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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
•l»f Loh Slug. Koch, Univerfitätr-Buchdruckerei in Marburg, Beronlworttich für btt Redakteur M. Hartman» i» Marburg.
«chMtiou: Markt 21. - Telephon 55. VVIHHWJJVVWHt Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blatte», die Annoncen-
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Ein deutsch-englisches Abkommen.
Englische Blätter meldeten, daß kürzlich von dem deutschen Botschafter in London, Grafen Hatzfeldt, als Vertreter seiner Regierung, und von Lord Balfour, dem Vertreter deS englischen Premierministers und Ministers des Auswärtigen Lord Salisbury, eine wichtige Vereinbarung unterzeichnet worden sei. Diese sollte sich bald auf Aegypten, bald auf astatische Angelegenheiten beziehen und nach den weitestgehenden Vermuthungen sogar ein allgemeines Schutz- und Trutzbündniß enthalten. Es ist ja bekannt, daß es englische Politiker giebt, welche der Gewinnung Deutschlands für eine annrussische Politik in Ostasten das Wort reden; aber ebenso bekannt ist auch, daß die Kaiserliche Politik kein Bedürfniß nach weiteren Anlehnungen als den im Dreibund bestehenden hat, und daß ihr nichts ferner liegt, als eine Trübung der guten Beziehungen zu dem russischen Nachbar, vollends um fremder Jntereffen willen. Schon daraus folgt, daß sich das Abkommen nur auf Frage» beziehen kann, die deutsche und englische Interesse» gemeivsam berühren und deren Regelung ohne irgend welchen Frontwechsel in der allgemeinen Politik des Deutschen Reiches möglich erscheint. Gegenstand für eia solches Abkommen kann nur der afrikanische Kolonialbesitz sein, umso mehr, als Rußland dort erklärtermaßen, abgesehen von den Ländern am arabischen Meerbusen, keine Jnteresien besitzt, und die Veranlassung dazu ist in der Finanznoth Portugals gegeben,
Im letzten Jahre häuften sich die Anzeichen, daß sich einflußreiche Kreise in Lissabon unter dem Drucke der großen finanziellen Schwierigkeiten des Königreichs England in die Arme werfe» u»d mit dem portugiesischen Kolonialbesitz in Aftika, insbesondere mit der Delagoabai, die englische Hilfe bezahlen würden. Für das Deutsche Reich konnte dies sowohl wegen des AntheilS des deutschen Kapitals an der portugiesischen Schuld, als auch namentlich wegen der Nachbarschaft der portugiesischen Kolonien in Südost- und in Südwest > Afrika mit den dortigen deutschen Schutzgebieten durchaus nicht gleichgiltig sein. Wenn es daher gelungen wäre, daß Deutschland und England sich zu gemeinsamem Vorgehen in der portugiesischen Finanzfrage unter gleichmäßiger Betheiligung au den von Portugal zu leistenden kolonialen Bürgschaften vereinigt hätten, so wäre damit die Gefahr von deutsch-englischen Reibungen wegen des afrikanischen Kolonialbesitzes glücklich beseittgt.
Dies scheint in der That der Fall zu sein, und zwar ohne daß das Deutsche Reich auf irgend ein wohlerworbeuesRechtzu verzichte n brauchte. Allerdings heißt es, daß in dem Abkomme» der vorherrschende Einfluß Englands auf die Delagoabai
Machdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia Matz, verf. de» preisgekrönten RomcknS »Unter der KönigStanne." (Schluß.)
»Ich glaube, Du irrst, Gertrud/ entgegnete Herbert zärtlich. »Meiner Anficht nach wäre sie früher oder später und später doch dem Reize Deiner Persönlichkett zugänglich geworden, und auch ohne Tante FraukenthurnS Hierherkunft würde sie Dich als ihr liebes Kind an ihr Mutterht^ genommen habe»/
»Du bist ein Schmeichler; aber glaube mir, der Augenblick wäre erst nach Jahren eingettoffen. Außer- dem darfst Du nie vergessen, daß int Grunde genommen bei Klementine die Sachen doch ganz ander» liegen. Der Gedanke, an ihre Tochter als eine simple Frau Karveldt zu denken, muß für Mama ja eigentlich furchtbar sein, während ich doch nun Deinen Namen trage, und es dadurch der Mutter leicht wird, zu vergesse», daß ich einnral Mehnert hieß/
»Ich glaube fast, daß Du doch recht hast, wie soll die Sache aber werden?*
»Ich will e» morgen, am Christabend, nochmals versuchen, die Mama umzustimmen, . obgleich sie mich da» letzte Mal, als ich die Sache zur Sprache brachte »och ziemlich kühl abgewiesen hat! — *
Eingedenk diese» Versprechen» trat Gertrud, nachdem fich die erste Unruhe de» Festabend» gelegt hatte, auf ihre Schwiegermutter zu und setzte sich neben diese in ein Fauteuil. Es war, al» ob die alle Dame Gerttud» Gedanken errathen hatte; denn sie eröffnete die Unterhaltung mit ihrer Schwiegertochter durch die Bemerkung: »Ist e» nicht rührend, wie
anerkannt würde. Allein England besaß bereits seit Jahren durch Vertrag mit Portugal ein de jure und de facto unbestreitbares Vorkaufsrecht auf die Bai, die ihrer Lage nach für die ftavzösische Kolonie Madagaskar und für die Transvaal - Republik von viel größerer Bedeutung ist, als für uns. Die wirth- schafttichen Interessen, die wir dort besitzen, werden auch in Zukunft gewahrt werden, und die Sympathie für die Buren, die in den letzten Jahren durch die hartnäckige Verweigerung nothwendiger Reformen im Burenstaate unter lebhaften Klagen unserer eigenen dortigen Lands leute starke Einbuße erlitten hat, durfte die deutsche Regierung natürlich nicht abhalten, für die unumgängliche Anerkennung jenes englischen Vorzugsrechts werthvolle Kompensationen in Gestalt von Anrechten auf die Erweiterung unseres eigenen Kolonialbesitzes zu erlangen.
Sind nun auch noch zuverlässige Mittheilungen über das Maß dieser Kompensationen abzuwartev, so glauben wir doch einen großen Erfolg der kaiserlichen Politik vor uns zu haben, insofern es gelungen ist, unter Wahrung unserer Freundschaft mit Rußland, ohne Bündniß mit England, vielmehr in voller Unabhängigkeit der eigenen zwei Beine, alte bedenkliche Reibungen mit England geglättet und für unsere afrikanischen Schutzgebiete eine werthvolle Verstärkung gesichert zu haben.
Umschau.
Am Dienstag Abend fand bei Ihren Kaiserlichen Majestäten im Kurhause zu Oeynhausen eine Galatafel für die Provinz Westfalen statt, zu welcher die Spitzen der Behörden und hervorragende Personen aus der Provinz geladen waren. Se. Majestät der Kaiser hielt dabei folgende Ansprache:
»Umgeben von Erinnerungen Meiner Jugend, noch unter dem Eindruck des Jubels des schönen Festes an der Porta, freue Ich Mich, Meine treuen Westfalen am heutigen Tage an Meiner Tafel zu begrüßen:
Bei den nahen Beziehungen der Provinz zu Meinem Hause ist es stets für Mich eine Freude, wenn Ich mit den Westfalen zusammenkommen kau», und doppelt freudig begrüße Ich Sie am heutigen Tage, der in das 250. Jahr fällt, da diese» schöne Land an das HauS Brandenburg und Hohenzollern fiel.
Die Geschichte hat gezeigt, daß eine hervorragende Tugend der Westfalen die eiserne, unentwegt festhaltende Treue zu Meinem Hause ist, die sie bewiesen haben in ihren Regimenter» auf dem Schlach- felde, die sie bewiesen habe» in guten und in bösen Tage».
Ich begrüße Sie daher von ganzem Herzen.
Klementine fich bemüht, hetter zu erscheinen unter dem Christbaum?*
»Mama/ flüsterte Gertrud schmeichelnd, indem sie die Hand der Gräfin streichelte »ich wüßte ein Mittel, wodurch es unS gelänge, die Kleine nicht nnr heiter erscheinen, sondern in wahrer Seligkeit <ufiu6eln rn lassen/
»Auch ich kenne diese» Mtttel, meine Tochter/ entgegnete die Gräfin, »und ich bin berest, für Klementinens Glück da» Opfer der Ueberzeugungen meines ganzen Lebens zu bringe»/
»Dauke mir nicht/ fuhr sie fort, als @ertrnb[ fich stürmisch über die Hand der Schwiegermutter neigte und dieselbe küßte, ,3m Grunde hat Klementine Dir für das Glück zu danken. Du glaubst nicht, wie mich daS Zusammensein mit Deiner Großmutter erschüttert hat. Sie war ähnlich starr in Grundsätzen und Ansichten; sie hat es über fich vermocht, ihre heißgeliebte Tochter zu verstoßen, weil diese dem Manu, welchen ihr Herz gewähtt hatte, folgte. Von Klementine wäre nun zwar ein so extremer Schritt kaum zu fürchte», da sie fich ohae meinen Segen wohl kaum zu einen Ehebund entschließen würde, aber die Aussicht, fie immer traurig und unglücklich vor mir zu sehen, ist mir auch entsetzlich, und nachdem ich Gotte» wunderbare Fügung in Herbert» und in Deinem Lebe» erkannt habe, frage ich mich doch, ob ich da» Recht habe, aus eigenstem Wille» heraus über zwei Menscheuschicksale so eigen» mächtig zu entscheiden. Glaube mir, die letzte Woche hat mir nur schlechte Rächte gebracht, und ich habe schwer mit mir gerungen. Glaube eS mir, e» wird einem nicht leicht, die Altäre, welche man selber errichtet hat, mit eigener Hand umzuwerfen und sich zu sagen, »Du haft Dich geint ein Leben lang!* Nun aber habe ich überwunden und die Frucht
Von den Arbeiten, denen Ich als König und Landesherr in Meinem schweren Beruf obliegen muß, ist derjenige Theil, der die Provinz Westfalen betrifft, immer für mich eine Freude; denn in ihren Grenzen find in gleicher Weise, gleich mächtig, gleichwerthig und gleich arbeiissam vertreten, eine blühende Land- wirthschaft und eine aufwärts strebende Industrie, und wie Ich eben schon dankerfüllt die Verttetcr ihrer Bauern habe empfangen können und von Neuem Grüße, Versprechungen und Treue um Treue habe auS- tauscheu können, so begrüße Ich auch die Gelegenheit, von Nenkm der westfälischen Industrie Meine vollste Theilnahme und Aneikennung ausspreche» zu können. Wie Alle, die indnsttiellen Betrieben obliegen, so haben auch Sie ein Wachsamens Auge auf die Entwickelung unserer sozialen Verhältnisse, und Ich habe Schrstte gethan, .soweit es in Meiner Macht steht, Ihnen zu helfen, um Sie vor wirthschaftlich schweren Stunden zu bewahren. Der Schutz der deutschen Arbeit, der Schutz desjenigen, der arbeiten will, ist von Mir im vorigen Jahre in der Stadt Bielefeld feierlich versprochen worden. Das Gesetz naht sich seiner Vollendung und wird den VolkSverttetetn in diesem Jahre zugehen, worin jeder, er möge sein, wer er will, und heißen, wie er will, der einen deutschen Arbeiter, der willig wäre, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hindern versucht oder gar zu einem Strike anreizt, mit Zuchthaus bestraft werden soll. Die Strafe habe Ich damals versprochen, nnd Ich hoffe, daß das Volk in seinen Vertreten zu Mir stehe» wstd, um unsere nationale Arbeit in dieser Weise, sowest es möglich ist, zu schützen. Recht und Gesetz müssen und sollen geschützt werden, und soweü werde Ich dafür sorgen, daß sie aufrecht erhalten werden.
Sie aber, Meine Herren, fordere Ich auf, mit Mir auf das Wohl dieser blühenden und herrlichen Provinz zu hinten, die ausgebreitet liegt in ihrer landschaftlichen Schönheit mit ihrem treuen Volke unter der segnenden Hand des großen Kaisers.
Ich wünsche Ihnen von Herzen, daß Sie Ihre hohen Eigenschaften bewahren mögen; vor allen Dingen wünsche Ich dem westfälischen Dauer, daß er sich seine Arbeitsamkeit, seine alte Tracht und seinen alten westfälischen Bauernstolz bewahren möge. Die Provinz Westfalen Hurrah! Hurrah! Hurrah!*
Der »Vorwärts* hält sich darüber auf, daß aus einem Kriegervereine ein »hoher Sechziger* nach sechsunddreißigjähriger Mitgliedschaft ausgewiesen worden ist, well er sich als Sozialdemokrat entpuppt hat. Das sozialdemokratische Centtalorgan schreibt dazu, derartige Maßnahmen machen »böses Blut* und schließlich würde von der „ganzen KriegervereinS- herrlichkeit* nicht viel übrig bleiben. Darauf muß man es an kommen lassen. Besser die Kriegervereine
meine» Kampfe» steckt hier in meinem Pompadour/ Dabei wies fie auf einen Beutel aus schwarzem Plüsch, den fie an ihrem linken Arm trug. „Klementine aber hat nnr Dir ihr Glück zu
danken, und deshalb soll fie eS auch aus
Deiner Hand empfangen!* Die Gräfin nahm bei diesen Worten ein ziemlich umfangreiches Päckchen aus dem Beutel und händigte es Gertrud ein. Erwartungsvoll schlug fie diese Papierhülle auseinander, so daß ihr ein Paket aus Kartonpapier entgegenfiel; auf der obersten Karte standen in eleganter Schrift die Worte:
Klementine, Komtesse LaudSkron, Oberlieutenant Otto Marveld, Verlobte.
Mit einem laute» AnSrnf der Freude fiel Gertrud ihrer Schwiegermutter nm den Hals und bedeckte ihr Gesicht mtt Küssen. Die Gräfin-Mutter, welche sonst das Bild gemessenster Würde war, erhielt heute eine zweite so stürmische Liebkosung, wie fie sie wohl »och viemal» empfangen hatte, jedenfalls hatten sich ihre Sinder niemals dergleichen erlaubt. Klementine sah auch ganz erschrocken ans ihre Schwägerin, und die übrigen Anwesenden, Jngeborg, Rhode» und Körttng wenigstens waren sehr verwundert. Rur Herbert lächelte sehr befriedigt. Die alte Gräfin schien ihrer Schwiegertochter wirklich nicht» mehr übel zu nehme», nicht einmal ein Heraus treten ans den von ihr fo gepflegten und gerühmten oristokrattschen Formen. „Wildfang* sagte fie und rückte ihr verschobenes Häubchen zurecht, „rufe Mentt!'
Die ängstliche Siementine brach in Thränen an», als fie der Karten ansichtig mürbe und erfuhr, daß ihre Mutter einwilligte, ja daß ihr Bruder sogar mft Otto Marveld bereit» alle» besprochen hatte.
find numerisch schwächer aber absolut zuverlässige Stützen des Thrones, als mit verkappten oder offenen Sozialdemokraten durchsetzt und auf diese Weise zur Lösung ihrer Aufgabe, Vaterlandsliebe und Königstreue zu pflegen, geschwächt. Wir können den energischen Reinigungsprozeß, der ohne Zweifel für die Zukunft gute Wirkung haben wird, nur gutheißen.
Die Pforte hatte au die Mächte einen Protest gegen den Beschluß der Admiräle der fremden Geschwader in den kretischen Gewässern gerichtet, wonach daS Executivcomits berechtigt sei, die Zehnten bet 3 n f e l Kreta zur Deckung der Kosten der provisorischen Verwaltung Kretas einzuheben. Als die Engländer ttotzdem von dem Zehntenbureau in Sanbia Besitz ergriffen, sammelten sich Muselmanen an, die Edhem Pascha auseinander« trieb. Darauf wurden Christen und Muselmanen handgemein. Au» christlichen Häusern fielen Schüsse. Die Engländer schossen und verwundeten zwei Muselmanen. Die ganze muselmanische Bevölkerung ergriff darauf die Waffen. Edhem Pascha schiffte englische Soldaten und Christen unter türkischer Bedeckung ein. Ein englisches Schiff feuerte mehrere Schreckschüsse ab. Drei Engländer sind tobt, vier oertounbet, sechs Muselmanen stnb gleichfalls getöbtet. Djevad Pascha stellte ein Bataillon aus Kanea zur Verfügung der Admiräle nnd schlug ihnen vor, fich nach Sanbia zu begeben, was biese ablehnten. In Kanea unb Retimo sind Vorsichtsmaßregeln gettoffen. Die Truppen stehen bereit, die Patrouillen sind verdoppelt. Vier Kriegsschiffe gingen von Suda nach Sanbia ab, wo der Kampf zwar beenbet ist, der Brand aber fortdauert. Der Ernst der Lage läßt sich nicht verkennen. Denn schon scheint, trotz der beschwichtigende» Schlußbemerknng der vorigen Depesche, die Bewegung auch »ach andern Orten der Insel hinüberzugreifen. Am 5. b. M. Abends machte sich eine gewisse Bewegung in Kanea bemerkbar. Ei» sianzösischer Soldat tödtete einen Türken außerhalb der Stadt, ein anderer wurde verwundet und auf einen brüten geschossen, ohne daß er gettoffen wurde. Der Soldat wurde durch türkische Soldaten verhaftet. In Berlin eingegangene amtliche Depeschen bestätige» ben Ausbruch vo» heftigen Straßenkämpfen in Sanbia, die Anzündung de» Hafenviertels und das Bombardement der Stabt. Bet der Feuersbrunst ist auch das deutsche Bizekonsulat in Flammen auf gegangen, doch war dies nur eine Folge des entfesselten Feuers und nicht etwa auf einen Angriff der Mohammedaner zurüchuführen. Der Inhaber de» VtzekonsulatS befindet sich augenblicklich auf einem Urlaub in Schwäbisch-Hall. Da Deutschland fich von der Aktion der Mächte vor Kreta zmückgezogen hat, so befindet es sich jetzt in der angenehme» Lage, in keiner Weise durch die neuesten Ereignisse politisch
„Wissen Sie/ sagte Körttng halblaut zu Rhode», „wen» mau bedeuft, was Herberts Frau in ein paar Monaten bei meiner Schwester erreicht, so möchte man an Zauberei denken. Mein seliger Schwager hat kurio» unter dem Pantoffel seiner Fran gestanden und wie hat fie stets uns alle beherrscht! Und nun kommt diese Demokratin und nimmt mit ihre» weißen, weiche» Händchen den Herrscherstab an fich; meine Schwester läßt sich's nicht nur gefalle», sonder» thut sogar alles, wa» Gertrud will/
„Richt mit den Wimper» hat fie gezuckt, al» Gertrud ihr sagte, daß fie t» Frankenhof eine Anstalt für Waisenkinder zu errichte» gedenke. 3m Gegen- iheil, fie, die sonst sehr wohl den Werth de» Gelbe» zu schätzen wußte, that fich etwa» daraus zu gute, daß ei» LaudSkron die Mügist seiner Frau nicht braucht. »Sie ist wirklich eine Hexe, die schöne Frau; daS habe ich immer gesagt. Jetzt, wo alle» in ihr von Glück und Frohsinn beseelt ist, geht ein solch bezauberndes Leben von ihr ans, eine so hinreißende Anmuth, daß ich mir oft ernstlich zuflüstern muß: »Paul, Du bist doch kein flotter Rittmeister mehr, der Dummheiten machen darf/
Rhoden lachte: »Graf Körttng, nehmen Sie fich in Acht, die Schlossherrin kann unter Umständen ebenso Stein und EiS sei», wie ihre Schwiegermutter !'
»Ja, weiß der Hünmel, wo fie's gelernt hat/
Die Herren stießen mit den Gläsern an: »Es lebe die Demokratin/ sagte Körttng halblaut; »aber da» darf meine Schwester doch nicht hören.'
„Auch Graf Herbert berührte mit seinem Glase ba» seiner Mutter. »Bin ich nicht ein guter Prophet gewesen, Mama?*
Sie wnßtt, wo» er meinte. »Ja, mein Sohn