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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

to Jlluftrirtes Sonntagsblatt. - ***

-/» .m aufe" m"?e^?en 5°^ ®.0Itn; u"6, driertagen. tY(*I Anzeizm nehme« entgegen: die Expedition dieses Blattes, die Annoncen»

Jlo 1Q9 OuartalS-AbonnementS-PrerS bei der Expedition 2 Mk., bei allm <^lU*VUI7g Bureau; von Haasenftrin L Bögler, Frankfurt a. M., Cassel, Magd- qq

(exkl. Bestellgeld). ^nserttonSgebuhr: die g- <T^nnnorftnrr 18 1 808 bxrg, Wien: Rudolf Mosse, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; vU.

lvaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen^die Zeil« 25 Pfg. L)DNNerflUg, 18. AUgUsl I8!)8. C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M. Berkin, Hannover, Pari» K.

Eine Verdächtigung.

DieVoss. Ztg." bringt unter der Überschrift: »Die Vorbereitung der Handelsverträge" einen Artikel, der offen dazu auffordert, die vom R e i ch s a m t des Junern unter Beihilfe des Wirthschaft- licheu Ausschusses vorbereitete P10 duk - tionsstatistik dadurch zu nichte zu machen, daß mandem Feinde" wie der Wirthschaftliche Ausschuß bezeichnet wird das erbetene statistische Material nicht mitthcile. Das Blatt meint, der Wirthschaftliche Ausschuß wolle das Material zwar geheimhalteu, aber für seine Zwecke verarbeiten. Diese Behauptung ist nicht nur offenkundig unwahr, sie steht auch in unvermitteltem Gegensatz zu dem, was bisher stets von gleicher Seite verbreitet wurde. Als die produktionsstatistischen Arbeiten begannen, wollte man die deutsche Industrie von der Beantwortung der Fragebogen dadurch abhalten, daß man den Glauben zu erwecken sich bemühte, das Material würde nicht geheimgehalten werden, und es könnte dadurch die Konkurrenz Kenntniß von dem Geschäfts­umfange und dem Geschäftsbetriebe anderer Industriellen erhalten. Durch die Art, wie die Produktionsstaiistik veranstaltet ist, wurde aber der Beweis erbracht, daß das eingesandte Material absolut geheimgehalten wird, ja daß bei einzelnen Jndustricen das ReichSamt des Innern nicht einmal die Namen der Absender, sondern nur die Ordnungsnummer des Fragebogens kennt, und daß schließlich das Material, das nur zur Kenntniß ganz weniger Beamten gelangt, nach Ver­wendung für die großen Zusammenstellungen unter Controle sofort vernichtet wird.

Da die Verdächtigung, daß das eingesandte Material dem einen ober anderen Industriezweige zum Nachtbeil gereichen könnte, nicht mehr durch­schlägt, so versucht man jetzt die gerade entgegen­gesetzte Verdächtigung,

der Wirthschaftliche Ausschuß will das gesammke Material geheimhalten, aber für feine Zwecke ver­arbeiten."

Das wagt man zu behanptkN, nachdem hn Reichs­tage und offiziell bei den verschiedensten Gelegenheiten in der Oeffentlichkett von amtlicher Stelle erklärt ist, daß das für die einzelnen G e s a m m t inbuftrien gesammelte Material im weitesten Umfange zur Ver­öffentlichung gelangen wirb!

Der beutschen Jnbufttie und besonders der Export» inbuftrie zu rathen, bie Reichs - Produktionsstatistik nicht zu unterstützen, heißt ihr einen selbstmörderischen Rath ertheileu. Gerade die Expottindnsttie hat das dringendste Interesse daran, daß ein klarer Nachweis darüber geführt werden kann, wie groß ihre Pro­duktion überhaupt ist, wieviel hiervon Deutschland selbst aufnehmen kann und wieviel demgemäß, um

(Nachdruck verboten.)

Wie es endete.

Roman von Maria Theresia May, Lrrf. deS preisgekrönten RomanSUnter der Königstanne."

(FortsetzxnL)

Mir freilich erschien sie gestern abweisend kalt und streng, so wie Du sein kannst, Tante und wie Großmama leider oft gewesen ist. Auch heute bewegte fte sich mit einer Art steinerner Ruhe in dem Zimmer der Großmama ..."

Hochmüthig und anmaßend ist sie, das habe ich vom ersten Augenblick an gesehen und gesagt, eine Emporkömmlingin, die ihre Stellung in unerhörter Weise mißbraucht!" unterbrach sie bie Sprecherin heftig. Ich bitte Dich, sprich mir nicht mehr von ihr. Der Tag, welcher diese Person zu Herberts Frau gemacht hat, war für mich der Sterbetag allen Glückes und häuslichen Friedens. Ich sagte eS, als sie kam und sage es noch heute: Ich wollte, Herbert wäre lieber gestorben, ehe er mir das angethan hat."

Tante, Tante! Du sündigst, so wie Großmama gesündigt hat. Sieb doch Deine Vornrtheile ans, versuche, die junge Frau mit freundlichen Augen zu betrachten, da Sie nun doch Deine Schwieger­tochter ist. Sie kann nicht hochmüthig und anmaßend sein; denn Klementine rühmte ihre Güte und spricht mit Begeisterung von ihr, ebenso Onkel Paul."

Die Gräfin zuckte verächtlich die Achseln.Mein Bruder stellt sich gut mit Herbert und ist schließlich ein Mann und alle Männer laffen sich durch Schön­heit bestechen. Klementine ist schwach und absolut nrtheilSlos. Doch fange ich an zu befürchten, daß diese Frau auch eine Intrigantin ist. Sie zeigt Hochmuth und Anmaßung mir gegenüber, weil sie

den betreffenden Berufszweig in seinem bisherigen Umfange zu erhalten, ausgeführt werden muß. Wenn also ein möglichst zutreffender Nachweis von dem Umfange der Produktion der einzelnen Industriezweige erbracht wird, so wird das nur dazu beitragen, ihre wirthschaftliche Bedeutung klarzustellen und fie dem­gemäß bei dem Abschluß von Handelsverträgen zu berückfichttgen, statt sie, wie dieSoff. Ztg." zu glauben scheint, zu benachtheiligen.Die Abwesenden haben stets Unrecht." Den Werth dieses Sprich­wortes würde auch die deutsche Industrie kennen lernen, wenn sic über ihren Umfang und ihre wirth­schaftliche Schwerkraft zu den Hanbelsverlrags- verhandlungen nicht den statistischen Nachweis erbracht haben würbe. Die wichtige probuktionsstatistische Arbeit, welche seinerzeit von den Organen aller Par­teien als ein wesentlicher Fortschritt in der Er­forschung unseres wirthschaftlichen Lebens begrüßt wurde, durch Erregung von Mißtrauen stören und hindern zu wollen, heißt untergeord­nete Eifersüchteleien über bas allge­meine Beste stellen unb bem beutschen Haube! sowie ber deutschen Industrie den denkbar schlechtesten Dienst erweisen.

Umschau.

In einigen Blättern wird es als fonbtrbar be­zeichnet, baß bie untere Organisation des Handwerks, auf welche sich die Handwerks­kammern aufbauen und aus der ihre Mitglieder hervorgehcn sollen, eine große Mannigfaltigkeit auf« weisen wird, nachdem angeblich die Zwangsinnung bei den Handwerkern nicht großen Anklang gefunden hat. Was die letztere Behauptung betrifft, so wird man zunächst den Ablauf der Fristen für die Um­bildung ber bestehenben Innungen abwarten muffen, ehe man zu einem einigermaßen zutreffenden Urtheile gelangen kann. Die Mannigfaltigkeit ber unteren Organisation des Handwerks aber ist nicht bloß vorausgesehen, die Gesetzgeber haben deren Erhaltung geradezu gewünscht. Eine gleichmäßige Organisation dieser Selbstverwaltnugskörper liegt auch garnicht im Sinne der Reichsverfassung und Reichsgewerbeord- nung. Die Reichsverfassuug hat nur die Gesetz­gebung und die Beauffichligung über den Gewerbe­betrieb dem Reiche übertragen, keineswegs ober für nothwendig gehalten, daß die Organisation des Hand­werks überall gleichmäßig fei. Der preußische Minister für Handel und Gewerbe, der im Reichs­tage die Handwerksorganisaiions Vorlage vertrat, hat sich hierüber ganz deutlich in ber Sitzung vom 1. April v. I. geäußert. Es fei, so führte er aus, ganz natürlich, baß die Organisation in ber unteren Instanz eine gleichmäßige ist; denn sie müsse sich anschließen an die örtlichen Verhältnisse und Bedürfniffe, wie sie

in den einzelnen kleinen Bezirken sich entwickelt haben und groß geworden find, an die Wünsche und Ge­wohnheiten unb Neigungen ber Handwerker, an die Institutionen, wie sie in Staat und Gemeinde existiren, an die verschiedene wirthschaftliche Ent­wickelung ber einzelnen Gebietstheile. Diese Ent­wickelung sei verschieden auf bem Laube unb in ber Stabt, in industriellen Revieren unb in ländlichen Distrikten, fie sei verschieden im Flachland und im Gebirge, kurz, die Verschiedenheiten seien in den Be­dürfnissen und Neigungen so groß, daß sich die Organisation, die Einrichtung in diesen Verbänden den besonderen Verhältnissen anschließen müsse, wie sie es in der Vergangenheit auch thatsächlich gethan hat. Denn wir hätten die nämliche Verschiedenheit auch jetzt zwischen den Fachinnungen und den Ge- fammtinnungen, den jetzt bestehenden freien Innungen unb ben Gewerkvereinen unb gewerblichen Orts­vereinen. Weßhalb sollte biefe Verschiedenheit nicht bestehen bleiben? Es fei doch ganz naturgemäß und verständig, daß man sie erhält. Nach diesen Steuerungen wird man wohl allseitig zugeben müssen, daß zur Kundgabe von Verwunderungen über die künftige Mannigfaltigkeit der unteren Organisation des Handwerks eine Veranlassung nicht vorlag.

Dr. A. Perl, Prediger an der wallonischen Gemeinde in Amsterdam, Vorsitzender ber General- synobe ber niederländischen reformirten Kirche, ver­öffentlicht im Amsterdamer Handelsblad als Beitrag zur Charakteristik des Fürsten Bismarck einige Erinnerungen an die Einverleibung des HerzogthumS Nassau, deren Wieder- aufftischung nicht ohne Interesse sein dürfte. Aus ihnen geht nämlich hervor, daß die Einverleibung des HerzogthumS Nassau gegen den Willen Bismarcks und auf ausdrückliches Verlangen des spätem Kaisers Wilhelm vor sich gegangen ift. Perl schreibt: In ber vom Regierungsrath H. Kanzel herausgegebeneu Schrift:Die Fahrt von Mitgliedern des 6omite8 für die Errichtung eines Bismarck-Denkmals in Wiesbaden, 26. April 1896" fand ich die volle Be­stätigung dieser Annahme. An dem genannten Tage wurde nämlich die Abordnung von Bismarck zum Frühstück eingeladen, wo sich die Unterhaltung bald um bie Einverleibung Nassaus drehte. Bismarck versicherte, daß er nur die angenehmsten Erinnerungen an Naflau unb die frühere Regierung deS Herzog- thums habe; schon als 21 jähriger Student habe er dort Eindrücke der freundlichsten Art erhalten, die ihm jetzt noch geblieben seien; nur der Gedanke an die Spielbank in Wiesbaden, der er damals und noch später als Gesandter beim Bundestage nahm er häufig an ben Hofjagden theil feinen Tribut entrichten mußte, mache davon eine Ausnahme. Der Herzog von Nassau sei gegen ihn stets außerordent­

lich freundlich und zuvorkommend gewesen, er habe ihn in Biebrich wiederholt besucht unb sich jedesmal ber ausgezeichnetsten Gastfreundschaft erfreut. Unb bann fuhr ber Fürst fort:Ich habe für den Herzog bei der Regelung unserer gegenseitigen Beziehungen im Jahre 1866 mein Möglichstes gethan unb habe ihm auch persönliche Dienste erwiesen. Aber bieses wurde mir in doppelter Hinsicht erschwert. Bei meinem alten Herrn bestand ein großer Widerwillen gegen das herzogliche Haus, ber von seinen Erinnerungen an ben Rheinbund sich batirt, unb überbieS hatte er biefen Widerwillen auch von seinem Vater geerbt. Das zweite Hinderniß wat die ungünstige Stimmung der Bevölkemng gegen den Herzog, der sie durch sein Jagdgesetz von sich entftemdet hatte. (In derThat hattederHftschimHerzog- thum Nassau mehr Recht als bei Bauer.) Die Bauern hatten sich sogar an ben König gewandt unb ihn gebeten, er möge nicht gestatten, daß fie wieber unter bie Regierung ihres Herzogs kämen. Ich konnte also zu seinen Gunsten nicht so viel thun, als ich mit Rücksicht auf das Wohlwollen, das er mir stets bewiesen, gern gethan haben würde. Dazu kam ober noch ein anderer Grund, der die Ver­nichtung der Selbstständigkeit Nassaus wünschenswerth erscheinen liefe. Nach 1866 konnten wir nicht wissen, ob wirnicht zum zweitenMale miiOesterreich in eineuKrieg verwickelt werden konnten. Bei der großen Vorliebe, die der Herzog für alles hatte, was österreichisch hiefe, wurde es für bedenklich gehalten, so dicht unter den Kanonen von Coblenz einen mit Oesterreich be­freundeten Staat zu haben. Mir hat es persönlich leib gethan, daß Nassau einverleibt wurde. Ich hielt es für ein Ideal, über ein kleines Fürstenthum mit Bädern, guten Weinen, guten Jagdgründen und herrlichen Ufern zu regieren. Es hätte ebenso gut bestehen bleiben können wie Braunschweig und andere kleine deuffche Staaten, aber ich habe schließlich der bessern Einficht meines Meisters nachgegeben."

DieFreisinnige Zeitung" beschäftigte sich kürzlich in einem Leitartikel mit den Aufgaben der in der Bildung begriffenen biologischen Abtheilung für Land- und F 0 r st w ir t h s ch af t beim Kaiserlichen Gesundheitsamt e. Nach­dem zunächst unter Erwähnung der bem Reichstage seiner Zeit vorgelegten Denkschrift Umfang und Be­deutung der Forschungen auf dem Gebiete des Pflanzenschutzes für die heimische Landwirthschast bar» gelegt sind, heißt es am Schlüsse:

Daß die Denkschrift Angesichts deS embarras de ric.hesse an dringlichen Aufgaben, die der neuen ReichS- anstalt naturgemäß im Jnteresie der heimischen Landwirth- schaft üufaHtn, auch noch die ganze Tropenwelt mit ihren viel reicheren nnd mannigfaltigeren Lebensformen in den Bereich ihrer Tbätigkeit zu ziehen für möglich erachtet, spricht nicht gerade für daS Verftändniß der verbündeten

klug genug ist sich zu sagen, daß fie mich niemals gewinnen wird; gegen Paul spielt sie liebenswürdige Koketterie aus, gegen Klementine ist sie die wohl­wollende, überlegene Beschützerin. Wehe ihr, wenn ich erfahre, daß mein Verdacht begründet ist und fie Siementine bei ihren Thorheiten unterstützt! Und der Dienerschaft gegenüber fließt sie über von Herab­lassung, dieselbe Frau, die hier wie eine Königin durch die Gemächer schreitet, stellt sich in den Schloß- Hof und schwatzt mit bem Koch!*

Wer weiß, wer Dir biefen Klatsch zugetragen hat, Hebe Tante," sagte das schöne Mädchen ernst. Ich höre aber leider auS jedem Deiner Worte, wie viel Hafe und Bstterkeft Du gegen Herbetts Fran hegst. Es ist Zest, daß Du ein lenkst. Sei gütig gegen fie, und Du wirst das Eis sofort schmelzen, Denke nur, wie sehr Du Herbett mit Deinem Ver­halten betrüben mußt." Das war der wunde Punkt, den Jngeborg unbewußt getroffen hatte.

Aber fie liebt ihn ja nicht, er ist unglücklich, ie ist ja auch gegen ihn so entsetzlich abweisend," rief die alte Gräfin etwas weniger heftig, während Thränen der Erbitterung und des Schmerzes ihr in die Augen traten.Gertrud behauptet, er habe sie betrogen, weil er unter dem Namen Kronau um fie warb, fie würbe keinen Attstokraten genommen haben. Nun spielt fie fich auf als die Unversöhnliche. Ist das erhött?"

Rhoden hat mir die Sache mitgetheilt," ent­gegnete^ Jngeborg nachdenklich;ich meinte aber, das wäre zwischen Herbert und seiner Frau längst ausgeglichen."

,Ach, Inge, wärst Du doch statt jener meine Schwiegertochter geworden. Mein Herzenswunsch wäre dadurch erfüllt gewesen, und wie glücklich wären wir alle mit einander geworden!"

Lebhaft enöthend sah Jngeborg die Gräfin an. Weißt Du, Tante, daß ich dem Schicksal sehr dankbar bin, daß Herbett mich nicht gewählt hat?! Gewiß, ich würde nicht nein gesagt haben, und wir hätten eine leidlich glückliche Ehe gesühtt, wie tausend andere; bester vielleicht, weil wir beide einander herzlich gut find. Aber die innere Befriedigung, das Aufgehen der Wesen in einander, das Einswerdeu der Seelen, das hätten wir doch immer vermißt, ohne vielleicht zu wisien, was uns fehlte, denn wir liebten uns nicht, das weife ich genau!"

Inge, Inge," rief die Gräfin fast erschrocken, Du liebst jetzt wen? wer ist es, wer?"

Jngeborg trat zu der Tante und küßte sie auf die Wange.Lothar von Rhoden," sagte sie leise. Bitte, mache mir keine Einwendungen," fügte fie rasch hinzu, als die Gräfin in höchster Ueberraschung etwas entgegnen wollte.Ich hätte gewiß in Eurem Sinne eine bessere Partie machen können; aber keine die mich mehr beglückt hätte; unb ba ich überdies die Gewißheit habe, daß ich auch ihn glücklich machen kann, so ists bei mir beschlossene Sache, daß ich feine Frau »erbe. Der Großmama habe ichs noch nicht gesagt, weil ich bei ihrem leibenben Zustande immer bie Aufregung für fie fürchtete. Ich wähnte ja, mich auf den heftigsten Widerspruch gefaßt machen zu wüsten. Run werde ich es ihr in den nächsten Tagen mittheilen, in ihrer jetzigen Gemüthsstimmung flieht fie bestimmt gleich ihre EinwMgung. Und Du, liebe Tante, sei so gut und edelmüthig, wie Du sein kannst; denke doch daran, daß Dein Wunsch doch wirklich in Erfüllung gegangen ist: Deine Schwiegertochter ist ja doch in Wahrheit auch die Enkelin der Gräfin Frankenlhurn unb nur das Kind der jüngeren Tochter!"

Die Gräfin entgegnete nichts mehr, fie drückte nur ihrer Richte krampfhaft die Hand und als diese bas Zimmer verlaffen hatte, ging die alte Dame zu dem schöugeschnitzten Betschemel, über dem ein kost­bares Elfenbeinkruzifix hing, und beugte, in tiefe Gedanken versunken, ihr Haupt auf das Putt. Lange blieb die Gräfin so mit ihrem Gott allein, unb als sie später die Ihren sahen, war es, als läge ein milder Schein über ihrem strengen Antlitz ausgebreitet, welcher dasselbe verschönte.

Seit vollen acht Tagen lag die Gräfin Frankeu- thurn schwer krank in dem prächtigen Gastzimmer des Schlosses Landskron und Gertrud durste fie nicht verlassen. Mtt ängstlichen, fast Häutigen Augen schaute die Kranke die junge Frau an, wenn diese, bem Wunsche nach einigen Minuten ungestörten Alleinseins nicht widerstehen konnte unb derselben sagte, daß HanSstauenpflichten, die ihr gewiß knapp zugemessen waren und wenn man das, was fie während dessen vornahm, als solche bezeichnen konnte, fie für kurze Zeit abriefen, unb ein Leuchten ber Freude erhellte da» abgezehtte Antlitz der Greisin, wenn Gertrud wieder erschien.

Acht Tage find eine kurze Spanne Zeit, und doch, was hatten fie an Gertrud gethan! Uv merklich hatte jede Minute an ihrem Starrsinn genagt, und unmerklich war ein Krümchen nach bem anbeten ab» gebröckelt von ihrem Stolze; sie wußte es selbst nicht, und doch wat es eine Thatsache, die äußerlich noch nicht an ihr zu merken wat; aber fie war da und unaufhaltsam arbeüete in ihrem Seelenleben ein etwas, das fie fich selbst nicht erklären konnte, das ihren Gedanken eine neue Richtung gab und sie ab unb zu erschreckt au ff obren unb fich fragen ließ: Bist Du noch Gertrud Meynttt, die Du warst?

(Fottsetzung folgt.)