Einzelbild herunterladen
 

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

DMF»OMntW: A»h. lug. koch, lükwnfitätr-Buchdruckntt ta Marburg. Vrowttwottkich für Mt »tWfttoe: Rtbeßtut R. Hart«««» t» Marburg.

Mar« 81. - Ltttphon 55. VVmilUyPVIUlh Ätbdttt*: Ward 21. - Telephon 55.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. "eMT/ltf Ri "tTVY Anzeigen nehm« entgegen: die Expedttian dieser Blatter, die Slnnoncen-

M2k 6)4 A Quattalr-BbonnementS-Preir bei der Expedition 2 ML, bei allenVX4-V y Bureaux von Haasenßein L Bögler, Frankfutt a. R., Eafiel, Magd«» nn CY/tfiv*rt

JtSL ötV Postänttern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge- trsAAWri.Ä- 1 o iono Wien: Rudolf Moffe, Frankfurt a. M., Berlin. München, Köln; OO. njuyig

(«alten« Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen. die Zeil« 25 Pfg. 4^ÜttttCr|IQQ, lo. sJltDDCr 18"8. < X. Daube & Lo^ Frankfutt «. M., Berkin, Hannover, Pottöre.

Deutscher Frauentag.

Ja die Verhandlungen des socialdemokratischen Parteitages spielte auch ein Stück Frauenftage hinein. Zwei Vertreterinnen deS ,schwächer«" Geschlechts, Frau Clara Zetkin und Fräulein Rosa Luxemburg, wußten dort daS allgemeine Interesse auf sich zu lenken. Beide verkörpern in sich nach verschiedene» Richtungen hi» daS Gegenbild der deutschen Frau, Rosa Luxemburg als buchgelehrter Blaustrumpf und klar« Zetkin als eine jener keifende» Frauengestalte», wie sie uns die Zeiten revolutionärer Verwirrung, beispielsweise die Epoche der Pariser Kommune, in typischer Ausbildung zu zeigen pflege». Das zornige Gezeter der letzter» erregte selbst einem Auer Be­denken an der Richtigkeit der Frauen-Emanzipation, und angstersüllt rief er aus:Wie soll es erst einmal werde», wenn daS unterdrückte Geschlecht gleichberechtigt ist!"

Die weibliche» Wortführer der Socialdemokratie aber find dies nicht immer gewesen, ihre Entwickelung erscheint vielmehr in den meiste» Fällen als allmähliche md stufen mäßige. Wie für den Mann der politische Freifinn, so ist für die Frau zumeist daS Fraueu- «reins-Wesen oder, deutlicher gesagt, das Fraueurechtler- rhum, die Vorfrucht der Socialdemokratie. Es ist eben deßhalb eine dringende Aufgabe des Politikers, nicht achtlos an der bürgerlichen Frauenbewegung vorüberzugehen.

Gleichzeitig mit dem socialistischeu Parteitage in Stuttgart tagten in Hamburg die Frauenvereine. Ueber den Charakter, der den Hamburger Berathungen ausgeprägt ist, äußert sich selbst ein der Frauen­bewegung durchaus wohlwollend gegenüberstehendes Blatt dahin, daß sich leider in dieser Bewegung die radikale Richtung immer mehr Geltung verschaffe. Auch wir müssen diesen Eindruck zn unserm Bedauern bcstättgen. In den Hamburger Berathungen findet sich ueben einzelnen Weizevkörnern viel, recht viel Spreu.

Kein einsichtiger Politiker wird sich gegen die Forderungen der Frauen nach erweiterter Berufs- thättgkeit und erhöhter Selbständigkeit auf wirth- schaftlichem Gebiete unbedingt ablehnend verhalten. Hier vermag nur eingehende Kritik von Fall zu Fall das Richtige zu lehre». Ebenso wenig wird sich gegen die Mitwirkung der Frauen an den Aufgaben freier Lieber thätigkeit etwas ein wenden lassen. Im Gegentheil sind Beschlüsse wie derjenige deS Hamburger Frauentages, welcher die Bestrebungen zur Ver­besserung der Pflege «nd Erziehung der verwahrlosten Jugend und aller außerehelichen Kost- und Zieh­kinder zur Bundessache macht, allseitig mit Freude» zu begrüßen.

Unbedingt vernrtheilt werden muß dagegen das Hinübergreife» der Frauen auf das Gebiet der Staats-Verwaltung und Gesetzgebung. ES beruht auf einer Verkennung der natürlichen Schranken, wenn sich die Frau unterfange» will, daß Roß der hohen Polittk zu tummel». Leider aber wächst die Neigung hierzu immer stärker an, je mehr in dem

(Nachdruck verboten.)

KerrbstbLütHe.

Roman von Clarissa Lohde.

(Forttetzuug.)

Sie antwortete nicht; aber überzeugt hatte fieber Gatte keinesweg.

Auch jetzt durchzogen die Gedanke» der Profeffori» allerhand Zweifel und Befürchtungen. Sie hörte gar nicht, was ihr Bruder las. Es Ware» einige der lyrischen Gedichte Goethes, «n deren Musik der Sprache der Präsident sich immer von neuem ergötzte. Und et las sie schön vor, mit so weicher Stimme, so einfachem und innigem Ausdruck. Ebe» war der Vortrag der Gedichtes:Au den Moud."

Ich besaß e8 doch einmal,

Was so köstlich ist, Daß man es zu seiner Qual Nimmer doch vergißt.

Wohl dem, der sich ohne Groll.

Lor der Welt verschließt,

Einen Freund am Busen hält, Und mit dem genießt.

Unwillkürlich richtete sich sein Blick, als er geendet, hatte, nach Elli hin. Auch sie hob die Augen von ihrer Staffelei. So bewegt war sie durch den Aus­druck, mit dem er gelesen hatte. Wußte sie doch, was er dabei empfand. Auch er hatte ja beseffe», was f» köstlich ist, auch er konnte es zu seiner Qual xie vergesse». Einen Moment ruhten ihre Blicke i» einander; die ihrigen mit dem Ausdruck sanften Trostes,

Frauenbünde die mit dem Doctor-Tüel geschmückte», echt blaustiümpfigen Elemente die Oberhand gewinnen. Ein Reihe beklagenswerther Anttäge des Frauentages spricht hierfür. Es kann nur als Ausfluß falscher Emanzipationssucht und zugleich radikalpolitischer Thorheit bezeichnet werden, wenn die Frauen in Hamburg die Theflnahme ihres Geschlechts an kommu­nalen Schul- und Armen-Angelegenheiten für unbedingt nothwevdig erklärte», wenn sie für volle Vereins- und Versammlungs-Freiheit ein traten und wenn sie schließlich die Friedens-Bestrebungen in das Programm des Bundes aufnahme».

Um aber mit einem leichten Bilde zu schließen, sei auf die markigen und muthigen Worte hingewiesen, mit denen eine Berliner Volksschulehrerin sich gegen den letztgenannten Beschluß wandte. Sie erklärte es als eine hohe Ehre für die Frauen, daß sie im Jahre 1813 mit Begeisterung Hab und Gut geopfert hätten. DaS ist der Standpunkt der echten deutschen Frau; wollte Gott, daß er unserm Volke für alle Zukunft erhalten bliebe.

Umschau.

Bei den Erörterungen über den bekannten E r - laß deS Ministers des Innern wegen des Waffengebrauchs der Polizeibeamten hat die Frage, weßhalb der Erlaß als vertrau­licher ergangen und nicht sofort veröffentlicht worden fei, eine große Rolle gespielt. Auch von denjenigen Stell'.«, welche sich mit dem Inhalte deS Erlasses durchaus einverstanden erklärt haben, ist der Vor­wurf erhoben worden, daß der Erlaß nicht hätte ge­heim gehalten werden sollen. Wir können Freund und Feind des ErlaffeS über diesen Punkt beruhigen. Der Erlaß ist, wie wir in Bestätigung der bereits an anderer Stelle gebrachten Nachricht versichern können, von der Centralinstanz aus nicht als vertraulich bezeichnet worden, sodaß der Abdruck des Erlasses imVorwärts" in diesem Puntte unrichtig gewesen ist. Zu diesem Erlaß flunkert die demokratische Presse soviel, als sie dazu Artikel schreibt. DaS Rickertsche Skandalblättchen z. B. sagt:

Die Kluft zwischen Beamtenthum und Bürgerthum ist immer größer geworden. Soll das so weiter gehen? Ist doch soeben den Polizisten und Gensdarmeu von dem Polizeiminister v d. Recke besohlen worden, auf eine Menschenmenge, die nach dreimaliger Auf­forderung nicht auseinandeigeht, gleich loszuschießen und loszuschlagen."

Das ist unwahr. Der vomVorwärts" widerrechtlich veröffentlichte Erlaß erinnert nur an längst bestehende Vorschriften. Was aber die an­geblicheKluft zwischen Beamtenthum und Bürger­thum" betrifft, so ist allerdings die Rickertsche Partei in allen ihren Nüauce« und Verkleidungen auf daS heißeste bemüht, sie zu schaffen und dort, wo sie es zuwege gebracht hat, sie zu verbreitern und zu ver­tiefen. Daß sie sich dadurch als beste Vorfrucht der Sozialdemokratte erweist, haben die letzten Reichstags­wahlen gezeigt, als eine solche Vorfrucht zeigt sie sich

die feinigen mit dem innigen Dankes, als wolle er sagen, Du bist mir ja der Freund geworden, mit dem ich, obwohl ich alles verloren habe, doch noch zu genießen vermag.

Die Profefforiu hate das Alles beobachtet. Was gelesen worden, war ihr gleichgilttg. Sie hatte den Blick gesehen und darin zu erkennen vermeint, was doch keiner in ihn gelegt hatte: Liebe, wachsende Leidenschaft. Es duldete sie nicht mehr auf dem Platze. Sie legte ihre Handarbeit zusammen und stand auf.

Willst Du schon hineingehen?" fragte der Prä- stdent erstaunt.Ich dachte eben daran, Euch eine Botsahrt vorzuschlagen. Drüben in Bellaggio soll heute eine gute banda italienischer Sänger «»gemeldet sein. Elli hört sie ja so gern."

Nun, dann fahre mit Elli hin," entgegnete die Profeffori», gewaltsam den auffteigenben Groll nieder­schluckend, m» ihre innigste» Gefühle nicht z» ver- rathe».Du weißt, ich liebe das Wasserfahren nicht und habe in ben letzen Tagen ganz genug baran gehabt."

So sehr sie sich auch zusammeunahm, klang doch etwas Unfreundliches heraus, daS ihren Bruder ver­letzte. Elli senkte de» Kopf; sie that, wie stets bei de» von Tag zu Tag sich mehrenden Uueinigkette» zwischen den Geschwistern, als höre sie nicht. Im Herzen aber grollte sie mit der Profeffori«: Warum vergällte sie dem gütigen, allzu gütigen Manne, der

aber auch wieder in den oben cstierten Aussprüchen. Weiter sagt daS Reichsblatt in seiner letzten Nummer: Wir haben soeben erst wieder ein Kais erwart vernommen, daS hinterher von den Konservativen bemängelt und bemäkelt wurde, da« Kaiserwort nämlich, daß Deutschland« Zukunft auf dem Wasser liegt."

DaS ist selbstverständlich unwahr. Die Konservattvenbemängeln und bemäkeln" Kaiserworte nicht. Das ist eine demokratische Gepflogenheit, die wir nachzumachen nicht beabsichtigen.

DemBerliner Tagebl." wurde kürzlich aus dem Bochumer Kreise das Folgende berichtet:

Mord und Todtschlag nehmen in unserem Judusttte- bezirke rachgerade überhand; keine Woche vergeht wo nicht irgend eine grausige Mordthat die Ge- müther erregt. In diesen Tagen wurde erst wieder der Bergmann Walter durch drei polnische Bergleute in beüialis cher Weise hingemordet. Anfang« nahm man als Grund der »he» That Eifersucht an, jetzt hat aber d r Thäter Janowski gestanden, daß er die That au« reiner Mordlust vollführte. Wie ruchlos die That verübt wurde, möge daraus erhellen, daß Janowski, als sein Opfer stöhnend am Boden lag, ihm noch mit Kaltblüttgkeit die zweite Kvgel durch den Kopf jagte, um ihm vollends den Garaus zu machen."

Diese Bestie in Menschengestalt wird nun auf Staatskosten gut verpflegt und hat das Anrecht auf anständige Behandlung. Wenn einem solche« Rohheits­verbrecher täglich statt deS warme« Früstücks eine gehörige Tracht Hiebe »erabftlgt würde und wenn man ihm ben Brotkorb so hoch wie möglich hinge, würde sich manch ähnlicher Geselle hüte», anS reiner Lust" zu morden. DaSBerliner Tageblatt" würde hoffentlich gegen derartige Maßregeln nichts einzuwenden habe«. Aehnlich berichtet die dem Mossesche» Organ gesinnnngSverwandteDanziger Zeitung":

In der letzten Zeit haben fich die RohheitSverbrech n in unserer Stadt (Danzig) in einer Weise vermehrt, daß die Messerstechereien beinahe den Character einer Epidemie angenommen haben, und kaum ein Tagvergeht, an dem nicht eine oder mehrere Messer­stechereien zur Kenntniß der Behörden gelangen. Jeder einsichtige Mensch wird fich sagen: so kann es nicht weiter gehen, auf diesem G biete muß etwas gelhan werden, um der Zunahme der Rohheitsveibrechen zu steuern. Man hat zwar aus der Statistik beweisen wollen, daß die Bestrafungen wegen Körperverletzungen int Rückgang be­griffen sind, doch scheint diese Statistik nicht den richti.en Maßstab für die B-nrtheilung dieser Frage anzugeberi. Man müßte vielmehr bestimmte eng umgrenzte Bezirke zur Untersuchung heranzieheu und die Robbeitsverbrechen nicht allein ihrer Zahl, sondern auch ihrer Schwere nach in Be­tracht ziehen; dann würde man sicher st. den, daß in man chen Gegenden Deutschlands die Roh­heitsdelikte in der Zunahme begriffen sind, und wir muffen leider glauben, daß auch Danzig und seine Uwgebnn, zu diesen Gegenden gehört."

Ob daS Organ des Herr« Rickert der Meinung ist, eine solche Statistik würde die von ihm geforderte That" bedeute«, wissen wir nicht; es wäre aber ganz gut, wenn dieDanziger Zeitung" fich darüber genauer auSsprechen möchte. Jedenfalls muß man doch endlich auch i« freisinnigen Kreisen ju bet Ueber» zeugung gelangen, baß unsere heutige Strafgesetzgebung ben Rohheitsverbrechen gegenüber nicht ausreicht. Rohe Menschen ober fühlen sich in unserenhumanen"

doch auch für sie nur Liebe und Rücksicht zeigte, so die Freude?

Die Professorin war, ohne daß man versucht hätte, sie zurückzuhalten, ins HanS gegangen. Der Präsident trat auf Elli zu: eine kleine Wolke lag ans seiner Sttrn.

Fährst D» gern mit mir, Elli, auch allein?" fügte er zögernd hinzu.

Welche Frage, lieber Onkel" sie nannte ihn jetzt auf seinen WunschOnkel," entgegnete sie freudig.Ich nehme mit Dank an. ES ist ja so köstliches Wetter, und Abends bei Mondschein italienische Musik zu höre« Du weißt, das ist meine ganze Schwärmerei."

Er nickte. Im Innern dachte er an sein früheres Vorhaben, mit Elli und seiner Schwester nach Venedig und Florenz zu reifen. Aber nach dem letzten Ver­halten der Professorin auf dem letzten Ausflug nach den beide« See«, gab er e8 auf. Sie würde ihuen alle Freude durch ihre üble Sanne verderben. Hier war er doch noch freier.

A» einer in den See hinausgebauten Treppe schaukelte eine hübsche Barke mit roth gestreiftem Sonnendach und wehende« Fähnchen am Bugsprit. Der Präsident befahl dem «uf feinen Wink herbei« eilende« Barkarole, alles zur Fahrt zu richten. Elli packte jetzt auch ihre Farbe« zusammen und stellte die Staffelei mit de« angefangenen Bilde, vorsichtig ein Tuch darüber deckend, in den an die Terrasse stoßen­den, ohne Luxus, aber behaglich eingerichteten Salon.

Gefängniffen viel zu wohl, als daß eine Steigerung der Freiheitsstrafe in Betracht kommen könnte. Hier kann nur Prügelstrafe Helsen. Solche Bursche», die fich besttalisch aufführen, gehören an den Pranger.

I» der toürttem&ergifdjen Industriestadt Göp­pingen hatten am Abend der Reichstagswahl, am 24. Juni, ebenfalls böse Crawalle staü- gefunden, deren befürchteten Eindruck auf die öffent­liche Meinung die Socialdemokraten dadurch zu ver­nichten suchten, daß fie die Sache als ben Streich unreifer Burschen hinstellten, der nicht viel auf sich habe. Die G er i cht sv erha « d l n n g e« in Ulm habe« jedoch Folgendes ergeben. Erstens: Die nationale Wähler habe» nicht den mindesten Anlaß zu einem Anftuhr gegeben; fie waren ruhig im GasthofZu den Apostel»" versammelt, um die Ergebnisse eutgegenzunehmen. Zweitens: die Nach­richt von de« nationalen Sieg genügte, nm eine Menge von einigen hundert Menschen gegen den genannten Gasthof in Maisch zu setze», wobei es zn einem Steinhagel gegen ben Saal kam und die Drohung fiel, man solle den Saal absperren und banndie Bude anzünben". Drittens: allen Mah­nungen bes (notabene demokratischen) Stadtschult­heißen Attinger, der auf Grund des Gesetzes die Menge aufforberte, auseinanderzugehen, wurde mit Hohn und massiven Rohheiten geantwortet, die man anständigerweise besser nicht wiederholt. Viertens: erst vor dem Aufgebot von 2030 Landjäger» wichen die Aufrührer endlich zurück. Fünftens: die Rädels­führer bei diesem Gebühren waren stadtkundige Agitatoren und Schreier der Social­demokratie und, was besonders betrübend ist, deren Frauen. Soweit besonnenere Elemente der genannten Partei etwa abmahnten, haben fie einfach nichts ausgerichtet. Und dabei spricht man davon, daß der Volk-Wille stets oberstes Gesetz sei! Ja, wenn er den Sozialdemokraten günstig ist; ent­scheidet er sich aber für die bürgerlichen Parteien, so tritt man ihn mit Füßen. Das ist die Haupt­lehre der Göppiuger Vorgänge, welche recht klar herauszustellen Recht und Pflicht der bürgerlichen Presse ist.

Wie dieKöln. Ztg." meldet, wird der Ge­sandte am Vatieau, Herr v. Bülow, schon in den nächsten Tagen fein Abschiedsgesuch ein­reichen. Selbst dieGermania" verttitt Angesichts der Abberufung deS Henn v. Bülow mit würdiger Entschiedenheit den deutschen Standpunkt und wendet sich mit kräftigen Worten gegen die französische» Politiker im Vatikan. Das leitende Centrumsblatt schreibt in einem Artikel:Herr v. Bülow wird nicht wieder als Gesandter beim Vatican nach Rom gehen. ES ist dies, wie wir anzunehmen Grund haben, nur eine Personenfrage, allerdings mit einem politischen Hintergründe. Wir vermuthen, daß daS Auswärtige Amt damit nicht so sehr dem heiligen Vater als dem Cardinal - Staatssekretär R a m p o l l a seine Miß­stimmung über die Protettionsftage hat kundgeben wollen, damit aber zugleich betonte, daß Deutschland,

Dann eilte sie auf ihr Zimmer und setzte ei« einfache?, mit einem breiten Band verziertes Hütchen auf. Aber es stand ihr gut, und als fie sich in dem Spiegel sah, mußte fie ihr Bild unwillkürlich an» lächeln:

Wie Ottomar fich freuen wird, wenn er mich sv wieder steht, mit so blühenden Farbe«. Wie anders war es, als er fortging, wie dunkel lag die Zukunft noch vor mir, und wie ist Alles so anders gekommen. Gott sei gepriesen, der deS Onkels Herz mir zugewandt hat, seines Onkels, der jetzt auch der meinige geworden ist, den ich lieben darf v»n ganzer Seele, wie er ihn liebt."

Wie eS ihre Sewohnhett war, »ahm fie des Geliebte« Photographie, die in hübschem, von ihr ge­schmücktem Rahmen mit zierlichem Ornament auf ihrem Schreibtisch stand und vertiefte fich in den Anblick der lieben Züge. Dan» nickte sie ihm leise zu, wie zum Abschied und flog die Treppe hinunter.

Der Präsident in Hellem, leichtem Rock, einen breiten Strohhnt «uf dem Kopfe, harrte ihrer sch»» an der Barke, deren Sitze mit purpurnen Kissen be­deckt, zum Einsteigen einluden. Der Barkarole in beller Matrosen tracht, den breitrandigen, mit farbigem Band verzierten Strohhut auf dem Kopfe, stand schon bereit, ihr hineinzuhelfen. Der Präsident ließ das Sonnendach niederschlagen, bann setzte er sich an ihre Seite und leise glitt die Barke über die blauschirnrnernde Fluth.

(Fortsetzung folgt.)