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SS M 270
der Gewalt hat und dem es an Erziehung oft gänzlich fehlt, in der Leidenschaft eine Beleidigung entfährt, so ist das gewiß verhältnißmäßig milde zu beurtheileu, und man mag doch wohl dies und jenes überhören. Wenn aber raffinierte, mit allen Feinheiten der Sprache vertraute Schriftsteller ihre Erfahrung ausnutzen, um große Bosheiten so zu formulieren, daß das Gefäugniß nur mit dem Aermel gestreift aber nickt betreten wird, daun kann es auch !ein Mitglied wecken, wenn eine gelegentliche Ungeschicklichkeit den sonst Borfichtigen dennoch hineintappen läßt. Umso weniger, als wir es hier recht eigentlich mit den geistigen Nährvätern der autoritäts- losen Socialdemokratie zu thun haben.
Eine Note der .Ageuce Havas" besagt, daß der Cassationshof, der bekanntlich beschlossen hatte, in der Strafe des DreyfuS keine Aenderung eintreten zu lassen, soeben den Colonialminister in Kennitriß davon gesetzt hat, daß der Cassationshof den Beschluß gefaßt hat, daß DreyfuS auf dem raschesten Wege davon in Kenntuiß gesetzt werden soll, daß die Revision seines Processes im Grundsätze angenommen ist und daß er aufgefordert werden soll, seine Bertheidigungsmittel vorzubringen. Der Colonialminister hat eine Depesche empfangen, welche mittheilt, daß sich DreyfuS bei guter Gesundheit befindet. Der „Temps" erklärt, Dreyfus werde nicht nur informirt werden, sich für. seine Ber- theidigung vorzubereiten, sonder» die Regierung werde ihm auch gewiffe Schriftstücke zusenden, welche gewisse Fragen enthalten, worauf Dreyfus zu antworten haben wird. Da daS regelmäßige Postschiff nach der Teufelsinsel nur am 9. jeden Monats abgeht, wird wahrscheinlich ein Specialschiff jetzt dorthin absegeln. Es verlautet, DreyfnS sei bereits telegraphisch von dem Beschlüsse des Caflationshofes unterrichtet. — — In der Sonnabend-Sitzung der Deputirten» Kammer interpellirte der Depuiirte Lasies die Regierung über den Beschluß des Cassatioushofes; der Ministerpräsident verweigerte jedoch die Annahme der Interpellation. LasieS wird nun dieselbe Interpellation am heutigen Donnerstag einbringen. Abg. Boyer interpellirte die Regierung, nm das Gesetz vom 8. December 1897 auf die Militärjustiz auszudehnen, wonach der Angeklagte vor dem Untersuchungsrichter von seinem Anwalt begleitet sein muß. Der Kriegsminister erklärte zum Erstaunen der Abgeordneten, den Antrag anzunehmeu, und will sogar die Dringlichkett augewendet wissen. Der
nicht statthaben kann.
Man stellt kurz und bündig Reaktion als Gegensatz zum Fortschritt. ES fragt sich
(Fortsetzung.)
Lauge blieb jede Antwort nach Wochen kam dieselbe und
auch den darauf folgenden Sieg wtt zu erleben, freust Du Dich nicht mit mir, mein Lieb'?"
Die Angeredete schaute dem Sprecher zuerst sehr bestürzt, bann aber fest und ernst in da» Gesicht und ohne zunächst an ihren eigenen Schmerz zu denk», rief sie: .Wenn ich anch als Deine Braut einen tiefen, wehen Schmerz fühle, als preußische Offizierstochter empfinde ick Stolz und Freude in meinem Herzen darüber, daß Du in dem Länder und Völker bewegenden Freiheitskampfe nun auch mit einireten wirst in die Reihen unserer Soldaten," und fich an ihre Mutter wendend rief sie: .Mit höchstem Erstaunen
Genaueste fühlten.
Therese saß emsig Charpie für Verwundete zupfend neben dem Lager ihrer Mutter, ohne daß viele Worte zwischen Beiden gewechselt wurden. ES war sehr lange feine Nachricht von dem Rittmeister gekommen, aber konnte man sich darüber wundern? Der sonst schon nicht ganz leichte Poftverkehr stockte in diesen unberechenbare» Zeiten oft ganz und wenn die Soldaten ihre Briefe nicht durch irgend eine Gelegev- hett befördern konnten, so mußten sie meistens allen brieflichen Verkehr mit den Ihrigen auf unbestimmte Zett aufschiebe». So suchte deu» Therese ihrer ängstlichen Mutter, wie oft schon Trost und Hoffnung einzusprechen, und wie gewöhnlich hatte sie dieselbe auch dies Mal bald aus ihren schwermüthigen Gedanken herausgeriffen, als eS plötzlich an die Thür klopfte und Franz eiuttat.
Manches Mal hatte derselbe in letzter Zett ein trübes Gesicht gemacht und in Hellem Unmuthe ge-
lobung wieder aufgiebst."
Es war ei« schwerer Nachmittag, an welchem Therese vor ihrem geliebten Klavier saß, den strengen Brief ihres VaterS immer und immer wieder lesend und ihn auch Franz mittheileud, als dieser zur Gesangstunde kam.
Die Lust zum Singen schien Beiden heute vergangen zu sein. Als aber der Sänger trübe rief: »Arme Therese, um meinetwillen mußt Du nun selbf von Deinem Vater Unfteuudlichketten aller Art über Dich ergehen lassen, da schic» daS j»»ge Mädche» Plötzlich olle Sorgen von fich abgeschüttelt zu habe» und zuversichtlich, fast heiter rief sie: »Franz, uns wird trotzdem nichts mehr trennen, selbst der Unwille des VaterS nicht, denn unS haben starke, feste LiebeS- fetten mit einander verbunden, dämm laffe jetzt das Sorgen, Geliebter und singe mir lieber jenes alte
stand, hätte nnferm Vaterland bald verderblich werden können. Der einzige „Fortschritt", den wir unseren heutigen „fortschrittlichen" Richtungen zu verdanken haben, ist das Wachstbum und daS Gedeihen der Socialdemokratie. Daß aber diese den wahren Fori- schritt repräsentiren, wird man nicht zu behaupten wagen.
Und bedeutet die fortschreitende Herrschaft der Centrumspartei in unserem vorwiegend evangelischen Deutschland einen Fortschritt? Wir glauben eS nicht. Wir wissen auch nickt, was gerade die erwähnten politischen Richtungen berechtigt, die Conservativen als „Rück'chrittler" auszugeben. Weil sie Religion, Sitte und Ordnung dem Volke erhalten und ihm die monarchische Gesirrmng wahren wolle»? Weil sie für wirksamen Schutz der nationalen Produktion find? Weil fie für ein nach außen und im Innern starkes Deutsches Reich und für eine starke herrschende Gewalt eintteten und die Achtung vor dem Gesetz sowie die Wahmng der berechtigten Autorität auf ihre Fahne geschrieben haben? Soll daS die grause Reaktion sein, vor welcher dem Volke bauge gemacht wird?
Wahrlich, jeder Besonnene, jeder Freund des Vaterlandes und einer vernünftigen Freiheit müßte es sich zur Ehre rechnen, im konservativen Sinne Reaktionär zu fein und mitzuwirken gegen j>en Geist der Religionslosigkeit, Ungesetzlichkeit und Gewalt, wo und von welcher Seite er sich auch zeigen mag.
Liebeslied „Aennchen von Tharau," welches mich noch immer entzückt hat so oft Du eS austimmtest." Bereitwillig erfüllte Franz diesen Wunsch und wieder von neuem fang er eS so schön, daß selbst Frau von Hohendorf sich von ihrem bequemen Lager erhob, um dem Sänger aufmerksamer lauschen zu können.
* » *
Monate waren vergangen, sestdem Franz zum letzten Male jenes Lied gesungen. Schwül und heiß hatte die Sonne den ganzen Tag in den damals
rufen: „Ich möchte am liebsten mit in den Krieg ziehen und mir Lorbeeren holen auf dem Kriegsschauplätze. Ich meine, dann könnte Herr von Hohendorf fich mir gegenüber nicht mehr so ablehnend verhalten, trotzdem ich von Profession kein Riüersmaun, sondem nur ein Sänger bin." Heute dagegen schien Sonnenschein auf seinem Gesichte zu liegen, als er rief: „Therese, auch ich habe mich eben als Soldat an» werben lassen und soll schon in den nächsten Tagen einem hiesige» Regimmie einverleibt werden. Ich bin glücklich für die Freihett Deines Vaterlandes
ihm und was wird dazu Dein Vater sagen?" Therese aber erwiederie muthig: „Vater weiß bereits von unserer Verlobung und ist, wie vorauszusehen war, sehr gegen dieselbe eingenommen, trotzdem kann ich dennoch nicht von Franz laffeu und weiß, der Herr welcher unS zusammengeführt hat, wird unS auch ferner helfen. Auf welche Weise dies geschehm wird, ist mir bis heute noch unklar, nur das Eine weiß ich, er kann unS helfe» und das Andre hoffe ich, er wird es auch thu», wenn seine ©taube gekommen ist."
Am anbern Tage kam Franz »och einmal, um Abschieb zu nehme», benn morgen in aller Frühe sollte bas Regiment, bem er einverleibt worbe» war, ausmarschierm.
Keiner von ben beiben Scheidende» machte viele Worte. Franz flehte: „Bleibe mir tren, meine Therese und laß unS ben Herrn bitten, baß wir uns halb wiebersehen," unb das junge Mädchen bat; „Sieb mir Nachricht, so oft fich Dir eine Gelegenheit dazu bietet, denke immer daran, daß eine Braut Deiner Rückkehr harrt! Und nun finge uns noch ein Abschiedslied, ehe wir scheiden muffen, willst Du?"
Franz nickte und nach kurzer Wahl klang eS ernst durch das Zimmer: „Morgen muß ich fort von hier, und muß Abschied nehmen."
Therese war sehr bewegt und immer wieder mußte sie mit einem Tüchlei« ihre nassen Auge« ttockne»; daun uoch ein letztes, gegenseitiges Lebe' wohl und ein Abschiedswinken, bis nach kurzen Auge»' blicke» der Scheidende um die nächste Straßenecke bog und verschwunden war.
Schwere Wochen folgten dieser Abschiedsstunde, i» welchen es wie Blei auf den Gemüthern von Fra« von Hohendorf und ihrer Tochter zu liegen schien.
(Fortsetzung folgt.)
406 ger Zw.
Umschau.
Der Leiter der Wochenschrift „Die Zukunft", Maximilian Harden, ist neulich wegen Majestäts- beleidigung zu 6 Monaten Gefäugniß ver- urtheilt worden. Natürlich ist baS Blatt mit dieser Strafe nicht einverstanden und geberdet sich nun, als ob cS fich bei seinen Artikeln nur um eine frei» müthige und würdige Kritik nach oben hin gehandelt hätte. Wer die Artikel gelesen hat, so bemerkt dazu „Das Volk", der weiß, daß von solchem be- rechtigten Freimuth in diesen Artikeln absolut nichts zu finde» ist, sondern daß nur Sensationslust und die niedrige Freude, mit prickelnden Sottisen und Nadelstichen aller Art de» Monarchen persönlich zu verletzen, das Leitmotiv bilden. Infolgedessen können wir, trotz aller Ab-
Kriegminister erklärte weiter, Zurlindcu sei vollständig berechtigt gewesen Picauart in Geheimhaft zu halten. Er (Freyciuet) finde die Gesetzesbestimmung zu scharf und stimme dem Antrag Boyers zn, ohne jedoch dessen Beweggründe sich zu eigen zu machen. (Beifall.) Die Dringlichkeit des Anttages Boyer wurde hierauf beschlossen. Gleichzeitig brachte im Senate Constans einen Antrag ein, wonach ben vor das Militärgericht gestellten Personen das Gesetz von 1897 über die kontradiktorische Untersuchung zn Gute kommen soll, daS heißt, ihm ein Rechtsbeistand während der Untersuchung beigegeben werde» soll. ConstanS erwarte, der Senat werde es sich zur Ehre anrechnen, sein Werk zu vollenden, denn es sei wichtig, daß alle Bürger gauz gleiche Garantien vor dem Gericht genießen. (Beifall.) Konstanz verlangte die Dringlichkeit. Der Justizmivister erklärte fich damit einverstanden und fügte hinzu, die Regierung sei auch mit dem Princip des Gesetzes einverstauden. Die Dringlichkett wurde hierauf beschlossen.
Der 14. November als der I a h r e S t a g der Besitzergreifung Kia» tschous wurde am Montag in Tsintanfort durch die Enthüllung eines DenksteiuS, genannt D i e d e r i ch st e i n, in Anwesenheit des Prinzen Heinrich gefeiert. Die dort ankernde österreichische Korvette „Frundsberg hatte eine Deputation entsandt. Nachmittag fanden unter Leitung des Prinzen Heinrich Turnspiele der Mattosen gegen Seesoldaten statt. Mit diesem 14. November war also schon ein Jahr die Stockung, die eine Zett lang in die deutsche Colouial-Polttik durch das Gaukelspiel ihrer Gegner gekommen war, durch die Jnttiattve des Kaisers beseittgt. Die Be- setzung von Kiautschou, die Hissung der deutschen Flagge im Osten, richtete mit einem Schlage die ge» sunkenen Hoffnungen wieder auf. Wenn auch die bisherige Entwicklung der Colonie nur langsam gewesen ist, so darf doch, nachdem nun alle vorbereitenden Maßregeln an Ort unb Stelle getroffen finb, für bie Zukunft (in berriebijtnbee Foitschrette« des wirthfchaftlichen Verkehrs ermatt, r werben. Jebenfalls müssen wir unfern Kaiser raiür dankbar sein, baß er thatkräfttg und erfolgreich de» Weg beschreitet, der Deutschland wieder auf be» ihm ge» bührenden Platz als Seemacht unb Colonialmacht führt. Die Pflicht jebeS VaterlaudsfteunbeS ist eS, dahin zu wirken, daß dem Deutschen coloniale Unternehm ungen ebenso wie dem Engländer als etwas Selbstverständliches erscheine».
In einer vorgestern in Manchester gehaltene« R ed,e führte Chamberlain auS, die militäri» sch e« und Marine-Rüstungen bezweckten । nicht Drohungen gegen irgend eine Macht unb bürste« : nicht als Drohung auSgelegt werben. Sie seien nur
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Reaktion.
Wie zu jenen Zeiten, als bas „Ministerium der «ttenden That" berufen war, Ordnung im Lande .« schaffen und den wüsten Freiheitsschreiern, die zttenßen an den Rand des Abgrundes geführt hatten, deS Geschäft zu legen, so erschallt auch heute, wo ßch ebenfalls Anzeichen zeigen, daß wieder mit fester Hand auf Ordnung gehalten werden soll, das Geschrei: Reaktion! Wehe, wehe! Reaktion!
Was heißt denn Reaktion! Reaktton heißt ßntgegenwirken. Im Verlauf einer Krankheit betrachtet der Arzt die „Reaktion" als günstiges Zeichen, aber auch im öffentlichen Leben ist, sobald Krankheits- sywptome sich zeigen, der Eintritt einer Reaktion kgensreich. Man treibt also mit dem ReakttonS- gtschrei eine» bewußten Mißbrauch, einen Mißbrauch, der seit 1848 niemals so arg gewesen ist, wie heute. Das ist nicht heute alles reaktionär!
Wer da glaubt, daß der Weg der Freiheit durch sie Ordnung und bat Gesetz sührt, daß Ordnung und Gesetz allein schon unschätzbare Güter find, zügellose Freiheit aber zur Anarchie führt wd den Staat unmöglich macht, gilt für einen Reaktionär. Wer eine starke Regierung für ein nothwendigeS Stück eines vernünftigen Staatswesens hält, gilt für einen Reaktionär. Wer da glaubt, daß die Umtriebe derer, welche das Volk zur Suslehnuug gegen Gesetz unb Obrigkeit reizen, verhindert werden muffen, gilt für einen Reaktionär.
Wer die Robespierres und Marats im kleinen, die heutzutage so ungenirt wie möglich ihr Wese» treiben, für keine gleichberechtigten .Volksfreunde" hält, sondern für die ärgstenFeindevon Solk und Vaterland, indem fie die Begriffe
blickst Du uns an, geliebte Mutter, so vernimm den» in diesem Augenblicke, daß Franz und ich verlobt find und zu einander gehöre». Ich bitte Dich herzlich, unS Deinen mütterlidjen Segen zu geben und Dich wenigstens in dieser Stunde mit Deinen Kindern zu freuen über ihr Glück."
Frau von Hohendorf richtete fich auf und reichte beiden die Hand, indem fie vorsichtig sagte: „Ja, gewiß freue ich mich mit Euch, aber was wird Dein Vater sagen, Therese, denn Franz ist immerhin nur ein Säuger, wenn auch ein von Gott mit ben reichsten Gaben ausgerüsteter. Trotzdem, die Ahnen fehlen
(Nachdruck verboten)
Starke Liebesfäden.
Novelle von B. Altmann.
Therese erwartet hatte.
„Ich verstehe Dich einfach
-uiwortete ihr Vater, .daß Du auch nur im Ent- ferntesten daran denken konntest, Dich mit jenem Komödianten, diesem hergelaufene« Künstler, zu »er» loben, hast Du den« in Deinem unglückseligen Lieberwahn vergessen, daß Du Therese von Hohendorf bist und hinter Deinem altabeligen, unbefleckten Namen zwei- uubzwanzig Ahnen stehen? Aber es scheint in der That so, als habest Du das Alles vergessen. Jetzt aber fordere ich von Dtt, daß Du Deine kindische That betenenb in Dich gehst unb sofort Deine Ver-
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Qlattalr-BbonnemeMS-Preis bei der @l»ebit:en 2 Mk.. d« allen Postämtern 2,26 Mk. (exkl. Bestellgeld). Ai!'errr°n??ebühr:vi-ge- fotitetu Zeil» »der deren Raum 10 Pi-., Reklamen: di« 26 Psg.
Anzeigen nehmen entgegen: die Exveditton dieser Watte«, die Annoncen- ülir Bureaus von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel» Mägde» 09
~ ,U.OftO hna, Wien- Rudolf Moss«, Frankfurt a. M., Berkin, Münch«, Köln; 00.
Freitag, 18. November 1898. «.r. D-ub-»Frankfurt a. R.. Bettiu,
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aber nur, auf welcher Seite der Fortschritt ist. Die Neigung gegen parteiliches Denunzlanienthum und trotz tm Doktrinarismus festgefahrenen „Fortschrittler" aller Wünsche, eine weitgehende Freiheit des Wortes tnb es jedenfalls nicht, die für fich in Anspruch gewahrt zu sehen, doch nur offen gestehen, daß nufer nehmen können, fortschreitende Ideen zn zeitigen. Sie Mttleid mit dem Verurtheilten sehr gering ist. Wenn sind auf dem alten Standpunkte, den schon ihre Väter etwa einem ungebildeten, an starke Worte gewöhnten zu einer Zett eingenommen haben, wo ganz andere Arbeiter, der die Sprache gar nicht einmal boHtg in Zustände als heute herrschte», stehen geblieben. DaS ‘ "
„fortschrittliche" Wirken der Achtundvierziger aber, das in seltsamem Copiren französischer Vorbilder be-
don Freiheit unb Recht, Sitte unb Ordnung verwirren, güt für einen Reaktionär, ebenso, wer Deutschland zu Wasser und zu Lande möglichst stark und angesehen haben möchte und wer eine allgemeine Volksbewaffnung für Unfinn hält, weil sie unmöglich ausgefühlt werden kann.
Offen sprechen dies fteilich die Reaktionsschreier T nicht aus. Sie begnügen sich mit dem dunklen Hin- X: weife von dem Bevorstehen einer finsteren Reaktion, Ai durch die unser Volk und Vaterland in die schreck- TlMften Zustände zurückgeworfen werden würde. Es Tltat sich aber gezeigt, daß unsere Bevölkerung heut
Tage viel zu aufgeklärt ist, um durch solche öde Schlagworte sich fangen zu lassen, mögen fie aus $|>em Munde „berühmter" Politiker oder gewerbs- Mäßiger Agitatoren stammen. Jedermann weiß, daß eine „Reaktion", wie fie unsere Demokratie und i Sozialdemokratie in vagen Umrissen ahne» läßt, gar
theilweise noch sehr engen Sttaßen Berlins gelegen bin glücklich für die Freihett Demes Vatnnwves und ein gewisser Druck schien alle Häuser und Menschen s kämpfe» und ftretien zu dürfen, und wie ich hoffe wie lähmend zu belaste War eS die Gewitter- schwüle, welche daS verursachte, oder Ware» es die ernsten Zeire», in denen man damals lebte ? Die Einzelnen wußten eS selber nicht recht, wenn fie auch den Druck, welcher alle Semüther beschwerte, auf daS
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für Ae Kreise Marbnrg «nd Kirchhain.
» h «ug> «°ch, SUtimchNäls-Buchdruck«« in Harburg. Zllnstrirtes Sonntagsblatt. """"L.tat»*; Markt 21. — Telephs» 56.