33. Jahrg.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.
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Zur Hebung des Handwerks.
Niemals herrschte unter verständigen Leuten ein Zweifel darüber, daß dem Handwerke in seiner gegenwärtigen Bedrängniß am wirksamsten und nachhaltigsten durch Steigerung der eigenen Kraft und Fähigkeit geholfen werden könne. Auch von der besten Organisation lassen sich Erfolge, wie sie die fortschreitende technische Hebung des Handwerks in Aussicht stellt, nicht erwarten.
Dieser Ueberzeugung entsprechen denn auch die Maßnahmen, welche die preußische Regierung zum Schutze und im Interesse des Handwerks neuerdings plant. Ihren Ursprung verdanken solche Pläne Er- msttlungen, die der Minister für Handel und Gewerbe in Oesterreich wie in Süddeutschland und der Schweiz vor einiger Zett hat anstellen lassen.
WaS die für Preußen in Aussicht genommenen Maßnahmen im einzelnen anbelangt, so soll zuerst eine Vermehrung und weitere Ausgestaltung der gewerblichen Fortbildungs- und Fachschulen für Knaben und Mädchen stattfinden. Zwar ist auf diesem Gebiete in Preußen während des letztverflossenen Jahrzehnts viel geschehen. Am 1. Februar 1897 gab es innerhalb der preußischen Monarchie, abgesehen von den ländlichen, bereits 671 obligatorische Fortbildungsschulen mit 72 461 Schülern und 754 freiwillige mit 67 545 Schülern. Aber niemand wird leugnen wollen, daß e8 hier noch starker Krast- anspannung bedarf, ehe das anzustrebende Ziel völlig erreicht ist.
(An weiterer Plan der preußischen Regierung gilt der Errichtung von Lehrlings-Werkstätten. Zuerst ist diese Einrichtung in Baden im Jahre 1888 mit großem Erfolge unternommen worden. Besonders tüchtige und sorgfältig ausgesuchte Lehrmeister erhalten gegen eine staatliche Vergütung auf Gmnd eines vorgeschriebenen Lehrvertrags eine Anzahl von Lehrlingen zum Zwecke gründlicher AuSblldung überwiesen. Die Lehrlinge, die vom Meister Wohnung und Kost empfangen, müssen sich an den alljährlich stattfindcnden Ausstellungen von Lehrlings-Arbeiten betheiligen und nach Vollendung der Lehrzeit eine Prüfung ablegen.
Ferner ist seitens der preußischen Regierung in Aussicht genommen worden, Handwerksmeister in der Rcchnungs- und Buchführung, sowie in praktischen Arbeiten durch Abhaltung von Meisterkursen ausbeziehungsweise fortzubilden. Jeder, der mit Handwerkerkreisen auch nur einigermaßen Fühlung hat, weiß, wie sehr gerade die mangelhafte Ausbildung der Handwerker in der kaufmännischen Seite des Gewerbebetriebes den Aufschwung des modernen Handwerks hemmt. Wenn hierin bnrch das thatkrästige Eingreifen der Regierung Wandel geschaffen wird,
(Nachdruck verboten.) Wie es endete.
Roman von Maria Theresia May, Beif. des preisgekrönten Romans „Unter der KönigLtanne.*
(Fortsatz-ms.)
„Großmama, Großmama!* rief sie, und der volle Herzenston der Liebe bebte in ihrer Stimme; das junge Weib umschlang de« Nacken der Sterbenden. „Großmama, liebe Großmama!*
Da glttt ein unbeschreiblich glückliches Lächeln über die welken Züge und blieb auf dem Antlitz hasten; noch einmal faßte die Gräfin »ach Gerttuds Hand und drückte sie leise, dann lag sie mit geschloffenen Auge», still athmend da, lange, bange Minuten. Regungslos saß Gertrud auf dem Bettrande und schante auf daS greise Hanpt an ihrer Brust nieder, Thräne um Thräne rann über die blühenden Wangen. Jetzt fühlte die junge Frau, wie der Kopf der Sterbenix» schwerer gegen ihre Brust drückte. Ein röchelnder Laut und lang streckten sich die Glieder unter der rtzKen Decke.
Da trat Herbert zn seiner Frau. „Komm, Gertrud, eS fft vorüber!* Saust nahm er die Tobte und legte sie in die Kissen zurück. Die junge Frau beugte fich mit überströmenden Angen über die Leiche und küßte die bleiche Stirn und die für immer stummen Lippen, um die noch der Glanz jenes letzten glücklichen Lächelns lag, das der Tod mtt starrer Hand dort festgezaubert hatte.
In die sounenflimmernde blaue Junilnst hinaus erklangen ernst und feierlich die Glockentöne der Schloßkapelle, sie verkündete weit hinaus, daß der Tod seinen Einzug int Schlöffe gehalten habe. Manche Mütze wurde draußen, wo man das mahnende Tönen der Glocke vernahm, vom Haupte ge-
so dürfte dies für das gesammte Handwerk von unberechenbarem Nutzen sein.
Der Handelsminister beabsichtigt sodann, ständige Ausstellungen von musterglltigen Kraft- und ArbeitS- maschinen und Werkzeugen zu veranstalten, um den Meistern die Verbesserung der Arbeitsmethoden vor Augen zu führen und die Einführung von Motoren zu fördern. Die Einführung von Arbeitsmaschinen und Motoren aber wird fich in größerem Umfange nur dadurch ermöglichen lassen, daß die Handwerker fich zu deren Anschaffung und Benutzung in Genosien- schaften zusammenschließen. Das preußische Handels- Ministerium ist daher gewillt, die Bildung von Rohstoff- und Magazin-Genossenschaften, die bisher schon von einzelnen Innungen mit gutem Erfolge unternommen worden ist, auf’8 kräftigste zu unterstützen.
Ueberblickt man die solchergestatt von der preußischen Regierung zur Förderung des Handwerks entworfenen Pläne, so wird man dieselben nur freudigst gutheißen können. Das neue deutsche Handwerksgesetz hat den längst ersehnten Rahmen zu erfolgreicher Bethättguug der Selbsthilfe des Handwerks geschaffen, die Maßnahmen Preußens aber werden dieser Selbsthilfe kraftvollste Unterstützung leihen.
Umschau.
In sehr tteffender Weise schreibt das türkische offiziöse Blatt „Servet* über die Palästina- Reise des Kaisers: „In europäischen Blättern ist ein eigeuthümlicher Streit.darüber entstanden, welche politische Bedeutung die von Kaiser Wilhelm geplante Reise nach den christlichen Stätten Palästinas haben könne. Wir dürfen hierzu wohl bemerken, daß Sultan Abdul Hamid, nachdem er von dem Wunsche des deutschen Kaisers, jene Stätten zu besichtigen, Kenntniß erhalten, ihn in freundschaftlicher Weise eingeladen hat, die Reise auszuführen. Kaiser Wilhelm erscheint somit in Palästina als der Gast unseres Herrschers, der durchaus davon überzeugt ist, daß sein Kaiserlicher Freund mit dieser Reise keinerlei politische Zwecke verfolgt. Hat doch Kaiser Wilhelm erst kürzlich dadurch, daß er die deutsche Besatzungs- truppe von Kreta zurückrief, durch die Thal bewiesen, daß er in einem sehr erfreulichen Gegensätze zu manchen andern Mächten die Hoheitsrechte des SuttanS in gewissenhaftester Weise achtet. Es ist daher sehr müßig, wenn einzelne europäische Blätter befürchten, Kaiser Wilhelm erstrebe ein Protektorat über Palästina oder wolle angebliche Rechte anderer Staaten in jenem Lande beeinträchtigen. Sollte dagegen der ganze Streit dadurch entstanden sein, well man an manchen Stellen mit etwas scheelen Blicken auf das innige FreundschaftS - Verhältniß fieht, das zwischen Kaiser Wilhelm und unserm Herrscher besteht, so möge
zogen, die ArbeitsgerSthe ruhten und manche Hände falteten fich zum stummen Gebet.-----
Das Gerücht, daß die junge Gräfin LandSkro» eine Enkelin der Gräfin Frankenthur» nnb von dieser mit Jngeborg Preyer» zur Universalerbiu eingesetzt worden fei, hatte fich natürlich blitzschnell im Schlöffe verbreitet. Fräulein Josephine ging mit sehr unbehaglichem Gesicht umher, besonders da sie ihre Herrin mit dem Arzte von ihrer „Schwiegettochter* hatte prechen hören. „Wer hat recht, Mademoiselle Josephine?* hatte Mr Dupont der Koch, ttiumphierend gesagt, „sehen Sie, unsere comtesse ist doch veritable Aristokratin 1*
„Ach was, der Vater war doch bürgerlich,* brummte Josephine und schlug die Küchenthür zu.
„Umso adeliger war dafür die Mutter!* lachte der Koch.
Herbert begab fich, um die nöthigen Anordnungen itt treffen, mit dem Grafe» Körttng in die Schloß- Spelle, wo die Leiche der Gräfin Frankenthur» bis ii ihrer lleberführuug nach Frankenhof zur Beisetzung n die Familiengruft aufgebahrt werden sollte.
„Werden Mama und Gertrud »ach Frankeuhof müfahre»?* fragte Körting.
-Ob Mama, weiß ich nicht; Gertrud höchstwahrscheinlich, fie muß doch ihr Erbe sehen!* gab Herbert mtt einer bei ihm ganz ungewohnten Lttterkett zur Antwort.
„Na höre,* sagte Graf Körttng erstaunt, „mit lag gewiß der Tod der armen Tante sehr nahe; alles, war fich in den letzten Tagen ereignet hat, muß den Indolentesten erschüttern. Aber bei all dem Schmerzlichen habe ich mich doch gefreut, ich gestehe eS auftichttg, daß jetzt die unerquicklichen Zustände hier hn Hause eine so glückliche Lösung finden.
man bedenken, daß der deutsche Kaiser, obgleich er selbst streng an seinem eigenen Glauben hängt, doch wiederholt dafür den Beweis geliefert hat, daß er auch den heiligen Glauben der Khalifen achtet und ehrt.
Die Schuleinrichtung in Wiesbaden hat anläßlich der in der Bierteljahrsschrift für gerichtliche Medizin und öffentliches Sanitätswesen Bd. XVI 1. Heft erfolgten Veröffentlichung eines Rund- erlaffes des KuttusmiuisterS vom 18. Mai ds. Js. nebst auszugsweisen Reiseberichts der Ministerial- kommiffare eine Besprechung durch den Geheimen Medizinalrath Dr. Schmiedtmann gefunden, welche die leitenden Gesichtspuntte in der Zenttalinstanz, die Pflichten der Schulaufsichtsbehörden gegenüber den Schulkindern und die Grenzen für die Thätigkeit des Schularztes darlegt. Die in Wiesbaden dargeboteue Gelegenheit, an der Vervollkommnung der Schularzteinrichtung mitzuarbeiten, hat fich die Unterrichts- Verwaltung zn eigen gemacht; auch wird von ihr anerkannt, daß die Anstellung von Schulärzten geeignet ist, die Behörden in den ihnen pflichtgemäß obliegenden Bestrebungen für die gesundheitsgemäße Gestaltung des Schulwesens zu unterstützen. Unter Hinweis auf die Unterschiede zwischen de» höheren Schulen und den Volks- und Mittelschulen wird eine naheliegende Verpflichtung zum behördlichen Eingreifen für die ersteren z. Zt. nicht angenommen. Dabei wird zugleich der Schwierigkeiten gedacht, welche u. A. die Brurtheilung der Ueber- bürdungsftage und die hygienische Gestaltung des Unter richisplanes darbieten, und ausgesprochen, daß nach dem heutigen Stande pädagogische Erfahrungen vorzugsweise hierbei zu beachten find. Es totrb als zweckdienlich hingestellt, die Bedürfnisse der höheren Schulen im Interesse einer ruhigen Entwicklung der Schularzteinrichtung einstweilen damit nicht zu verknüpfe» und die individuelle Behandlung hier in den Vordergrund zu stellen. Dagegen wird für Volksund Mittelschulen die Nachfolge in der Schularzteinrichtung zunächst bei Städten mit gleichen ober ähnlichen Verhältnissen wie Wiesbaden angeregt und weiterhin beabsichtigt, die Unterlagen für die Beur- theilnng einer Einführung des Schularztes in ländlichen Orten auf dem Wege der prattischen Erprobung in den verschieden gearteten Landestheilen zu beschaffen. Den Schulärzten ist die Wichtigkeit des Gelingens oder Mißlingens der ihnen zugefalleuen Aufgabe« ans Herz gelegt und der Rath ertheilt, sich in weiser Mäßigung in dem zugewiesenen Pflichtenkreis zu halten und sich das Vertrauen der Lehrer als gern gesehene Mitarbeiter zu erwerben. Indem die Besprechung einerseits die weitgehenden Befürchtungen der Pädagogen über das den Aerzte» einzuräumende Arbeitsfeld widerlegt, andererseüs die in manchen Punkten nicht erfüllbaren Wünsche der Aerzte maßvoll
Mama kann ja in Gertrud nur noch die Erbin der Gräfin Frankenthur» sehe», damit fällt alles, was sie vorher gegen Deine Frau einzuwenden hatte, in nichts zusammen. Und Deine Frau, — ich dachte immer, fie sei doch ein biSchen kühl, »ab daß sie weinen könnte, hätte ich niemals vermuthet; aber wie fie sich an Jngeborg anfchließt nnb wie fie sich gegen bie alte, fterbenbe Frau verhielt: fie hat boch ein Herz! — Ober glaubst Du am Ende, fie macht fich etwas anS der Erbschaft?*
„Welche Idee, Onkel!*
„Na also, wird jetzt nicht alles gut? Wir können nun das vergnügteste Leben von der Wett führen!*
„Nein, Onkel, denn ich werde, sobald die Begräbniß- eierlichketten vorüber find, meiner Frau sagen, daß ich auf ihren schon vor Monaten in Taormina ans- gesprochenen Wunsch eingehe» und die Scheidung beantragen werde!*
Graf Körttng sank auf einen der Kapellenstühle nieder. „Gütiger Himmel, welche» Grund willst Du den» augeben?*
„Gegensettige unüberwindliche Abneigung,* entgegnete Graf LandSkro» mit zuckende» Lippen. — Er sah nicht, daß in diesem Augenblick sein schönes Weib an der Kapelle vorüberschritt, eS trug einen großen Strauß wilder Rose» i» der Hand, um ihn bei der Leiche der Großmutter niederzulegeu.
AIS darüber berathe» wurde, wer von de» Famllieu»Mitglieder» die Leiche der Verstorbe»en »ach Frankenhof begleiten würde, um bei der Bei» etzung zugegen zu fein, sagte die alte Gräfin zu Gertrud, daß fie jedenfalls doch als Mtterbi» nnb anerkannte Enkelin der Gräfin Frankenthurn, der Beisetzung ihrer Großmntttr beiwohnen werde; auch Herbert werde dort fein, umsomehr, als fie ihre»
begrenzt, erscheint sie geeignet, in den beteiligten Kreisen klärend zu wirken.
In Spanien reifen heute von Madrid die Königin-Regentin und der junge König nach San Sebastian ab, wo sie bis zum Beginn der Friedensverhandlungen zu Paris verbleiben. Die Präfecteu melden carlistische Hetzereien in Catalonien. Silvela hat erklärt, die Cortes müßten in dringlicher Weise einberufen werden; er sei bereit, falls die Krone es verlange, die Regierung zu übernehmen. Ein Artikel deS „Liberal* verlangt die Wiederherstellung der coustituttonellen Garantien, damtt die öffentliche Meinung, Presse und Parlament bie Friedensbedingungen erörtern könnten. Die Nachricht des „New Jork Herald* der frühere Generalgouverneur der Philippinen, Primo Rivera, sei ermordet, entbehrt der Begründung, Rivera befindet fich wohl. — Nach einer Depesche aus Matanzas schlug eine spanische Schwadron die Aufständischen bei Loma-Sanadrian. Der Führer der Letztere», Machado, wurde getöbtet.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. August. Ihre Majestäten ber Kaiser und bie Kaiserin besuchten heute Vormittag ben Gottesdienst in der Stadtkirche zu Cron berg gemeinschaftlich mit Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, dem Kronprinzen und der Kronprinzessin von Griechenland und dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Carl von Hessen.
— Heute trifft der Prinzregent Albrecht von Braunschweig zu kurzem Besuche in Friedrich sr uh ein, wo augenblicklich nur ber Graf nnb die Gräfin Rantzau anwesend sind. Auch Dr. Chry- sander weilt noch im Schlosse Sooft (Niederösterreich) ?eim erkrankten Sohne des Fürsten Herbert Bismarck. Im Ganzen liefen ca. 1300 Trauerkränze in Friedrichsruh ein; die Namen sämmtlicher Spender werden heute in den „Hamburger Nachrichten* veröffentlicht. Die Mausoleumsarbeiten haben noch nicht begonnen; es ist nur der Platz abgesteckt worden. Fürst Herbert Bismarck hat beschlossen, von Schönhausen nach Friedrichsruh überzusiedeln.
— Wie die „Nat.-Zig.* von zuverlässiger Seite erfährt, setzt der deutsche Gesandte in Peking, Frhr. v. Heyking, seine Bemühungen um die schleunigste Regelung ber Concessionsangelegenhett der Eisenbahnlinie Dientsin-Chinkiang fort, ohne daß jedoch bisher ein endgiltiges Ergebniß erzielt worden ist. Von der Einsetzung einer englisch- deutschen Commission ist an unterrichteter Stelle nichts bekannt.
Mann, den gesetzlichen Schutz bei Eröffnung des Testaments und Anttttt der Erbschaft uöthig haben werde.
Der kategorische Ton, in dem von Seiten ihrer Schwiegermutter die Unterredung geführt wurde nnb ben biefe anfdjeinenb niemals würbe ablegen können, hatte Gertrubs Trotz, ihr fast unbesiegtes Mißtrauen von neuem aufleben lassen. Alles, was.sie von ihrer Schwiegermutter eibulbet hatte, stand klar und deutlich wieder vor ihrem Auge, fie nickte daher nur tolz mit dem Kopf, ohne Wetter etwas zu erwidern. Nur bei dem Gedanken an Herbert war fie in Widerspruch mit fich, ihr Herz klopfte dabei in ängstlicher Unruhe ... Sie erinnerte fich, wie kühl und zeremoniell er in ber letzte» Zeit gegen fie gewesen war, ein Benehmen, das einfach aus der Auf- iuduug des Briefes feiner Frau refultirte, wovon ie aber nichts wisse» konnte, denn fie hatte den Brief total vergeffen infolge der Häufung ber Ereignisse. Erst später sollte fie wieber baran erinnert werben,. In ihrer Verblendung hatte ihr da» Verhalte» Herberts eine gewisse Senugthuung gewährt. Als er iudeß Tag um Tag ihr mtt derselbe» höflichen Källe begegnete, ba hatte ihre Gereiztheit gegen ihn zugenommen, ihrer Meinung »ach bürste er kein Verhalten beobachten, auf baS fie allein ein Recht zu haben glaubte. Gertrud erwartete mit Bestimmt- »eit, daß Herbert eine Aussprache mit ihr suchen und herbeiführen würde. Sie wäre vielleicht bereit lewesen, am Sarge ber Großmutter ihm verzeihend >ie Hand zu reichen. Aber bie junge Frau hatte, wie fie fich sagte, keine Deranlaffung, bas erlösenbe Wort zu sprechen. Verharrte er in feiner Reservirt- beit, so blieb biefe! Wort ungesprochen, bie Möglich- feit einer Versöhnung ausgeschlossen.
(Fortsetzung folgt)