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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg «nd Kirchhain.

Jüustrirtes Sonntagsblatt. *"tet

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LLZL'L.'L.RV£XÄK Sonnabend,24,September 1898.

33. Jahrg.

Erstes Blatt.

Zur Affäre Picquart.

Paris, 22. Septbr. Der unerwartete Hand­streich der Generalität gegen den Obersten Picquart, der im Grunde gerommen gegen daS Tabinet und die Revifion gerichtet ist, droht ernst­liche Verwickelungen herbeizuführcu. Die Regierung beräth, welche Folgerungen sie aus dem hinter ihrem Rücken geschehenen Vorgehen deS Generals Zurlinden und des Kriegsministers Chavoine zu ziehen hat. DieAurore" greift, um das Vorgehen zu er­klären, auf die Ernennung Zurlindens zum Nachfolger CaoaignacS zurück uns behauptet, sie fei nicht nur auf Betreiben des Präsidenten Faure erfolgt, sondern eS seien hier schon westere Pläne ins Auge gefaßt worden, die jetzt zur Ausführung kommen. Das Blatt schreibt:

»Zurlinden war noch KrtegSminifter, als er den Justiz- «inister Sarrien besuchte und ihm in anscheinend gleich­gültiger Weis« mittheilte, er erachte eS als zweckmäßig, den Obersten Picquart wegen der Rohiposikarte zu vernehmen. Sarrien bemerkte ihm, in diesem Augenblicke beschäftige sich bk bürgerlich« Justiz mit Picquart und man müsse ab­warten, bis dieselbe einen Entscvluß gefaßt und ihr Urtheil gefällt habe. Der General Zurlinden fügte sich dieser Er­klärung und begab sich in aller Eile nach dem KriegS- ministerium, um dort einen Streich vorzuberetten. Die Leut- des GeneralstabS hatten das Actenmaterial gegen Picquart schon gesammelt, und eS blieb nur übrig, sich btfien zu bedienen und gerichtliche Verfolgung gegen Picquart zu veranlasfen. General Zurlinden halt« bereits seine Ent- lasiuug genommen und war wieder zum Gouverneur vou Paris ernannt worden, als vorgestern Nachmitag der neue Kriegsminister Chanoine den Besuch eines Ordonnanzosficiers des MilitärgouverneurS erhielt, der ihm Schriftstücke zur Unterzeichnung vorlegte. Chanoine unterzeichnete Alles, ohne auch nur nachzufehen, was er unterzeichnete, und einige Sugenblicke später brachte der Ordonnanzofstcier triuwphirend nach der Wohnung des Generals Zurlinden den auf diese Weife vom Kriegsminister unterfertigten Befehl, gegen Picquart gerichtlich, Verfolgung einzuleiten. Der Streich war gelungen. Eine Stund« später wurde der ^justiz- minister Sarrien amtlich von der wichtigen Entscheidung be­nachrichtig», die ohne sein Vorwisien der Kriegsminister gegen Picquart getroffen hatte. Er eilte zu Brisson, um ihn von dem Vorgang in Kenntniß zu setzen Es sei h-.er noch bemerkt, daß im Ministerrathe vom Dienstag im Elysee ton den neuen Verfolgungen gegen Picquart keine Rede ging."

So weit dieAurore", deren Mittheilungen auch von anderer Seite als zutreffend bestätigt werden; indcffen ist hinzuzufügen, daß die harmlose Haltung Chanoines von manchen Ersten beargwöhnt wird. Angesichts dieser Sachlage wird die Regierung sehr bald ihre Entscheidung treffen müffen, denn die Haltung der Presse und die Stimmung im Publikum steigern sich immer mehr gegen das Vorgehen der Generalität, in dem man fast einen Staatsstreich er. blicken will. Was die angebliche Fälschung PicquartS in Betreff der Rohrpostkarte angeht, so ist der Wort­laut dieser Karte folgender:

.An den Major Esterhazy, 27 rue de la Bienfaisance. Ich erwart« vor Allem eine eingchend«r« Aufklärung als diejenige, welche Sie mir neulich gegeben haben über dir schwebende Frage. Ich ersuche Sie daber, mir dieselbe schriftlich zu ertheilen, damit ich unheilen kann, ob ich meine Beziehungen zu dem Hause N fortsetzcn kann oder nicht. C."

Bekanntlich ist im Zolaproceffe zeugeneidlich be- jauptet worden, daß dieser Kartenbrief dem General- tabe von demselben Agenten und aus derselben Quelle zugegangen, wie die anderen anaeblichen Beweisstücke, d. h. also aus der deutschen Botschaft gestohlen worden ei. Im Uebrigen erfährt der diesige Gewährsmann »erKöln. Ztg." von zuverlässiger Seite, daß der Kartenbrief, das petit bleu, nicht von der Hand v. Schwartzkoppens geschrieben ist, sondern von einem Agenten, den der Generalstab als Vermittler Schwartzkoppens für seine Erkundigungszwecke in diesem Falle ansteht. Nach wiederholten Verhand­lungen Santen § mit Brisson und dem Prokurator der Republik, Feuilloley, stimmte das Parquet der Auslieferung PicquartS zu und um 4 Uhr wurde derselbe nach dem Militär. (' her ehe Nicki - Gefängnisse abge­liefert.

Welche Stimmung in den radikalen Pariser Kreisen gegen den G e n e r a l st a b herrscht, erweist Nachstehendes: R a n c schreibt imRadical": General Zurlinden hat einen militärischen Staats st reich ausgeführt. Der Generalstab befiehlt den bürgerlichen Gerichten, ihm Piquart aus­zuliefern, um ihn in aller Bequemlichkeit mittelst einer geheimen Untersuchung in geheimer Verhandlung fittlich ermorden zu könne». Herr Brisson, werde» Sie das dulden, werden Sie der Helfershelfer bei diesem Verbrechen sei», werden Sie vor frechen Prätorianern niedeiknien?" Clemenceau beginnt seinen Aufsatz:Dank der Feigheit Brifsons haben wir einen neuen Vorstoß der Fälscher. Ist Feigheit das richtige Wort? Sollte man nicht eher Blödsinn sagen? Die beiden Eigenschaften schließen einander nicht aus." SaureS sagt:Die Anklage gegen Picquart ist eine Ungeheuerlichkeit des an Wand ge­drückten Generalstabs. Dieser hat viele Verbrechen begangen, das letzte aber ist daS größte, aber es wird auch das nutzloseste und am härtesten gezüchtigte sein, den» das Volk wird sich sagen, wenn der General st ab dermaßen die Wiederaufnahme fürchtet und zu schurkischen Machenschaften greift, um sie zu verhindern, muß er unsagbar große Verbrechen auf dem Gewissen haben." M i l l er a u d erklärt in derLaterne":Die Boisdeffre und Ge nossen werden das Licht nicht ausstampsen, ste werden dem Dreyfusurtheil, dem Esterhazy-Urtheil kein drittes Urtheil hinzufügen, das, schon ehe es gefällt ist, durch Verdacht ungiltig gemacht wird.

Umschau.

DieKöln. Ztg." bringt nach einer gläuzendeu Abfertigung des Dr. M. Busch nachstehende Aus­

führungen: Bismarck hat sich Busch gegenüber wiederholt darüber beklagt, er schiebe alle seine freundliche» Urtheile beiseite, bringe dagegen alle Bosheiten auf einen Haufen; die Folge sei, daß er (Bismarck) vor der Oeffentlichkeit als ein Mann da­stehe, der von Gift und Galle überlaufe und alle Welt verlästere. Es scheint freilich, daß Busch die moralische Empfindung für diese Dinge vollständig verloren hat; es ist widerwärtig, auf jeder Seite zu hören, eine wie unbegrenzte Verehrung er für Bismarck habe, während er doch alles das, was er auf­geschnappt hat, zu Gelbe macht, ohne zu ftagen, wie das auf den Nachruhm Bismarcks einwirkt. Die kritiklosen Veröffentlichungen eines derartigen Aasgeiers müsse» aber dem ersten deutschen Reichskanzler bei der großen Masse der Leute schade», die nicht seelen­kundig genug sind, um zu wissen, daß alle diese Un­gezogenheiten lediglich an der Oberfläche und an der Rinde der Bismarckschen Natur lagen und keinen dauernden Bestandtheil seines Wesens und seines Denkens darstellten. Ja, der Mann untersteht sich sogar, mit dem Gehaben überlegener Weisheit seine subalternen Anschauungen über Bismarck auszukramen. Er schildert z. B. eine Scene, wo Lothar Bucher ihm einen vom Fürsten Bismarck geschriebene» Artikel bringt, den Busch in die englische Presse lanciren soll, um bei irgend einer Friction einen Druck auf den Kaiser Wilhelm 1. auszuüben. Dieser Artikel spricht an einer Stelle Bedauern darüber ans, daß Bismarck in Folge seiner ganzen Vergangenheit mehr loyale Ergebenheit an die Dynastie habe, als mst echter Staatsmannichast vereinbar sei. Busch fügt in Klammern hinzu:Bei dieser Stelle sahen sich die beide» Augur» (Bucher und Busch) mit einem bezeichneude» Lächeln an." Der Sinn dieser Bemerkung kann nur der sein, daß der große Geist Büschchen" die von Bismarck beliebte Betonung des VasallenkhumS gegenüber der Dynastie Hohenzollern als diplomatische Mache betrachtete, lediglich bestimmt, im Geiste des alten Herrn einen erwünschten Ein­druck zu erzielen. Dann aber hätte Busch auch die Conscquenz ziehen müssen, daß die innere Norh- wendigkeit eines Bruchs zwischen den Hohenzollern und Bismarck eine psychologische Thatsache sei, die sich früher oder später in simple Geschichte umsetzen mußte, da die Hooenzollern nun einmal nicht aus dem Holze geschnitzt sind, daß ste die Rolle der letzten Merovinger hinnehmen konnte». Indessen man thnt der Hyäne, die ihr Unwesen auf den Schlachtfeldern der deutschen Geschichte treibt, wirk­lich zu viel Ehre, wenn man ihr eine Kugel aus dem Flintenlaufe eines ehrlichen Mannes gönnt. Mit der harmlosesten Miene von der Welt erzählt Busch, wie er sich für bares Geld dem Fürsten Bismarck verkauft hat. 3m Juli 1871 brach Bismarck jeden Verkehr mit Busch ab, der in der Preßabtheilung des Auswärtigen Amts beschäftigt war. DaS wurmte den Mann um so mehr, als unter diesen Umständen sein Tagebuch keine Fortschrstte machen konnte; Busch

diente ruhig weiter, schwang sich aber dann am 28» Februar 1873 zu einem Brief an Bismarck auf, in welchem er um seine Entlastung bat, zugleich aber eine Pension von jährlich 1200 Thalern verlangte unter Hinweis auf einen Vertrag vom 15. März 1870, der ihm diese Pension unter der Bedingung zusicherte, daß er die Bismarck'sche Polstik litterarisch unterstütze. Nach einigem Zögern bewilligte ihm Bismarck eine Unterredung, in der er ihm mittheilte, ein Verleger habe ihm geschrieben, ein Tagebuch von M. Busch mit sämmtlichen Aeußerungen Bismarcks sei an verschiedene» Stellen hinterlegt und werde ver­öffentlicht werden, wenn Bismarck nicht 100 000 Thaler zahle; es sei nun ja für Bismarck nicht gleichgültig, wenn alles das bekannt werde, was er einmal in der Aufregung und in der Entrüstung gesagt habe; er habe aber geantwortet:Keinen Groschen". Der Mann habe dann seine Forderung auf 50 000 Thaler herabgesetzt, aber wieder die Antwort erhalten, Bismarck werde weder einen Groschen noch einen Polizisten in Bewegung setzen, um die Veröffentlichung zu hinter­treiben. Der kleine Busch war ob dieser Eröffnung vollständig zerschmettert; er stellt die ganze Sache als ein Ränkespiel seiner Nebenbuhler im Aus­wärtigen Amte hin. Ma» sollte nun erwarte», er hätte mit der größten Entschiedenheit verlangt, er müsse in die Lage versetzt werden, diese Sache voll­ständig und überzeugend aufzuklären. Er begnügte sich jedoch mit der Versicherung, er habe vorerst gar nicht die Abficht, fein Tagebuch zu veröffentlichen. Bismarck erklärte, er erinnere sich nicht eines Ver­trags mit der erwähnten Bedingung, Busch erhielt jedoch feine Pension, nachdem er unter einem erheb­lichen Aufwand von moralischen Redensarten gelobt batte, die persönliche Politik des Fürsten Bismarck, einschließlich etwaniger unbekannter neuer Gedanken­gänge, die ihm alsdann mitgetheilt werden müßten, litterarisch zu vertreten. Mit den Tönen der höchsten sittlichen Entrüstung, deren er fähig ist, berichtet Busch alsdann, daß auch andere deutsche Diplomaten so frech gewesen feien, den Weifenfonds zu benutzen, um sich mit einem Stabe von feilen Schreibknechte» zu umgeben, die ihr Lob zu verkünden hatten. Mit Entsetzen habe Bismarck einen bedeutenden Fehlbettag entdeckt, der in dieser Art entstanden sei. Wie viel Söldlinge, die in dieser Art gesalbt worden, mögen seit dem Jahre 1890, das so zahlreiche deutsche Männer mit ehrlichem Kummer und mit ernsten Be­sorgnisten erfüllte, die deutsche Lust mit ihrem miß­tönenden Geschrei gegen die Dynastie Hohenzollern erfüllt haben!

Wir führten neulich eine Aeußerung der social- demokratische» Arbeiterzeitung in Dortmund an, die angesichts der schändlichen Er­mordung der Kaiserin von Oesterreich die Ein­führung der Prügelstrafe gegen Anarchisten für discutttbar erklärte. DerVorwärts" traute seinen Augen kaum, als er das gelesen hatte, und

(Nachdruck verboten.)

KerbstbLütHe.

Roman von Clarissa Lohdk (Fortsetzung.)

Das wenige Kapital, das vorhanden war, fiel «einer unverhettathete» ttänklichen Schwester, Deiner Tante Franziska, zu, Mein Bruder hatte sich schon früher mtt seiner Frau das kleine Gut in Preuße» daS Ihr ja tarnt, erhetrathet. Nun ging die Noth an. An allen Ecken und Enden fehlte es mir, und ich wagte dem Vater nicht einzugestehe», was ich nu fe viele Jahre schon ihm verborgen hatte. Die Ang vor seinem Zorn schloß mir bett Mund. Ich tarnt ja zur Genüge seine Unfähiglett, sich, wenn einmal feine Leidenschaft erregt war, zu zügel». So redete ich mir ein, daß ich jede» Streit mit ihm vermeiden müsse, »nd da es nicht anders ging, fing ich an zu borge»; zuerst bei der guten Tante, der armen verstorbenen Franziska, dann als sie tobt war und ihr kleines Kapital für Euch testamentarisch ZinS auf ZinS festgelegt hatte, auch bei Ander». Die Verlegenheiten wuchsen von Jahr zu Jahr. Um hier dringende Schulden zu tilge», mußten dort andere gemacht werden.

"Und Du brachtest e8 wirklich über Dich, Be­kannte und Freunde unseres Hanfes um Darlehen anzugehen?" fragte Elli schmerzlich erregt.

An wen sollte ich mich sonst wohl «enden? Sie waren doch die Nächsten'

Und Du dachtest gar nicht daran, wie kompro- mittirend daS für den Vater, für Dich, für nnS Alle werden mußte?" unterbrach sie Elli.

Anfangs dachte ich wohl daran und gefürchtet habe ich eS immer," entgegnete die Räthi».Aber was sollte ich machen? Ich sorgte nur von einem Tag zum andern» wie hier ein Loch zu stopfe», dort ein Kauf ohne sofortige Zahlung möglich wäre. An weiteres dachte ich nicht, mochte ich nicht denken. Das Ende, wie eS jetzt gekommen ist, abwende», das konnte ich nicht mehr. Wie ein Netz zogen sich die Schulden, die Verlegenhette» immer fester um mein Haupt, und es ging doch, wir lebten weiter, ruhig und anscheinend glücklich, und daS machte auch mich allmählich sicher."

Elli beugte das Haupt tief hernieder, lieber ihre Wange» riefelten heiße Thräues. Sie hatte fo großes Mitleid mit der Mutter, nu» sie alles wußte. Und doch, »nd doch, wen» sie »icht so schwach gewesen, wäre Alles ander» gekommen. Der Vater war ja doch ein Ehrenmann und von Herzen gütig trotz seiner Heftigkeit, die die charatterlofe Frau nur größer gezogen hatte, und er hätte ja auch ein Einsehen gehabt, haben müffen, wen» er nicht von Anfang an getäuscht worden wäre. Mein Gott, wie da» nur werden sollte!"

Nun, Mama, suche Dich zu faffen," begann sie nach kurzer Pause.Vielleicht ist ja doch noch Alles wieder gut zu machen. Sei nur jetzt ganz offen und nenne'jede, auch die kleinste Schuld, die Du hast'. Es muß reiner Tisch gemacht werden, daS ist Papa seiner Ehre schuldig."

Es dauerte trotz allem Zureden ElliS doch noch eine geraume Weile, ehe die Räthin sich zu dem Bekenntnifie entschloß. Dan» liefe sie sich aus ihrem Schreibtisch ein sorgsam verwahrtes Notizbuch geben und begann zu diktiren. Elli regiftrirte sorgfältig,

jeden Namen, jede Summe; aber immer trauriger, immer banger wurde ihr Gesicht, je länger die Liste wurde, in der neben zahlreichen Freunden und Bekannte» zu ihrem Schrecken auch der Name eines berüchtigten Wucherers sich befand. Außerdem waren mit größere» und kleineren Summen Schlächter, Bäcker, Material- waarenhändler, kurz alle Handwerker und Kaufleute verttelen, von denen im Haushalte etwas gebraucht wurde. Freilich die letzteren Rechvungen gingen nicht über ein Jahr zurück; denn länger warten diese Leute nicht auf die Bezahlung. Als die Räthin endlich inne hielt, rechnete Elli die aufgezeichveten Zahle» zusammen. Die Summe die herauskam, war von erschreckender Höhe. Die Räthin hatte im Laufe ihrer Ehe über zwölf Tausend Mark Schulden gemacht.

AIS das arme Mädchen mit diesem alle ihre Be­fürchtungen übersteigenden Resultat in daS Arbeits­zimmer deS Vaters ging, schlug ihr Herz so heftig, dafe sie einen Augenblick im Korridor stehen bleiben mufete, um sich erst etwas zu beruhigen.

Der Rath saß in seinem Lehnstuhl vor dem Arbeits­tisch und ttamte in Papieren.

Seit dem Morgen rechnete er, wie viel er von dem Gesparten flüssig machen könne, nm die von seiner Frau gemachten Schulden zu tilgen. ES waren »icht mehr alS sechs Tausend Mark ; denn er hatte, seit die Töchter erwachse» waren und deshalb auch wehr als vordem gebrauchten, an Zurücklegen kaum noch zu denken vermocht und war froh gewesen, seine hohe Police wenigstens regelmäßig bezahlen zu können. Sin Glück nur, dachte er, daß ich das noch habe, so kann ich die Schmach von meinem Haupte doch noch abhatten.

Dieser Gedanke hatte ihn etwas beruhigt, und er streckte daher auch mit ziemlich gelassener Miene seine Hand nach dem verhängnißvollen Papier auS, das die Tochter ihm brachte. AlS er aber hineinsah, wurde er kreidebleich. Seine Hand fiel schwer auf, den Tisch, feine Augen traten fast auS den Höhle».

So so viel?" stieß er heiser hervor.Aber die Frau ist ja wahnsinnig!'

Still, Papa, still," flehte Elli tief erschüttert. Versündige Dich nicht. Mama hat mir Alles ge­beichtet, und so wahr Gott uns helfe, Du bist fast eben so schuldig an diesem Verhättniß als Mama selbst."

Jch?' stotterte er, ganz gebrochen in feinen Stuhl zurückfinkeud.Immer besser, ich sollte schuld daran sein? Und das sagt mir meine eigene Tochter Ja, hämmert nur auf mich ein, treibt mich nur zum Aenfeersteu."

Papa, Du hast jetzt die doppette Pflicht, den Kopf oben zu behallen, um unserer, Deiner unschuldigen Kinder millen."

Sie entgegnete das muthig, ohne sich von den drohenden Blicken des VaterS abschrecken zu laffen.

Und nun wiederholte sie in Kürze alles, waS die Mutter ihr gebeichtet hatte, ohne sie zu entschuldigen, aber auch ohne dem Vater zu verhehlen, was er durch seinen maßlosen Charakter, sein Verschließen gegen die Anforderungen deS Lebens verschuldet hatte.

Du", so schloß sie,hast die Mama zu dem gemacht, wa» sie geworden ist. Nun tiage auch mit chr die Folgen; du darfst sie nicht fallen laffen."

Darfst nicht, darfst nicht?" schrie er nun auf. Ja, wenn ich könnte, sie, mich, Euch alle retten