MchM Iälmg.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.
—■*—»= -**"*•* Jllnstrirtes Sonntagsblatt. "--*** Ätbtftt»«: MarN 21. — Trlevhon 56.
*)«■! 1 ■
Jto 244
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. QuartalS-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämteru 2,26 Mk. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr: die ge- stzallene Zelle oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen. die Zell« 25 Pfg.
Marburg
Dienstag. 18. Oktober 1898.
Anzeigen nehme« entgegen: die Exveditio« dieses Blatter, die Annoncen- Bureaux von Haasenftrtn & Bögler, Frankfurt e. M., Cassel, Magd«» b»rg, Wien: Rudolf Moss«, Frankfurt a. M., Berkin, München, Köln; L. 8. Daube * Frankfurt a. M.. Berti», Hannover, Part» re.
33. Jahrg.
Erstes Blatt.
Die wirtschaftliche Stärkung der Ostmark.
Der Obeipräfident von Westprenßen, Staats» Minister Dr. v. Goßler, hält sich gegenwärtig i« der Rheinprovinz und Westfalen ans, um mit der westdeutschen Industrie und deren Vertreter» Fühlung zu gewinnen und diese für den Oste» unsers Vaterlandes zu interessieren, dessen wirthschaftliche Förderung der Staatsregierung ganz besonders am Herz liegt. Es gilt, durch westdeutsche Industrie und westdeutsches Capital im Osten unserer Monarchie ein patriotisches und nationales Werk zu fördern, die Befestigung des Deutfchthums in den deutscheu Ostmarken; denn thatsächlich ist in dem wachsenden Wohlstände der Bevölkerung deS OsteuS das stärkste Bollwerk gegen den drohenden PolonismuS gegeben.
Bei einem von hervorragenden Industriellen in Elberfeld veranstalteten Festesien ist eS nun zu einer bedeutsamen Aussprache zwischen den Führern der westdeutschen Industrie und dem westpreußischen Ober-Präsidenten v. Goßler gekommen. Im vollsten Einvernehmen und mit aller nur wünschenswertsten Klarheit wurden von beiden Seiten die leitenden Grundsätze für eine rationelle wttth- fchaftliche Stärkung der Ostmark festgestellt.
Zunächst wies Bankdireetor Jordan in einer längeren Begrüßungs-Rede auf die schwierige wirth- schaflliche Lage des Ostens hin und führte dann aus, wie Oberprästdent v. Goßler seit lange bestrebt sei, eine gedeihliche Grundlage für gewerbliche Unternehmungen im Osten zu schaffen. Diese Bestrebungen würden ‘ vom Kaiser mit regstem und persönlichem Interesse begleitet und von der Staats-Regierung thatkräftig unterstützt. Es handle sich nicht darum, solche Unternehmungen im Osten zu begründen, die dort keine Existenz-Berechtigung Härten, oder darum durch Gründung aussichtsloser Aclien-Gesellschaften das Rarional-Vermögen zu schädigen. DaS würde Rückschläge zeitigen. Der Redner wies auf verschiedene für den Osten geeignete Spezial-Industriezweige hin und sprach die Bereitwilligkeit der Industriellen des Westens aus, zur Hebung der wirthschafrlichen Verhältnisse des Ostens faizuttage», die bereits bestehenden Beziehungen zum Osten enger zu knüpfen und somit durch die That die irrige Auffassung zu widerlegen, als ob zwischen den Landsleuten diesscit und jcnscit der Elbe nicht zu überwindend- Jnterissen-Gegensätze beständen.
In einer Erwiderungs-Rede gab Ober-Präsident b. Goßler einleitend eine Uebersicht über den geschichtlichen Eatwickungsgang Westpreußens. Mit kurzen, markigen Strichen zeichnete er die unvergänglichen Verdienste der Hohenzollern-Fürsten um die Ostmark. Den Kern seiner weiteren Ausführungen bildeten alsdann zwei hochbedeutsame Gesichtspunkte. Einmal wußte er deu Staat als einen einheitlichen Organismus darzustellen, in welchem alle Glieder aufeinander angewiesen seien. Don der Nothlage des Ostens werde auch der Westen in Mitleidenschaft gezogen und umgekehrt. Zweitens aber widerlegte der Ober Präsident aufs schlagendste den Jrrthum, daß Industrie und Landwirthschaft geborene Feinde seien, infam er zeigte, wie vielmehr durch Einführung der geeigneten Industrien auch der Landwirthschaft eine angemeffene Lerwerthnng ihrer Produkte gesichert werden könne. Er schloß mit den hoffnungsvollen Worten: „Eine große Zukunft steht dem Osten bevor. Es ist eine dankbare Aufgabe, dieses Land weiter zu erschließen. Ich habe nur daS Ziel vor den Angen, der Weg ist mir gleich/ Wünschen wir, daß die Abfichten und Hoffnungen des Ober-Präsidenten von Westpreußen sich im vollsten Umfange verwirklichen.
Umschau.
Nach den übereinstimmenden Meldungen der Presse deS Orients ist eS der Wachsam ke i t der englisch- ägyptischen Polizei gelungen, einen grauenhaften Mordplan gegen unsere Kaiserlichen Majestäten anfzudecken. Am Donnerstag Abend verhaftete die Polizei in Alexandria drei Anarchisten und während der Nacht sechs weitere Personen, alle Italiener. Der erste Verhaftete ist ein Caföbesitzer in Moharrem, welcher der Polizei als Anarchist und Verbreiter anarchistischer Litteratur wohl bekannt war. In seinem Hause wurden zwei sehr gefährliche Bomben gefunden,
gefüllt mit Kugeln und stark mit Draht umwickelt, um größeren Widerstand zu sichern. Die Polizei hatte die anarchistische Clique beobachtet und mit der italienischen Polizei Verbindung gepflogen. Alle Verhafteten find ihrer Person nach bekannt außer einem, der wahrscheinlich ein neu eingetroffener Sendling ist. Dem Anschein nach beabsichtigten die Anarchisten zuerst, die Bomben im Abdinpalast in Kairo gegen den Khedive zu beuutzeu. Nach dem Verzicht des deutschen Kaisers auf den Ausflug nach Aegypten änderten sie jedoch ihren Plan. Am Donnerstag erhielt die Polizei in Allxandria ein Telegramm vom italienischen Generalkonsul in Kairo, daß zwei verdächtige Anarchisten von Kairo via Suez nach Port Said abgereist seien. Denselben Abend verhaftete die Polizei den erwähnten Cafötier, nachdem sie entdeckt hatte, daß er den Steward eines am Freitag von Alexandria nach Port Said und Syrien gehenden Schiffes bestochen hatte, eine Kiste mit Bomben an Bord zu nehmen. Die beiden Männer aus Kairo sind noch nicht verhaftet, aber das Attentat ist vereitelt. Das deutsche Generalkonsulat in Kairo hat feine g'ößte Befriedigung und aufrichtigen Dank für das erzielte Resultat ausgesprochen; das Verdienst hieran gebührt dem Chef der Alexandriner Polizei, Harington Bry. Bei den Verhafteten wurden Schriftstücke vorgefunden, aus denen der Plan, ein Attentat auf den Deutsche« Kaiser auszuführen, ersichtlich ist/ Soweit die über London hierher gelangte Meldung aus Alexandria. Da man der englischen Presse lassen muß, daß sie in Aegypten über ausgezeichnete und wohlunterrichtete Correspondenten verfügt, liegt einstweilen gar Jein Anlaß vor, an der Richtigkeit der obigen Erzählung zu zweifeln, abgesehen davon, daß die Angaben an sich einen durchaus glaubwürdigen Eindruck machen. Der „Standard- beglückwünscht den Kaiser herzlich zur Vereitelung des Attentats und fährt dann fort: „Die Theiluahme, womit ganz Europa feiner Reise folge, werde durch die Pläne der Anarchisten erhöht werden. Strenge Vorsichtsmaßregeln würden erforderlich sein, um seine Sicherheit zu erwirken; doch würden sich die Anarchisten irren, wenn sie glaubten, der Kaiser, welcher den hohen Muth der Hohenzollern besitze, werde sich von der Ausführung der Reife abjchrecken lassen. Der Attentatversuch werde nur dieMächte zu gemeinschaftlicher Aktion behufs Ausrottung der pestartigen Sekte antreibeu. Die Con- ferenz gegen die Anarchisten werde jetzt einen Grund mehr für ihre Verhandlungen haben/ „Daily News* sagt, ein gräßliches Verbrechen fei verhindert und Aegypten einer ernsten politischen Gefahr entgangen.
Auch in Berlins Unioersttäts - Aula fand in diesen Tagen, nämlich am 15. b. M. der Rektoratswechsel statt. Der scheidende Rektor Professor Dr. Gustav Schmoller erweiterte den üblichen statistischen Bericht durch einige demerketiswerthe Auslassungen. Das Frauen- st u d i u m betreffend, hält er die jetzige Handhabung der Zulassung zwar für vorläufig ausreichend, aber auf die Dauer nicht haltbar. Vielmehr fei es noth- weudig, eine allgemeine feste Ordnung der Vorbildung für die studirenden Frauen festznsetzen, die Zugelassenen aber bann auch als vollberechtigt an» juerfennen. Sodann gab der scheibenbe Rektor noch einigen Gebanken über bte Mängel bei Uni- versitätsverfassuug Ausdruck: Die preußischen unb deutschen Universitäten haben eine aus dem Mittelalter stammende Aemterverfassung, die für heute nicht mehr paßt. Der einjährige Rektorats- und Dekanatswechsel, die Erneuerung fast sämmt- licher Senatsmitglieder in jedem Jahre macht die Behörden der Universität unselbständig und bringt sie in eine immer größere Abhängigkeit von der Staatsregierung, wodurch die Ausführung der Verwaltungsmaßnahmen sehr erschwert wird. Der einjährige Turnus drückt Rektor und und Senat zu RepräsentatiouSbehörden herab; denn kaum haben sich die Träger deS Amtes halbwegs orientirt und handlungsfähig gemacht, so müssen sie das Amt wieder abgeben. Ein dreijähriges Rektorat, zweijährige Dekanate mit jährlich halbem Wechsel würde die Universitätsbehörden selbstständiger, handlungsfähiger und tüchtiger machen, ähnlich wie in den Kommunen. Nach der Uebergabe des Rektorats hielt Professor Dr. Waldeyer seine Antrittsrede |übcr die Stellung unserer Universitäten und über neue Aufgaben derselben feit Gründung des Deutschen Reiches.
Der französische Ministerrath beschäftigte sich mit der Angelegenheit des Obersten Piequart, der noch immer in enger Haft gehalten wird und der de» Kom p et enzkonslikt zwischen der Civil- und Militärjustiz erhoben hat. Es existirt keine Gesetzesstelle und kein Präcedenz für diesen Fall. Der Jnstizminister Sarrien und der Unter» ftaatSfetretär im Ministerium des Innern Vallö werden unter Zuziehung von Directore» im Justizministerium die Angelegenheit weiter prüfen. Miulster- Präsident Brisson tbeilte auch den Ministern mit, der Streik der Erdarbeiter könne als beendet bewachtet werden, auch auf den meisten Bauplätzen sei die Arbeit wieder aufgenommen. Ferner kündigte Brisson an, die Versuche, einen allgemeinen Ausstand der Eisenarbeiter herbeizuführe», seien gescheitert. An dem m i l i t ä r i s ch e n K o m p l o 11 sind, wie „Aurore* berichtet, fünf Generale beteiligt. Die Hauptfaktoren der Organisation sollen die Patrioten und die Antisemiten Liga sein. Wenn die Regierung eS nicht wagen sollte, gegen die Verschwörer gerichtlich vorzugehen, dann würde» die Zeugen hervortreten, welche beweisen könnten, daß daS Komplott wirklich bestanden hat. Der „Temps* veröffentlicht hingegen die Garnisonbefehle, welche General Zur lind en am 16. Januar bei der U-bernahme des Militärgouvernements und am 8. October gelegentlich der durch die AusstandSbeweguug veranlaßten Maßnahmen erlassen hat. Zmlinden erklärt im elften Befehl, er kenne die ernsten Pflichten, welche ihm sein Amt gegen Paris, gegen die Armee und die Republik auferlege, er werde den Traditionen der Loyalität und Ehre seines Vorgängers Sausfier treu bleiben. In dem zweite» Befehl, welcher vorher dem Ministerpräsidenten Brisson unterbreitet worden, spricht der Militärgouverneur die Hoffnung aus, daß die Soldaten mit Ruhe, Festigkeit und Loyalität ihre Aufgabe erfüllen werden, welche darin bestehe, den Gesetzen und Entscheidungen der Regierung der s Republik die Achtung zu sichern. Das Blatt fügt hinzu, es habe kein präzises Faktum vorgebracht \ werden können, welches glauben machen könnte, Zur- ; linden habe seine Handlungen nicht immer mit seinen ‘ Worte» in Einklang gebracht. Dem „Temps* zufolge soll der Korrespondent des Mailänder „Corricre ! della Sera", Marini, ausgewiestn sein, weil er die * falsche Nachricht von der Verhaftung zweier Generale telegraphirt hat.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. October. Nach den neueren Dispositionen werden den deutschen Majestäten von Konstantinopel aus der Yacht „Jzzedin* der Justizminister Abdurrahman Pascha, der Präsident deS Staatsraths. Said Pascha, der Chef der Militärkanzlei, Marschall Schakir Pascha, der Infanterie- Instruktor, Marschall Kamphövener Pascha, die Divistonsgenerale Ahmed Ali Pascha und Hafir Pascha, der Unterstaatssekretär Selme Melhame Effendi unb andere Würdenträger nach den Dardanellen entgegenfahren. Müder „Loreley* fahren der deutsche Botschafter Marschall von Bibersteiu, der Dragoman Eckardt und Hauptmann Morgen dem Kaiserpaare entgegen. Nach de» Inseln Mysilene und TenedoS find zwei Kriegsschiffe beordert worden, die bei der Vorbeifahrt des deutschen Kaiserpaares Salutschüsse abgeben solle». Ferner werden auf dem Wege nach Palästina vor Rhodes, Beirut, Haifa und Jaffa Kriegsschiffe zur Salutabgabe stationirt. An dem Galadiner im Mdiz-Palais am 21. d. M. werden die Chefs der sämmtlichen diplomatischen Missionen theilnehmen; zu der Truppenrevue unb der sich anschließenden Frühstückstafil werden nur die Militärattaches eingeladen.
— Im Auftrage des Kaisers Wilhelm legte, wie seinerzeit berichtet, der kommandirende General v. Liegnitz bei Enthüllung des russischen Kriegerdenkmals einen kostbaren Kranz mit Schleife, welche die Kaiserlichen Jnüialen trug, nieber. Der Kranz ist nunmehr, wie ber Graudenzer „Gesellige* berichtet, auf ausbrücklicheu Befehl bes Zaren nach Petersburg gefaubt worben.
— Der Kaiser von Rußlanb, ber am 20. October in Livadia einzutreffen geben», wirb fernen Weg dorthin von Kopenhagen über Berlin unb Warschau nehmen. Am Montag verläßt ber Zar Kopenhagen.
— Staatssekretär v. Pobbielski hat persönlich, wie ein Berichterstatter melbet, mit den Lettern verschiedener Privatposten verhanbelt unbjebe nur benkbare Berücksichtigung ber Beamten dieser Anstalten zugesichett.
— Bei ber gestrigen Einweihung bes neuen Künstlerhauses in ber Bellevuestraße beglückwünschte als Vertteter ber Regierung Unterstaatssekretär v. Weyrauch den Verein Berliner Künstler zur Begrünbrng seines eigenen Heims und sagte, daß ber König zum Beweis des Wohlwollens, daS er dem Verein entgegenträgt, dem Vereinsvorfitzenden Professor Körner und dem Erbauer des neuen HanseS, Profeffor H o f f a d e t, den Kronenorden dritter Klasse verliehe» habe. Im Anschluß an diese Ankündigung überbrachte Unterstaatssekretär v. Weyrauch dem Verein die Glückwünsche des Kultusministers Bosse.
— In Köln wurde gestern in einer Versammlung von Vertretern wnthschastlicher Körperschaften Rheinlands und Westfalens, sowie des Vereins der Industriellen angesichts des Ueberhandnehmes öffentlicher Lnst - barkeiten ein Beschlußantrag angenommen, nach welchem die Zusammenlegung möglichst vieler Kirchweihfeiern auf einen Zeitpunkt, mindestens aber in möglichst großen Bezirken für unumgänglich uothwendig erachtet wird, um den Industriebetrieb vor empfindlichen Störungen und die Arbeitswilligen vor unfreiwilligen Feiern zu schützen und um vergnügungssüchtigen Arbeitern die Gelegenheit zu Vergnügungen zu beschränken. Es wurde beschlossen, die zuständigen Behörden und erforderlichen Falles die gesetzgebenden Körperschaften zu ersuchen, dem Fest- Unwesen nachdrücklich entgegenzutteten. Von den in der Versammlung verttetenen dreißig Handelskammern stimmten 28 für den Beschlußantrag, während 2 sich der Stimmabgabe enthielten.
— Au8 Zante wird von gestern gemeldet: Wege» starken Sciroccos ankert S. M. Y. „Hohenzollern* für einige Stunden bei Zante. An Bord alles wohl.
— Laut telegraphischer Meldungen an das Ober- Kommando der Marine ist S. M. S. „Geier*, Commandant: Sorbetten - Capitän Jacobsen, am 14. October in New Orlem.s, S. M. S. .He la*, Commandant: Corvetten Capitän Sommerwerck, am 14. October in Brindisi, S. M. S. „Stosch*, Commandant: Corvetten Capitän mit Oberst-Lieute- nantsrang Ehrlich, am 13. October in Las Palmas angekommen; S. M. S. „H e l a* ist am 14. October nach Constantinopel »begangen unb S. M. S. „Stosch* will am 3. November die Reise nach Porto Grande fortsetzen; S. M. S. „Loreley*, Commandant: Corvetten Capitän von Witzlebe», ist heute von Constantinopel nach den Dardanellen und S. M. S. „K a i f e r i« Augusta*, Commandant: Capitän zur See Köllner, am 13. October von Tientsin nach Kiantschou abgegangen.
Ausland.
Dänemark.
Röskilde, 16. Oct. Die Königliche Familie und ihre Gäste ttafen msttels Sonder- zugcS gestern kurz vor 2 Uhr hier ein und begaben sich alsbald nach dem Dom, wo sich bereits eine zahlreiche Trauerversammluug eingefunden hatte. Die Damen nahmen ihre Plätze ein, die Herren traten zum Sarge, und es begann nun, dem Ceremoniell gemäß, die Processton. Unmittelbar hinter dem earge schritten König Christian und König Georg von Griechenland; eS folgten sodann, särnmtlich paarweise, der Kronprinz und Prinz Waldemar von Dänemark, Kaiser Nikolaus und König Oskar, der Kronprinz von Griechenland und der Herzog von Cumberland, der Herzog von Jork unb ber Herzog von Cambridge, Erzherzog Ludwig Victor und Prinz Friedrich Leopold von Preußen, ferner Admiral Gervais als Vertteter deS Prästdenten Faure unb die übrigen Herschaften. König Christian, welcher tief gebeugt erschien, grüßte alle zur Prozession Herantretenden. Nach einem von Studenten ausgeführten Gesänge sprach der Kgl. KonfesfionariuS Paulli, einem Wunsche ber verewigten Königin gemäß, ein knrzeS Gebet, in welchem er bem dänischen Volke, bem König unb ber königlichen Familie für die in guten unb bösxn Tagen ber Königin erwiesene Treue unb Liebe bankte. Hierauf würbe ber ©arg unter ben Klängen eines Trauermarsches zur Kapelle Friebrichs V. getragen, gefolgt von ber ganzen königlichen Familie, ben fürstlichen Gästen, sämmtlichen dänischen Minister» und dem ftüheren Minister- prästdenten Esttup. Nach der Beisetzung verweilten die Fürstlichkichketten noch kurze Zeit in der Kapelle. Sodann begaben sie sich mittels SonderzugeS nach dem Schlosse Bernstdors.