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**Wton: Markt 91. - telegen 66.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für Hie Kreise Marvnrg und Kirchhain.

Jllnstrirtes Sonntagsblatt. »*"h,toe

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M £li Dienstag. 22. November 1898. H

Die Kritiker.

Der unerbittlichste Kritiker gilt namentlich bei zoiten, die sich das Selbstdenken abgewöhnt haben, dlgbci klügste Mann. Wenn Jemand allesheruntcr- Mt' und alles besser zu wissen vorgiebt, so muß a auf andere, die über das Wesen der Kritik Mnterrichtet sind, auch den Eindruck eines allwissenden ßchwerenötherS machen. Allein die Zahl derer, welche gor dem Kritiker Respekt haben, schwindet immer «ehr. Nur zu oft hat es sich gezeigt, daß derjenige, »elcher über daS Thun Anderer weise avzuurtheilen »ersttht, selbst nichts vollbringt» kann, wenn er einmal in die Lage versetzt wird, sei» Können zu zeigen. WaS nutzt auch wohl eine solche Kritik, die ,m nach Fehlern spürt und nicht im Stande ist, Wege vorzuzeichneo, auf denen man zu vollkommuercm Wirken gelangen könne? DaS stete Kritifiren und Mgeln verleidet schließlich auch den besten Geistern die Lust am freudigen Schaffen.

In der Politik besonders ist das bloße Kritifiren Ur im Schwünge. Ganze Parteien leben durch die -ritik und gehen in der Kritik auf. Wir haben aber jtrabe in politischen Dingen oft genug erlebt, wie mfähig gerade die vorlautesten Kritiker zum Handeln find. Wie ist es beispielsweise in Frankreich, wo die Republikaner nun ihre politischen Künste vor- vtisen? Wie war es bei uns im Jahre 1848, als die überklugen Demokraten in der Nationalversamm- lmg ihre Lichter leuchten ließen und über daS Reden md Selbstberauchern nicht herauskamen? Ja, wenn die Welt sich durch Klugsprecherei vervollkommnen lleße, dann wären die Demokraten die Richtigen an der Spitze.

Die Kritik ist für die demokratischen Parteien d-S einzige Agüationsmittel. Auf diese Weise ist daS Agitiren natürlich leicht; selbst schaffen, selbst positive Vorschläge mache» ist immer schwieriger als in fremder Thätigkeit Fehlern nachzuspüre» und Vorschläge andererherunterzureißen*. Am leichtesten macht cs sich die Soctaldemokratie. Sie tadelt alles, Mas in der heutigen Gesellschaftsordnung besteht oder geschaffen wird; der Pflicht aber, nachzuweisen, auf »elchem Wege sie selbst es besser machen werde, ent­zieht sie sich nicht nur, sonder» sie bezeichnet sogar Anfragen wegen ihrer eigenen Zukunftspläne als »unverschämte Zumuthungen*.

Es ist tatsächlich ein Zeichen von beschämender Politischer Unreife der großen Wählermafsen, welche einer solchen Gesellschaft von bloßen Kritiker» und ülugsprechern nachlaufen Die Socialdemokratie thut illcs, um gegen Staatsleitung und positive Parteien Mißtrauen zu erwecken und verlangt ihrerseits ein «beschränktes Vertrauen, ohne doch auch nur imstande in sein Angaben darüber zu machen, durch welche Ritttl und durch welche Einrichtungen sie sich dieses Vertrauens würdig zeigen werde. Die leitenden Ge- toffex beschränke» sich darauf, ganz allgemein zu ver- fidjern, wen» sie nur erst an der Gewalt sein würden, fr würde alles nicht nur besser, sondern sogar tadel­los sein.

Wen» im bürgerliche» Lebe» jemand mit solchen Versprechungen oder besser gesagt: Vorspiegelungen kommen wollte, so würde er kaum viele Gläubige Men. Wenn es sich um Wahrung der materiellen

(Nachdruck verboten)

Starke Liebesfäden.

Novelle von B. Altmann (Fortsetzung.)

Das junge Mädchen fühlte es deutlich, um ihrem Lieblinge durch alle Aufregungen, welche das unerwartete Wiedersehen unzweifelhaft mit sich brachte, möglichst Mknig zu schaden, mußte sie vor allen Dingen innerlich Ahig werdeuuud dadurch auch Franz etwas mittheilen von ihrer Ruhe. So bat sie denn: «Lasse uuS nicht diel sprechen von der Zeit, welche zwischen unserm Abschiede in Berlin und heute liegt, wenigstens nicht bis der Arzt hier war und sagt wie eS um Dich Letzt, [affe uns vielmehr glücklich sein, daß wir von »euem zusammen geführt find und dankbar, daß man Dich i» daS Haus meines OukelS brachte. Aber nun trinke vor allen Dingen etwas Wein, wie meine Taute « verordnet hat," fügte sie besorgt hinzu.

Herr v. Hohendorf, welcher soeben die Stuben- Are geöffnet hatte, um seinersettS auch einmal nach- zusehen, ob der Kranke irgexd welche Wünsche habe, stand einen Augenblick in höchsten Staunen stille vor de« na erwarteten Bilde, welches sich seinen Blicken fot, bis ihm mit einem Male die ganze Sachlage

Güter handelt, ist man vorsichtiger und verlangt Gaiautieen. In der Politik aber kommen die ideale» die theueisten Güter in Frage, und, wunderbar: hier läßt sich der fünfte Theil der an der Wahlurne vertretenen Wählerschaft von ge­werbsmäßigen Agitatoren und großsprecherischen Kritiker» bethören! (Sine und eine halbe Million Deutscher, von denen man doch wahrlich nicht be- baupten kann, daß sie alle den Umsturz der bestehevden Ordnung herbeisehnen, bekennt sich zur rothen Fahne, zu einer Gesellschaft, deren Führer ausdrücklich versichert haben, sie wüßten nicht, wie sie sich Verhalten würden, wenn sie einmal an die Herrschaft kommen sollten; der kommenden Generation müsse es überloffen bleiben, sich ganz nach dem eigenen Gutdünken einzurichten.

Es ist in der That beschämend, daß anderthalb Millionen Deutscher solchen Leuten, die ihre eigene Unfähigkeit bekecne» und die bisher nichts geleistet haben, als Kritiken und Kritiken, ihr Vertrauen bohl» mentiren und der Regierung sowie den Parteien der Ordnung Mißtrauen beweise». Zum Theil mag wohl Freude am Skandal, eigene Nörgelsucht uns Mißgunst gegenüber den positiven Parteien an der Abgabe eines guten Theiles rother Stimmzettel schuld fein; zum Theil imponirt auch Ungebildeten der an­gebliche «Much* vonGenossen*, die «offen* int Reichstage Mißstände aufdecken und scharfeAnklagen* gegen die Machthaber* erheben. Allein solcherMuth* ist wohlfeil und solcheAnklagen* sind noch in den meisten Fällen in der Hauptsache als unbegründet zurückgewiesen worden.

Wäre das Experiment nicht zu gewagt, so würden wir zur Belehrung der anderthalb Millionen gerne einmal die Socialdemokratie an der Spitze der politischen Geschäfte sehen. Wie bald würde daS Vertrauen zu dem Mnthe und dem Können der Bebel, Liebknecht und Singer und dergemäßigt-»* Auer und von Vollmar finken! Auch wenn die bürgerliche* Demokratie in die Lage käme und etwa gemeinsam mit der Demokratie derKölnischen Volks- Zeitung*, die ebenfalls im Kritifiren Großes leistet, in eine herrschende Stellung käme, würde eine kolossale Blamage das Ende vom Liede sein. Man lasse sich also von den überklugen Kritiker» nicht umgarnen, sondern frage nach positiven Absichten: dann wird man tald eines Bcfferen belehrt werven.

Umschau.

Ueber de» Umfang der Postreformen, welche nunmehr, nach Abschluß der verschiedentlichcn Konferenzen, zur Vorlage an den Bundrsrath aus­gearbeitet werden, werden folgende Einzelheiten mit« geteilt: Zunächst wird darin die Erhöhung des Höchstgewichts der einfachen Briefe von 15 auf 20 Gramm vorgeschlagen werden. Ferner wird eine Herabsitzung des OitsbtiefbestellgeldeS für den Berliner Stadtbezirk von 10 auf 5 Psg vorgeschlagen werden. Auch weitere Herabsetzungen des Briefportos im Ortsverkehr find geplant. Im engsten Zu» sammenhang damit steht die Ausdehnung des Post- regals auf die Beförderung geschloffener Briefe innerhalb eines OrteS, so daß, abgesehen von der Beförderung von Briefe» durch expreffe Boten, in Zukunft verfchloffene Briefe überhaupt nur durch die

klar wurde und auch sein Gesicht in Hellem Glücke zu sttahlen anfing als er rief: Therese siehst Du, das find Gottes Wege, die er Euch führt, aber um eins bitte ich Euch alle Beide, regt Euch jetzt vor allen Dingen nicht zu viel auf, denke vielmehr daran, daß Du einen Kranken vor Dir hast, lieber Kind, welcher der größten Schonung bedarf, danach behandle ihn.*

Die Angeredete nickte und fragte mit fester Stimme: Franz liegt Dein kranker Arm gut? und der Kranke beantwortete die Frage mit einem eben so sachgemäßen: Nicht ganz meine Therese, ich glaube eS müßte noch ein Kissen darunter geschoben werden.* AlS am Nachmittage der Arzt kam, erklärte er der Familie von Hohendorf, nachdem er des Kranken verletzten Arm sorglich untersucht und verbunden hatte:Die Wunde ist schlecht, oder bester gesagt gar nicht be­handelt, da werden wir rechte Geduld haben müssen bis völlige Heftung eintritt, auch ist mehr oder weniger heftiges Fieber nicht ausgeschlossen, und da der Patient durch starken Blutverlust sehr schwach geworden ist, so bedarf er vor allen Dingen guter Pflege und Nahrung, auch wüsten alle Gemüthsbewegungen von ihm fern gehalten werden.*

DaS soll Alles geschehen,' ertoiberte zuversicht­lich Therese, in ihrem Herze» aber jubelte eS:Wir

Reichs- bczw. Staatsposten befördert, werden dürfen, während seither verschlossene Stadtbriefe bekanntlich auch der privaten Bestellung freigegeben sind. Die hierdurch in ihrer Erwerbsthätigkeit schwer betroffenen Privatposten, deren gegenwärtig 60 in den größeren deutschen Städten bestehen, sollen für diesen Ausfall durch einmalige Entschädigung abgefunben werden. Endlich wird die Vorlage eine anderweitige Regel­ung des Postzeitungstarifs enthalten; fortan soll nicht mehr allein der Abonnementsbetrag einer Zeitung zur Grundlage für die Berechnung der Post­gebühr gemacht werden, sondern auch das Gewicht, daneben auch die Häufigkeit des Erscheinens einer Zeitung. ___________

In Köln wurde dieser Tage in einer vom Verein gegen Unwesen in Handel und Gewerbe ein­berufenen Versammlung in Anwesenheit von Ver­tretern der Regierung, der städttschen Verwaltung, der Handelskammer und mehrer Reichs- und LandtagS- abgeordneter folgende Resolution angenommen: Die Versammlung erklärt, daß das neuerdings ver­suchte System WaarensparrabatteS zu verwerfen ist, indem es dem Publikum Ver­günstigungen verspricht, deren Werth illusorisch und nicht zu erkennen ist, dagegen dem Unternehmer nach­weislich einen sehr großen Gewinn sichert. Die Versammlung erklärt sich grnndsätzltch gegen jedes Rabattgeben im Kleinverkauf, da dadurch etn unsolides Geschäftsgebahren hervorgerufen wird. Die Ver­sammlung erklärt, daß der reelle Kaufmann und ge­werbliche Mittelstand durch die Großbazare und deren Filialen in absehbarer Zeit total ruinirt wird. Die Gegenmittel, die die Kommunen in der Hand haben, genügen gegen die Waareuhäuser, Großbazare 2c. nicht, und wird daher die staatsgesetzliche Einführung einer progressiven Um» satzsteuer, eventuell nach Branchen, vorgeschlagen. Die Versammlung spricht sich ans socialen Gründen gegen eine Personalsteuer auS. Zum Schluffe be­dauerte die Versammlung die vielfach zu engherzige Anwendung deS Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb und hält mit Rücksicht darauf eine eventuelle Ergänzung des Gesetzes für riörhig.*

Am Sonnabend Mittag trafen inFriedrichsruh 30 Deutschnatioualeaus Oesterreich ein. Der Oberförster Tietze geleite die Herren zum Schloß, wo dieselben im Garten am Fenster des Sterbezimmers Aufstellung nahmen. Die Reichsrathsabgeordneten Schönerer und Jro, sowie Herr Gagstatter aus Salzburg hatten hierauf Gelegenheit, Kränze und Sttäuße im Sterbezimmer am Sarge des FürstenBiSmarckniederzulegeu. Nach Absingung des Bismarckliedes, bei welchem die Augen der Anwesenden in Thränen erglänzten, be­gaben sich die Ostmärker in den Sachsenwald. Sie waren sehr befriedigt von der gewährten Erlaubniß, Kränze niederlegen zu dürfen. Von der fürstlichen Familie war Niemand in Friedrichsruh anwesend. Schönerer hielt am Sarge eine kurze Rede, die Alle zu Thränen rührte. Abends veranstaltete der Nord­deutsche Jugendbund in Hamburg den Ostmärkern eine stimmungsvolle Feier.

wollen Alles für ihn thun, was in unseren Kräften steht und wen» auch die Krankheit lange dauern, ja selbst der verwundete Arm steif und unbrauchbar werden sollte, das schadet Alles, Alles nicht, die Hauptsache ist und bleibt doch, daß wir uns wieder- gesunden haben und nun nicht mehr voneinander lassen werben, koste es gleich, was eS wolle.*

Herrn von Hohendorf ging während des ganze» nächste» Tages ein Gedanke im Kopfe herum, der ihm in der darauf folgende», schlaflos verbrachten Nacht endlich zur ausführbaren Gewißheit wurde. Franz und Therese sollten recht bald Hochzeit halten, nicht mtt Gepränge und Lustbarkeit, sondern ganz in aller Stille, der Bräutigam auf dem Krankenbette und Therese als seine treue Pflegerin. Nur dadurch würde» sie der quälende» Ungewißheit, ob jemals im Leben ihre Pläne und Hoffnungen sich erfüllen könnten, Überhobe» und damit auch einer gewissen andauernden Aufregung, welche des Kranken Ge­nesung auf daS Eutschtedenste beeinttächttge» würde. Am nächsten Morgen beim Frühkaffee lag eiu Sttahl deS reinsten Glückes auf des Hausherrn Gesicht, als er bat:-Therese, ich möchte Dich so gerne einige Minuten allein sprechen.* Willig folgte die Nichte feiner Aufforderung und nachdem beide sich einen Augenblick lang schweigend angesehen hatte», Begann

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Novbr. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind an Bord der JachtHohenzollekn* nach guter Fahri bei bewegter See vorgestern Nachmittag um 3 Uhr vor Messina eingetroffen. Beim Einlaufen der JachtHohen- zollern* und des sie begleitenden AvisosHeia* dl )en Hasen wurde der ü lich' Salut gewechselt. Die m Hase» liegenden Schiffe und die Gebäude längs res Corso Vittorio Emanucle trugen Flaggenschmuck. Der deutsche Consul Jacob und die Vertreter der Behörden begaben sich an Bord derHoheuzollern*, um Ihre Majestäten zu begrüßen; der Bürgermeister überreichte der Kaiserin einen Blumenstrauß. Am Abend waren der Hafen und der Corso iQuminirt, und auf den Plätzen konzertirten Mufikcorps. Gestern (Sonnabend) erteilte der Kaiser dem deutschen Consul Jacob eine längere Audienz. Im Laufe des Vor­mittag begab sich das Kaiserpaar in einer Gig aus dem Hafen von Mcsstna auf die Höhe von San Giovanni, um die auf dem Bremer Lloyddampfer Prinz Heinrich* auf der Reise nach Kiautscho» durchpasstrende PrinzessinHeinrich zu begrüßen. Ihre Majestäten begaben sich an Bord desPrinz Heinrich* und wurden von der Prinzessin am Fallreep empfangen. Der Kaiser besichtigte bann unter Führung des Kapitäns de» Lloyddampfer, welcher BiS auf den letzte» Platz besetzt war, i» allen Theilen. Nachdem Ihre Majestäten sich herzlichst von der Prinzessin verabschiedet, verließen dieselbe» unter de» Hochrufen der Passagiere und den Klängen der Nationalhymne den Dampfer. Der Kaiser reichte beim Abschied dem Kapitän die Hand, laut gute Fahrt wünschend. Später »ahm der Kaiser an Bord derHoheuzollern* die Meldung dcs Militärattaches in Rom, Jacobi, ent­gegen, empfing sodann ben Generalkonsul in Neapel, RekowSki, und den Direktor der Zoologische» Station Neapels, Dohr», welche auf besondere Einladung des Kaisers in Messina eintraf. n.

Von Sr. Majestät dem Kaiser ging dem Norddeutschen Lloyd* in Bremen aus Anlaß des Ablebens deS Konsuls H. H. Meier aus Msfina folgendes Telegramm zu:

Beim Einlaufen in Messina erreichte Mich soeben die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden deS Konsuls H. H. Meier, deS Begründers des Nord­deutschen Lloyd. Ein warmes Herz, beseelt für das Emporblühen seines engeren wie weiteren Vaterlandes, hat damit zu schlagen aufgehört, ein schaffensreiches Leben seinen Abschluß gefunden. Solange die stolzen Schiffe des Norddeutschen Lloyd auf dem Erdball Zeugniß ablegen von deutschem Fleiße und deutscher Macht, so lange wird der Name des Begründers von ihnen nicht zu trennen fein. Mit dem Lloyd beklage Ich tief das Hinscheiden dieses bedeutenden Mannes, zu deflen letzter Ehrung Ich den Ches der Nordseestation entsenden werde. Wilhelm I. R.

Dem Bundesrath ist eine Novelle zur Civil- und Strafpiozeßordnung zugegangen, welche, entsprechend einem in der letzten Session des ReichS-

der Onkel:Wenn Du und Franz Euch damit ein­verstanden erflärt, so will ich dafür sorgen, daß Ihr bald Mann und Frau werdet. Freilich kann Eure Hochzeit nicht von einer fröhlichen Feier begleitet fein, wie solches bei Deinen Eltern und Großeltern der Fall war, mein Kind, sondern still und geräusch­los muß es dabei zugehen, wie eS sich gebührt zu solcher einfteu Zeit, in welcher wir augenblicklich leben. Aber das ist auch nicht das Nothwendigste, denn die Hcwpffache für Euch bleibt doch, daß Ihr ein» ander gehört für alle Zeiten.*

ES trat eine Pause ein. Tberese schwindelte es bei den Worten, die sie soeben vernommen. Einen Wunsch, welchen sie gewagt hatte nur still für sich im tiefsten Herzensgründe zu hegen, als ein vorerst ganz unausführbares Begehren, sprach ihr Onkel eben auS wie etwas, daS durchaus nichts Unmögliches, vielmehr eigentlich ganz leicht zu Erfüllendes sei. Fast erschrocken sprang sie daher auf, während sie leidenschaftlich rief: «Onkel, male mir dies nicht weiter aus, ich kann eS nicht ertragen, denke doch an den Vater, der mich gewiß verstoßen würde, wenn ich ohne fein Wissen solchen Schritt thäte, und waS daun?*

(Fortsetzung folgt.)