die Heraufschraubung der Getreidepreise das Futter
die Qualität des Schlachtviehes zu
Dort sprach ein freisinniger
abgehalten.
einer Fleischeriunung.
Obermeister
und
und
Das Geschrei über Fleischvertheuerung.
Es ist lustig, wahrzunehmen, wie die frei» händlerischen Schreier über angebliche Fleischnoth sich gegenseitig widersprechen. Wie dies immer ist, wenn
Vielfach hat man nach de» Verbrechen Lucchenis die Einführung der Prügelstrafe für anarchistische Unthaten in Vorschlag gebracht. Bezeichnend für die durch dieses Verbrechen servorgerufene Stimmung ist es, daß sogar ein ocialdemokratisches Blatt, die „Dortmunder Arbeiterzeitung", sich zur Prügelstrafe gegen Anarchisten in folgender Weise äußert:
Für gewisse Fälle ist diese Frage wohl auch erwäq-nr- werth. Alle Menschenleben haben aus den gleichen Schutz auch Anspruch. Weisen Leben aber in höherem ®rob« und in besonderer Weise gefährdet ist, für den find auch besondere Schutzmaßnahmen zu treffen, damit der gleiche Sffect, nämlich der mögliche gleich« Schutz erreicht wird. Das gilt von Bergleuten ebenso wie von gekrönten Häuptern. Luccheni ist (das fieht jetzt fest) Anarchist und nickt un> zurecknungifähig: zu den Gründen solcher anarchistischen Sckaiidtdaten gehört eine herostratiscke Ruhmsucht, die nicht durch den Tod und nicht durch Grfängniß. aber vielleicht durch Prügel grdämvft wird. Wir halten deßhalb in diesem Falle die Prügelstrafe für wohl dircutabel.
Auck der Reichstag wird anscheiuend Gelegenheit haben, sich einmal über die Einführung der Prügelstrafe auszusprechen. Es kann nicht schaden, wenn die demokratischen Parteien einmal genöthigt werden, in diesem Punkte Farbe zu bekennen. Verschiedene Blätter ihrer Richtung haben sich ebenfalls für die Prügelstrafe ausgesprochen; in der Bevölkerung aber dürste diese Strafart allenthalben als erwünscht angesehen werden. Die Grundlage für die erwähnte Aussprache dürfte die folgende Petition, die der konservative Verein zu Bünde i. SB. an den Reichstag gerichtet hat, abgeben:
Ang'ficht« der grauenhaften Morde in Genf, Osnabrück und anderen Orten bitten wir den Reichstag, auf Wiedereinführung schärfster Prügelstrafen, namentlich wo «S sich um bestialische Verbrechen gegen Frauen und Kinder handelt, hinzuwirken. Sie ist die einzige Strafart, welche di« entarteten Unmenschen noch fürchte».
Zugleich soll an sämmtliche deutsche Vereine jeglicher politischer Richtung das Ersuchen gerichtet werden, sich dieser Petstion anzuschließeu, damit der hohe Reichstag sich davon überzeugt, wie stark der Wunsch des Volkes ist, unser Sttaffystem durch Wiedereinführung der Prügelsttafe gegen Lustmörder
unterwiesen, sondern auch zu gottesfürchtigen, iltlichen und vaterlandsliebenden Menschen erzogen werde. Die sozialdemokratische Partei erstrebt auSgesprocheuermaßen die Beseitigung der bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung. Scho» daraus ergiebt sich folge» lchtig, daß ihren Mitgliedern die Wahrnehmung brigkeitlicher Befugnisse von Staats wegen nicht anvertraut werden kann. Sie steht nach ihren programmatischen Kundgebungen in einem grundsätzlichen Gegensatz zu den Aufgaben der preußischen Volksschule. Daraus folgt, daß ihren Anhängern die zur Erfüllung dieser Aufgaben erforderlichen Eigenschaften abgehen und daß sie als Mitglieder einer städtischen Schuldeputation oder eines Schulvorstandes nicht zu- gelsssen werden könne». Der Königlichen Regierung mache ich daher zur Pflicht, vorkommendenfallS der Wahl derartiger Personen zu Mitgliedern von städtischen Schuldeputattonen oder Schulvorständen von Schulauffichts wegen die Bestätigung zu versagen und die Nachgeordneten, zur Mitwirkung bei der Bestätigung oder zur selbstständigen Ausübung des Bestätigungsrechtes berufenen Behörden und Beamten alsbald mit enttprechender Weisung zu versehen."
Händler und Engros-Schlächter werden sich diese Unterstützung ihres wucherischen Treibens schon wahrnehmen.
Auch das Geschrei zu Anfang dieses Jahrzehnts hatte eine solche Wirkung und noch jetzt spüren die deutschen Hausfrauen an ihrem Geldbeutel das ireihändlerische Geschrei über die Nothwendigkeit, das Gebäck zu verkleinern, weil die Getreidezölle so hoch ’eien ’ Die Herren Freihändler sind viel zu gute Geschäftsleute, als daß sie diese Seite ihrer Wirksamkeit falsch taxiren sollten. Weßhalb schreien sie denn „unentwegt- wefter, obwohl sie sehen, daß ihr Lärmen nur weitere Theuerung hervorruft? Wollen sie etwa in erster Lime eine solche Wirkung? W o l l e n sie als Agitationsmittel theure Lebensmittelpreise herbeiführen? Fast scheint eS so. Jedenfalls hören die Großhändler diessttts und jenseits der Grenze dieses Theuerungsgeschrei, daS ihnen die Beutel auf Koste» unserer Konsumeuten und unserer Landwirthe füllt, mit der größten Freude.
Selbst sozialdemokratifche und demokratische Blätter konnten nicht umhin, zuzugeben, daß die Zwischenhändler es in erster Liuie sind, die das Fleisch veitheuern. Auch „Genosse- Singer hat in der Berliner Stadtverordnetenfitzung augedeutet, daß die frei» händlerische Agitation gar keinen prakttsche» Nutzen habe, daß aber durch Lahmlegung des Zwischenhandels — indem Gemeindebäckereien und Gemeindeschlächtereien errichtet würden — eine Verbilligung der Lebensmittel herbeigeführt werden könnte. Wie stellen sich die Freihändler zu diesen Widersprüchen? Sie schweige» — und lärmen weiter.
In Hamburg hat jüngst ein freisinniger Verein eine Protestversammlung gegen daS Vieheinfuhrverbot
vermindern, daher sei die Oeffnung der Grenzen unbedingt geboten, um gutes Vieh hereinzubekommen.
Man muß aber schon allein deßhalb an der Weisheit des Hamburger Obermeisters irre werden, wenn man die Motivirung anderer Sachverständiger dessen Gutachten an die Seite stellt. So hat der Begründer des fteisinnigen Antrages in der Berliner Stadtverordnete» - Versammlung behufs Ergreifung von Maßregeln gegen die Fleischvertheuerung erklärt: .Deutschlandsei trotz des guten Futterjahres nicht im Staude, soviel Vieh zu erzeugen, um den Markt völlig zu versorgen, wir seien also auf die Einfuhr angewiesen.- Man steht, jeder dieser freihäudlerischen Fleischvertheuerungsschreier ist über die Ursachen der „Fleischnoth- anderer Ansicht, nur in dem einen Punkte harmoniren sie: Sie verlangen schrankenlose V i e h e i n f u h r auf die Gefahr hin, die deutschen Viehbestände zu verseuchen und die deutsche Viehzucht leistuugsunfähiger zu machen, als ste wirklich ist.
Die Widersprüche der sreihändlerischen Fleischund Vieh-Sachverständigen find also derart, daß man auf deren „Gutachten- lieber gar keiuen Werth legt. Das Hauplbestreben jener Herren ist es, für die unbeschränkte Einfuhr — also für die Engroshändler — Stimmung zu machen. Niemand glaubt, daß dadurch die Fleischpreise niedriger würden. Solange die Vieh und Fleischringe bestehen, solange werden die Konsumenten theureS Fleisch uud die Producenten un- lohnende Viehpreise haben.
Dieser Herr sollte doch die wahren Ursachen der Fleischvertheuerung kennen und auch der Fleischwucher der Großhändler sollte ihm nicht unbekannt fein. Darüber aber verlor er kein Wort. Er war wohl zu sehr fteisinuiger Parteimaun, um dieses unbequeme Thema anzuschlagen. Die von den Großhändlern abhängigen Fleischeimeister, die, um nicht den Kredit zu verlieren, leider gezwungen sind, den Mund zu halten, werden über die Rede ihres Obermeisters nicht sonderlich erbaut geweseu sein. Vielleicht aber findet sich einmal ein wirthschaftlich und politisch unab- hängiger Meister, der die Sache aus eigener Anschauung richtig schildert.
Was 'der Hamburger Obermeister vortrug, war nur ein Sammelsurium auS Freihandelsblättern, das nun als das „vernichtende' Urtheil eines „Sachverständigen- durch alle fteisinnigen Zeitungen geht. Natürlich behauptete er, die Großgrundbesitzer seien
Umschau.
Der von uns in letzter Zeit mehrfach erwähnte Erlaß des Ministers der geistlichen 2c. Angelegenheiten, betreffend die Nichtbestätigung von Angehörigen der sozialdemokratischen Partei als Mitglieder von Schuldeputationen oder Schulvorständen, hat folgenden Wortlaut: „Neuere Vorkommnisse veranlassen mich, die König!. Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß Personen, welche der sozialdemokratischen Partei angehören oder sich als Anhänger und Förderer derselben bethätigen, weder in städtische Schuldeputationen noch auch in Schulvorstände als Mitglieder eintreten dürfen. Die Thätigkeit der Schulvorstände sowohl wie der Schuldeputationen beruht auf einer Uebertragung obrigkeitlicher Befugniffe und erstreckt sich nicht nur auf äußere, sondern auch ans innere Angelegenheiten des Schw wesens. Insbesondere find den städtischen Schul deputattonen neben der Verwaltung des städtischen Schulwesens wesentliche staatliche Aufsichtsrechte über die Schulen und die Lehrpersonen ihres Bereiches übertrage». Dies hat zur Voraussetzung, daß die einzeluen Mitglieder der Schuldeputation im Stande und bereit sind, zur Erfüllung der Aufgaben der preußischen Volksschule mitzuwirken. Gemäß ihren Amtspflichten haben ste daher gewissenhaft dahin zu streben und dafür zu sorge», daß die Heranwachsende Jugend nicht nur in den für das bürgerliche Leben nöthigen allgemeinen Kenntnisten und Ferttgkeiten
Ziehungslisten der König!. Preuß. Klaffen-Lotterie ■ die gelesenst« und am weitesten veibreitete. Mit dem ■ 1. October 1898 begann auf ste ein neues Vierteljahrs-Abonnement.
Die „O b e r h e s s i s ch e Zeitung' hat es sich in erster Reihe zur Aufgabe gestellt, einzutreten für die Macht und das Ansehen von Kaiser und Reich, für Thron, Vaterland und Altar!
Die „O b e r h e s s i s ch e Zeitung' ist bestrebt, überall, wo sie nur gelesen wird, das r ationale Bewußtsein. Treue zur Monarchie, Liebe znm Vaterland», Gottesfurcht und religiösen Sinn, nre Achtung vor unseren Gesetzen und bewährten staatlichen Einrichtungen zn fördern!
Die „Oberhessische Zeitung' sucht dies Ziel durch gediegene, sachlich gehaltene, populär geschrieben« Leitartikel zu erreichen. In ihrer Rubrik .Umschau' wird sie wie bisher «ine Uebersicht über die wichtigsten Tages- ereigniffe auf dem Gebiete der inneren und änßeren Politik und deren Besprechung bringen, und die Vorgänge in den Parlamenten, in Reich und Staat, unter dem Tagesbericht wie bisher zusammenstellen.
Durch ihre Verbindung mit der Eontinental - Telegraphen - Compagnie in Berlin ist die „O b e r h e s s i s ch e Zeitung' in der Sage, ihren Lesern in Original - Telegrammen die neuesten Ereigniffe im In- und Ausland« unverzüglich zur Kcnntniß zu bringen.
Den Vorgängen in unserer Provinz, wie dem lokalen Theil« wird di« .O b«rh essischr Zritung' ganz besondere Aufmerksamkeit widmen, auch wird sie nicht nur durch ein gediegenes Feuilleton, wie durch Zusammenstellung unterhaltender verschiedener Nachrichten für ihre Leser Sorge tragen, sondern, wie eineStheilS den Vorgängen auf dem Gebiete von Kunst und Wiffenschaft, so anderer- sefts dem volkswirthsckastücheli und land wirt hschaft- l i ch e n Interesse durch einschlägige Veröffentlichungen thnn- lichst entgegenzukommen allezeit bestrebt fein.
Inserate finden, die sechsspaltige Zelle 10 Pfg„ bei der großen Auflage der ,O b e r h e s s i s ch e n Zeitung' in derselben die geeignetste und weiteste Verbreitung. Dadurch, daß alle Staats- und Kommunalbehörden des Bezirks die .Oberhessische Zeitung" zu ihren Bekanntmachungen benutzen, ist das Halten derselben von entsprechendem Nutzen für jeden Leser.
Schließlich bitten wir unsere Leser, Freunde und Gömier, unter ihren Bekanntenkreisen für die Weiterverbreitung der .Oberhessischen Zeitung" thuu- lichst Mitwirken und so auch ihrerseits Helfer und Förderer einer nationalen und loyalen Politik sein zu wollen, einer Politik, die sich aller umstürzlerischen Tendenz der heutigen Zeit gegenüber treu bleibt in der Devise: „Mit Gott für Kaiser und Reich, für König und Vaterland!*
Marburg, im September 1898.
Die Erped. der .Oberhess. Zeitung.'
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Unter den in Marburg täglich erscheinenden politischen Zeitungen ist die
„Oberhessische Zeitung" mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg Kirchhain sowie Jllustrirtcs Sonntagsblatt
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieser Blatter, die Annoncen- 8ureau$ von Haasenstefti & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magd«- OQ barg, Wien: Rudolf Moss«, Frankfurt a. M., Berlin, München, Kol»;
6. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berkin, Hannover, Pari« X. —
Jemand eine Sache vertreten soll, von deren Güte er an der Theuerung schuld.^ Einmal hätten ste^ durch absolut nicht überzeugt ist, so geht cS auch den I 2 7.'. ' „ *" **---“*
Fleischnoth-Agitatore». Es fehlt ihnen an sachlichen vertheuert und dadurch fei der Viehbestand Gründen für ihre Behauptungen, die sie nun einmal zurückgegaugen; dann seien sie draus und dran, m Dienste des Großkapitals aufstellcn müssen. Vor i ch l eji) tes , F u t t e zu. verwenden und dadurch allen Dingen aber müßten die Agitatoren sowohl als auch die Zeitungen, die nicht aufhören mit allerhand „Nachweisen" darüber, daß das Fleisch thener sein und theuer bleiben, ja noch theurer werden müsse, doch sich klar darüber werden, daß sie durch dieses Thun nur auf eine weitere, durch nichts zu motivirende Fleischvertheuerung hinwirken. Die Fleisch-
Srscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen.
QuartalS-AboimemeutS-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen w
Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). JnfertionsgebAr: die g«- 90 (SetttemBei 1898
galten« Zell« oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: dl« Zeil« 25 Pfg. -Dtt)llIlLrsIllg, XOUO
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-.7...2»...Mustrirtes S-nutagsblatt. ——•*ÄT
•Petition: Markt 21. — Telephon 55. ' ___________________
(Nachdruck verboten.)
KerSstblüthe.
Roman von Clarissa Lohde.
(Fortsetzung.)
Wie ein jähes, alles ringsum verwüstendes Unwetter war es diesen Morgen über die ahnungslose Familie hereingebrochen. So sehr man auch an die heftigen ZornesauSbrüche deS Hausherrn gewöhnt war, einen solchen hatte noch Niemand erlebt. Es hätte nicht viel gefehlt, und der Jähzornige wäre, wie gestern gegen Referendar Hübner, heute gegen seine Frau handgreiflich geworden, hätte Elli sich nicht dazwischen geworfen und den niederfallenden Schlag selbst aufgefange«. Die Schwester» wußten nichts, als zu weinen und die Hände zu ringen. Elli allein verlor die Besinnung und Thatkaft nicht. Auch in ihrer Seele klaffte eine Wunde auf, eine Wunde, so tief und schmerzhaft, das sie an eine Heilung kaum mehr glaubte.
I» welchen Abgrund hatte sie gesehen, den Leichtsinn einerseits, Engherzigkett und ein ungezügettes Temperament andererseüs gegraben hatten, ein Abgrund der sie alle verschlingen mußte! Auf den Kniee»
hatte sie Gott dafür gedankt, daß sie fest geblieben, daß Ottomar wett, weit fort vou hier war. Wie hätte das Unheil, die Schmach, die sie bedrohte, noch tiefer, noch schmerzlicher auf sie gedrückt, wenn sie ihn als Mftleidenden durch die Leidenden neben sich gewußt hätte. Kein Schatte» konnte jetzt vou ihr auf ihn faßen; er war frei und der Weg zu der Höhe des Ruhmes und des Ansehens ihm durch sie nicht versperrt.
Aus dem Zimmer deS Vaters ertönte die Glocke. Erschreckt blickten sich alle an; wer sollte hineingehen? Man wußte, daß der Rath es nicht liebte, wenn dos Mädchen nach seinen Wünschen zu fragen kam, daß er sich von seinen Töchtern bedient zu sehe» wünschte.
Elli faßte sich zuerst. Noch bräunte der Fleck auf ihrer Stirn, den sie der wuchtigen Hand deS VaterS »erbanfte; dennoch erhob sie sich, entschlossen, seinem Rufe zu folgen.
Die Räthin, die so lange bleich, matt, fast ohne Leben bagelegen hatte, sah jetzt angstvoll zu ihr auf.
„Bitte ihn für mich; ich bin nicht so schuldig, alS er denkt."
„Ruhig, Mama, ruhig. Ich bürge Dir dafür, daß der Vater Dir nichts mehr thnt"
„Du? Ach Elli, wenn Du das könntest! Ich sterbe ja vor Angst."
Elli »ar schon aus der Thür. Wieder versank alles in Schweigen; nur der Räthin leises Stöhnen unterbrach zuweilen die lautlose Stille.
Minuten vergingen, eine viertel, eine halbe Stunde. Elli war noch nicht zurück.
„Mein Gott! WaS ist mtt ihr geschehen?" kam es endüch bange fragcnb von der Räthin Lippen. „Wenn eine von Euch zum Vater ginge, nachzusehen!'
»Nein, nein," wehrte» sich Lena uud Otti. „Was fann'üjr denn geschehen? Sie wftd schon kommen." Aber auch ihre Blicke hingen jetzt ängstlich an der Thür. Da öffnete sie sich, und Elli trat herein, bleich zwar, doch ruhig, ohne Zeichen besonderer Erregung.
Sie hielt einen großen Bogen Papier in der Hand, legte ihn schweigend auf den Tisch der neben, der Chaiselongue der Räthin ftanb, und holte dann aus dem Nebenzimmer vom Schreibtische Feder und Tinte herbei.
„Laßt mich einen Augenblick mit Mama allein,' wandte sie sich an Lena und Otti.
So neugierig sonst die beiden lebenslustigen Mädchen auch waren, heute kam eS ihnen ganz gelegen, sich der ernsten Auseinandersetzung, die sie voraussahen,
entziehen zu können. Nicht alles zu wissen, schien ihnen hier daS Bessere. Und Elli würde es ja schon machen. Sie trug ja immer die Sorge» für fie, e8 war also natürlich, daß ste eS auch jetzt that.
Sie »ahme» ihre Handarbeiten zusammen und zogen sich in daS Nebenzimmer zurück, die Thür fest hinter sich schließend.
Die Räthin hatte sich halb aus ihrer liegende» Stellung erhoben, an» ihre» Augen, ihren verstörten Zügen sprach eine beklemmende Angst:
Sei nicht so aufgeregt," bat EL, ihren Stuhl an der Mutter Sette schiebend. „Es ist gar nicht so Schlimmes, was ich Dft zu sagen habe. Papa war schon wieder ganz ruhig und gefaßt. Nm verlangt er, und mit Recht, daß Du ihm ohne Hehl und Rückhalt, ganz wahr, alle die namhaft machst, denen Du etwas schuldig bist. Ich werde es hier für ihn niederschreiben, und erst bann kann Papa sehen, wie er die Schulden tilgen, den Flecken von seiner Ehre abwaschen kann. Hoffentlich," fügte fie ermuthigend hinzu, „ist eS nicht gar zn viel. Die böseste Schuld bei Isidor, denke ich, haben wft ja durch Irmgards Vorschuß getilgt."
(Fortsetzung folgt.)