dieses Systems will der Schritt Rußlands beendigen. Die Frage, die es zu lösen gilt, ist ohne Zweifel sehr verwickelt. Schon bezeichneten einige Organe der öffentlichen Meinung die Schwierigkeiten, die sich der praktischen Ausführung entgegenstellen. Diese Schwierigkeiten kann Niemand verhehlen, aber man muß ihnen muthig gegenübettreten; das Rundschreiben will gerade eine ausführliche und eingehende Prüfung dieser Frage durch einen internattonalen Meinungsaustausch anreges. Gewisse andere schwer zu lösende, aber nicht weniger bedeutungsvolle Fragen sind in diesem Jahrhundert schon dmch internationale Vereinbarungen in einer Weise gelöst, die großen menschlichen und kulturellen Interessen Gerechtigkeit widerfahren ließ. Die Erfolge, die mau in dieser Beziehung, namentlich auf dem Wiener und Pariser Kongreß und auf mehreren internattonalen Konferenzen erreichte, beweisen, was die vereinigten Bemühungen der Regierungen durchzusetzen vermöge», wenn sie mit der öffentlichen Meinung und den Bedürfnissen der Zivilisation im Einklang stehen. Das russische Borgehen fordett alle Staaten zu noch größeren Bestrebungen als alle vorhergehenden auf, aber es wird der Menschheit zur Ehre gereicheu, sich beim Anbruch des 20. JahrhundettS dieser Aufgabe gewidmet und sich entschloffen an's Werk gemacht zu haben, um den Böllern die Möglichkeit zu gebe», die Wohl- thaten des Friedens zu genießen, indem ihnen die erdrückenden Lasten abgeuommen werden, die die witthschaftliche und sittliche Entwickelung hemmen.
Am 2. September ist im Sudan eine entscheidende Schlacht geschlagen worden.
.Am 2. d. M. früh ging“, so melden die englischen Bericht«, „ein« Kavallerie-Patrouill« gegen Omdurman vor und fand di« skindliche Arme« zum Angriff in Schlachtordnung vorrückend mit einer drei bis vier Meilen breiten Front. Unzählig« Fahnen und Standarten wehten über den Reihen der Mahdisten, die mit lauter Stimme fangen. Die englische ägyptische Armee stellt- sich iofert auf. um den Angriff zu empfangen. Um 7 Uhr 20 Min. erschien der Feind auf dem Gipfel des Bergkammes oberhalb unseres Lager« und rückte in geschloffenen Reihen vor, unsere Flanken überflügelnd; um 8 Uhr 20 Mi«, eröffnete unsere Artillerie das Feuer, das die Schützen der Derwische beantwortete«. Dann erfolgte ein Angriff auf unsere linke Flanke, und nach ihrer gewöhnlichen Taktik stürzten sich die Derwische von dem Bergkamm auf uns. Aber die An- dttngenden wurden vollständig zerschmettert durch das Feuer uuserer sämmtlichen Waffen. Die Derwische wandten sich nun gegen unser Centrum, auf das sie einen wüthenden Sturm ausführten. Eine groß« Streitmacht von Reitern versuchte dem Bleihagel zu trotzen, sie wurde aber buchstäblich weggefegt und zog sich zurück, indem sie das Feld mit Leichen bedeckt zurücklieb. Um 11 Uhr 15 Minuten befahl der Serdar Kilcheuer Pascha den allgemeinen Vormarsch mit staffelförmig aufgestellten Bataillonen. Sobald die Bttgaden den an den Nil angrenzenden Bergkamm erreicht hatten, wurde die ägyptische Brigade von dem Feinde wieder angegriffen Dieser hatte sich unter dem Schutze des Kamme» wieder geordnet und bildete unter der schwarzen Fahne d«S Khalifen selbst eine dichtgeschlossene Kolonne, um eine äußerste Anstrengung zu machen und das Geschick des Tage» zu wenden Eine Streitmacht von 15000 Mann stürzt« sich auf di« Sudanesen, die, unterstützt von dem Feuer der Maxim-Geschütze tapfer aushielten. Die englische Infanterie eilte herbei; die Armee des Khalifen wurde in einer Vertiefung überrascht, sah sich dem vernichtenden Feuer dreier Brigaden und ihrer Artillerie ausgesetzt und warf sich in voller Flucht nach Omdurman. Der ausdauernde Muth der Derwische ist jedes Lobes würdig; sie trotzten dem schrecklichen Feuer ohne die geringste Furcht. Nach Erbeutung der Fahne des Khalifen begann die englische Armee um 12 Uhr 15 Min. wieder den Vormarsch“.
Omdurmas lst bann vo» der euglich-äghptischen Armee genommen worden. Ei» telegraphischer Bericht Kitchener Paschas meldet darüber: AIS die Derwische mit schweren Berlnsten zurückgeworfe» waren nnb ihre Armee, die vom Khalifen persönlich befehligt tontbe, um 2 Uhr Nachmittag» auseinander gesprengt war, ging ich vor und besetzte im Laufe des Nachmittags Omdurman. Der Khalif floh, wird aber eifrig von Eavallerie verfolgt. ES ist zur Zeit unmöglich, genau die Verluste anzngeben, aber ich schätze die Verluste der Engländer auf 100, die der Aegtzpter auf 200 Manu. Der Deutsche Neufeld wurde aus der Gefangenschaft befreit.
DmIscheS Reich.
Berlirr, 5. September. In Hannover stimmte nach dem Toast Sr. Majestät de» Kaisers beim gestrigen Stände-Mahle mit großer Bewegung und Begeisterung die Versammlung ein, während die Klänge eines althannoverschen Marsche» ertönten. Die Tafel nahm nunmehr rasche» Verlauf, die Majestäten waren Heide ganz außerordentlich aufgeräumt und der Kaiser fortgesetzt in lebhafter Unterhaltung. Nach der Tafel hielten die Majestäten fast eine Stunde lang Cercle, wobei der Kaiser wiederholt de» großartigen Empfanges gedachte. Einen neuen Beweis der in der Thai geradezu überquellenden Begeisterung lieferten die Volksmassen, als der Kaiser wieder in'» Schloß fuhr. Man umjubelte die Majestäten mit endlosen Rufen und stimmte vaterländische Lieder an. Der geradezu elementare Ausbruch dieser Huldiguugeu wird allenthalben besprochen. Heute find Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin mit Gefolge Vormittag» 9* 1 * 3 4 * * *2 Uhr mittels SondeMge» in Minden eingetroffen. Am Bahnhofe hatten sich zum Empfange eingefunden der Oberpräsident Studt, Regierungspräsident von Bischoffshausen, sowie der Landrath Bosse. Vom Bahnhofe fuhren Ihre Majestäten, mit einer Eskorte de» Magdeburgischen Husarenregiments Nr. 10, durch die reichen Festschmuck tragende Stadt nach dem Paradefelde. 3n den Straßen bildeten Schulen und Vereine, die freiwillige Feuerwehr, sowie das Jägerbataillon mit den Stadtoffizieren Spalier. Ihre Majestäten wurden von der Einwohnschaft und der zahlreich aus der Umgegend herbeigeströmten, theil- weise in ihre Nattonalttacht gekleideten Bevölkerung mit Jubel begrüßt. Am Wesetthore, vor der am Eingang zur Altstadt errichteten Ehrenpforte, hatten
bei dem Standbilde des Großen Kurfürste» de» Bildhauers Cretschmar die städtischen Behörden, die Geistlichkett sowie eine Reihe Ehrenjungfrauen sich zur Begrüßung aufgestellt. Ober-Bürgermeister Bleek gab in einer Ansprache der Freude Ausdruck, daß die Stadt als erste in Westfalen da» Kaiserpaar be- grüßen dürfe. Er erinnerte daran, daß die Stadt feit 250 Jahren dem brandenburgisch - preußischen Staate angehöre. Die Stadt habe dankbar im Gc- dächtniß, was sie den Hohenzollem verdanke. Redner wie» auf das Standbild des Großen Kurfürsten hin und gelobte unwandelbare Treue. Se. Majestät der Kaiser erwiderte hierauf etwa Folgendes: Er habe mit lebhafter Befriedigung und aufrichtigem Danke vernommen, daß die Bürgerschaft au» eigener Initiative das große Werk fördern wolle, da» er im Sinn habe, und in patriotischer Weise die Hälfte der auf Westfalen kommenden Kosten übernommen habe. Die Stadt habe bamti bewiesen, baß sie wohl wisse, wo ihre Zukunft liege. Ihm habe bei bem großen Werke selbstverstänblich auch bas Wohl Mindens am Herzen gelegen. Sein hoher Ah» und Vorfahre, dessen Standbild die Stadt aufgestellt habe, sei derjenige, dessen Regierungsmaximen er sich am meiste» zum Vorbilde genommen habe; er hoffe, daß die nächste» 250 Jahre die Stadt Minden wetter i» ihrer Entwicklung fördern werden.
— Aus Minden wird von bem Kaiser- wanöver gemeldet: Der Kaiser traf auf dem Manöverfelde kurz nach 10 Uhr ein, um die Parade über das VII. Korps und die 7. Division abzunehmen. Die Kaiserin folgte im offenen Sechsspänner, hinter ihr die Prinzessin Vittoria von Schaumburg-Lippe mit der Fürstin. Der Kaiser fühtte beim Vorbeimarsch selbst das 53. Regiment, er kommanditte selbst das Regiment znm Marsch und salutitte dann vor seiner Schwester. Nachdem das Regiment vorbei gekommen war, liefe es der Kaiser mit dem Rücken gegen die Tribüne Aufstellung nehmen. Als bann bie Parade vorüber war, präsentirte das Regiment. Der Kaiser machte ihm nun die Mittheilung, dafe er in Erinnerung an da» nahe Verhälinife, in welchem fein hochseliger Vater zum Regiment gestanden, seine Schwester Victoria zum Ches des Regiments ernannt habe. Um 3 Uhr ttaf das Kaiserpaar bei herrlichstem Wetter in Oeynhausen ei». Auf dem reich geschmückten Bahnhofsperron stand eine Gruppe Bauern und Bäuerinnen ans dem Kreise Minden- Lübbecke in ihrer Volkstracht mit dem eigenartigen Kopfschmuck, welche die Majestäten begrüfete und den- selben Geschenke, darunter selbstgesponnenes Leinen, überreichte. Das Kaiserpaar unterhielt sich in heiterster Laune eine Viertelstunde lang mit vielen der Anwesenden. Vor dem Bahnhof schritt der Kaiser die Front der Ehrenkompagnie ab, die aus den Fufetruppen den VII. Korps kombinitt worden, und nahm dann den Parademarsch ab. AlSdan» fuhr der Kaiser mit der Kaiserin nach der Stabt. Vor der prächtigen Ehrenpfotte, wo die städtischen Behörden, Ehrendamen und Blumen streuende Schülerinnen Anfftellung genommen hatten, hictt der Kaiserliche Wagen und der Bürgermeister Thiele hictt eine Ansprache. Der Kaiser erwidette, er freue sich, au einem Ort zu sein, dessen HeUqnellen ;fo vielen Menschen eine Wohlthat wären. Er danke für den schönen Empfang und wünsche Oeynhausen weiteres Gedeihen. Das Kaiserpaar fuhr alsdann zur Villa Sttnbe. Auf bem Wege dahin bildete» die Schulen und Vereine Spalier. Der Herzog-Regent Albrecht vo« Mecklenburg-Schwerin, sowie Lord Londsdale, Graf Waldersee und Graf Eben nahmen als Gäste de» Kaisers für die Manöverzett im „Kurhotel Marx“ in Oeyenhausen Wohnung.
— Der Kaiser wird den Manöver« des Garbekorps am 15. uub 16. September bei Prenzlau beiwohuen.
— Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist heute Vormittag 11 Uhr mit seiner Tochter Prinzessin Elisabeth von München mit bem Exprefezuge nach Alt-Auffee abgereift. Zur Verabschiedung war die preufeische Gesandtschaft am Bahnhofe anwesend.
— Der General der Infanterie v. W i n t e r f e I b, Generaladjutant weiland Kaiser Friedrichs III. und früherer temmanbirenber General bes Gardekorps, ist in Schreiberhau im Riesengebirge nach fünftägigem Krankenlager in der Nacht zum Sonntag im 62. Lebensjahre verschieden.
— Eine polnische Lesehalle ist hier er- öffnet worden; ein neue» Zeichen der polnischen Propaganda in Berlin.
— Laut telegraphischer Meldung des Gouverneurs au» Kiautschou hat am 2. d. M. bie Erklärung des Kiantschou-Gebiet» zum Freihafen stattgefunben. Die Sergebnng von Lanb wird »och im Laufe des Monats September dmch Ausschreibung erfolgen.
Ausland.
Holland.
Amsterdam, 5. September. Seit früher Morgenstunde wogte eine zahlreiche Menge in den reich geschmückten und beflaggten Sttaßen, namentlich in denjenigen, durch welche derKöniglicheFest- z u g geht. Die Eisenbahnzüge au» den Provinzen, deren Zahl heute verdreifacht ist, führen fottwährend neue Schämen herbei. Die Tribünen auf den Straßen find gefüllt, e» herrscht große» Gedränge. Seit 10% Uhr begannen die Polizei und die durch Truppen an» der Provinz verstärkte Garnison Raum zu schaffeu. Der Damplatz vor dem Königlichen Schlöffe macht einen anziehenden Eindruck, alle Hauser find von oben bi» unten geschmückt, sogar auf den Dächern erblickt man Zuschauer. Die Ausschmückung
der ganzen Stadt ist hauptsächlich durch natürliche Blume» bewirft. Die Königin nnb bie Königin-Mut ter find Nachmittag 2% Uhr au» bem Haag hier eiugetioffen; 101 Salutschüsse würben zur Begrüßung abgefeuert, auch läuteten bie Glocken. Im Fürstenzimmer bes Bahnhofes, Wo bie Spitzen der Behörden vcrsammell waren, hielt der Bürgermeister eine Ansprache, in der er die Königin in der Hauptstadt bewillkommnete, die dmch die Verfassung als der Ott der Eidesleistung bestimmt sei. Obgleich der Königin eine schwere Aufgabe harre, so sei sie doch dmch ihre Mutter als Regentin so ausgezeichnet hierzu vorbereitet, daß das ganze Volk voll Berttaue» in die Aufrechterhaltung seiner Rechte sehe. Der Bürgermeister schloß mit dem Rufe: „Es lebe die Königin!“ Hierauf begrüßte der Gouverneur der Provinz von Nordholland die Köniain Namens der Provinz, die fett mehr als drei Jahr- hundetten mit Dränten verbunden sei. Die Königin, weiß gekleidet und mit einen prächtigen Perlenkollier angethan, dankte in kurzen, herzlichen Worten. Vom Bahnhofe fuhren die Königin und die Königin- Mutter in achtspänniger Staatskarosse zum Dom. In feierlichem Zuge umgaben dieselben die Spitzen der Behörde» und eine Ehrengarde. Die ostindischen Fürsten folgten zu Wagen. Ans der ganzen Fahtt wurden den Majestäten begeisterte Huldigungen zu Theil. Die Bürgergarde und die Garnison bildeten Spalier. Abordnungen des Heere» und der Marine mit ihren Kapellen und Standarte», sowie eine von den Bürgern gestellte Ehrengarbe beteiligten sich am Zuge.
Alls Marburg und Umgegend.
Marburg, 6. September. Der Hessische Geschichts-Verein hierselbst wird morgen (Mittwoch) mit bem Zuge 1 Uhr 25 Min. nach Butzbach fahren, um. auf bet dortigen Ausstellung die hessischen Altetthümer zu besichtigen.
* Bolk-zählmtg. Nach einer Verfügung des Henn Minister» des Innern wird die nächste Volkszählung voraussichtlich am 1. Dezember 1900 stattfinden. Es erscheine dringend wünschenswerth, die für die Ausführung des Zählgeschäfts in Bettacht kommenden Tage vom 30. November bis einschl. 2. Dezember bei Ansetzung der Jahr-, Kram- und Viehmärkte für 1900, soweit nicht erhebliche Bedenken entgegenstehen, marftfrei zu lassen. Demgemäß soll das Weitere veranlaßt werden.
4- Wassermangel. Infolge eines Defetts an der Renthofleitung hatte heute Morgen ein großer Theil unserer Brunnen kein Wasser. Auch die Hausleitungen versagten, soweit sie an die erwähnte Leitung angeschlossen sind. Von viele» Leute wurde dieser Umstand unangenehm empfunden. Auf dem Markt- platze drang Wasser aus der Erde und mußte deßhalb das Pflaster aufgeriffen werden.
+ Vom Manöver. Heute kehre» unsere Jäger von Mainz wieder zurück, werden jedoch nicht in ihrer Kaserne, sondern in umliegenden Ortschaften untergebracht. Gestern vernahm man hier deutlich den Kanoneudonuer der Schießübung in der Gegend von Kirchhain. Mit dem heutigen Tage ist für den Kreis Marburg bie Berührung durch bie Herbst- Manöver beendet.
* Unser Jäger. Bataillon Nr. 11 bezieht während der diesjährigen Herb st Übungen Unterkunft:
Vom 6. bis 7. September
Stab u. 1. Comp. in Cölbe.
Vs 2. „ „ Bürgeln.
8/s 2. , „ Reddehausen.
3. „ „ Schönstadt.
4. „ „ Unterrosphe.
Am 8. September
Stab u. 8/z 3. Comp. in Josbach.
4. n. % 3. „ „ Ernsthausen.
1. n. 2. , , Lischest,.
Am 9. September
Stab, 1. n. 2. Comp. in Treysa.
3. „ „ Frankenhain.
V, 4. „ „ Rommelshausen.
V, 4. „ , Dittershausen.
Vom 10. bi» 11. September
Stab, 1. u. V« 2. Comp. in Wohra.
Vs 2. n. 4. , , Schiffelbach.
3. , , Langendorf.
Am 12. September
Stab, 1. u. Vs 2. Comp. in Halsdorf.
Vz 2. „ , Josbach.
3. , „ Ernsthausen.
Vs 4. , , Albshausen.
Vs 4. „ , Schwabenborf.
Am 13. September Bivouac.
Vom 14. bis 15. September
Stab, 1., 2. u. 3. Comp. in Mengsberg.
4. „ , Hatzbach.
Am 16. September Bivouac.
Stab, 1., 2. u. 3. Comp. in Mengsberg.
4. , „ Hatzbach.
Am 19. September Bivouac.
Am 20. September Fußmarsch ober Eisenbahn- fahtt in bie Garnison.
* Der Schützen-Verein hierselbst hiett gestern, vom Wetter außerordentlich begünstigt, seine 4. Faß- patthie in Metern Jahre auf feinem herrlichen Festplatze ab. Der Besuch war ein ungemein zahlreicher, eS Waren auch bie beiben Senioren nnb Ehrenmitglieder Herr Kaufmann Freund und Herr Schreinermeister Bang, sowie viele Gäste erschienen. Die Musik fühtte
die Kapelle de» 2. Nauffauische» Infanterie-Regiment» Nr. 88 in ganz vorzüglicher Weise aus. Den erste« Tttnkipmch brachte der Vorsitzende, Herr Stadttath Kaufmann Hecker auf de» Spender dieser Faßpatthie aus, es folgten Trinksprüche, die den Schützen-Frauc« und -Bräuten, ferner dem Kapellmeister Herrn Fehling und seiner wackeren Kapelle, dem Schützen - Vereine und sodann besonders auch dem Herrn Vorsitzenden Kaufmann Hecker galten. Nach frohen Stunden auf dem Schützenplatze zogen die Theilnehmer an der Faßpatthie im Lampion-Zug noch nach bem Restaurant Bättsch.
* Im Turnergarten kann eingettetener Umständen halber das für morgen (Mittwoch) angesetzte Abschieds-Konzert der 88. Reg.-Kapelle nicht stattfinden. Wir hoffen jedoch, daß die 88er, ehe dieselbe» aus hiesiger Gegend scheiden, uns nochmals mit einem ihrer Konzerte erfreuen.
* Witterung. Diese Nacht waren 11,25 Grad C. Wärme. Heute Mittag hatte die Lust eine Temperatur von 20,5 Grad 0. Wärme. Barometerstand 755 mm, gegen gestern um 1 mm gefallen. Windrichtung: NO.
Sonnen-Aufgang 5.27 Mond-Aufgang 12,57 Sonnen-Untergang 6.41 Mond-Untergang 8 38
- r. Kernbach, 6. Septbr. Als sellene Natur- Erscheinung sei hier mttgetheilt, daß jetzt an der Wittgensteiner Landstraße, zwischen Sterzhausen und Brungershausen mehrere Aepfeldäume, Gravensteiner Sorte, in schönster B l ü t h e stehen.
• g. Bellnhausen, 6. Septbr. Jedenfalls heißt das Dienstmädchen, welches das in der „Oberh. Zeitung“ erwähnte „verlassene Kind“ nach Marburg gebracht hat, unter dem Namm „Grimm“, Adeline D i c b l, zu Frankfurt a. M. Dies zur Nachricht der Pflege-Eltem. Näheres durch Herr« Wilhelm Grimm in Bellnhausen.
Hessen-Nassau unh Nachbargebiete.
Cassel, 5. Septbr. Auf der hiesigen Radfahrer- Rennbahn fand gestern ein internationales Rennen statt, das eine große Anzahl Fremder angelockt hatte. Bei dem Rennen um den Großen Preis von Cassel erhielt den ersten Preis (1000 Mk.) Franz Verhetzen- Giefem, den zweiten Geo A. Banker - Pitts bürg, den brüten I. Broka-Lüttich, ben vierten Grogna-Lüttich. Die Meisterschaft für Hessen-Nassau errang Paul Albert- Biebrich. Bei bin verschiedenen Rennen (im Ganze« 6), sind 4 Einzelfahrer und vier Paare auf einem Zweisitzer gestürzt.
§ Arolsen, 5. September. Zur Warnung für Eltern fei darauf aufmerksam gemacht, Kinder nicht unbeaufsichtigt, Ober doch nicht ohne Verhaltungsregeln auf einem Manövergelände umherlaufe» zu lassm. — Zwei Knaben aus dem nahen Brena hatten »ach einem beendeten Gefechte auf dem nahen Manöverfelde Platzpattonen gesunde», sich damit zu schaffen gemacht, mit]einem|Stein darauf geschlagen, um dieselben zum Entladen zu bringen. Dem einen wurden dabei zwei Finger an der rechten Hand so gefährlich zugerichttt, daß schleunigst, um die Blutung zu stillen und Verband anzulegenp ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. — I« bem Nachbarorte Flachte hatte ein Knabe beim Hüten einer Kuh den Strick, an Welchem er dieselbe leitete, aus Bequemlichkeit sich um den Hals über ben Nacken gelegt. Plötzlich scheute das Thier und riß den Knaben im rasenden Laufe über Hecken, Dörner und Sterne mü sich fort. Znm Glück waren in der Nähe beschäftigte Arbeiter herbeigeeilt, die den schrecklich zugerichteten Jungen aus seiner bedauemswetthen Lage noch glücklich be« freiten, sonst wäre es um sein Leben geschehen gewesen. Auch eine Warnung!
Fulda, 5. Sept.' Ein jäher Todesfall hat sich gestern ereignet und allgemeine Theilnahme her« vorgerufen. Der Bildhauer Gottfried Fleck, da» Haupt einer sehr zahlreichen Familie (12 Kinder) dahier, war im Begriff, mit dem ersten Rhönzug nach Gersfeld zu fahren. Er hatte sich etwas verspätet und mußte sich deshalb beeilen, ben Z»g noch |u erreichen. Während der Fahtt saß ein Schaffner neben ihm auf der Bank und unterhielt sich ntit ihm. Plötzlich gewahrte derselbe, daß sein Fahrgast ben Kopf finken ließ nnb baß er eine — Leiche neben sich habe. Den noch rüstigen, im besten Mannesalter stehenben Fleck hatte ein Schlaganfall kurz nach Abgang bes Zuges hart getioffen nnb ihn fast un« mittelbar des Lebens beraubt. Auf der Station Bronzell wurde der schwachbesetzte 4 Kl.-Wageu mü der Leiche ausgesetzt und wirb diese heute nach der Besichtigung dmch eine GerichtSkommifion hierher geschafft.
Wiesbaden, 5. Septbr. Vor her Strafkammer stand ein italienischer Taschendieb Namen» Emilio Pagani. Er ist in der Gegmd von Lugano gebürtig und giebt an, Wein- Händler zu fein. Er hat am 11. Juni d. I». im hiesigen Taunusbahnhof vor Abgang eines Schnellzuges vier Damen bie Portemonnaies gestohlen mü zusammen 240 3RL Das Uttheil gegen ihn lautet auf 1 Jahr 6 Monate Gefängniß. — Im hiefigm Regierungsgebände ist am Sonnabend nach Schluß der Bmeaustundm in bem Bureau be» Kanzlei-J nspektorS ein Pult erbrochen nnb sind dmaus ungefähr 1200 Mk. meist amtliche Selber gestohlen worben. Der Dieb, von bem man annimmt, >aß er mü bet Oettlichkeit vertraut ist, ist noch nicht ermütelt.
Stttttfel, 5. September. Besonders gut wollte, dem „Limburger Anzeiger“ zufolge, ein hiesiger Laudwitth der behördlichen Aufforderung entsprechen, die ^Behörde, im Falle ein nicht k'repirte» Geschoß nach der Artillerie-Schießübung im Felde