Einzelbild herunterladen
 

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. totHtwu: Mar» 91. tdobon 56. Jllustrirtes Sonntagsblatt.

^*?ntfesm» ^stagen.OffrtrßllTA ien nc6«" entgegen: He Expedition diese« Blatte«, die Annoncen-

OuartalS-AbonnementS-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen giVim K/AAV yl Bureaux von Haaienfiein L Boaler Stranffurt e M Kaffer Maats«» _

Donnerstag,.25. August 1898. >8S" xiCl6rfl'

Sozialdemokratie und Landtags­wahlen.

Vorwärts! Ans Werk! Wir wollen den Junkern einheizen, daß ihnen der Schweiß über den Rücken läuft!" So schreibt dieSächsische Arbeiter­zeitung" am Schluffe eines Arttkels, der dieGe­noffen" zur regen Betheiligung au den Landtags- Wahlen auffordert. Wie wenig kennt doch das Organ des geheimnißvollenGenossen" Parvus den preußischenJunker!" So leicht und durch solches Strohfeuer läßt sich der wahrlich nicht einheizen und durch Großsprecherei und Grimassenschneide» ist noch niemals einJunker" in Angstschweiß getrieben worden.

Die Herren Sozialdemokraten mögen nur heran­kommen bei den Landtagswahlen! Dann wird man wenigstens die Wölfe, die bei den Reichstagswahlen keinen Zipfel ihres Schaffelles lüften, erkennen und auch die freisinnigen guten Freunde dieser Wölfe zu würdigen wissen. In Großstädte» mögen dieGe- uoffen" wohl den Muth habe», sich offen zur Revolutionspartei zu bekennen, auf dem platten Lande aber werden sie sich dessen wohl hüten.

Die Freisinnigen habe» sich denn auch die Be- theiligung der Sozialdemokratie an den Wahlen ganz anders vorgcstellt. Sie glaubten, dieGenossen" würden einfach an ihrer Seite als Hilfstruppen gegen dieJunker" kommandirt werden. Das wäre aber doch ein allzugroßes Wagniß für die sozialdemo­kratische Partei, das leicht mit einer Deronte endigen könnte und dabei kaum einen besonderen Vortheil für den Freisinn im Gefolge hätte. Wo existirt denn zudem ein freisinniger Landtagsabgeordneter, dem nicht schon früher fteiwillig die Stimmen sozial­demokratischer Urwähler zugeflossen wären?

Die Sozialdemokratie tritt keineswegs begeistert in die Landtagswahlen ein. DieGenossen" werden geschoben und wiffen selber nicht wie. Namentlich find es die nicht preußischen Sozialdemokraten, die den preußischenJunker" der ihnen als bete noire von Weitem gezeigt wird am meisten hassen und die die Betheiligung der Partei an de» Land­tagswahlen fordern. Allen voran stehtGenosse" Parvus mit feinen sächsischen Mundhelden. Wüßte er, wie wenig Ehre sich die preußischenGenoffen" holen werden, so würde er so schwer ihm dies bei seinem Temperament und seinerWeisheit" werden mag geschwiegen haben.

Die sozialdemokratische Parteileitung scheint die Frage der Wahlbetheiligung als Spielball für die unruhigen Parteimitglieder zu betrachten. Irgend etwas muß in der Sozialdemokratie diskutirt werden, sonst wird denGenoffen" die Sache langweilig. DieGeister" müssenaufeinander platzen"; ein»

(Nachdruck verboten.)

Wie es endete.

Roman von Maria Theresia May, Kerf, de« preisgekrönten RomanSUnter der Königstanne."

(Sortftmne.)

13. Kapitel.

Unweit der Marienkapelle in Backstein, die von ihrem Felsenhügel, von Hellem Morgensonnenschein übergossen, fteundlich inS Thal schaute, hielt ein Wagen. Eine junge Dame in elegantester Trauer- kleidung stieg auS und begab sich, nachdem sie dem Kutscher einige Weisungen ertheilt harte, auf den Friedhof. Zwischen zwei besonders gepflegten Gräbern in der langen Reihe, kniete betend eine Bäuerin; ( vif jedem der Gräber lag ein frischer, offenbar erst hingelegter Kranz von Vergißmeinnicht und weißen Waldanemone». Unweit der Betenden saß ei» kleines Kind, ein Mädchen, im Grase und spieüe mit Feld- } Humen. Die Bäuerin war schon aufmerksam geworden, da der Wagen hielt. Jetzt, als die Dame direkt der Stelle zuschritt, auf welcher die Bauersftau kniete, sprang diese auf. .O mei, o mei, sein Sie'S denn wirkt, o liabs Freili, gnädige Frau, soll i sage!" rief sie mst Hellem Jubel in der Stimme inb- in den Augen. .Na, so a Freud' iS mer heut gar nie a mal tramt. Eagu's nur grad, wo kimmen'S denn so af amal daher?" Kräftig schüttelte sie die freundlich bärge» ioteae Rechte der jungen Frau unb woubte sich als echte Mutter gleich zu dem spielenden Kinde:Seh der, Lenal, gieb fein 'S Patscherl der schön gnädige» Frau; fiagst, dös ist 's Freile, der D» selbiges Wal d' Almblumerln bracht Hatz, wie'S do» uuS .fori than hat, weißt'S no? Und der gnädige Herr, /mei, is er »ät kimma?"

seitigeS Geschimpfe ä la Liebknecht genügt dem Schaffensdrange" derGenoffen" nicht lange. So spielen sie jetzt mit diesem Ball bis zum Parteitage, und auf diese Weise hat der Vorstand alle Muße, die Tagung desArbeiterParlaments", das auf den 3. Oktober nach Stuttgart einberufen ist, ganz nach Beliebenvorzubereiten".

Wir Konservativen lyerden indessen ruhig ab- warteu, was die Herren Sozialdemokraten über die Vernichtung der Junker" beschließen werde». Still- zuhalten gedenken wir nicht. Wir werden gegebenen­falls den Kampf kräftig aufnehmen. Hierbei erinnern wir an den vortrefflichen Aufruf des Ausschusses des Ostpreußische» konservativen Vereins, indem es heißt:

Es darf niemals übersehen werden, daß die Sozialdemokratie antimonarchisch und revolutionär und daher mit allen Machtmitteln des Staates zu bekämpfen ist. In diesem Kampfe muß der Staat von der Kirche und' der Gesellschaft mit aller Kraft und Hingebung unter­stützt werde». Aber auch von der irrigen Auffassung, daß den Arbeitern gegenüber von unserer Seite nichts geschehen dürfe, um sie auf die Gefahr der Sozial­demokratie aufmerksam zu mache», ist abzuseheo. Wir muffen eS uns angelegen fein lassen, mit ihnen über die das Vaterland bedrohende Gefahr eingehend zu sprechen, nicht nur vor den Wahlen, sondern so oft sich eine Gelegenheit dazu bietet.

Christenthum und Monarchie wurzeln noch iie : im Herzen der Preußen. Versäumen wir keinen An­laß, an diese heiligen Gefühle zu apellieren! Unsere Arbeiter lesen gerne. Sorgen wir dafür, daß ihnen statt des verderblichen Lesestoffes sozialdemokratischer und radikaler Schriften gute christliche Blätter gefallen werden. Aber auch das leibliche Wohl unserer Arbeiter möge uns stets am Herzen liegen. Arbeiter, die wiffen, daß die Arbeitgeber sich um sie kümmern, ihnen in Krankheit und Roth »ach Kräften helfe», werden sich nicht leicht durch Agitatoren ver­führen laffen. Ohne diese innere Arbeit können auch die besten Gesetze die Ausbreitung der sozialdemo­kratischen Irrlehre nicht hindern. Die Strenge des Gesetzes den Verführern, Belehrung und christliche Liebe den Verführten: das sei unsere Losung im Kampfe gegen den Umsturz."

Wird »ach diesen Regel» verfahre», so werde« die Sozialdemokraten am allerwenigsten bei den Landtagswahle» Lorbeeren ernten.

Umschau.

Wie dieFrankfurterZeitung" mütheilt, hat sich zu Frankfurt a. M. ein Verein gebildet, der auf den Erlaß einesReichswohnungsgesetzes" hinwirken will. Wir möchten aber bezweifeln, daß dieses Vorgehen einen besonderen Erfolg verspreche.

Gertrud beugte sich zu der Kleinen nieder und sah tief in die kleinen Kinderaugen, die groß und verwundert zu ihr aufsahen. Da8 ist Eure Jüngste, Gruber-Moni, nicht wahr?" fragte sie fteundlich und streichelte das blonde Köpfchen.Ich freue mich, daß Ihr die erste seid, die ich in Böckstein treffe. Ihr seht gut aus, Moni, ich denke, eS geht Euch gut." Prüfend überflog Gertruds Blick den saubere», ja festlichen Anzug deS Weibes.

Weil i mei Sonntagsgewand anhab, meinen S'? Ah, döS trag i nit alle Tag. I muß nur abi nach'n Bad, nach Gastein zum Herrn Pfair, er soll mir a G'schrift machen, »b i an neuchcu Stall bauen darf. Der alte, was t hab, iS a wink z'klan, und mitn neuchen «masset i über» G'höf a weniger! rauSrncken. Aber guat geht mir'S scho, sell muß war; und wem verdank ich'S? Ja, nemanb andern, als dem Haben gnädigen Herrn und seiner Guathat. No, waS wir alle gestaunt habn, baß der Herr Maler Kronau so a hocher Herr ist. Na so was haben alli in der ganzen Gegend gesagt. Aber i Habs mft's immer denkt, der Herr Kronau muß waS B'sundereS sei». Und wies Jhua g'freut haben «massen, daß a Gräfin worden fein, Freile, gelt na? Und alle haben gesagt, a so guat wir d' Freile paß «eamd zu aner Gräfin, sie kann schon so was vorstell». Unb daß der Herr Jhna so viel Hab hat, so a guater Herr!"

Ihr habt wohl die Kränze auf die Gräber gelegt, Moni?" fragte Gertrud in dem Bemühe», de» Redefluß der Bäuerin zu unterbrechen, der auf ei» gefährliches Gebiet geraden war.

Moni nickte.Halt, ja, wiffen S', für die große Guatthat iS's, was der gnädge Herr mir schon than hat; unb weil Sie doch schuld dran sind, da hab i mir denkt, i brol die Llüamerlm aufs Grab

Die Lösung der Wohnungsftage ist dringend und wenn auch schon von privater Seite manches geschehen ist, so bleibt doch »och unendlich viel zu thu» übrig. Daß aber aus genanntem Wege allein eine solche Frage nicht erledigt werde» könne, wird man nicht bestreiten könne»; ein gesetzliches Vor­gehen wird unvermeidlich sein und wir hoffen, daß ein solches nicht lange auf sich warten lassen wird. Wir bezweifeln indessen, daß dies im Rahmen der Reichsgesctzgebung möglich sei. Das Wohnungs­elend zeigt sich im große» und ganzen nur in Großstädten und Jndustrieorten; die Lösung der Wohnungsfrage ist also, wie uns dünkt, eine lokale Angelegenheft. EinReichswohnungs­gesetz" würde einen Wandel hierin nicht herbei­zuführen im Stande sein, eS würden dabei auch Mittel und Wege ins Ange gefaßt werden müssen, nm die fortwährende Zuwanderung mittel- und ob­dachloser Leute in die Großstädte zu verhindern. Die glänzende" Entwickelung der Jndustrie-Centren und Großstädte hat das Wohnungselend gezeitigt, durch das Unterstützungswohnsitz- und Fieizügigkeitsgesetz tst es gefördert worden. Da an eine Aufhebung der Freizügigkeit nicht zu denken ist, wird vo« Seiten der Kommunen in eine Reform, die die Zu­wanderung regelt und gesunde Wohnungen schafft, einzutreten sein. Das zu bewirken, ist unseres Erachtens Aufgabe der Landesgesetzgebung.

Mit Skandalorganen sich zu beschäftigen, gehört nicht zu den journalistischen Annehmlichkeiten; ab und zu ist es aber »öthig, auch solchen Blättern näherzutreten, sei es auch nur, um Vornehmgesinnte davor zu warnen. Eine reine Befriedigung wird zwar kein Leser an derartigen Schriften empfinden; oft ist es nur Schadenfteude darüber, daß liebe Nächste oder hochstehende Personen mit Schmutz be­worfen werden, was zur Lektüre reizt. Man vergißt aber dabei, daß man dadurch im Grunde genommen unmoralische, destruktive Tendenzen fördert, und man täuscht sich, wenn man meint, solche Schriften üben auf die unteren Klaffen keine zersetzende Wirkung ans, sondern seien nur für das Amüsement der oberen Zehntausend" bestimmt. Zu einem typischen Blatte der bezeichneten Art hat sich dieZukunft" entwickelt. Als Geschäftsunternehme», das nur vom Skandal lebt, hat es der Reihe nach eigentlich schon alles in den Schmutz gezogen, was dem Deutschen lieb und theuer ist. Bon solcher Seite beschimpft zu werden, kann selbstverständlich nicht zur Unehre gereichen int Gegentheil. Wir würden darüber, daß die konservative Partei von dem Schmutzwerfen derZukunft" ebenfalls ihr Thell abbekommen hat, kein Wort verlieren, wenn von ihr nicht ganz un- motivirt konservative Führer in pöbelhafter Weise persönlich angegriffen würden. Diese Herren gegen

von Ihren Herrn Vatern und von Ihrer Frau Muattern. I bin nur a dumm's Weib, aber8 thuat eim völli wohl, wenn ma so a bifferl b'zeigcn la, daß ma dankbar is."

Gertrud reichte ihr gerührt unb dankend die Hand, und jetzt bemerkte die Gruber-Moni erst, baß die junge Frau in tieft Trau» gekleidet war. Auf die theilnahmsvolle Frage der Bäuerin, um wen die Frau Gräfin trauere, erwiderte diese leise:Um meine Großmutter!"

Die Gruber-Moni sprach in schlichter Herzlichkeit hr Beileid auS; ob die Verstorbene die Verwandte >tS Grafen ober feiner Frau gewesen, danach fragte te nicht. Die Sonne stieg höher, und Moni mußte ich beeilen, um rechtzeitig wieder Heimzukommen. So nahm fie Abschied von Gertrud, nicht ohne sich nochmals erkundigt zu haben, ob denn dergnädige Herr" auchnach« Bad" gekommen fei,sie thät ihn zu viel gern schauen."

AIS Gertrud ihre Frage verneinen mußte unb auch darüber keine Auskunft zu geben vermochte, ob der Graf ebenfalls »ach Gastein kommen oder fie wenigstens abholen werde, machte Moni ein bedenk­liches Gesicht.No halt ja," sagte sie tote ent­schuldigend zu der jungen Frau, als ob sie dieselbe noch immer als eine der Ihrigen betrachtete,wiffen S', die großen Herrn Ham scho ihre befunberen Ge­wohnheiten ; ober Hab hat der gnädige Herr Jhna >o, wenn er Sie auch alleinig hat furtfahreo laffen, ell muß wahr sein."

Unb bann ging bie Frau, nachdem ihr Gertrud noch hatte versprechen müssen, im Falle fie sich noch länger in Gastein aufhalte, sie gewißhoamzufuchen." DaS Lenerl hatte den schönsten Knix machen und ter (Snöbgen ein Handbusserl gehen müssen, unb fest schlossen sich die rosige» Fingerchev über dem Gold-

bieZukunft" zu vertheidigen, wäre viel zu viel Ehre für bieseS Blatt; allein wir wollen diese Pöbeleien hiermit rügen und uns rasch aus der Atmosphäre derZukunft" entfernen.

In keinem anderen Laude wagen es die Organe des städtischen Kapitalismus, so rück­sichtslos und gehässig die Interessen der Land­wirt h s ch a s t zu bekämpfen wie in Deutschland. Tagtäglich unternimmt namentlich in Berlin die liberale Presse die erbittertsten Vorstöße gegen die Landwirthschaft, sucht ihre Bestrebungen zu ver­dächtigen und alle ihre Klagen als unbegründet unb thöricht hinzustellen. Nach einer Darlegung über die Versorgung Deutschlands mit billigen Seefischen erlaubt sich dasBerliner Tageblatt" zu bemerken, eS wäre nicht zu verwundern, wenn die Agrarier nächstens einen Zoll auf Seefische verlangen würden.

Vielleicht haben fie irgend «inen guten Freund, der ihnen den Vorwand dazu durch die Erfindung einer Heringscholera oder Flunderuseuche bietet, gegen die die binnenländische Fischzucht geschützt werden müßte, war zu Deutsch bekanntlich heißt daß die Fleisch­preise gesteigert werden müflen".

Derartige unqualifizftbare Ausfälle sollte das Berl. Tagebl." den ausländischen Inter­essenten überlassen, da es doch schließlich in Deutsch» land wenigstens erscheint.

Der Umstand, daß der deutsche Fischereirath sich in seiner diesjährigen, gegenwärtig stattfindenden Hauptversammlung mit dem Entwurf zu einer Ver­ordnung über die Abführung von Schmutz- stoffen in die Gewässer beschäftigt, könnte zu der Annahme verleite«, als wenn vo« behördlicher Seite gegen die Abführung von Abwässern in Fluß­läufe überhaupt nichts geschieht. Tas würde doch ein recht großer Jrrthum fein. Im Gegentheil, vo» den zuständigen Behörden wird überall recht sehr darauf geachtet, daß die hygienischen, die Fischerei-, die landwirthschaftliche» usw. Interessen .gewahrt bleiben. Die industriellen Etablissements können von den Beschwerlichkeiten, die ihnen infolge solcher An­ordnungen erstehen, manches erzählen. Bei der in Rede stehenden Verordnung würde es fich nur um Festsetzung von allgemein giltigen Bestimmungen handeln. Bisher giebt es solche allerdings nicht. Ob es überhaupt gut ist, fie festzulegen, ist eine andere Frage. In dem Entwurf zum preußischen Wafferrechtsgesetze, der nun schon verschiedene Jahre hindurch in Vorarbeit ist, befand sich ein Abschnitt, der auf die Abwäfferfrage Bezug hatte, jedoch waren in ihm lediglich die behördlichen Stellen bestimmt, welche über die Frage, in welcher Weise Abwässer in die Flußläufe abgelettet werden könnten, entscheiden sollten. Es war also auch hier der freien Entschließung

stück, das Gertrud in das Händchen gedrückt hatte. Unb bann war Gertrud allein, allein am Grabe der Eltern! Eine schmerzvolle und doch so erlösende Stunde verlebte fie zwischen den beiden Hügeln, auf denen die Rasenstücke wieder voller Knospen pranften.

Wenn die sttlle, sanfte Frau, Cilla Meynert, welche unter de« Rosen schlief, hätte ahnen können, daß ihr Kind einst Trauerkleider um die Großmutter tragen würde, deren Unversöhnlichkeit der verstoßenen Tochter das Herz gebrochen hatte; wenn Doktor Meynert, der starre Demokrat, wie er fich zuweilen selbst nannte, heute seine Tochter hätte sehen können, an deren Hand der Trauring glänzte, her sie zu einer Gräfin LandSkron gemacht hatte, an derselben Hand, welche voll erbarmender Liebe der Gräfin Franken- thur» bie brechenden Augen geschloffen hatte!

War es recht, o, war eS recht, baß ich ihr verzieh?" Die junge Frau fragte es unter heiße» Thränen immer wieher, als könnten bie stumme» Lippen ihr auS ben Gräbern antworten. Sie kniete an btrfelben Stelle, an welcher vorhin bie Bäuerin gekniet hatte. WchtS regte sich wett unb breit, nur her würzige Hauch her Luft strich flüsternd durch die Seste unb Zweige, aus bem Walde tönte der Schrei eines Raubvogels, unb jetzt fetzte fich ein zierlicher Fink auf beS Friedhofs gitter unb schmetterte fein Morgenlied weit in die glitzernde Sonnenherrlichkeit hinaus. Sonst war alles still um die schöne weinende Frau. Allmählich verfiegteu ihre Thränen, und mit einem tiefen zitternden Seufzer hob Gertrud ben Blick zum blauen Himmel, von hem hell unb strahlend die Sonne heruiederlenchtete auf die schöne Welt, bie wenigstens hier Frieden athmete.

(Fortsetzung folgt)