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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.

■**«&*: B»s. lug. Koch, Untv«rfitär?-Buchdruckern in Marburg Brraumwrüich für bk »ebattten; Stoaftatt M. Hartmann ix Harburg.

Aktion: Markt LI. - Tttcphon 55. V VV4U Redaktion. Markt »1. — Telephon 55.

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Erscheint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. QuartalZ-AbonnementS-PreiS bei ber Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgelb). Jnsertionsgebühr: die ge­haltene Zelle ober deren Raum 10 Pfg., Rettamen; die Zelle 25 Pfg.

'gRarßurg

Sonntag, 2. Oktober 1898.

Aryeigen nehmen cntgegex; die Exvedition dieser Blatter, die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Bögler, Frankfurt a. M., Casiel, Magde­burg, Wien: Rudolf Moste, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; T. L. Daube & «io., Frankfutt a. M., Berkin, Hannover, Paris re.

33. Jahrg.

Abonnements - Einladung.

Unter den in Marburg täglich erscheinenden politischen Zeitungen ist die

„Oberhessische Zeitung"

mit de» Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai» sowie Jllustrirtcs EountagSblatt und Ziehungsliste» der König!. Preust. Klaffen-Lotterie die grlesenste und am weitesten verbreitete. Mit dem 1. Oktober 1898 begann auf sie ein neue» Viertel­jahrs-Abonnement.

Die „Obrrhesfische Zeitung" hat er sich in erster Reihe zur Aufgabe gestellt, einzntreten für die Macht enb da» Ansehen von Kaiser und Reich, für Thron, Vater­land und Altar!

Die ,O b e r h e s s i s ch e Zeitung" ist bestrebt, überall, wo sie nur gelesen wird, da» rationale Bewußtsein, Treue zur Monarchie, Liebe zum Vaterlande, Gottesfurcht und religiösen Sinn, wie Achtung vor unseren Gesetzen und bewährten staatlichen Einrichtungen zu fördern!

Die .Oberhessische Zeitung" sucht die» Ziel durch gediegene, sachlich gehaltene, populär geschriebene Lellartikel zu erreichen. In ihrer Rubrik .Umschau" wird sie wie bisher eine Ueberficht über die wichtigsten Tages­ereignisse auf dem Gebiete der inneren und äußeren Politik und deren Besprechung bringen, und die Vorgänge in den Parlamenten, in Reich und Staat, unter dem Tagesbericht wie bisher zusammenstellen.

Durch ihre Verbindung mit der Continental - Tele- gropheu-ksmpagnie in Berlin ist die .Oberhessische Zeitung" in der Lage, ihren Lesern in Original - Tele­grammen die neuesten Ereigniffe im In- und Auslande «werzüglich zur Kenntniß zu bringen.

Den Vorgängen in unserer Provinz, wir dem lokalen Weile wird die .Oberhessische Zeitung" ganz be- soudere Aufmerksamkeit widmen, auch wird sie nicht nur durch ein gediegene» Feuilleton, wie durch Zusammen­stellung unterhaltender verschiedener Nachrichten für ihre Leser Sorge tragen, sondern, wie einertheil» den Vorgängen auf dem Gebiete von Kunst und Wiffenschaft, so anderer- seit» dem volkSwirthschastlicheu und l and wirt hschaft- lichen Jutereffe durch einschlägigeVeröffenllichungen thun- lichst entgegenzukommen allezeit bestrebt hin.

Inserate finden, die sechSspaltige Zelle 10 Pfg., bei der großen Auflage der .Oberhessischen Zeitung" in derselben die geeignetste und weiteste Ver­breitung. Dadurch, daß alle Staats- und KommunalbehSiden de» Bezirk» die .Oberhessische Zeitung" zu ihren Bekanntmachungen benutzen, ist da» Hatten derselben von entsprechendem Nutzen für jeden Leser.

Schließlich bitten wir unsere Leser, Freunde »nd «inner, unter ihren Bekanntenkreisen für die Weiter- Verbreitung der „Oberhessischeu Zeitung" thnv- lichst mitwirken und so auch ihrerseits Helfer und Förderer einer nationalen und loyalen Polittk fein zu wollen, einer Politik, die sich aller umstürzlerischen Tendenz der heutigen Zett gegenüber treu bleibt in ber Devise: .Mit Gott für Koffer und Reich, für König und Vaterland!"

Marburg, im September 1898.

Die Erbender .Oberhess. Zeitung."

Erntedankfest.

ES ist in letzter Zeit mehrfach die Frage auf­geworfen, ob Deutschland auf dem Wege sei, aus einem Staat, in dem die Landwirthschaft noch eine hervorragende Stelle einnimmt, ein Industriestaat zu werden. Mögen die Anstchten hierüber sehr ver­schieden fein, so viel ist gewiß, es giebt noch recht weite Sttecken in unfeint Vatcrlande, wo die Herzen sehr vieler Menschen höher schlagen, wenn es gilt, Erntedankfest zu feiern.

Und wahrlich, dieses Fest, wie eS tu HauS und Hof und in der Kirche begangen wird, gehört zu den schönsten Tagen im Leben unseres Volkes. Vie! Mühe und Arbeit, viel Sorgen und Bedenken sind dnrchgekämpft, und nun sind endlich die Schätze in Scheune und allerlei Vorrathsräumlichkeiten geborgen, und man steht einer gesicherten Winterszeit entgegen. Das giebt eine stille Befriedigung im Gemüth, wie sie der fort und fort hostende und spekulirende Kauf­mann und Industrielle kaum kennt. Es ist ja auch kein Stand so abhängig von unberechenbaren und der menschlichen Einwirkung gänzlich entzogenen Fak­toren wie der der Landleute. Das macht ihn ttotz seiner bekannten Neigung zum Schelten über daS Wetter zu einem vor Andern ergebenen Menschen. Dazu hat er öfter Veranlaffung, zu bekennen, daß doch schließlich noch Alles ein gut Theil bester geworden, als er gefürchtet. DaS möchte gerade in diesem Jahre an nicht wenigen Stellen zutreffen. Im Winter keine Kälte und bis tief in den Sommer hinein keine Wärme, das ist unnatürlich, wie kann daraus Gutes folgen, so urtheilt unsere kurzsichtige Menschen- klngheit. Und nun hört man Worte wie die: .Ich erinnere mich nicht, je so viel Gras in der Wiese ge­habt zu haben. (Setreibe, Kartoffeln, Alles ausge­zeichnet !"

Freilich, hie und da haben Wasserfluihen bösen Schaden angerichtet, aber wo käme jetzt ein wirklich großes Unglück in unferm Volke auf, ohne daß sich alsbald viele Hände öffneten, es zu lindern. Statt in vielen Reden und Zeitungsartikeln einen Stand wider den anderen und diesen Erwerbszweig gegen jenen zu Hetzen, sollen wir es als eine sehr gnädige Gottesführung erkennen, daß jetzt die Menschen in vieler Hinsicht bedeutend näher an einander gerückt find als früher. Diejenigen, welche recht Ernt, dank- fest zu feiern verstehen, fühlen sich an dem Tage mit vielen andern wie eine große Kinderschaar unter einem grunbgütigen Vater. Sollte es denn aber nicht überhaupt Gottes Liebesabficht sein, alle Menschen und zunächst jedenfalls die Glieder ein und desselben Volkes zu einer großen Familie zu verbinden? Und wer sollte dafür mehr Verständniß haben, als wir Deutsche? Denn Sinn für Haus und Familie ist von uraltersher eine besonders köstliche Eigenschaft des deutschen Gemüthes gewesen. Und wo der herrscht, da weiß mau selbst bei spärlicher Ernte fröhliche» Dankfest zu feiern. Denn man kennt höhere Güter, als die, welche in Geld und Silberwerlh ausgedrückt werden können. Man hat den ölten Spruch: „Mit Vielem häll man Haus,

Nachdruck verboten-)

KerrbstbLütHe.

Roman von Clarissa Lohde-

(Fortsetzung.)

.War der Referendar Hübner da?'

.Nein aber sein Bntder, und Irmgard war immer mit ihm zusammen, ein Herz und eine Seele. Mache Dich nur gefaßt, da giebt e8 bald eine Ler- Übung, und dann wird eS mit Eurer großen Freund­schaft auch ein Ende haben."

.Das fürchte ich nicht," entgegnete Elli sauft. .Hat mein BerhSltuiß zu Ottern« nufere Freund- schäft etwa beei,trächtig!? Ich meine nicht; im Gegeutheil, sie hat sich nur »och vertieft."

„Run ja, bei Dir, da ist aller anders als bei anderen Leuten, klebrigen» hat sich der Präsident von Werthern lebhaft nach Dir erkundigt und uns einen Gruß aufgetragen. Bei dem scheinst Du einen großen Stein im Brette zu haben."

Elli lächelte.

„Wirklich? O ich verehre ihn auch Über alle Raßen. Wie schön wieder von ihm, daß er S nicht, wie die Anderen gemacht, sondern Euch durch seine Unterhaltung ausgezeichnet hat.

.Ausgezeichnet? Wie kommst Du darauf?"

'Nun, ich denke eS mir. So und nichts ander» konnte er handeln diesen boshaften Demonstrationen gegenüber. War der junge Eick denn da?"

.Ja," brach Otti nun ihr Schweigen. .Er hat mit mir und einmal auch mit Sena getanzt."

Aber erst als der Präsident uns, wie Du sagst, durch feine Unterhaltung ausgezeichnet hatte. Vorher wagte er eS auch nicht."

.Ach, mache ihn doch nicht schlecht," unterbrach Otti sie. .Er ist ein lieber guter Mensch und be­nahm fich so zartfühlend gegen mich. Er ist ja auch bei Waldau au jenem Abend gegenwärtig gewesen."

»Hat er Dir daS gesagt, Otti?" fragte Elli.

„Nein, Irmgard theilte eS mir gleich im Anfang mit. Sie wollte ihn vielleicht im Vorau» entschul­digen, wenn er nicht an un» herankam.

„Und er that e» doch? Das ist hübsch von ihm," fagte Elli, ihre Malutensilieu zusammenlegend. Wir wollen ihm das nicht vergeffen, nicht wahr Otti? Aber auS dem Weg mußt Du ihm doch gehen, Du arme» Ding. Schlucke Deine Neigung zu ihm hinunter, es muß ja fein."

Otti neigte betrübt den Kopf. Sie antwortete nicht.

Schweigend, jede mtt ihren Gedanken beschäftigt, suchten die Schwestern ihr Schlafzimmer auf.

12.

lieber Elli w« eine große Ruhe gekommen, seitdem sie die Rücksprache mit dem Präsidenten gehabt. Er hatte ihr ja versprochen, fein Möglichstes zu thun, um dem Vater zu helfen; und daß dieser herrliche Mann, wie sie ihn in Gedanken nannte, fein Ver­sprechen halten werde, davon »ar sie überzeugt. Zw«

mit Wenig kommt man au8* darum so gut ver­standen, weil man sich für nichts so sehr getrieben fühlt zu danken, als dafür, daß man im Verein mit einigen lieben Leuten in stillem Frieden seine Tage verleben darf. Besseres wüßten wir unferm Volke in der That nicht zu wünschen, als daß heut am Erntedankfeste solch ein edles und tiefes Dank- g-fühl in unzähligen Häusern und Herzen angettoffen werde 1

Umschau.

Der Staatssekretär des Reichspostamts v. Pod- b i e l s k i hat in der Antwort auf die Beschwerde einer Reibe industrieller Vereinigungen über Störungen des Fernsprechverkehrs durch die elektrischen Straßen­bahnen die Nothwendigkeit betont, die Rechte der Reichs-Telegraphen-Verwaltung an der Benutzung der öffentlichen Wege gesetzlich sicher zu stellen. Demgegenüber wird in der Presse bchanptet, daß ein Gesetzentwurf dieser Art schwerlich die Zustimmung de» Reichstages finden werde. Bei dieser Behauptung scheint übersetzen zu sein, daß der in dem Uebergange zum reinen Doppelleitungssystem für die Fernsprechleitungen liegende große Fortschritt für den Fernsprechverkehr sich nicht verwirklichen läßt, ohne weitgehende Um­wandlung des oberirdischen Leitungsnetzes in ein unterirdisches, und daß diese Maßregel nur durch­geführt werden kann, wenn der Telegrsphenverwaltung die Benutzung der Sttaßenköiper zu diesem Zwecke gesichert ist. Es kommt ferner in Betracht, daß in einem Gesetzentwürfe der bezeichneten Art, wie er gegenwärtig in der Ausarbeitung begriffen ist, selbst­verständlich Fürsorge getroffen werden wird, daß be­rechtigte Einwendungen der Städte oder sonstiger Kommunalverbände gegen die Inanspruchnahme ihrer Sttaßen für de» Fernsprechverkehr die gebührende Berücksichtigung finde», sowie, daß ihnen volle Entschädigung für die ihnen etwa aus dieser Jnanspruchnabme erwachsenden finanziellen Nachtheile gewährt werde. Die Behauptung, daß der von der Reichsvostverwaltung geplante gesetzgeberische Vorschlag in dem Reichstage keine Mehrheit finden werde, darf daher als eine bloße, auf einer Verkennung der that- fächliche» und rechtlichen Verhältniffe beruhende Kombination bezeichnet werden.

Staatssekretär Graf v. P o s a d o w 8 k y hat in der vorigen Sesston des Reichstages eine Novelle zur Gewerbe-Ordnung angekündigt. Die­selbe wird dem Vernehmen nach weitere Aus­führungen der Vorschriften des Bürgerlichen Gesetz­buches und des Handelsgesetzbuches enthalten und insbesondere die Verhältnisse der Handlungsgehülfen regeln. Auch soll ber Gesetzentwurf Erleichterungen bezüglich der Konzesfionirung gewerblicher Anstatten enthalten. _________

Die „Nordd. Allgem.-Zig." schreibt: Es liegt in der Natur der Sache, baß Angesichts ber ge­

holte sie selber bisher nur wenig Erfolg gehabt. Einige Gläubiger zw«, die fich Anfang» auf Abzahlungen nicht hatten einlassen wolle», war eB ihr nun doch gelungen, umzustimmen. Nm bei dem Wucherer war all ihre Bitten vergeblich geblieben. Je deutlicher der Mann ihre bei seiner Ablehnung wachsende Angst gesehen, desto mehr hatte er sich verhärtet. Was d«aus werde» sollte, ba8 wußte Sie nicht. Manchmal schon dachte sie daran, ob sie nicht doch, ohne Wiffen ihres Vater», ber es natürlich nie erlauben würde, den gütigen Präsidenten bitten solle, ihr das Kapital vor- zuschieße»; sie konnte es ja, besonder», wen» ber Vater im Amte blieb, mit ber Zett wohl abtragen. Aber sie verwarf ben Gedanken immer wieder. Der Prä­sident war Ottomar'S Onkel, gerade zu ihm in ein Schnldverhältviß zu treten, konnte dem (Beliebten viel­leicht peinlich sei». Jedenfalls durfte sie e» nicht thun, ohne vorher Ottomar» Meinung einzuholen, und dazu konnte sie fich wiederum nicht entschließen. Sie hätte ihn bann vor allem, wa» geschehe» war, unterrichte», ben Vater, bie Mutter anklagen müssen; denn hatte» nicht beibe gefehlt? Ihr kindliches Ge­fühl sträubte fich dagegen. Mochte er e8 von anderen erfahre», doch nicht non ihr.

Ja, vielleicht hatte» ihm geschäftige Feder» bereits Mittheilungen darüber gemacht. Sie glaubte, aus feine» Briefe» hier und da etwa» herauszulese», was nur in Bezug auf die letzten Kümmernisse verständlich war. So viel Theilnahme und Mitgefühl, so viel stille Sorge um sie, klangen an» feinen Zeile» heraus.

ftiegenen Fleischpreise die landwttthschaftliche Verwaltung den veteiinärpolizeiliche» Zuständen in unseren Nachbarstaaten besondere Aufmerksamkeit widmet. Die Beobachtungen habe» zu dem Ergebniß geführt, daß zur Zeit eine V er m i nb er u»g ber Schutzwehren gegen bie Einschleppung von Viehseuchen auS dem Auslande nicht angängig ist, sofern man nicht anf's Neue Seuchengefahren über den Viehbestand ber deutschen Landwirthe heraufbeschwören will. Seit Errichtung der Landwirthschaftskammern findet alljährlich eine Zusammenkunft der Vorsitzenden dieser Kammer» statt, bei welcher in Anwesenheit von Vertretern bet land- witthschastlichen Verwaltung bie Landwirthschaft allgemein interessirende Fragen erörtert werde». Die diesjährige Zusammenkunft ber Vorsitzenden der Land­wirthschaftskammern soll in den nächsten Tagen in Breslau stattfinden. Es liegt in ber Absicht, bei biefer Gelegenheit auch bie Frage ber Fleischver­sorgung des deutschen Publikums und der veterinär- polizeilichen Schutzmaßregel» gegen bie Einschleppung von Viehseuchen aus beut Auslande und deren Folgen einer eingehenden Erörterung zu unterziehe».

Am 15. October soll in Köln eine Ver­sammlung stattfinde», in bet über gemeinsame Schritte zur Eindämmung ber öffent­lichen Lustbarkeiten verhanbelt und be­schlossen werden soll. Die Anregung hierzu ist von dem Verein der Industriellen des Regierungs-Bezirks Köln anSgegangen. Die Veranstaltung einer solchen gemeinsamen Kundgebung der wirthschaftlichen Körper­schaften von Rheinland und Westfalen gegen daS Fest Unwesen hat allgemeine Zustimmung gefunden. Von de» Handels-Kammern habe» fich mehrere be­reits im Sinne der Anregung geäußert. Sie er­klären sich meistens ausdrücklich bereit, sich an einem gemeinsamen Vorgehen nach der Richtung hin zu be­theiligen. Ein einheitliches und gemeinsames Vor­gehen steht auch vom Verein zur Wahrung ber ge­meinsamen wirthschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen in Düsseldorf und vom Verein deutscher Werkzeugmaschinen - Fabriken in Aussicht, ferner haben mehrere andere wirths Gastliche Verbände der Anregung zngestimmt. DaS Fest-Unwesen hat, wie von genauen Sachkennern übereinstimmend fest- gestellt wird, in der That einen Umfang angenommen, daß es wohl angebracht erscheint, zu erwägen, in welcher Weise dem weitern Ueberhandnehmen der Lustbarkeiten ein Riegel vorgeschoben werden könne. Die Uebelftänbe sind nicht allein im Westen der Monarchie zu Tage getreten, auch im Osten wird seit längerer Zeit darüber Klage geführt, daß der Vergnügungssucht und allen ihr entsteigenden nach­theiligen Folgen durch ein übermäßiges Anwachsen irgendwelcher festlicher Veranstaltungen in bedenklichem Maße Vorschub geleistet wird. Die von unter­nehmenden Gastwirthen und de» unzähligen Vereinen in Stadt und Land arrangnten Feste haben in der Hauptsache den Zweck, die Geldbeutel der Theil- nehmer zu erleichtern. Wahre Meister in dieser Be­ziehung find bie socialdemokratischen Bereinigungen,

Aber er fragte auch diesmal nicht, wie er nie gefragt hatte, al» er noch in Berlin war.

Diese Gelbsorgen und Geldnöthe waren stets zwischen ihnen ein noli me tangere gewesen. Wozu auch daran rühren? ES that weh, und Dttomar war so voll eblen Zartgefühls.

In all den Schmerzen ber letzte» Woche» waren ihr bie Briefe Ottomar» wie eine Oase in ber Wüste gewesen, ein Hauch aus einer anbeten, reineren höhere», Welt. So ganz erfüllt war er von biefer Wunder- welt in Trümmer», durch bie er lernenb unb staunenb wandelte. Er war kurz vor Beginn ber Festen in Athen angelangt unb hatte noch bie letzten Karneval», tage mit angesehen. Das Volksleben hätte ihn be- sonders angezogen, schrieb er. Eine gewisse Würbe fei »och vor ben Altvordern dem griechischen Volke überkommen, die fich auch bei den Feste» bemerklich mache. Kein Lärm, keine geräuschvolle Lustigkett wozu auch wohl viel die Mäßigkeit ber Griechen im Weingenuß beitrage. Auf bet Pryx sei am ersten Fastentage, der al» ein Abschied von ben Freuden be» Karneval» besonder» gefeiert wird, getanzt worden; doch nur Männer hätten diese Kunst geübt. Zn Trommel und Pfeife ober auch zu einem eintönigen Gesänge hätte» fie sich im Reigen bewegt. Boran ein Vortänzer, ber bie kunstvollsten Bewegungen aus- geführt. Die kräftigen Gestalten aber in der kleid­same» Tracht, der bis zum Knie reichenden faltigen Fußtanella, ber offenen Jacke unb ben von ber Schulter herniederfallenden wetten Aetmel», mit den