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Wöchentliche Beilage«: Kreisblatt für Ne Kreise Marburg «ud Kirchhain.
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Warburg
Freitag, 11. November 1898.
Ungeigen nehmen entgegen: di« Eroedition dieses Blatte», dir Nimancrn-
Vurraur von Haasrnsdetu & Bögler, Frankfurt a. M., Cassel, Magd» nn cy/.t;«./» tfta, Wien: Rudolf Möge, FranHnrt a. M., Berlin, Münch«, Rota; w. ^juyiy. «. 8 Daube * le., Frankfurt a. M.. Berkin, Hannover, Pari« x.
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Der Bund der Landwirthe jeschistigt wieder einmal auffallend viel die demo ßaüsche und freihändlerische Presse. Es geschieht tiks nicht in wirthschaftspolitischer, sondern in Mtionspolitischer Hinsicht. Einerseits hetzt man bei «s Conservativen gegen den Bund. Die „Franks. Zeitung* ist dabei natürlich obenan. Dies Blatt schreibt zu den Wahlvorgängen in Minden-Lübbecke, M der Bund der Landwirthe daS Compromiß mit ft konservativen gebrochen hat:
.Die Wuth der Eonservativeu auf den Bund ist groß, ,t«r sie können sich mit einem trösten: Bei der vorigen Sahl brach der Bund sein mit den Liberalen eingegangei «r gompromiß, warum soll er nicht auch mal di« Consrr- Miven naiführen?
ES wäre fteilich für Herrn Sonnemann's Blatt Wger gewesen, gleich Näheres über das Compromiß ult den Liberalen mit anzugeben, sonst kann man a ein allgemeines solches Compromiß von Setten des Bundes bei der vorigen Wahl nicht recht glauben. Andererseits hetzt man demokratischerseits teg Bund gegen die Conservativen auf und sagt, der Sund wolle in der Firma: „Wirthschaftliche Ver- migung* wie im Reichstage jetzt auch im Landtage hie konservative Fraction .commandiren*. Das ist eiufach Unsinn.
Die eben angeführte doppelte Keiltreibung zwischen konservative und Bund der Landwirthe geht auf ha einfachen Plan hinaus, die Conservativen den landwirthschaftlichen Wählern thnnlichst zu entftemden. DaS dürfte aber den Herren Freihändlern und Demokraten nicht gelingen, mögen sie auch zu noch |» verwerflichen Mitteln greifen. Unsere landwirth- Hastlichen Wähler nicht nur im Landtags- und Reichstags - Wahlkreise, sondern in Staat und Reich iideihaupt, halten, soweit sie natürlich wirkliche» politisches Berständniß beanspruchen können, ewfach deßwegen zu den Conservativen, weil sie deren von jeher erfolgte wahre und konsequente Fürsorge für die Land- vmthschaft kennen. Sie wissen, daß ihnen die von Fürst Bismarck und den Conservativen 1879 umugurirte Schutzzollpolitik ein leider später nieder etwas erniedrigter Damm gegen das größte Unheil geworden ist, was sonst über unsere Land- nttthschaft herein gebrochen wäre und leider heute trotzdem noch groß genug ist. Wer hat denn, fragen sich die Landwirthe, unS überhaupt geschützt B dem so oft unlauteren Wettbewerb der Margarine nüt der deutschen reinen Butter, in dem Wettbewerb der billigen, vielfach tiichinen- gefährlichen amerikanischen Ueischproducte gegen unsere nationale Production ? 8er schützte denn, so fragen sich die Landwirthe, die deutsche Bauernschaft in ihrem Gettetdehandel gegen die beliebige Preisschnellerei des Getreides durch die
(Nachdruck verboten.)
Starke Liebesfäden.
Novelle von B. Altmann.
(Fortsetzung.)
Franz, welcher wachend im Bette gelegen und die »5en geführte Unterhaltung mit angehört hatte, wollet i* ersten Augenblicke aufspringen, um sich vor seinen Soler hinzustellen uud ihm zu erklären: „Was Ihr da eben zusammen beschloflen habt, daS kann ich sicht und thue eS nimmermehr, aber sein jüngerer Studer, der daS Gespräch gleichfalls mit angehöit Satte, gab ihm einen freundschaftlichen Rippenstoß, totem er ihm zuraunte: „Du, in so einem Kloster •t es nämlich fein, mir hat einmal Jemand erzählt, dort gäbe eS alle Tage Braten und andere schöne Dinge und ein großer Garten, in welchem viel Obst «ichst, soll auch dabei sein, so daß man dort sehr diel essen kann!'
Als Franz dies hörte, hatte er nichts mehr Wien das Kloster einzuwenden, sondern ließ sich wenige tage später von seinem Vater ohne vielen Widersprach dach dort bringe».
Wie er mit seinen Gedanken so weit gekommen leer, erhob sich Bruder Franziskus mit einem tiefen Seufzer, warf den Gänsekiel, mit welchem soeben noch Ittee Hände nachlä fig gespielt hatten, von sich auf Sie Erde und ging mit hastigen Schritten in seiner tagen Zelle ans nnb ab. „Drei Jahre bin ich jetzt to,e stütz er endlich leidenschaftlich hervor, „aber iidger, ich fühle eS deutlich, ertrage ich dieses Leben dicht, oder ich gehe vollständig zu Grunde, denn da- Sllrch, daß mein Vater mich hierherbrachte, hat er dfich aller Freiheit, aller Lebensfreude beraubt, ohne Sie ich nun einmal nicht leben kann. Ja, trockenes Siat und Kartoffeln haben mir besser geschmeckt, al» eine
Börsenfixerei mit Papiergetreide und gegen den Import preisdrückcnder, nicht immer von guter Sorte gewesener Anslandswaare? wem verdanken wir denn die Organisation der Landwirthschaft zu einer maßgebenden landwiithschaftlichen Vertretung in den Landwirthschaftskammern, wem in so erfreulich erfolgtem Maße die Förderung des landwirthschaft- lichen Genossenschafts- uud Credit-Wesens. Immer und immer wieder, so lautet die Antwort, den Conservativen. Denn Demokratie, Freisinn und Freihändler haben festvereint in Wort und Schrift von jeher gestanden auf der Seite der Börsenjobber, der großkapitalistischen Ringe und Unternehmungen internationalen Capital», der Margarine, amerikanischer Schinken, sie haben gestanden gegen die Grenzsperre zum Schutze unseres heimischen Viehes vor Seuchen, sie wollen stets dem fremdländischen Getreide Importeur alle Grenzen geöffnet wissen. Wo bliebe heute, wenn diese Anhänger Sonnemanns,Richters und Rickerts ihren Willen durchgesetzt hätten,diedeutfcheLandwirthschaft?
Der „Bund der Landwirthe* ist nun diejenige Organisation, in welcher Deutschlands Landwirthe in all' den vorstehend, wie anderen wirthschafüpolitisch landwirthschaftlichen Fragen sich znsammenthun und ihre wirthschaftlicheu Jntereffeu möglichst zu fördern suchen. Dazu gehört für feine 200000 Mitglieder doch keine Fraetions- politik! Aber andererseits ist es nichts, als ein natürliches zugleich mit Dank verknüpftes Gefühl jede» einsichtsvolleren Mitgliedes des Bundes der Landwirthe im Reiche, daß der G r n n d v e r l a ß, auf dem in Förderung der landwirthschaftlichen Interessen der Bund weiterbauen muß, eben nur die Conservativen find. Sie find die parlamentarische Säule der Landwirthschaft, also auch des Bundes der Landwirthe beim Aufbau der die Landwirthschaft schützenden Gesetzgebung in Staat und Reich. Die Conservativen lassen sich zu dem Zwecke nicht vom Bunde der Landwirthe „commandiren*, sondern es ruht eben im Wesen des Gon f er« v ativisrnus selbst, daß er die Landwirthschaft, dieses beste Bollwerk gegen den inneren Feind neben unserer Armee in Schutz nimmt. Dieses Verhältniß zwischen Conservativen und „Bund der Landwirthe* in irgend einer Weise im Allgemeinen zu stören, kann den Freihändlern und Demokraten nicht gelingen, diese Störung ist eben in ihrer ganzen Voraussetzung unnatürlich.
Umschau.
In einer Polemik gegen die „Freis. Zig.*, welche natürlich gegen die Uebernahme der Electrizitäts-Werke durch die Stadt
etwas bessere Kost, aber dabei die Gefangenschaft in diesem Kloster, wo ich nicht einmal ein Liedlein fingen darf nach meinem Sinn. Nein, ein Mönch kann ich nicht werden und will darum diesen engen Mauern für immer entfliehen, noch ehe der Tag zu Ende geht.
Ich werde den Prior bitten, daß ich heute Abend ans dem Gottesdienste zmückbleibeu darf, well ich schon den ganzen Tag heftige Kopfschmerzen habe und wenn alle Brüder in der Kirche find, hole ich mir fluchs meine allen Kleider herbei, welche ich trug, ehe man mich in das MönchSgewand steckte, denn ich weiß genau, wo man dieselben aufbewahrt hat, entschlüpfe der mir verhaßten, Jahre lang gezwungen getragenen geistlichen Kleidung und entfliehe meinem Gefängnisse auS eine» mir seit kurzem bekannten, unverschlossenen Hinterpförtchen.
Wild auf klopfte das Heiz deS jungen Bruder» Franziskus, wie fein Fluchtplan fertig war. Draußen in der Welt würde er aller Wahrscheinlichkeit nach schweren Tagen, vielleicht auch Kummer und Hunger entgegengehen, denn zu dem Vaterhanse durste er feine Schritte nicht wieder lenken, da er seinen Vater zu genau kannte, um nicht zn wissen, daß, wenn dieser feinen Ungehorsam sah, er ihn unbarmherzig von sich stoßen würde. Aber dennoch, wenn er auch nicht wußte, waS ferner mit ihm werden würde, fort von hier wollte er auf jeden Fall, denn er konnte die Gefangenschaft nicht länger ertragen und jede Ader in ihm lechzte nach Freiheit. Mit diesen Gedanke» verließ er die Zelle, um dem Prior seine Bitte vor- zuttagen, auf welche derselbe zum Erstaunen des jungen Bruder» berettwillig einging und ihn fortschickte, um fich noch ehe der Abend anbrach, zur Ruhe zu begeben.
Berlin schreibt, sagt die „Frkf. Zig.*: „Daß aber die städtische Verwaltung nicht fähig sei, einen solchen Betrieb einzurichten, da» ist, wie schon einmal an dieser Stelle gesagt wurde, eine so jämmerliche Bankerotterklärung, daß man die Stadt Berlin beweinen müßte, wenn sie wahr wäre. Aber so weit ist eS denn doch nicht, und wenn sie „hier und da hinter andern Commune» bedenklich zurückgeblieben ist*, so liegt das nicht an dem großen Umfang der städtischen Verwaltung, denn e» giebt noch viel größere Commune», die besser geleitet werden, sonder» eben an dem G e i st e, der in der Berliner städtischen Vertretung herrscht und einer Auffrischung dringend bedürfte. Vielleicht werden die Herren nu» doch ein wenig stutzig, da große Elcctrizitätsgesellschasten eben jetzt im Begriffe sind, fich zu sufioniren. Es ist keineswegs unwahrscheinlich, daß auf diesem Wege allmählich ein ElectrizitätS - Trust zu Stande kommt, und bann find diejenigen Commune», die es nicht verstanden, zur rechten Zeit ein Elektrizitätswerk billig zu übernehme», die Gefoppten. Damm sehe man fich vor.*
Die „Ndd.-Allg.-Ztg.* schreibt: „Aus industriellen Kreise» ist die Annahme laut geworden, daß die Retchs- regierung nicht daran denke, sich und de» Wirthschaftlicheu Ausschuß in der nächste» Zeit mit der Aufstellung eines autonomen Zolltarifs zu beschäftigen*. Diese Annahme ist durchaus irrthümlich. Die Reichsressorts und die Bundesregierungen sind in lebhafter, mit Nachdruck geförderter Erörterung über den bereit» aus- gearbeiteten Entwurf zu einem Tarifschema begriffe», und e» läßt sich hoffen, daß das Gutachten deS Wirthschaftlicheu Ausschüsse» in nicht ferner Zeit wird eingeholt werden können.*
Bezüglich der Besteuerung der Waaren- Häuser steht die preußische Regiemug bekanntlich auf dem Standpunkt, daß e» in erster Linie Sache der in dieser Hinsicht völlig autonomen Kommunen sei, eine Form zu finde», wonach die Waarenhäuser zu höhere» gewerbesteuerlichen Leistungen herangezogen werden könnten. Die Regierung hat ein Muster für die Regelung der Kommunalstcuer geschaffen, welches den Weg zeigt, wie die Kommunen zu einer höheren Belastung der Waarenhäufer und der Versandthäuser gelangen können. Die Hoffnung, daß die Gemeinden di-seu Weg beschreiten würden, hat sich aber bisher nur in sehr beschränktem Maße erfüllt, und es dürfte daher nicht ausgeschlossen sein, daß die Regierung die Zeit für gekommen erachtet, ein Staats gesetz vorzuschlagen, wodurch die Gemeinden gezwungen werden, an eine höhere Gewerbesteuerbelastung der Waarenhäuser heranzugehen. Ein diesbezüglicher Gesetzentwurf ist indessen noch nicht fertiggestellt, doch finden darüber
Der von Bruder Franziskus entworfene Flucht- plan gelang über alles Erwarten gut. Als alle Klosterbewohner in die Kapelle gegangen waren, um der Abeudvesper beizuwohnen, stand er leise auf, legte seine alten, geflickten Kleider aus dem Vater- Hause an, steckte da» Stück Brot, welche» ein Kloster- bruder ihm zum Abendimbiß gebracht hatte, sorglich in die Tasche und schlich ungesehen in die Dunkelheit hinan», durchschritt den viereckigen, weiten Klosterhos, öffnete vermittelst eine» Jnsttumenie» sehr geschickt eine alte Thüre in der Mauer und betrat klopfende» Herzen» einen lange», finsteren Gang, der wieder mit einer schmale», niedere» Thür endete. Einen Augenblick versuchte Franz vergeblich dieselbe zu öffnen, denn es war rabenschwarze Dunkelheit um ihn her, und soviel er auch umhertasten mochte, nttgend» sand er eine Thürklinke. Aber lange hielt er fich nicht auf mit erfolglosem Suchen. Er hatte vorsichtiger Weise ein Ende Talglicht eingesteckt, auch fehlte das Feuerzeug nicht und bald brannte das Licht und beleuchtete die Thüre mit unsicherem Scheine. Franz konnte dieselbe jetzt, nachdem er den Griff derselben gefunden ohne große Anstrengung öffnen und im nächsten Augenblicke war er in Freihett.
Tief anfathmend stand der bisherige Bruder Franziskus einige Augenblicke still und blickte bewundernd auf die abendliche Fiühlingslandschaft, welche fich vor ihm ausbreitete. Am tiefblauen Himmel stand der Vollmvnd und beleuchtete mit sanftem Lichte Alles ringsumher, die ganze Natur schien Ruhe und tiefen ^Frieden zu athmen und die im ersten Grüne prangende» Bäume warfen gespenstische Schatte» Über de» Weg.
Hell auf jubelte e» in Franz'» Herze». Wie hatte er in den drei letzte», im engen Kloster verlebte» Jahre» »ach jener golbnen Freiheit gelechzt, welche
Verhandlungen zwischen de» Minister» der Finanzen, des Handels und de» Innern statt. Dies Gesetz müßte selbstverständlich die Form der Steuer vorschreiben, eine Aufgabe, die Angesichts der außerordentlich schwierigen Materie keine leichte ist. Die kürzlich von der Presse gebrachte Nachricht, die Regierung habe fich die ftanzöfische Steuer zum Muster genommen, ist natürlich unbegründet. Da» ftanzöfische Gewerbesteuersystem ist von. dem unsrigen so grundverschieden, daß sich eine Benntzung desselben von selbst verbietet.
I» welchem Maße die sozialdemokratische Presse bemüht ist, die Arbeitermassen aufzuregen, ergiebt fich aus einem Artikel der „Leipz. Volksztg.*, in welchem behauptet wird, die JnvaliditätS- Vorlage schreibe vor, die Rentenempfänger sollten auf Kosten der Versicherungsanstalt in Invaliden« Häusern intemirt* werden können, um dort ihre Jnvalidiiät oder noch besser ihre Tage in diesem Jawmerthal zu beschließen. „Zuchthaus, Armenhaus, Jnvalidenhaus. Lieber deutscher Arbeiter, wie kannst Du noch unzufrieden sein bei einer solchen Auswahl von Zufluchtstätte» au» Deiner Welt der Arbeit*, mit dieser Tirade schließt der Artikel. Was zunächst das Zuchthaus bcttifft, so pflegt diese Strafe nur solchen Arbeitern zutheil zu werden, welche eine mit Zuchthaus bedrohte Stiafthat sich haben zu Schulden kommen lassen. Die Gesammtheit der deutsche» Arbeiter wird dabei ebenfalls äußerst überrascht fein, zn lesen, daß ihnen ein sozialbernokratisches Blatt allgemein zumuthet, durch ihre ungesetzlichen Handlungen derart mit den Strafgesetzen in Konflikt zu geratije». Was aber die Jnternirung von Arbeiter- invaliden in Jnvalidenhänsern behifft, so beschränkt sich nach den bereits durch die Presse gegangenen Mitthetlungen die Vorschrift der Novelle zum Jnvaliditätsgesetz darauf, daß der Vorstand einer Versicherungsanstalt einem Rentenempfänger auf feinen Antrag an Stelle der Rente die Aufnahme in ein Jnvalidenhaus auf Kosten der Anstalt gewävren kann. Es soll hiermit völlig hilflosen, steter Pflege bedürftigen, des Familienanschlusses entbehrenden Arbeiterinvaliden die Möglichkeit gewährt werden, sich ein geeigneteres Unterkommen zu verschaffen, als eventl. mit Hilfe der Rente möglich ist. In solch' gehässiger Weise, wie e» die „Leipz. Volkszeitung* thut, wohlthättge Absichten zu verdächtigen, ist einfach verwerflich.
Im Hinblick der Fortdauer der englischen Rüstungen äußert der Pariser „Figaro* Zweifel, ob England überhaupt den Frieden wolle, oder ob die englisch-ftauzöstschen Mißverständnisse eine verborgene Ursache hätten, d. h. ob geheime Verabredungen mit einem der wachsamen Feinde ab
er sein hatte nennen dürfen von frühster Jugend an, nun endlich, endlich hatte er sie wiedererlangt und brauchte keine dicke», langweiligen Bücher mehr abzuschreiben uud Niemand zwang ihn zwei Mal am Tage jenen eintönigen Messen beizuwohnen, welche mit ihrem unabänderlichen Zwange ihn dem Herrn, welchem sie dienen sollte», nicht näher gebracht, sonder» vielmehr entfrembet hatten. Aber nun hatten alle jene Klostergebräuche keine Macht mehr über ihn und Franz überkam daS Gefühl, als fei er ein Freiherr geworden in diesem Augenblicke, wenn auch nur ein sehr armer. Noch einen letzten feindseligen Blick auf die graue Klostermauer werfend, betrat er auf» Geradewohl den ersten Fußweg, der ihn bald tief in einen undurchdringliche» Wald führte. Der Wanderer war sehr beftüdigt darüber, denn er mußte ja so bald wie möglich fort an» dieser Gegend, weil man vorn Kloster an» sicherlich am andern Morgen nach feinem Verbleiben forschen würde. So wanderte er die halbe Nacht weiter, fort ging e» über Stock und Stein, bald war ein Berg zu erklimmen, dann wieder ein Bächlein zu durchwaten, hier fuhr erschreckt durch da» Nahen eine» Menschen ein Häschen au» seinem nächtliche» Lager, oder ein Reh sprang davon als sei da» wilde Heer hinter ihm, e» zu verfolgen, ober ein Nachtvogel flog auf, gestört durch de» eiligen Wanderer, stieß zürnend ein unheimliche» „uhu* nach dem andern hervor und flog davon.
Franz beachtete da» Alle» kaum, hatte er doch keine Zeit dazu, er mußte weiter eilen, immer weiter, bis endlich der stille Mond bleicher und bleicher wurde und ein frischer, junger Morgen aufstieg hinter den Sergen.
(Fortsetzung folgt)