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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

e#*l**#!*: 0»h Äug. «och, llnwttMtr-Buchdmckerei in Rarburg. «ewmhwrtfi^ für btt Ätbnftiw: itooKent R. Hartmann in Marburg.

«GPchttion: Marit 81. L«l«phon SS. ^UU|UUKP Redakti-n: Mar« 21. - Telephon 55.

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Zur Lage

des preußischen Beamtenthums.

Die Socialdemokratie zeigt fich Angesichts der kommenden Landtags wählen eifrigst beflissen, den untern Beamten in Preußen nachzuweise», daß sie von der Regierung und den konservativen Parteien im Landtage weder Wohlwollen noch Fürsorge zu er- warten hätten. Dabei verfehlt man nicht, den Hebel des Neides in Bewegung zu setzen und die Sache so darzustellen, als ob anderseits den höhern Beamten eine unverhältnißmäßig starke Begünstigung zu Theil geworden wäre.

In der socialdemokratischen Darstellung erscheint nun aber der wahre Sachverhalt schon dadurch ver­zerrt und getrübt, daß der Accent ganz einseitig auf die Besoldungs-Verhältnisse gelegt wird. Thatsächlich reicht die Beamten-Fürsorge des preußischen Staates weit über den Rahmen einer befriedigenden Regelung der Gehaltsfrage hinaus. Gerade hierin liegt ja der besondere Anreiz für die zahlreichen Bewerber um eine staatliche Beamtenstellung.

Seit dem Jahre 1872 hat zunächst stattgefunde» die Gewährung des gesetzlichen Penfions - Anspruches unter Wegfall der Abzüge zum Pensions-Fonds und die Erhöhung des Peusionssatzes von Vso auf 1/60 für jedes Dienstjahr. Es erfolgte ferner die Ge­währung des Wohnungsgeld - Zuschusses und der Wittwen- und Waisengelder bei späterm Erlaß der Wittwen- und Waisengeld-Beittäge. Hinsichtlich des Wittwen-Gesetzes aberkannte Finanzminister v. Miquel mit Recht betonen, daß dasselbe hauptsächlich den Hinterbliebenen der Unterbeamten zu Gute kommt. Endlich ist mitten im Defizit das System der Dienst- Altcrs-Zulageu durchgefühlt worden, das dem Be­amten eine sichere Voraussicht seiner zukünftigen Ein­kommens-Verhältnisse und damit eine sorgfältige, den Umständen Rechnung tragende Wirthschaftsführung ermöglicht. Wer alle diese Maßnahmen überblickt, der wird als ehrlich denkender Mensch fürderhin weder von einer mangelnden Beamten - Freundlichkeit der Regierung und der ihr nahestehenden Parteien im Allgemeinen sprechen können, noch gar behaupten dürfen, daß die untern Beamten im Gegensätze zu den höhern mit einem dürftigen Linsengerichte abgespeist seien.

Doch wie verhält es sich nun mit den von der Socialdemokratie so scharf kritifirten Besoldungs- Verhältnissen? Blicken wir auch hier einmal zurück. Das Anfangsjahr für unfern voraufgehenden Rückblick, 1872 nämlich, ist gleichzeitig das Jahr einer all­gemeinen Gehalts-Aufbesserung gewesen. Als aber die steigende Lebenshaltung fast aller Bevölkerungs- klaffeu in den folgenden Jahrzehnten auch die Be- dürfnifle bei Beamtenthums mit Nothwendigkeit ver­mehrte, da setzte 1890/91 das Auf­

besserungswerk zunächst bei den Unterbeamten mit einem Aufwande von rund 15 Millionen Mark ein. Die Gehälter nahezu aller Unter­beamten wurden dazumal um durch­schnittlich 13 Prozent oder nm den achten Theil des bisherigen Ein­kommens erhöht. Ohne Frage erforderte die Gerechtigkeit, daß das mit den Unterbeamte» be­gonnene Aufbesserungswerk späterhin auch nach oben abgeschlossen wurde. Indessen brachte erst das Jahr 1897 auch den mittleren und höheren Beamten die ersehnte Gehalts-Erhöhung. Der zeitliche Vorsprung in der Aufbesserung der Unterbeamten ist also ein keineswegs unbeträchtlicher. Ferner betrugen die Gehalts-Erhöhungen der letzgenavnten Beamteuklassen durchschnittlich nur 10 Prozent der bisherigen Gehälter, blieben also um drei Prozent hinter der Gehalts-Aufbesserung der Uuterbeamten zurück.

Leider müssen wir uns eine eingehendere Be­handlung dieses Gegenstandes hier versagen. Jeden­falls dürfte aber auch aus den vorstehenden kurzen Ausführungen schon zur Genüge hervorgehen, daß jeder Versuch, die preußische Regierung bei ihren niederen Beamten in Ungunst zu setzen, nichts anders als eine Verleugnung und Fälschung geschichtlich fest­stehender Thatsachen bedeutet.

Umschau.

ES ist nur zu bezeichnend, daß die radikale Presse bei uns in Deutschland in die Tiefe des furchtbare» Problems, vor das der Anarchismus, dieses rechte Kind der Sozialdemokratie, den Staat und die mensch­liche Gesellschaft stell:, nicht eingeht; ja sie eifert gegen jeden von anderer Seite gemachten Versuch, an das Volks gewissen und an die Pflicht der Re­gierungen zu appelliren. Es ist ja so viel bequemer, sich mit der schweren normalen Verantwortlichkest für die beim Züchten des Anarchismus geleistete indirekte Beihilfe durch Stigmatistrunz des Genfer Mordbuben als eines .Wahnsinnigen" abzufinde». Liberaler Radikalismus und bürgerliche Demokratie von der sozialdemokratischen Presse ganz zu schweigen führen jetzt genau dieselbe Komödie auf, wie bei früheren Anlässen gleicher Art, bei der Ermordung des Präsidenten Carnot, des spanischen Staatsmannes Canovas del Castillo usw. Entrüstung, soviel ge­wünscht wird, aber nur beileibe keine praktische Nutz­anwendung aus den entsetzlichen Lehre», welch: die Scheußlichkeiten des Anarchismus der That doch mit überlauter Stimme in alle Welt hwausrufen. Ja, das Hauptorgan der Berliner bürgerlichen Demokratie meint,in Deutschland habe der Staat auch in de» letzten Jahren recht kräftig gelebt", um solchermaßen

(Nachdruck verboten.)

K e x B ft B £ ü t $ e.

Roman von Clarissa Lohde-

(Fortsetzung.)

Und auf diese vagen Einbildungen hin willst Du el riskire», daß die Beiden eine ernstliche Neigung für einander fassen, um schließlich unglücklich zu werden? Nein, Mama, Deine Pflicht ist es, Alles zu thu», um daS Zusammenkommen von Otti und Chick möglichst zu verhindern. Aber Du schwelgst in dem Gedanken, daß ein eleganter, junger Offizier Otti anbetet, nnb bestärkst sie womöglich noch in ihrer Thorheit."

Die Räthtn zog ein uuwilliges Gesicht.

Immer schnlmeisteru, Elli, wirklich, Dn verkehrst ganz die Rollen. Bei Deiner sonstige» Klugheit solltest Du doch wissen, wie wenig fich das für ei» junger Mädchen der Mutter gegenüber schickt. Aber da D» mir schon manchmal aus der Roth geholfen hast, glaubst Du, solchen Ton gegen mich anschlagen zu dürfen."

Mamal"

I«, ja, so istr. Glaube nur nicht, daß daS liebens­würdig ist. Ich kann Dir sagen, von alle» meinen Kindern bist Du die am wenigste» liebenswürdige, mag man auch zu Dir anders spreche». Die Menschen schmeicheln Dir, weil Du Talent befitzest und etwas gelernt hast, und »eil Dir daS Glück zu Theil geworden, mit Irmgard Lutze», der reiche» vielbegehrte» Irmgard, befreundet zu fein, die doch im Grunde auch nur ihre! Geldes wegen so viel bewundert «ud umworben wird. Wäre fie in unseren Berhältniffe», fie bliebe gänzlich unbeachtet, dal kannst Du mir glauben."

Mama, so sprichst Du von Jrmgardt, der Du doch auch soviel verdankst, durch die ich allein die Aufttäge habe, die mir ermöglichen. Dir in Deine» Verlegenheiten beizuspringen, und die ich jetzt wieder für Dich in Anspruch nehmen soll?"

Gott waS ist den» viel dabei, wenn solch ein reiches Mädchen einer armen Freundin einige Aufttäge besorgt? DaS find die Reichen geradezu den Armen schuldig."

Und doch thun eS Tausende nicht" rief Elli voll Wärmeund eS gehört das gütige Herz Irm­gards, ihre edle, feine Natur dazu, um in so zarter Weise zu unterstützen. Denn eine Unterstützung, weiß ich, ist eS nur, wenn fie bei mir dieses und jenes bestellt, waS andere, wirklich anSgebildcte Künstler ihr um vieles besser liefern können. Aber ich nehme die Unterstützung an, weil ich muß, und laß eS nicht merken, wie schwer el mtt oft wird, um ihr die Freude an ihrem Men Wohlthun nicht zu verderbe».'

Nun, wenn el ihr soviel Freude macht, Dir wohlznthun", unterbrach fie die Mutter jetzt,dann kann es Dtt ja gar nicht schwer werde», fie um die 600 Mark zu bitten."

Glaubst Du daS wttklich, Mama?" fragte Elli, während es bitter um ihren Mund zuckte, und fich etwas jäh zu ihrem Arbettsttsch wendend, fügte sie rasch hinzu:

Laß mich abbrechen, Mama. Ich werde versuchen, Deinen Wunsch zu erMe», mehr kann ich Dir jetzt nicht versprechen."

Aber bald, Elli, bald, die Angst macht mich sonst ganz krank."

Sobald ich kann. Jetzt, bitte, laß «ich arbeite», damit ich Irmgard wenigstens ettoaS aufzuweisen vermag, wenn ich fie n« eine» Vorschuß bitte."

seine Abneigung gegen jedwede Verstärkung der Macht­mittel des Staates behufs Abwehr der Umsturzgefahr zu begründen. Inzwischen muß das Loyalitäls- relegramm, welches die Spitzen der deutschen Industrie an Se. Majestät den Kaiser gerichtet haben, als Ziel­scheibe für die Mißfallensäußerungen der linksextremen parteipolitischen Richtungen herhalten, obwohl man an diesem Schritte eigentlich nicht! anderes zu be- ttittelu weiß, als daß er von Männern herrührt, welche ihr Uttheil über den Umsturz und seine Helfers­helfer nicht aus abgestandenen Parteidokttinen, oder vom grüne» Tisch, sondern aus der Fülle der praktische« Erfahrung geschöpft haben. Die deutsche Industrie besitzt eben, was ihren Bekrittle!» mangelt, ununterbrochene, enge Fühlung mit dem nationalen Erwerbsleben, und darum wirft ihre Erklärung, in dem Kampfe gegen die ruchlosen Feinde vvn Thron und Altar mit unverbrüchlicher Treue zur Kaiserlichen Majestät stehen zu wollen, eix ganz anderes Gewicht in die Wagschale, als die radikal-demokratische Preß- komödie, deren Regisseure dadurch, daß fie jeder durch­greifenden Aktion zur Bekämpfung der Umsturzgefahr widerstreben, dem Anarchismus zu immer erneuten Schandthateu Muth mache», der Sozialdemokratie zu immer schärferer Verhetzung der Massen die Wege bereiten.

Nach den neuesten Feststellungen ist es nicht an­gängig, den Genfer M o r d b u b e n an die österreichischen Behörden auszuliefern, da das auf dem Boden des Cantons Genf begangene Verbrechen vor den Genfer Geschworene», nach dem Genfer Rechte, hol die Todesstrafe ausschließt, verhandelt werden muß. Dies war auch gleich die von Genfer Juristen und die von dem BundeSrathe vertretene Anschauung. DaS Scheusal wird Ende October oder Anfang November vor dem Genfer Schwurgerichk erscheinen. Jetzt hat es im Gefängnisse St. Antoine die Zelle Nr. 10 inne. Sie liegt im ersten Stock- werck, ist geräumig und luftig und kann drei Ge­fangene beherbergen. Sie enthält drei eiserne Bett­stellen mit Strohsack und Betttuch, einen Schemel, einen Zuber, Tisch und Krug. An der Wand hängt das Reglement des Gefängnisses. Durch ein 1,30 m vom Fußboden entferntes vergitteites Fenster fällt das volle Tageslicht in den Raum. Die Zelle wird Nachts elektrisch erleuchtet. Alle Viertelstunde« sieht ein Wärter durch das in der Thür befindliche Guck­loch in die Zelle. Der Mordbube kann jeden Tag ein halbe Stande im Gefängnißhof spaziren gehen, bis zur Verhandlung darf er lesen und schreiben. Nach seiner Verurtheilung wird er in daS Gefängniß de l'Evechs übergeführt werde». Auch hier muß er, wie die übrigen Gefangenen, nach der Hausordnung, die eine völlige Einzelhaft nicht kennt, behandelt werden, d. h. er wird als Korbflechter usw. beschäfttgt.

Mit leichtem Achselzucken verließ die Räthin Elli's Zimmer, aber ihre Züge hatten sich doch merklich er­heitert. Mit Behage» setzte sie sich in ihrem Wohn­zimmer in ihren Lehnstuhl und nahm ihren Roman vor, ein Erzeugniß" der Modernste», sich in dessen Lektüre vertiefend. Lena und Otti waren ausgegangen Sie hatten Besorgungen z» machen und benutzten die Gelegenheit, ein wenig zu flantteu, die Schaufenster zu betrachte» und auszuschauen, ob fie nicht etwa ihren Verehrern vom letzten Abend bei Professor GerSdorf begegneten.

6.

Im Weinrestaurant Waldau in der Leipziger­strabe hatte sich einige Tage später eine heitere Gesell­schaft gefunden. Lauter junge Leute aus der Kreisen der oberen Zehntausend; wenn auch nicht alle durch ein hervorragendes Vermögen, so doch durch ihre gesellschaftliche Stellung ausgezeichnet.

Such Referendar Hübner und Lieutenant v. Eick befanden sich darunter. Schon war man beim Cham­pagner angelangt die Gesichter hatten fich geröthet, die Unterhaltung wurde lauter, do« Lachen schallender.

El ging bereit! auf Mitternacht. Die Minne waren deshalb schon fast leer. Nur vereinzelte Gäste saßt» hier und da noch vor ihre» Gläser».

I» einer Ecke, die durch eine Holzwand von dem übrigen Raume abgetheiü war, hatte« zwei ältere Herreu Platz genommen, wett genug von der lärmenden Gesellschaft, um von ihr nicht bemerkt zu werden, doch nicht wett genug, um von der ziemlich laut ge­führten Unterhaltung, die natürlich fich um Sport und Frauen bewegte, nicht etwa! zu verstehen: der Rath Bodi» und fein Freund, Baurath Olten, ein alter Junggeselle, mit dem et fich zuweilen eine Er­holung bei einem Glast Rheinwein in dem renommirten

Für Anarchisten empfehlen übrigens dieHamburger Nachrichten" die Anwendung der Prügelstrafe. Das Blatt schreibt:

Es muß etwas gefunden werde», was die Mordbuben fürchten, was sie ihrerMärtyrer'^Eitelkeit ver­letzt, was sie öffentlich demüthigt. Als in London zu An­fang der 60 er Jahre das Garottiren kein Ende nehme» wollte, entschloß sich daS Parlament (1863) zur Wieder­einführung des Auipeitschens (flogging system). Die Folge davon war, daß diese Ueberfälle sofort aufbörte». Wir find überzeugt, daß, wenn man die anarchistifchen Mordbuben vor ihrer Justifizirung oder lebenslängliche« Einsperrung öffentlich züchtigen und brand­marken ließe, dies eine wesentliche Abkühlung ihrer ver­brecherischen Leidenschaft und damit ein« Abnahme der anarchistischen Attentate zur Folge haben würde. Die öffentliche Meinung dürfte an einer derartigen Behandlung dieser Befiien in Menschengestalt keinen Austoß nehmen."

Wir sind mit derPost" auch der Ansicht, daß man dem Mordbuben statt Cigarren, die er verlangt, allstündlich eine Tracht Prügel verabfolge« sollte, dann werden auch seine cyuische« Redensarten, die gewisse Blätter mit Wohlbehagen wiedergeben, bald aufhöre«.__

DieNeue Freie Presse" meldet aus Rom: Am 16. ds. Mts. Nacht! wurde« weitere Ver­haftungen vorgenommen. JnSgesammt find 350 Personen verhaftet worden. Es gewinnt immer mehr den Anschein, daß Lucchcni daS Werk­zeug eines C o m p l o t t e s war, welches fich auch nach Italien ausbrettete und in Mailand, vielleicht auch in Rom zum Ausbruch kommen sollte. Soldaten erhielten in letzter Zeit vielfach anarchistische Schriften aus der Schweiz zugesandt und Übergaben dieselben sofort ihren Vorgesetzten, welche der Polizei davon Anzeige machten. Drei in Mailand verhaftete Anarchisten sollen mit Luccheni bis zuletzt in regem Briefverkehr gestanden haben.

Der rusfische Minister des Auswärlige», Graf Murawiew, hat seinen Sommer-Urlaub angetreten. Er wird St. Petersburg mit dem Bewußtsein ver­lassen haben, daß die Friedenskonferenz, um deren Zustandekommen fich die rusfische Diplomatie und vor allem der Zar selbst aufrichtig bemüht, in der Hauptsache als gesichert angesehen werden kann. Die Zustimmung der Centralmächte, voran dcS deutschen Reiches, erfolgte bekanntlich in rascher und rückhaltloser Weise. England will, unter Voraus­setzung der Aufrechterhaltung aller gegenwärtigen Be­sitz-Verhältnisse nicht im Wege sein; Frankreichs Einwilligung zu besorgen, hat Rußland selbst über­nommen. Leicht war die Aufgabe wohl nicht. Denn die Betheiligung an einer Konferenz, die als obersten Grundsatz die Unantastbarkeit der geltenden StaatS- verträge, also auch des Frankfurter Friedens, fest­halten und die Erörterung politischer Streitfragen

Lokale gestattete. Beide, im Alter ziemlich gleich, waren knorrige, wenig ansprechende Gestalten. Der Baurath klein, korpulent, mtt rundem, weingeröthetem Gesicht und hervorquellendeu Augen; Bodin lang, hager, gelblich bleich, die von dichten weißen Brauen überschatteten Auge« von einer Brille verdeckt, mit dichtem, ungepflegtem Haar und Bart und einem finsteren unbeweglichen Ausdruck in den Mienen. Ge­wöhnlich schweigsam, pflegte er nur bei einem guten Glase Weine auszuthauen, um bann aufgeregt und streitsüchtig zu werden. Doch vertrug er fich gut mit seinem Freunde Otten, da beide in ihren Anfichten, die haupssächlich in der Unzufriedenheit mit allem Be­stehende», vor Allem in Unzufriedenheit mit der eignen Sage bestanden, sehr übereinstimmten. Der Rath klagte über sein unzureichendes Gehalt, das ihn zur größten Sparsamkeit verdammte. So manche! war er genöthigt, fich und seinen Mädels, die fich doch sehen lassen konnte», zu versagen, weil sonst die Elle länger als der Kram wurde. Noch nie hätte er mit der Familie eine Erholungsreise machen könne». Wetter als auf da! in der Provinz Preußen zwischen Kulm und Kraudeuz liegende Gut des Bruders seiner Frau, in einer fruchtbaren, aber durchaus unschöne« Gegend, feien die armen Dinger noch nicht gekommen. Daß er selbst bei seine« nicht settene« Besuchen bei Waldau mehr Geld ausgab, al! eventuell eine be­scheidene Vergnügungsresse gekostet hätte, daran dachte er nicht. Das mußte er seiner Ansicht nach haben, das gehörte zu feinen Bedürfnissen.

Ander» der Baurath, der vermögend war, aber, seine Fähigkeiten nicht beachtend glaubend, fich schon früh hatte penfiontte» lassen. Er grollte mit der Wett, well er, ein Sonderling, ziemlich vereinsamt dastand.

(Forssetzung folgt.)