonsumenten die Zwischenhändler lheuer, der Commissionär und der Vieh-Großhändler, von dem es oft erst wieder der Laden­schlächter kauft. Auch in unserem Kreise ist, wie dies zur Enquete des Herrn Landwirthschaftsmiuisters erwähnt sein mag, die bezügliche Anftage dahin vom Verein beantwortet worden, daß Viehhaltung und Viehzahl merklich aestiegen find, von Fleischnoth also keine Rede ist. Die Caffeler Landwirthschaftskammer hat dem Minister das für ihren ganzen Bezirk eben­falls ziffernmäßig glänzend nachgewiesen!

Weiter berührte Redner die Frage ber (Betreibe- Einfuhr, beS Getreide-Handels und die

Sttaßcn wiedersah, in denen sich doch so viel ver­ändert hatte. Der trübe Decembermorgen hauchte die Scheiben des Wagenfensters mit kaltem Athem an, unausgesetzt wischte des Justizraths Taschentuch darüber hin, er wollte doch so gern sehen. Alles sehen. Da, da stand noch daS bescheidene Restaurant, in dem er als junger Referendar zu Mittag gespeist, hier links lag die Sttaße, in der er seine Jung­gesellenbude, vier Treppen hoch, gehabt hatte, ob wohl das HauS noch existierte? Dort über die Brücke weg ging der Weg zu der Wohnung deS alten Kraft; wie oft war er diesen Weg gegangen und mit welchem Herzklopfen! An dieser Parkmauer hatte er Magdalene zweimal die Woche regelmäßig zufällig getroffen," wen» fie aus ihrer Handarbeirs- ftunbe kam beutlich sah er sie vor fich in einem schwarzen Mäntelchen und grauem Hut hatte er ben Hut reizend gefunden!

DaS Theater! Allzu ost hatte man einander dort nicht gettoffen, dem jungen Referendar Werder war das Geld knapp und dem alten Kraft auch, aber einmal hatten sie mit einander denDon Carlos" gesehen und ei« andermalIphigenie". Ja, daS waren noch Zetten gewesen!

ImDeutschen Haus' legte der Justizrath eiust- weil.» sein mtdeS Haupt zur Ruhe; so überwacht und angegriffen, sounkultiviert auSsehend" durfte er seiner Freundin unmöglich entgegentreten. Wirklich konnte er in ben guten Setten ein paar Stunden fest schlafen, und zwei sehr starke Taffen Kaffee mit obligatem Cognac thaten daS übrige.

Aufmerksam sah fich der alte Herr im Spiegel an, während er die schöne Nadel mtt der echten Perle in die Krawatte steette und seinem vollen, grauen Haar mit der Bürste einen ganz verwegenen Schwung gab. Würde ihn Magdalene sehr gealtert finde» ?

Kornhäuser. Da sei zunächst eine Mit­theilung hier eingeschaltet, die für die Land- wirthschaft in Bezug auf die Preisfrage ihres Körner- productS sehr erfreulich ist. Es fällte nämlich in dem Proceß der Berliner Getreide- Händler gegen ben Polizeipräsidenten wegen Schließung der Feenpalast - Ver­sammlungen das Oberverwaltungs­gericht folgendes Urt heil:Das Erkenntniß des Bezirksausschusses, welcher am 20. November v. I. die Verfügung beB Polizeipräsidenten als ungesetzlich aufgehoben hatte, ist dahin abzuändern, daß der klagende Verein mit seiner Klage auf Auf­hebung der polizeiliche» Verfügung, bet effenb ben SchlußberFeenpalast-Versammlunge», abzuweisen und diesem auch die Koste» des Verfahrens beider Instanzen aufzuerlegen seien. Die Entscheidungs gründe werden den Parteien schriftlich zugestellt werden. *

ES wird ordentlich Spaß machen, waS nun die Börsenjobber-Organe Alles für angebliches wirthschast- liches Unheil prophezethen werden, daS diese Abweisung ihrer Klage demdeutschen Volke" bringen müsse. Wo ihr Schaden in Wirklichkeit fitzt, das wissen diese Börsenjobber am Besten: in der unseren deutschen Gctreideproducenten durchaus unrhtilsamenSchmälerung der Millionen-Profite der Größen der Berliner Ge­treide-Börse durch Fixerei mit Papiergetreide!

Umschau.

Der Reichs- und Staats-Anzeiger veröffentlicht über die Rückkehr Ihrer Kaiserlichen Majestäten in hervorgehobener Schrift untern 26. b. M. Folgendes:Se. Majestät bei Kaiser und König und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin wurden bei Allerhöchst ihrer heute Vor­mittag um 11 Uhr erfolgten Ankunft in Poisdvm durch daS geformte Staats-Ministerium begrüßt. Namens desselben gab der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe der lebhaften Freude über die glückliche Heimkehr des erlauchten Kaiser­paares warmen Ausdruck. Se. Majestät der Kaiser nahm hierauf Anlaß, die Staats-Minister um Sick zu versammeln, und geruhten, über die erreichten und für die Zukunft noch zu erhoffenden Ergeb iffe Ihrer Orientreise, sowie über die augenblickliche politische Lage am Mittelmeer unter dem Ausdrucke Allerhöchstihrer Befriedigung mit den erzielten Er­folgen demStaats-Ministerium eingehendeMitthcilungen zu machen."

Die Verordnung, betreffend die Ein­berufung deS Reichstags, welche nunmehr imReichs-Anzeiger" veröffentlicht worden ist, ist gegeben zu Baden-Baden am 25. d. M. und lautet:

Doch wohl! Nach feiner Berechnung hatte» fie ein­ander vierzehn bis fünfzehn Jahre hindurch nicht ge­sehen. Vierzehn Jahre! War das möglich? Wo war die Zeit hi»!

lieber dem leichten Schnee, der am Morgen ge­fallen war, lag eine freundliche Wintersonne. Bis zu Frau Wallis Wohnung hatte ber Justizrath keinen weiten Weg, und er beeilte sich j tzt so, daß er etwas außer Athem war, als er die Glocke zog.

Frau Direktor Wallis daheim?"

Ja wohl, mein Herr! Wen darf ich melden?"

Das ist nicht nöthig, mein Kind! Sagen Sie: ein alter Freund Frau Direktor wird wtflen!"

Sehr wohl, bitte, hier einzutreten."

Werder schöpfte Athem aus tiefster Brust, als et allein war. Ihm hatte beim Sprechen die Stimme gegittert, jetzt klopfte ihm das Herz, und eS half ihm gar nichts, daß er Über fich selbst zu lächeln versuchte.

ES sah ihn Alles ftemd an in dem Salo», in welchem er fich befand, er entsann sich nicht, ein einziger dieser Möbel jemals im Wallis'schen Hause gesehen zu haben. Die« hier war eine geschmack volle Einrichtung neueren Stil» . . . wahrscheinlich zur Ausstattung der Tochter gehörig und von der Mutter aus Wien mit hierher genommen. Nnr unter den an ben Wänden hängenden Bildern wate» zwei, die kannte er!

Hier ein Brustbild, ein Oelgemälde, Magdalene Wallis als ganz junge Frau, schön und lebensvoll, sie dunklen, geistreichen Augen mit sprechenden Aus­druck etwas seitwärts gerichtet, an der andere» Wand ein Pastellbild in zarten Farbe», daS Serie, fast noch ein Kind, ein reizendes Köpfchen, blond, mtt einem schwärmerischen Zug im Gesicht. Er entsann fich gut genug auf die Kleine, fein Patenkind; fie

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc.

Verordnen auf Grund deS Artikels 12 der Ver­fassung, im Namen deS Reiches, was folgt:

Der Reichstag wird berufen, am 6. December d. I. in Berlin zufammettzuttete», und beauftragen Wir ben Reichskanzler mit ben zu biefem Zwecke »Sthigen Vorbereitungen.

Urkuublich unter Unserer Höchsteigenhäubigen Unterschrift unb beigedrucktem Kaiserliche» Justegel.

(L. 8.) Wilhelm.

Graf von PosadowSky.

Der MünchenerAllgemeine Zeitung" wird aus Stuttgart telegraphirt, in Folge der persönlichen Rücksprache der Kaisers mit König Wilhelm und dem Prinz-Regenten Luitpold in München fei in der Lippe scheu Frage eine Wendung eingetreten, welche allen Vaterlandsfreunden zur Befriedigung gereichen könne. Zwischen dem Kaiser »nd der Mehrzahl der größeren BundeSsürsteu fei Uebereinftimmnng dahin erzielt, daß auch in der Bebandlung dieser Frage die große» nationalen Gesichtspunkte den Ausschlag geben müßte», denen gegenüber kleinere Divergenzen zurückzutreten Härte». Der bisherigen Situation ist ihre Schärfe genommen, der dem Bundesrath vorliegende Anttag des Fürsten Georg zu Schaumburg-Lippe wird aber seinen ordnungsmäßigen Weg weiter gehen, und gewiß wird er nunmehr bald eine befriedigende Er­ledigung finden.

Es war bekanntlich zweifelhaft, ob Bayern in Bezug auf ben obersten Militär-Ge­richts Hof ein Reservat Recht hätte ober nicht. Bayern beantwortete bicse für bfe Rechts-Einheit im Miltlär- Strafverfahren hochwichtige Frage mit ja, Preußen mttnein. In den Kommiisions-Verhandlungen zur Vorberathi'vg der Militär-Strafpioccß-Ordnung trat isi.se Meinungsverschiedenheit so deutlich zu Tage, daß man daran zw ffeln konnte, ob die zu ihrer Begleichung schwebenden Verhandlungen zu einem b friedigenden Ergebuiß führen würden. Nun war inzwischen ü^er einige Punkte bereits ein Ein­vernehmen erzielt worden: So war einerseits der Gedanke eines besondern bayerischen Militär-Gerichts­hofes zu Gunsten eines gemeinsamen Militär-Gerichts- Hofes für das ganze deutsche Reich aufgegeben unb die Errichtung eines besonderen bayerischen Senats an bie'em Gerichtshöfe zugestanden; strittig blieb aber die Hauptsache, die Frage nämlich, ob dieser bayerische Senat, w'e der Militär-Gerichtshof selbst, feinen Sitz in Berlin ober in München haben, unb wie er besetzt werd-n sollte, lieber diesen Punkt ist jetzt, wie schon kurz gemeldet, eine Einigung erzielt worden, und zwar

war ein liebliches anschmiegendes Geschöpfchen ge« w sen, aber ohne irgend welches individuelle Gepräge Magdalene mußte in jenem Alter ganz anders ge­wesen sein!

JaMagdalene! Sie war eS, die geräuschlos aus einer Tapetenthür getreten war unb jetzt wenige Schritte von ihm entfernt stand.

Eine hochgewachsene, noch schlanke Franengestalt, die fich imponierend gerade hielt und eine stolze Wendung des KopfeS hatte; ja, da» war Magdalenens Art imm r gewesen. Aber gehörte dies leidvolle Antlitz mit den ttefen GrameSfurchen um ben Mund ihr, wirklich ihr unb bies filberweiße Haar, baS fich glatt an bie Schläfen schmiegte. . . wo war das anmuthige Gekräusel von glänzenbstem Nußbraun geblieben, das Werber in ben jungen Tagen so be­wundernd studiert, daS selbst der zweiundvierzigjährigen Fra», die er zum letztenmal in Wiesbaden tot.berge« sehen, reizvoll genug zn Gesicht gestorben hatte?

Wie fie ober jetzt lächelte freilich wehmüthig genug unb bieS Lächeln auch in ihre Augen kam, in die schönen leuchtenden Sterne, bie des Justitz- raths Jugend erhellt hatten, da that sein Herz einen starken Schlag, und in heftiger Bewegung, keines Wortes mächtig, führte er die bargereichte schlanke Frauenhand an feine Lippen.

Auch fie redete vorerst nicht; fie sah den alten, lieben Freund unverwardt an, bis ihre Angen fich .trübten und zwei große Thränen daraus blitzend ! niederfiklen, da nickte fie kummervoll vor fich hin und hotte lange und tief Athem.

Siebe, liebe Freundin! Frau Magdalene!" Seine Stimme war rauh vor Bewegung.

Willkommen!" sagte fie mühsam.Willkommen bei mir, »ach so langer, langer Zeit!"

(Fortsetzung folgt.)