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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«.

Jlluftrirtes Sonntagsblatt. e--dW » *

-glich außer an Werktagen na*eonn= und Stiertagen. 7)$TfTTPn IVrt »njrigen nehme« entgegen: die Expedition dieses Blatte«, die »nnoneen-

1o 914 Quartals-Abonnements-Preis bei derExvedtton 2 Mk., beiallen Bureaux von Haasmftein L Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Mägde- qd cj>rtt.rrt

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seltene Zeile oder deren Raum 10 Psg., Reklamen: die Zeil, 25 Pfg. 4)I6n|IQg, Id. ^cpieiHDCr 1090. L. ß. Daube & To., Frankfurt a. M Bitt», Hannover, Pari« rc.

Eine Schreckenstat.

Wie wir schon am Sonnabend in der Stadt teil­weise durch Extrablatt kundgegeben, ist die K a i s e r i n Elisabeth von Oesterreich am 10. Septbr. ia Genf von einemAnarchisten" ermordet woiden. Ueber den entsetzlichen Vorgang liegen nachstehende nähere Meldungen vor:

Genf, 10. Septbr. Ein Attentat gegen die Kaiserin von Oesterreich wurde heute Mittag in der Nähe des Denkmals des Herzogs von Braunschweig begangen, auf dem Wege zwischen dem Hotel Beauiivage und der Landungsstelle am Quai Montblanc. Ein Individuum, gefolgt von einem Greise mit langem Barte, welches der Kaiserin ent­gegenkam, stürzte sich auf sie und versetzte ihr einen heftigen Stoß. Jedermann glaubte, es handele sich um einen Faustschlag. Die Kaiserin er­hob sich wieder mit Hilfe einer Dame ihres Gefolges und einiger Spaziergänger und konnte den Landungs­steg erreichen und das Schiff besteigen. Inzwischen war der Angreifer verhaftet worden. Kaum an Bord angekommen, wurde die Kaiserin ohnmächtig; der Kapitän zögerte, den Befehl zur Abfahrt zu geben. Einige Zeit darauf stellte man fest, daß die Kaiserin das Bewußtsein nicht wiedererlangte. Die um sie beschäftigten Damen fanden auf den unteren Kleidungs­stücken eine kleine Blutspur. Das inzrischen abge­gangene Schiff drehte alsdann und legre wieder am Quai an. Die Kaiserin wurde auf einer aus Rudern und Segeltuch gebildeten Bahre ins Hotel geschafft. Die A e r z t e Golay und Mayer, sowie ein Priester wurden sofort herbeigerufen und sodann wurde an Kaffer Franz Joseph telegraphirt. Nichts wurde versäumt, um die Kaiserin zu rette», aber es war alles umsonst, sie verschied gegen 3 Uhr Nachmittags. Nach dem Resultat der ärztlichen Untersuchung muß sich der Mörder einer dreikantigen, spitzen Dolchklinge, eines sogenannten Tierspoint, bedient haben. Nachdem er den Stoß geführt, floh der Mörder durch die Alpen­straße und war im Begriff, den westen Alpen platz zu gewinne», wo er leicht hätte entkommen können, als er von den beide» Kutschern VictorVuillemin und LouiS Chamarti» fest gehalten wurde, welche am Quai hielten und das Attentat bemerkt hatte». Sie Übergaben ihren Gefangenen dem Fährmann Albert Fiaux und dem Gendarmen Kaiser, welche ihn zur Polizeiwache nach den Paquis brachten. Der Mörder folgte, ohne Widerstand zu leisten, er sang sogar und sagte unter Anderem:Ich habe sie gut getroffen, sie muß tobt sein!" Auf der Polizeiwache erklärte er, er sei Anarchist, ohne Brot, er habe nichts gegen die Arbeiter, ober gegen die Reichen. Später wurde der Mörder auf den

(Nachdruck verboten.)

K e r 6 ft £> £ ü t $ e.

Roman von Clarissa Lohde.

(Fortsetzung.)

Ein starrer Charakter jedenfalls und etwas brutal. Und die Frau, nun die gefönt mir noch weniger. Sie scheint mir dumm und eitel und gar z« sehr und deutlich befliffen, ihre Töchter unter die Haube zu bringen. So bin ich eigentlich geneigt, diesen üblen Gerüchte» Glauben zu schenken; und da wäre ek mir natürlich sehr peinlich, wenn der Rath sozusagen in ein verwandtschaftliches Verhältniß zu mir träte."

Aber Onkel," warf Ottomar ein,angenommen, es ist wahr, was Dn gehöit hast und ich will Deinem Urtheil über Bodin und seine Frau sogar znstimmen, denn auch mir sind sie nicht angenehm; aber was kann Elli dafür? Sie ist eine Ausnahme in ihrer Familie, eine Perle, die desto herrlicher glänzt, je dunkler die Faffung ist, in der fie rnhi."

Er hatte mti Begeisterung gesprochen, der Onkel stimmte ihm fteundlich zu:

So erschien fie mir heute auch. Und dennoch bleibe ich dabei und warne Dich, diese Perle Dir zu eigen zu machen. Du stehst noch nicht so frei da, nm nach der Welt nicht fragen zu dürfen, und die Welt würde ihre dunkle Faffung nie vergessen. Und was vielleicht noch schlimmer für Dich, für fie wäre, auch Du würdest und könntest fie nicht vergeffe», den» durch fie würden Dir in Deiner Karriere Hindernisse ohne Zahl erwachse»; und bis die Welt dazu käme, darüber hinwegzuseheu, wäret Ihr beide alt ge­worden, gebrochen vielleicht durch den Kamps des Lebens, beide elend!"

Justizpalast gebracht und dort von dem Untersuchungs lichter Lechet einem Verhör unterzogen im Beisein dreier Mitglieder der Cantonsregierung, des Cantons- anwalts, des Sekretärs des Polizeidepartements und eines Polizeikommissars. Er gab hier vor, nicht ftanzösich zu können und verweigerte die Antwort; er nennt sich Luigi Luccheni, Italiener, geboren am 21. April 1873 zu Paris.

Die Kaiserin befand sich seit einigen Tagen in der Schweiz und war im Grand Hotel de Caux bei Montreux abgestiegen. Sie kam am Freitag incognito nach Genf und machte einen Besuch bei der Baronin von Rothschild. Der Mörder hat erklärt, daß er seit Mai in Lausanne arbeitete, und sei er nach Genf gekommen in der Hoffnung, den Prinzen von Orleans zu tödten, der dort sein sollte, aber er fand nicht den Prinzen. Da hörte der Mörder von dem Aufenthalt der Kaiserin und verfolgte ihre Schritte fest Freitag, aber er konnte keine ihm paffende Gelegenheit finden. Am Sonnabend stellte er sich amHotel Beau Rivage" auf und vollführte dann am Landungssteg den Mord.

DaS erste Telegramm aus Genf, das Gräfin Sztarey an den Kaiser Franz Joseph sandte, lautete einfach:Ihre Majestät soeben gestorben." Die Meldung über die Ermordung enthielt erst die Depesche des Oberststallmeisters Berzeviczo. Der Kaiser äußerte zum Obersthofmeister Fürsten Lichtenstein:Es ist nicht zu fassen, daß Jemand an diese Frau Hand gelegt, die in ihrem Leben Niemand Leides und nur Gutes gethan hat."

In Wien verbreitete sich die Nachricht von dem schrecklichen Genfer Ereignisse zwischen 5 und 6 Uhr Nachmittags mit der Schnelligkeit eines Lauffeuers und rief allgemeines Entsetzen, höchste Bestürzung und Trauer sowie furchtbare Enttüstung über die ungeheuerliche That hervor. Die Straßen füllten sich sofort mit ungezählten Tausenden von Menschen, sodaß ein Theil b;r Straßen unb Plätze für Wagen unpasstrbar war. Alle Zeitungen ver- anstalteten Exttaausgaben. Eine Exttaausgabe ber halbamtlichen Wiener Abendpost brachte die traurige Bestätigung der Schreckensbotschaft. Die Blätter feiern die edlen Geistes- und Herzenseigenschaften der ver­ewigten Kaiserin; sie gehe» von Hand zu Hand und werde» in de» einzelnen Gruppen verlesen. Die Vor- stellungen in den Hoftheatern sowie in der Jubiläums­ausstellung wurde« sofort abgesagt. Ueberall herrscht unbeschreibliche Trauer.

Eine 61jährige fürstliche Frau, wie die Kaiserin Ellsabelh, die in ihrem ganzen Leben wohl niemals einem Menschen etwas zu Leide gelhan hat, wohl aber unendlich viel Leids ei tragen hat, niederzustechen, um demAnarchismus" die Bahn zu ebne», ist Wahn­sinn. Man fühlt den furchtbaren Schmerz mit, welcher den schwergeprüften, nicht allein von seinen Völkern

Ottomar schob seinen Stuhl zurück, es hielt ihn nicht mehr aus seinem Sitze.

Ich hätte Dich nicht für einen solchen Pessimisten gehalten, Onkel," sagte er und trat ans Fenster, mit heißem Auge dl das regenschwere Dunkel der Nacht schauend.

Auch der Präsident erhob sich jetzt. Die Profefloriu drückte ihm lebhaft die Hand und sagte leise:

Wie ich Dir danke. Robert; Du hast mir ganz aus der Seele gesprochen."

Auch ber Professor drückte dem Schwager die Hand:

Ich will hoffen, Robert, baß Deine Warnung nicht ungehört verhallt."

Das hoffe ich auch," sagte der Präsident.Doch breche» wir davon ab. Es ist Zett, daß mau heim und zur Ruhe geht. Wann reisest Du, Ottomar?"

Morgen Abend, Onkel, wenn nichts dazwischen kommt."

Sehe ich Dich roch?"

Ich »>erbe morgen bei Dir noch vorsprechen, um Dir Lebewohl zu sagen."

Er sah auffallenb bleich aus, sprach aber völlig ruhig, ohne seine GemüthSbewegung zu verrathe». Ebe» so ruhig, nahm er die Lampe und geleitete ben Dntel die Treppe hinunter bis zur Droschke. Aber kein Wort wurde zwischen den beiden gewechselt und als Ottomar zurückkehrte, bot er den Ettern nur kurz gute Nacht und zog sich sogleich in fein Zimmer zurück.

3.

Wie trübselig Du wieder auSfiehst," sagte die schlanke blonde Lena, die zweite Tochter des RatheS Bob», als ber Vater das Zimmer verlaffe» hatte,

geliebten Kaiser Franz Josef erneut getroffen hat, man beklagt mit inniger Theiluahme dies sein Un­glück noch dazu gerade in seinem Jubiläumsjahre. Aber man sollte sich nicht die Mühe nehmen, das Scheusal von Mörder noch so zu würdigen, daß man seine verruchte That irgendwie politisch ober psychologisch zu erklären sucht. Ein Subjekt, bas fähig ist, eine solche Handlung zu begehen, gehört nach unserer Meinung nicht mehr zur Menschheit, die von solchen Scheusalen befreit werden muß.

Der Mörder der Kaiserin Elisabeth ist nach den Gesetzen der Schweiz abzuurtheilen, eine Todesstrafe giebts dort nicht, es winkt ihm lebenslängliche Ein­kerkerung. Ob für dies Subjekt die letztere Strafe nicht empfindlicher ist, als fein beschleunigtes Lebens­ende, bleibt fraglich. Eines aber ist uns feststehend, wenn diese Ausgeburt der Menschheit noch lange lebt, so ist eS jeden T a g s ch a d e um das Brod und die Suppe, mit denen sie auf Kosten derSchweizer noch gefüttert wird!

Wer die Kaiserin Elisabeth gekannt hat, wer fie gesehen hat in ihrer Blüthezeit als eine der schönsten Frauengestalten auf unserm Kontinente und dann als Trägerin eines gebrochenen Mutterherzens, für ben sind Thränen, die ihm selbst als sonst starken Mann über die Wangen liefen, entschuldbar. Sie gelten neben dem Andenken au die Ermordete auch dem Mitgefühl für Kaiser Franz Joseph. Wäre er nicht im geradezu verehrungswürdigen Vollbewußtsein seiner Regentenpflicht, so würde er nunmehr nur ein schwer­geprüfter, hinsicchender Greis sein. Aber das ist bas Hohe im Menschenleben, baß ein starker Glaube und ein unerschütterliches Pflichtgefühl des Menschen Seele zu erhalten und hinüberzutragen vermögen über alles nur denkbare Herzeleid. Und die Regenten pflicht, welche, wie in Kaiser Franz Josephs Seele, so in »nse rem Kaiser, in Kaiser Alexander II. von Rußland, König Humbert und den sonstigen Souveränen lebt, sie wird, das walte Gott, jetzt Mittel zu finden wiffen, um rechtzeitig aus der gesttteten Menschheit für immer Scheusale zu entfernen, die unter dem von ihnen selbst nicht einmal begriffenen WorteAnarchismus" Thaten des gemeingefährlichste» Wahnsinns planen unb leiber noch unter ber Menschheit begehen konnten!

Im Anschluß an unsere vorstehenbe Aeußerung über ben entsetzlichen Vorgang geben wir noch nach- stehenbe, uns aus bem Herzen geschriebene Worte derKöln." Ztg.":Es ist unmöglich. Worte zu finden, um diese Frevelthat zu kennzeichnen. Man kann es verstehen, wenn eine politische Persönlichkeit, die mit starker Hand in die Geschicke ber Menschheit eingegriffen, bie hier und da barsch dreingefahren und ben einen oder anderen verletzt hat, man kann es ver­stehen, wenn Leute wie Bismarck, Kaiser Wllhelm,

und sie sich eben daran machte, das Kaffeegeschirr vom Frühstückstische abzuräumen.

Laß ihn fahren, den Ottomar, das ist das Klügste was Du thu» kannst."

Pah" stimmte nun auch die jüngste, die kleine zierliche Ottilie in tragisch affekttrtem Tone zu, lldie Männer find nicht einer Thräne von Mädchen wie wir werth! Hab ich nicht recht Mama?"

Ottilie, gewöhnlich Otti genannt, war trotz ihrer fiebenzeh» Jahre roch immer der vorlaute naive Back­fisch geblieben; aber es stand ihr gut. Sie hatte am letzten Abend in ber Gesellschaft bei Professor Gersdorf mit ihrem urwüchsigen Humor viel Beifall bei ber jungen Männerwelt eingeerntet nnb war beshalb über bie Maßen heiter gestimmt.

Die Räthin, eine große, schlanke, blonde Fra« regelmäßigen aber charakterlose» Züge«, der bie zweite Tochter Lena wie aus ben Augen geschnitten war, schaute von der Zeitung, in der fie gelesen hatte, jetzt »ach Elli hin, die schweigend fich er­hoben hatte, um beim Abdecken der Tisches mti be> hiflich zu fein.

Elli war, wie ber Präsident fich gestern richtig geäußert hatte, eigentlich nicht hübsch zu nennen, ja, ihre beiden Schwester waren unbedingt hübscher als fie. Dennoch stach fie von ihnen ab wie eine könig­liche Lilie von gewöhnlichen Zierblumen. So stolz trug fie die zarte schlanke Gestatt, unb doch so einfach und bescheiden. Jede Bewegung zeugte von Anmuth, und schön, wirklich schön waren ihre große», graue» Auge», so klar und tief zugleich, als könnte man durch te in ihre Seele hineinschauen, in eine reine, von keinem -auch der Eitelkeit, ber Sünde getrübte Seele, in ber nur schöne unb gute Gedanken wohnten. Und schön war auch ihr üppiges aschblondes Haar, das fie am

ja, selbst Karnot, die politische Feinde und Hoffer hatten, den Angriffen verbrecherischer Fanatiker aus­gesetzt waren aber eine Frau, eine wehrlose schwache Frau mit weißen Haaren, die nie eine politische Rolle gespielt, die nie um der Parteien Gezänk unb der Völker Streit sich gekümmert, bie harmlos der Kunst und dem heiteren Sport nachging, niederzustechen, nur weil sie das Unglück hatte, Gemahlin eines Kaisers zu sein, das ist einem gesitteten Menschen unfaßbar, unbegreiflich. Ekel empfindet man bei dem Gedanken, daß es ein Mensch aus der europäischen Cultnrwelt war, der das zu thnn imstande war."

Die auf so schändliche Weise um's Leben ge­kommene österreichische Kaiserin Elisabeth stand in ihrem 62. Lebensjahre. Sie war am 24. Dezember 1837 als älteste Tochter des Herzogs Maximilian Joseph in Bayern geboren unb am 24. April 1854 mit Franz Joseph I., Kaiser von Oesterreich, ver­mählt worben. Ans biefer Ehe gingen brei Kinder hervor: der Erzherzog Rudolph unb bie Erzherzoginnen Gisela, bie ber Prinz Leopold von Boyern, unb Valerie, bie ber Erzherzog Franz Salvator heimführte. Die Kaiserin war von hervorragender Schönheit unb majestätischer Erscheinung. Sie fand wenig Geschmack an äußerm Pomp und höfischer Etiquette und ver­brachte den größten Theil ihres Lebens im Auslande. Berühmt ist ihr paradiesisches Heim Achilleion auf der Insel Korfu. Sie war eine große Liebhaberin des Sports und zeichnete fich selbst als kühne Reiterin ans. Zweimal hot großes Leid die hohe Fron heimgesucht: das erste Mal, als ihr einziger Sohn, der Kronprinz Rudolph, am 30. Januar 1889 auf ebenso geheimnißvolle wie plötzliche Weise seinen Tod fand, dos zweite Mal im vorigen Jahre, als in Paris am 4. Mai ihre Schwester, die Herzogin von Sllen^on, in den Flammen des großen Bazar- branbes dahingerafft wurde. Grade in diesem Jahre stand ihr die größte Ehrung, die herrlichste Feier bevor, die der Gemahlin eines Kaisers zu Theil werden kann: das Jubiläum der 50 jährigen Regierung des Koffers Franz Joseph I., das das ganze österreichisch-ungarische Land fich gerüstet hatte, ein- mülhig, trotz aller innern Kämpfe und Fehden, als ein schönes, erhabenes Familienfest zu begehen. Die Festfreude ist dem armen Volke vergällt. Statt jauchzende Freude und Festestaumel zieht Trauer ein in die Grenzen der Monarchie, und statt an dem Jubelthrone des Kaisers steht das Volk an der Bahre der geliebten Kaiserin.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Septbr. Sc. Maj. der Kaiser hat gestern Mittag um 12 Uhr die Rückreise von Oeynhausen nach Potsdam angetreten. Se. Majestät

Hinterkopf in einem einfachen griechischen Knoten ge­schlungen trug.

Otti hat recht," sagte nun bie Räthin;ich begreife Dich auch nicht, Elli, daß Dn noch immer au dem Ottomar so hängst. Meinte er e8 ernst mit Dir, so hätte er die Stelle am Gymafium ange­nommen, dann hättet Ihr Euch in wenigen Monate« schon heirathen können."

Elli warf der Mutter einen bittende» Blick zu, in dem deutlich zu lesen war: Sage nichts weiter, schone mich ich leide ja schon genug! Aber dieser Blick blieb unbemerkt.

Uebrigens," fuhr bie Räthin fort,glaube nicht, Elli, baß ich sehr unzuftieben bamtt bin, wie es ge­kommen ist. Wir behatten Dich"noch sehr gerne im Hanse, ber Vater nnb ich. Deine Schwestern find noch viel zu jung und »nerfahre», und ich wüßte nicht, wer so gut wie Du bie Wirthschaft besorgen nnb bie Toiletten anständig Herstellen könnte, von so Wenigem; den» ber Vater hält uns über bie Maßen knapp."

Er giebt so viel, als er als ehrlicher Mann geben kann," warf baS Mädchen ernst ein.

DaS heißt er spart für Euch," widersprach die Räthin.Wenns nach ihm ginge, würben wir alle still zu Hause fitzen; Ihr würdet Su$ wie die Mägde kleiden unb womöglich wie Elli selbst, etwas verdienen müssen. Ja, so wäre ek, daß es anders ist, das erkaufe ich Euch mit Opfern, bie"

Sie stockte plötzlich; denn Elli's Blick traf fie so ernst, so traurig, daß fie, ohne den Satz zu voll­enden, abbrach.

(Forffetzuug folgt.)