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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Warkurg

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8nz«tg«n neunten entgeyt: He Expedition Hefei Blattes, He Ätmmtten«

Buttem von Hasfenförin & Bögler. Frankfurt e. M., Ta fiel, Magde-

Eine Ausweisung.

Einer der Haupt - Redakteure des „Vorwärts", -er österreichische Unterthan Dr. Brau», ist, wie schon meldeten, von der Berliner Polizei auSge- gjtfett worden, weil er sich als Ausländer lästig Macht hat. Die formelle Berechtigung der Regie- E, einen Ausländer, der „lästig gefallen" ist, auS M Lande zu weise», steht außer Frage. DaS jiaucht nicht begründet zu werden. Im vorliegenden Me bedarf es auch gar nicht der Hervorhebung besonderer Momente, um die Veranlassung zur AuS- scisung des Herrn Braun klarzulege». Letzterer ge- hSrt zu den eiftigsten Förderern der Socialdemokratie, jg deren Reihen er als eine hervorragende literarische Leuchte Ansehen genießt. Kurz, „Genoffe" Braun wtfaltete als Vorkämpfer der deutschen Socialdemo- {ratie eine rege Thätigkeit, obgleich seine Eigenschaft aß Ausländer es ihm zur Anstandspflicht hätte «achen müssen, nicht gegen die Grundlagen und gesetz. Mßigen Ordnungen desjenigen Staates zu wühlen, desieu Gastfreundschaft er seit Jahr und Tag in An­spruch nahm. Diesem Treiben eines ausländischen Agitators mußte ein Ziel gesetzt werden. Die Staats­regierung hätte sich einer schwer begreiflichen Schwäche schuldig gemacht, wenn sie zu der gegen sie gerichteten Minierarbeit stillgeschwiegen hätte. Im Bewußtsein ihrer Verantwortlichktit durfte sie gar nicht den Zettelungen eines Ausländers mit verschränkten Armen stch gegenüberstellen. So hat denn den „Genossen" Broun sein wohlverdientes Schicksal ereilt.

Im „Vorwärts" werden an die Mittheilung von dieser Ausweisung, die das sozialdemokratische Organ eine „Polizeithat" nennt, die üblichen Ausfälle auf die vermeintliche Polizeiwillkür und Reactiou ange- schlossen. Hierzu ergreift auch die „N. A. Ztg." dar Wort und sagt: „Wer das ihm staatlich gewährte Kastrecht mißbraucht, um als berufsmäßiger Agitator den Klassenkampf zu schüren und eine gegen die Ermidlage» des Staates gerichtete Propaganda in Zug zu erhalten, begiebt sich selbst des Rechts, in den Grenzen des von ihm angegriffenen Staates un­behindert Aufenthalt nehmen zu dürfen. Die zu- ßäudige» Behörden handelten lediglich pflichtgemäß, als sie dem Ausländer Dr. Braun die Möglichkeit entzogen, seine staatsfeindlichen Umtriebe auf preu- bffchem Boden fortzusetzen."

Für die deutsche Arbetterschast ist der „Fall Braun recht lehrreich, nicht etwa wegen der jetzt erfolgten Maßregelung, sondern weil aus ihm wieder einmal stch entnehmen läßt, welche Elemente zum Theil die Leitung der Arbeiter-Bewegung an sich geriffcn haben. Au österreichischer Sendling fühlt sich berufen, ein Protektorat über die politischen Rechte und wirth- schastlichen Jntereffen des deutschen Arbeiterstandes sich auzumaßen und letzteren für irgend welche dok-

(Nachdruck verboten.)

Starke Liebesfäden.

Novelle von B. Altmann.

(Fortsetzung.)

Unbeschreiblich war indeflen des Sängers Er« Saunen und Freude, als sich, nachdem er kurze Zeit gewartet hatte, die Thür des Empfangszimmers öffnete und in Begleitung ihrer Mutter jeueS junge Mädchen hereintrat, welches schon während der erste» ; Konzertes, das er in Berlin gegeben, seine Aufmerksam, i kett erregt hatte.

Die schlanke Gestalt war heute in ein weißes, einfaches Kaschmirkleid der damaligen Mode gehüllt, lockiges, gepudertes Haar bedeckte theilweife die * ziemlich hohe, kluge Stirne, eine feingeschnittene Rase ■ gab dem ganzen Gesichte etwas edles, während der Mmd von großer Festigkett und Willensstärke sprach, doch wurde jener Zug durch ein Paar braune, lachende Kinderaugen bedeutend gemildert.

Die Mutter jener jungen Dame war eine zarte, blaffe, fast kränklich auSseheude Erscheinung, der man rr aumerkte, daß der energische Zug, welcher in dem frischen, jungen Gesichte ihrer Tochter lag, von der Mutter nicht ererbt worden war.

Nach einer höflichen Begrüßung stellte Franz stch kn Damen vor. Die Frau Rittmeister nithigte ihn, -nf einem Rokokkoseffel Platz zu nehme», indem sie frarndlich begann: „Vermuthlich werde» Sie etn iveuig ärgerlich sein, daß wir eS wagen, Sie, de» berühmte» Sänger, »« Unterricht für unsere Tochter Ni bitte», denn sicherlich haben Sie für derartige Stunde» nicht gerade viele ihrer kostbare» Zeit übrig. Wir würde» auch kaum gewagt haben, Sie mtt jener «»bescheidenen Bitte zu belästigen, wenn nicht d,e Prinzessin, welche Sie unterrichten, kürzlich, wie meine

trinäre» Schablonen des internationalen Proletariats ins Schlepptau zu nehmen. Derartige Ausländer arbeiten berufsmäßig an der Ertödtung des National- finns in den Herzen der deutschen Arbeiter, indem sie ihnen unaufhörlich vordeklamiren: Es gebe nur eine Menschheit, die durch den Klaffenkampf der kopitalistische» Gesellschaft in zwei Nationen getheilt sei, die Ausbeuter und die Ausgebeuteten, welchen letzter» alle Arbeiter ohne Unterschied ihrer staatlichen Zugehörigkeit und ihrer nationalen und konfessionellen Eigenart zuznzählen seien.

Gegen solche Hetzer müßte der gesunde Sinn der deutschen Arbeiterschaft auS sich selbst heraus Front machen. Wenn das unterbleibt, so ist damit keines­falls die Regierung ihrer Pflicht überhobcn, solchen Agitatoren das Handwerk zu legen. Mag Braun in Zukunft seine Kunst an den österreichischen Arbeitern probiren. Preußen hat mehr als genug mit seinen Socialdemokraten zu thun.

Umschau.

Unser Kai sei paar hat am 12. November das heilige Land verlassen und die H e i m f a h r t nach den deutschen Gestaden der Nordsee angetrete». Nur mit der größten Befriedigung können wir auf die Palästina-Fahrt zurückblicke», und sie wird noch fort­leben bei den nachkommenden Geschlechtern als eine glänzende That zur Ehre des ChristenthumS und des deutschen Namens! Wie jede große Unternehmung hatte auch diese viel Neid und Mißgunst wachgerufen. Was find der Kaiserreise nicht alles für geheime Absichten untergeschoben worden! Bald sollte si« der Beginn eines neuen große» konfessionellen Kampfes fein, bald rein politischen Zwecken wie der Erwerbung eines syrischen Hafens oder der Aufstachelung des Sultans gegen die Kreta-Mächte dienen. Von den bösen Voraussagungen ist keine eingetroffe», und gerade daß unser Kaiser bei der Reise nach dem heilige» Lande den Charakter einer Kreuzesfahrt im wahren Geiste des Christenthums festhielt, trug wesent­lich mit zu dem große» unbestrittenen Erfalge bei. So konnte er sich als treuer Bekenner seines pro­testantischen Glaubens und zugleich als mächtiger Schirm» Herr seiner katholischen Unterthanen erweisen, und die französischen Ansprüche auf ein Protektorat über deutsche Katholiken und katholische Anstalten in Palästina ein für alle Mal zu Nichte machen. Nicht eine Störung, fonbern eine Stärkung des konfessio­nellen Friedens im Reiche bringt er mit heim. Die Sympathie» schließlich, die unser Kaiser, wie kaum ein abendländischer Herrscher vor ihm, bei den Muhamedancr» zu wecke« verstand, find ein poli­tischer Gewinn für das Deutsche Reich, deffen An­sehen im Oriente damit bedeutend gewachsen ist. Oft sind moralische Eroberungen stärker und nach-

Tochter und ich zu ihr befohlen waren, «ich dazu überredet hätte. Es ist ein besonderer Wunsch Ihrer königlichen Hoheit, daß Thereses Stimme gut ge­schult werde« möchte und sie rieth mir dringend, ich möge mich wegen Unterricht an Sie wenden, Herr Antra. Wenn ich die Bitte als von ihr ausgehend darstellen würde, glaubte fie mit Bestimmtheit hoffen zu dürfe», daß Sie uns keine Fehlbitte thun ließen."

Weit beklommener als er stch im größten Konzert­saale gefühlt hatte, blickte Franz bald die eine und bald die andere der beiden Dame» an, bann er» widerte er leise: „ES kann mir doch nur eine hohe Ehre fein, wenn Sie mir den Sesangnnterricht Ihrer Fräulein Tochter anvertraueu wollen, gnädige Frau, trotz der unangenehmen Sache, die wir hier vor einigen Tagen pafstrt war, über welche stch, wie ich höre, die ganze mufikalifche Welt Berlins nicht wenig aufgeregt haben soll. „DaS hat fie auch," gab Frau von Hohendorf zurück, „doch haben Sie wohl längst erfahren, daß Alle, welche von der Sache hörten, fast ausnahmslos auf Ihrer Seite waren, und den Befehl jenes Intendanten für hart und anmaßend hielte». Doch werde» Sie darüber schon längst unterrichtet fein, den« wie ich höre, hat man Sie selbst im Gefängniß mit Ehrenbezeugungen aller Art erfreut."

Der Sänger lachte. „Das hat man allerdings," erwiederte er. „Bouquets, BeileidSbrife, ja sogar Eßwaareu aller Art tarnen täglich an, so daß i< keinen Mangel zu leiben hatte, und wenn berechtigter Zeiger über jene alberne Geschichte in wir anffteigen »olltc, so suchte ich ein Notenblatt anS meiner Tasche hervor und begann ei« Lied zu komponiere«, wozu ich sonst doch meistens nicht sehr viel Zett habe.

Sie ich zwei Tage später meine« Kerker wieder verließ, war unter diese« Umständen aller Giost a«8

haltiger als materielle, und schon die Thatsache, daß der deutsche Kaiser trotz mancher beunruhigenden Erscheinung in der europäischen Politik die Wall­fahrt nach dem heiligen Lande unternahm und durch­führte, hat alS Beweis sicherer Kraft und Gott- verttauens auch im AuSlande hohe Achtung eingeflößt. Während der Heimreise durch das Mittelländische Meer um Spanien herum und durch den Aermel- Kaual nach der Elbe-Mündung werden voraussichtlich noch verschiedene Häfen zur Einnahme von Depeschen, kohlen re. angelaufen werden, aber keine offiziellen Veranstaltungen stattfinden, da der offizielle Theil der ganzen Reise am 12. November abge- ch l o s s e n wurde und vom Mast der Hoheuzollern der Jncognito-Wiwpel weht. Mit innigster Dankbar­keit grüßen wir unseren kaiserlichen Herrn, der auch jetzt wieder Mehrer deS Reiches war, semper augustus, und wünschen ihm mit der erlauchten Gemahlin Glück und Heil zur Heimfahrt!

Bei einem in der Tonhalle zu Düsseldorf am Sonnabend nach Einweihung der dortigen esten Rheinbrücke stattgehabten Festmahle führte m Trinkspruch auf den Kaiser Staatsminister Thielen auS:

Ein hehres Fest begehe heute der gesummte Nieder­rhein. Das ebenso große, wie schöne Werk lege für Gegenwart und Zukunft beredtes Zeugriß ab, was Bürgerst»« im Vertraue» auf eigene Kraft, vereint mit deutscher Technik und deuffcher Kunst, hier im gesegneten Rheinlande zu leisten vermag. Alle Schwierigkeiten, die fich der Ausführung deS Werkes entgegenstellten, seien siegreich überwunden. 3» dieser Stunde gebührt es fich, wie überall, wo deutsche Männer zur Festesfreude versammelt find, Worte des Dankes, treuer Liebe und Verehrung unferrn Aller- gnädigsten Kaiser und König weit über Lande und Meere zuzurufen. Wenn wir heute unter den Völkern der Erde hochgeachtet und, wenn nöthig, gefürchtet dastrhe», wenn die deutschen Lande aufblühen, wie unsere Vorfahren eS nie gekannt haben, wenn be­sonders ei» Werk übers andere für das Verkehrs­leben entstand, so haben wir das in erster Linie dem weisen thatkrästigen Regiment Sr. Majestät deS Kaisers und Königs zu danken. Vor allem haben wir ihm zu danken, daß der Friede erhalten ist. Die herrlichen Friedensworte, die St. Majestät der Kaiser an geweihter Stelle im heiligen Lande bei einem feierlichen Akte gesprochen, haben in den Herzen aller Deutschen lautesten, dankbarsten Widerhall ge­funden. Unserm Kaiser, der fich zur Lebensaufgabe gestellt hat, den Friede» seinem Volke zu erhalten, danken wir, daß wir auf dieser Grundlage zu einer gedeihlichen sittlichen und materiellen Entwickelung und Blüthe gelangt sind. Gott schütze und segne den Kaiser in diesen Bestrebungen. Unseren Dank,

meinem Herzen verschwunden, so daß ich heute bereit bin, wenn jener Intendant »och einmal zu mir schickt, seinem Rufe wieder Folge zu leisten."

Bewundernd blickte Fra« von Hohendorf den Sprecher an. „DaS nenne ich groß," rief fie und jener Herr, welcher Sie so rücksichtslos behandette, hat wahrlich solche Güte nicht verdient. Jndeffeu wird diese Aufsehen erregende Geschichte nur dazu beitragen, Ihren Ruhm zu vergrößern.

„Ich gebe nicht viel ans den Beifall der Menge," erwiederte Franz ablehnend, „mtt deren Gunst e8 wechselt wie daS Wetter im April. Heute stellt fie Jemand ans die höchste Staffel der Ehre und morgen stößt fie ihn in de» Staub. Wohl dem, der seinen Weg gerade durch geht «nd weder auf das Eine noch auf das Andere zu viel achtet. Aber," fetzte der Sänger zögernd hinzu, „ich »eh«e Ihre Zeit schon zu lange in Anspruch, darum wenn es Ihne« und Ihrer Fräulein Tochter recht ist, so möchte ich vor- schlage», mich die Stimme der Letztere» var alle» Dinge» erst einmal prüfe» zu taffen, damit ich weiß, wo ich am besten mit dem beabsichttgte« Unterricht eiusetzen kann."

Die Mutter nickte zustimmend. Therese erhob fich, nm das Klavier zu öffnen und nicht lange währte es, da hatten Lehrer und Schülerin Alles rings» umher vergessen, weil fie fich völlig verttest hatten in die reine Harmonie edler Musik. Franz dachte In diesem Augenblicke nicht mehr daran, daß er einer vornehmen, adeligen, jungen Dame Unterricht er- thetten sollte, »nd Therese vergaß bald völlig, daß eS ein berühmter Sänger war, dessen kostbare Zeit durch ihre, iw Vergleich mtt seiner eigenen so unbedeutende Stiwme in Anspruch genommen wurde. Die Knnst, welche Beide so über Aller liebte«, schien ihnen

Liebe und Verehrung, auch unseren herzlichsten Wunsch ür eine fröhliche glückliche Heimkehr unseres thencren Kaiserpaares, all das lasse» Sie un8 zusammenfasse» n den Ruf: „Se. Majestät unser allergnädigster kaiser und König lebe hochk"

An Se. Majestät den Kaiser ging folgendes Telegramm ab:

„Eurer Majestät, dem hochherzigen Förderer deutschen Unternehmungsgeistes, melden wir ehr­erbietigst die soeben vollzogene Einweihung der feste» Rheinbiücke bei Düsseldorf und erneuern int Name» der Festtheilnehmer in einem Hoch auf Eure Majestät das Gelöbuiß unwandelbarer Treue zu Kaiser und Reich, gez. Rheinische Bahngesellschaft."

Minister Frhr. v. d. Recke brachte ein Hoch auf die Rheinische Bahvgesellschaft auS. Der Minister sprach dabei zunächst von der Zett, in der er in Düffeldorf al8 RegiernngSpräfident gewirkt hatte. Hier habe er rheinisches Leden, rheinische Thatkraft, rheinische SchaffenSfrendigkeitund auch rheinische Lebensfteudigkett kennen gelernt. Hier habe er gelernt, wie es möglich sei, Schwierigkeiten zu bewältigen, deren man anders­wo ohne weiteres nicht Herr werden könne. Das schöne Bauwerk, das heute eingeweiht worden sei, sei ein Exempel rheinischer Tüchttgkett im vollstem Maße. Hier in Düsseldorf habe er auch in seiner sechsjährigen AmtSthätigkeit rheinische Lebensfteudigkett kennen gelernt. Wenn es im alten Siebe heiße, daß man im Schatten der Kastanien wohl ruhe» könne, so wünsche er, daß dereinst Düsseldorfer Weisen und rheinische Lieder ihn zur Ruhe geleiten werden.

Die Beflissenheit, jede Auslassung des Kaisers hämisch zu begrinfe», hat de» „Vorwärts" und ihm geistesverwandte Blätter zu einer beschämende» Ent­blößung rhrer eigenen geschichtlichen Unwissenheit verführt, worüber der „Hannoversche Courier" schreibt: „Daß der Kaiser in Damaskus von Sultan S a l a d i» als einem der ritterlichsten Herrscher aller Zeiten, einem Ritter ohne Furcht und Tadel, gesprochen hat, nennt das Centralorgan der deutschen Sozialdemokratie „seltsam", weil Saladin der Befieger christlicher Heere ist, und läßt durchblicken, daß Kaiser Wilhelm an diesem Tage von Damaskus sein Christenthum verleugnet habe. Ei» Schauspiel für Götter, der atheistische „Vorwärts" in der Pose eines Anwalts des Christenthums! Noch komischer aber wirft die gespreizte Selvstgefälligkeit, mit welcher das genannte Blatt an die „Byzantinerpresse" die Frage richtet: „Wie findet fie fich nun ab mit dem Kaiser, der den Vertilger der christlichen Pilger eines früheren Zeit­alters verherrlicht?" — Die Antwort hierauf kann kurz und bündig lauten: die „Byzantinerpresse" (d. h. im Jargon des „Vorwärts" die nicht sozialdemo- ftatische) findet er selbstverständlich, daß der deutsche Kaiser, unbeirrt durch engherzigen KoufesstonaliSmnS,

völlig über derartige äußere Dinge ganz hinweg zu helfen.

Der junge Künstler war sehr erfreut, als eine wirklich gute, reine Altstimme fein Ohr berührte, aus welcher fich, wenn fie bis dahin auch noch ziemlich ungeschult war, mit der Zeit doch vielleicht etwas über den gewöhnlichen Mitteldurchschuitt HinansgehendeS machen ließ und mit um so größer« Vergnügen ver­sprach er deßhalb, Therese jede Woche zwei Mal eine Singstunde ertheilen zu wollen.

War eS denn aber nicht eine etwas gefährliche Sache, fich zwei Naturen, wie Therese und Franz waren, gemeinschaftlich in eine Kunst vertiefen zu lassen, welche nicht nur ihre Ohre« sondern auch ihre Herzen völlig mit Beschlag belegte, und die am Ende gar »och ihre beiden so junge» Herzen umschlinge« würde mit solchen Banden, daß fie schließlich nicht mehr von einander lasse« würde«?

O nein, ein solcher Gedanke war völlig a»S- geschloffen, denn Therese entstammte einer altadelige», preußische» Militairfamilie. In dem Ahnensaale, welcher fich in dem Schlosse auf einer der beiden Güter ihres Vaters befand, schaute» zweiundzwanzig alte Del» gemälbe den Besucher an und eine jener alten Ge­stalten schien der Ander« stolz und fteudig zuzuuicke«, weil jede immer noch einen Ahnen mehr besaß als die Vorhergehende. Daher war auch in der Familie Hohendorf jede Verbindung ausgeschloffen, welche nicht völlig standesgemäß gewesen wäre, also nicht wenigstens annähernd eben so viele Ahnen anszuweise« gehabt hätte wie Therese und deren Elter«. Durch jene« Umstand war Alles auSgeschloffen, was dieser durch den Verkehr unb die gleichen Jutereffen mit dem hochbegabte« Künstler tu ttgend einer Weise hätte gefährlich werbe« können.

(Fortsetzung folgt.)