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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain.

*<**6*: P»h Äug. Koch. UniverAätr-Buchdruckerei in Marburg. »mniwortti* für bh Sebnfttmi: Redakteur M. Hartmann in Marburg,

«»«rion: Markt 31. - Lelephsn 55. Xüaktion: Markt 31. Telephon 55.

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(ftfädnt täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Anzeigen nehmen entgegen: btt Expedition dieses Blatte», die Annoncen-

M» 6)/f / OuartalS-AbonnementS-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen y Bureaux von Haasenßein L Bögler, Frankfurt a. M., Caffel, Magd«» qq

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und 20 Revolverpatronen großen Kalibers. Die Bomben bestehen auS galvanisirtem Eisen, daS mit Bleidraht umsponnen ist. Sie wurde in dem Ma­gazin eines Italieners aufgefunden und waren in eine Kiste verpackt. Mit der Ueberbringung der Bomben nach Jaffa war ein aus Triest gebürtiger Italiener betraut, der auf dem zur Verschiffung der Bomben auserseheneu Dampfer als Kellner Dienst genommen hatte. Eine gleiche Stellung hatte er sich in Jaffa im Hotel Bristol verschafft, um die Bomben unauffällig für die Theilnehmer des Verbrechens auf­zubewahren. Der vereitelte Mordanschlag hat auf der ganzen Welt Entsetzen und Entrüstung hervor­gerufen. Das ganze deutsche Volk hat alle Ursache, dem Allmächtigen heißen Dank dafür zu sagen, daß er das drohende Unheil abgewendet hat, und ihn zu bitten, auch weiterhin seine Hand schützend über dem in fernem Lande weilenden Kaisei paare zu halten. Daß es sich um einen ernsthaften, scheußlichen Plan, der mit langer Hand vorbereitet war, handelt, steht nach allen bisher veröffentlichten Angaben fest. Ebenso dürfte der Zusammenhang dieses Anschlags mit der ruchlosen That Lucchenis, also das Vor­handensein einer anarchistischen Attentats-Verschwörung, außer Zweifel stehen. DenVorwärts" treibt sein schlechtes Gewissen, auch bei diesem Vorfälle wieder eine Mohrenwäsche des Anarchismus zu versuchen. DaS socialdemokratische Centralorgan stempelt den Attentatsplan zu einerPolizeiwache", arbeitet also wieder nach der alten Schablone: entweder die That einesSpitzels" oder einesVerrückten", nur bei­leibe nicht eines Anarchisten. DerVorwärts" hätte besser gethan, zu schweigen. Aus seiner Sucht, die anarchistischen Brüder in ein gutes Licht zu stellen, geht sein Bewußtsein der Mitschuld seiner Partei an diesen Unthaten deutlich hervor. Die fortwährenden Aufreizungen gegen Autorität und Ordnung, gegen Religion und Monarchie, die Ver­herrlichungen der Attentate und des Partei- Märtyrerthumn" können am letzten Ende auch eine andere Wirkung auf fanatische Köpfe nicht haben, als eineBegeisterung" zurPropaganda der That". Es ist klar, daß die Entdeckung des neuesten Mord­anschlags auf den Verlauf und das Ergebniß der Anarchistencongresses von einschneidender Wirkung fein wird. Immer klarer stellt sich die Rothwendig- keit heraus, gegen diese internationale Mordbande mit internationalen Maßregeln vorzugehen. Die Presse derbürgerlichen" Linken wird angesichts der steten Bedrohung von Monarchen das nobile officium, sich zur Abwehr an deren Seite zu stellen, nicht von sich abweisen dürfen. Declamationen thun es nicht mehr; eS muß jetzt zur That geschritten werden.

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Erstes Blatt.

Rabatt- und Sparvereine.

In der Reichshauptstadt führen zur Zeit die Gewerbetreibenden einen erbitterten Kampf gegen die Rabatt- und Sparvereine. Da diese Vereine auch ix zahlreichen Provinzialstädten vorhanden sind, so hat der Kampf ein weit über das Weichbild Berlins hinausreichendes Interesse. Es dürfte demgemäß nicht unangebracht erscheinen, Wesen nnd Werth der Rabatt- und Sparvereine einmal etwas näher zu beleuchten.

Im großen Publikum giebt man sich zumeist falschen Vorstellungen über daS Wesen der genannten Bereine hin. Man nennt sie gewöhnlichKonsum- Vereine". DaS ist unrichtig. Das Wesen der Konsum- Vereine besteht in dem gemeinsamen Einkäufe von Lebens- und Wirthschafts - Bedürfnissen im Großen und Ablaß im Kleinen. Ihr Zweck ist, durch Be­schaffung guter und billiger Lebensbedürfnisse Er­sparnisse für die Mitglieder zu erzielen. Die Rabatt- Vereine aber beschaffen gar keine Lebens - Bedürfnisse, ihnen fehlt daS Merkmal des gemeinschaftlichen Ge­schäftsbetriebes.

Ersparnisse für ihre Mitglieder erzielen wollen freilich auch die Rabattvereine, es geschieht dies aber m der Weise, daß sie mit einer Reihe Gewerbe­treibender Verträge abschließen, in denen diese sich verpflichten, auf diese Einkäufe der Mitglieder einen bestimmten Rabatt zu gewähren. Der Rabatt wird von den Lieferanten nicht an die Mitglieder aus­gezahlt, sondern an den Verein, der den auf diese Weise erzielten Gewinn nach Abzug der Verwaltungs- Snkosten an die Mitglieder nach Verhältniß des Waaren-BezugeS veitheilt.

Haben diese Vereine nun volkswirthschaftliche Bedeutung? Wir können ihnen eine solche nur in sehr bedingtem Maße zuerkennen, ja, nach der that- sächlichen Entwickelung, welche die meisten Rabatt- nnd Sparvereine genommen, will es unS scheinen, als ob die Vortheile von den Nachtheilen bei Weitem überwogen würden. DaS Publicum soll durch die Rabattvereine an Barzahlung gewöhnt werden; darin bekundet sich ein gesunder Gedanke, dessen Ver­wirklichung sowohl im Interesse von Käufer wie Ver­käufer liegt. Leider aber beschränkt sich, wie gesagt, her Werth der in Rede stehenden Vereine auch hierauf. Infolge der großstädtischen Konkurrenz sehen sich zahlreiche kleine Gewerbetreibende und gerade sie ge- nöthigt, Lieferanten von Rabattvereinen zu weiden. Der Reingewinn dieser Geschäftsleute ist bei solidem Geschäftsbetriebe nun schon an und für sich recht gering. Durch den zu gewährenden Rabatt soll der­selbe noch weiterhin erheblich verkürzt weiden. WaS ist die Folge davon? Der Verkäufer sucht sich auf irgend eine Weise für den Rabatt schadlos zu halten; die Menge wie Beschaffenheit der Saure erleidet Einbuße. Man frage nur einmal auf dem Berliner Viehhofe oder in der Central-Markthalle nach, mit welchem Hohn dort die sogenanntenKonsum-Brüder", d. h. die Lieferanten der Rabattdereine von den Großhändlern behandelt werden.

Es kommt ferner hinzu, daß die Rabatt- und Sparvereine auch ihrer zweiten Bezeichnung nur sehr wenig entsprechen. Sollte der Spartrieb der Be­völkerung in wahrhaft wirksamer Weise durch sie ge­fördert werde», so müßten sie für zinstragende An- läge der kleinen Ersparnisse ihrer Mitglieder Sorge tragen. Wie in Wirklichkeit die Dinge aber liegen, wird von den Mitgliedern nur für einen wirthschaft- Uch höchst unwichtigen Zweck, die Weihnachts-Be- scheernug beziehungsweise Weihnachts-Feier nämlich, gespart. Der mit schlechterer Waare erkaufte Gewinn geht so alsbald wieder verloren. Endlich stehen die Verwaltungs-Unkosten in gar keinem Verhältnisse zu dem erzielten Umsätze. Es hat sich als Regel heraus­gebildet, daß einzelne Personen die Verwaltungs- Posten der Rabatt- und Sparvereine zu Versorgungs- Stellen benutze» und für möglichst geringe Arbeit möglichst hohe Gehälter beziehen.

Nach alledem ist der Kampf solider Gewerbe­treibender gegen die Rabatt- und Sparvereine wohl verständlich und von allen denjenigen, die den Konsu­menten vor Täuschung bewahren und dem gewerb­lichen Mittelstände seinen schweren Daseinskampf erleichtern wollen, thunlichst zu unterstützen.

Umschau.

Zur deutschen Doktor-Promotion veröffentlicht dieCH e mik er - Z ei tu» g" in Köthen einen sehr beachtenswerthen Artikel. Die genannte Zeitung kämpft für die Einführung einer Staatsprüfung für Chemiker und hält es für selbst­verständlich , daß als Vorbedingung zur Zulassung, wie namentlich für die Staatsprüfung, das Reife- zeugniß eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule gefordert werden müßte. Im Zusammenhänge damit erscheint es ihr als ein arger Mißstand, daß der deutsche Dr. phil. heutzutage von deutschen Universitäten so vielen verliehen wird, welche obiger Bedingung nicht genügen. Zn allermeist sind freilich dieseAusnahme-Kandidaten" Ausländer. Man hält offenbar die Nachgiebigkeit gegen diese für ungefährlich; wie sehr aber eine solche Nachgiebigkeit unserem Ansehen im Auslande schadet, ergiebt sich aus dem Briefe eines jungen deutschen Pharmaceuten in Finnland, ans dem wir hier nach der CH. Ztg." die wesentlichen Stelle» mittheilen:

Um die Apothekerlanfbah» in Finnland ein­schlagen zu können, begrugte man sich früher mit 3, jetzt mit 5 Klassen Gymnasium, also unserer Quarta, bezw. Obertertia entsprechend. So vorgebildete junge Leute reisten dann mit dem Provisorbrief in der Tasche nach Deutschland und ließen sich an Universitätslaboratorie», wie Gießen, Berlin, Straß­burg, einschreiben, woselbst sie zum vr. phil. promovirten. Einer dieser Herrn hat die Sache selbst zum Lachen gefunden. Ein anderer reichte ein Gesuch bei der hiesigen Universität ein, man möge ihn den finnischen phil.-Doctoren gleich­stellen. Warum nicht, war die Antwort; dies solle geschehen, sobald er sein Reifezeugniß für die Universität, sowie das dem Doctorexamen vorher­gehende Magisterexamen, und das Doctorexamen selbst hier nochmals abgelegt, bezw. bestanden habe. Aus diesen Gründen zog genannter Herr sein Gesuch wieder zurück. Sowohl die hiesige, wie die deutschen Hochschulen fordern von ihren Landeskirchen! zum Doktorexamen das Reifezeugniß; Ausnahmen hiervon werden hier überhaupt nicht gemacht, und in Deutschland nur in sehr seltenen Fällen, wo genügend andere Vorbildung vorhanden ist Das Minimum ist Be­rechtigung znm einjährig-freiwilligen Dienst, aber nie­mals 3- oder 5 jähriger Besuch einer höheren Anstatt. Warum, so müssen wir Deutschen in Finnland un­willkürlich fragen, wird von den betreffenden deutschen Universitäten den Ausländern gegenüber nicht die gleiche Forderung gestellt? Warum begnügt man sich nur mit dem Provisorbrief (der doch fragwürdiger Natur ist) und läßt sich nicht Schulzeugnisse vorlegen, um auch einer entsprechenden Vorbildung gewiß zu sein? Im Interesse unseres Ansehens im Auslande ist es dringend erwünscht, daß unter solchen Umstände» die Zulassung zur Promotion mit mehr Schärfe ge­handhabt wird; den» ich muß leider gestehen, der deutsche Doktortitel genießt hier fast dasselbe fragwürdige Ansehen, wie der amerikanische Doktortitel in Deutschland. Deutsche Bücher werden auf der hiesige» Universität als Unterrichtsmittel aogewcndet, da dieselbe» als konkurrenzlos, was die Tiefe des Wissens betrifft, dastehen. Die deutsche Pharmakopöe ist als Muster genommen für die Pharmacopoea finnica, weil, wie eS im Vorwort zur letzteren heißt, kein anderes Arzneibuch so sachlich ausgearbeitet sei, wie das deutsche. Viele finnische Studenten reifen jährlich nach Deutschland, z. B. Greifswald, um da einen Sommerkursns zur Bereicherung ihres Wissens durchzugehen; alles Thatsache», auf die Deutschland stolz fein darf, die aber auf den anderen Seiten Neid und Mißgunst Hervorrufen; und da ist bann unser Fall nur zu gut geeignet, aus das Verschiedenste ge­deutet zu werden.

Die gleichzeitig gegen den preußischen Staat und daS deutsche BolkSthum gerichtete großpolnische Agi­tation hat den Gedanken der Gründung einer pol- Nischen Liga zum Schutze der polnischen Sprache aufgegriffen und bemüht sich mit großem Eifer, ihn unter der polnisch redenden Bevölkerung populär zu machen. Es entspricht ja nur ber auf systematische Irreführung der öffentlichen Meinung gerichteten Tendenz der großpolnische» Bewegung, daS aggressive Vorgehen der großpolnischen Hetzer dadurch zu verschleiern, daß man die Situation fälscht und sich den Anschein giebt, als handle es sich um eine Action legitimer Rothwehr gegen Ausschreitungen der Polenpolitik der preußischen Staatsregierung. DieGazeta handlowo-geograficzna", welche jenseits

der preußischen Grenze, in Lemberg, erscheint, und deshalb bezüglich des wahren Charakters der groß- polnischen Agitation in Preußen eine durch keinerlei Rücksichtnahme auf da? preußische Gesetz beengte Sprache führen kann, erklärt beim auch ganz offen, daß berSchutz ber polnischen Sprache" nur ein Vorwand ist, und daß die zu schaffende Liga in Wahrheit ein Verein sein soll, derauf der Wacht der Interessen des gefammten Polcnthums steht". Das Blatt schreibt:

Wir werden alle Organisationen und Institutionen, die zu Gunsten des Polenthnuis wirken, materiell und mo­ralisch fördern. Wir werden die verschiedenartigsten Schriften verbreiten, welche mittel- oder unmittelbar die Hebung des Nationalbewrßtseins anstreben . . Wir werden unseren nationalen Aspirationen außerhalb der Grenzen Polens Ausbreitung und Volksthümlichkeit verschaffen. Wir werden die antipolnischen Elemente bekämpfen, die sich heute ungest aft in unserem Lande breit machen. . Die Feinde unserer Feinde werden unsere Bundes genoffen sein."

Vorstehend mitgetheiltc Stilproben dürsten ge­nügen, um den Character der projektirtenpolnischen Liga zum Schutz der polnischen Sprache" in das rechte Licht zu stellen, und sowohl die Staatsbehörde» als das deutsche Vollst hum in unsere» Ostmarke» an ihre Pflicht zu mahne», wen» jemals der Versuch gemacht werden sollte, der geplanten Neugründung diesseits der Grenze Mitglieder und Theilnehmer zu gewinnen. ____________

Dem heurigen 18. October, an welchem es 85 Jahre sind, daß auf dem Leipziger Schlacht- selbe in furchtbarem Völkerringen der Erbfeind mit seinem gewaltigen Kriegsfürsten an der Spitze zur Räumung des deutschen Bodens gezwungen wurde, widmen die Leipziger Blätter begeisterte Gedenkworte, zugleich auf das im Ban begriffene Denkmal hin­weisend, welches den tapferen Kämpfern von Leipzig dort, wo die Entscheidung fiel, errichtet werden soll. DaSLeipziger Tageblatt" schreibt:

Die Erinnerung an die Schicksalswendung vor 85 Jahren geziemt sich, nicht obschon, sondern weil zahlreiche und große Gedenktage an den späteren, herrlicheren Krieg hinter uns liegen. Sedan hat Leipzig nicht in Vergessenheit gebracht, denn der Tag von Leipzig ist der Vater des Tages von Sedan geworden. Gewiß, auf Sedan folgte das Reich, die Kaiserkrone, die Wiedergewinnung von Elsaß-Lothringen, nach Leipzig kam der unselige deutsche Bund; Sedan wurde von Deutschen allein geschlagen, die Kämpfe vom 16. bis znm 18. October 1813 führen den Namen der Völker­schlacht, weil an diesen Tagen die Kraft dreier großer Länder sich eines gemeinsamen Feindes zu erwehren hatte. Nicht in den Siegesfrüchten gleicht 1813, gleichen die folgenden zwei Kriegsjahre dem Zuge von 1870. Und dennoch hat Leipzig durch Wörth. Sedan, Metz und Paris an national­geschichtlicher Bedeutung nicht verloren, sondern gewonnen. Die Völkerschlacht zog die Befreiung Deutschlands von der Fremdherrschaft, von zwanzig­jährigen unsäglichen Leiden nach sich. Napoleon konnte bei Hanau einen Versuch, ihn in seinem Rückzug aufzuhalten, zurückweisen, aber der Sieg sicherte ihm auch nichts mehr, als eben den Rück­zug. Er wich von deutscher Eide und seitdem hat keines bewaffneten Franzosen Fuß mehr den Boden unseres Vaterlandes betreten dürfen. Die Schlacht bei Leipzig hat unser Volk aufgerichtet, bis es so männlich und fest stehen konnte, wie eS das große Jahr der Erfüllung gesehen hat. Darum sollen wir an der Erinnerung deS 18. Octobers fest­halten, als an der eines deutschen Segenstages, besten Nachwirkung wir Sedan, den Kaiser und das Elsaß verdanke». Und darum soll das kommende Jahrhundert in feinen frühesten Tage» das Denkmal sich erheben sehen, mit dem Deutschland sein Ver- stänimiß und seine Dankbarkeit für die große Leipziger That ber Väter bekundet. Wie daS Niederwalddenkmal im Westen, mag eS im Osten des Vaterlandes emporragen, den Zusammenhang deS Befreiungskrieges mit dem Einigungskriege bezeugend, beide unser Volk erhebend und beide mahnend; das Leipziger Monument vor Allem mahnend, daß Deutschland durch schwere Leiden und Mühen hindurchgehen mußte, bis es sich selbst wieder fand, daß nationale Freiheit und nationales Leben nicht vom Schicksal als Geschenk bargeboten werben, fonbern erobert und, wie ber Dichter sagt, täglich erorbert werden."

Nach amtlicher Feststellung enthielt jede ber beiben zum Morbanschlag gegen Kaiser Wilhelm bestimmten Bomben zwei Pfund Knallqueckfilber

Das Kaiserpaar in Konstantinopel.

W. Konstantinopel, 18. Oct. Heute Vor- mittag um 8 Uhr 40 Minuten verkündeten Salut­schüsse , daß das deutsche Kaiserpaar die Spitze des Serails passierte. Dem Geschwader folgte ein rumänisches Schiff mit ber deutschen Kolonie an Bord, ein Mahsusedampfer mit de» deutschen Schulen und ein österreichischer Dampfer mit den von hier eingetroffenen Fremden. Um 9 Uhr warf das Ge­schwader vor Dolma Bsgdsche Anker. Auf den umliegenden Schiffen und am Ufer erscholl alsbald brausender Jubel. Die Ankunft deS Kaiserpaares in Dolmabagbsche bot einen glänzenden Anblick. DaS vom Jmienlicht umflossene und von den Meeres wellen umspülte PalaiS machte einen Märchenhaften Eindruck. DieHohenzollern" warf gegenüber dem kaiserlichen Thor Anker, rechts dieHela", links dieHertha". Dos Meer war überaus belebt von Dampsbarkassen und Barken. An ber Landungstreppe standen die Flügeladjutanten, rechts die kaiserliche Musikkapelle und die Leibkompagnie albanefischer Zuaven, links die kaiserlichen Büchsenspanner mit ber Fahne. Hier stauben auch der deutsche Botschafter, das Bot­schaftspersonal, die Konsulatsmitglieder mit ihren Damen und die türkischen Würdenträger, darunter Edhem Pascha. Gegen 9 Uhr fuhr die Schrauben­yachtTeschrifie" mit dem Großvezier, dem Marine­minister Fuad Pascha nnd dem Militärattache Hauptmann Morgen nach derHohenzollern" zur Be­grüßung. Um 9 */< Uhr verließ daS Kaiserpaar die Jacht. Jetzt erschien ber Sultan am Landungs­quai in Marschallsuniform in deutschen Orden und von einer Suite begleitet. Er trat nach Begrüßung der Anwesenden auf den Quai, dem sich nunmehr das Galaboot der Hohenzollern mit den Majestäten näherte, und begrüßte freudig bewegt die Majestäten noch vor dem Anlegen des Bootes. Ihre Majestäten erwiderten lebhaft diesen Gruß. Der Sultan unter-