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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

tocWbin Mai« al. 1»Jllustrirtes Sonntagsblatt. - -*»

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spalten. Zeil, oder deren Raum 1v Pfg.. Reklamen: di- Zeile 25 Pfg. MlttWoch, 17. AUgUst 1898. C. L. Daube &

Krankenkassen und Sozialdemokratie.

Durch die Novelle zum Krankenversicheruugs- Kesetze vom Jahre 1892 ist der Sckweipuukl der Arbeiter - Krankenversicherung in die Orts - Kranken­kassen gelegt worden. Auch für sie fand, wie für die freien Hilfskasien, das Prinzip der Selbstver- pmltung Annahme. Damit aber wurden die Orts- Krankenkassen, gleich den Gewerbegerichteu, den Ar­beiter-Ausschüssen und ähnlichen auf der Selbst- mwaltung der Arbeiter beruhenden Einrichtungen, alsbald auch zu einem Gegenstände sozialdemo­kratischer Machtgelüste. Die Sozialdemokraten suchten die Verwaltung in die Hände zu bekommen, und naturgemäß ist ihnen dies kraft ihrer terrorisirendrn Herrschaft über die großstädtischen Industriearbeiter- Massen auch io zahlreichen Fällen gelungen.

Den sozialdemokratischen Vorständen der Orts- Krankenkassen war »unmehr die Gelegenheit geboten, sich in der Rolle von Arbeitgebern und Leitern eines ausgedehnten Selbstverwaltungs-Körpers zu erweisen. Allein die Probe auf das Ex-mpel ist nicht gerade glänzend ausgefallen. Im Gegentheil find die Er­scheinungen, die das sozialdemokratische Regime ge- zeitigt hat, äußerst unerfreulicher Art. Wir haben hier im kleinen einen Vorgeschmack dessen, was die politische Herrschaft der Bebel und Singer im großen bedeuten würde. Rücksichtslose Ausbeutung der er­rungenen Machtstellung, Hintansetzung des Wohlfahrts­zwecks hinter politische Gesichtspunkte, Ungerechtigkeit, bevormundete Spionage, brutale Willkür und Härte das ist so eine kleine Blüthcnlese von Eigenschaften, die an der sozialdemokratischen Kassen - Verwaltung binnen kürzester Fritz zu Tage getreten sind.

Mit den Beamten der Olts-Krankenkassen wurde biher seitens der Vorstände oder General Versammlungen völlig nach Belieben verfahr en. Kaum war die Neu­wahl des Vorstandes im sozialdemokratischem Sinne erfolgt, so wurden die oft ein Lebensalter im Dienste der Kasse ihälig gewesenen Beamten einfach auf die Sttaße gesetzt, um Personen Platz zu machen, die sich durch agitatorische Thätigkeit im Interesse der Sozial- demokratte bemerkbar gemacht hatten. Gehörige Dienst-Verträge wurden nicht abgeschlossen. Von einer Angabe der Gründe für die Kündigung und angemessenen Kündigungsfrist« war keine Rede.

Diese Dinge veranlaßten den Verband der Kranken- kassen-Beamten, sich mehrfach mit der Bitte um Ab­hilfe an den preußischen Minister für Handel und Gewerbe zu wenden. Der Minister aber hat die Berechtigung der vorgetragenen Beschwerden anerkannt i«b in einer küzlich erlassenen Verfügung der sozial­demokratischen Willkür-Herrschaft Halt geboten. In dieser Verfügung wird von dem bisher üblichen Ver­fahren der Vorstände gesagt, eS bedrohe und schädige

(Nachdruck verboten.) Wie es endete.

Roman von Maria Theresia May, Berf. des preisgekrönten RomansUnter der Königstanne.'

(F-rtschnng.)

Die Gräfin hörte nicht die leise Ironie der Komteffe Preyern, sie war zu sehr von ihren eigene» Gedanken eingenommen.DaS glaubt man," sagte Üt wie zu sich selbst,und dann kommt der Sturm der Leidenschaft und wirst Grundsätze über den Haufen, ton denen men meint, ste müßten festwurzeln wie ^ndntjährige Eiche»! Nun also, was sagte die Großmama zu Herberts Vermählung?"

Nichts, kein Wort; fie schwieg so hartnäckig darüber, daß ich mehr als erstaunt war. Nur einmal fagte fie: ®r gibt ihr ja dm Ramm. In ihre» Briefen an Dich, Tante, hat fie gewiß auch niemals die Sache erwähnt?"

Niemals," bestätigte die alte Gräfin.

Bald nachdem das Rervmleide» zum Ausbruch Klomm« ist, f<md ich die Großmama zuweilen in toter sonderbar« Unruhe; fie wanderte dann durch rile Räume des Schlöffe«, und jetzt erinnere "h mich, daß fie wiederholt die Gallerte anfsuchte, to einst Tante CillaS Bild gehangen, und da« kleine oünmer, in dem die unglückliche Frau als Mädchen Kwohnt hat. DaS heißt wer weiß, ob fie un- Mcklich gewesen ift," unterbrach sich Jngeborg, -ton ihren späteren Schiksalm weiß ich gar nicht», toch Onkel Mittag konnte nicht» darüber sagen"

Als die Gräfin verstummt blieb, fuhr die Komteffe fori:Großmama beklagte sich »un immer häufiger toi Schlaflosigkeit; die Mittel der Aerzte halfen VtS nxr kurze Zett, uud die Kammerstau erzähtte,

nicht nur die Existenz von zahlreichen in den Geschäften der Kassen erfahrenen Personen, sondern entspreche auch nicht den Interessen der Kassen selbst, denen an der Erhaltung eines ordentlich vorgebildeten Personals uud eines gleichmäßigen Geschäftsganges gelegen sein müsse. Ferner wird die Forderung ordentlicher Dienst-Verttäge aufgestellt, in denen die Gründe der Kündigung und angemessene Kündigungsstiften fest­zusetzen feien.

Wie die Kafsenbeamten, so haben auch die Kassen­ärzte unter dem Willkür-Regiment der sozialdemo­statischen Vorstände schwer zu leiden. Noch ist der Barmer Aerzte-Ausstand in frischer Erinnerung. Selbst derVorwärts" sieht sich geuöthigt, die argen Verfehlungen seiner Parteigenoffen in diesem Falle zuzugeben.An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Die Früchte sozialdemokratischer Selbstverwaltung lehren uns, was wir von dem Zukuuftsstaate dieser Partei zu erwarten hätten.

Umschau.

Die KopenhagenerPolitiken" bringt aus der Hand des Dichters Karl G j e l l e r u p eine ausführliche Würdigung des Fürsten Bismarck. Aus dieser an sich feffeluden und durch ihre dänische Herkunft bedeutsamen Kundgebung sei das Nachstehende hier wiedergegeben:

Seit Goethe in Weimar entschlafen", schreibt Gj-llernp, ist eine solche Todekbotschast nicht durch Deutschland und von defien Grenren durch die Welt gegangen.......Die

Katastrophe in Friedrichsruh lenkt unwillkürlich die Gedanken auf einige Todesfälle früherer Zeiten. Als der große Friedrich, einsam, mit dem Buch in der Hand, in Sanssouci für immer seine großen seltsamen Augen schloß, da ging ein ähnliches Gefühl wie in diesen Tagen durch Deutschland und die Welt, und als Lurher sein Reformatorleben schloß, war -S gleichfalls eine Urkraft, die sich in das Unvekannte zurückzog, von wo alle Kraft stammt, in der Weltgeschichte unverlöschliche Spuren zurücklaffend. Liefe Todesfälle kamen mir in den Sinn, als ich hörte, Bismarck sei ge­storben, und daß eS keine zufällige »der willkürliche Ge­dankenverbindung war, zeigt sich auch darin, daß man in diesen Tagen überall in deutschen Blättern seinen Namen findet. Es konnte nicht anders sein: Luther, Friedrich der Große, Goethe und Bismarck das find die Männer, die so recht eigentlich Deutschland geschaffen haben. Was Friedrich den Großen betrifft, so ist die Be ührung zwischen ihm und Bismarck augenfällig: Des letzteren Werk war eine unmittelbare Fortsetzung des Werke« des großen Königs. Ebenso augenfällig ist der Unterschied in der äußeren Gestalt ausgeprägt. Aber so verschieden diese Gestalten find, so sind fie die beiden volksthümlichsten, die in Deutschland gelebt haben, und gleichzeilig diejenigen, die am weitesten in der übrigen Well bekannt wurden: der alte Fritz und der eiserne Kanzler. Typen für je ihr Jahr­hundert. Da», waS Bismarck von dem ftavzöstsch ge­bildeten, skeptifch - philosophirendeu König am schärfsten trennt, das durchweg kerndeutsche Wesen, ist gerade dasjenige, waS ibn so nahe mit Luther verwandt macht. Wenn eS unter Deutschlands Helden ein Baar siebt, das vor allen anderen deutsch ist von der äußeren Hülle bis zum innersten Mark, so find eS Luther und Bismarck. Luther war

laß Großmama ost mit einem Schrei Nachts ans ihrem Schlummer emporfahre und fmchlbar stöhne, als hätte fie Gespenster gefeh«. Seit Neujahr ieigerten sich die Gefichtsschmerzm der arme» Groß­mama ; aber fie wollte nichts davon hör«, »ach dem Süd« z» gehe» doch das habe ich Dtt ja alles [ geschrieben. Es wurde nun sehr schwer, mtt der Groß mama zu verkehren, fie ist von einer Reizbarkeit und Ungeduld, die ihrer ganzen Umgebung die größte Selbstbeherrschung auferlegen; zuweil« verfiuft fie ftunbmlong besondnerS wenn die Schmerz« sehr heftig onfgettet« find in eine entsetzliche Apathie, oder ste bekommt Weinkrämpfe. Dagegen war gar- nichis zu machen, wir mußt« fie mhig gewähr« lass«. Lor vier Tagen beschloß ste ganz plötzlich, hierher zu fahr«. Ich durste Dft nicht schreiben, fie wolle kein Borberettung«, fie fti hier zu Hause und sei ficher, Euch willkommen zu fein. Ob Herberts Frau aber ans Schloß Landkron fei, fragte Groß­mama wohl zehn Mal, auch während der Reise noch Ich kann mir nicht anders denken, als daß fie «nf irgendeine Weise erfahre» hat, wer die n«e Schloß- Herrin von LandSkr ou ist."

Keine Idee, Inge," fogie die alte Gräfin finster, ich habe in keinem meiner Briefe an Deine Großmama d« Familien, »amc» von Herberts Fran genannt und er hat eS ficher auch nicht gethan, dem» er war der einzige von unk, der wußte, daß feine Fran nÄtterlicherfettS mit der Gräfin Frankertthurn verwandt ist."

So hat Großmama seh« voll«, wie Herbert mit seiner Frau lebt, wie eine solcheMißheivath" in der Nähe ausfieht," meinte Jngeborg, die klugen Auge» fest auf dar «eficht der Tante gerichtet. Sie hat vielleicht geh«fft, sich vor sich selbst weg« ihrer Härte geg« die Tochter rechtfertig« zu tonn«.

Bismarcks mächtigster Vorarbeiter, denn er hat da« stärkste Einheitsmittel geschaffen, dasjenige, daS in den trostloieften Zeiten hielt: die deutsche Einheitssprache. BiSmarck ist der letzte große Meister dieser Sprache. Seine Reden und seine Briese gehören zu deren größten Monumenten und reichsten Fundgruben. Ein so urkräftiges Deutsch, wie dasjenige, das er spricht und schreibt, findet sich vielleicht bei keinem anderen als gerade bei Luther. Es strömt unmittelbar von dem reichen Gemüth, das beiden gemeinsam war und worin auch bereit starke Religiosität wurzelt. Bei Luther war diese selbstverständlich, sie war eins mtt seiner Lebens­aufgabe. Bei Bismarck bricht sie wohl hier und dort vor in öffentlichen Aussprüchen; aber nur diejenigen, die ihn aus seinen Briefen und intimen Auslaffungen kennen, wiffen, wie tief fie in seinem Wesen saß und welche Rolle fie in seinem Leben spielte".

Jrn weiteren Verlaufe seines Aufsatzes, in dem sich Gjellerup mit der religiösen Sette Bismarcks beschäftigt, erinnert er daran, daß, als man in der Nacht nach der Sedanschlacht in Bismarcks Zimmer in Doncheiy trat, das er in größter Unordnung ver­lass« hatte, um ungewaschen und in seinen schmutzig« Stiefeln Napoleon entgegenzureiten, dort auf dem Tisch am Bett ein Andachtsbuch,Die tägliche Er­quickung für Christ«", gelegen habe, und ein ähn­liches Buch lag auf dem Fußboden. Zum Schluß sagt Gjellerup:

Aber nicht bloß Deutschland ist bei der Botschaft aus Friedttchsruh erschüttert; die ganze Welt steht in diesen Tagen unter Bismarcks Zeichen. Wa» hat er für die Welt gethan? Wenn ein unparteiischer Richter, einer der größten historischen Denker und originellsten Schri tsteller des Jahr­hunderts, Thomas Carlyle, Recht hat, wenn er in seinem berühmten Briefe an dieTimes" es für die größte und zukunftsreichste Begebenheit seine» langen Lebens bezeichnet, daß dastiefe, fromme und ehrliche" Deutschland zu einem Ganzen zusammengeschmiedet wurde und an Stelle des prahlerischen, unruhigen und streitlustigen Frankreich" die Vorherrschaft erlangte viel, außerordentlich viel. Dem sei nun, wie ibm wolle. Ans jeden Fall ist Bismarck eine der Gestalten, von denen Ariost sagt:Die Natur bildete ihn und brach dann die Form entzwei. Sie wird nicht mehr gegoffen, diese Gestalt außer in Statuen."

In b« ersten Jahren nach Einführung der Unterstützungen der zu Friedens­übungen eingezogenen Mannschaften des Beurlaubtcnstondls hatte man zu dem Zwecke der Deckung der daraus «tstehendm Kosten in die Etats Summen eingestellt, welche sich für die Wirklich­keit beim Abschluß des betreffenden Finanzjahres als viel zu groß herausstellten. So wurde an dem be­treffenden Etatspost« im Jahre 1893/94 über eine Million und 1894/95 nahezu eine halbe Million und 1894/95 nahezu eine halbe Million Mark ge­spart. Bei der Berathung des Gesetzes hatte man die jährliche Ausgabe auf 2 Millionen Mark angc« nommin und danach bei den Ansätzen für den Etat verfahren. Als man die Erfahrung gemacht, daß in den ersten Jahr« noch nicht je eine Million für die Unterstützung« ansgegeben waren, ermäßigte man die Summe im Etat bedeutend, mußte jedoch bald

Den» gestern wußte ich auf einmal, daß die Groß­mama furchtbare Gewiffensqualm leidet. Nun kam der plötzliche Anblick der jungen Gräfin, die wahr- cheinlich Tante Cilla sehr ähnkich ist fie sieht ja aus, als wäre fie meine Schwester, und meine selige Mama hat mir oft erwähnt, wie merkwürdig es fei, daß ich nicht ihr, sondem ihrer Schwester gliche. So mußte bei dem Gemüthszustande Großmamas eine solche Erschütterung des ganzen Organismus ein­treten. Ich hoffe aber, daß fie keine übl« Folgen nach sich ziehen wird, sondem daß die Großmama, wenn fie Friede» mit ihrem Gewissen gemacht hab« wird, auch körperlich geheitt ist!"

Komtesse Preyem schwieg; fie wartete, daß die Tante eine Bemerkung mach« sollte; aber diese chaute wie verloren in den herrlichen Junimorgen hinan», der die Natur in die lachend«, lockend« Färb« kleidete. Da erhob sich Jngeborg.Ich möchte wieder zur Großmama geh«," erklärte fie, als die Gräfin ftagend den Kops toenbete.

Nein, bleib noch oder ist die Großmama allein?"

Jngeborg schüttelte d« Kopf:Gräfin Gertmd ist bei ihr, Großmama läßt fie nicht fort und wird un­ruhig, sobald die n«gcfunb«e Enkelin nur für Augen­blicke das Zimmer verläßt."

Hast Du tau Doktor gesprochen?"

Ja, er sagte, daß jede kleinste Anftegung ttmgftmS vermied« werd« müsse; doch daS ist ja elbstverständlich. Jeder nur ausführbare Wunsch btt, krank« müsse erfüllt werden. Doktor Kling ist übrigens schon fmt und kommt erst abend» zurück, nm wieder über die Nacht hierznbleib«. Die junge ftäfin hat er drtagmd gebet«, möglich viel bei

Großmama zu verweil», er sagte, fie fei bewunderungs­würdig als Krankenpflegerin."

erkennen, daß man auch nicht zu niedrig hätte greisen sollen. So genügte der Etatsansatz für 1895/96 nicht, bei dem Finalabschluß der ReichShauptkasse stellte fich eine Mehrausgabe heraus. Von da ab bemaß man die Ausgabe in den Etats auf nicht ganz l'/z Millionen, und auch beim Abschluß für 1897/98 hat sich gezeigt, daß man bei dieser Summe in Uebereinstilmnung mit bet Wirklichkeit steht. Es kann beßhalb als ficher angenommen werden, daß der Etatsposten zur Unterstützung der zu Friedens­übungen eingezogenen Mannschaften sich auch für daS Rechnungsjahr 1899 in gleicher Höhe bewegen wird.

Der jüngste Jahresbericht der Generalkommisfion über die sozialdemokratischen Gewerk­schaften läßt bedauerlicherweise eine weitere starke Zunahme dieser Organisationen erkenn«. Die Zahl der diesen Gewerkschaften angehörigen Mitglieder ist um über 25 pCt. und feit 5 Jahr« um 80 pCi. gestiegen. Allerdings stellen die etwas mehr als 400 000 Mitglieder dieser sozialdemokratischen Ge­nossenschaften noch immer erst einen verhältnißmäßig kleinen Bruchtheil der Gesammtzahl der industtiell« Arbetter dar, immerhin aber muß, angesichts der nahen Verbindung dieser Gewerkschaften und angesichts ihrer Kooperation auch auf politischem Gebiete, dieses Anschwellen der Gewerkschaften Anlaß zu ernster Ans« merlfamteit und ernsten Bedenken geben; und zwar um so mehr, als auch die Mittheilungen über die finanziellen Verhältnisse der Gewerkschaften erkennen laffen, daß sie fich in erster Linie als Kampforgani­sationen bettachten. Unter den 31!i Millionen Mark Ausgaben, welche die Gewerkschaften im Jahre 1897 gemacht haben, nahmen die Streikunterstützungen weitaus die erste Stelle ein: nicht weniger als über ein Fünftel der ganzen Summe, 748 000 Mark, wurden für diesen Zweck verwendet, während beispiels­weise für die Krankenunterstützung nur 454 000 Mk., für die Jnvalidenunierstützung gar nur 68000 Mk. abgefallen sind. Man wird angesichts dieser Thal- fache den Kassenbestand von 3 Millionen Mk., welche die Gewerkschaften angesammelt haben, wohl als Kriegs« kaffe für zukünftige wirthschaftliche und politische Kämpfe bettachten können und darin eine Mahnung erblicken, die jetzige» günstigen Verhältniffe der Industrie zu benutzen, um sich finanziell auch auf der Seite des Unternehmeithums mtsprechend zu wappnen. Charak­teristisch ist endlich, namentlich gegenüber den sozial­demokratischen Beschwerden über all zu große Kosten der Vermattung der Reichs-Arbetterversicherungs Ein« lichtungen, die Thatsache, daß nahezu 10 pCt. der gesammteu Ausgab« der Gewerkschaften auf Ver­waltungskosten entfallen. Dieser Prozentsatz erscheint um so höher, als es sich hier nicht, wie bei der Organisation der Unfalls- und Jnvalidenverfichemng, um Berwattungseinrichtung« handelt, welche auf starke»

Die Gräfin-Mutter lachtt kurz und schneidend auf. Ich wäre sehr erstaunt, wwn Doktor Kling das nicht gesagt hätte; Alles was Herberts Frau thut und sagt, findet alle Well, besonders die männliche bewunderungswürdig! Natürlich, ich bin die alle Fran, die keinen Einfluß, keine Macht mehr hat, um die man sich nicht zu tümmera braucht. Sie ist die junge Sonne, die Schloßherrta, der alle» zu Füßen falle» möchte, wen» ste mtt der Mime einer Königin erscheint!" Die Gräfin hatte sich erhob« und schritt erregt auf und ab.

Du bist »och sehr gereizt, Tante, daS thut mir leid," sagte Jngeborg nach einer kleinen Pause.Ich habe gehofft, Dich ta versöhnlicher Stimmung zu finden; denn auch mir scheint die junge Gräfin be­wunderungswürdig. Niemand würde verrnnth«, daß fie nicht unfern Kreis« angehört; die Sicherheit, mtt der fie fich bewegt, ist erstaunlich. Baron Rhoden hat von ihrer Schönheit so geschwärmt, daß ich berefts lächeln mußte und eS für die häufig in seinem Leben auftretende lleberschwänglichkett hiell. Al» ste aber geftern ins Zimmer trat, wurde es mir auf ba erst« Blick klar, daß er nicht übertrieben hat. DaS Hingt jetzt sehr unbescheiden, well ich vorhin gesagt habe, wie ähnlich mir die junge Gräfin ist. Aber abgesehen davon, daß sehr gut eine häßliche Person einer schön« ähnlich sein kann, Halle ich die Schön- heü für ein so zufälliges Geschmk der Natur, daß ich nicht begreife, warum man sein« Besitz nicht zugestehm darf. Ich bin ehrlich g«ug, zu sag«, daß ich schön bin; aber Gerttud Landskron ist viel schöner. W«n jemals die Natur etwas BollbimmemS geschaffen hat, so ist eS Herbert» Frau, lieber ihren Geist und ihr Herz kann ich auS eigner Erfahrung nicht ur- theilm.

(Fortsetzung folgt)