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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain. "ÖSfÄÄ!*" Jllustrirtes Sonntagsblatt.

J2 202

Trfchrint täglich außer an Werttagen nach Sonn- und Feiertagen. QuartalS-AbonnementS-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jniertionsgebühr: die ge­spaltene Zeil« oder deren Raum 10 Pfg., Rellamen: die Zeil« 25 Pfg.

Markurg

Dienstag, 30. August 1898.

Anzeigen nchmen «ntgegen: die Expedition dieser Blatter, die Annoncen-

Bureaux von Haasenstein & Bögler, Frankfurt a. M., Easiel, Magd«- oq CYnfiTri

bürg, Wien; Rudolf Moste, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; OO.

6. 5. Daube & To., Frankfurt a.M., Berlin, Hannover, Paris x.

Legionen deutscher Handlungs-Reisender. Man brauche heute nur mit einiger Aufmerlsamkeit die Schaufenster in den nordischen Städten zu studieren, um stch da­von zu überzeugen, daß die deutsche Industrie auf ihrem Posten gewesen ist.

Bestellungen

für den Monat September auf die

DßrrHM

nebst deren Gratisbeilage«

jlre iS blatt" für die Kreise Marburg uni Kirchhain,Illustriertes Sonntag- blatt" undVerlooiungsliste Der Kgl. preußischen Klasse nlorterie" werden von allen Poftanstalten, Landbries- tragern, in dec Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Neustadt und Wetter entgegengenommen.

Die kräftige Tonart.

Me im Privatleben, so ist e8 auch in der Politik mitunter nöthig, eine kräftige Tonart avzu- schlageu. Hier wie dort aber ist die Wirkung ver­fehlt, wenn die Tonart stets einekräftige" bleibt. Mau glaubt in verschiedenen politischen Blättern und Richtungen aber, man müsse unter allen Umständen kräftig in die Posaune stoße», um dadurch de« viel­beklagten JndifferentiSmus heranzuziehen. Das ist aber unseres Erachtens völlig verfehlt. Wohl keine Richtung hat ihre Existenz so auf die Luvgenkraft gesetzt, wie die freisinnige, die ihrer steten Nörgelei wegen landaus landein berüchtigt ist, gerade sie aber hat allmählich immer mehr Anhänger eingebützt.

Wenn jetztunpolitische" undunparteiische" Zeitungen blühen und gedeihen, wenn zahlreiche Be- völkerungskreise sich um die Tagespolitik und nament­lich um unser Parteiwesen blutwenig kümmern, so trägt nicht zum wenigsten der Mißbrauch der kräftigen und immer kräftiger werdende» Tonart bei. Fort­währendes Schellen, unablässiges Polemifiren und ewiges Benörgeln auch notorisch wohlwollender Ab­sichten erregt nicht die Sympathie, sondern stößt ab. Mau verlangt weder von einer Zeitung noch von einem Polittker, daß er alles, aber auch alles bester wisten mufft als andere Leute; man will nicht nur Kritik und nichts als Kritik, sondern auch einmal objektive Würdigungen und Darstellungen hören.

So wird im Parteikampfe besonders viel gefehlt. Man spricht zum Lesepublikum meist nur in Super­lativen und glaubt dadurch besonders zu impouiren. Mau irrt sich aber. Gedankenlosen Lesern wag wohl manchmal ob solcher Leistungen die Haut schauern; aber denkende Leser weisen schließlich in derartigen Fällen auch den richtigen Kern dieser Darstellungen

(Nachdruck verboten.)

Me es endete.

Roman von Maria Theresia May, Vers, des preisgekrönten RomansUnter der Königstanne.- (Fortsetzung.)

Gertrud hoffte, die leichte Ermüdung würde ihr wohl- thuu; denn die Erschütterung der letzten Stunde hatte ihre Stirne glühen, ihre Pulse hämmer» gemacht. Langsam schritt sie dahin; aber so herrlich sich hier auch Bild nm Bild der großartigen Natur vor ihr enttollte, sie vermochte zuerst nicht» davon zu sehe»; zu gewaltig wogten die Gedanken in ihrer Seele und ihr Empfinden war ein schmerzlich bewegte».

Jetzt, al» die junge Fra» auf der um diese Zett wenig belebte» Elstadethpromenade hinschritt, trat ihr jede» Wort, da» Herbert in der letzten Zeit zu ihr gesprochen, mit erschreckender Deutlichkett inS Bewußtsein. War es denn möglich, daß derselbe Mann, der so heiß um sie geworben, der in Taormina noch sie mit glühender Zärtlichkeü umgeben hatte, der die erste» Wochen st» LandSkron noch mtt jedem Blick bei ihr um Vergebung gefleht hatte, daß er nunmehr Gleich- gilttgkeit, ja vielleicht Abneigung gegen sie empfand? Sie blieb eine» Augenblick stehen und drückte da» Taschentuch an ihre Lippe»; sie vermochte nicht weiter zu gehe», so heftig klopfte ihr Herz bei dieser Dor- stcllung, und reuig gestand sich ihre ehrliche Seele, eS wäre ihre Schuld gewesen, ganz allein ihre Schuld.

Dear me, sind Sie es, sind Sie e» wirklich, meine liebe Gräfin Laudskrou?' tönte in diesem Augenblick eine brette fette Stimme an ihr Ohr, und von einer Bank, die halb im Gebüsch verborgen stand erhob stch eine starke kleine Frau, gleich Gertrud in Trauer gekleidet; aber eS war ein sehr pompöser, mit

von sich ab, und so verfehlen übertriebene Schilder­ungen und Angriffe ost vollständig ihren agitatorischen Zweck.

Man wird unter Hinweis auf die Erfolge der Sozialdernokratte und des Centrums einwenden, um etwas zu erlangen, muffe man schreien. So noth- wendig und wirksam unter Umständen aber ein Auf­schrei sein mag, so wenig imponirt eS, wenn fort­während geschrieen wird. Auch im Centrum schlägt man jetzt vorwiegend sanfte Töne an, und das Vor bild der Sozialdemokratie, die nichts als eine revolnttonirende Agitationspartei ist, darf man sich doch wahrlich nicht zum Muster nehmen.

Der Freisinn hat gelärmt und geschrieen, er hat an keiner der übrigen Paiteieu einen guten Faden gelassen. Er ist dabei durch eine weitverbreitete, alteiugebürgeite Presse unterstützt worden. DaS hat ihm aber alles nichts geholfen. Jemehr die frei» finnige Presse übertrieb, je schärfer die Tonart wurde, die fie anschlug, desto rapider ging eS mit der Partei abwärts; denn diejenigen Elemente, die an dem Ge­scheite und Genörgele Gefallen hatten, traten in die Reihen der Sozialdemokratie und fanden bei der revo­lutionäre» Hetze bester ihre Rechnung.

Aehnlich ist es den Anttsemiten ergangen. In großen Masten wende» die Gebildete» sich von dem demaaogtscken Treiben der Reformer, die stch der schärfsten Tonart rühmen, ab. Und die National­sozialen? Man braucht nur diese Bezeichnung der Partei der Zukunft" überhaupt auszusprechen, um an eine noch niemals dagewesene Blamage erinnert zu werden, die delVerein" jener Politiker davon­getragen hat, der nur in dem einen Punkte einig war, eine möglichst kräftige Tonart anzuschlagen, um im Volke Boden zu gewinnen.

ES ist eine große Täuschung, wenn man meint, eine Volkspartei müsse unter allen Umständen in der schärfsten Tonart sich äußern oder oppositionelle Allüren tragen. Ein kräftiges Wort zur rechten Zeit und eine oppositionelle Haltung in noihwendigen Dingen wird in der Bevölkerung gewiß volles Ver- ständniß und ftischen Widerhall finden. Ein fort­währendes Sprechen mit erhobener Stimme aber und stetes Tadeln stumpft entweder ab oder muß, um Effekt zu erzielen, immer weiter gesteigert werden, bis man bei der Grenze angelangt ist, an welcher die sozialdemokratische Hetze anfängt.

Umschau.

Der russischeRegierungsbote' veröffentlicht eine K u n d g e b u n g des Zaren, worin allen Mächten die Abrüstung und Berufung einer internationalen Konferenz hierfür voigeschlagen wird. Es hat nach unserer Ansicht diese Kundgebung nur den Werth des Zeugnisses dafür, daß Zar

glitzernden Jetperlen behängter Traueranzug, den die Dame trug.

Richt sehr angenehm überrascht, wandte Gertrud den Kopf. Sie hätte die Sprecheriu überall er­kannt, ebenso wie den langen blonden Herrn, der zögernd von der Bank anfftanb, auf welcher er neben der starken Dame gesessen hatte: MrS. Cosway mit ihrem Sohne William.

In glücklicher Unbefangenheit überschüttete Mrs. Cosway die arme Gertrud mit einer Fluth von Wotteu, ohne fich durch die abweisende Haltung der jungen Gräfin im mindesten stören zu lassen, ohne die Kälte zu bemerken, mtt der Gertrud den zwar sehr respettvollen, aber verlegenen Gruß Mr. William Cosways erwiderte, und in fünf Minuten wußte Gertrud, daß der alte Herr Cosway plötzlich gestorben sei und der einzige Sohu die Millionenerbschast an» getreten habe; wegen seiner schwachen Brust sei er jedoch wieder nach dem Kontinent geschickt worden, diesmal aber um Höhenluft zn athmeu; die Aerzte hätten Salzburg und Tirol augeratheu, und deshalb seien Mutter und Sohn hierher abgereift und erst am Tage angekommen. In wetteren fünf Minuten hatte fie au» Gertrud herauSgebracht, um weu diese traute, seit wann sie da sei, wo fie wohne, ob ihr Manu fie begleitet habe, wo Schloß Laudskrou liegt rc.

Wiederwillig und in kürzester Weise antwortete die junge Frau. Rach de» ersten gewechselten Motten hatte fie versucht, sich zu empfehle»; aber in ihrer harmlosen Zudringlichkeit, hatte Frau CoSway erflärt, Gertrud begleiten zu wollen, so daß diese sich fügen mußte; William Cosway hatte kaum drei Worte ge­sprochen, stuukm schritt er zunächst neben seiner Mutter einher, die junge Gräfin mit glühende» Blicken fast verschlingend. Seine Leidenschaft war bei dem An­blick der schönen jungen Frau wieder in Helle»

Nikolaus II. aufrichtigst den Frieden will. Erne allgemeine Abrüstung der Mächte wird, so lange Vorsicht die Mutter der Weisheit ist, sicher nicht ein­treten. Der Zar wird für seine Kundgebung merk­würdige Wahrnehmungen machen muffen, namentlich wohl auch durch feineVerbündeten", die Franzosen!

Wie die sozialdemokratische Agitation auf das Verhälttttß .von Arbeitgebern und Arbeitern wirft, zeigt eine Stelle in dem soeben erschienen JahreSbettcht der Handelskammer für den KreiS Siegen. Der Bettcht konstatiert, daß auch im Jahre 1897 die Arbeiterlöhne gestiegen sind und gegenwärtig 30 und 40 Prozent über den Sätzen vor dem jetzigen geschäftlichen Aufschwung, also vor Anfang deS Jahres 1895 stehen.Von den Werk­besitzern selbst," so sagt der Bericht wörtlich,wird indeß geklagt, daß das bisher auf gegenseitigem Ver­trauen und Rücksichtnahme bestehende gute Verhältniß zu den Arbettern sich vielfach gelockert hat. Ganz besonders seit Beginn der Agttation für die diesjährige Reichstagswahl hat sich unter den Arbeitern ein Geist gezeigt, welcher sowohl die guten Beziehungen zu dem Vorgesetzten als auch die Leistungsfähigkeit der Werke stört. Selbst bei hoher Löhnung sind die Arbeiter in einzelnen Zweige», wie z. B. der Puddelei, wenig geneigt, die Arbeiten vorzunehmen, welche ihre körper- liche Kraft mehr als gewöhnlich in Anspruch nehmen, deren Ausführung ihrer technische» Kunstfertigkeit halber aber früher als eine Ehre für die hiesigen Arbeiter angesehen wurde. Böswilliges plötzliches Verlaffeu der Arbeitsstelle, Unterlaffnug der Einhüllung der gesetzlichen Kündigungsfrist sind gleichfalls Er­scheinungen, über welche viel geklagt wird." Das gefährliche an der sozialdemokratischen Agitation ist, wie wir schon oft betont haben, die Untergrabung der Autorität und Zerstörung des Friedens in der wirth- schaftlichen Arbeit, an dessen Stelle ein Geist der Un= botsmäßigkeit und Auflehnung ttitt, der das Unterste zu Oberst zu kehren droht.

Emile Berr, ein bekannter Mitarbeiter des Figaro", welcher sich zur Zeit in Norwegen aufhält, hat seinem Blatte einen interessanten Reise-Bericht eingesendet. In demselben wird namentlich Kaiser Wilhelms Vorliebe für Norwegen betont, und außer­dem mit sichtlichem Wohlgefallen die Courtoiste des Kaisers gegenüber dem Kommandanten des französischen AvisoIbis" gerühmt. Berr meint, daß die Eng­länder von den häufigen Nordlands-Fahtten unseres Kaisers weniger erbaut feien. Sie hätten sich Jahr­zehnte hindurch alsPatrone" dieses Landes bettachtet und sähen daher nicht ohne Merger, daß fich der deutsche Einfluß mehr und mehr ausbreite. Im Kiel- waffer Kaiser Wilhelms II. seien eine Menge Touristen nach Norwegen gekommen, aber gleichzeitig auch

Flammen aufgelodett. AIS er hörte, daß die junge Gräfin ohne ihre« Gemahl in Gastein weile, verlor er seine Befangenheit und mit einem einzigen lange» Schritt begab er fich an die andere Seite Gertruds, so daß diese nun zu ihrer Rechten die Mutter, zu ihrer Linken de» Sohn hatte.

Werden Sie lange bleiben?* fragte Mr. Cos­way plötzlich und starrte mit feinen Hellen Augen in da» schöne Gesicht.

Nein, morgen will ich ... Herbett!" Sie rief den Namen mit einem unbeschreiblichen Tone zagender Freude, da» wunderschöne Antlitz von jähem Roth übergoffen dem Manne entgegen, der eben mit einem zweite» Herrn um die schmale Ecke bog, welche der Weg zum Hotel bei der katholischen Kirche bllbet

Gros Landskron und Rhode», denn dieser war der Begleiter des Grafen, lüfteten den Hut vor de» Damen und Herbett reichte sofort seiner Fran de» Arm, die, schnell gefaßt, mtt Rhode» herzliche» »e- grüßungSwotte tauschte, den Engländer, der mit ab- gezogenem Hut dastand und beinah so verblüfft wie seine Mutter der nnerwatteten Begegnung zusah, würdigte Herbert keines Blickes. Gertrud ver­abschiedete sich nun hastig von Frau Cosway und erwiderte die ehrfurchtsvolle Verbeugung, absolut nicht demoftatisch, sondern durchaus aristoftatisch.

Frau CoSway blieb den» auch ziemlich verdutzt stehe» und wußte nichts zu sage», als Gertrud mit ihrem Manne und Rhoden in aller Gemüthlichkeit de» Weg nach dem Hotel fortfegten, sondern fie seufzte leise und entschloß sich, umzukehre».Komm William!"

Aber William starrte noch der schöne» Frau nach, die großen gelben Zähne fest in die Unterlippe gegraben.

,3a,' sagte die Mutter, al» beantwortete fie eine

Der sozialdemokratische Stadtrath und Landtagskandidat G. A. Roller in Pforzheim, der in einem Gedichte dem Fürsten Bismarck Lob gespendet hat und deßhalb aus der Partei hiuauS- komplimentirt wurde, läßt dem OffenburgerVolks- freunb* des Landtagsabgeordneten Ad. Geck eine längere Erklärung zugehen, in der er feinen Stand­punkt rechtfertigt. Roller führt in feinem Artikel den grellen Gegensatz vor Augen, der besteht zwischen den tönenden Phrasen von der Freiheit, für welche die Sozialdemokratie angeblich kämpft, und zwischen der Thatsache, daß jeder Genosse, der selbst in unter­geordneten Fragen eine andere Ansicht vertritt, als die Patteihäupter, unbarmherzig vor die Thür gesetzt wttd. Roller bekennt sich Wetter zum Schrecken des VolksfreundcS" als einen warmen Anhänger deS deutschen Einheitsstaates. Er erflärt nämlich:

Wenn ich in meinem Akrostichon die deutsch« Einbkit hervorhebe, so soll damit nicht gesagt sein, daß ich die Wege Bismarcks gut heiße, mit welchen er diese Einheit eroberte, sondern daß ich mich an dem idealvollen Gedanken erfreute, nach lancier Zerfahrende t und Verstnckelung nun endlich ein einiges Deutsches Reich zu sehen, das einig seinem höheren Ziel« nachstrebt; denn Einheit allein macht stark. Wenn auch meine Parteigenoffen aus Haß gar nichts Gutes an Bismarck lassen wollen, so muß doch anerkannt werden, daß er Deijenige war, der da» allgemein« und dtrette Wahl-echt im Reichstage eingeführt hat. Hierdurch ist doch uns Ge­legenheit geboten, im deutschen Reichstage zum Fenster hinaus mit dem Volke sprechen zu können. Zudem ist e» doch üblich, daß bei einem Sterbenden am Todestage der Parteihaß schweigt. ES scheint, daß es bei den Sozial­demokraten gerade so gehässige und barbarische Menschen flieht, wie Bismarck fich bei Lebzeiten gegenüber den Sozial­demokraten durch fein Sozialistengesetz gezeigt hat. Wenn auf diese Weise über Parteigenoff n her gefallen wird, die sich erlauben, eine abweichende Meinung über die Errungen­schaften unseres Gegners Bismarck zu haben und öffentlich zu bekunden, um eine humaner« Gesinnung in die Menschen zu pflanzen, dann haben wir nicht mehr nöthig, über Bismarck und feine Gewaltpolitik zu schimpfen, da wäre er ja noch der reinste Friedensapostel dagegen Fahren Sie nur so fort, meine Herren Kollegen, und alle denkenden und friedliebenden Menschen werden sich von Ihnen abwenden. Dann ist es Zeit, ein anderes sozialdemokratisches Programm aufzustellen, darin der Satz 1 heißt: Ausrottung der Tyrannen zuerst bei uns selbst. Ist nicht die Einhett unseres Volkes etwas Schönes und Großes?"

DerBolksfteund" fühlt, daß Roller mit seine» Worten ins Schwarze getroffen hat, unb meint deß- halb wüthend, daß Roller sich mit seinem Sozialismus bis auf die Knochen blamire. Er habe offenbar keine Ahnung von der kläglich komische» Rolle, die er spiele. Natürlich. Denn nationales Empsinde» zu besitzen, ist das größte Verbreche», das es in de» Auge» eine» zielbewußten Genossen giebt.

Bemerkung deS Sohnes,fie ist schön, noch viel schöner als in Taormina, unb wie vornehm!"

Glaubst Du, daß fie ihn liebt?"

Besorgt blickte ihn die Mutter an.Rein, »ein, tröstete fie, ich glaube nicht, baß fie ihre» Mann liebt, er sie aber auch nicht, fie scheine» doch sehr kühl z» einander."

Mr. CoSway murmelte etwa» zwischen be» Zähnen, unb bann strebte er so eilig bemHotel Elisabeth" zu, baß seine Mutter kaum mit ihm Schritt halten konnte.

Sagen Sie, geehrte Frau Gräfin," fragte Rho- de» lachend, als sie au» bet Hörweite bet Engländer waren,wo haben Sie denn diese Fliegende» Blätter- Originale anfgetrieben ?"

Gertrud berichtete kurz, daß fie die Leute in Taormina kenne» gelernt hätten, und vermochte kaum über die drollig n Bemerkungen Rhodens zu lächeln, der fie zu unterhatte» suchte. E» war ihr bang zu Muthe, da» finstere Schweigen, iu bem Herbett an ihrer Sette ging, ängstigte sie.

Welch ein süße» Erschrecken hatte fie burchbebt, al» fie ihn so plötzlich vor fich sah, wie «ar fie selbst erstaunt über biese» wonnige Gefühl, bas wie eine warme Fluth fie dnrchströmt hatte, unb wie schnell dieses Aufjauchzen bor seinem gleichgittige» Blicke verstummt!, Rhoden schaute die schweigend neben ihm her Gehenden von bei Seite an. Trotz­dem Herbert von seinem eheliche» Verhältniß kein Wort zu ihm gefproche, hatte, wußte er durch In- geborg genug unb sah selbst, wie bie Sachen stauben.

(Fortsetzung folgt)