GlWM 3i'ilitiU|.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhai«.
HebBtttet: 3oh. Xug. Koch, UniverfitätS-Buchbruckerei in Marburg. Benrntworttich für bk Redaktion: Redakteur M. Hart«««» t» Marburg.
Ggprbttion: Markt 21. — Telephon 55. Redaktion: Markt 21. — Telephon 55.
Trscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. T)<7 fV/T Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieser Blatter, die Annoncen-
QuartalS-AbonnementS-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen y Burcaux von Haasenstein L Bögler, Frankfurt a. M., Casiel, Magd«- nn CYr.t.T/T
Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). JnsertiorÄgebühr: die ge- nn Qr..z..,xi -t ono bürg, Wien: Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; OS. ^)ULJiy.
spalten« Zeile oder deren Raum 10 Pfg„ Reklamen: die Zelle 25 Pfg. ^ÜHntWCHD, ^V. <tiUgUsI lOi/O. C. L. Daube & Co.^Frankfurt a. M.. Belli«, Hannover, Paris x.
Sozialdemokratische Unverfrorenheit.
Während alle Erwerbskreise Deutschlands über den wirthschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre, der sich in fast allen Industrie- und Handelszweigen, vielleicht mit Ausnahme der Textilindustrie, zeigt, erfreut sind, weil sie wissen, daß in solchen Zeiten alle Schichten der Bevölkerung verdienen, ist die Sozialdemokratie nicht gut auf den Aufschwung zu sprechen nnd hat die Dreistigkeit, die Behauptung in die Welt zu setzen, daß die Arbeiter in ihren Löhnen an der Besserung der wirthschaftlichen Verhältnisse keinen Antheil hätten. Es ist ja eine bekannte Eigenthümlichkeit der Sozialdemokratie, daß sie zur Erregung von Unzufriedenheit die Thatsachen auf den Kopf stellt, so direkt das Gegelltheil der Wahrheit zu behaupten, ist aber doch ein starkes Stück. Alle Statistiken, die über die Lohnentwickelung der Arbeiter von privater Seite veranstaltet find, haben gezeigt, daß die Löhne, namentlich in den letzten Jahren, in die Höhe gegangen sind. Die Lohnnachweisungen, welche für die Berufsgenossenschaften aufgestellt weiden, also einen amtlichen Charakter tragen, haben die gleiche Entwickelung bestätigt. Und wenn alle diese Nachweise nicht vorhanden wären, so würde der außerordentlich gesteigerte Verbrauch an Lebens- und Genußmitteln, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet, mit sicherer Nothwendigkeit auf diesen Schluß hinführen. Also dadurch, daß die Sozialdemokratie eine notorische Thatsache einfach leugnet, wird sie nicht aus der Welt geschafft. Wohl aber wäre zu untersuchen, ob den Arbeitern auch die Lohnerhöhungen voll zu Gute kommen. Und da ist allerdings eine Erscheinung zu beklagen, die aber lediglich die Sozialdemokratie schwer belastet. Während es sich der Staat hat angelegen sein lassen, die Einkommensteuer für Einkommen unter 900 Mk. völlig auszuheben und die Gemeindesteuern für diese Einkommen ganz minimal geworden sind, verlangt die sozialdemokratische Agitation immer größere Geldopfer von den Arbeitern. Man könnte einwenden, daß dies fteiwillige Spenden seien, würde dann jedoch das Wesen des sozialdemokratischen Terrorismus völlig verkennen. Ein großer Theil der an die sozialdemokratischen Kassen abgeführten Beiträge wird gezwungen geleistet, weil die einzelnen Arbeiter sich nicht dem Terrorismus der sozialdemokratischen Agitatoren ausgesetzt sehen mögen. Diese Beiträge aber nehmen einen veihältnißmäßig großen Theil des Einkommens der Arbeiter in Beschlag und werden von Jahr zu Jahr größer. Die Partei braucht immer mehr Geld, um ihre Organisation in Funktion zu erhalte». Die Arbeiter müssen es aufbringen, nnd so kommt es, daß diese von der Steigerung der Löhne nicht den Voitheil haben, den sie ohne den Beitragszwang zu den sozialdemokratischen Kassen davon haben würden. Wenn also die deutsche
(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia May, Vers, de» preisgekrönten Romans »Unter der Königstanne." (Fortfetz»««.)
,Pstl' machte die blonde Gräfin und küßte wieder die rotheu Lippen Gertruds. »Rhoden hat mir die ganze, romanttsche Geschichte erzählt, und daß Vetter Herbert weder klug noch recht gehandelt hat, aber er that es aus Liebe, und Liebe verzeiht wohl alles, was durch Liebe gesündigt worden. Doch darüber sprechen wir noch,' lenkte Jngeborg ein, als sie sah, wie sich die glatte Stirn Gertruds wieder furchte. »Jetzt will ich von Dir hören, daß Du mich gern hast und als zweite Schwester an- nimmst.'
»Als zweite Schwester?' fragte die junge Gräfin verwundert.
»Nun Klementine,' flüsterte Jngeborg.
»FreUich, doch die Heine schüchterne Klementine kommt mir so ost wie eia Kind vor, daß ich in diesen ernsten Augenblicken kaum an eine Schwester denken konnte. Aber Dich, Jngeborg habe ich lieb! Ich fühle, daß Du mir verwandt bist, nicht nur durch Baude des Blutes, sondern im Geist und im Herzen,' und die Tochter des Demokraten und die Grästu Jngeborg umschlänge» und küßten fich herzlich. Da regte sich die Kranke, und die Cousinen eilten an das Lager derselbe»; doch leise athmeod, mit geschlossene» Augen lag die Gräfin da. »Versprich mir,' flüsterte Jngeborg und preßte Gertruds Hand, »gegen die arme Großmama liebevoll zu fein, bis — dis zuletzt!*
Die junge Gräfin erwiderte leicht den Druck
Arbeiterschaft in ihrer Lebenshaltung nicht so vorwäits kommt, wie fie es nach der Höhe ihrer Löhne könnte, so hat lediglich die Sozialdemokratie die Schuld. Sie soll die Arbeiter mit ihre« Kontributionen verschonen, dann werden sie auch die volle Steigerung der Löhne genießen können.
Umschau.
Nach eingegangenen amtlichen Meldungen aus Manila stellt sich die Mitnahme des Generals Augustin durch die „Kaiserin Augusta' als völlig harmlos heraus. Augustin war schon seines Kommandos enthoben, bekleidete gar keine amtliche Stellung mehr, und außerdem erklärte der amerikanische Admiral Dewey, daß er nicht das geringste dagegen einzuwenden habe, wenn die „Kaiserin Augusta' dem General Augustin die Ueberfahit nach Hongkong gewähre. Durch diese Erklärung des amerikanische» Admirals werden alle thörichte» und boshaften Angriffe hinfällig, die aus diesem Anlaß von gewissen a ncrikunischen Blättern, wie dem „New- Aork Herald', gegen Deutschland gerichtet worden sind, ebenso wie die hämische» Unterstellungen der englischen Presse.
In den deutschen Blättern sind die Urtheile stanzösischer über den Altreichskanzler meistens mit Anmerkungen in dem Sinne wiedergegeben worden, die Franzosen seien nicht fähig, fremder Größe gerecht zu werden. Der Chronist der angesehensten französischen Zeitschrift, „Revue des deux Mondes“ Francis Charmes, entwickelt nun in dem neuesten Hefte derselben Anschauungen, die von einem weiteren Gesichtskreise und von staatsmännischer Auffassung zeugen und eben deswegen verdienen, zur Kenntniß der Leser gebracht zu werden. „Man hat oftmals gesagt", schreibt Fr Charmes, „Bismarck sei eine Gestalt auS vergangenen Epochen, die sich in unsere Zeit hinein verirrt habe; Alles an ihm deute auf den Charakter vergangener Tage hin. Weil man ihn den Eisernen Kanzler nannte, hat ihn sich die Phantasie gern mit den Zügen eines mittelalterlichen Rittermannes vorgestellt, schwer gepanzert, und unter dem Helme die Gedanken, Wünsche und Empfindungen alter Zeiten bergend. Es steckt recht viel Spieß- bürgerthum in dieser Abschätzung eines Mannes, der, nach seine» eigenen Worten, auch in Schwimmhosen Polifik gemacht hätte. So muß ich also leider der Anschauung widersprechen, die so viele» Geistern bisher genügte, und es frei heraussagen, daß Bismarck alle» de» große» Persönlichkeiten in der Geschichte, die eine der {einigen ähnliche Aufgabe» erfüllte», vollkommen gleich sieht. Kein großes Reich kommt ohne Feuer und Schwert zu Stande. DaS aber hat
und beugte fich über das Bett, «m ein Kiffen zurecht- zulege», das fich verschoben hatte.
Aber eS war,, als hätte die Kranke die Nähe der Enkelinnen gefühlt, die welken Lider hoben fich, und klar bewußt schaute die Greistu die blühende» Frauengestalten an.
„Ihr habt Euch gefunden, Gott fei gedankt, ich lese eS in Eure» Miene». Deine Augen, Jngeborg, leuchte» in frohem Schimmer," sprach sie langsam. „Es wäre jetzt eine Freude gewesen, zu leben; aber ich muß fort, bald, vielleicht noch heute. Da muß ich Orbnung machen. Und Jngeborg, — ich kenne Dich —Du wirst zufrieden sein, wen» ich gerecht bin."
Jngeborg verstand fie. »Es ist alles gnt, was Du thnst, folge nur Deinem Herze».'
»Ich will e»l" rief bie Greisin. »Ruft alle herbei, fie sollen kommen. Ist der Doktor da!"
Er war eben borgt fahren und wurde von Herbert in das Krankenzimmer geführt. Die Kranke reichte dem Herr» grüßend die Hand.
»Mir geht eS sehr gut," antwortete fie mtt weh- müthigem Lächeln aus die Frage nach ihrem Befinden, »aber zu thun haben Sie »ichtS mehr bei mir, Herr Kling."
Der Arzt faßte »ach ihrem Puls und fühlte «ach dem Herzschlag, da»» trat er mtt ernster Miene zurück — eS gab wirklich nichts mehr für ihn zu thun. Die Gräfin nickte, als beftatigte fie sich felvst ihre Erwartung und wandte sich zu dem Grafen. »Lieber Herbert, laß den guten, ölte» Pfarrer Frank holen, ich möchte auch ihn noch sehen, ich will mich mtt meinem Gott versöhnen. — Nein, gehe nicht selbst," sprach fie, alS Herbert, nachdem er mit innigem Mitgefühl ihr die Hand geküßt, fich der Thür zuwandte: »Läute und gieb Aufträge. Euch
er vom erste« Tage an gewußl und hat es offen ausgesprochen, denn er hielt niemals mit seiner Meinung hinter dem Berge. Wer jedoch so handelt, ist weder veraltet, noch modern zu nennen, sondern gehört allen Zeiten an. Dagegen hat er sich in allen seinen übrigen Handlungen als ein äußerst moderner Mensch erwiesen. Auf die Mittel zum Zweck kam eS ihm wenig an, wenn sie nur zum Ziele führten; er wandte sie mit vollkommenem Gleichmuth an, in endlosem Wechsel und lediglich mit Rücksicht auf die näheren Umstände oder die passende Gelegenheit. Eines seiner größten Verdienste besteht darin, daß er sich niemals von Eigenliebe verführen ließ, auf einem Wege zu beharren, sohald er merkte, daß er keinen oder nur einen gefährlichen Ausgang habe. Mit einer Meisterschaft ohne Gleichen hat Bismarck alle Werkzeuge benutzt, wie sie die Erfindungen der Neuzeit ihm für seine Pläne darboten; Niemand hat es z. B. bester verstanden als er, sich der Zeitungen zu bedienen ober mit ihnen zu spielen. Vielleicht erwidert Jemand, daß, wenn Bismarck'S Handlungsweise auch nicht veraltet genannt werden dürfe, doch fein Werk selbst ein unmodernes Gepräge aufweise. Allein sein Werk ist eben das Deutsche Reich, und auf diese Schöpfung paßt der Vorwurf anscheinend gleichfalls nicht. Einem solchen Man» gegenüber darf man sich nicht mtt Worten abspeise» lassen, denn er selbst ließ sich das ebenso wenig gefallen. Er war unser Feind, er that uns viel Böses an: als er fand, daß wir ihm im Wege standen, hat er uns grimmig zerstampft, nm weiter schreiten zu können, und er that es ohne Erbarmen, vielleicht ohne Haß, nur weil wir für ihn ein Hinderniß waren. Die einzige Lehre, welche nnS daraus erwachsen kann, ist ein tiefes Bedauern, daß dieser Mann nicht diesseits, sonder» jenseits unserer Grenze geboren wurde. Wir müssen den Muth haben, zu gestehen, wie glücklich wir gewesen wären, wenn wir seines Gleichen besessen hätten! Ein solches Glück ist uns etliche Male im Verlauf unserer Geschichte be- scheert gewesen, hat uns aber in letzter Zeit gefehlt. — Bismarcks tragische Größe müssen wir gelten lasten. AlS er seine Pläne entwarf, stand auch schon der Krieg darin verzeichnet. Es entfesselte ihn gegen das unglückliche Dänemark, riß Oesterreich mit sich hinein. Und doch wußte er dabei recht wohl, daß er sich dann gegen Oesterreich wende» müsse, und das war wiederum, was er wollte. Ferner wußte er, daß er Frankreich eines Tages werde Rede stehen müssen für seine Politik, mit der er es hinter das Licht geführt hatte. Und er selbst ersah fich den Zeitpunkt dazu — nichts kam ihm hierbei unerwartet. Er war nicht der Mann, der vor drei Kriegen »ach einander zmückschente, und er hätte mit gleicher Unerschütterlichkeit einen vierten hervorgerufen, wenn er ihn für nöthig oder auch nur für nützlich erachtet
will ich noch hier haben — Mama auch. — Schicke auch nach dem Verwalter."
In wenigen Augenblicken erschienen alle Glieder der Familie, die Gräfin-Mutter aufs Tiefste ergriffen. Ihre stolze Haltung hatte fie verlosten; daS hätte fie nicht geahnt, daß die Frau, bie ein ganzes langes Leben ihre Freundin gewesen, zu ihr kommen würde um bei ihr zu sterben! Sie warf fich vor dem Bett auf die Kuiee: »Du mußt wieder gesunde», Gabriele, hoffe doch, die Kräfte müsse« Dir wiederkehre»!"
»Mit zwemndfiebzig Jahre»? Nicht doch! — Danke mit mir dem Herrn, daß mir ein so glückliches Ende bereitet ist, daß ich bereuen und wenigstens einigermaßen wieder gut machen kann! — Gute» Tag. Martzeldt!"
Der Verwalter war eingetteten und die Gräfin- Mutter wollte fich erhebe»; doch die Aufregung machte die alte Frau kraftlos; da beugte fich Gertrud, welche neben ihr gestanden einem Impulse folgend, der früher niemals bei ihr hätte Platz greife« können, jetzt fie aber unwillkürlich dazu drängte, schnell herab und bot ihr Hilfe. Mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Ueberraschung im Smlitz legte die alte Gräfin zum ersten Male, feit Gertrud auf Schloß Landskron war, ihren Arm auf die Schuller der Schwiegertochter und richtete sich empor.
Mit leiser, aber völlig vernehmbarer Stimme und einer Entschiedenheit des Ausdruckes, wie nur in ihre« gesunden Tagen, bat bie Gräfin Frankeuthurn alle Anwesenden, Zeugen ihrer letzten Verfügung zu fein. Graf Körting mußte schreiben, der Arzt und der Verwalter mußten als Nichiverwandte, völlig dem Wortlaute des Gesetzes entsprechend, den letzten Willen der sterbenden Fran alS Zeugen unterschreiben.
Gettrud hatte die Kiffen geordnet, daß die Gräfin auftecht zu sitzen vermochte, bie linke Hand lag bewegungslos auf der rothseidenev Decke, bie rechte
hätte. Allein er sah ihn nicht in diesem Lichte und hielt ein. Bismarck wußte sich zu zügeln. Im zweiten Abschnitt seiner Laufbahn leitete ihn keine andere Absicht als bie, im Frieben zu sichern, was er durch den Krieg gewonnen hatte, und zu diesem Zwecke schuf er zwischen den großen und ben kleinen Staaten Europas ei« möglichst vollkommenes Gleichgewicht. DaS Werk der Erhaltung in bett zwanzig Jahren seit 1870 macht ihm die größte Ehre in der Geschichte. Er hat sich gerade dadurch, daß er im Glücke einhielt, als wahrhaft genialen Staatsmann bewiesen.
DaS Breslauer sozialdemokratische Parteiorgan berichtet, daß einer seiner Parteigenossen über eine zu seiner Kenntniß gelangte Mißhandlung mehrerer Reservisten durch einen Unteroffizier bei dem körn- mandirenden General des V. Armeekorps Anzeige gemacht und nach einiger Zeit folgende Antwort erhalten hat:
Gericht 9. Division (Slogan, 29. Juni 1898.
Ila 204/391.
Auf Ihre an das königliche Generalkommando deS V. Armeekorps gerichtete und hierher zur weiteren Beranlaffung abgegebene Anzeige vom 7. d. MtS. werden Sie hierdurch denachrichtigt, daß der Unteroffizier Waller der 11. Kompagnie Grenadier - Regiments König Wilhelm I. Nr. 7 wegen der Ihrer Anzeige zu Grunde liegenden strafbaren Handlungen zu sechs Monaten Gefängniß und Degradation berurtheilt worden ist.
Königliches Gericht der 9 Division.
Hahn. BtelawSki.
ES wäre sehr zu wünschen, daß sich die Sozialdemokraten das Beispiel ihrer Breslauer Genoffen überall zum Muster nähme». Wenn es fich um einen Fall wie ben hier vorliegenden handelt, wird die Militärverwaltung stets dafür sorge», daß bie Sache ihre Sühne findet. Leider aber pflegt von ben Sozialbemokraten jeher Fall von angeblicher Solbatenmißhanblung, und sei er noch so unbeglaubigt, in der Oeffentlichkeit breitgetreten zu werden, ohne daß man sich vorher über die Richtigkeit der Denunziation vergewiffert und bann an zuständiger Stelle davon Anzeige macht. Besonders ttjut sich in dieser Hinsicht bekanntlich der Reichstagsabgeordnete Bebel hervor, der auf der Reichstagstribüne jede unbeglaubigte Geschichte, bie ihm von außerhalb Über Soldaten- mißhanblunge» zngettagen wirb, der Regierung als Vorwurf entgegenschleudert. Herr Bebel würbe, so sagt sehr richttg bie »Post', falls es ihm nur um bie Sache zu thun sein sollte, fein Ziel sicherer erreiche«, wen« er ben Spuren seines Breslauer Genossen folgte.
Die feindselige Haltung der Kubaner in der Umgebung von Santiago erregt auf amerikanischer Seite große Besorgniß. 13 000 Man« stark beabsichtigen fie, am nächsten Mittwoch ben Versuch zu
hob fie manchmal zitternd zur Bekräftigung empor. Langsam biftirte bie ©reift»: ,3m völligen Besitze meiner geistigen Kräfte und in burchauS freiem Willen erkläre ich hiermit mein vor zehn Jahre» abgefaßteS Testament, das bei meinem Sachverwalter Doktor Arendt in Kehl deponirt ist und meine Enkelin, Preyer» zur Universalerbin einsetzt, für ungültig. Ich bestimme dafür, daß meine beiden Enkelinnen, Jngeborg Komtesse Preyern und Gertrud, Gräfin LandSkro», geborene Meyuert, mein gesummtes Besitz- tbum, wie eS liegt und steht, zu gleichen Theilen erben solle»........"
Gertrud war bis in bie Lippen erblaßt und von dem Lager der Kranke» zurückgetreten. Abwehrend, als höre sie etwas Schreckliches, streckte fie ihr beide Hände entgegen: »Nein, nein, mir nichts, ich will keinen Besitz der Frankenthnrn!'
»Gerttud, es ist daS Erbe Deiner Mutter, daS Du erhältst! Gönne mir doch bie letzte Freude, Dir zu geben, was Dein Recht ist, — Du kannst mit Deinem Eigenthum ja bona thun, waS Du willst — aber,' bie leise Stimme ber Gräfin sank zum Flüstern herab, und die welke Hand zog bie Enkelin zu fich, »eS wirb klug fei«, wenn bie junge Gräfin Landskron ihren eigenen Besitz an tritt.'
Gertrud sank auf den Sessel am Fußende des BetteS zurück. Da» Medaillon an ihrem Armband Hinte leise. »Ich wehre mich!" mahnte eS; aber de» traurigen Blick ber Sterbenden, dem leise» vorwurfsvolle» Wort gegenüber fühlte fie fich nun doch wehrlos. Sie wandte da» Haupt, nm de» Blick nicht mehr zu sehe», den fie unablässig auf fich gerichtet fühlte; aber da, an bie Fensterbrüstung gelehnt, stand ihr Mau» und beobachtete sie mit einem seltsamen, schwer deutbaren Ausdruck in den ernste» Züge». (Fortsetzung folgt)