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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg nnd Kirchhain. MM«»»Nb»: 3»6. Mag. Koch, Univ«fitätr-»uchbruck«rti in Marburg. »eamtieeifli* für to RrdaNion: Rtboftcai M. Hartmann in Marbur»

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Schutz der Arbeitswilligen.

Der Kaiser hat am Dienstage bei der Galatafel der Provinz Westfalen zu Oeynhausen in einem Trink­spruch eine Erklärung abgegeben, die sich ihrem In­halt nach an seine vorjährige Ankündigung in Biele­feld, betreffend den Schutz der Arbeitswilligen, anschließt. Der Kaiser theilte mit: das Gesetz gehe seiner Vollendung entgegen, durch welchesjeder, er möge fein, wer er will, und heißen, wie er will, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hindern versucht oder gar zu einem Ausstande anreizt, mit Zuchthaus bestraft werden soll.*

Er, der Kaiser hoffe, daß das Volk in seiner Vertretung zu ihm stehen werde, um unsere nationale Arbeit nach Klüften zu schützen.Recht und Gesetz müssen und sollen geschützt werden, und somst werde ich dafür sorgen, daß sie aufrecht erhalten werden."

Die Kaiserliche Ankündigung ist in ihrem Grund­gedanken nicht überraschend. Die mißbräuchliche Ausnützung deS den Arbeitern in der Reichsgewerbe- Ordnung gewährleisteten Streikrechts zu politischen Zwecken und der von den Streiklnstigen auf ihre arbeitswilligen Berufsgenosien ausgeübte Terrorismus haben einen Umfang angenommen, daß die Gesetz­gebung den Dingen nicht mehr ungehemmt ihren Lauf lassen darf.

Das geltende Recht bestimmt in § 153 der Gewerbe-Ordnung folgendes:Wer andere durch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohungen, durch Ehrverletzung oder durch Verrufs - Erklärung bestimmt oder zu bestimmen versucht, an solchen Verabredungen (§ 152, zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeits-Bedingungen insbesondere mittelst Einstellung der Arbeit) theilzunehmen oder ihnen Folge zu leisten, oder andere durch gleiche Mittel hindert oder zu hindern versucht, von solchen Verabredungen zurückzntreten, wird mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft, sofern nach dem allgemeinen Straf­gesetz nicht eine härtere Strafe eintritt.*

Eine Erweiterung und Verschärfung des hier angeführten Artikels hat sich an der Hand viel­facher praktischer Erfahrungen als unerläßlich erwiesen. Dieser Artikel verbietet nämlich nur die Nöthigung zur Theiluahme anVerabredungen* zur Niederlegung der Arbeit, bezw. die Verhinderung von derVerabredung* zurückzutreteo. Die meisten Fälle von Terrorismus bezwecken aber gar nicht, die Arbeiter zu einem StreikVerabredung* zu be­wegen, sondern es wird nur verlangt, entweder die

Eingesandt.

Gretchens Tod.

In des Stromes kühlen Wogen Sankst Du, liebes Gretchen, um Lebenslos herausgezogen!

Wer erschrack nicht, wer blieb stumm?

Wer wird es der Mutter sagen. Daß ihr liebes Kind verschied?

Wer wird nicht es selbst beklagen, Daß es sie nicht wicdersicht?

Stärkstes Band, das fest vrreint, Helligster der Herzenstrieb«, Die mit Kind sich freut und weint Ist auf Erden Mutterliebe.

Und die Mutter hat geglaubt An der Anstalt Sicherheit Dennoch hat's der Fluß geraubt, Ihr zu schwerstem Herzeleid.

Wer, ach wer, mag tragen Schuld, Schuld an Kindes Untergang?

Halfst Du nicht, o Gottes Huld, Ta mir Tod das Leben rang?

Gretchen war so wohl erblüht, Viel hat Zukunft ihm versprochen. Wie ein Eden ihr Gemülh Kaum die Blume aufgcbrochen.

Eh' der Lebensmai gelacht. Eh' es stand in vollem Lenze, Ta der Geist ihm froh erwacht, Sank es an des Glückes Grenze.

Doch Du bliebst von Gott bewahrt Vor hienieden schweren Leiden, Bliebst in reiner Kindesart Kannst im Paradies Dich weiden.

Atern! drum beherrscht den Schmeq, Euer Kind ist unverloren, Ruhe ziehe in das Herz Wer da stirbt ist neugeboren!

Sank die liebe Blüthe hier, Mutzte sie so früh verblühen Wiedersehen hoffet Ihr, Wo Ihr habt, was ward verliehen.

6. Th. D.

Arbeit au bestimmten Stellen einzustellen oder während der Tauer des Streiks Arbeit an den gekennzeichneten Stellen nicht anzunehmen. In allen diesen Fällen trifft § 153 der Gewerbe-Ordnung mithin nicht zu, und die Arbeitswilligen genießen lediglich den Schutz des allgemeinen Strafgesetzes, der bei Ehrverletzungen, Verrufserklärung oder ganz unbestimmten Drohungen häufig ungenügend ist. Ferner hat das im § 153 angedrohte Strafmaß als zu niedrig sich erwiesen, um die einzelnen Frevler von der Verübung der Strasthat abzuschrecken.

Schon int Jahre 1890 hat daher die Reichs­regierung die Abänderung deS § 153 in dem soeben angedeuteten Sinne beantragt, der Reichstag aber ließ den Gesetzentwurf scheitern. Die damals abgerissenen Fäden sollen jetzt wieder angeknüpft werden, eine Ab­sicht, die im Jntereffe des Schutzes der nationalen Arbeit gegen sozialdemokratische Tyrannei nur gut­geheißen werden kann.

Nichtsdestoweniger haben die Worte deS Kaisers eine lebhafte Bewegung hervorgerufen, die in den demokratischen Organen zu den tollsten Ausbrüchen der Entrüstung sich steigert. Man ahnt, daß ge­wisse sozialdemokratische Ausschreitungen durch die neuen Strafbestimmungen an der Wurzel sich werden fasien lassen, und ist daher schon jetzt außer Rand und Band. DerVorwärts* z. B. prophezeit, daß auch die irgendwelchem Streik günstigen Redakteure, daß desgleichen diesozialpolitisierenden* Professoren und Pastoren usw. in Zukunftgelegentlich einmal ins Zuchthaus werden »andern müssen.*

Widerspruch erhebt sich, von diesen zweckbewußteu Uebertreibungkn abgesehen, gegen die Anwendung der Zuchthausstrafe für die in § 153 erwähnten Straf- t(taten und dagegen, daß schon dieAnreizung* zu Streiks strafbar sein soll. Man meint, hierin eine Bedrohung der Koalitionssteiheit der Arbester erblicken zu müssen.

Es erscheint müssig, gegen die Bestimmungen zu protestiren, deren Tragweite sich nur aus ihrem ge­nauen Wortlaut ersehen läßt. Die in der Kaiserrede enthaltenen Andeutungen sind nicht genügend scharf umrissen, um aus ihnen bestimmte Schlußfolgerungen zu ziehen. Eines steht aber fest, daß die Koalittons- steiheit der Arbeiter durch die geplanten Neuerungen nicht beschnitten werden soll.

Umschau.

Auf eine Eingabe bezüglich des neuen Stück- g u t t a r i f s hat der Vorstand der Vereinigten

(Nachdruck verboten.)

KerbstbLütHe.

Roman von Clarissa Lohdk

(Fortsetzung.)

Aber das lange Warten,* warf Irmgard jetzt «in;die arme Elli! Ich wünsche ihr s» sehr, daß sie aus dem Hause käme. Ihr glaubt garuicht, wie sie dort leidet.*

Die Geheimräthin nickte zustimmend.

Bodin's müssen sich wirklich zu sehr ein» schränken.*

3a, wenn sie das nur thäten,* widersprach der Geheimrath.Aber da muß alle» mitgemacht werden: Theater, Bälle, Gesellschaften und die Mama und drei Töchter gekleidet; dazu freilich reicht das Gehalt eines LandgerichtsratheS nicht, der kein Vermögen hat.*

3a, aber sie können doch nicht immer zu Hause bleiben,* meinte die Geheimräthin entschuldigend. Mein Himmel, eine Mutter muß doch ihre Töchter in die Welt führen, sonst können sie sich nie bet» heirathen!*

Das werden sie überhaupt schwerlich,* versetzte der Geheimrath.Elli vielleicht, wenn eS mit dem jungen GerSdorf etwas wird; sie ist die liebens­würdigste, und auch die bescheidenste, was nicht zn unterschätzen ist.*

Und die fleißigste,* fügte 3rmgard, für die Freundin eintretend, lebhaft hinzu;Ohne sie sähe es schon übel in dem Bodinschen Hause aus. Die Räthin ist ja eine sehr gute Frau, ihren Kindern die zärtlichste Mutter; aber so verfahren, so gedankenlos. Heber den Augenblick denkt sie nie hinaus; sie rechnet auch nicht. So lange sie Geld hat, giebt sie es ans, und bann kommt die Verlegenheit.*

Und der arme Bodiu wird dann gequält,' sagte der Geheimrath.Heute that er mir eigentlich leib, obgleich er mir im Grunde unsympathisch ist. Der Fünfziger schon völlig ergraut. 3ch hätte eS ihm

Berliner Spediteure vom Minister der öffentlichen Arbeiten nachstehenden Bescheid erhalten:

Mit Rücksicht auf den am 1. Oktober d. 3- in Kraft tretenden neuen Stückguttarif ist der Vorstand in seiner Eingabe vom 15. 3uni d. 3. wegen Ein­führung eines staffelförmig gebildeten Ausnahmetarifs für Sammelgüter mit der Begründung vorstellig ge­worden, daß andernfalls das Ansammeln von Stück­gütern zwecks Auflieferung als Wagenladung zum größten Theil Wegfällen und hierdurch das 3rtteresse der betheiligten Spediteure und zahlreicher Verftachter erheblich geschädigt werden würde.

Wenn anch zuzugeben ist, daß der Sammel- ladungsverkehr in Folge der allgemeinen Herabsetzung der Stückgutfracht eine gewisse Einschränkung erfahren mag, insbesondere in weniger verkehrsreichen Stations- verbidungen sowie dort, wo der Sammelbeförderung eine Versendung als Einzelgut vorangegangen ist oder nachfolgt, und daß ferner Fälle vorkommen werden, in denen die bisher im Sammelverkehr erzielte Fracht eine geringe Vertheuerung erfährt, so vermag ich doch die Befürchtungen über den Umfang und die Trag­weite dieser Wirkungen deS neuen Tarifs, die bei der Feststellung des letzteren nicht unbeachtet geblieben sind, nicht zu theilen.

Der Unterschied zwischen der Fracht für Einzelgut und für Wagenladungen ist selbst auf weitere Ent­fernungen, wo die Ermäßigung der neuen Stückgut­frachten am wirksamsten hervortritt, noch so bedeutend, daß der Anreiz zur Bildung von Sammelladungen nur in verhältnißmäßig geringem Grade herabge­mindert wird.

Auch würde her Zweck des neuen TarifeS, der dahin geht, die Vortheile einer billigeren Verfrachtung von Einzelsendungen dem ganzen Lande gleichmäßig und namentlich auch der ganz überwiegenden Mehr­zahl solcher Versender zuzuwenden, welche von der Beförderung in Wagen- oder Sammelladungen über­haupt nicht oder nur ausnahmsweise Gebrauch machen konnten, durch die von dem Vorstände angestrebte besondere Begünstigung des Sammelladungsverkehrs zum Theil wieder vereitelt werden, da der Nutzen eines derartigen Ausnahmetarifs in gleicher Weise wie die bisherigen Vortheile des Sammelverkehrs wiederum nur den großen Verkehrslinien und den Verkehrsmittelpunkten sowie den großen Versendern zu Gute kommen würde.

So lange nicht prakttsche Erfahrungen über die Rückwirkungen des neuen Stückguttarifs auf den Sammelladungsverkehr vorliegen, muß ich mir daher versagen, obiger Anregung weitere Folge zu geben."

wohl gegönnt, wenn er die Freude gehabt hätte, daß seine Lieblingstochter, denn das ist die Elli, sich verlobte."

Der Wagen hielt jetzt vor der inmitten eines wohlgepflegten Gartens liegenden Villa des Arztes.

ElekttischeS Licht flammte im Innern auf. Man bot sich gegenseitig gute Nacht, und jeder suchte fein Zimmer auf.

3rmgard aber fand lange keine Ruhe. Sie liebte Elli sehr, die ihre beste Freundin schon feit der Schulzeit war. 3hr Schicksal ging ihr ungemein zu Herzen.

Sie kannte Elli'S ganze Liebesgeschichte. Schon von der Schule an hatten sie und Ottomar Gers- dorf Neigung für einander gehabt, und wie fleißig war Ottomar gewesen, um rasch zu Bord zu komme», damit er seine Elli heimführen könnte, fort aus den traurigen Verhältnissen ihres Elternhauses, die sie mehr bedrückten, als irgend 3emand außer ihm ahnte.

Au ihm lag eS keinesfalls, daß die Sache doch nun wieder hinausgeschoben war, dann als« an Elli. Gewiß war ihr Edelmuth, des Geliebten Earriöre nicht zu hindern, zu loben, wie es Papa ja auch gemeint hatte. Aber eine innere Stimme sagte 3rmgatb doch, daß es besser für die Beiden gewesen wäre, Elli hätte diesen Edelmuth nicht ge­habt. Da mußte doch etwas Besonderes dahinter stecken, irgend etwas im Hause wieder nicht richtig fein. Am Ende gar war die Familie wieder in Verlegenheiten. Wenn cs nur das wäre, da könnte fie vielleicht, wie öfter schon, die rettende Fee spielen.

Der Vater gab ihr ein so reichliches Taschengeld, sie konnte leicht davon entbehre», und Elli, die mit recht vielem Talent, wenn auch noch wenig geschult, malte nnd sich gern etwas verdiente, war immer so beglückt, wenn Zrmgard ihr einen Verkauf vermittelte. Nattirlich war sie selber fast immer die Käuferin und «achte Freunden und Bekannte» Geschenke da­mit; aber das durfte die zartfühlende Elli auf keine» Fall wisse». Unter dem Grübeln, wie sie ihre Ab­

3n Frankreich wird's immer bedenklicher Nach neuester Meldung kann da8 Gericht sich nicht ohne weiteres entschließen, Picquart in Freiheit zn setzen. ES mnß, wie Clemenceau in derAnrore" meint, erst Befehle von oben abwarten. Clemenceau fügt hinzu: 3etzt ist Brisson, das Haupt der Regierung, zwar von Cavaiguac Befreit, aber er tastet und zögert noch, er kann sich nicht einmal entscheiden, ob er Picquart in Freiheit setzen soll. Man beretiet sogar einen skandalösen Prozeß gegen Picquart vor, um einen Mann verurtheilen zu können, der gegen­über allen Fälschern, allen Berräthern) und alle» Feiglingen seinem Vaterlande gut gedient hat. Man liefert ihn einem parteiischen, haßerfüllten Richter aus und läßt gegen ihn als Zeugen sprechen Boisdeffre, Pellieux, Gonse, Lauth und gar du Paty de Elam, der gleich Henry der Fälschung überführt ist. Revisionsgegner muthen dem Kriegsminister zu, seine Entlassung zu nehmen.Libre Parole" undEclair" halten in der That trotz aller DementtS die Nachricht auftecht, Zurlinden wolle sein Amt schon niederlegen. Angesichts der Meldung, Paty de Elam wolle Klage führen, wieder­holt Siecle seine Anklage der Fälschung gegen ihn. Die römischeTribuna* erhält aus Paris von einer angeblich autorifirten Seite die Nachricht, Graf Münster habe dem Minister des Aeußern im Auf­trage Kaiser Wilhelms erklärt, die Briese deS Kaisers an ihn undDreysus seien falsch, und er sei beauftragt, die Pässe zu fordern (!), falls die französische Regierung sich dieser Briefe in dem zu erwartenden Prozesse bedienen wollte. DieTribuna* thäte gut, sich diese angeblich autorisirte Stelle etwas genauer anzusehen, ehe sie solche Alarmnachrichten in die Welt setzt. Deutschland denkt nicht daran, sich in den Dreyfushandel in irgend einer Weise einzumischen und dem Werke ungeschickter Fälscher die Ehre anzuthun, sie zum Gegenstände einer diplomatischen Aktion zu machen. Uebrigens schreibt zur Dreyfus-Angelegenheit dieKöln. Ztg." anscheinend offiziös:Der heutige unerklärliche Seelen­zust a n d, in dem ein großer Theil der fran­zösischen Nation befangen sei, halte mit Recht das politische Interesse der Deutschen an dieser Sache rege, denn er fei nahe verwandt mit dem nationalen Taumel, der uns bereits einmal einen Krieg gebracht und der ihn uns zum zweiten Male bringen kann. Hier und nicht in den geheimsten Akten des Dreyfus» Prozesses liege die Kriegsgefahr. Der Zar dürfte sich redlich bemühen, die Franzosen von dieser Krankheit zu heilen und die diesbezüglichen bisherigen vergeb«

ficht diesmal am besten ausführen könne, schlief das junge Mädchen mit einem Lächeln auf den Lippen ein. Wie schön ist eS doch, reich zu sei» und denen helfen zu können, die man liebt!

2.

3» der Wohnung des Professors GerSdorf war indessen fast vollständige Stille eiugekehrt. Die Gas­flammen waren «uSgelöscht. Das Stubenmädchen Bertha und die Köchin räumten »och im Verein mit den für de» Abend angenommenen zwei Lohndiencm das Geschirr im Speisesaal ab.

Die Familie hatte sich in daß Studirzimmer deS Professors zurückgezogen, wo sie noch mit dem Präsi­denten ein Glas Bier tranken und sich über die Ein­drücke des Abends unterhielten.

Wie seid 3hr denn nur zu der Bekannffchast meines Raths Bodin und dessen Familie gekommen?" warf der Präsident plötzlich ftagend ein.Die ge­hören doch gar nicht in Euren Kreis?*

Er hatte sich vorgebeugt und seine kluge», etwas tiefliegenben Augen glitten forschend von einem Fami- liengliede zum andern hinüber.

Präsident von Werther» war ein schlanker, hoch- gewachsener Mann von vornehmer Haftung, einem schmalen, feinen Gesicht, über das ei» Zug der Melan­cholie und deS Leidens ausgedrettet lag.

Und er hatte in der That viel Kummer in feinem an äußeren Erfolgen reichen Leben erfahren. Mtt einer schönen heißgeliebten Frau vermählt, die ihm zugleich mit ihrer Hand ein bedentendes 8«mögen brachte, hatte er das Unglück sie und zwei herange- wachsene Kinder, einen Sohn und eine Tochter, kurz nach einander zu verlieren. Seit zehn Jahren schon stand er ganz allein in der Welt.

Seine Schwester, die Professorin, sah ihm sehr ähnlich; doch sehlte ihr dieser Zug der Melancholie. Sie war eine stattliche Frau, die sich sehr stolz und auftecht hielt und die geborene Freiin von Werther» noch gern hervorkehrte. Ihr Man» dagegen, klein, behäbig, mit etwas raschen unruhigen Bewegungen,