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Wöchentliche Beilagen

taf EM*SbÄ»; 3>*. Äug. Noch, v»i»«Mätr-Duchdrucker«i in Marburg, eotttiion: Mar« 81. - r«l«phon 66.

: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Jüustrirtes Sonntags-latt. ***'w

Anzeigen nehm«« «ntgege«: bi« Expedition diese» Blatte», die Slnnoncen-

Burraux von Hassentztin & Bögler, Frankfurt a. M., Caffel, Magd«» qq

bn«, Wien; Rudolf Mofse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Rota; OS. ^SuLJIy.

C. L. Daube & To., Frankfurt a. M., Berkin, Hannover, Paris rr.

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-£» CIA l* QnartalS-AbonnementS-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen

J12. ätcV Postämtern 2,26 Ml. (exkl. Bestellgeld). Jnfertionsgebühr: die ge­

stalten« Zeil« ober b«r«n Raum 10 Pfg., Reklamen. di« Zrile 26 Pfg.

Zweites Blatt.

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Ein Besuch beiLiebigs".

Einiges von der größten Küche derWelt.

Man soll in keine Küche gucken", so räth ein altes Sprüchwort. Keine Regel ist ohne Ausnahme! Es giebt eine Küche von riesiger Gestaltung, über­haupt ohne Gleichen dastehend, und auch die größten Kochtöpfe der Welt, ein jeglicher 10 000 Pfund Fleisch fassend, birgt diese Küche, in die Jedermann hineiugucken darf, denn die dort herrschende Ordnung imb Sauberkeit kann gar nicht übertroffen werden. Sind diese Eigenschaften doch eine der wesentlichsten Grundbedingungen für den Betrieb beiLiebigs" das bedeutet (und welche unserer Leserinnen hätte es nicht schon errathen?) die allbekannten großen Etablissements der Liebigs Fleisch-Extract-Compagnie iu Fray Bentos (Uruguay, Südamerika).

Wer den Weg dorthin etwas zu weit findet, der möge im Geiste mit uns die Fahrt von Buenos Aires auS unternehmen (die in Wirklichkeit unlängst ein Feuilletonist derBuenos Aires-Handelszeitung" unternommen hat). Mit nordöstlichem Kurs durch­furcht unser Dampfer die gelben Fluthen des Rio de la Plata. Dort, wo sich die gewaltigen Wasser­massen der diesen bildenden Riesenströme, Parana mb Urugay, vereinigen, lenkt unser Fahrzeug in den letztgenannten, daselbst 2 Kilometer breiten Wasserweg ein und landet zu später Abendzeit beim Städtchen Jndependenzia. Von dieser Station bringt uns der kleine Privatdampfer der Fabrik nach der größten Küche der Welt", an der wir schon vor- beigesahren sind und dir uns ihre Nähe durch eine sie umschwebende Wolke des angenehmen Dustes frischer Fleischbrühe kundgethan hat.

Die Fabrik, deren weitläufige Gebäudecomplexe eine kleine Ortschaft für sich ausmachen, ist auch jetzt bei Nacht in vollem Betriebe. Bevor der Morgen graut, müssen die 1500 Rinder vollständig zu Extract verarbeitet sein, die am Tage geschlachtet waren; denn schon warten auf den benachbarten Weiden Tausende von anderen Rindern, die am nächsten und den folgenden Tagen an die Reihe kommen sollen.

Für heute aber folgen ton unserem Gastfreund den breiten Fahrweg entlang, vorüber an dampfenden Essen, Bergen von Steinkohlen und Trockenrennen, bis wir nach kurzer Wanderung auf die Höhe ge­langen, wo hinter dem Gebüsch des Gartens ver­steckt die Wohngebäulichkeiten des Fabiikleiters liegen, in dessen Familienkreis wir die zuvorkommendste Aufnahme finden.

Früh schon am Morgen, nachdem kaum erst das Fleisch der Tags zuvor geschlachteten Thiere völlig aufgearbeitet worden, beginnt schon wieder im Eta­blissement ein reges Leben das freilich für die Hauptbetheiltgten, die heute daran kommenden Rinder, mit dem Abschluß ihres Daseins anfängt.

Die Thiere werden nicht nur in Uruguay, sondern auch in den benachbarten argentinischen Distrikten aufgekaust, und zwar sorgfältig ausgewählt, da natürlich nur wohlgenährte fleischreiche Exemplare für die Extractfabiikation in Betracht kommen können. Bon dem Fleischbestand derselben hängt auch die Zahl der Thiere ab, die jährlich zur Verarbeitung kommen, und die einschließlich der Saladeros von San Javier und Santa Elena am Parana, deren Extractfabrik seit einigen Jahren gleichfalls in die Regie der Liebigs Extract of Meat Company über- gegaugen ist, in jeder Saison rund 200000 Stück beträgt.

Da das Vieh ost von weither -ngetrieben wird, so läßt man es auf dem ausgedehnten Landbesitz der Gesellschaft in der Nähe des Etablissements sich erst einige Tage verschnaufen. Ist doch die Compagnie Eigenthümerin von nicht weniger als 65618 ha Land, zu denen sie noch weitere 36 456 ha hmzu- Scpachtet hat, eine Fläche, die derjenigen eines mittleren deutschen Bundesstaates entspricht und auf der natürlich auch für Rechnung der Gesellschaft selber Vieh gezogen wird.

Doch würden selbst diese 41 Ouadratleguas bestgepflegten Landes nicht zur Versorgung des un­geheuren Verbrauches an Thieren genügen, und wie schon bemerkt, suchen die Aufkäufer der Gesellschaft au» den uruguayischen und argentinischen Estaucien die besten Häupter aus, um sie dem Riesenmoloch don Fray Bentos zuzutreiben.

Liebigs Etablissement ist auf diese Weise zu einem schwerwiegenden Factor des nationalen Wohl­

standes der ganzen nach dem Uruguay gravitirenden Gegend geworden, und es kann z. B. als ein charakteristisches Zeichen des Respects erwähnt werden, in dem das Etablissement allenthalben steht, daß eS in dem letzten Jahre durch die Revolution in Uru­guay in seinem Betriebe in keiner Weise gestört worden ist.

In der That steht auch der Erfolg dieser An­lage, nicht nur in Bezug auf feine Größe, sondern noch mehr auf seine unerschütterliche Dauerhaftigkeit in der Geschichte der modernen Industrie unerreicht da. Vor 33 Jahren zuerst in bescheidenen An­fängen, in einem kleinen Gebäude nahe der Mole, an der wir uns einschifften, ins Leben gerufen, hat sich die Fabrik von Jahr zu Jahr vergrößert, und heute reicht jenes erste Fabrikgebäude gerade noch zur Pumpstation aus, die die inzwischen rings herum entstandene Fabrikstadt mit dem natürlich in Strömen erforderlichen Wasser versorgt.

Während in anderen Branchen selbst die größten Etablissements, die der Massenconsum der letzten Jahrzehnte und ein sorgfältig gewahrtes Fadrik- geheimniß hat heranwachsen lassen, doch immer nur i bie ersten unter ebenbürtigen blieben, bewahrte sich -die Liebig'sche Fabrik in ihrer Branche stets eine ! völlige Ausnahmestellung, welche durch keine billigere ^Nachahmung, durch keine Markenfälschung, keine ehrliche noch unehrliche Konkurrenz erschüttert werden konnte, und so viele Moden schon die moderne Medicin in sanitären Präparaten aller Art alle paar Jahre in Kurs gesetzt hat, die Güte und der Werth des Liebig Extracts ist noch von Niemand bestritten oder durch Besseres zu ersetzen versucht worden.

Doch kehren wir zur Fabrik zurück, wo soeben eine neue Heerde von der Weide her, an deren Ende eine große Fallthür wie eine drohende Guillotine hochgewgen worden ist, durch einen langen, mit rohen Baumstämmen eingefriedigten Weg von einigen berittenen Gauchos im Galopp zu dem Corral vor der Schlachthalle getrieben wird, in der die Thiere schon nach wenigen Minuten unter der Hand der Schlachter zerstückelt werden.

Lange müßten wir stehen, wenn wir etwa im Geiste all die Heerden an uns vorüberziehen laffen wollten, die im Laufe der Jahre dort diese Pallisaden- gaffe vorüber in die kleinen Extracttöpfe gewandert sind; auch wenn jedes Stück in einer Secnnde vorbei­jagte, würde dieser Zug des Todes doch 51 Tage und Nächte in Anspruch nehmen, denn nich: weniger als 4 375 373 Thiere sind seit Bestehrn der Fabrik bis Ende voriger Saison hier zur Schlachtbank ge­führt worden. Rechnet man das in den argentinischen Zweigctablisiements der Compagnie Liebig geschlachtete und ebenfalls zu Fleischextract verarbeitete Vieh hinzu, so steigt die Ziffer der jenenZug des Todes" bildenden Rinder auf mehr als 5 Millionen Stück.

Das Töten und Zerkleinern der Thiere geschieht mit erstaunlicher Schnelligkeit. Der Corral ist in zwei Theile getheilt, indem in eine engere Umzäunung immer nur 10 Thiere wenige Augenblicke vor der Schlachtung gebracht werden. Von dort wird das Schlachtopfer vermittelst eines Lassos, den ihm ein Gaucho über die Hörner geworfen, durch eine Dampf- Winde nach einem niedrigen eisernen Plattformkarren gezerrt. In demselben Augenblick, in dem das Thier den Karren betritt, hat ihm auch schon der Schlachter mit einem scharfen Messer den Genickfang gegeben, und der Karren schleppt das tote Thier nach dem Innern der Schlachthalle, wo es schon binnen wenigen Minuten zerstückelt wird und von wo die einzelnen Theile nach den verschiedenen Gebäulichkeiten der Fabrik gebracht werden.

Alles Fett, die Eingeweide rc. gehen in die Talg- schmelze, die Häute in den Salodero, während das Muskelfleisch zuerst nach einer benachbarten Halle ge­bracht wird, wo man es etwas abkühlen läßt.

Doch verlaffen wir jetzt diese Abtheilnng, wo die stumme und gewandte Arbeit der Schlachter nur durch den schrillen Ton der Kreissägen in einem benachbarten Gebäude unterbrochen wird, in dem die Schenkel­knochen durchgesägt werden, um ans ihnen das Mark zu entnehmen, das zur Bereitung eines sehr feinen, butterähnlichen und thener verkauften Speisefettes bient

Beim Betreten des Hauptheiles der Extracffabrik empfängt uns bereits eine andere Umgebung und Atmosphäre, wenn auch beiläufig bemerkt werden mag, daß das Granitpflaster der Schlachthalle diese im Zustande absoluter Reinlichkeit zu erhalten er­möglicht, sobald die Schlachtung, gewöhnlich gegen 3 ober 4 Uhr Nachmittags, ihr Ende erreicht. Der angenehme Geruch nach Fleischbrühe, der in der eigentlichen Fabrik alle Räume erfüllt, macht den Eindruck, daß vir in eine ungeheure Küche eintreten.

Nachdem bie Fleischstücke in her Kühlhalle einige Zeit verblieben find, werben sie zunächst durch befenbere Maschinen fein gehackt. Das zerkleinerte Fleisch wirb barauf in großen, durch Dampf geheizten Pfannen gekocht, die den in de« Bierbrauereien ge­brauchten ähnlich fehen und in denen bie Suppe beftänbig von Arbeitern mit langen Holzrechen um- gerührt wirb.

Nachdem bas Abkochen vollendet ist, wirb bie Fleischbrühe nach anderen Pfannen abgelassen, in benen man zuletzt das Fett und den Sckcmm sich abscheiben läßt. Ist eS boch bie wichtigste Operation, ben Extract von ben geringsten Spuren von Fett ober Fibrin frei zu erhalten, bie fönst eine Gährung veranlassen könnten, während daS in der Liebig'schen Fabrik hergestellte absolut reine Product auf un­beschränkte Zeit hinaus haltbar bleibt.

Die übrig gebliebenen verkochten Fleischtheile werden aus den Kochpfannen vermittelst mechanischer Transporteure nach einer anderen Abtheilnng ge­bracht, wo sie zu Fleischmehl für die Viehfütterung verarbeitet werden.

Die von Fett und Fibrintheilen befreite Fleisch­brühe geht darauf nach Vacuum - Apparaten, welche den in den Zuckerfabriken gebräulichen, im Princip ähnlich sind und au8 denen die Brühe schon ziemlich concentrirt hervorgeht.

Die concentrirte Brühe hat barauf große hydraulische Filterpressen zu passtren, in welchen sie vollends von jeder Spur von Fremdstoffen befreit wird, und gelangt so schließlich nach der Con- centrationsabtheilung, wo die dicke Brühe durch große mit Dampf geheizte Serpentinwalzen, die sich beständig in dem halbfertigen Extract umdrehen, allmählich bis auf bie Syrupconfisteuz eingedickt wirb, bie uns vom fertigen Extract her bekannt ist.

In ber Concentrationsaotheüung wirb ba§ Extract in große Blechkannen abgefüllt, die alsdann nach der Niederlage der Gesellschaft in Antwerpen verschifft werden. Eist dort wird daS Extract in bie kleinen Steinguttöpfchen verpackt, die überall in der Welt mit dem berühmten Namenszug des großen Chemikers bekannt sind, der diese geniale Anlage ausgedacht hatte, in der heute noch sein wissenschaft­licher Geist waltet. Es wird nämlich die Herstellung des Extracts in allen Stufen seiner Fabrikation von erfahrenen Chemikern gemäß ber Vorschriften des großen Gelehrten überwacht, indem die beständig ans den verschiedenen Pfannen und Concentratoren ent­nommenen Proben in dem Fabriklaboratorium auf ihre Reinheit untersucht werden.

Ehe wir zwei Worte den Abtheilungen widmen, in denen die übrigen Theile dieser Thiere ausgenutzt werden und in denen gewissermaßen nicht eine Krume verloren geht, besuchen wir noch ein anderes Depar­tement, in welchem uns gleichfalls angenehmer Küchcnbunst empfängt und wo die Zungen, die mit Gemüse versetzte Ochsenschwanzsuppe, die hauptsächlich in England consumirt wird, und der Corned Beef zubereitct wird.

Alle diese Conserven haben dank ber Vorzüglichkeit ber bei ihrer Zubereitung angewendeten Recepte be­reits sich int europäischen Consum bie größte Be­liebtheit zu erwerben verstauben.

Die ausgekochten Fleischrückstände werben, wie schon bemerkt, zu Fleischmehl, einem nahrhaften Thier­futter, verarbeitet. Zu diesem Zwecke Huben bie Berge des zerkleinerten ausgekochten Fleisches zunächst zwischen großen Cylindern burchzuwandem, wo ihnen ber Rest flüssiger Substanz ausgepreßt wirb, unb alsbann geht dieses bereits halbpuloersirte Fleisch in große Ventilatoren, in benen es durch heiße Luft vollends getrocknet wirb.

Mehr ober weniger basselbe Verfahren wirb auch mit ben Rückständen ber Talgsiederei beobachtet, nur daß diese erst in Centrifugen von ihrem noch an­haftenden Fett befreit und alsdann auf großen ge­pflasterten Tennen an offener Luft getrocknet werden. Zuletzt werden diese Rückstände alsdann trocken in einer Mühle vermahlen unb als Guan» verkauft. Von der Verwerthung des Knochenmarks zur Be­reitung eines sehr feinen Speisefetts haben wir be­reits früher gesprochen. Das von ber für den Extract bestimmten Fleischbrühe abgeschöpfte Fett wirb später gereinigt unb hauptsächlich zum Consum von Chile unb ber Pacificküste gekauft.

Der Talg unb bie in großen Hausen aufgestapelten Salzhäute bilden natürlich einen wichtigen Theil ber Einnahmen des Etablissements; da eS sich jedoch nur nm ein für industrielle Zwecke verwendetes Roh- probuct handelt, so werden wir uns in den betreffen­den Abtheilungen, bie gar nichts Anziehenbes haben, nicht länger aufhalten. Es braucht wohl nicht befonberS

bemerkt zu werden, baß auch bie Schenkelknochen unb bie Hörner für ben Verkauf besonders aufgestapelt werden, da sie in der Knochenfubrikution Verwendung finden. Doch nicht nur diese scheinbar unbedeutendsten Reste, sondern selbst die allerletzten Rückstände, welche das Abflußwaffer der Fabrik mit sich führt, werben in dem Etablissement verwendet, in welchem absolut gar nichts verloren geht. In der kleinen Bucht unterhalb ber Mole, wo ber Entwässerungskanal ber Fabrik mündet, finden fich immer in dem Fluß ganze Schaaren von großen Fischen ein, bie von den in dem Abflußwaffer mitgerissenen Fetttückständen an­gezogen und fett gemacht werden. Es wird nun täglich in dieser Gegend ein ergiebiger Fischzug ver­anstaltet, dessen Fang mit Dampf ausgesotten wirb, unb das so erhaltene Fischöl bient zur Bereitung bc8 Gases, welches bas ganze Etablissement beleuchtet, da ja in ber Schlachtsatson Tag unb Nacht ge­arbeitet wird.

Es ist deshalb auch nicht zu verwundern, daß während der Saison einige 9 Millionen Kilos Kohlen verbraucht werden; es giebt dies zugleich eine Idee von ber Ausbebnung ber über das ganze Etablissement vertheilten Maschinerien.

Wir brauchen wohl nicht besonbers zu bemerken, baß bas Etablissement seine eigenen Werkstätten für Tischlerei, Klempnerei, Schmiede 2C. besitzt; wir wollen nur noch besonders ein gut eingerichtetes kleines Hospital erwähnen, das die Gesellschaft in der Er- kenntniß eingerichtet hat, daß die Interessen ihrer Arbeiter auch ihre eigenen sind. Viele ber Arbeiter haben in ber Nachbarschaft Grund unb Boden er­worben, und für bie Heranwachsende Generation ist eine Schule errichtet.

Allen diesen materiellen Anstrengungen Hai denn auch ein Erfolg entsprochen, der ohne gleichen vastcht. nicht nur in Bezug auf die Popularität des Er­zeugnisses, sondern auch in den finanziellen Resultaten, Seit ihrer Gründung hat diese großartige Fabrik­anlage für 400 Millionen Maik Erzeugnisse hergestellt.

Nie hat eine Fabrik in ber Weit in einer industriellen Spccialität einen Erfolg ausw-isen können, welcher demjenigen der Liebigs-Gesellschaft gleich­gekommen wäre, deren Ziffern zugleich das beredteste Zengniß dafür sind, daß das Product einzig in seiner Art und von keiner Nachahmung erreichbar ist.

(Nachdruck verboten.)

K e x £> pt 6 £ ü i £> e.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung.)

Aberda stand es vor ihm mit er schreckender Klarheit und seine Mutter war es, die ihm das schrieb, seine Mutier, die ihn liebte und die wußte, daß sie ihm damit den Todesstoß gab.

Wieder und wieder las er bie unseligen Zeilen.

Mein geliebter Sohn," so begann das Schreiben, glaubst Du an bie Liebe Deiner Mutter? Bist Du Dir bewußt, baß sie Alles leiden würde? Alles um Dich, ihren Einzigen, vor Schmerz zn bewahren? Ottomar, ich habe lange geschwiegen, lange alle meine Zweifel und Sorgen für mich allein getragen. Ich mochte Dir bas Herz nicht schwer machen, ehe ich Gewißheit erhalten hatte. Die eigenthümliche Ver- traulheit, die zwischen meinem Bruder und Elli herrscht, machte mich, wie ich Dir schon einmal angebeutet habe, seit lange schon stutzig. Doch ich sträubte mich, da­hinter etwas Anderes, als bie wohlwollenben Gefühle eines Onkels für bie Braut seines Neffen zu sehe«, ben er stets durch besondere Neigung ausgezeichnet hat. In diesem Vertrauen nahm ich auch ohne Bedenken die Einladung Roberts an, ihn mit Elli nach seiner Billa am Comerfte zu begleiten und auch Dein guter Vater fand sich auf Zureden Lutzens zu einem zeit­weiligen Besuche dort bereit. Du kennst das Prinzip des trefflichen Geheimraths, seine Patienten möglichst zu zerstreuen unb zu erheitern, und es leuchtete mir ein, als er mir sagte, daß Elli's Anwesenheit viel zur Erholung unb Kräftigung meines Bruders, ben er angegriffener finde, als er zugcstehen dürfe, bei­tragen werde. Hätte ich geahnt, wie die Sache zwischen den Beiden stand, keine Macht der Erbe hätte mich zu ber Uebernahme einer Rolle vermocht, wie ich fie unwissentlich leider hier gespielt habe, unb bie um so schmählicher ist, ba Elli, trotzdem Eure Verlobung zum Glück noch nicht veröffentlicht ist, in ber Welt doch für Deine Braut gilt. Höre also, und ich schwöre Dir, daß jedes Wort, das ich jetzt schreiben werde, auf voller, unantastbarer Wahrheit beruht. Jeder Zusatz, jede Verhüllung des Erlebten will ich streng vermeiden. Du allein