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33. Jahrg.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Quartalz-AbonnementS-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mt. (rxkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: di« ge­spalten« Zeil« ober btitn Rau» 10 Pfg., Reklamen: die Zeil« 25 Pfg.

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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Jllustrirtes Sonntagsblatt. *-**** » * y**?

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dt »tWn nrhMNmtM»«: di« Expedition dieses Matte«, di. Annoncen-

y Bnrea^ von Ha-senMn L Bögler, Frankfurt «. M., Cassel, Magd«.

Freitag. 28. Oktober 1898.

Zweites Blatt.

Generalversammlung des deutschen VereinsArbeiterheim".

(Protector Ihre Majestät dir Kaiserin.)

Bielefeld, 21. October 1898.

Die rege Beteiligung aus dem ganzen deutschen Baterlande sab wohl beredt dafür Zeugniß, wie man sich doch grade mehr und mehr besinnt, welchen ver- hängnißvollen Einfluß jeder Gestalt die Wohnungs- uoth auf unser Volksleben hat, wie jede soziale Reform hier zuerst cinsetzen müßte, uud Abhülfe zu schaffen jedem Vaterlandrfreunde Gewissenssache sein sollte. Ein Mitglied des Vereins, der durch seine «Nationale Wohnungsreform' in weitesten Kreisen bekannte Stuttgartrr Fabrikant Paul Lechler, hatte einen Vortrag über seine jüngste Ideedie nationale Wohnungsfürsorge" übernommen. In klarer Weise entwickelte er die Grundzüge seines ersten Gedankens, «nationale Wohnungsreform * genannt, in dem er Staatscredit für Baufondbriefe uud zugleich staat­liche Leitung, bezw. Beaufsichtigung der Wohnungs reform verlangt. Die Ueberzeugung, daß eine solche staatliche Inanspruchnahme vorläufig nicht zu ver­wirklichen sei, gab ihm Veranlassung zu einer un- verhältnißmäßig bescheideneren Forderung, eben der nationalen Wohnungssürsorge', die man in mancher Beziehung vielleicht auch als eine Art Uedergangs- form zu seiner ersten Idee betrachten kann. Diese «nationale Wohnungsfürsoge' soll nunmehr eine an­regende, berathende, controlirende Thätigkeit entfalten. DieWohnungscommission' (je nach Bedürfniß im deutschen Reiche, für ein oder mehrere Kreise von der Etaatsregierung berufe») wurde ungefähr wie folgt, aus größtentheils im Ehrenamt berufenen Männer», bestehen (die indeß die Autorität eines Beamten ge­meßen würden), 1 Bevollmächtigter des Ministeriums der Finanzen oder des Handels und Gewerbes, 1 Bevollmächtigter des Ministeriums des Innern 1 staatlicher Bautechniker, 1 communaler Bautechniker, 3 organisatorisch veranlagte, in der Praxis bewährte Männer, 2 Arbeiter. Vorsitzender und Schriftführer würden auS den Männern der Praxis hervorgehcn. Jegliche bisher bestehende fürsorgliche Thätigkeit auf dem Gebiete der Wohnungsfrage (Bauverein usw.), sowie Bodenreformbestrebungen «sw. bliebe» unberührt. Die gejammten mit der Zeit sehr reichen Erfahrungen derWohnungscommissionen' laufen in eine Reichs­

centralstelle (gebildet aus einigenorganisatorisch be­gabten Männern deS pactischen Lebens') zusammen, und würden dort wieder, im Interesse des Ganzen geprüft, gesichtet und verwerthet. Die Unkosten des ganzen Apparates würden jährlich mit ein paar 100 000 Mark durch das Reich gedeckt und ständen in keinem Verhältniß zur Bedeutung des Unter­nehmens ufw. An der Discussion des mit großer Wärme aufgenommenen Vortrages beiheiligte sich sonderlich der bekannte Landesrath Dr. Liebrecht- Hanrover, Lic. Weber - M.-Sladbach, P. v. Bodel- schwtngh. Es wurde einstimmig beschlossen, die Lechlersche Idee, durch den Vorstand des ev. Arbeiter­vereins, des deutschen VereinsArbeiterheim' usw. dem Reichstage, wie dem Bundesrathe, angelegentlich zur geneigten Beschlußfassung zu unterbreiten.

P. v. Bodelschwingh (Präses des deutsche» VereinArbeiterheim' theilt darauf mit, wie man Seitens des Vereins unermüdlich weitergekämpft habe, um seine so bitter nöthige Sache zu fördern, so weit es nur irgend gehe. Zu den immerhin recht erfreulichen Erfolgen gehören dann z. B. auch die Uebernahme eines ganzen Theiles der Häuser der Versuchsstation «Arbeiterheim' durch die Rentenbank. Eine Enungenschaft, die allerdings nur durch das freundliche Entgegenkommen der zuständigen Renten- bank möglich gewesen sei. Die Vortheile eines solchen Unternehmens seien immerhiu so beachens- werth, daß ihm recht von Herzen Nachfolge im weitesten Sinne zu wünschen sei. Zumal, sobald ein Rentengutsgeber da fei, die Rentenbank fast völlig die Finanzirung zu niederem Zins, wie die Verwaltung übernähme, Auflasfungsunkosten so gut wie völlig in Wegfall kämen, der kleine Mann sofort in Besitz seiner Scholle käme usw.

Ober - Jnspector Lieber (Vertreter des deutschen VereinsArbeiterheim') giebt nun, an der Hand des Thätigkeitsberichtcs des Vereins, zuvörderst einige statistische Notizen, aus denen z. B. die traurige Thatsache hervorgeht, daß unter den Haupt­städten Berlin, New-York, Paris, London, der Grund und Boden baulich am meisten in Berlin ausgewuchert wird und pro Hcctar ebenfalls mit der Höchstzahl der Einwohner (31752) besetzt fei. Die untersuchende, fördernde und berathende Thätigkeit sei sonst eine so rege, oft bis an die Grenze der Kraft und des Könnens gehende im Vaterlande gewesen, die Presse sei auf's ergiebigste in Mitleidenschaft gezogen u. s. w. Seine Mittheilungen aus den Reiseberichten, die bekannten Gänge durch Jammer und Noth' lassen wieder einen entsetzlichen Blick in das abgrundliche Wohnungs­elend thun, das Unzuftiedeuheit und Vaterlandslosigkeit

zeitigen müsse. Er schließt mit demHerzenswunsch', daß alle, denen die Mittheilungen zu Ohren kommen, eine» einzigen solchenGang durch Jammer und Noth' mit machten, es würde sich ihnen über viele Dinge eines sogenannten Culturstaates, die einem Patrioten tief weh thun müßten, überzeugend eine ganz andere Ansicht aufdrängeu müssen. Er lebe der festen Ueberzeugung, daß solche Nester, wie über 18 Hundert Jahre später in einem Culturstaate mindestens stillschweigend als Menschenwohnungen geduldet würden, man in Herculanum und Pompeji schwerlich ausgraben werde. Zu Auskunft jeder Ge­stalt über den Verein, wie Entgegennahme von Mit- gliedsanträgeu, ist Herr Ober-Jnspector Lieber übrigens jeder Zeit gern bereit.

Turin, October 1898.

Einladung

r«m Ersten Internationalen Studenten Congretz in Turin.

Commilitonen!

In einigen Wochen wird Turin, das in diesem Jahre das 50 jährige Constitutionsjubiläum festlich begeht, die Ehre haben, zahlreiche Vertreter auS- und inländischer Universitäten, die daselbst zur Theil- nähme am Erste» Internationale» Studentencongreß zusammenkomme» werde», feierlich begrüße» zu könne».

Diese Internationale Vereinigung hat in erster ßinie den Zweck, einigen wirklich praktischen, von Italiens Studentenschaft apprvbirteu Vorschlägen auch im Auslande Anhänger zu verschaffen, ihre Ver­wirklichung auf internationaler Grundlage zu er­möglichen, und auf dieser Basis engere, für viele vorlhetlhafte Beziehungen zwischen de» Studireoden der verschiedenen Nationen herzustellen, was jedoch nur erreichbar ist, wenn jedes Land für zahlreiche, feiner Größe und feiner Bedeutung entsprechende Ver- tretung Sorge trägt.

Es ist uns als Vertreter Italiens Studenschaft eine besondere Ehre, Sie,, werthe Commilitione» im Namen derselben zu dem von uns einberufenen Congreß einladen zu können.

Eine freundliche Aufnahme unserer Einladung, und reiche Theilnahme an dieser Studentenfeier, die allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben wird, werden wir stets vollauf zu würdigen verstehen, als eine unserer Initiative geltende Sympathiebezeugung.

Eine außerordentliche Genugthuung wird es uns sein, die wenigen dem Congresse gewidmeten Tage in ihrer Gesellschaft verleben zu können.

Turins Bürgerschaft, die unsere Bemühungen wohlwollend begrüßt, wird sich an unser« Feste mit Enthusiasmus betheiligen und damit gleichzeitig allen Studenten, die durch ihr Erscheinen den aus Anlaß des VeifassungsjubiläumS stattfindenden Festlichketten freiwilligen Tribut gezollt haben, ihre besondere An­erkennung und Dankbarkeit ausdrücken.

Commilitonen!

Es ist unser Princip, Besprechungen politischer oder religiöser Färbung von vor» herein vom Congresse auszuschließen, den internationalen Charakter des Festes in jeder Hinsicht zu wahren, und so unserer Initiative die Sympathien der Akademischen Jugend zu sichern.

Im Namen von Italiens Studentenschaft, im Namen der Wissenschaft, die uns zu den höchsten Idealen führt, im Name» unserer gemeinsamen Intereffen laden wir Sie also ein, an unserem Congresse theilzu- nehmen und einzuschlagen in die Hand, die wir Ihnen reichen als Freunde, als Kameraden.

COMITATO AUTONOMO ORGANIZZATORE

DEL r CONGRESSO INTERNAZIONALE DI STUDENTI

La Segreteria

Andrea Beltramini, Aw. Adolfo Bertinatti, Aw. Enrico G. Citrioli, Amedeo Gautier, Carlo Emilie ManeUi, Aw. Giovanni Molar, Ettore Turriaai Giuseppe 1 ietti, Gofiredo Villa.

II President«

Dott. EFISIO GIGLIO-TOS

Vergnügungsanzeiger.

R«v«rtoir-Entwurf b«r Frautfnrtir

Stadtth«at«r.

Opernhaus.

Sonnabend, 29. October:Das Erb«'. Sonntag, 80. Dctober, Nachmittags 37, Uhr:Vogelhändle '. Abend« 7 Uhr:Die Abreise'. Hierauf:Das Versprechen hiuteim Herd'. Zum Schluß:Nürnberger Puppe'. Montag, 31. October:Boccaccio".

Schauspielhaus.

Freitag 28 October:Die Jüdin von Toledo'. Sonnabend, 29. October:Großmama'. Sonntag, 3y. October, Nachmittag« 3V« Uhr:Im weißen Rößl". Abends 7 Uhr: .Großmama'. Montag, 31. October: Im weißen Rößl".

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