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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.

gof>»g. Koch, SotonittÄr-Buchdrucker« in SRarburg. BoooaNooNÜch für Mt RMtbe: Rodatteur R. Hartman« ta Marburg.

«WchNion: Mar« 21. - r«l«»hs« 55. V♦ Ätbafttt«: MarV M. Lelcvhon 55.

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Erstes Blatt.

Auf zur Landtagswahl!

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Mit Befriedigung konnte die konservative Partei Schluffe der 18. Legislaturperiode deS Land- taaes auf ihre Thätigkeit im A b g e s r d n e t e n - baust zurückblicken. - Ist auch Vieles nicht er­reicht, was fie erstrebt, so hatte ste doch zum Wohle des Vaterlandes Erhebliches geleistet.

Auch in der kommenden Legislaturperiode wird die Partei, treu ihrem Priucip, an der christlichen ssd monarchischen Grundlage deS Staates festhalten. Sie tritt ein für volle Wahrung der Machtbefugnisse der Krone, wie für die in der Ver- f-flung verbriefte» Rechte der Staats- hinget.

Die konservative Partei hält es für ihre Aufgabe, im Landtage darauf hin zu wirken, daß der preußische tzmfluß auf ReichS-Augelegenhetteu im Sinne der ton ihr vertretenen Interessen gehandhabt werde.

Durch den christlichen Charakter unseres Staates Wird bedingt, daß de» christlichen Kirchen eine stete, de» allgemeinen Interessen des Staates gegenüber richtig bemessene Stellung erhalten, ius- bes-ndere der berechtigte Einfluß auf die Erziehung d«S Volkes gewahrt werde. Weuu also die, in vielen LandeStheilen mangelhaften und eiue unbillige Lastenvertheilung bewirkend n Bestimmungen über die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen dringend eine organische Reform erheischen, so wird dabei neben der Wahrung der natürlichen Rechte der Eltern «nd der Gemeinden unbedingt der konfessionelle Charakter der Volksschule austecht zu erhalten sein. Versuche, diese Reform auf anderem Wege als tm Rahmen eines V o l k S s ch ulg es etz e S zu erreichen,

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fest entschlossen.

Auch unlauterer oder volkswirthschaftlich schädlicher, iuläudischer Concurrenz wstd entgegen- zutreten, insbesondere eine Beschränkung der Groß- bazare, eventuell im Wege der Besteuerung, zu Gunsten des Kleingewerbes in Aussicht zu »ehme» sein.

Durch Förderung genossenschaftlicher Unternehmung en, von Fachschulen, gcwz be­sonders auch durch sachgemäße Weiterentweckelm^ unseres Eisenbahnnetzes und unserer Eisenbahutarlfe »trb die nationale Arbeit zu unterstützen sein.

Dabet darf jedoch die Erhaltung g-su-der StaatSfiuauzen nicht außer Betracht ge- laffeu werden. Die Finanzlage Preußens erschemt tu den letzten Jahren bei dem Auffchwunge von Handel und Industrie glänzend, evtbehrt aber der »öthigen Sicherhest, weil auf die schwankenden Ern- »ahme», aus dem Verhältniß zum Reich^und aus der Eiseubahnverwaltuug, hin sehr erhebliche fest, stehende dauernde Ausgaben gegründet worden find. Bei einem immerhin möglichen Rückgänge bett, »ähnten Einnahmen ist die Wiederkehr des Dtfictts im Staatshaushalt unvermeidlich. Daher ist Spar­samkeit und Fürsorge dafür, daß die Einnahme» aus der Eiseubahnverwaltung nicht unter eine angemeffene Verzinsung herabgehen, dringend geboten und die Normirung vou Personen- und Gütertarifen darf nicht ohne haushälterische Berückfichtiguug der Staats­einnahme« erfolgen. , t .

Die couservative Partei sieht m der Eut- Wickelung der Verkehrsnetze, eme der wichtigsten Aufgaben der Staates. Sie steht daher der Ausdehnung des Verkehrs auch auf den Wasser­straßen nicht grundsätzlich feindlich gegenüber; sie wacht aber ihre Zustimmung zu neuen Kanalbauten

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sind bisher mißlungen.

Der Pflege und Förderung auch der sonstigen kulturellen Interessen und idealen Be­strebungen unseres Volkes wird die Partei, wie bisher ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge widmen.

Anf wirthschaftlichem Gebiete bleibt die Erhaltung unserer, in ihre» Existenzbedingungen 1 schwer gefährdeten ErwerbSstäude in L a n d wirt h - (7278 schäft, Gewerbe und Handwerk, deren hark-, Zuter-ffen miteinander wohl vereinbar find, gegen« mhI. ' wärtig die wesentlichste Aufgabe unserer Partei. Dazu bedarf eS in erster Linie eines kräftigeren handelkpolitischen Schutzes der nationalen Arbeit. Hier hat die Retchspolitik die LebeuSlntereffeu preußischer Staatsangehöriger nicht genügend gewahrt. Eine Verstärkung und wirksame Durchführung jenes Schutzes sowohl gegenüber den bestehenden Ver- träge», als auch ganz besonders bei Vereinbarung »euer handelspolitischer Abkommen uachdrücklichst auch im Landtage zu verlangen, ist die konservative Partei

von dem Nachweise deS wirthschaftlichen Nutzens und der Verzinsung der AnlagecapitalS und ferner davon abhängig, daß durch die Anlage» die ProduktionS- bedingungen der Landwirthfchast nicht nachtheilig be­einflußt werden.

Nachdem durch die Gesetze, betreffend die Lehrer- besoldung und die Pfarrgehälter, sowie durch die Aufbesserung der Gehälrer für die oberen und mittleren Beamten die Leistungen des Staates auf diese» Ge­biete» für die nächste Zeit im Wesenrlichen zum Ab- schlnffe gelangt sind, erübrigt sich noch die Beseitigung von Unbilligkeiten, welche bei den bereits früher aufgebeff eiten Gehältern d e r Untet» beamten in der Zwischenzeit hervorgetreten find.

Auch im Landtage wird die couservative Partei daS Wohl der arbeitenden Klasse» im Rahmen der bestehenden Staatsordnung und unter der gebotenen Berücksichtigung der Interessen der Arbeügeber fördern.

Wir fordern in der Polenpolitik eine ziel- bewnßte einheitliche und energische Haltung der Staatsregieruug und werde» eine solche mit allem Nachdruck unterstützen.

Während die Konservativen mit allen bürgerliche» Parteien Berührungspunkte haben, ist dies mit der fteistnnigeu Partei, die in ihrer verhetzenden Agitation der Sozialdemokratie die Wege ebnet und sich ihr in den Wahlkämpfen offen an die Sette stellt, nicht der Fall. Unter den heutige»Verhältnissen ist jede direkte oder indirekte Begünstigung der Socialdemokratie ein Verrath an unfeint Vateilande. Dies ansznspiechen, ist Pflicht geiade der konservativen Partei, die sich bewußt ist, daß die Männer, die zu ihr halten, in kritischen Zeiten das stärkste Bollwerk bilden werden zur Vertheidignng der Grundlagen, auf denen die Größe Preußens und Deutschlands beruht.

Die Vorstände der konservative» Fraktionen des prentztschen Landtags.

Umschau.

Wie man Urwähler irreführt. Unter dem Wahlaufruf der Herren Delbrück und Genossen war in ganz ungewöhnlicher Weise auch ein Verzeichniß derjenigen Personen veröffent­licht, an welche der Aufruf versandt worden ist. Hierdurch konnte leicht die Annahme erweckt werden, als hätten alle diese Personen den Aufruf unter­zeichnet, was aber durchaus nicht der Fall ist. DieKreuzztg." schreibt vorgesteru Abend zu diesem Manöver: Wie recht wir mit unserer Vermuthung hatten, daß die dem Wahlaufruf der Herren Delbrück und Genoffen beigelegte Namens­liste nicht als ein Verzeichniß von Adressaten, sondern direkt irreführend als ein Miß­brauch der dort namentlich aufgeführten Persönlich­keiten für die antikonservativen Zwecke des Aufrufs verstanden werden würde, beweisen die uns heute vor­liegende« Zuschristeu des Generallieutenants z. D. v. Kotze, des Vize-Admirals z. D. Frhrn. v. Reibnitz und verschiedener anderer höherer Offiziere. Sie alle protestire» auf das e«tschiedeuste bagegen, daß fie als streng- couservative Männer mit solchem Aufruf irgendwie in Verbindung gebracht werde». Wie jene Mache auch weiterhin irreführend wirkt, zeigt ei« Telegramm deS nationalliberalenHannoverschen Kuriers", in dem der Wahlanftnf geradezu als von einemcouservative» Comits" ausgehend bezeichnet wird,an deffeu Spitze die Profefforeu Schmoller und Delbrück stehen". Das telegraphirt der Mann demHaun. Rur.", nachdem er den Aufruf gelesen hat! Wetter schreibt dieKreuz-Zettuug": So­eben schreibt n«S Profeffor Delbrück, dem Aufrufe sei eine NamenSliste ohne sein Zuthu» oder Vor­wissen beigelegt worde». Neben der gedruckten, die wir mttgethetlt haben, und die keinerlei Kenn­zeichen ihres Zweck» tragt, sei noch ein Zettel beigefügt worden, über dem stand:Zur Unterzeichnung deS Wahlaufrufes find ferner ein» geladen." Auch dieser Zettel liegt unS jetzt vor. Er ist ganz klein, nicht gedruckt, fouderu mit der Schreibmaschine durchgeschlagen, und enthält nur etwa fünf bis sechs Namen. Der Adreffat erhielt also den Aufruf, eine große Anzahl gedruckter Namen, ohne jede Bezeichnung, was fie bedeuten sollte», und de» eben gekennzeichnetenZettel". Das hat, wie unS durch mancherlei Zuschriften bewiesen wird, thatsichlich irregeführt.

Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung des E o l o n i a l r a t h S gab der Borfitzende vor Ein­tritt in die Tagesordnung über die neulichen Unruhen in Dentsch-Südwestaftika einige Mittheilungen, denen gegenüber die auS englischen Quellen stammenden Meldungen stark übertrieben erscheinen. Die sich anschließende Generaldebatte Über den südwest-afrikani­schen Etat betraf vornehmlich wirthschastliche Fragen, wie den Bau der Baiwegbahn und der in Ver­bindung mit dieser in Swakopmund geplanten Hafenmole und die fanitären Zustände des Schutz­gebiets. lieber letztere berichtete der anwesende Ober- Stabsarzt Dr. Kohlstock. Aus dessen eingehender Darstellung ist zu entnehmen, daß in den letzten zwei Jahren dir gesundheitlichen Verhältniffe, zumal im Norden des Schutzgebiets, infolge Zusammenwirkens verschiedener klimatischer und sonstiger Ursachen aller­dings nicht besonders günstig gewesen sind, daß indeffen die Besserung stetig fortschreitet und die hier und da für die Zukunft gehegtiu Besorgniffe als unbegründet bezeichnet werden müffen. Die Special­debatte berührte die Einführung der Selbstverwaltung, die Ausbildung der Colonialbeamten und die Gleich­stellung der südwestaftikanischen Beamten hinsichtlich der Pensionsberechtigung, der Versorgung ihrer Hinter­bliebenen u. f. w. mit den Beamten der anderen Colonien und mit den Offizieren der Schutztruppe. Ausführlicher wurden die Landungsverhältnisse in Swakopmund sowie der Anschluß des Schutzgebiets an das internationale Kabelnetz besprochen.

DieRordd. Allg. Ztg." schreibt:Ein Theil der Presse hat die Forderung erhoben, der Gesetz­entwurf zum Schutze der Arbeits­willigen solle alsbald veröffentlicht werde». Diese Forderung ist schon deshalb unerfüllbar, weil der Entwurf noch nicht alle Instanzen bis zu seiner Fest­stellung für die Berathnngen der gesetzgebenden Körper­schaften durchlaufen hat. Daß der Entwurf weder dem Grundsatz der Koalitionsfreiheit, noch dem System des Strafgesetzbuchs widersprechen wird, ist selbstver­ständlich." ______________

DaS französische Ministerium Brisson ist gestern durch eine Abstimmung der Deputirtenkammer gestürzt worden. Ueber die betreffende Sitzung wird berichtet: Brisson besteigt die Tribüne. (Rufe der Rechten:Demission!" Gegeniufe auf der Linken.) Brisson erinnert daran, daß er die A f f ä r e DreyfuS beim Kassationshof anhängig gemacht habe (Heftige Protestrufe; Tumult), und bittet die Kammer, die die DreyfuS-Affäre be­treffenden Interpellationen von den anderen zu trennen. (Vereinzelte Beifallsrufe.) Deroulstde erklärt, die Majorität unterstützte das Cabinet Briffon, weil Cavaignac ihm angehörte. (Protestrufe links; Basly und Paul Jmmery werde» handgemein. Alle Deputirten erheben fich von ihre» Sitze» und protestiren heftig gegen daS Benehmen ihrer beiden Kollegen.) Nachdem die Ruhe hergestellt, wirft Dvioulöde der Regierung vor, die Macht nsurpirt zu haben und deutet auf die Lage hin, worin fich der KriegSminister Chanoine befinde. (Heftige Protest­rufe.) C h a n o i n e bittet um's Wort (lang an­haltender Beifall); er erinnert daran, unter welchen Bedingungen er sein Amt angetreten und erklärt, daß fich seine Ansicht mit der seiner Vorgänger decke. (Langanhaltender Beifall.)AlS Hüter der Ehre der Armee lege ich das mir an vertraute Sut in Ihre Hände und gebe ans dieser Tribüne meine Demission." (Donnernder Beifall Chanoine verläßt den Saal.) Brisson besteigt die Tribüne. (Erneute Rufe:Demission l" Gegenruse:Nein! Nein!') Briffon führt auS, der Beschluß, betreffend die Ueberweisung der Affäre DreysuS an den Kassations­hof, fei in Gegenwart Chanoines gefaßt; er tadelt Chanoine, daß er entgegen jedem Gebrauche inmitten her Kammer demisfionirte. (Langanhaltender Beifall; heftige Unterbrechungen auf der Rechten.) Die Re­gierung wolle fich z« einer Berathung zuiückziehen. Die Kammer werde ihm Dank wiffe», daß er dafür forge, daß die Autorität der Civilgewalt gegenüber der Autorität der Militärgevalt daS Uebeigewicht habe. Hiernach nahm die Kammer mit 559 gegen 2 Stimmen eine Tagesordnung Ribot an, die das Uebergewicht der Civilgewalt über die Milttärgewalt betont und der Armee als treue Hüterin der Gesetze der Republik vertraut. DaS hierzu gestellte Amende­ment Beiger, die Regierung tadelnd, daß fie der Armee nicht Beachtung verschaffte, wird mit 274 gegen 261 Stimmen abgelehnt. Das Amendement Mahy, die Regierung auffordernd, der gegen die Armee organifirten Beleidigungscampagne ein Ende

zu machen, wurde von Brisson ab gelehnt, von der Kammer aber mit 296 gegen 243 Stimmen angenommen. Beiteant (Socialist) beantragt schließlich, die Kammer wöge der Regierung ihr Sei» trauen Dotiren. Briffon schweigt. Der Antrag Berteant wurde mit 286 gegen 254 Stimmen abge- lehnt. D i e Minister verlassen de« Saal.

Deutsches Reich.

Berli«, 26. Oct. In Haifa herrscht seit Wochen tropische Hitze, die gestern, am heißesten Tage des Jahres, auf 39 Grad flieg. Die Lan­dung des Kaiserpaares wird morgen früh erwartet. Im Konsulatsgarten in Haifa werden Be» grüßungSansprachen der Vertreter der piotestantischen und katholischen Geistlichkeit, sowie Seitens der Ver» tretet der 500 Köpfe starken Kolonie gehalten. Weiß gekleidete Mädchen überreiche» Sträuße. Dan» er­folgt sofort die Abfahrt des KaiserpaareS über AM »ach Tantura, wo das Fiühstückszelt aufgeschlagen ist. Darauf geht die Reise via Cäsaren nach Burtsch, dort wird im Zeltlager Nachtquartier genommen. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin habe« für die Armen Konstantinopels und für wohlthätige Zwecke 16 000 und 40 000 Francs gespendet.

Rach der amtlichen Veröffentlichung, welche die Zahl der bei preußischen Justizbehörden am 1. August 1898 ihätigeu Referendare im Vergleiche mit diesem Stichtage in den letzten zwölf Jahren umfaßt, betrug die Zunahme seit 1897 wiederum 295, sodaß sich gegen das Vorjahr mit 3767 eine Gesammtzahl von 4062 Referendaren ergiebt. Nach einem Rückschläge, der bis zum Sommer 1888 anhielt trat eine ununterbrochene Zunahme ein, der zufolge, wie nunmehr festzustellen ist, über 1000 Referendare mehr sich im Vorbereitungsdienste be­finden als vor zehn Iahten. Das bedeutet aber eine Erhöhung des Bestandes nm ein volles Drittel. Daß in der Gesammtzahl 11 aus Anhalt und Schwaizbuig- Sondershausen stammende Rcchtt- befliffene enthalten sind, ändert natürlich nichts an dem Gesammteiudruck, da hier die Zukunft des Nachwuchses wenig tröstlich ist und allen, die es angeht, die großen Gesohren und Sorgen, welche mit einet solchen gewaltigen Uebetfüllung der Rechtslaufbahn untrennbar verbunden find, wiederum lebhaft vor Augen führe» sollte. Die naheliegende Hinweisung auf das bürgerliche Gesetz­buch und der unausbleibliche Abgang so mancher Kräfte aus dem Richter- oder Anwaltstande ist nicht geeignet, gegenüber einem derartigen Uebeimaße des Angebots zu trösten, zumal eine gewisse freiwillige Ausscheidung der alternden Kräfte sich bereits zum erheblichen Theile vollzogen hat und von dem nahen Abschluß wohl noch ein Theil der jetzt vorhandenen Gericht Sassesforen schon ftühern Dienst» alters, nicht aber die noch unfertigen Juristen nennenS- werthen Vortheil ziehen könne«. An der letzte» Steig eiung find alle Obeilandsgetichtsbezirke behelligt, obscho« nicht im gleiche» Verhältniffe. Am be­deutendste» scheint die Steigerung im Bezirke Naumburg zu fei», nämlich von 314 auf 370, also um 56 oder beinahe ei» Sechstel, im Bezirke Köln vou 554 auf 575, mithin verhälinißmäßig nicht so be­deutend , in Hamm von 368 auf 415. Indeffen nimmt Köln, abgesehen vom Bezirke des Kammer­gerichts, der mit Berlin jetzt sogar 804 Referendare aufweist, bei weitem die Spitze unter allen Oberlandes» gerichtsbezirken ein, da selbst der noch größere Breslauer Bezirk fich mit 428 Referendaren ge» nügen läßt.

DieKieuzzettmig" meldet: Der Justiz» Minister hat daS für den Frhrn. v. Hammerstei» eingereichte und von allen in Betracht kommenden Faktoren befürwortete vorläufige Entlassungsgesuch ab gelehnt; wie es heißt, ohne Angabe vou Gründen.

Der sozialdemokratische Reichtagsabgeordnete Thiele in Halle a. S. ist wegen persönlicher ge» häffiger Beleidigung seines Gegners bei der ReichStagS- wahl, des GntSbefitzerS Dippe, zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt woideu. Der Staats­anwalt hatte nur 1 Monat beantragt.

Die neueste Nummer deSSimpli» ciffimuS" ist hier heute auf Verlangen der Münchener Staatsanwaltschaft in 14 000 Exemplaren beschlagnahmt worden.

Bei einer Spazierfahrt auf dem Veloziped stürzte in Breslau der Regierungspräsident v. Heydebrand und brach fich den rechten Oberarm.