MchiW Leitung.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllustrirtes Sonntagsblatt. " ”,,hw
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JE 234
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. OuartalS-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnserlionsgebühr: die gesparten» Zell« oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeil« 25 Pfg.
Warburg
Donnerstag, 6. Oktober 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Exvedition diese» Blatte», die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Bögler, Frankfurt a. M., Caffcl, Magdeburg, Wien; Rudolf Mosse, Frankhirt a. M., Berlin, München, Köln; t. L. Daube & Lo., Frankfurt a. M.. Berkin, Hannover, PariS x.
33. Jahrg.
Bestellungen
für das vierte Quartal 1898 auf die
Werhet's.
nebst deren Gratisbeilagen
„Kreisblatt" für die Kreise Marburg uni Kirchhain, „Illustriertes Sonntag- blatt" und „Verloosungsliste der Kgl. preußischen Klassenlotterie" werden von allen Poftanstalten, Landbriefträgern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Neustadt und Wetter entgegengenommen.
Jnteressenstreit zwischen Müllern und Mehlfabrikanten.
liebet dieses Thema schreibt der bekannte Müllerei- Sachverständige, Theod. Fritsch, in seiner vortrefflichen Fachzeitschrift „Deutscher Müller' von verschiedenen Gesichts punkten auS. Zunächst fordert der unermüdliche Vorkämpfer für die Jutereffen der Klein- wüller noch einmal dringend eine Erhöhung der Mehl- ftachten, damit die großen Mehlfabriken an den Meereslüften und Wasserstraßen nicht mehr ihr ausschließlich aus ausländischem Korn hergestelltes Er- zeugniß zu so billigen Schleuderpreisen über das ganze Binnenland versenden können. Durch diesen billrge» Mehloersand und die überall auftauchenden Niederlagen weit entfernter Mehlfabriken werden die angesessenen kleinen und mittleren Mühlenb. sitzet genau ebenso in ihrer Existenz bedroht, wie die Kleingewerbetreibenden in andern Brauchen durch die Konkurrenz der Riesenwaarenhäuser und Versandtgeschäfte. Die gleichzeitige Schädigung bet deutschen Landwirthe liegt ohne Weiteres klar auf der Hand, ebenso die Ungerechtigkeit, welche darin zum Ausdruck kommt, daß ein veredeltes Produkt, — Mehl — zu denselben Frachtsätzen befördert wird, wie sein Rohprodukt. Der Mehlfabrikant in der Hafenstadt kann, nuterstützt durch Zollkredste, versteckte Prämien und diese billigen Frachttaten, das Mehl aus fremdem Korn selbst auf den Märtten der Provinzen billiger anbieten, alS eS die dortigen Müller aus einheimischem Gewächs Herstellen können. Bei angemessener Erhöhung bet Fracht und Beseitigung der andern Vergünstigungen würde diese Konkurrenz wegfallen ober doch stark beschränkt werden, wodurch Müllern und Landwirthen selbst in diesen Gegenden ein größerer
Nutzen erwachsen dürste, wie aus einer kleinen Herabsetzung der Getreidefrachter:, durch die sich wieder die Landwiithe anderer Landestheile bedroht fühlen.
Dieselbe Jntereffengemeivschaft besteht gegenüber den „Liebesgaben', welche allein die großen Mehl- fahnten in Gestalt von Zollcrediten und unrichtig demeffenen Zollvergütungen genießen. Mit welcher Dreistigkeit die Mehlexporteure den Umstand auszu- beuten wissen, daß sie für minderwerthige Futtermehle die gleiche Zollrückvergütung genießen, wie für bestes Mehl, welches wirklich nach dem festgesetzten Aus- beuteverhältniß gezogen ist, dafür führt der „Deutsche Müller' einige tteffende Beispiele in Zuschriften an, die deutschen Mühlenbesitzern zugegangen sind. Die erste lautet:
.Ich habe Jntenss- für ordinäre Transit- Mehle, Roggen- und Weizenmed^e im Zoll, sowie Mühlen-Abfälle und bitte darin um Offerte'... - Die andere bringt die Absicht noch deutlicher zum Ausdruck: „Falls Sie Abgeber von geringen Roggen- wie Weizenmehlen sind, bitte um baldigst bemusterte Anstellung auf Lieferung prompt wie später. Ten Breis wollen Sie freundlichst transito (unverzollt zum See- Export) stellen, möglichst frei Hamburg oder Ihrer nächnen Bahnstation. Auch in Radel, S i e d s e l (d. h. Radenkörner und Sieb-Abfälle) u. s. w. bin ich ständio Käufer und sehe Ihren Offerten stets gern entgegen'.
Also nicht nut die Mehlfabrikanten selbst, sondern auch Mehlhändler nutzen die durch unsere unvollkommenen gesetzlichen Bestimmungen in Bezug auf die Zollrückgewähr beim Mehlexpoit geschaffene Lage weiblich auS. Von ben ersteren ist es bekannt, daß sie in weitem Umfange von dem vermahlenen Getreide einen gewissen Prozentsatz besten Mehlcs für den Verkauf im Jnlande zurückbehalten und den ganzen Rest des weit über das als zulässig angenommene Ausbeuteverhältniß gezogenen rninder- werthigen Mehls unter Inanspruchnahme der voll- werthigen Zolleistattung in das Ausland verkaufen. Die Händler, welche nicht selbst Mehl productten, sind „ständig Käufer' von ganz minderwerthigen Mehlen, Radel, Siebstl u. s. w., um sie, jedenfalls vermischt mit etwas gutem Mehl (bis zur Bestie- digung der in diesem Fall anspruchslosen Zollbehö:de) — ebenso zwecks Ausnutzung der Zollerstattung zu exporliren. Ooer sollte Jemand so naiv sein zu glauben, daß die beiden Mehlexpoi teure, deren Zuschriften wir nach der „D. M.' wiedergegeben haben, die gekauften geringen Mehle und Abfälle ohne Inanspruchnahme der Zollrückvergütung unveimischt aussührev? Jeder Geschäftsmann ist bestrebt jede günstige Conjunctur, auch wenn sie burdj mangelhafte gesetzliche Bestimmungen geschaffen ist, nach Möglichkeit zu seinem Bortheil auszunutzen. Pflicht unserer Gesetzgeber aber ist es, solche offeukundig zu Tage ttetende Mängel schnellstens zu beseitigen und Abhilfe zu schaffen, da durch dieselben nicht nur
die Staatskasse, sondern auch die weiten Kreise der deutschen Getteidebauer und der Kleinmüller geschädigt werden. Wenn nicht für Beseitigung aller die Großmühlenindustrie einseitig begünstigenden Bestimmungen und angemessene Staffelung der Betriebssteuer Sorge getragen wird, ehe alle unsere west ausschweifenden Kanalprojekte zur Verwirklichung gelangen, dann wird das spekulative Großkapital an diesen neuen künstlichen Wasserstraßen so viele Riesenmühlen entstehen lassen, daß das Kleivmühlen- gewcrbe seinem Niedergange in stark beschleunigtem Tempo entgegengehen muß. Die deutschen Landwirthe verlieren damit gute Käufer für ihr Korn, während ihnen gleichzeitig in jeder neuen Mehlfabrik an billiger Wasserstraße ein neuer gefährlicher Konkurrent, ein neuer Importeur ausländischer Frucht ersteht. Die Aufforderung des oft genannten Klein- mühlen-AnwaltS: „Sprengen wir diese Kette, die das spekulative Großkapital um uns Alle windet, so wird wieder Lust und Sonne genug für Alle vorhanden fein!* muß auch in den Kreisen der deutschen Landwirthe und bei allen von dem gleichen Gegner bedrohten selbstständigen Kleingewerbetteibenben in anderen Geschäftszweigen die ftendigste Zustimmung finden. Gegen die Unternehmungen des spekulativen Großkapitals, für die Interessen des selb st ständigen deutschen Mittelstandes, das muß auf allen Gebieten die Losung werden.
Umschau.
Der Sozialdemokratische Parteitag ist in Stuttgart versammelt. Die Hauptsache macht auch dieSmbl wieder der rothe Ausputz und manche sonstige .glänzende' äußerliche Zugabe, sowie die unvergleichliche Selbstverherrlichung und Reklame, in welcher die Sozialdemokraten Meister find. Herr Singer ist anstandslos wieder als Vorsitzender gewählt — was wäre auch die Sozialdemottatie ohne bitfen Typus eines „echten Proletariers'! Die Anträge betreffend Beiheiligung an den Landtags- Wahlen sind in die Versenkung einer Kommissions- berathung verschwunden; das beste Mittel, um „Mißverständnisse' ohne Aufsehen au8 der Welt zu schaffen. Tas nennt man sozialdemokratisch „volle Oeffentlichkeit'! Auch die Partcitaktik, über die der ausgewiesene „Genosse' ParvuS so tapfer zu schreiben wußte, wird vermuthlich nicht zu erregten Auseinandersetzungen sichren; der erste Verhandlungs- tag zeigte schon die ziemlich einmüthige Neigung deS gehorsamen „Arbeitet Parlament»*, in dieser Frage den „Pelz zu waschen ohne ibn naß zu machen.' Vorsicht ist eben für die „Genossen' heute ganz besonders die Mutter der Weisheit und darum ziehen sie vor, über Tinge, von denen man „nichts Ge
(Nachdruck verboten.)
KerbstbLüthe.
Roman von Clarissa Sofibk (Fortsetzung.)
Die Hvchzeit wat schon zu Beginn des Frühlings festgesetzt. Zwei so verwöhnte Menschenkinder, wie Ernst Hübner und Irmgard Lntzen hatten keinen Stund, auf das Glück gegenseitigen Besitzes lange zu warten. Ein reizendes kleines HauS in der Rauch- sttaße, ganz zum Neste für ein liebendes junges Paar geeignet, wurde mit all' der Fülle des Rcich- thums eingerichtet, der ben vom Geschick so Begüustigten zu Gebote stand.
Die Villa Lutzen wat völlig in ein Magazin verwandelt.
Die Geheimräthin richtete den Trouffeau für das Töchterlein her.
Wenn Elli in ihrem schlichten dunkle» Wollen- kletde mit dem bleichen Gesicht und den ttauiigen Augen in dieses Tohuwabohu hineinkam, erschien sie sich selbst wie ein Aschenbrödel inmitten des Schimmers und Glanzes, der dort zusammengehäuft war. Irmgard, wenn Elli sie einmal wirklich zu Hause an- traf, saß dann stets inmitten einer Anzahl von Näh. Mädchen, zwischen bauschenden Stoffen, hier Arbeiten abnehmend, dort Anweisung zu neuen gebend. Sie war freundlich unh lieb zu Elli, wie immer, fragte auch wohl hier und da nach ihrem und der Eltern Ergehen; aber zu einem näheren Eingehen auf die
brennenden Fragen ihres Lebens, wie ehedem, fehlte die Zeit.
Es war Irmgard nicht leicht geworden, ihren Verlobten zu bestimmen, in dem Bodinschen Hause die gebotene VerlobungSvisite zu machen, und es gehörte die ganze Macht ihrer bräutliche» Liebe dazu, um
feine Bedenke», seine Abneigung dagegen zu überwinden. Die Räthin strahlte vor Entzücken, als eines TageS daS in den Kreisen ihrer Bekanntschaft so gefeierte Paar in ihrem kleinen Salon auf dem Sopho saß. Der Binder des Referendars Hübner, der ihrem Mann so feindlich gewesen, in ihrem Hause! Das war eine Rehabilitation in den Ange« der Gesellschaft, wie es keine bessere für sie geben konnte. Das wußte Irmgard auch, und deshalb hatte sie selbst einen kleinen Stteit mit dem Verlobten nicht gescheut, um ihren Willen durchzusetzen.
Die weitere» Konsequenzen, die die Räthin gern daraus gezogen hätte, erfüllten sich jedoch nicht. Sie hatte sogleich eine Gesellschaft geplant, die sie zu Ehren deS Brautpaars geben werde. Sie wollte dann das große Speisezimmer auiräumen und dort tanzen laffe». Lena und Otti grübelten und kombinirten schon die Toilette, die sie möglichst billig und schön sich dazu Herstellen wollten. Schon hatte man in einer stillen Abendstunde, natürlich nicht in Gegenwart Ellis, deren ernstes Wesen einen gewissen Druck auf sie übte, die Liste der Einzuladenden zusammengestellt. Selbstredend fehlte Sieutenannt von Eick nicht darin, und die Räthin meinte, der Referendar, deS Bräutigams Bruder, würde am Ende auch eingeladen werden müffen. Und wer weiß, vielleicht käme er wirklich. DaS Rencontte mit dem Vater schließe ja nicht auS, daß et sich für die Tochter doch noch intereffrre. Was er da in der Weinlaune gesagt, und wer weiß, ob der Vater auch recht gehört habe, dürfe man ja nicht so ernst nehmen. Sie wisse auS ihrer Jugend- zeit sich eines Falles zu erinnern, bei dem sie gegenwärtig gewesen war. Ma» habe einen jungen Manu auf dem Nachhausewege von einem Balle mit einem jungen Mädchen geneckt, daS et stark beconrt habe.,
„Wo denkt Ihr hin,' habe et unwillig ausgerufen,'
„ich diese Gans heirathen?' Acht Tage darauf hätten sie die Verlobungsanzeige deS jungen Mannes mit der GanS erhalten.
Otti lachte unbändig, und Lena erröthete ein wenig. Allen diesen Luftschlössern wurde indessen ein Ende bereitet durch die kategorische Erklärung des RatheS, daß er, abgesehen von der Unzuttäglichkeit, gerade jetzt »ach dem Vothergegangene» Gäste inS Hans zu laden, überhaupt so lauge von jeder Geselligkest absehen werde, biS er allen seinen Verpflichtungen gegen die Gläubiger seiner Frau nachgekowmeu sei. DaS wat ein starker Niederschlag aller Hoffnungen; ja die Räthin und ihre Jüngste» wachten Elli verantwortlich dafür, daß fie den Vater nicht ander» zu überreden gewußt habe. Sie hätte es gekonnt, ste gewiß. Irmgard sei ja doch ihre beste Freundin, fie habe ihr so viel ,» danken; eS wäre geradezu eine Pflicht, daS Brautpaar, da eS Vifite gemacht habe, einzuladen.
„Aber liebe Mama,' entgegnete Elli herbe, fie überraschte sich jetzt öfter dabei, daß fie ihre frühere Geduld gegen Mutter und Schwestern eingebüßt hatte, und ost recht schroffe Antwotten geb, „glaubst Du wirklich, daß Tottor Hübner unsere Einladung angenommen hätte? Schon genug, daß er überhaupt hier Visite gemacht hat. Als Gast wird er in unser Haus niemals kommen, dessen sei verfichenl'
„DaS bildest Du Dir wieder ein, Elli. Als Irmgards Mann —'
„Wird er es vielleicht durchsetzen, daß auch Irmgard uns niemals, oder doch so selten als möglich besucht.'
„Nun je,* warf Lena spöttisch ein. „Elli wird bann immer in der schönen Villa in der Rauchstraße bei Irmgard sitzen. Und »er weiß, wenn sie erst Frau Dr. Gersdorf geworden ist, meidet fie vielleicht auch unser HauS, weil es ihr nicht mehr gut und vornehm genug ist.'
wisse» nicht weiß', fich aufzuregen und namentlich über die Zuchthausvorlage' zu räsonniren. DiefeS kindliche Vergnüge» kann man der „wissenschaftlichen* Sozialdemokratie ruhig gestatten.
Ein Berliner Theaterdiretor, der den nnwiderstehlichen Drang in sich fühlte, ein Drama „DreyfuS' in feinem Kunstinstitute aufzuführen, wendet sich in einem erregten Schreiben an die Presse und beklagt sich, daß die Polizei ttotz viermaliger Beantragung hartnäckig die Eilaubniß zur Aufführung verweigere. Als Grund sei ihm auf dem Ministerium deS Inner» miigeiheilt worden, der französische Botschafter habe gegen die Aufführung des Stückes Verwahrung eingelegt, er würde sich persönlich beleidigt fühle», wenn man fie trotzdem genehmigte, und man sei ans Comtoisie genöthigt, seinem Einspruch zu willfahren. Ganz so wird die Sache wohl kaum liegen. Wir halten es, so bemerft die „Köln. Ztg.* hierzu, für sehr wohl möglich, daß der französische Botschafter die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung aus die geplante DreyfuS-Aufführung gelenkt und um deren Verhinderung gebeten hat, wir glauben auch, daß die deutsche Regierung auS internationaler Gefälligkeit nachgekommen ist, aber davon, daß man zu einem Verbote in irgendwelcher Weise „genöthigt* sei, oder davon, daß der Botschafter sich im Falle einer Ablehnung „persönlich beleidigt' hätte fühlen können, kann unseres Erachtens nicht wohl die Rede fein. Das Eingehen auf de» Wunsch des Botschafter» war übrigen» recht leicht, da Theaterdirektoren, die Dreyfnsdramen aufführen, auf litterarische oder künstlerische Sympathieen nicht viel Anspruch erheben können. Wir schwä men sonst gar nicht für die Theater-Censur, namentlich wenn fie fast unverständliche Mißgriffe begeht, aber die Unterdrückung von Dreyfusdramen wird ihr wohl Niemand als sonderlich schwere Sünde anrechnen wollen.
In Breslau traten gestern unter dem Präsidium des Vorsitzenden der Landwirthschastskammer für Schlesien, Grafen von Zedtwitz, Vormittags 10 Uhr Vertreter der sämmtlichen preußischen Landwirthschaftsk a m m er n , nämlich derjenigen von Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen, Schleswig-Holstein und für die Regierungsbezirke Cassel und Wiesbaden zu einer Konferenz zusammen. Vom Landwinhschasts- minifteiium nehmen Geh. Ober - Reg. Rath Dr. Hermes und Geh. Reg. Rath Dr. Müller an den Verhandlungen Tbeil, welchen ferner beiwohnen Oberprästdent Fürst Hatzfeldt, der Regierungspräsident von Breslau, der Vorsitzende deS „Deutschen Land- wirthschaftsrathes* Landeshauptmann von Röder, der Präsident der Centtalgenossensckaftskasse Frhr. von Hnene und der Vorsitzende des „Landwitth-
„Lena,* rief Elli unwillig, während ihre Augen feucht wurden, „ich will zu Deiner Ehre glauben, daß Du nicht weißt, was Du sprichst.' Damit verließ fie das Zimmer. In ihrem Stübchen angekommen, sank sie auf einen Stuhl und ließ den Thräneu freien Lauf.
War das der Dank für all ihr Mühen, ihre Opfer, daß fie die Liebe der Ihren einbüßte? Seit fie deS Vater» Vertraute, die Vollstreckerin seine» Willens geworden, »ar ste eine Fremde, ja mehr, fast eine Gehaßte in ihrer eignen Familie.
Sonst aber war fie nicht so rührselig gewesen, hatte tapferer dem Anstürmen der Ihren widerstanden.
Ihre Nerven waren wttklich sehr angegriffen. Sie erinnerte sich der warnenden Wotte des Präsidenten, und wie immer, wenn fie dieses edlen Mannes gedachte, wurde ihr ganz warm um8 Herz. Er und Ottomar und der Vater, der arme schwer geprüfte Vater; diese drei liebte fie, denen galt fie etwas.
War da» nicht genug? Mußte fie das nicht über alle» Andere hinwegheben, auch über die mancherlei Sticheleien, die fie in letzter Zeit von der Proffefforin anShalte» mußte?
Nach Verabredung verbrachte fie jetzt allwöchentlich einen Abend bei der Professorin, wo sich fast jede» Mal auch der Präsident einfand, zuweilen um den Thee mit ihnen zu nehmen, ober auch fie ins Theater oder Concert zu führen. Elli schien es jedoch, al» wenn die Professorin jede» Mal sichtlich kühler gegen fie wurde. Neidete fie ihr die Gunst de» Präsidenten? Aber das war kaum möglich, es maßte ihr im Gegentheil doch Freude machen, wenn es der Braut OitomarS gelang, sich die Zuneigung des von ihm so geschätzten Onkels zu gewinnen. Es mußte als» etwas Anderes sein. Doch was?
(Forssetzung folgt.)