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Wöchentliche Beilagen: Krcisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

***- Jllnstrirtes Sonntagsblatt.*"*

flMcWni täglich außer an Werktagen nach Som- und Feiertagen. 'nüTrtrRl fvA Lnzetgm nehme« entgegen: Mt Cxpedittou dieser Blatte«, di« Annoncen-

A Ou^ÄS-Söonnnnentr-Preis bei der Expedition 2 Mk. bei allen gRUmaHTg Bureaux vonHaasenßetn & B-gkr, Frankfurt M., Cassel. Magd«. nq

42 244 Dienstag, 18. cnobci 1898.

Zweites Blatt.

(Nachdruck verboten.)

(58k 9

verfertigt billigst

(6862

uns umgehend mitzutheileu.

Schreiner Köhler, Kugelgasse 16.

Grün 42,1.

6975)

Vorzügl. Theemischungen m Hk. 2.80 u- 3.50 p. Pfd. In höchsten ,

Kreisen eingt fährt. (Kais KgL Hoß.) Probepack. 60 a. 80 Pf.

Frau D. Rumpf, Masseuse.

---- Aerztlich geprüft. =

Umzäunung von Gärten sowie Gartenlauben

GeschLsttiche Mittheilunge».

Berlin, 17. October. Die edlen Bestrebungen de« Deutschen Frauen - Vereins für Krankenpflege tn den Colonien, sowie die nationalen Ziele der Deutschen Colonial- Gesellschaft haben so großer allgemeiner Interesse erregt, daß die hohen Bundesregierungen sämmtlicher Deutschen Staaten bereitwilligst die uachgesuchtr Genehmigung um Zulassung der Wohlfahrts - ßott«rir zu Zwecken Deutscher Schutzgebiete, ertheilt haben, so daß der Verkauf dieser Wohlfahrts - Loose im ganzen Deutschen Reiche gestattet ist. Dieser gemeinnützige Unternehme« verdient um so mehr allseitige Unterstützung durch Abnahme von Loosen, als auch neben den gebotenen recht günstigen Gewinn­chancen ta find im Ganzen 16870 Geldgewinne, wobei Haupttreffer von lou 000 Mark, 50000 Mark, 25 000 Mark, 15 000 Ma.k usw. - edle und nutzbringende Zwecke gefördert werden. Wir verweisen auf da» Inserat des mit dem Verkauf der Loofe Beauftragten Bankhauses Lud. Müller u. Co, Berlin C, Breitestraße 5, in heutiger Nummer unserer Blatter.

Eine fast neue

Mandoline mit Schule

zu verkaufen. (6232

Barfüßerthor 12, pari.

GMMttMImz, sowie alte» Eisen, Kupfer, Zinn, Blei, Zink, Roßhaare «. Alter- thüwer kaust fortwährend

Ed. Bamberger.

Schon seit geraumer Zeit ist von einer Ent­lastung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten durch Abtrennung der Bauverwaltung von diesem stark in Anspruch genommenen Ressort die Rede. ES wird in der That auch nicht bestatten werden können, daß eine solche Entlastung nothwendig sei. Eine andere Frage aber ist die, ob es wohlgethan wäre, ein eigenes Bautenministerium zu errichten, dem wie eS in der fteisinuigen Presse gefordert wird auch das l a n d w i r t h s ch a f t l i ch e Bau- uud MelioraÜonswesen angegliedert werden würde.

DieKreuzzeitung" hat in diesen Tagen auf dieGefahr eines so lchen S chrittes für die gesammte Laudwirthschaft auf­merksam gemacht. Wir schließen uns ihren warnenden Worten an und erklären auch unsererseits, daß die Landwitthe Alles aufzubieten haben werden, um die im Gange befindlichen fteistnnigen Treibereien, die eine solcheEntlastung" des ktsenbahnministettums Md eine Verminderung des Einflusses des land- wirthschaftlichen Ministeriums herbetführeu wollen, zu Schanden zu machen. Nichts könnte die einheit­liche Berücksichtigung der berechtigten landwirth- schaftlichen Interessen in der Staatsregierung derart schädigen, wie eine Abtrennung wichtiger Kompetenzen don dem Ministerium für Laudwirthschaft.

Nimmt man dem landwirthschaftlichen Ministerium die MelioraÜons-Bausachen (Ent-, Bewässerung?-, LorfluthS , Deich- u. s. w. Sachen), mit einem Worte die Sorge für die zur Beförderung der Landwirth- schaft dienenden Anstalten, nimmt man ihm kon­sequenterweise auch die Augelegeuheiten der General- Kommissionen (Regelung der gutSherrltch-bäuerlichen Brrhältniffe, Gruudsßickstheiluugen, Reutenguts- sachen), so verblieben ihm nur das Gestüts- weseu, die Domänen und Forsten.

Damit wäre der Wirkungskreis der landwirth­schaftlichen Ministers in einer Weife beschränkt, daß sein Einfluß zu Gunsten der Laudwirthschaft auf ein Minimum sinken müßte. Es fehlte dann tn der Centralinstanz an einer nachdrücklichen Vertretung landwirthschastlicher Jnterefleu, während diejenigen von Handel und Gewerbe um so mächtiger t» den Vordergrund gedrängt erscheinen würden. Sonach liegt es auf der Hand, daß die einfachste Lösung dieser Frage die Abgabe der Bauverwaltung an das Ministerium für Landwirthschaft sein würde, und wir hoffen, daß man sich endlich doch zu einer solchen Neuordnung entschließen wird.

Es ist nicht zu verwundern, daß alle diejenigen Zeitungen und Politiker, denen jedes der Landwirth- fchast bewiesene Entgegenkommen rin Schrei der .Entrüstung" um nicht zu sagen Mißgunst entreißt, mit allem Eifer und aller Macht gegen eine Ueberweisung der Bausacheu au das Landwirthschasts- »inisterium sich wende». A»ch wird es, sofern wir recht unterrichtet find, au schriftliche» Eingaben und Borstellungrn seitens solcher Faktoren, die der Land- wirihschaft unfreundlich gesonnen sind, über diese Sache an maßgebenden Stellen nicht fehlen. Das muß aber in landwirthschaftlichen Kreise» beachtet werden.

Will man also in dieser höchst wichtigen Sache keine Ueberraschungen erleben, so rühre man sich! Insbesondere wird es die Aufgabe der landwirtschaftlichen Vertretungen (LandwirthschaftS-

kammern, Vereine u. s. w.) sein, hier mit Eingaben uud Vorstellungen auch ihrerseits rasch und thatkräftig vorzugehen. Schweigen diejenigen, welche diese Frage in hervorragendster Weise angeht, so kann leicht die Agitation der Gegenseite in maßgebenden Kreisen den Eindruck der Unanfechtbarkeit machen. ES gilt also einen so lchen Eindruck gar uicht erst auf komme» zu lassen.

Verlag des Marburger Adreßbuches, Markt 21.

Ein Grundstück, nahe am Barfüßerthor gelegen, zum Bauplatz geegnet, ist zu verkaufen. (7022

Barfüßerthor 5.

Für Damen!!

Frisiren sowie Shamponiren in und außer dem Hause.

Frau Anna Helfrich.

6610) Kasernenstr. 1.

Roman von Clarissa Sohdei

(Fortsetzung.)

Ich hatte bisher immer besonder» heitere Briefe von ihr erhalten, so daß mich der Schlag doppelt traf, als ich nun hierherkam und ste fiebernd im Bette fand. Noch konnte ich sie mit mir nach Bonn zu­rücknehmen ; aber ihr Leiden war nicht gehoben. Die hervorragendsten Aerzte wurden konsultirt, auch Lutzen aus Berlin herbeigeholt; alle menschliche Hilfe blieb jedoch erfolglos. Als die Blätter fielen, wurde auch sie hinausgetragen." Er fuhr fich mit der Hand über die Augen, als wolle er damit die Bilder fort* wischen, die vor ihm lebendig geworden.

Doch sieh' selbst," fuhr er fort, .welch' ein glück- licher Mensch ich gewesen bin." Und Elli's Arm er­greifend, führte er sie vor ein dem Fenster gegenüber hängendes, jetzt hell beleuchtetes Oelgemälde.Ein Freund, welcher nun auch schon lange tobt ist, der tn Italien Reisestudie» gemacht hatte und auf der Rück­reise bei mir einige Wochen verweilte, malte es hier, als wir noch Alle glücklich vereint waren, ich konnte mich nicht entschließen, da» Bild von hier fort­zunehmen, weil e» gerade hierher allein gehört. Als Kleinod habe ich es hier behalten, wo kein kritische» Auge e» steht und seinen künstlerische» Werth be­mängeln kann. Ich habe in Berlin bessere und kunstvoller gemalte Porträts von meinen Verstorbenen; dieses aber bleibt mir doch das liebste."

Elli erkannte sogleich den Präsidenten selbst, ganz so, wie sie sich ihn als jüngeren Mann vor­gestellt hatte, ein schönes frohes Gesicht. In leichtem Sommeranzug lehnte er auf der Bank der Terrasse, hinter der man Bellaggio und die dahinter liegenden Berge erkennen konnte, de« Arm um eine schlanke, blonde, in lichte Seide gekleidete Frau mit feinen Zügen und lachenden Augen geschlungen. Ihnen zu Füßen auf einem Teppich spielte» zwei Kinder, ein Knabe unb ein Mädchen, mit einem mächtigen Bern- hardinerhunde, ein Bild des traulichen häuslichen Glückes, wie man es nicht schöner in der Fantasie sich auszumalen vermag.

Elli traten die Tbränen in die Augen: daS Alle« hat er besessen und verloren, zog eS durch ihre Seele, und doch unverbittert gegen das Leben sich ein warmes Herz für Anderer Freude und Leid bewahrt! Er wuchs noch in ihren Augen.

Sie sagte kein Wort, sondern drückte nur in innigem Mitgefühl de» Präsidenten Hand, die auf ihrem Arme rnhte.

So alt wie Du," sagte er, bewegt ihren Druck erwidernd, .müßte jetzt meine Clara sein."

Laß' mich Dir die Verlorene ersetzen," bat sie mit innigem Ausdruck zu ihm aufsehend.Mehr als ich könnte auch Deine Tochter Dich nicht lieben und verehren."

Er blickte ihr lange in die klaren, schönen Auge».

Tiefgeiührt schlang er seine Arme um fie und drückte einen innigen Kuß auf ihre Lippen.

Keiner von beiden hatte bemerkt, daß sich in demselben Augenblick die Thür öffnete, und die

Die Herren Versicherungs-Agenten werden ergebenst ersucht, die Namen der von ihnen vertretenen Versicherungs-Gesellschaften zwecks Aufnahme in das Adreßbuch für 1899

Sind wir allein, ohne Lauscher?" fragte die Professorin, die dem Bruder auf seinen Wink in den anstoßenden Salon gefolgt war.

Du stehst es ja," entgegnete er ziemlich rauh. Ihn verdroß der Schwester seltsames Wesen.Was steht zu Diensten?"

Ich werde Dich nicht lange belästigen," gab sie gereizt zurück.Nur möchte ich Dir die Mittheiluug machen, daß ich morgen abzureisen gedenke!"

Abzureisen?" rief er erstaunt,und allein? Wie kommst Du darauf? Du weist doch, daß das nicht angeht, so lange Elli, hier ist. Oder," fügte er hinzu, willst Du sie etwa auch mitnehmen und mich gerade jetzt, da ich nicht wohl bin nnd Eures Bei­standes vielleicht bedürfen köunte, hier allein lassen?"

Sie warf ihm einen halb zornigen, halb verächt­lichen Blick zu:

Fürchte Dich nicht! Ich verzichte darauf, ferner noch die Beschützerin dieser Dame zu fein."

Der Präsident verfärbte fich. Er trat auf seine Schwester zu und faßte fie heftig beim Arm.

Was ist das? WaS soll das heißen? stieß er mit bleichen Sippen hervor.

Jetzt erschrak ste doch. Sie wich einen Schritt vor den zürnenden Augen des Bruders zurück.

Laß mich!" rief fie, ihren Arm frei machend. Es widerstrebt mir weiter über eine Sache zu sprechen, die mich noch mehr betrübt, als erzürnt. Ich werde durch meine Gegenwart Dein Glück nicht weiter stören."

Charlotte, jetzt rede", herrschte er fie an, und als fie nicht gleich antwortete, fuhr er mit vor Erregung heiserer Stimme fort:

Ich sehe es Dir an, Deine Gedanken sind böse. O, daß ich so etwas an meinem eigenen Blut erleben muß! Das Heiligste, Reinste bewirfst Du mit Schmutz, scheust Dich nicht, dieses unschuldige Kind, das keinen unlauteren Gedanken im Herzen trägt, mich Deinen eigenen Bruder, der durch ein langes fleckenloses Leben wenigstens Deine Achtung erworben zu haben meinte, in häßlichster Weise zu verdächtigen. Es ist furchtbar: der bittere WermuthStropfen in dem durch des Mädchens kindliche Liebe mir versüßten Kelche, den da» Leben mir zum Abschied noch gewährte."

Er sank aufstöhnend in einen Stuhl. Seine Brust athmete schwer und heftig; sein Gesicht wurde fahl. Jetzt drückte die Professorin, von Schreck ersaßt, auf die Glocke, die Thür wurde aufgerissen, Elli, von dem Diener des Präsidenten und Bertha gefolgt, stürzte her­ein. Nur auf die bleiche Gestalt des verehrten Mannes blickend und alles Andere vergessend, flog sie an feine Seite, ihm beizustehen.

Jetzt wies die Professorin sie nicht zurück, schweigend ließ sie Alles geschehen, und war mit ihr um den Leidenden bemüht. (Fortsetzung folgt.)

Professorin noch im Hut und Umhang, wie sie eben von der Promenade kam, in ihrem Rahmen erschien.

Wie angewurzelt blieb die alte Dame bei dem fich ihr bietenden Anblick stehen. Dann wandte sie sich hastig, zog eben so leise als ste gekommen war, die Thüre wieder hinter fich zu und eilte wankend vor innerer Erregung auf ihr Zimmer.

Dort sank sie in einen Stuhl und die Hände wie in Verzweiflung in einander faltend, blieb sie lange in stillem Grübeln sitzen. Da» Mädchen, das ste nach irgend einer Wirthschaftsangelegenheit fragen kam, machte fie erst darauf aufmerksam, daß fie fich noch in ihrem Straßenanzug befände.

Sind die Frau Professorin nicht recht wohl?" fragte Bertha, die sie hierher mitgenommen hatte, besorgt näher tretend. Die Professorin sammelte sich sogleich wieder. Sie ließ fich Hut uud Umhang abnehmen! dann lehnte fie sich wieder in ihren Stuhl zurück.

Wann die Frau Prvfesiorin den Thee befehlen, und ob im Speisesaal oder wieder int Keinen Früh­stückszimmer gedeckt werden solle."

Im Frühstückszimmer," entgegnete die Professorin ganz mechanisch.

Könnte sie nur fort, ihm und ihr nie mehr be­gegnen, ging es durch ihren Sinn. Aber wie sollte sie? Es war ja unmöglich.

Die Stunden schlichen ihr dahin, sie konnte gar keinen rechten Gedanken fassen; immer sah ste nur die im Kusse sich zu einander neigenden Gestalten vor sich. Nun kam das Mädchen zu melden, daß der Thee servirt sei.

Sie erhob fich und ging gerade unb aufrecht wie immer durch den Flur nach dem Zimmer hin. Einen Augenblick zögerte sie, ehe sie die Thür öffnete. Es war ihr als mahne eine Stimme ihr ab, ein­zutreten. Sie war noch so erregt. Die Hand zitterte ihr ordentlich. Aber schon stand sie mitten im Hellen Licht.

Der Präsident kam eben mit Elli aus seinem Kabinet.

Du hast doch nicht gewartet, Charlotte?" fragte er freundlich.Ich habe mich mit Elli etwas ver­tieft. Wir sahen die italienische Mappe an, Du weißt ja, wie viele Blätter darin find."

Sie haben mir gut etwas Vorreden," dachte die Professorin.Daß Robert fich nicht schämt, so zu lügen!"

Nach Elli sah fie gar nicht hiip Das Mädchen war ihr widerwärtig. Geschah nicht auch ihr, was ihrem Sohne geschah? Und konnte Ottomar schmäh­licher verrathen werde»? Sie verbiß sich ganz in ihre bösen Gedanken.

Der Prästdent und Elli unterhielten sich harmlos wie immer, als wäre nichts geschehen; das erhöhte noch ihren geheimen Groll. Man hielt ja ste gerade­zu zum Narren! Sollte sie, die Mutter Ottomar's, etwa dazu dienen, dieses schmähliche Vrrhältniß durch ihre Gegenwart zu decken? Darin sollte man sich irren!

AIS man sich vom Tische erhob, trat sie rasch entschlossen auf ihre» Bruder zu:Dars ich Dich um ein Wort unter vier Augen bitten?"

Er blickte sie höchlich erstaunt an:

Ich denke, vor Elli haben wir beide keine Geheimniffe!

Ich bitte doch nur um einige Augenblicke des Alleinseins."

Elli verließ aufs äußerste beftemdet bs8 Zimmer; war ihr doch die verstörte Miene, die die Professorin den ganzen Abend gezeigt hatte, schon völlig uner­klärlich gewesen.

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