33. Jahrg.
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fpaltene Zeile oder deren Raum lo^fg^ieklamen: die Zeile 25 Pfg. DlUlNlllg, 14. ^lUgUsl 1898.
Die Jugendlichen
Die sociald-mokratische »Sächsische Arbeiter-Ztg." ist über das neue sächsische Vereinsgesetz, daS den Minderjährige« die Theilnahme an politischen Ver- Mmlungen verbietet, ganz aus dem Häuschen. Das erscheint nur zu begreiflich. Die politischen Versammlungen bildeten von jeher die Schulen, in denen die unreife Jugend für die Sozialdemokratie erzogen, in denen der Haß gegen Christenthum, Fürst und Vaterland systematisch gezüchtet wurde. Nebenbei mären es auch stets die „Jugendlichen", die bei ih-em verhältnißmäßig hohen Verdienst, und da sie für eine Familie nicht zu sorgen haben, in der Regel zu Künsten des Partei-Säckels am tiefsten in die Tasche griffen.
Man verficht daher, daß die Besorgniß über die Abnahme des Nachwuchses und der Einnahmen das sozialdemokratische Blatt zu folgenden Ergüssen veranlaßt :
„Euch ist ein werthvolles Recht entrisse»; euch, die ihr reif seid, die Reichthüm-r des Bürgerthums zu häufen, euch, die ihr reif seid, das Vaterland zu vertheidigen, euch erklärt dieses Bürgerthum für unreif, über die Noth des Vaterlandes zu be- rathen l An euch ist es jetzt, eure politische Reife zu bekunden. Beweist jenen erbärmlichen Schleichern, daß man wohl euch ein formelles Recht nehmen, daß man aber nicht den modernen Menschen in euch tödteu kann. Man verschließt euch die politische Versammlung, nun wohl, tagtäglich habt ihr Gelegenheit, Polstik zu treiben, tief ernste Politik. Dort wo ihr im Schweiße eures Angesichts schanzt, in der Fabrik, am Schraubstock, an der Hobelbank, an der Maschine, dort wird die Politik der Zukunft gemacht, die Politik des Proletariats — dort ist euer Wirkungsfcld. Rings um euch her, die ihr den Gedanken des weltbefreienden Socialikmus erfaßt habt, arbeiten Hunderte, denen ihr ihn vermitteln sollt. Mit dem heiligen Feuer der Jugend dringt vor, breitet Licht aus, seid die Fackelträger! Man will euch das Licht versperren. Eitles Bemühen, ihr habt hundertfache Gelegenheit, es euch zu holen. Drum drauf und dran! Zeigt dem absterbenden Holze, was jugendlicher Enthusiasmus vermag. Und weiter: Die politische Versammlung bleibt euch fortan verschlossen, nicht aber die gewerkschaftliche. Euch, die ihr durch harte Arbeit euer Brod verdienen müßt, kann man nicht abhaltcn, eure Stimme zu erheben, wenn es gilt, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Indem ihr Euch mit aller eurer jugendlichen Energie in die gewerkschaftlichen Berathuugen und Kämpfe stürzt, habt ihr ein weites Felo nicht direkt politischer, aber öffentlicher Thätigkeit offen, ein Feld, auf dem ihr eure Straft erproben könnt!"
(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia May, *tf. des preisgekrönten Romans „Unter der Königstanne."
(Forts «taug.)
„O doch," sagte in diesem Augenblicke die Stimme Herberts, der unbemerkt die Treppe hinaufgekomme» ®er. „Ich sah den Wagen kommen und vermuthete, -aß es Besuch sein würde, weshalb ich sofort umkehrte, is ist doch Besuch, nicht wahr Franz?"
Der Diener verneigte sich zustimmend.
„Und warum wolltest Du die Gäste, die auf Schloß ^wdskron kommen, nicht empfangen? Es ist doch selbstverständlich, daß sie sich dessen Herrin vorstellen, und das Gastrecht wahrt, wie es ihr zukommt. Ah, H sehe, Du warst im Ausgehen begriffen; nun, da ®irjt Du jetzt Dein Vorhaben aufgeben müssen. Franz, wigtln Sie der Kammerzofe, damst sie der Gräfin kirn Umkleiden hilft."
Gertrud war bei Herberts Erscheinen entsetzt Wien Schritt zurückgewichen, Leichenblässe bedeckte ihr ?eficht, waS Herbert unter dem dichten Schleier, den sich entgegen ihrer Gewohnheit vorgebundcn hatte, bemerken konnte. Sollte fie ihr Vorhaben ber» ^elt sehen? Gewiß nicht, konnte fie nicht ungesehen Khe», so geschah es dann offen und frei, niemand We fie daran hindern. Und doch vermochte fie ^ven Schritt vorwärts zu thun, es war ihr, als ihr Wille gelähmt wäre, beeinflußt durch Herbert, in genau derselben bestimmenden Weise vor ihr Mid, wie damals in Taormina, keinen Widerlich duldend.
Inzwischen war auch die Kammerzofe erschienen; lgsam wandte sich Gertrud um und ging in ihr Ankleidezimmer zurück, während Herbert dem Diener
Schön! Wenn nun aber ein Arbeitgeber einen „Jugendlichen", der in der Werkstätte oder Fabrik seine unreifen Reden losläßt, kurzer Hand vor die Thür setzt und der Zukunstspoliftker keine Arbeit mehr findet, wird ihn die „Sächsische Arbeiterztg." oder die sozialdemokratische Parteikasse dann ernähren? Bis jetzt ist dies nicht geschehen. Arbefter, die infolge ihrer agitatorischen Thätigkeü ihr Brod verloren, ließ die Partei regelmäßig im Stich, fie dursten nur zahlen, so lange fie etwas hatten, an die Parteikrippe aber nicht herantreten.
Wenn das Dresdener Sozialdemokratenblatt endlich die Minderjährigen mahnt, hinfort in den gewerk- schastlichen Versammlungen ihre Stimmen zu erheben, so meinen wir, daß die älter» und erfahrenen Arbeiter sich von unreifen Jungen nicht werden meister» lassen. Lehrlinge und kaum ausgelernte Gesellen, die »och gar nicht selbständig zu arbeiten verstehen, vermögen nichts Vernünftiges durchzusetzeu, selbst wenn sie noch so laut schreie», die Arbeitgeber aber köu»te» sich »ur fteuen, wenn in de» Gewerkschaften die Unreifen zu ausschlaggebendem Einflüsse gelangten, es würde daun in kurzer Zeit eine Spaltung ein» treten, in deren Folge die gesammte Arbeiterbewegung auf Jahre hinaus gelähmt würde.
Umschau.
Das Organ des Bundes d er Landwirthe erörtert die Stellung des neuen ersten Bundes- Voisitzenden Herrn Frhrn. von Wangenheim in einem längeren Artikel und resumirt sich schließlich wie folgt: „Wft gewinnen so von dem neuen Bundesvorsitzenden das Bild eines maßvollen Realpolitikers »euerer agrarischer Schule. Herr von Wangenheim erblickt in den formalpolitischen, verfassungsrechtlichen Fragen Dinge, welche hinter de» großen modernen Problemen wftthschaftlicher Natur ganz erheblich an Bedeutung int politischen Leben zurückzutreten haben; für ihn bilden Land- wirthschaft und nationaler Markt die Grundlage für den Aufbau des staatlichen V o l k s w i r t h s ch af tS k örp ers, dabei sollen Industrie, Landwirth- schäft und Handel politischHand in Hand arbeite»; er erwartet allein von den großen wirthschaftliche» Jnteresienverbänden die Durchführung der Gesundung unserer vielfach im Argen liegenden Verhältnisse und sieht, in Erinnerung an das prächtige Bismarckwort: „La recherche de la fraction est interdite“ in den bestehenden Parteien nur das Mittel zur Verwirklichung der von den nationalen Jnteresienverbänden zu inaugurireuden Wirthschaftspolitik. Frh. v. W a n g e n h e i m ist kein agrarischer „Stürmer und Dränger", außer der Gabe großer persönlicher
winkte, ihm zu folgen, um ihm beim Umkleiden ,u helfen.
Nach kurzer Zeü stand Herbert wieder im Vorzimmer seiner Frau mit Bewunderung die verschiedene» Gegenstände betrachtend, die, wie in der Eile aus der Hand gelegt, hier und dort umherlagen, was sonst niemals der Fall war. Langsam bettat er Gertruds Boudoir und blickte sich auch hier nm. Die Ordnung auf dem Schreibtisch, sonst stets musterhaft, war gestört, eS sah auch hier anS, als wenn die Besitzerin deflelben in großer Eile gewesen wäre.
Herber! schüttelte den Kopf. Was hatte sich während seiner kurzen Abwesenheit hier zugetragen? WaS war mit Gertrud geschehen, deren sonderbares Wese» ihm sofort ausgefallen war? Die Eigenart ihres Wesens halle ihn, als er seine Frau mit dem Diener vor ihren Zimmer» stehen sah und ihre Antwort auf die Bestellung des Dieners hörte, veranlaßt, eigentlich unbeabfiichtigt einen Ton anzuschlagen und eine Hallung anzunehmen, die eine so starke, von ihm unbemerkte Wftkung anSäbte, die durchaus garnicht in feiner Absicht liegen konnte. Wohin wollte fie eigentlich gehen, als der Diener die Bestellung seiner Mutter ausrichtete? Erst jetzt fiel ihm ihre Kleidung von vorhin auf; das sah ja gerade anS, als ob sie beabfichttgt hätte, eine Reife oder einen wetten Weg zu machen! — und ohne ihm etwas davon vorher gesagt zu haben?
Gedankenvoll schritt er im Zimmer auf und ab und ließ feine Blicke umherschweifen, bis fie auf einem geschlossenen Briefe haften blieben, der auf einem kleinen, seitwärts stehenden Tische lag.
Ebe» wollte er darauf zugehen, als sich die Thür zum Ankleidezimmer seiner Fran öffnete, und Gerttud über die Schwelle trat
Liebenswürdigkeit hört man ihm nachrühmen die, für feine difficile Stellung nicht gering anzuschlagende Eigenschaft, mtt feinem Takte versöhnen und Gegensätze überbrücken zu können. Der Bund der Landwirthe begrüßt Herrn v. Wangenheim beim Beginn seiner neuen Laufbahn aus freudigstem Herze», ihm nicht nur im eigenen Interesse eine erfolggekrönte Thätigkeit wünschend. Die von Herrn von Wangenheim bei der Annahme feiner Wahl gesprochenen Worte von der „unentwegten Verfolgung des alten Kursus" berechtigen u»8 zu der begründetste» Hoffnung, daß es im „Bunde der Landwirthe" heiße» wird jetzt und allezeit: „Wir bleiben die Alten!"
Die Abrechnung, die von der sozialdemokratischen Partei allmonatlich über die eingegangenen Parteibeträge veröffentlicht wird, wird in der Presse der bürgerlichen Parteien viel glosfirt. Die „Magdeburgische Zeitung" bemerkt dazu: „Man verfehlt nicht, die Opferwilligkeit der Genosien den bürgerlichen Parteien als Muster vorzuhalten. Dabei wird jedoch Mancherlei übersehen. Zunächst der wichtige Punkt, daß der Haupttheil der Einnahmen der Parteikasie der Sozialdemokratie nicht aus den Beiträgen der Genosien, sondern aus dem Gewinuüberschuß der Parteiunternehmungen oder Kapitalzinsen zufließt, wie z. B. aus dem Geschäftsgewinn des Centralorgans in Berlin oder aus dem Gewinn der Hamburger VerlagSanstalt, auf die wohl die großen Summen von 18000 Mk., 15 000 Mk. usw. zurückzuführen find. Daß daneben noch eine ganz anständige Summe verbleibt, die von den einzelnen Genossen aufgebracht wird, soll nicht bestritten werden und auch nicht deren Opferwilligkeit im Allgemeinen. Wenn Bebel und Singer beispielsweise sich jährlich zu 600 Mk. Parteisteuern eingeschätzt haben, so könnte sich das mancher Anhänger der bürgerlichen Parteien zum Vorbild nehmen. Aber der Kreis der Orte, ans denen Parteibeittäge kommen, bleibt ttotz der dringenden Mahnungen der sozialdemokratischen Parteiführer und -Presse ein kleiner, wir zählen in der neuesten Liste 45 Städte, darunter sogar noch einige Städte des Auslandes, wie London und Bern. Die Liste ist auch nicht gewachsen in dem Maße, wie die Partei selbst gewachsen ist und Verbreitung gefunden hat. Es sind heute noch ungefähr dieselben Orte, wie vor zehn Jahre». Auch die Betheiligung der Orte ist höchst ungleich geblieben. Stteicht man die großen Städte, und unter diese» wieder Berlin und Hamburg, so bleiben für die übrigen nur ganz geringe Parteibeittäge übrig. Ohne die Arbeiterschaft der Großstädte müßte die Sozialdemottatie bald ben Bankerott erklären. Es ist daher begreiflich, daß man in sozialdemokratischen Kreisen besonders peinlich von der
Die wunderbare Schönheit der jungen Frau schien von Tag zu Tag eine» »tue# Zauber zu gewinne», der durch ben Ernst, der jetzt auf ihrer Sttrn lag, nur noch mehr gehoben würbe. Verschwunden waren seine Gedanke» von vorhin, und ein Blick heißer Zärtlichkeit streifte ihre Gestatt, der aber wirkungslos an ihr vorüberprallte.
Herbert nahm ihren Arm und folgte dem draußen harrenden Diener. Er sagte ihr nicht, wie entzückend ihr dar einfache weiße Kleid von feinem Wollenstoff stand, das um die biegsame Taille von einem breiten Seidenbande zusammengehalten wurde. Im Gürtel steckte ein kleiner Strauß weiße» Flieders, ben bie Kammerzofe boxt befestigt hatte. Aber Herbert wußte, daß es auf Erbe» gewiß »ur wenige Frauen gab, bie an königlichem Liebreiz ber jungen Gräfin Landskron gleichkamen.
„Wer ist denn da?' fragte Herbert noch rasch und leise ben Diener, welcher eben die Thür zum Salon öffnete.
„Frau Gräfin Frankenthur»mtt Komtesse Preyer»," war bie geflüsterte Antwort.
Gerttud hörte de» Name» nicht mehr. Sie hatte Herbert losgelasse», und war bereits einen Schritt vorgetreten, fie sah und fühlte daher nicht, wie Herbert zusammenzuckte; doch er konnte nicht mehr zurück, es war zu spät. Gertrud ging unvorbereitet einem neuen Kampf entgegen, ber Tag war erschrecken!, heiß ur fie.
Herbert hatte den Arm seiner Fran wieder ergriffen und schritt ziemlich rasch bis zu dem Erker, in welchem vier Damen in lebhaftem Gespräch saßen, >as beim Eintritt des Paares verstummte. Zwei der Damen, eS waren 3$gehörg Preyern und Klementine, erhöbe» sich, u»d die erstere schien Herberts Fran entgegengehen zu wollen; doch sie blieb wie gebannt
Wahrnehmung berührt ist, daß in ben Großß übten bie roerbenbe Kraft der Sozialdemokratie auf gehört hat oder sich schwächer äußert, als man angenommen hatte".
Die englische Diplomatie hat in C h i n a gegen Rußland eine gewaltige Niederlage erlitte». Der „Times" wurde aus Peking vom 11. d. M. gemeldet: Der belgische Gesandte machte am Mittwoch dem Tsungliyamen bie Mittheilung, baß ber russische unb französische Gesandte gemeinsam mit ihm bas Tsungliyamen bringend ersuchte», eS möge den Versuch deS britischen Gesandten, bie Ratifikation beS Vertrages über bie Peking-Hankau-Bahn zu hintertreiben, unbeachtet lassen. In Peking wurde dann am 12. August durch Kaiserlichen Erlaß die belgische Anleihe für den Ban der Peking-Hankau-Bah» ungeachteet der Einsprüche des britischen Gesandten endgültig genehmigt. Es ist dies gerade noch vor Vertagung ber Parla- m ents- Session passirt, bei welcher eS gestern in ber verlesenen Thronrede hieß: „Meine Beziehungen zu den anderen Mächten sind fortdaueud freundliche. Mtt tiefster Bekümmerniß habe ich die Feindseligkeiten zwischen Spanien und den Ber. Staaten wahrgenommen, zwei Nattone», mit welchen mein Reich durch viele Bande der Zuneigung unb ber Ueberliefeiung verdunben ist. Die vor Kurzem eröffneten Verhanblungen geben guten Grund zu ber Hoffnung, baß biefer beklagenSwerthe Kampf rasch burch ben Abschluß eines ehrenvollen, bauerhaften Friebcns zu Ende gebracht werde. Die Veränderungen, welche in dem territorialen Beziehungen anderer Mächte zu dem chinesischen Reiche stattgefunden haben, veranlaßte» mich, Vereinbarungen abzuschließen, nach welchen der Hafen Weihaiwei und gewisse an meine Kolonie Hongkong anstoßende Octtlich- teiten mir von dem Kaiser von China verpachtet wurde». Ich hoffe, daß diese Vereinbarungen zu “ber Aufrechterhaltung feiner Unabhängigkeit und der Sicherheit seines Reiches führen unb ber Entwicklung eines ausgedehnten Handels zwischen den Völkern Großbritanniens und Chinas förderlich sein werden." Die Thronrede erwähnt alsdann die Räumung Thessaliens in Gemäßheit der von England, Rußland und Frankreich geleisteten Garantie für die griechische Kriegsentschädigungsanleihe und bespricht die mit Frankreich abgeschlossene Uebereinfunft, betreffend West- afrifa, durch welche die strittigen Fragen über bie territorialen unb HanbelSrechte enbgiltig beigelegt werben. So lange bie Ratifikation durch die französischen Kammern noch ausstehe, seien die Beamten beider Regierungen angewiesen worden, ihre Okkupationsthättgkeit auf diejenigen Plätze unb Gebiete zu beschränken, welche nach der Uebereinfunft
stehen, da fie einen Blick auf bas Antlitz ber jungen Gräfin geworfen hatte. Nie glaubte Jngeborg, etwas Schöneres, aber nie auch etwas Kälteres, Unnahbareres gesehen zu habe». Sie ahnte ja nicht, daß die arme Gerttud innere Qualen ausstand, wenn fie fich ihrer Schwiegermutter gegenüber befand, und welcher Kampf, welche seelische Erschütterung ihr der heutige Tag gebracht hatte; fie würde eS sonst begreiflich gefunden haben, daß die Mienen GerttudS den Hauch eifiger Kälte anuahwen, da diese nicht geigen wollte, wie schwer fie litt, welche Uebertoinhung es fie kostete, der Frau gegenüber zu stehn, die ihr vor ganz kurzer Zett die größte Schmach zngefügt hatte. Und noch sollte der Tag nicht enden, ohne daß wiederum neuer. Ungeahntes auf fie einftürmte.
„Jngeborg, liebe Inge, ist baS eine Überraschung?" rief Herbett nnb drückte herzlich die Hand ber schönen jungen Dame, bie neben Klementine stand. Sein Ton klang fröhlich; aber es lag doch nicht die volle Unbefangenheit darin, die Jngeborg an ihm gewöhnt war, unb forschend sah fie ihn an. Aber schon trat er zu ihrer Großmutter, der Gräfin Frankenthurn, einer alten, gebrochene», von einer Nervenkrankheit heimgesuchte» Frau, die fast zusammen- gelanert im Fauteuil saß, küßte ihre Hand und hieß fie willkommen. Die Hand feiner Frau festhaltend, bie er nicht aus der feinen gelassen hatte, sagte er mit einer Stimme, der man die mühsam beherrschte Aufregung anhöne: „Erlaube, liebe Tante, daß ich Dir meine Frau vorstelle. — Liebe Gertrud, die Dame ist eine Verwandte unb treue Freundin meiner Mutter Gräfin Frankenthurn."
GerttudS Antlitz verlor bei den ersten Motten ihres Mannes etwas von seiner Starrheit, ja ein liebenswürdiges Lächeln ber Begrüßung spielte um ihre Lippen. Die alte Dame sah so unbeschreiblich