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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllustrirtcs Sonntagsblatt.
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Die preußische Volksschule.
Bor kurzem hat sich der sozialdemokratische und freiligiose Agitator Vogtherr in der Berliner Stadtverordneten-Bersammlung folgendes Urtheil über das preußische Volks-Schulwesen erlaubt: „Sie kennncn die Schul-Verhältnisse Preußens und wissen, in welcher geradezu miserabeln Verfaffung im allgemeinen unser Volks-Schulwesen fich befindet." Diese Worte begegneten in der Versammlung allseitigem stürmischen Widerspruche, was gewiß viel sagen will bei „unentwegten Fortschrittlern", die fich sonst doch leider nur allzusehr von unberechtigter Tadel- und Nörgelsucht leiten lassen. DaS sozialdemokratische Urtheil zeugt aber auch von so bodenloser Entstellung des thatsächlichen Sachverhalts, daß sich jeder, der nur über eine« Funken Wahrheitsliebe verfügt, dagegen auflehnen muß.
Selbst der Sozialdemokrat Kautsky hat auf dem jüngst verflossene« Stuttgarter Parteitage die Vortrefflichkeit der deutschen Schulbildung als einen der Hauptgründe für die Ueberlegenheit der deutschen Industrie anerkannt. Was aber von der Volks- Schulbildung Deutschlands im allgemeinen behauptet werden kann, gilt doch sicherlich im besonder» auch von Preußen. Doch wozu bedarf es überhaupt der widerlegenden Urtheile? Zahlen beweisen, und Zahlen sollen im folgenden sprechen.
In rastloser Fürsorge hat fich die preußische Unterrichts-Verwaltung die Förderung und Hebung des Lolks-SchulwesenS angelegen sein lasten. Im Jahre 1872 betrugen die Staatsausgaben für den öffentlichen Elementar-Unterricht erst 5 Millionen Mark, im Jahre 1890 dagegen bereits 55 Millionen Mark. Die Zehl der Lehrer-Stellen hat fich allein in dem vierjährigen Zeitraum von 1886—1890 um 5000 vermehrt. Was aber die jüngste Vergangenheit anbelangt, so sind in dem preußischen Budget für 1897 für Unterrichts-Zwecke inSgesammt 95 Mill. Mark aufgeworfen, darunter 66 Mill, für das Elementar- llnterrichtswesen, und diese Summe hat sich für 1898 »och um 12 Millionen Mk. gesteigert. Hierzu treten bann fernerhin die Aufwendungen der Gemeinden und Schulverbände; für Berlin allein betragen sie 181/2 Millionen Mark. Hauptsächlich um diese, zumal für die kleinern Gemeinden, bedeutenden Ausgaben leisten zu können, find ja seiner Zeit durch die Miquelfche Steuer-Reform die drei direkten, bisher vom Staate erhobenen Steuern, Grund-, Gebäude- und Gewerbe- Steuer, den Gemeinden überwiesen worden. Infolge besten wird auch für den Unterricht in der Volksschule kein Schulgeld erhoben.
Wie gut c8 übrigens mit der allgemeinen Schul- bildung in ganz Deutschland bestellt ist, geht am Besten daraus hervor, daß sich unter den im laufenden
(Nachdruck verboten)
KerbstbLütHe.
Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung.)
„Vielleicht irren wir «nS doch," suchte die junge Fran den Erregten zu beruhigen. „ES kann fich ja Alles noch aufklären."
„Freilich! Vielleicht hat der treffliche Onkel am Ende «och die Gnade, nachdem er fich an des Neffen Braut satt geküßt, sie ihm als neues Geschenk wieder ix die Arme zu legen. In dieser besten aller Welten ist ja SSeS möglich."
Hübner lachte anf.
„So wett ist es also schon gekommen, bis znm Süsse«? Da» hätte ich doch nicht gedacht."
„DaS sagt Doktor GerSdorf f» in feiner Erregung," bemerkte Irmgard kopfschütltexd. „Wie würde Elli —"
„Sich von der Mutter ihres Verlobten in den Armen deS vielgeliebten Onkels überraschen lasten?" fiel Ottomar mit bittere« Spotte ihr ins Wort. „DaS ist so wenig klug und doch geschehen. Warum lachen Eie nicht, gnädige Frau?"
Ottomar hatte fich bei den letzten Worten erhoben, sein Kopf glühte, feine Hände bebten.
„Ich erbet Wahrheit," sagte er, „aber sie zu hören, hat mich doch ein wenig angegriffen. Sie be- greisen — man reißt sich «icht so leicht —"
Er kam nicht »eiter, seine Worte verhaspelten sich. Mit aller Gewalt suchte er fich zu sammeln.
„Verzeihen Sie, wenn ich mich jetzt verabschiede; morgen sehe ich Sie wieder.
Sich kurz verneigend, eilte er ans dem Zimmer, Irmgard glaubte bemerkt z« haben, daß er wanke.
Jahre ausgehobenen Rekruten nur 0,38 Procent Analphabeten befanden. Für Preußen allein betrug die Ziffer 0,72 Proc. gegenüber 4.21 Procent im Jahre 1871; eS ist also ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen. Man werfe demgegenüber einmal einen Blick auf die gepriesenen Musterländer der Demokratie. DaS „Lerner Tageblatt" äußert fich beispielsweise in einer Betrachtung über die Rekruten- Prüsungen deS Jahres 1897 in der Schweiz folgendermaßen : „Es giebt bei nnS immer noch drei Procent junger Leute, die nicht lesen können, und sieben Proc., die ihre Gedanken nicht aufschreiben können." In der Stadt New Jork allein aber befinden sich zur Zeit 16000 schulpflichtige Kinder, die wegen Mangels an Schulen keinen Unterricht genießen.
Aus diesen Angaben ist wohl erfichtlich, daß da» deutsche Reich und Preußen insbesondere es hinsichtlich der allgemeinen Volksschul - Bildung auch mit den fortgeschrittensten Staaten aufnehmen können. Man hat die preußische Volksschule einst den schönsten Juwel in der Krone der Hohenzollern genannt. DaS ist ein treffendes Wort, und kein noch so lärmender Tadel socialdemokratischer Agitatoren vermag es je in seiner geschichtlichen Wabrheit zu erschüttern.
Umschau.
Wir entnehmen der Wiener „Polit. Corr." folgende Petersburger Mittheilung: „In den politischen Streifen Rußlands bildet augenblicklich die Orientreise des Kaisers Wilhelm II. einen Hauptgegeustand des Interesses. Man erwartet von ihr für den weiteren Verlauf der Orientfrage bedeutsame Folgen. Die bisherige Annäherung der Türkei an Deutschland, eingeleitet durch die Reorganisation der türkischen Armee durch deutsche Offiziere, die neuerdings wieder durch ben Sieg über Griechenland die Probe glänzend bestanden hat, wird noch mehr hervortteten, je inniger die Bande der Freundschaft und der Jnterestk« werde«, welche die Türkei und Deutschland verbinden und in der Begegnung der Souveräne der beiden Staaten einen prägnanten Ausdruck finden. Gegenüber den Meldungen, daß Sultan Abdul Hamid an Deutschland einen syrischen Hafen, etwa den von Jaffa abtreten werde, verhalten sich die unterrichteten Kreise und namentlich die diplomatischen Streife sehr skeptisch; soweit dürfte das deustch-iürkische Einvernehmen wohl kaum gedeihen. Dagegen halten fich die bezeichneten Kreise überzeugt, daß Deutschland auf andere Weise große Vortheile erlangen werde, besonders auf wirthschaftlickem Gebiete, insbesondere durch Eisenbahnconcesfionen in Kleinasien. Gleichzeitig werde der Pomp, mit dem daS Kaiserpaar durch die türkischen Gebiete reist, die Feierlichleit deS Empfanges in Konstantinopel und in Jerusalem, auf die allezeit empfängliche Einbil-
„Siehst Du nun, was Du angerichtet hast, Ernst?" wandte sie fich vorwurfsvoll zu dem Gatten: „Wie er mir leid thttt, der arme GerSdorf!"
„Ein Starr ist er," brummte Hübner, verdrießlich auf die noch nicht geleerte« Champagnerflaschen blickend, „der uuS durch seine Sentimentalität den Abend ver- dorbe« hat."
Ottomar hielt, wa» er versprochen hatte. Er fand fich zeitig genug am anderen Tage im Hotel Grand Bretagne ein, nm das junge Paar «och «ach dem PttänS geleiten zu könne«. Er sah bleich an», war aber gefaßt. Ellis Name wurde nicht mehr genannt. Ma« sprach gleichgilttge Dinge und nahm freunb» lichen Abschied von einander. Ottomar hatte die Freunde in der Barke bis zu ihrem Schiffe gebracht. Nun zog er noch einmal grüßend den Hut und stenene, nachdem er an der Sette des Schiffes vorbeigefahren war, dem Felsenvorsprung Munichia zu.
„Du siehst, er ist nicht daran gestorben," meinte Hübner, der mit seiner Frau am Schiffsborde stand und ihm nachblickte. Solche Schmerzen laffen fich noch überwinden. Ich will Dein freundschaftliches Gemüth nicht zu sehr verletzen; aber offen gesagt, glaube ich, daß Ottomar den Verlust Elli BodinS nicht so sehr zu bedauern hat. Der hübsche und tüchtige Junge kann eine bessere Partie machen, und da» wünsche ich ihm von Herzen."
Irmgard schüttelte den Kops.
„Du suchst nur die Oberfläche, Emst. Mir gefiel SersdorsS Art heute durchaus «icht. DiesRuhe, die er zeigte, halte ich nur für eine Maske, die er vorgelegt hat, nm da», was in ihm vorgeht, besser zu verbergen."
Der feine Franenfinn hatte das Richtige erkannt. In der That war es nnr eine MaSke gewesen, die OttomarS Stolz fich vor daS Antlitz gehalten hatte,
dungskraft der Orientalen einen großen Eindruck ausüben und diese Wirkung werde unfehlbar dem deutschen Volke zu Statten kommen, deffen Ansehen in den Augen der Orientalen dadurch sehr gehoben werde« wird. Bloß durch diese Reise wird vielleicht Kaiser Wllhelm II., ohne irgendwelche materielle Opfer, eine Stellung im Orient erreichen, die Rußland ttotz unermeßlicher Opfer an Menschen und Geld, die c8 zum gleichen Zwecke seit zwei Jahrhunderten gebracht hat, nicht erreichen konnte. Aus diesem Grunde berührt es hier sehr unangenehm, daß Frankreich, das gleichfalls so große Opfer zur Aufrechterhaltung seines Einflusses im Orient gebracht, der trotzdem feit dem letzten Vierteljahrhundert sichtlich schwächer geworden ist, jetzt in Gefahr ist, durch den mächtigen Druck, den die Anwesenheit Wilhelms II. in Konstantinopel und an den heiligen Stätten auS- übt, ihn noch weiter verringert zu sehen. Diese Verringerung würde vielleicht nicht bloß Deutschland zum Vortheile gereichen, sondern indirecter Weffe auch England, in Folge der Annäherung, die sich zwischen diesen beiden Mächten vollzieht. Daraus geht hervor, daß der französisch-russische Zweibund nahe daran ist, eine ernste Schlappe im Orient zu erleiden, ohne daß die Umstände ermöglichen würden, das Geringste gegen den etwaigen Sieg der deutschen Polittk erfolgreich zu unternehmen, dem sich zugleich der Bor- theil Englands, deS unversöhnlichen Feindes Rußlands und Frankreichs, anschmiegt. Eine solche nichts weniger als angenehme Perspective versetzt natürlich Rußland in einige Besorgniß und beschäftigt eS im hohen Grade."
Je näher die Wahlen zum preußischen Abge- ordnetenhause heranrücke«, umso mehr drängen sich die Freisinnigen an die Lehrer heran, um sie ihrer Partei dienstbar zn machen. Der BolkS- schullehrer-Stand ist unftreitig ein politischer Machtfaktor ; er erfreut fich eines große« Ansehens, und seine Stellung zu ben Parteien fällt bei den Wahlen in's Gewicht. DaS Liebeswerben der Freisinnigen ist darnach begreiflich. Nicht zu billigen aber ist die Art und Weise, wie andere Parteien bei der Gelegenheit verdächtigt werde». Es ist eine Unwahrheit, wenn von freisinniger Seite behauptet wird, die reichstreuen Parteien hätten kein Herz für die Lehrer, ihr Bestreben sei vielmehr auf die Verkümmerung der polittschen Rechte der Lehrer gerichtet. Das Segentheil ist der Fall. Die Geschichte des Freisinns beweist, daß sich keine Partei so ablehnend gegen die berechtigten Forderungen einer finanziellen Besserstellung der Lehrer verhalten bat, wie der Freisinn. Ma» denke nnr an die Verhandlungen in der Elite-Truppe der Freisinnigen, der Berliner Stadtverordneten - Versammlung, über die Gehalts-Anfbefferung der Lehrer. Dieselbe» Frei-
um die tiefe Wunde, die ihm geschlagen war, nicht sehen zu laffen.
Die ganze Nacht toar er in feinem Zimmer auf und niedergewandelt, ruhelos mit Entschlüssen ringend. Jetzt, nachdem ih« der Mund von Ellis bester Freundin bestätigt hatte, was die Mutter ihm geschrieben, durste er ja nicht mehr zweifeln. Elli war für ihn verloren.
Im Grauen des Tages hatte er es endlich über fich gewonnen, dem Rathe her Mutter zu folgen und Elli stei zu geben, ehe sie die Freihett von ihm verlangte. Diese Demüthigung wenigsten» glaubte er sich ersparen zu könne«.
Zorn und Schmerz hatte« ihm die Feder geführt. Er wußte kaum mehr, wa» er geschrieben hatte, nur daß er ihr mttgttheitt, er sei von Allem unterrichtet, von Allem, daß er sie bäte, zu vergessen, wie er vergessen werde. Als er dann auf ben Wege zu den Freunden den Brief der Post übergeben hatte, fiel e» ihm doch wieder wie eine Last auf» Herz. War er doch nicht zu rasch gewesen? Hätte er nicht doch abwarte«, auch sie anhören solle«?
Alles zu spät, zn spät! Es war vorbei, für immer vorbei! Noch beuchte er ihm, wie ein wüster Traum, aus dem er erwachen müsse. Aber nein, e8, war die Wahrheit, furchtbare Wahrheit!
An der Munichia stieg er ttotz des glühenden Sonnenbrandes an« Land und wandelte am Strande entlang bis zu dem sogenannte« Grabe des Themistolles. Er liebte den einsamen Ott, die Gebe, bit Verlassenheit, wo am röthliche« Felsgestein fich die blaue Welle deS Meeres bricht. I» den Schatten eines Vorsprunges sich setzend, hörte er dem Rauschen deS WafferS zu. Silber der Vergangenheit zogen an seinem Innern vorüber, jede Stunde des Glückes, die er an Ellis Sette verlebt hatte. Ein Stück seines
innigen, die im preußische« Abgeordnetenhause für eben Lehrer im ganzen Lande ein Grundgehalt von 1200 Matt verlangten und es als schmutzigen Geiz bezeichneten, daß den Conservatioen für ländliche Lehrerstellen ein Grundgehalt von 1000 Mark ausreichend erschien, haben für Berlin das Grundgehalt auf 1000 Mk. festgesetzt, also auf eine Höhe, die etwa einem Grundgehalt von knapp 600 Mk. für ändliche Stellen gleichkommen würde. Ist daS Lehrer-Freundlichkeit? Auch an Un duldsamkeit gegenüber den Lehrern kommt keine Partei den Frei- innigen gleich. Es ist noch nicht lauge her, daß in »er Berliner Stadtvertretung eine maßlose Ver- jetzungs-Sucht gegen die Lehrer herrschte. Man ver- uchte, den Lehrern nicht nur das Petitions-, sondern auch >aS KoalitionSrecht zu verkümmern. Als beim Beginn »er achtziger Jahre die Berliner Lehrerschaft um eine Auf- »esserung des Gehalts und um eine würdigere Ausgestaltung ihrer dienstlichen Stellung petitionirte, erklärte eins der einflußreichsten Magistrats-Mttglieder: „Wir werden den Schulmeistern das Petitions-Fieber austreiben!" Jahre lang wnrde nach diesem Rezept gehandelt. Vorstands- Mttglieder des Berliner Lehrer-VereinS und des Allgemeinen deutschen Lehrer-Vereins wurden gemaßregelt, man enthielt ihnen die völlige Gehalts-Zulage vor, und man berücksichtigte sie nicht bei der Bewerbung um Rektorats-Stelle«. Daß diese seltsame Art von Lehrer-Freundlichkeit nicht nur eine Spezialität der Berliner Freifinnigen ist, zeigt ein Schreiben, das der „Neuen Westdeutschen Lehrer-Zeitung" Au- fattg Februar dieses Jahres aus Elberfeld zugegange« ist. ES heißt bann: „Wie mit Bestimmtheit und aus zuverläsfiger Quelle verlautet, ist die Verestelung der Wahl deS Stadtverordneten MittelschullebrerS Linz zum Mitgliede der städtischen Schul-Deputatio« hauptsächlich das Werk des Führers der Freisinnige« Volkspartei, des Hen« Everts. Herr Evetts hat rund herausgesagt, daß man Herrn Linz nicht in die Schul-Deputation wählen solle, weil „wir" (Herr Everts ist ein langjähriger Schul- deputierter) keine« Lehrer in der Deputation wünschen!" Solche kleinen Züge, wie sie übrigens aus allen vom Freisinn behenschten Stadt-Verwaltungen fortlaufend berichtet werden, beweisen , wie wenig Wetth die Lehrerschaft auf die Worte des Freisinns legen darf. Der Freisinn sieht eben in den Lehrer» nur politische Vasallen, die als Wahlmacher gute Dienste leisten. Das ist der Stern der freisinnigen „Lehrer-Freundlichkeit". Vor solchen Freunde» aber werde« fich die Lehrer bedanke».
Die „Times" schreibt heute: „Mau kann bedauern, daß britische Staatsmänner eS unterließen, die günstigen Gelegenhetten in der Tüttei zu er»
Lebens war ihm ja mtt ihr von der Seele genffen. Was nun kam, war die glanzlose, aller Poesie, aller Jugendherrlichkeit entkleidete Wirklichkett; die Träume von Liebe und Treue, die er so lange im Herze» gehegt, sie schwanden dahin, wie eitel Schaum und Rauch!
„Rausche Meer, rausche! Verlösche durch Deinen Sirenengesang die Erinnerung in mir, daß ich vergesse« kau«, vergessen!"
19.
Ein ganz verwaudelleS Leben begann jetzt für Ottomar. Die Frische, daS heitere, hoffnungsvolle Streben, mit dem er sonst feinem Studium abgelegen hatte, machte einem fast krankhafte« Arbeitseifer Platz. Fast keine Stunde gönnte er fich mehr Erholung ; bei niedergelassene« Jalousie«, in der immer wachsenden Gluth der Sommettage brütete er über seine« Büchern. Nur bei dieser fieberhaften Beschäftigung deuchte es ihm möglich, über die Erschütterung seiner Seele hinweg endlich wieder zum Frieden mit sich zu gelange».
Zn seiner Verwunderung erhieü er schon nach kurzer Zett wieder einen Brief von seiner Mutter. Er selbst hatte noch »icht über fich vermocht, ihr zn ant» Worten und sie von seinem Bruch mit Elli zu unterrichten. Diesmal hatte fich die Professorin sehr kmz gefaßt. Ottomar laS mtt äußerster Ueberraschung, daß der Präsident bald nach seiner Ankunft in Berlin ausS Nene ertranft sei, und zwar so bedenklich, daß Lutzen sie veranlaßt habe, ihren Geschwistern Mittheilnng davon zu machen, da der Ausgang möglicherweise ein schlimmer sein könne. Sonst berichtete fie nur kmz über ihr und deS Vaters Ergehe»! vo« Elli erwähnte fie kein Wort.
Schon am Abend desselben Tage» meldete Ottomar ein Telegramm da» erfolgte Ableben feines OnkelS. Diese Nachricht erschütterte den jungen Man»