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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllnftrirtes Sonntagsblatt. —* " *,,tCT
vaterlandsloser Gesinnung durch Aufwiegelung Verhetzung, daich Erdichtung und Entstellung von
der Sozialausgebildet, des Staats und werden
subversiver Natur, auf Zerstörung der Gesellschaftsordnung gerichtet
ind und mit und
Thatsachen gegen die Gesetze, Einrichtungen und Anordnungen der Behörden und die Autorität privater Vorgesetzter dnrchzuführe» gesucht. Die Beförderung olcher Bestrebungen steht im direkten Gegensatz zu dem obersten Zweck des verklagten Vereins, in Liebe und Treue zum oberste» Kriegsherrn und zum Vaterlande den kameradschaftlichen Geist auch im bürgerlichen Leben zu pflege». Wer den sozialdemokratischen Tendenzen vorsätzlich Vorschub leistet, ist daher gänzlich untauglich und unwürdig, diesem Vereine anzugehören, und darf auS demselben ausgeschlossen werden.
Der „Verband Rheinisch-Westfälischer Berg- und Hüttenarbeiter" steht auf dem Standpunkt der Sozialdemokratie und befördert und begünstigt deren Tendenz, wenn er auch zu gleicher Zeit — gleichgültig, ob
absichtlich oder nur zum Schein — berechtigte wirth- schaftliche Interessen verfolgen sollte. Dies ist nicht nur allgemein bekannt, sondern ergiebt sich auch aus der amtlichen Auskunft der Polizeibehörde und aus dem Inhalt der überreichten Exemplare der Verbandszeitung.
Nach der Auskunft der Polizei ist es unzweifelhaft, daß der „Verband Rheinisch-Westfälischer Berg- und Hüttenarbeiter" sozialdemokratische Tendenzen verfolgt. Jede Nummer des VerbandSorganS bringt Inserate und Anpreisungen von sozialdemokratischen Schriften, die in der Buchhandlung des Organs käuflich zu haben sind, und Ankündigungen von sozialdemokratischen Versammlungen, sowie Leitartikel, welche die heutige Gesellschaftsordnung als morsch und faul bezeichnen und eine Besserung nur durch eine vollständige Umwälzung derselben erwarten. Außerdem gehören sämmtliche Führer des mehrgedachten Verbandes der sozialdemokratischen Partei an....
Daß die Zugehörigkeit zu diesem Verbände jedes Mitglied des verklagten Vereins unwürdig und untauglich macht, diesem Vereine anzugehören, bedarf nach den obigen Ausführungen einer weiteren Erörterung nicht. Eine Beförderung und Begüvstigung jener Bestrebungen ist aber die Zahlung von Beiträgen an den Verband, die Zuführung von Mitgliedern zu demselben und das Halten der Zeitung desselben, weil hierdurch die Mitgliederzahl des Verbandes und seine Mittel vergrößert werden. Insbesondere werden auch durch das Halten des Verbaudsorgans dem Verbände neue Mittel zugeführt und seine Bestrebungen vorbereitet".
aussetzungen des Allerhöchsten Erlasses vom 23. Oktbr. 1895, der die bedingte Strafaussetzung eingeführt hat, vorliegen. Bei dieser Prüfung stellt sich ebenso selbstverständlich mitunter die Nothwendigkeit der Ablehnung heraus. Die Zahl dieser Ablehnungen ist aber im Verhältniß zu der Zahl der gehmigten Anträge bisher eine sehr geringe gewesen. Volle Gleichmäßigkeit in der Handhabung des Vorschlagsrechts bei den zahlreichen in Betracht kommenden Justizbehörden zu erzielen, ist unmöglich. Wenn aus manchen Bezirken, namentlich kleiner Amtsgerichte, Anträge auf Strafaussetzung nur in geringer Zahl, oder gar nicht eingehen, so mag dies nicht selten auch daran liegen, daß geeignete Fälle nicht vorhanden waren. Soweit eine Ungleichmäßigkeit bemerkt worden ist, ist von Seiten der Justizverwaltung, welche die Anwendung des Verfahrens in jeder Weise zu fördern bestrebt ist, berests thunlichst auf deren Beseitigung hingewirkt worden. Ganz auS- geschloffen aber erscheint die Annahme, daß einzelne Richter durch die Ablehnung von ihnen gestellter Anträge sich in der pflichtmäßigen Prüfung der ihrer Kognition unterliegenden Fälle beirren lassen könnten. Es bedarf endlich keiner Ausführung, daß zuverlässige Ergebnlfle der neuen Einrichtung zur Zeit wegen ihres kurzen Bestehens noch nicht vorliegen können. Die bisherigen Wahrnehmungen geben aber keinen Anlaß zu der Besorgniß, daß sie sich dauernd nicht bewähren werde.
Die deutschen A r b e it er k o l o n i e e n , die bekanntlich den Zweck haben, arbeitslosen Männern ans einige Zeit Arbeit und Unterhalt zu gewähre», können in diesem Jahre insofern ein Jubiläum feiern, als sie im Januar feststellen konnten, daß die bis dahin aufgeuommenen Kolonisten die Zahl von Hunderttausend überschritten haben. Da« ist seit 1882, wo Herr Pastor von Bodelschwingh den segensreichen Gedanken der Arbeiterkolonieen in kleinen Ar sängen verwirklichte, ein großer Fortschritt und beweist den sozialpolitischen Nutzen dieser Anstalten. Zur Zeit bestehen deren allerdings erst 29 (davon 18 in Preußen). Nach der „Zeitschr. d. Kgl. preuß. ©tat. Bureaus" wurden im Jahre 1897 7191 Personen (gegen 7646 im Vorjah'e) ausgenommen. Der durchschnittliche Zugang im Monate belief sich hiernach auf 599 (1896 637) Personen; er war am stärksten im November mit 961 (963) und am schwächsten im Juni mit 396 (1896 im August mit 521) Personen. Den höchsten Endbestand hatte der Januar 1897 mit 2983 Personen; dann folge» der Dezember mit 2937, der Februar mit 2725, der November mit 2554, der Oktober mit 1984, der März mit 1958, der Mai mit 1804, der April mit 1754, der Juni mit 1681, der September mit 1654, der Juli und der August mit 1606 Per-
Anknüpfend au einen Artikel eines national- liberalen Blattes, der sich mit der bedingten Strafaussetzung befaßte und die bisherigen Ergebnisse derselben als dem Vernehmen nach nur unvollkommen befriedigende, sowie ihre Handhabung Seitens der Einzelrichter als ungleichmäßig bezeichnete, hat die „Kölnische Volkszeitung" die Vermuthung ausgesprochen, daß jener Artikel vorn einer mit dem preußischen Justizministerium in Fühlung stehenden Stelle henühre, sowie daß der angebliche Mangel an Interesse bei manchen Amtsrichtern auf die ablehnende Haltung des Justizministeriums den von ihnen gestellten Anträge» gegenüber zurückzuführen sei. Diese Vermuthnngen sind, wie die „Nordd. Allg. Ztg." zuverlässig erfährt, durchaus unzutreffend. Weder rührt jener Artikel von einer mit dem Justizministerium in Fühlung stehenden Stelle her, noch ist bisher bei den Amtsrichtern ei» Mangel an Interesse bemerkt worden, »och endlich ist die Haltung des Justizministers gegenüber ben gestellten Anträgen eine ablehnende gewesen. Selbstverständlich ist es nothweudig, daß an der Zentralstelle in jedem Falle geprüft wird, ob die formellen und materiellen Vor-
Sozialdemokratie und Mittelstand.
Die mittelstandsfeindliche Gesinnung der Sozialdemokratie ist eine allbekannte Sache. Sie erwächst mit innerer Nothwendigkeit aus den letzten Zielen mtb Plänen dieser Partei. Ehe nicht die ungezählten selbsiäudigen Existenzen der Gegenwart vernichtet sind, vermag der kommunistische Urbrei nicht hergestellt zu werden. Mit wenigen Millionären wird die Sozialdemokratie spielend fertig, nicht aber mit tausenden und abertausende» freier, selbstbewußter Bauern, Kleinhändler und Handwerker. Daher die sozialdemokratische Begünstigung alles dessen, was zur Schädigung des Mittelstandes gereicht.
Ei» Beispiel aus neuester Zeit thut dies wieder einmal anf's schlagendste dar. Das Treiben der den Petroleumhandel mehr und mehr monopolifirenden Standard Oil Company hat bekanntlich auf Seiten der Reichsregierung wie der überwiegenden Mehrheit der Volksvertretung die schwersten Bedenken hervorgerufen. Nach zwei Selten hin machen sich diese Bedenken geltend. Einmal handelt es sich um eine nachhaltige Schädigung der Konsumenten, sodann aber — und dies allein beschäftigt »ns hier — nm eine weitreichende Gefährdung des selbstständigen Mittelstandes.
Immer mehr selbstständige Unternehmer werde» von der übermächtigen Handelsgesellschaft zu ihren Agenten und Maklern herabgedrückt. Besten Falles bleibt der Schein der Selbstständigkeit gewahrt. Der Händler muß sich verpflichten, seinen Bedarf ausschließlich von der einen Gesellschaft zu decken, sein Absatzgebiet wird genau vorgeschrieben, die Gesellschaft diktirt ihm die Verkaufspreise, er hat seine ganze Geschäftsführung offenzulegen, ja sogar die Bücher können ihm jederzeit controlirt werden.
Gegen derartige Zustände wendet sich mit treffender Kritik eine kürzlich erschienene Schrift des ueuge- wählten Reichstags - Abgeordneten Landgerichts- Direktors Zehnter. Diese Schrift aber ist durchaus nicht nach dem Sinne des „Vorwärts". Das sozialdemokratische Central-Organ, deffen Ansichten als offizieller Ausdruck der Pariei-Meinung gelten dürfen, gesteht bei Besprechung jener Schrift ganz offen ein, daß die „Ausmerzung" selbstständiger Kleinhändler in seinen Augen überhaupt kein Vorwurf sei. Es will darin nur die „rechtzeitige Anpassung an eine »othwendige Entwickelung" erblicken.
Wörtlich heißt es: „Wir müßten alle unsere Grundanschauungen verleugnen, wollten wir einen derartigen kleinbürgerlich - reaftiouären Kampf gegen das Fortschreiten des Kapitalismus unterstützen. Nicht rückwärts, sondern vorwärts liegt unser Ziel, nicht in der Erhaltung der haltlosen kleinen selbstständigen Zwischen - Existenzen, sondern in der wirthschaftlichen
Befreiung aller dem Kapital Unterworfenen." Die letzte Redensart von der „Befreiung aller" ist natürlich nichts als die bekannte thörichte Lockspeise, recht dankenswerth aber erscheint die Offenheit, mit welcher ix den vorstehenden Sätzen sozialdemokratischerseits dem selbstständigen Mittelstände der Krieg erklärt wird.
Auch für die Landtagswahlen in Preußen kommen 'olche Proben mittelstandsfeindlicher Gesinnung der Sozialdemokratie gerade recht. Noch bekennen sich zahlreiche Mitglieder des städtischen Kleinbürgerthums zur freisinnigen Partei. Was sagen nun diese dazu, daß dir Partei, welche sie mit ihrer Interessen- Vertretung betraut haben, gegenwärtig laut und öffentlich um die Gunst der Sozialdemokraten, der Todfeinde des KleinbürgenhumS, wirbt mtb sich ihnen als ftennd- willige Schützeiin aufdrängt? Wir meinen, der städtische Mittelstand sollte aus solchen Dingen allmählich einsehen lernen, daß seine Wege und die des Freisinns unmöglich die gleichen sein können.
Umschau.
Die neuerdings mehrfach erörterte Frage, ob Kriegervereine berechtigt sind, solche Mitglieder, die sich durch Förderung sozialdemokratischer Bestrebungen mit den Zwecken des Vereins in Widerspruch setzen, ausznschließen, st vor einiger Zeit vom Oberlandesgericht zu Hamm bejaht worden. Aus dem unter dem 3. Novbr. 1897 ergangenen Erkenntniß ist Folgendes hervorzuheben:
„Die Ausschließung der Kläger ist gerechtfertigt, wenn sie sozialdemokratischen Bestrebungen in irgend einer Weise vorsätzlich oder beharrlich Vorschub ge
leistet habe». Den» die Bestrebungen demokratie, wie sie sich in Deutschland
■'JT ' * 1 —Trschein^täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. nn
«4 n QuarratS-Abonnements-Preis bei der Exvedition 2 Mk der allen &Ä £ ÄWUJkMI 33. JlMg.
21^ Sonnabend, 10. September 1898. Ä saufe & «->,
Wachdruck verboten.)
KerbstbLüthe.
Roman von Clariffa Lohde.
1.
Der Regen fiel in heftigen Strömmen vom wolkenschwere» Himmel hernieder. Fröstelnd hüllten sich die Kutscher der in langer Reihe vor der Front eines stattlichen Hauses im Westen Berlins haltenden Eguipagen und Droschken fester in ihre Mäntel oder eilten zu einer der nahen Destillationen, um dort sich einen Schnaps zur Erwärmung gebe« za lassen. Den» eS war ein feuchtkalter Februarabend und ein eisiger Wind peitschte durch die überfluthete» Straßen.
„Her Fellner, Sie auch hier?" fragte die behäbige Wirthin einen eben in das Gastzimmer tretenden, den triefenden Mantel an der Thür abschüttelnden herrschaftlichen Kutscher, dessen langes, von einem Vollbart umgebenes Gesicht etwas besonders Würdiges hatte, wie es langjährigen Bediensteten guter Häuser eigen ist: „Ist denn Ihre Herrschaft auch drüben bei Profeffor Gersdorfs?"
„Ei fteilich! Mein Herr ist ja ei» Jugendfreund von dem Bruder der Frau Profefforin."
„Bon dem Herrn Präsidenten^"
„Ja, von dem, der erst seit Kmqem hierher versetzt ist."
„Born Rhein her, nicht wahr?"
„Ja, vom Rhein. Aber woher habe» Sie das Alles, Fran Bublitz?"
„Na von wem denn sonst, als von der Bertha, dem Stubenmädchen von drüben. Sie holt öfter von uns Bier vom Faß für ben jungen Herrn Doktor. Der will ja nun auch mieber fort."
„So, so," meinte bet Kutscher, der fernen Bittern ans getrunken hatte und das leere Glas auf den Tisch stellte. „Nun, dann find Sie ja gut unterrichtet, Frau Bublitz."
Fellner wollte seine Neugier nicht zeigen. Er wußte, waS sich schickte. In seinem langjährigen Dienst bei dem Geheimrath Lutzen, einem der berühmteste» Aerzte der Hauptstadt, hatte er sich ein gemessenes, zurückhaltendes Wesen angeeignet. Den- noch hätte er gern noch mehr erfahren. Frau Bublitz, die ihre Leute kannte, goß sogleich das Glas wieder voll.
„Ja, Herr Fellner, man hört so Allerlei. Und mit dem jungen Herrn drüben, das ist so eine besondere Sache! Er war doch lange fort und es hieß, er würde nach seiner Rückkehr hier angestellt werden, und nun, kaum daß er ein halbes Jahr hier ist, geht er schon wieder auf Reisen."
„Und wohin, haben Sie daS vielleicht auch erfahren, Frau Bublitz?"
„Nun, ich hätte so etwas vom Orient, aber ich weiß wirklich nicht genau, deS Studirens wegen ist eS, soviel habe ich wohl verstanden."
„Hm, Hm," machte der Kutscher und strich sich den Batt, „so istS mit der Verlobung und mit dem Fräulein Bodin wohl nichts?"
Frau Bublitz schlug die Hände zusammen.
„DaS toiffen Sie also auch Herr Fellner?"
„Nun, warum sollte ich eS denn nicht eben so gut wiffen wie Sie?" DaS Fräulein Bodin ist ja eine Freundin unseres gnädigen Fräuleins, und da hört man doch so etwas besprechen. Man glaubte sogar, daß heute das BerlobungSfest dott," er zeigte mit dem Finger hinüber, „gefeint werden sollte."
„Ach nein," unterbrach ihn Frau Bublitz, „das ist heute nur zu Ehren deS Henn Präsidenten und zugleich eine Abschiedsfeier für den jungen Herrn, der morgen, glaube ich, schon fortgeht. Und was die Verlobung betrifft, nun Sie wissen es wohl auch, daß daS Fräulein Bodin kein Vermögen hat. DaS ist nicht anders bei den Beamten. Der Herr Rath hat wohl ein gutes Gehalt, aber bei den drei Töchtern und sie wollen auch etwas vom Leben haben, und die Frau Räthin ist sehr darauf, na, da geht immer alles blank drauf, Wenns alle Weile noch reicht —"
„3a, wenn'S alle Weile noch reicht," sagte der Kutscher und nickte würdig; „da geht eS uns bester, unS fließt das Geld nur so zu."
.Ach ja, wer'S so haben kann, wie Sie, solchen Dienst! Sie find ja wohl bald an die zwanzig Jahre bei dem Herrn Geheimrath."
„Ei fteilich, und meine Emma hat der Herr Geheimrath und die Marie die Frau Geheimräthin auS der Taufe gehoben."
„Nun, da wird's ja auch bei der bevorstehenden Hochzeit dem Fräulein Emma nicht fehlen."
Der Kutscher schmunzelte vergnügt.
„Na, na, ich glaube, der Herr Geheimrath läßt sich nicht lumpen. Doch nun, adjes Frau Bublitz, es muß bald zwölf Uhr sein," er zog eine große silberne Remontoiruhr, „auch ein Geschenk vom Henn Geheimrath!, Er nickte der Frau zu, „Länger als bis zwölf Uhr bleibt meine Herrschaft nie. Der Herr Geheimrath muß morgen» ftüh auf."
.Ja, ja, solch ein Arzt, der hat keine Ruh," stimmte die Wirthin mit einem mitleidigen Kopfnicken zu. Dann wandte sie sich nach dem Schenkttsch, wo ihr Mann Mühe hatte, alle Fordernden zu befriedigen. Fellner war hinausgetreten. Er kam eben noch
zu recht; denn schon schimmerte Licht hinter der mit Glas verkleideten gußeisernen Thür, und der Diener des Geheimraths Lutzen rief laut den Namen Fellners.
Mit einer für feine Jahre bemerkeriswertheu Elasticität sprang der Kutscher auf seinen Bock und fuhr dicht a» das Trottoir Hera», über daS ein Teppich
bis zur Hausthür gebreitet lag.
Gleich darauf erschien der berühmte Arzt in einen Pelz gehÄtt; Fran und Tochin in langen, seidenen Mänteln, Schleier um das zierlich ftifirte Haar ge- schlungen folgten ihm ans dem Fuße.
Auch im Wagen bildete das vom Kutscher und Frau Bublitz behandelte Thema den Gegenstand der Unterhaltung.
„Also eS war heute nichts mit der Verlobung," meinte der Geheimrath, ein Manu von hoher Gestalt mit einem klugen, offenen und wohlwollenden Gesicht, „und Du hast so sehr daraus gerechnet, Irmgard!"
Das junge Mädchen, eine reizende Blondine, der die Fröhlichkeit ans den Augen lachte, schüttelte leicht den Kopf.
„Ich begreife es auch nicht, und besonders, daß Gersborf nun wirklich nach Griechenland geht. Er wollte erst durchaus nicht, sondern eine Lehrerstelle am Gymnasium avnehmen, die ihm angeboten wurde. Aber ich kenne Elli, sie ist so edel, sie will kein Hinderniß in seiner Karriere fein."
„Und da thut sie recht!" sagte der Geheimrath. „ES könnte ihn doch später gereuen, wenn er sich so die Zukunft verschloffen hat. Soll er doch in feinem Fache sehr tüchtig fein, und sobald er von seiner Reise zurückgekehtt, ist ihm eine Stelle am Museum ober an der Bibliothek bei seinen Konnexionen ziemlich sicher."
(Fortsetzung folgt.)