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Zweites Blatt
(Nachdruck verboten.)
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Adressbuch
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1899
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bnm- ui Tdellietoa Semester - Berichten Visitenkarten mit and ohne Zirkel.
Versprechen Franz gegenüber jwird ihn daran hindern, auch nur ein Wort gegen Eure Heirath zu sagen, dazu kenne ich Deinen Vater zu genau, der trotz mancher äußeren Herbheit doch ein ganzer Ehrenmann ist.*
Therese richtete fich bei diesen Worten ihres Onkels hoch auf, während fie leidenschaftlich rief: „Und selbst wenn ich wüßte, daß der Vater zu unserer Heirath seine Zustimmung nicht geben würde, müßte ich mit aller Willenskraft, welche ich besitze darauf dringen, daß der Wunsch, vielleicht ein letzter meines geliebten, schwerkranken Franz und damit auch der Meinige, erfüllt würde. Morgen schon soll darum unsere Hochzeit sein.*
Es war ein sonniger, klarer Wintertag. Die Luft wehte rein und frisch und auf der weißen Schneedecke lag lauter Sonnenschein, während unter dem Fuße des Wanderers der Schnee hell auf- knirschte in ohnmächtiger Wuth. Sonst hörte man keinen Laut ringsumher, Alles schien in liefern, feierlichem Schweigen zu verharren, bis mit reinem Tone die Glocken des Dorfkirchleins anhoben, den kommenden Sonntag einzuläuten.
Da trat Therese bräutlich geschmückt, mit einem weißen Kleide angethan und einem grünen Myrten« kränzlein im lockigen Haare an das Bett ihres Verlobten, gleich einer Wundermär aus der anderen Welt. Als fie die glückselige Erregung gewahrte, welche fich in dem bleichen Gesichte des Kranken malte, kniete fie »eben seinem Bette nieder, streichelte wieder und wieder dessen abgezehrte Hand und rief dabei einmal über daS andere: „Franz, thue mir die Liebe und rege Dich in dies.r Stunde nicht auf, Du weißt doch wir gehören einander schon lan ge, eigentlich schon seit jenem Abend, da Du Dein erstes Konzert in Berl-n gabst und Dich darüber ärgertest, daß ich, wenn auch nur für einen Augenblick, Dein Jvteresie in Anspruch genommen hatte, biS heute, wo ich nun Dein Interesse und Deine Liebe beanspruchen will so lauge wir leben werden hier auf Erdeu. Wir wollen darum in dieser Stunde nur uns freuen und dankbar sein für die Wunderwege, welche wir geführt find. Laste u»S jetzt weder auf die Vergangenheit, »och auf die Zukunft, sondern allein auf die Gegenwart blicken und diese ist wunder- wunderschön, den» hente sollen wir ja vereinigt werden für alle Zeit, vorerst ich als Deine tteue Pflegerin und Du als mein geliebter Kranker, der meiner auf das dringenste bedarf* — Da ging die Thür auf und heretti trat in Begleitung von Frau und Herrn von Hohendorf ein greiser Geistlicher im Ornate. AlS dieser die Hand deS junge» MauneS ergriff und ihm vor der Trauung »och einige warme, herzliche Worte sagte, da kam eS wie ein tiefer Friede über den
3ttr Hebung der Häuslichkeit.
Für btt bevoistchtnbtn längeren Feierabende unsere L ser aus einen ebenso harmlosen, wir herzerfreuenden Zeitvertreib aufmersam zu machen, ist uns eine angenehme Pflicht. Der Zritvertreib ist roobl so alt wie die Gründung bleibender Wohnstätten - er leiht Hausmusik. Aber da» Instrument, da» wir dazu er pfehlen möchten, ist roch jung: Die Accordzither. Zu rilligem Preise erhälilich, leicht zu handhaben, spielend z« erleri en, hat sich die Accordzither schon so eingebürgert, daß «ine ganze Rrihe von Fabriken darin wetteifert, den steigenden B darf zu decken und das Instrument immer mehr zu vervollkommne». Für den Kenner besteht indch lein Zweifel, daß die sogenannte Müller'sche Accordzither ihre Rivalinnen an Solidität deS Baues und Süßigkeit d«S Tone» weit übertrifft. Sie ist in jeder beffcren Mustkinstrnmentenhaudluug erhältlich und ein reizende« „Accordzither»Büchlein" versendet die Fabrik I T Müller in Dresden - Striesen auf Verlangen au Jedermann gratis und franco.
chun trotz allen Ahnenstolzes. Nur eins kann er nicht vertragen, nämlich alle Unentschlossenheit und daraus entstehendes Fragen, tritt man ihm dagcge» wenn »öthig einmal mtt einer fertigen Thatsache entgegen, so ist er wohl zuerst sehr außer sich, findet sich dann aber meistens in nicht zu ändernde Dinge bester als man zuerst hoffen durfte.*
Ueber Therese's Gesicht gl tt es bei diesen Worten wie Helle Sonnenstrahlen nach einem Regenschauer md eben wollte sie in tiefer Dankbarkeit ihrem guten Onkel um den Hals fallen, als ein Diener in das Zimmer trat mit der Bitte vou Herrn Antra, ob Herr von Hohendorf und das gnädige F.äulein, wenn es ihre Zeit erlaube, vielleicht auf ein halbes Stündchen z» ihm komme» könnten, er habe etwas mit ihnen zu sprechen. Natürlich folgten Beide sogleich dem Wunsche des Kranken. Dieser richtete fich, bei ihrem Einttitte ihnen die gesunde Hand zum Gruße ent- gegenstreckend, mühsam in die Höhe, während ein ftines Roth sein bleiches Gesicht überzog.
„Verzeihen Sie wenn ich störe, Herr v. Hohendorf,* begann der Kranke, „aber ich möchte Ihnen und meiner Therese gerne etwas erzählen.*
„ES war am Tage nach der Schlacht bei Großbeeren. Eben war ich mit mehreren Kameraden in
sich her.
Im Wohnzimmer des Hohenhprfschen Gutes hatte fich eben zu ernster Berathuug die Familie versammelt und den trüben, sorgenvollen Gesichtern sah man es nur zu deutlich an, daß es keine leichte Sache war, die besprochen werden mußte.
„Liebe Therese,' begann Herr v. Hohendorf nach einer Weile, „wir können uns nicht länger verhehlen, daß Dein Bräutigam sehr, sehr krank ist, denn gestern noch wurde eS mir durch den Arzt bestätigt. Da nun deS Kraulen, sowie Dein sehnlichster
Starke Liebesfäden.
Novelle von B. Altmann.
(Fortsetzung.)
„WaS bann?* gab der Angeredete zurück, kenne Deinen Vater und weiß, das wird er
geistiger und körperlicher Anwaren vergangen. Ueber die Wälder wehte ein scharfer
ff Pauli Marburg, CL. raun, Luth. Sirchplatz, empfiehlt fich zum Sttwmeu und Reparireu der Klavier«.
setzen und mit Gottes gesund zu pflegen.
*
Wochen schwerster strengung für Therese
armen Kranken und freudig sagte er: „Wie es auch kommen mag, wir wollen Alles in die treuen Hände unseres Gottes legen, er wird weiter helfen, wie er es bisher gethan.*
Bald war die Trauung vorüber und Therese eilte hinaus, um das Brautkleid mit einem schlichten Hausanzuge zu vertauschen, denn an dem Bette eines Schwerkranken paßte jenes weiße Kleid wohl kaum. Auch durfte sie nicht die Freuden anderer jungen Frauen genicßen. Keine Hochzeitsgesellschaft erschien, um ihr nach der Trauung ihre Glückwünsche zu bringen, und kein Wagen hielt vor der Thüre, welcher gekommen war, um sie aus dem warmen Vaterhause auszuführen in ein neue» von Mutterliebe sorglich hergerichtetes Heim, denn ihr Heim war das kleine Krankenzimmer ihres leidenden, von Schmerzen gequälten Mannes. Dennoch kam keine Thräne in Thereses Angen, in ihrem Herzen war vielmehr Alle» voll Jubel und Freude darüber, daß nun endlich ihr sehnlichster Wunsch erfüllt war, und was »och kommen würde, das stellte fie getrost Gott anheim in der Nacht, welche fie wachend am Lager ihres schwerkranken Mannes verbrachte.
(Schluß folgt.)
Dissertationen und Habilitationsschriften werden billigst und den Vorschriften gemäss geliefert.
* Anfertigung e
Vermischtes.
Aus Hamburg wird vom 21. d. berichtet: Zu der Angelegenheit der Photographen Wilcke und Priester, befceffenb die unberechtigte Aufnahme des Sterbelagers des Fürsten Bismarck, verwarf das hanseatische OberlaudeSgericht die gegen die Beschlagnahme und daS Verbot der Verbreitung eingelegte Berufung der Photographen als unbegründet.
in eine tiefe Ohnmacht. Als er nach Stunden wieder daraus erwachte, sah der Rittmeister v. Hohendorf, daß der vou ihm verschmähte Schwiegersohn es gewesen, welcher ihn vom sicheren Tode gerettet hatte. Dem Vater war damals sehr ergriffen, Therese, wie Du Dir wohl denken kannst und als wir nach kurzer Zeit wieder von einander scheiden mußten, sagte er zu mir: „Wenn Sie mir gegenüber jemals einen Wunsch äußern werden und ich bin im Stande ihn zu erfüllen, Herr Antra, so soll eS geschehen, denn wären Sie mir gestern nicht zur Hülfe geeilt, läge ich wohl heute schon in der kühlen Erde, das will ich nie vergeste».*
Tief ergriffen dankten Therese und ihr Onkel dem Kranken ein Mal über daS andre für solche Ltebes- that, während beiden Thränen in die Augen traten,
Bestellungen auf das am 1. Januar erschetnende Adreßbuch für Marburg werdm zum Vorzugspreise von 2 Mark 50 Pfg.
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doch erwiderte» sie ihm nicht viel, denn nur zu deutlich sahen fie, wie sehr jede Gemüthsbewegung, ja jedes laute Sprechen den Verwundeten angiiff. Als daher Herr v. Hvhendorf das Krankenzimmer sehr bald darauf wieder leise verließ, setzte Therese sich stille an das Lager des Verwundeten, mit einem Gesichte, welches zu sagen schien: „Hierher gehöre ich jetzt, nicht als glückliche Braut, sonder» als treue Pflegerin, die entschlossen ist, Alles daran zu Hülfe diesen Kranken wieder
kahlen, winterlichen --------
Nordost und trieb heulend dichte Schneemassen vor
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hartem Gedränge gewesen, durch einige feindliche Soldaten, aber als »ach kurzem Kampfe einer von ihnen seine Dreistigkeit büßen mußte, ließen fie uns g»b gingen fluchend und wetternd davon. Auch wir zogen weiter, um uns mit einigen vorauSmarschirtea Soldaten wieder zu vereinigen und ich als Letzter wollte eben ein schnelleres Tempo anschlagen, als ich — —-----, . ■ „ , .
g« nicht sehr entfernt von mir im Walde einen Wunsch darin besteht, daß Ihr auch letzt »och em Hülfeschrei hörte. Sofort folgte ich dem Rufe. Als Paar werden möchtet, so will ich Dir tu vieler ich daS kleine Walddickicht betrat, au8 welchem der- Stunde sagen, daß Niemand von nn» den Muth selbe gekommen war, fand ich dort zwei miteinander haben wird, dieser vrelleicht letzten Bitte deS Kranken ringenbe Soldaten und eben wollte der Franzose den zu widersprechen, ttotzdem Dein Vater seine Zu- SSbel ziehen, um sei» Opfer zu durchbohren, als stimmung nicht geben kann, da wir nicht einmal
»eine wohlgezielte Kugel dem frechen Geselle» ein wissen, wo er augenblicklich weilt. Aber trotzdem
togenblicklicheS Ende bereitete. „Gerettet,* kam eS könnt Ihr jenen Schritt ohne Furcht und Zagen thun,
langsam von de» Lippen deS Andere», dann sank er denn sei» letzte» in großem Dankesaefühl gegebene»
, Ang. Koch
Universitäts-Buchdruckerei
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