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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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L!,-..»iLmE»LSA'zLSonnabend, 27. August 1898.

Sozialdemokratisches.

Die Socialdemokraten und die Blätter, die ihr geistesverwandt, haben die Unverfrorenheit, den jüngsten Grubenunglücksfall auf der ZecheViktoria Matthias" bei Essen zu benutzen, um die Zuziehung von Arbeitern bei der Grubenrevision, wie sie von verschiedenen Seiten gewünscht und von dem Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamts­bezirk Dortmund bekämpft wird, als nothwendtg hin- zustellen. Es ist dies eine Machinatton, wie sie nur die Heuchlergesellschaft der Umsturzpartei fertig be­kommt. Noch ist die Ursache des Unglücks nicht authentisch bekannt, noch weiß mau garnicht, ob nicht der Zufall, der leider noch soviele Unfälle in den industriellen Bettieben herbeiführt, dies Unglück ver­schuldet hat, und schon verkündet derVorwärts," wenn auch nur indirekt, der Welt, daß das Unglück nicht vorgekommen wäre, wenn es unter den Revistons- beamten Arbeiter gäbe. Eia solches Vorgehen ist, so sagt dieN. R. C." mehr wie grober Unfug, es ist Verächtlichmachung bestehender Statseinrichtungen und sollte als solche behandelt werden. Zudem hat der Arbeiter garnicht soviele technischen Kenntnisse, um irgendwie in der Unfallverhütung auf den Gruben etwas leisten zu können. Wenn derVorwärts" so darauf drängt, daß die Regierung zur Anstellung von Arbeitern als Revisionsbeamten schreitet, so ist eS lediglich ein Gesichtspunkt, der ihn dabei leitet: der, daß mit der Neuerung die sozialdemokratische Organisation wieder eine kräftige Förderung erfahren würde. Vor Jahren haben wir darauf aufmerksam gemacht, wie das Krankenkassengesetz der sozialdemo­kratischen Organisation dadurch Vorschuv leistet, daß es der Umsturzpartei ermöglicht, einer großen Zahl ihrer Agitatoren in den Kaffenstellen Pfründen zu verschaffen, die gleichzeitig als Bezahlung für geleistete und Aufmunterung für künftige Dienste gelten sollen. Die Umsturzpartei ist durch ein Reichsgesetz in die Lage gekommen, sich eine» großen Stab von Agitatoren zu halten, deren Besoldung auf Grund gesetzlicher Einrichtung erfolgt. Der frühere preußische Handels- Minister Freiherr o. Berlepsch hat später im Reichs­tage gleichfalls auf diese Erscheinung aufmerksam gemacht. Nun ist es ja natürlich sehr schwer, zu sagen, wie das Krankenverficherungsgesetz anders hätte gestaltet werden können, um diese Möglichkeit zu ver­meide». Wahrscheinlich hätte die ganze Organisation anders eingerichtet werden müssen. Bedauerlich bleibt der jetzige Zustand auf alle Fälle, und soviel sollte man aus ihm doch lernen, daß man nun nicht »och wettere staatliche Gnrichtungen schafft, bei denen der Sozialdemokratie eine weitere Kräftigung ihrer Organisation ohne jede eigene Kosten ermöglicht würde.

ES ist dies ein Punkt, der gewiß die größte Auf­merksamkeit Seitens unserer Behörden erfordert, «nd

(Nachdruck verboten.)

Wie es endete.

Roman von Maria Theresia May, Vers. de» preisgekrönten RomansUnter der KönigStanne." (Fortietznng.)

Ich hetrathete den Maler Kronau, nicht den Grafen Landskron," gab Gertrud fast ebenso erregt zurück."

Und waS thatest Du, als Du den schmählichen Bettug erfuhrst? Du ließest Dich von Taormina gemächlich nach Schloß Landskron führen, gefielst Dtt ausgezeichnet in der Rolle der Schloßherrin und vergaßest alle Grundsätze, die Dtt Dein Vater eingeprägt hatte. ES ist unglaublich, wie ehr- und pflichtvergessen Du gehandelt hast! Du, die jedes Wort des Vaters wie ein heiliges Vermächtniß be- ttachten solltest, schließest Dich einem Staude au, den er verabscheut hat, Du die gesehen hat, was er, waS seine Frau durch deu Dünkel, de» Hochmuth, die Grausamkeit derVornehmen" gelitten haben, Du wirst eine der Ihre». Ist Dtt nicht die Scham- röthe iuS Gesicht gestiegen, als Du a» seinem Grabe standest? Und nicht genug damit, Gräfin geworden zu sei»! Du, Gertrud Meynert, Du reichst in weich­herziger Schwäche, oder vielleicht in Wahrnehmungen Deines Vortheils, der Frau die Hand, welche die bitterste Feindin Deines Vaters war, die ihm jede Art von Beleidigung angetha», welche man einem Menschen authun kann, und die schließlich ihm sein abgöttisch geliebtes Weib in den Tod getrieben hat. Du ttägst Trauerkleidung um diese Frau, Du läßt Dich zu Ihrer Erbin einsetzen! . . .

Ein seltsames Leuchten strahlte jetzt aus den schönen braunen Augen, eine ^stille Ruhe lag auf

wrr stehen nicht an, zu behaupten, daß jedes Gesetz oder jede Verwaltungsmaßnahme zunächst daraufhin angesehen werden müßten, ob sie nicht der sozial­demokratischen Organisation nach irgend einer Richtung Vorschub leisten. Wir meinen, daß es an der einen, aus dem Krankenverficherungsgesetz sich ergebenden Erscheinung genug sein sollte. Der Staat hat doch keine Veranlassung, der Umsturzpartei gar noch die Agitatioskosten zu zahlen.

Umschau.

DieFreis. Ztg." bemerkt zu der Nachricht, daß vor Kurzem auf Veranlassung der KöuigS im Casseler Gymnasium der Unterricht wegen übergroßer Hitze auSgesetzt wurde: Die gute Absicht bei diesem Befehl soll nicht ver­kannt werden. Auch mag der Kaiser sich durch die Erinnerung an die Qual des Schulunterrichts während seiner Schulzeit in Cassel an heißen Nach­mittagen haben bestimmen lassen. Aber die Ver­fassungsurkunde schreibt vor (§ 44):Die Minister des Königs sind verantwortlich. Alle Regierungsakte bedürfe» zu ihrer Giltigkeit der Gegenzeichnung eines Ministers, welcher dadurch die Verantwortlichkeit übernimmt." Demgemäß durfte jener Befehl nicht ohne Mitwirkung des Kultusministers ergehe», und für den Schuldirektor in Cassel entbehrte der Befehl so lange der Giltigkeit, bis der Kultusminister die Verantwortlichkeit dafür übernommen hatte." Wenn eS also, so schreibt dazu dieRhein. - Wests. Ztg.", nach derFreis. Ztg." gegangen wäre, dann hätte sich der Kaiser erst mir dem Kultusminister ins Benehmen setzen müsse», und unterdessen hätten die armen Sextaner wutcr schmoren können, bis die Schulevon selbst" aus war. Dieses Beispiel zeigt o recht deutlich, in welche Verknöcherung wir ge- rathen würden, wenn die Welt nach der Weisheit >erFreis. Ztg." und ihres Cheftedakteurs Eugen sticht« regiert würde.

Dem Bunde srath ist im Anfänge des laufende» Jahres ein Entwurf von Vorschriften über den Verkehr mit G e h e i m m i t te l n in den Ä v o t h e k e» zugcgange». Mau hat inzwischen nicht gehört, daß die Angelegenheit im Bundesrath zu einem Ergebniß gefördert ist. Wie aber dem etzte» Jahresberichte des Deutschen Apothekervereins zu entnehmen ist, hat der Vorstand des letzteren zu der Verordnung an den Bundesrath eine Eingabe gerichtet. Danach würde, namentlich da die in Ans­icht genommene Verordnung eine klare Begriffs­bestimmung umgeht, und andererseits die Bekannt­gabe der Zusammensetzung u. s. w. daS Mtttel nach der jetzt geltenden Rechtsausfassung auS der Reihe der Geheimmittel heraushöbe, eine solche Verordnung ein Schlag ins Wasser sei». Um wenigstens zu einem

dem vor Auftegungen blaffen Gesicht, daS Gerttud voll der erregten Frau zuwandte.Die Großmutter lag im Sterbe», Tante, sie bereute so herzlich, hättest Du da nicht auch verziehe»?'

Nein und tausendmal »ei» und hätte sie vor Dir auf deu Kniee» gelegen. Du hättest nicht verzeihe» dürfen! Es wäre die Vergeltung des Schick­sals gewesen."

Gerttud wandte sich ab; ihr graute vor solch einem Haß.Ich bin sicher," entgegnete sie mit zitternder Stimme,daß der Vater nicht so harte» Herzens gewesen wäre, wie Du. Er hätte, so wie ich, nicht den Muth gehabt, die letzten Augenblicke einer Sterbenden zu verbittern."

ES würde garnichtS dabei gewesen sein," sagte Friederike Meynert höhnisch.Doch genug, wtt beide find fertig ^mtteinader. Auf die Ehre, eine Gräfiu LandSkon bei mir zu empfangen, verzichte ich!" Und mit einer gebietenden Gebärde streckte Friederike die schmale magere Hand aus und deutete nach, dem AuSgauge des Gartens.

Eine tiefe Röthe flog über das Antlitz der jungen Fran.Einen Augenblick noch, Tante," sagte fie gelaffe»,dann will ich Dich gleich von meiner Gegenwart Befreien. Sage mir, was ich hätte thun sollen, als ich erfuhr, daß mein Mann nicht der Maler Kronau, sondern der Graf Laudsttou war."

Sofort zu mir zurückkehreu, selbverständlich!" Wenn ich Herbert aber liebte?"

Die Tochter Georg MeynertS kann keinen Aristo- katen lieben, daS streitet wider den Willen ihres Vaters, wider seine Anschauungen, wider die Erziehung, die er ihr gegeben hat."

praktischen Resultat zu gelangen, müßte von Fall zu Fall entschieden werden, ob ein in den Verkehr ge­brachtes Arzneimittel zu den Geheimmitteln zu rechne» ist. Diese Entscheidung könne aber nicht den unteren Verwaltungsbehörden überlassen bleiben, sondern nur einer Reichsbehörde übertragen werden, welcher die erforderlichen wissenschaftlichen und technischen Gutachter zur Verfügung stehen, was beim Kaiserlichen Gesundheitsamte bei entsprechender Er­weiterung durch geeignete Kräfte der Fall sein würde. Ferner würde die Verpflichtung zur Anlegung des erwähnten Verzeichnisses dem Apotheker nur eine nn- nöthige Vermehrung des Schreibwesens auferlegen und ihn immer mehr auS der Stellung eines freie Gewerbetreibenden heraus und in Abhängigkeit drängen. Der Vorstand des Deutschen Apotheker­vereins hat deßhalb beim Bundesrathe beantragt, dem Kaiserlichen Gesundheitsamt, welches durch pharmazeutische und medizinische Hilfskräfte zu diesem Zweck zu verstärke» fein würde, die Entscheidung, was als Geheimmittel anzusehen ist, zu überlassen und die Verpflichtung des Apothekers zur Führung der Geheimmittelliste aus den Vorschriften zu ent­fernen. Wie in dem erwähnten Geschäftsberichte hervorgehoben wird, findet diese Auffassung der Sache in juristischen und medizinischen Kreise» Zu­stimmung. ___________

Nachdem in einigen Gegenden Deutschlands ver­schiedene Fabrikanten für unverhettathete Arbeiter unter 25 Jahren einen Sparzwang in den Arbeits­ordnungen ein geführt hatten, war das Bedenken laut geworden, ob die Einbehaltung der Lohntheile zu diesem Zwecke und die Einbehaltung der angesammelten Gelder bis zum 25. Lebensjahre auch für die Fälle, wo die Arbeiter das betreffende Unternehmen ver­lassen, mit dem § 115 der Gewerbeordnung in Ueber- einstimmung seien. Regierungsseitig sind diese Zweifel schon widerlegt worden. Es kann aber auch aus­drücklich auf die Verhandlungen des Reichstages über die Gewerbeordnungsnovelle vom Jahre 1891 zur Unterstützung der Anschauung von der Zulässigkeit solcher Lohneinbehaltungen hingewiese» werden. Der Entwurf zur Novelle, wie er von de» verbündeten Regierungen vorgelegt war, enthielt als Neuerung die Bestimmung, daß die Gewerbetreibenden nicht nur versuchtet seien, die Löhne ihrer Arbeiter in Reichs­währung auszuzahlen, sondern sie auch in dieser Währung zu berechnen und baar zu zahlen. Diese Aenderung war hauptsächlich durch die Erfahrung ver­anlaßt, daß die Arbeitgeber in Elsaß-Lothringeu die Lohnberechnungen vielfach in frauzöstscher statt in Reichswährung aufstellteu. Als diese Neuerung i» der zur Voiberathung der Novellen eingesetzten besondere» Kommissionen erörtert wurde, wurde auch ein Antrag eingebracht, wonach den Gewerbetteibenden keine anderen Lohnabzüge gestattet fein sollten, als auf Grund ge-

DaS Unglück, ja. Dau» hättest Du die Kraft haben muffen, diese Liebe zu bekämpfe», um der Pflichten willen, welche Du Deinem Vater schuldest. Du kannst alS die Frau des Grafen LandSkon nicht glücklich sein. Die Ungleichheit der Stellung, der Anschauungen, der Erziehung ist zu groß. Niemals würde Dein Vater fein Kind als dtz Gattin eines Aristokate» haben wolle». Und ich selbst denke genau so wie er. Du hast Dich von uns geschieden, da Du eine LandSkon wurdest, wir haben feine Gemeinschaft mit Dir. Ja lieber lebt möchte ich Dich gesehen haben, als so abttünuig von allem, was wir Dir in die Seele gepflanzt haben, lieber todt, als die Frau einer Aristokateu!"

Ei» schmerzliches Lächeln zuckte um Gertruds Mund.Genau dasselbe soll die Großmutter gesagt haben, als ihre Tochter meinem Vater folgte, und dasselbe sagte die Gräfin LandSkon, da ihr Sohn mich iuS HauS brachte. Ich danke Dir, Tante; denn jetzt weiß ich, was das Rechte ist. Du hast auf Deinem StandpuuKe genau solche Voruriheile, wie die Mehrzahl der Adlige» auf dem ihrigen und Du bist genau so unbarmherzig und unversöhnlich, wie viele von ihnen. Wo ist also ein Unterschied zwischen Dtt und ihnen? Deine Worte beweisen mir nur, daß sich überall menschlicher Hochmuth und Dünkel und menschliche Unduldsamkeit finden, welche die Welt zu einem Kampfplatz machen möchte», »ad sie sollte eine Stätte des Friedens sein."

setzlicher Bestimmungen zulässig wären. Aus Anlaß dieses Antrages wurde von einem Vertreter der ver­bündete» Regierungen die gesammte obige Bestimmung dahin interpretirt, daß durch dieselbe Abzüge vo» Löhnen z. B. für Wohlfahrtseinrichtungeu der Fabrik, oder Stundung, oder Zurückhaltung eines Theiles deS Lohnes (als Kaution) nicht verboten seien. Der Ge­danke der Bestimmung sei, nur, Zahlungssurrogate anstatt baaren Gelves auszuschließen. Würde danach schon die Absicht, welcher die Gesetzgeber mtt der Be­stimmung verfolgt haben, klar sein, so wird sie noch deutlicher aus der dritten Lesung der Novelle im Plenum deS Reichstages, wo ausdrücklich festgestellt ist, daß mit dem § 115 Lohueinhaltungen durchaus nicht ausgeschlossen seien. Die oben erwähnten Be­strebungen auf Hebung der Wirthschaftlichkeit in ArbeiterKeisen bewegen sich demgemäß durchaus konform mtt dem Gesetze.

Deutsches Reich.

Berkin, 25. August. Se. Majestät der K a i s e r nahm heute Bormittag in Wilhelms höhe de» Vorttag deS Chefs des Militärkabinets, Generals der Jnfauterie von Hahnke entgegen.

DaS Staats- Ministerium ttat heute Nachmittag 3 Uhr im Dienstgebäude, Leipziger Platz 11, unter dem Vorsitz des Vize-Präsidenten, Staats- Ministers Dr. von Miquel zu einer Sitzung zu­sammen.

Zu deu Meldungen über Proben mit einem neuen Gewehr kleineren Kalibers erfährt die Münchener Allg. Ztg.", daß sich die Probe als eine wesentlich verbesserte Konstruktion deS bisherigen Systems und Kalibers ergiebt, dessen etwaige Ein­führung nicht auf dem Wege der Umbewaffnung, sondern auf jenem der Auffrischung unbrauchbar werdender Gewehre älterer Konstruktion vor sich gehen würde.

Gegenüber dem in hiesige» Zeitungen um­laufenden Gerüchte, der Direktor deS Kaiserliche» Statistischen Amtes, Geh. Ober-Regierungsrath Dr. v. Scheel, beabsichtige wegen Gesundheitsrücksichten nächstes Jahr in den Ruhestand zu treten, können wir mittheilen, daß dieses Gerücht auf Erfindung beruht. Dr. v. Scheel, der, wie alle Jahre, so auch ifeuer, augenblicklich in Urlaub am Starnbergersee weitt, fühlt sich vollkommen ftisch und rüstig und hat absolut keinen Grund, sich mit Rücktrittsgedanken zu tragen.

Wie derNordd. Allgem. Zig." von dem Direktor des Orientali scheu Seminars, Prof. Sachau, mitgetheilt wird, ist innerhalb des verfloffeuen Studienjahres vom Oktober 1897 bis jetzt eine größere Anzahl von Schülern des Seminars nach Absolviruug ihrer Studien daselbst »ach Asien

meinen herabzusteigen, wenn sie sich mtt dem Bürger- thum verbinden."

Kein rechtlicher und gebildeter Mensch, sei et Bürgerlicher oder Bauer, wttd sich einbilden, empor- geftiegen zu fein, wen» er sich mit der Aristokratie verbindet, und ich bin dtt Letzte, die sich so etwa» einbildete. Gewiß, vor einem Jahre sprach ich noch anders als vorhin, »eil ich noch kein selbstständiges lrthell hatte, weil ich mit Deinen und mit de» Augen meines verstorbenen BaterS sah. Aber waS Du auch sage» magst. Du stehst die Welt und die Menschen, wie Du sie Dir i» Deiner Abgeschlossen­heit aufbaust. Auch der Vater hat sich erbittert ab- geschloffen; würde er erlebt haben, was ich erlebte, würde er die Reue der Großmutter gesehen habe», so ,in ich überzeugt, auch er würde andere» Sinnes und ein Haß besiegt worden sein."

Jedenfalls ist eS bequem für Dich, dies z» glauben!'

Gertrud schien die Satire nicht zu höre», welche in dieser Antwort FriederikenS lag, und fuhr fort: Bei Deine» Anschauungen, welche sich, nur in anderer Richtung, genau derselben Einseitigkeit schuldig machen, wie die meiner Schwiegermutter, würde die Kluft, welche de» Mensche» vom Mensche» de» Besitzende» vom Besitzlose», de» Gebildete» vom Un­gebildete», den Aristokateu vom Proletarier trennt, ie ausgefüllt werden können. Aber das beffere Ur- feil der Neuzeit drängt dazu, fie zu überbrücke». Sesitz, Bildung, Lebensstellung können an sich dem Menschen keinen Vorrang gebe», er muß sich ihn durch seine Leistungen »ach Maßgabe seiner Kräfte verdienen. Der sittlich beste Mensch allein dürfte ge­sellschaftlich auch der Höchststehende sein."

(Fortsetzung folgt.)

Bettoffen schaute Friedenke Meynert ihre Nichte, an; doch ihre Stimme klang höhnisch wie zuvor als fie entgegnete:Du hast vor einem

Jahre »och anders gesprochen. Hat Dich Dein

Nttum aber an, daß ich trotzdem, sagen wir, das «Wappen so zahm gemacht? Du vergißt, daß bei Unglück hätte, Herbert zu lieben." 'uns die Sache» anders liegen. Die Aristokateu