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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain.

A»h «ug. Koch, Mliverfitätr-Buchdruckmi in Äarbnrg. rtrtäfif/t'H «caMtwitii* für to WtUftto«: Redakteur M. Hartman» t» Marburg

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Qjt*v** VAAX- y Bureaux von Haosenftein & Bogier, Frankfurt a. M Cassel, Magd«»

CVwaU«« 09 1 QfiQ bura, Wien: Rudolf Moste, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln;

Freitag, LS. Teptemver 1898. t. &. Daube & Co., Franksua a. M.' Berkt«, Hannover, Parie re.

.33. Jahrg.

Streikvergehen.

In den Erörterungen, die sich an die zu Oeyn­hausen gehaltene Rede unseres Kaisers knüpfen, wird von sozialdemokratischer und freisinniger Seite fort­gesetzt geltend gemacht, daß dem Zwecke des Schutzes der Arbeitswilligen auch mit dem zu Recht bestehenden Paragraphen 153 der Reichs - Gewerbeordnung voll­ständig gedient sei. Die Vertreter solcher Anschauung beweisen aber damit, daß sie die zahlreiche Menge strafrechtlicher Fälle, in denen der genannte Paragraph versagt hat, nicht kennen oder nicht kennen wollen. Wir lassen hier die Frage nach einer Erhöhung deS Strafmaßes einmal gänzlich außer Anschlag und halten uns einzig und allein an das Bedürfniß einer Erweiterung des Umkreises der zur Bestrafung heranzuziehenden Vergehen. Soll der Wunsch unseres Kaisers, wie der jedes wahren ArbeiterfteundeS nach ausreichendem Schutze der Arbeitswilligen wirklich erfüllt werden, so darf fürderhin keine Beraubung der Arbeitsfreiheit, sei sie geartet wie sie wolle, der gerichtlichen Ahndung entgehen. Bisher ist dies leider auf Grund des geltenden Rechts noch in starkem Maße der Fall gewesen.

Der Paragraph 153 bestraft nur dann Aus­schreitungen gegen Arbeitswillige, wenn dieselben stattgefunde» haben bei Ausständen, die zur Er­langung besserer Lohn- und Arbeits- Bediugunge» in's Werk gesetzt worden sind. Wie aber, wenn die Ausstände dem letztge­nannten Zwecke nicht dienten? Nun, dann lassen den Richter eben die zum Schutze der Arbeitswilligen getroffenen Special-Bestimmungen im Stich. Hierfür ein Beispiel. Zur Zeit des allgemeinen Berliner Schuhmacher-Streiks sollte in der Hinze'schen Schuh- waaren-Fabrik die Arbeits-Ordnung schriftlich festge­stellt werde». Die Arbeiter fügten sich diesem Ver­langen nicht, sonder» traten in den Ausstand. Um nun auch die Arbeiterinnen hierzu zu bewegen, soll ein Arbeiter Drohungen gegen dieselben ausgestoßcn haben. Es kam zur Anklage. Der Gerichtshof erachtete den Thatbestand des Paragraphen 153 nicht für vorliegend, da eS sich nach den zu Recht an­erkannten Ausführungen des Vertheidigers bei dem streitigen Punkte um einerein ideelle Forderung', nicht aber um eine Vereinigung zur Erlangung besserer Lohn- und Arbeftsbedingungcn gehandelt habe. .Ideelle Forderung' heißt natürlich, in deutlichere Sprache übersetzt: um Austragung eines vom Zaune gebrochenen Machtstreites seitens der Arbeiterschaft.

Noch krasser erscheint der folgende Fall. Im September vorigen Jahres fühlte sich der Polier auf einem Berliner Neubau genöthigt, einen beim Bau beschäftigten Maurer zu entlassen. Daraufhin legten fast sämmtliche Arbeiter die Arbeit nieder. Die Weiterarbeitenden und Neuetntretenden aber sahen sich allerlei Belästigungen seitens der Streikenden ausgesetzt. Insbesondere that sich hierbei ein Maurergeselle, Namens Schulze, hervor. Er verfolgte den Stein- träger Appell mit Schimpfworte« wie .Strolch' usw. und bedrohte ihn außerdem mit dem Verbreche» des Todtschlags.

(Nachdruck verboten.)

Ke 17 s stbrüthe. Roman von Elarissa Lohde.

(Fortsetzung.)

Die Räthin war »och bleicher geworden, sie sank stöhnenb in die Kiffen zurück.

.Ich kann nicht,' murmelte sie, .ich kau« nicht!'

Nun erschrak auch Elli.

.Ist es den« so viel? So sprich doch,' redete sie beklommen z«. .Heraus muß es ja doch einmal, und je schneller, desto bester für Dich, für «nS Alle, gaerft' die Lippen Ellis zitterten ein wenig, als sie weiter sprach .die Privaffchulde« bei Ver­wandten und Bekannte«, daS find jedenfalls die drückendsten.'

.Laß mich Dir erst erklären, Kind

Eine so aufrichtige Verzweiflung sprach aus den Züge« der Räthio, daß Elli beschwichtigend sagte: .Sprich Dich nur auS, Mama, weon es Dich erleichtert. So viel Zeit haben wir.'

.Ich wiederhole es, ich bi» nicht ganz so schuldig, alS Du meinst, Elli,' rief die Mutter, nun sich wieder auftichtend und den Kopf in die Hand stützend. .Ach, wenn Du wüßtest, waS ich gelitten habe alle die langen Jahre meiner Ehe. Ich habe nie davo» gesprochen, habe nie, wie andere Frauen vor Euch geklagt, deshalb glaubt Ihr wohl, ich allein, meine schlechte Wirthschaftsführung sei Schuld an den elende« Ver- hältniflen unseres Lebens. Aber so ist es nicht,

Bei der infolge dessen stattfindend?« Gerichts- Wenn er seine gelegentliche Verwendung beim Ordnen von Papieren des Fürsten Bismarck zur Anfertigung

von Abschriften benutzt hat, so find wir der Heber« zeugung, daß dies ohne dessen Vorwissen geschehen ist, und erblicken darin eine Indiskretion."

Verhandlung aber konnte die Anklage aus § 153 der Gewerbe-Ordnung nicht aufrecht er­halten werden, da der Streit nicht »zum Zwecke der Erlangung besserer Lohn- und Arbeits-Bedingungen unternommen war." Es blieb also nur auf Grund des allgemeinen Sttaf-Gesetzbuches die Anklage wegen Bedrohung übrig, und dies er halb wurde der Angeklagte Schulze zu ganzen dreißig Mark Geldstrafe verurtheilt. Deutlicher kann sich in der That das Unvermögen nnserer geltenden Gesetzgebung auf dem in Rede stehenden Gebiete nicht offenbaren.

Wir behaupten also nochmals: der Kreis der Schutz-Bestimmungen für Arbeiiswillige muß so er­weitert werden, daß es keinem Störenfriede mehr möglich ist, durch die Maschen des Gesetzes zu schlüpfen. Nur wenn der Paragraph 153 der Gewerbe-Ordnung eine derartige Aenderung erfahren haben wird, vermag sich die öffentliche Meinung in dieser Frage zu be­ruhigen.

Umschau.

Die .Hamburger Nachrichten" bringen folgende Mittheilung: .Die neueste Ankündigung eines im Auslande gedruckte» dreibändigen Buches von M. Busch, welches sich als eine Verwerthung seiner früheren Beziehungen zum Fürsten Bismarck darstellt, begegnet in der Presse, soweit deren Stimmen sich bisher übersehen lassen, allge­meiner Mißbilligung. Ein endgültiges Urtheil wird sich über das Elaborat erst fälle» lasten, wenn eS in extenso vorliegt, nach de» bisher bekannt ge­wordenen Auszügen läßt sich aber nicht annehmen, daß ein solches anerkennend ausfallen wird. Schon das 120 Setten lange Heft mit dem wenig adäquaten Titel: .Bismarck und sein Werk" läßt erkennen, daß die Busch'schen Publikationen, in soweit sie nicht beglaubigte Aktenstücke enthalten, als Geschichtsquelle nicht werden gelten könne». Der Verfasser betont zwar immer wieder, daß er vertrauliche Aeußerungen des Fürsten am Theetisch noch am selbe« Abend .wortgetreu" niedergeschrieben habe; dies würde aber thatsächlich nur möglich gewesen sein, wenn er am Theetisch steuographirt hätte. Da dies ausgeschlossen war, so handelt es sich um Notizen »ach dem Ge- dächtniß, und da Busch immer an Schwerhörigkeit litt, find Mißverständnisse wahrscheinlich. Für Jeden, der die vornehme Diktion und die gewählte, klassische Ausdrucksweise des Fürste» kannte, ist der saloppe Stil, i» dem Busch ihn redend einführt, allein schon Beweis genug, daß vonwortgetreuer" Wiedergabe keine Rede sein kau«. Das erwähnte Heft enthält außerdem in Bezug auf allgemein bekannte Daten sowie auf die Darstellung und logische Entwickelung der Thatsachen so erhebliche Jrrthümer, daß man es auch bei wohlwollender Kritik als flüchtig bezeichnen muß; um so mehr wird dieses Verdikt voraussichtlich auf daS neuerdings in fremden Sprachen erscheinende Werk zutreffend, in dem Busch selbst sagt, daß, viele seiner Angaben auf Hörensagen bafirt find.

wenigstens nicht ganz. Du weißt, ich stamme aus guter Famllie. Meine Mutter war von altem Adel, wenn auch an einen Bürgerlichen verheftathet, und wir lebten »ach dem Tode meines Vaters beim Bruder meiner Mutter auf dem Lande, nicht gerade in glänzende» aber doch sorglose» Verhälttriffe». In dem kleine» Landstädtchea, das in unserer Nähe lag u»d wo ich zuweilen die vom Landadel arrangirfen Bälle besuchte, lernte ich Deine» Vater ken»e«, der am dortigen Gericht als Referendar orbetiete. Er war eckig in seinen Manieren und wenig schön; aber man hielt ihn, besten Vater ei» armer Sekretär war und sich die Mittel, seinen Sohn studften zu lassen, vom Munde abgespart hatte, für einen tüchttge» und brave« Mensche», und da» ist er ja auch bis heute. Der hatte sich gleich beim erste« Begegnen in mich verliebt, wagt aber nicht, mir seine Neigung zu zeige». Da ttaf ihu der Schmerz, seinen Vater «nd gleich darauf auch seine Mutter zu verliere». Der arme junge Manu, der gerade nach Berlin gehen wollte, um sein Affeffor-Examen zu machen, sah sich plötzlich, da der Nachlaß nur wenige hundert Thaler betrag, vis-ä-vis de rien, was allgemeine Theil» nähme im ganze« Kreise erregte. Man kam über et», die Mittel, die er zur Absolvirung seine» Examens brauchte, für ih« zu sammel«. Mein Onkel, der ihn trotz der Uogeschickthett feiner Manieren sehr schätzte, hatte die Sache in die Ha»d genommen.

Er lud ihn ein, einige Wochen zur Erholuug denn die jähen Verluste hatten ihn auch in der Ge-

Der eben erschienene Jahresbericht deS sozial demokratischen Parteivorstandes, der im gestrigen .Vorwärts" fünf eriggedruckte Seiten füllt, wird von denLeipziger Neuesten Nachrichten" folgender­maßen glossirt:So viel dieser Bericht auch ver­schweigen mag, so bietet er doch mancherlei Momente, die das lebhafteste Interesse erwecken können. So läßt sich auch jetzt der Hinweis darauf nicht unter­drücken, daß keine Partei, auch derBund der Land- wirthe" nicht, eine nur annähernd so straff gegliederte und klug auf gebaute Organisation besitzt, wie jene Partei, die den Kampf gegen den bestehenden Staat auf ihre Fahnen geschrieben hat. Hier wie immer ist eS besonders die Preßagitation, die den Gegnern als Muster dienen kann. De»« während weder Konservative »och Nationalliberale und selbst Frei­sinnige sich zu der Erkenmniß durchgerungen haben, daß die politische Presse ein ganz gewaltiges Macht­mittel bildet, während man auf dieser Seite fast durchweg auf das Moment der Trägheit spekulirt, das die Massen bei der Fahne halte» soll, arbeitet die Sozialdemokratie mit einem Nachdruck, der besser als alles andere u»S ihre Erfolge und ihr stetes Wschsthum verstehen lehrt. Da wird dieMärz- zeitung" in 150000 Exemplaren abgesetzt, von der Maizeitung" wird fast die doppelte Anzahl ver- trieben, einzelne Bücher haben in wenigen Wochen eine Auflage von 30-, 50- und 100000 Exemplaren, und vo» Calwers Wahlbroschüre wurden 450 000 Stück verbreitet neben einer Viertelmillion anderer Flugblätter! Und daneben erscheinen ältere Werke von Bebel, Bracke, Kautsky, Marx in immer neuen Zehntausende», und stolz kann die Buchhandlung des .Vorwärts" die Gesammtzahl der von ihr allein in die Massen geworfene» Schriften auf anderthalb Millionen beziffern! Ja, eine derartig nachhaltige Agitation, die übrigens der Partei nicht einmal materielle Opfer auferlegt, sondern ihr noch einen stattlichen Heberschuß sichert, muß doch eine gewisse Wirkung erzielen. Ebenso lebhaft, wie die Agitation durch die Presse, ist auch die Agitation in Ver- sammluugen gewesen. Während der bürgerliche Ab­geordnete sich im aögemeimn kaum dazu herbeiläßt, zwei- oder dreimal seinen Wählern einen Rechen­schaftsbericht zu erstatten, ist die sozialistische Führer­schaft in sterer, fördernder Bewegung. Daßder Wahlkampf dieses Mal Summen gekostet hat, wie noch nie ein Wahlkampf zuvor", kann man daher wohl begreifen; wenn der Gewinn an neuen Mandaten dem Aufwande nicht entsprach, so lag der Grund nicht in dem Mangel an Opferwilligkeit der Genossen, foubera in ber verständigen Taktik eines großen TheileS des Bürgerthum», daS noch in letzter Stunde, mit wenigen unrühmlichen Aus­nahmen, sich zum Kampfe gegen den gemeinsamen Gegner znsammenschloß. Daß der Rechenschafts­

sundheit sehr heruntergebracht bei uns zuzubringen und überreichte ihm die zusammeugebrachten Mittel, die zwar nicht besonders groß, doch genügend waren, ihm das Examen zu sichern.

Bodin war natürlich tief gerührt meinem Onkel mit Leib und Seele ergeben. Wir leinten uns während feiner Anwesenheit auf des Onkels Gute näher kenne« und lieben, leider zu feinem Hnheil!"

,O, Mama bedenke," unterbrach Elli sie vor­wurfsvoll.Du sprichst vo« Deinem Gatte«, unserm Vater."

Ich gebe ihm ja nicht allein die Schuld,' er» widerte die Räthin weinerlich.Gewiß nicht! Aber der Onkel und die anderen hatte» recht, daß sie mit mir grollte», als wir ihnen von unserem Verlöbnisse Mittheilung machten. Thorhett, sagte der Onkel, der Bodin müßte eine tüchtige wirthschafttiche Frau haben die wie er es versteht, in bescheidene» Verhältnissen mit einem kleinen Gehalt hauSznhatten. Du passest nicht für ihn, nicht in feine sparsamen Gewohnheiten^ Ach, ich glaubte ihm damals nicht, glaubte, ganz leicht in da» beschränkte Leben an seiner Seite mich finden zu können. Die Kraft und Gewalt seiner Leidenschaft riff en mich fort, und er hielt mich be­fähigt für Alles. Zu groß dachte er von mir, das ist mein, ist sei» Verderben geworden.'

Wieder hieü die Räthin inne. Elli hörte mit wett geöffneten Augen zu.

Weiter,' sagte sie leise,weiter."

bericht desVorwärts" ganz besonders die Erfolge heraushebt, die i» ländlichen Wahlkreisen er­rungen worden sind, war zu erwarten; immerhin dürste hier doch der Erfolg hinter der Er­wartung zurückgeblieben sei». Der Bericht gesteht auch einen ber Hauptgrünbe für bie Geringfügigkeit ber hier erzielten Resultate ganz naiv zu:Der Bauernhofbesitzer verfolgt fast durchweg Interessen, bie auf einer Marschroute liegen, bie weitab von ber unsere» geht. Das in unseren Reihen vielfach ver­langte Agrarprogramm würbe zur Gewinnung ber Bauern nur bann bienen, wenn wir ihnen auf all­gemeine Kosten Voriheile einräumte», bie wir ohne Verstoß gegen unsere Parteigrundsätze nicht gewähre» können." Leider fehle» die einst üblichen Mtt- theilungen über die Betheiligung der einzelnen Wahl­kreise an den Leistungen für bie Centralkasse in bem jüngsten Bericht vollständig. Wenn früher etwa die Münchener im ganzen Jahre nur 6 Mark und andere Kreise noch weniger nach Berlin sandten, so ließen sich hieraus doch immerhin recht hübsche Schlüsse auf die Neigung derProvinz' ziehen, sich unter die Controlle der Herren Singer und Bebel zu stellen. Aber solche Schlüffe find unangenehm, und so zieht man es vor, de» Mantel schweigender Liebe über diese Dinge zu breiten."

Nicht nur französische Blätter, sondern auch die in französisch-polnischem Sinne arbeitenden Nowosti in Petersburg, haben den Versuch gemacht, die so­genannte elsaß-lothringische Frage mtt der von Rußland angeregten Friedenskonferenz in Zusammenhang zu bringen. Wenn wir diesen Er­örterungen gar keine Bedeutung beigelegt haben, s» geschah das deßhalb, weil wir an chauvinistische» Regungen in der ftavzöfischen Presse bis zum Ab- gebrühtsein gewöhnt find und ganz genau wußten, daß hinter de» Nowosti keine Factoren stehen, die für bie russische Politik in Betracht kommen. So ist es benn auch nicht überraschenb, baß bieNowoje Wremja" sich über diese Treibereien recht abfällig aus- spricht. Sehr kühl weist sie die französischen Schmerzen von ber Conferenz ab nnb zeigt als einzige Möglich­keit bie unmittelbare Verhandlung mit Deutschland, wenn in Berlin die Neigung zu solchen Abmachungen aufkommen sollte." Daß diese Bedingung sich nicht erfüllen wird, bedarf keiner Andeutung. Am Schluffe des Artikels der Nowoje Wremja, ber bisher in un­genügender telegraphischer Kürzung bekannt geworden war, heißt es:Rußland wird an seinen Verbündeten niemals irgendwelche Forderungen in ber elsaß- lothringischen Frage stellen, ja, es wirb sich nicht einmal ben geringstenRath" in bieser Hinsicht er­lauben, ba es sich nicht bas Recht zuerkennt,bie empfindlichste Stelle in ber Seele ber französischen Nation" zu berühren. Die Folge» bes Krieges von 1870/71 hülfen nicht zu den Fragen gehören, bie auf ber internationale» Conferenz zur Verhandlung gelangen, wenn diese Conferenz zustande kommt. Indem wir diese Ansicht aussprechen, find wir ganz überzeugt, daß wir sowohl mit der russischen öffent­lichen Meinung als mit den russischen leitende«

Nun, eS kam, wie der Onkel nnd die Mutter vorausgesagt hatten, wie es nicht ander» kommen konnte," fuhr die Räthin fort.Ich hatte eS mir ja gar nicht vorgestellt, wie schwer eS fei, mit bem ge­ringen Gehalt eines Amtsrichters auszukommen, wenn Jahr »ach Jahr die Familie sich vermehrt, und nach außen hin den Anstand zu bewahre». Unb nun kam »och zweierlei hinzu, was mir bie Führung des Haus­haltes um Viele» erschwerte: das war die Vorsorge Eures Vaters für Euch, seine Kinder, für bie er gleich nach Eurer Geburt sich verpflichtet fühlte, sich mtt einer bebeutenben Summe in bie Lebensversicher­ung einzukaufen, was unsere Einnahme noch um vieles schmälerte. Dann feine geradezu erschreckende Heftigkeit, die auch den geringsten Widerstand nicht ertrag.

An die äußerste Sparsamkett gewöhnt, forderte er sie auch von mir, nnb wenn ich doch ihm ein be­hagliches Leben bereitete, an das er sich allmählich gewöhnte, so glaubte er, ich besitze besondere wttihschaft- liche Talente, und belobte mich deswegen. Ich ver­hehlte ihm, und daS war mein Unrecht, daß ich nie mit dem mir von ihm gegebenen Monatsgelde auskam, sondern von Mutter »nd Onkel mir eine Zulage er­bettelte, die mir die Art unserer Lebensführung allein möglich machte. Aber Mutter unb Onkel starben, da» Gut fiel an eine« meiner abeiigen Vettern. Ich hatte meine« Antheil an ber Erbschaft, wie im Testament staub, schon fort.

(Fortsetzung folgt.)