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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.
*a*m*artai: S»h lag. Koch, Vnivttfitätr-Buchdruckeni in Marburg. «mmtwortttch für btt Rebdti»*: Kobakteur M. Hortmann t» Marbur»
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33. Jahr«.
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Erstes Blatt.
7Die Verjährung im Bürgerlichen Gesetzbuche.
Bequemlichkeit, Vergeßlichkeit, Nachsicht und Gut- müthigkeit, auch Unkeuutniß des Rechts führeu häufig dazu, daß Gläubiger ihre Forderungen gegen Schuldner nicht rechtzeitig geltend machen. Wenn sie dann schließlich nach Jahren die gerichtliche Eintreibung versuchen, müssen sie die unangenehme Erfahrung machen, daß der Schuldner sich allen Verpflichtungen durch den Hinweis auf die inzwischen eiugetretcue Verjährung entzieht.
Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuche beträgt die gewöhnliche Verjähruugszeit 30 Jahre; die Ausnahmen von dieser Regel sind aber so zahlreich und so wichtig, daß nach der Häufigkeit des Vorkommens diese Ausnahmen eigentlich die Regel bilden werden. Denn iu nur zwei Jahren (zu rechnen vom Schluß desjenigen Jahres, in welchem der Rechtsanspruch entstanden ist) verjähren beispielsweise die Ansprüche der Kaufleute und Handwerker für gelieferte Maaren und Arbeiten; der Transport' Unternehmer für Fahrgeld, Fracht, Fuhrlohn; der Gastwirthe für Zech- forderungen; der Angestellten im Privatdienste wegen Gehalts oder Dieustlohus; der Arbeiter in Industrie und Handwerk wegen Lohnes; der Aerzte und Rechtsanwälte. Für Zinsen (Hypothekeuzinseu rc.), Miethen, Alimenten- und Renten - Forderungen ist die Ver- jähiungSftist auf vier Jahre festgesetzt.
In einigen besonders hervorgehobene» Fällen wird der Lauf der Verjährung nur zeitweise gehemmt. Für eine wirkliche Unterbrechung der Verjährung, so daß eine ganz neue VerjähruugS - Frist zu laufen beginnt, genügt fortan nicht mehr die einseitige Mahnung des Gläubigers; vielmehr bedarf es zur wirksamen Unterbrechung des Verjährungslaufes eines ausdrücklichen Anerkenntnisses der Schuld durch den Schuldner oder doch einer stillschweigenden Anerkennung z. B. durch Leistung einer a conto- Zahlung, einer Zinszahlung auf das Kapital oder irgend einer andern Handlung des Schuldners, durch die er das Fortbestehen der Schuld zu erkenueu giebt. Außerdem wird die Verjährung natürlich durch Erhebung der Klage beim Gericht unterbrochen; dieselbe Wirkung hat die Zustellung eines Zahlungs-Befehls au den Schuldner oder die Anmeldung der Forderung zum Konkurse, sowie die Vornahme einer Pfändung gegen den Schuldner. Ist aber der Anspruch durch rechtskräftiges Urtheil einmal festgestellt, so tritt die 30jährige Verjährung ein.
Ueber die Verjährung der Forderungen, die vor dem 1. Januar 1900 unter der Herrschaft der bisher gültigen Gesetze enistauden find, bestimmt daS Einführungs-Gesetz, daß auch auf die vor der krüischeu Zeit eutstaudeueu, am 1. Januar 1900 noch nicht verjährten Ansprüche daS Bürgerliche Gesetzbuch anzu- weudeu ist, und zwar so, daß die nene Verjährungs- Frist vom 1. Januar 1900 ab berechnet wird; doch soll die Verjährung schon früher ablaufeu, wenn dies nach der bisherigen VerjähruugS - Frist der Fall sein Wirde.
(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia Matz,
Berf. de» preisgekrönten Roman» „Unter der KönigStamre." (Fortietnnr.)
Aber alle Vorstellungen der Schwiegertochter waren bis jetzt vergebens gewesen; die Gräfin war noch nicht einmal in Zorn gerathen, als ihr Gertrud zuerst von KlemeutiuenS Neigung erzählte, von welcher die Mutter übrigens schon wußte, sondern fie hatte nur mit aller Entschiedenheit erklärt, von der Sache »ichtS weiter hören zu wollen; Gertrud möge sich keine Mühe geben, fie umzustimmen.
Aber Gertrud drang immer wieder mit lebhafter warmer Bitte auf die Gräfin-Mutter ein, mit überzeugenden Vorstellungen; zuweilen kam e» auch zu einem erregten Meiunug«austansch, den aber die junge Gräfin stets taktvoll abzubrechen wußte, wenn er sich gefährlich zuzuspitzen drohte. Den mächtigsten BnndeSgenossen hatte fie an dem blassen abgehärmten Gesichtchen KlementtnenS selber unb natürlich an ihrem Manne, der ebenso wie Graf Körting den starren Sinn der Gräfin mit klugem eindringlichem Wort zu bewegen versuchte; als Jugeborg wieder
Jedem Geschäftsmann, Handwerker, Arzt, Gast- wirth, Schulvorsteher, Grund - Eigeuthümer, Fuhrunternehmer ist dringend zu rathen, daß er sich in jedem Jahre, wenn er seinen Abschluß macht, einen Auszug aus feinen Büchern über die säumigen Schuldner mache, um sie zunächst einmal zu mahnen und sodann, wenn fie fich nicht rühren, ohne viel Federlesens zu verklagen. Es können durch solch entschiedenes Vorgehen viele Verluste vermieden werden. Vielleicht würde eine derartig prompte Justiz auch noch erziehlich auf die Persönlichkeiten wirken, die zwar im Staude find zu zahlen, die jedoch lieber ihren Schuster oder Schneider oder Kaufmann monate- und jahrelang warten lassen, ehe sie fich entschließen, sich von ihrem Gelbe zu trennen. Vielleicht würden sich auch unsere Handwerker daran gewöhnen, ihre Rechnungen prompter als bisher zu schicken.
Umschau.
Se. Maj. der Kaiser richtete in Oeynhausen vorgestern folgenden Trivkspruch an den kommandireuden General des VII. Aimcecoips Generallieutenant v. Mikusch-Buchberg:
„Euer Excellenz haben Mir heute Westfalens kampferprobte Söhne in vortrefflicher Verfassung vorgeführt, und ebenso haben in den Reihen Ihrer Regimenter die Söhne Bückeburgs in herrlicher Weise sich gezeigt. Nicht zum mindesten auch dient zur Unterstützung und Hebung des gesammten militärischen Bildes die Anwesenheit der alten, braven, einstigen Division Fransccki.
Ich danke Ihnen für die vortteffliche Haltung, in der Sie Mir die Truppen vorgeführt haben; ein erhebender Anblick für den Kriegsherrn, ein beruhigender Anblick für den Landesherrn.
Ich glaube, mit gutem Gewissen das Ihne» ausgesprochene Lob Mitteten zu können, zumal in Meinem zehnten Regierungsjahre, und Ich glaube, wir können getrost uns sagen, daß her hohe Herr, dessen weithin schauendes Denkmal auch heute über den Platz hingeblickt hat, von oben herab znftieden zugeschaut hat zu dem, was feine kampfestreuen Westfalen heute geleistet haben. Ich glaube, der Ueberzeugung Raum geben zu dürfen, daß das siebente Armeeeorps am heutigen Tage nicht ein Haar schlechter ist, wie Ich eS von Sr. Majestät Meinem höchstseligen Herrn Großvater übernommen habe.
Ich hege die feste Zuversicht, daß die ruhmreiche Tradition und die glorreiche Geschichte, die fich an die Fahnen und Namen der heute in der Parade gestandenen Regimenter knüpft, dieselben auch in Zukunft, sei e« im Krieg, sei eS im Frieden, dazu anfeuern wird, stets ihrer Namen und ihrer Geschichte eingedenk zu sein und, ihrem Fahneneid treu, ihr Gelübde zu erfüllen, wie sie es bisher gethan haben.
Ich trinte auf das Wohl der heute in Parade gestandenen Regimenter des stebenien Armeecorps und der Division Fransecki, Hurrah! Hurrah! Hurrah!"
Sn das Diner schloß fich ein großer Zapfenstreich im Kurpark vor dem Kurhause, welcher von 1800 Musikern deS siebenten CorpS unter Leitung des Armeemufikinspicieuteu Professor Roßberg aus
geführt wurde. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, sowie die Gäste wohnten demselben im Kurhaus unter einem geschmückten Baldachin bei.
Bei der gestrigen Eidesleistung der Königin Wilhelmina in Amsterdam hielt die Königin mit klarer und ruhiger Stimme die folgende Ansprache: „Meine Herren Mitglieder der Generalstaatenl Nach dem Tode meine» unvergeßlichen Vaters und nach der gesegneten Regierungszeit meiner Mutter, bis meine 18 Jahre vollendet waren, habe ich nunmehr die Regierung angetreten. Wie ich eS in einer Proklamation zur Kenutniß meines vielgeliebten Volkes gebracht habe. Jetzt ist die Stunde gekommen, wo ich inmitten meiner getreuen Generalstaaten und unter Anrufung des heiligen Namens Gottes mich dem niederländischen Volke verpflichten werde, seine Rechte und Freiheiten aufrechtzuerhalten. Fester knüpfte ich heute das feierliche Band, daS zwischen mir und meinem Volke besteht. Die sehr alte Verbindung zwischen Niederland und Oranien ist aufs Neue bekräftigt. Schön ist mein Beruf, schön meine Aufgabe. Ich bin glücklich und dankbar, daS niederländische Volk regieren zu dürfen, ein Volk, klein an Zahl, aber groß durch Kraft und Charakter. Ich halte es für ein Vorrecht und eine willkommene Pflicht, alle meine Kräfte dem Gedeihen und dem Wohlergehen unseres Vaterlandes zu weihen. Oranien kann nie, ja nie genug thun für Niederland. Ich bedarf Ihrer Unterstützung und Ihrer Mitarbett; ich bin überzeugt, daß Sie mir dieselbe leihen werden, damit wir zusammen für die Ehre und die Wohlfahrt unseres niederländischen Volkes arbeiten mögen. Das sei das Ziel meines Lebens. Gott segne Ihre und meine Arbeit zum Heile des Vaterlandes." — Die Königin und die Königin-Mutter unternahmen Nachmittags in einem sechsspännigen Wagen eine Spazierfahrt durch die geschmückte Stadt, ihnen folgten der Fürst und die Fürstin zu Wied, sowie der Großherzog von Sachsen-Weimar. Die Wagen waren von einer Ehrenwache begleitet. In der Stadt herrschte überall große Begeisterung.
Dem Pariser „ Malin " zufolge krittsirte Ministerpräsident Brisson im vorgestrigen Ministerrathe scharf das Vorgehen des Kriegsministers Cavaignac, welcher dem Brauche gemäß seine Demission in Gegenwart aller Kollegen hätte geben sollen; ebenso beklagte Brisson die aggressive Form des DemisfionSbriefes Cavaignac'S. In dem Antwortichreiben begnügte sich Brisson mit einfacher Kenntnißnahme der Demission, ohne den mindesten Ansdnrck des Bedauerns hinzu- zufügen. ES heißt, General Sausfier lehnte daS Kriegsportefeuille mit der Begründung ab, er sei als Militär - Gouverneur gezwungen gewesen, mehrfache Maßnahmen in der DreyfuSsache anzuordnen, deshalb wolle er die Liquidation anderen überlaffen. ES verlautet, Oberst Piquart habe auf Ansuchen seines Ber- theidigerS Labori ein Gesuch um vorläufige Freilassung unterzeichnet. „Libre Parole" erklärt, im Falle einer Revision des DreysuS-Prozeffes müßten dem Militärgericht alle Dokumente vorgelegt werden, man würde sonst sagen, daß fie unterschlagen feien. Im gestrigen Ministerrathe, dem der Kriegsminister General Zurlinden beiwohnte, berichtete der Marineminister Lockroy über die Dertheilnng der Seestreitkräfte an der Küste und
die Neubildung der Geschwader. Der Kriegsminister General Zurlinden beauftragte den General BoriuS mit der einstweiligen Wahrnehmung der Stelle des Militärgouverneurs von Paris. — Der neue französische Kriegsminister General Zurlinden stammt aus dem Elsaß und zählt 61 Jahre (geboren zu Kolmar am 3. Juni 1837.) Er trat 1858 als Lieutenant in die Artillerie ein, war im Feldzuge 1870 Hauptmann und Adjutant deS die Artillerie des 6. Korps in Metz befehligenden Generals v. Berckhelm und wurde bei der Kapitulation von Metz Kriegsgefangener. Es gelang ihm, au8 Spandau zu entkommen, worauf er für den weiteren Krieg ein Kommando von (Sambetta erhielt. Im Jahre 1881 zum Obersten aöandrt, wurde Zurlinden zweiter Direktor der polytechnischen Schule, später Kommandeur der Infanteriedivision in ArraS und sodann deS 4. Korps in Le Mans. Von 1895 bis 1896 hatte General Zurlinden schon einmal daS Kriegsministerium inne. Zuletzt befehligte er daS 15. Armeekorps in Marseille.
Die Erklärung Kiautschous zmnFrei- Hafen bedeutet einen wichtigen Fortschritt auf der Bahn der polittschen Aktion Deutschlands in Ost- asien. Daß den deutschen Bestrebungen, welche seiner Zeit in der Besitznahme deS genannten chinesischen KüsteupuufteS zum Ausdruck kamen, ehrgeizige Absichten durchaus fern lagen, daß es sich bei der Festsetzung in der Kiautschoubucht um nichts Anderes handelte, als um Gewinnung einer soliden Unterlage für die Handels- und verkehrspolitischen Bedürfnisse Deuffchlands in Ostasien, daS hat die inzwischen ein- gelretene Entwickelung der deutschen Chinapolttik zur vollen Genüge erwiese». Mit der Erklärung Kiautschous zum Freihafen ist das Uuterpfaud dafür gegeben, daß eS der deutschen Politik fern liegt, in Ostasien ihre Interessen auf einer anderen Grundlage, als der der internationalen Gerechtigkeit und Billigkeit zu betreiben. Der Sinn Deutschlands ist eben nur auf friedlichen Wettkampf gerichtet, und es hat denn auch nicht gezögert, bezüglich Kiautschous durch die Thal zu beweisen, daß es fich bei der Entwickelung des Platzes von keinen anderen Gesichtspunkten leiten läßt, als von solchen, welche mit der Auffassung von der Aufgabe Deutschlands im fernen Osten als einer kulturfördernden im Einklänge stehen.
DaS Recht auf Terrorisirnng Arbeitswilliger nimmt der „Vorwärts" für streikende Genossen in Anspruch, indem dieses Zenttalorgan der Sozialdemokratie bei jeder Gelegenheit die Partei der Vergewalttger ergreift und die Staatsautorität in dem Lichte eines „Kommis der Arbeitgeber" erscheine» läßt. Nach der Theorie des „Vorwärts" fordern Arbeiter, welche eS ablehnen, sich bezüglich der AuS- übnng ihres Berufes von den Sttikehetzern Vorschriften machen zu lasse», oder, um in dem Tone des sozialdemo- krattschen tzetzorgauS zu reden: welche sich als Stteikbrecher benutzen lasse», de» „an fich wahlberechtigten Zorn" der Sinkenden heraus. Mit anderen Worten: Die arbeitswilligen Elemente sind „Verräther an der Arbeitersache", und nur die Furcht vor dem Straf» gesetz verhindert, daß über jene Arbeitswilligen von Parteiwegen der Stab gebrochen bezw. ihnen übel mstgespielt wird. In der Aufstellung dieser Theorie kommt der gemeingefährliche Charakter der ganze»
auf Schloß Landskrou ankam, da bestürmte auch fie die Tante mtt Bitte» zu Gunsten KlementtnenS. Herbert überzeugte fich jedvch mtt heimlichem, frenbigem Staune», daß seine Mutter der geliebten Frau mit einer Zärtlichkeit begegnete, deren er fie gamicht für fähig gehalten hätte. Aber feine Mutter zweifelte ja auch längst nicht mehr an dem vollen reinen Glücke ihres Sohnes.
So kam Weihnachten Hera».
Die Familie verlebte i» diesem Jahre de» Winter nicht in der Stadt, sondern fie war ans Landskrou geblieben, wo auch das Weihnachtsfest gefeiert wurde. Um den hohen strahlenden Christbaum iu der Halle reihten fich alle Familienmitglieder, Wünsche und Gaben tauschend. „Wie wird'S überS Jahr fein, Herbert?" fragte Gertrud finnend und neigte den Kopf an die Schulter ihres Gatte». Er legte den Arm um ihre Gestatt und küßte fie leise. „Heber? Jahr strecken fich zwei runde Kinderärmchen der glitzernde» Tanne entgegen, unser Erstgeborenes steht den eiste» Christbaum, mein theurcS Weib!" flüsterte er, und Gertrud senkte erröthend die dunkle» Wimpern, und ein Lächeln reinsten Glückes umspiette ihre Lippen. Die Gräfin-Mutter hatte Herberts leise Worte gehört. Sie trat zu dem Paare und fügte ebenso leise aber voll stolzer Freude hinzu: „Macht mir aber mein
erstes Enkelkind nicht ganz zum Demokraten. Ich werde wohl beim Erziehen mithelfen müffen."
Gertrud und Herbert küßte» ihr beide Häude, fie wußte» ja, daß die Mutter ei» schweres Jahr hinter fich hatte, daß die stolze Fra» einen harte» Kampf mit fich selbst, mtt ihren Vorurthetten bestanden hatte, und beide freuten sich ihres Sieges, welcher der ganzen Familie zum Segen geworden war, indem daraus Friede für sie Alle hervorblühte — Friede in Herz und Haus.
Nur ein Familienmitglied war freilich »och nicht zum Frieden und zur Ruhe gelangt, und das war Klementine. Sie hatte wohl viel von dem Einfluß der Geschwister auf die Mutter gehofft, und Gertrud selbst hatte ihr schließlich gerathen, die Sache vorläufig ein Weilchen ruhen zu lasten, vielleicht, bis das auch von der Großmutter sehnsuchtsvoll erwartete Enkelkind erschienen sei. Die Großmutterwürde pflegt in Frauenherzeu eine ganz neue Blüthe zu erschließen deren langsames Heranwachsen nur eine umso herrlicherer Entfaltung verbirgt. Gertrud hoffte, daß, was die Kinder der Mutter nicht abschmeicheln konnten, vielleicht daS Enkelkind von ihr erlangen würde und die lenksame Klementine hatte ihr Recht gegeben. Sie mühte sich also, wenigstens die Weihnachtsfreude der andere» nicht zu verderben, und erschien unter
ihnen mit einem heiteren Antlitz, dem natürlich der Sonnenglanz des Glückes fehlte. Die Mutter beobachtete ihr Kind aufmerksam und wiederholt flogen düstere Schatte» über daS Gesicht der eiten Gräfin. Sie war in de» letzte» Woche» ernstlich mtt fich zu Rothe gegangen, fühlte fie doch ganz genau, was die Ihren von ihr erwarteten.
Daß fich bei ihr eine so schnelle Aenderung der Gefühle Gertrud gegenüber vollzogen hatte, ward von allen als ein Präcedenzfall angesehen, und die junge Leute konnten nicht so recht begreifen, daß die Annahme des bürgerlichen Schwiegersohnes der Gräfin ein größeres Opfer erschien. Gertrud verstand aber auch hier wieder ihre Schwiegermutter am besten und hatte erst am Tage vorher mtt Herbert eine lange Unterhaltung über diese Angelegenheit gehabt. Gertrud hatte mit ihrem klaren Blick und ruhigen Urtheil daS Richtige ge- ttoffeu.
„Glaubst Du denn, Herbert, die Mama hätte mich jemals anerkannt, wenn ich nicht die Enkelin der Gräfin Frankenihurn war? Nie und nimmermehr wäre es geschehen, ohne den Zufall, welcher meine Großmutter hierher führte und fie mich erkennen ließ."
(Schluß folgt.)