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"-lten. Zeile oder deren Raum 10 Pfg., R°N°mm^die Zeile 25 Pfg. Mittwoch, 10. AUgllst 1898.
Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.
•Oetown: Markt 21. — LüWhon^SS. 6 Jllustrirtes Sonntagsblatt. ^«»»tworttich für die Redickttmr: Redakteur M. Hartmaua ht Marburg.
____ _____________________v xcDOttton: Markt 21. — Telephon 55.
Staat und Kreditbedürsniß.
Die besten Wuchergesetze nützen nicht, wenn sich sicht der abwehrenden und strafenden Thätigkeit gleichzeitig positive Maßnahmen zur Befriedigung des Kreditbedürfnisses hinzugesellen. Dieser Einsicht ist die Gründung der preußischen Centtalgenossenschafts- Kafse zu. danken. Ihr vor kurzem erstatteter Jahresbericht für das dritte Geschäftsjahr bietet in jeder Hwsicht ein Bild erfreulicher Entwickelung dar.
Trotzdem wollen die Angriffe der linksstehenden Parteien gegen die Centralgenossenschafts ■ Kasse nicht verstummen. Man streitet ihr schlankweg jede Daseins- Berechtigung ab. Von freisinniger Seite wird behauptet, daß es nur an den Laudwirthen gelegen habe, wenn sie nicht schon längst durch Anschluß an die Schultze-Delitzsch'scheu Kredit-Genossenschaften ihr Kreditbedürfniß zu befriedigen in der Lage waren. Derartige Urtheile aber sind so unzutreffend wie nur möglich; sie verkennen vollständig die Verschiedenartigkeit des Kreditbedürfnisses in den einzelnen Berufsständen und erscheinen im letzten Grunde nur d8 ein Ausfluß manchesterlicher Abneigung gegen jedwede helfende und fürsorgende Staatsthätigkeit.
Kein verständiger Volkswirth wird die Bedeutung nnb dm Werth der Schultze-Delitzsch'schen Genossenschaften verkleinern wollen. Dieselben haben für den städtischen, Mittelstand unstreitig eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Wer das verkennen wollte, Bnibe sich mit den Thatsachen in Widerspruch setzen. Ebenso unzweideutig sprechen aber anderseits die Thatsachen auch dafür, daß die Kreditbedürfnisse der Lalibwirthschaft durch die Schultze-Delitzsch'schen Genossenschaften nicht befriedigt weiden. Die Personal- kredit-Verhäliniffe sind nämlich in Stadt und Land verschieden, und dcßhalb müssen auch die Kreditbedingungen verschieden sein. Es kam darauf an, ein Institut zu schaffen, das sich in seiner Geschästs- gebahrung den besonderen Verhältnissen der Land- Mrthschaft anpaßte. Hier lag eine empfindliche Lücke tor, und sie ausgefüllt zu haben, ist eben das Verdienst der Central-Genossenschaftskasse.
Hieran vermag auch bei Umstand nichts zu ändern, Mi zahlreiche Landwirthe bereits Mitglieder der Schultze-Delitzsch'schen Kassen sind. Ihre Zahl will gegenüber der Gesammtsumme der deutschen Land Kirche und auch gegenüber der Zahl derjenigen, welche Kredit bedürfen, wenig besagen. Die Existenz der Raiffcisen'schen Genossenschaften ist schon allein ein vollgültiger Beweis dafür, daß sich das Bedürfniß neuen, abgeänderten Kredit - Instituten für die «andwirthschaft im Laufe der Zeit mehr und mehr Stltenb machte. Aber auch die Raiffeisen'scheu Kassen genügten auf die Dauer dem sich infolge der Noth- hge der Landwirthschäft immer mehr steigernden
ländlichen Kreditbedürfnisse nicht. Immer klarer stellte sich daher die Nothwevdigkeit heraus, eine umfassende Bank-Einrichtung zu schaffen, die in der Hauptsache der Befrüdigrlng des ländlichen Personalkredit-Bedürfnisses dient.
Angesichts dieser natürlichen, von den Dingen selber vorgezeichneten Entwickelung erscheinen demnach die Anfeindungen der Central - Genossenschafts - Kasse durchaus unverständlich. Dieselbe entspricht ebenso einem Bedürfnisse wie seinerzeit und noch jetzt di» Schultze-Delitzsch'schen Kaffen. Für das Allgemeinwohl aber würde es am besten sein, wenn die verschiedenen Kasim, jede mit den ihr eigenen Mitteln und auf dem ihr zugehörigen Felde, einträchtig nebeneinander wirken wollten.
Umschau.
Der Präsident des Senats zu Hamburg Dr. Lehmann sandte am 6. August folgendes Telegramm an den Kaiser nach Wilhelms- höhe: .Senat und Bürgerschaft von Hamburg, die heute zum Trauergottesdienst für den Heimgegangenen Fürsten Bismarck versammelt sind, bezeugen Eurer Majestät in unwandelbar tiefer Treue ihre innigste Theilnahme beim Ableben des ersten großen Kanzlers des deutschen Reiches". Auf dieses Telegramm traf folgende Antwort des Kaisers ein: .Der Ausdruck Ihrer Theilnahme beim Ableben des großen Kanzlers erfüllt mein erschüttertes Herz mit besonderem Danke! An der Spitze der deutschen Nation empfinde ich vor Allem die Bedeutung des Heimganges unseres großen Nationalhelden! Möchte die gewaltige Bewegung, in welche sein Tod die Deutschen der ganzen Welt versetzt bat, Zeugniß geben dafür, daß das deutsche Volk einig ist wie Ein Mann in Dank- iarkeit gegen den Verewigten und einig ist in dem esten Willen, das Andenken des großen Bismarck zu ehren durch rückhaltlose Hingabe an den nationalen Gedanken für Kaiser und Reich. Wilh elm. LR." — Der Bundesrath hat an den Fürsten Herbert Bismarck folgende Beileids- Adresse gesandt: „Der Bundesrath kann es sich nicht versagen. Eurer Durchlaucht feinen tiefgefühlten Schmerz über das Hinscheiden des großen und heldenhaften ersten Kanzlers des geeinigten Vaterlandes auszusprechen. Die zwei Jahrzehnte, die er an unserer Spitze gewirkt hat, sind unvergängliche Mark- teine geworden für Deutschlands Größe und Wohlahr t. Sein Geist war so mächtig, daß er in Deutschland noch nach Jahrhunderten fortwirken wird, und tets wird sein Name gefeiert werden als der höchste Inbegriff für treue Vaterlandsliebe und völkerlenkende Staatskunst. Ihm ist darum der ewige Dank des Bundesraths sowie der des ganze» deutschen Volkes gesichert".
Der Bund der Landwirthe hat doch in seiner gestrige» Ausschuß sitzung im Reichstagsgebäude die Wahl des ersten Vorsitzenden vorgenommen. Die „Deutsche Tageszig." berichtet über den Verlauf: Dr. Roesicke theilte mit, daß durch Vermittelung des Sekretärs der „Steuer- und Wirthschaftsreformer" eine Anzahl „Kreuzzeitungen" im Versammlungszimmer zur Vertheilung gebracht worden sei, die ben Antrag des Gra sen Mirbach, die Wahl eines ersten Vorsitzenden bis zum Spätherbst auszusetzen, enthalten. Dr. Roesicke bemerkte gleichzeitig, daß dieser Antrag bisher weder bei ihm persönlich, noch in dem Bureau des Bundes der Landwirthe eingegangen sei. Der Ausschuß beschloß einstimmig, den Antrag des Grafen Mirbach als nicht vorliegend zu betrachten, und ging über denselben zur Tagesordnung über. Hierauf übergab Herr Dr. Roesicke den Vorsitz Herrn Lucke. Herr Lucke stellte zunächst aus den Satzungen die stimmberechtigten Mitglieder ftst. Es wurde die Wahl durch Akklamation beschlossen und in dieser einstimmig Herr Dr. Roesicke zum ersten Vorsitzenden gewählt. Da Herr Dr. Roesicke die Wahl nicht annahm, wurde wiederum durch Zuruf und einstimmig Frhr. von Wangenheim zum ersten Vorsitzenden gewählt. Herr v. Wangenheim nahm die Wahl an. Des Ferneren wurde beschlossen: „Der Ausschuß stellt es dem Vorstände anheim, in der nächsten Ausschußfitzung eine Vorlage zu machen, welche das Verhältniß der beiden Voi sitzenden zu einander in der Richtung der Gleichstellung ihrer Befugnisse in entsprechender Weise regelt."
Daß die Sozialdemokraten, wo immer sie als Arbeitgeber auftreten, genau das thun, was sonst von sozialdemokratischer Seite den Unternehmern als Profitwuth ausgelegt wird, ist längst bekannt. Vielleicht aber ist niemals der Unterschied zwischen Wort und Thal bei den sozialdemokratischen Unternehmern so deutlich hervorgetreten, als in dem jetzt durch Eingreifen der Aufsichtsbehörde beigelegten Streit zwischen dem sozialdemokratischen Vorstände der Ortskrankenkasse und den Kassenärzte» in Barme». Der Kaffeavorstand hatte die Aerzte nöthigen wollen, die Medizin für die Kranken selbst zu verabreichen, um so die Apotheker zu zwingen, der Krankenkasse günstigere Bedingungen zu stellen, und als die Aerzte dieses, völlig außerhalb ihres Kontraktes liegende Ansinnen ablehnten, ihnen zum 1. Juli gekündigt, obwohl, wie der Vorstand selbst anerkennen mußte, die Kündigung erst am 1. Juni zum 1. Oktober ausgesprochen werden durfte. Die Aerzte drehten dann verständiger Weise den Spieß um, »ahmen die vorzeitige Kündigung an und erklärten, am 1. Juli ihren Dienst einzustellen, wenn ihnen
nicht ein neuer Kontrakt unter bestimmte», von ihnen formulirten Bedingungen gewährt würde. Die Bedingungen waren: die Erhöhung des Honorars von 2,75 Mark auf 3 Mark auf den Kopf der Kassenmitglieder, 3 jährige Dauer des Kontraktes, und endlich Vorlegung her von dem Kasienvorstande angeblich wegen Arzneiverschwendung bemängelten Rezepte an einen Aerzteausschuß, bevor eine Rüge an den betreffenden Kassenarzt ertheilt würde. Die Erhöhung des Honorars ist angesichts der guten Verhältnisse der Barmer Krankenkasse, welche im letzten Jahre an der Sage war, bei 26 Wochen Krankenzeit noch 24 000 Mark mehr in den Reservefonds abzuführen, als gesetzlich vorgeschrieben ist, allseitig als billig anerkannt, und was die Forderung der Aerzte anlangte, daß bei Streitigkeiten über Rezepte zunächst der Aerzteausschuß angerufen werden soll, so ist das nichts Anderes, als was die Sozialdemokraten von den Arbeitgebern den Arbeitnehmern gegenüber stets verlangen, nämlich daß bei Streitigkeiten zwischen den Arbeitgebern und einzelnen Arbeitern zunächst ein Arbeiterausschuß angerufen werde» soll. Trotzdem lehnte die von ben Sozialdemokraten beherrschte Generalversammlung der Ortskrankenkasse jene» Vertrag mit den Aerzte» ab, und c8 bedurfte, nachdem diese infolge dessen ihre Praxis bei der Krankenkasse eingestellt hatte», des Eingreifens der Aufsichtsbehörde, um die Ortskrankenkasse zur Erfüllung der von den Aerzten gestellten Bedingungen zu veranlassen. Hier sieht man also, so führt die „Post" treffendst aus, die sozialdemokratischen Arbeitgeber an der Arbeit, die die Rolle der Arbeitnehmer spielenden Aerzte zunächst durch kontraktwidrige Kündigung zwingen zu wollen, in einer ganz außerhalb ihres Vertragsverhältnisses liegenden Weise Partei in dem Streite der Kasse mit den Apothekern zu nehmen und dann von den Aerzten gestellte Bedingungen, welche durchaus den von den Sozialdemokraten für die Arbeiter gestellten Forderungen entsprechen, unter der Begründung zu verwerfen, daß dadurch die Aerzte eine Art von Mitherrschaft über die Ortskrankenkasse gewinnen würden. Es ist klar, daß der sozialdemo
kratischen Presse dieser Vorfall äußerst unbequem ist, und sie versucht daher, ihn als die Verfehlung Einzelner, welche nicht der gejammten Sozialdemokratie zur Last falle, barzustellen. Aber es wirb ihr nicht gelingen, bie die Barmer Ortskrankasse beherrschenden Sozialdemokraten von den Rockschößen der Partei abzuschütteln, denn der Barmer Vorgang steht nicht isolirt da, sondern ist nur ein neues, freilich sehr bedeutsames Glied in der Kette von Beweisen, daß bie Sozialbemokraten als Arbeitgeber ungescheut Alles das thun, was sie sonst ben Unternehmern als Verbrechen anrechnen.
aß er deßhalb einen weniger gebildeten Geist, ein weniger rroßmüthiges und edles Herz? — Ihr Gewissen ragte so, und ihr Trotz antwortete: „Er hat mich betrogen."
Der in vielfachen Krümmungen zu einem schönen Aussichtspunkte führende Parkweg wurde schmaler, mächtige Baumkronen überwölbten ihn, und das grüne Dämmerlicht, das hier herrschte, that der jungen t rau wohl. Wie nur sollte sich die Zukunft gestalten? 5 Sie sollte sich der Konflikt in ihrem Innern lösen?
jfeen ist nur der Kopf verdreht durch die schöne» "»Sen der Dame." Fräulein Josephine konnte sich Nt entschließen, der jungen Gräfin den ihr ge- N"nden Titel zu geben. „In der steckt keine ?™»»g von aristokratischem Wese», eine Gräfin stellt ? doch nicht in die Küchenthür und schwatzt mit Koch!" sagte sie giftig, war aber mit dem )^L«terthee verschwunden, ehe ihr Dupont eine der £&tn Antworten geben konnte, die er für sie in ^titschast hatte.
(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia May, H des preisgekrönten Romans „Unter der Königstanne."
(Fortsetzung.)
, Der Dame steckt die Aristokratie im Blute, je ®y connais, moi! Ich war schon in vielen Estokratische» Häusern in Stellung."
Friederike als ein Engel an Weichheit erschien? Und war der Aufenthalt in dem prächtigen Grafen- schlosse, war das wappengeschmückte Silber, von dem Gertrud speiste, war das Heer der Diener, das sie umgab, nicht ein Hohn auf die Grundsätze, welche ihr Vater ihr eingeflößt hatte? Gertrud litt unsäglich unter diesen widerstreitenden Gefühlen, und doch sah sie keine Versöhnung, keine» Ausweg auS dieser Roth. ES fiel ihr nicht ein, daß sie ihre schroffe Ansichten mildem, ihre Voruriheile daran geben könnte: denn die echte Frauenliebe, welche alleS giebt nnb alles verzieht, welche selbst die Fehler deS geliebten Mannes mitliebt, war in ihrem Herzen noch nicht aufgegangen, und so verschloß sich ihr Sinn immer mehr und mehr gegen Herbert, nnb sic hielt sich für schwer gekränkt. Und wie leicht hätte sie allen ihren Drangsalen ein Ende machen können, wie hätte» sich dann auch alle Wege ihrer Schwiegermutter gegenüber geebnet, — sie hätte nur ihre Arme ausbreiten nnb Herbert an ihr Herz zu rufen nöthig ge-
Gertrud schritt langsam und sinnend durch die «en des Parkes, an ben blühenden Hecken vor- \ und athmete mit vollen Zügen den wonnige» des Flieders, den würzigen Hauch, der de» ^•Scn Triebe» der prachtvollen hundertjährigen "tTcrn und Lärchen entströmte.
j. »Auf ben Namen kommt eS ja nicht an, wenn Sache nur gut ist," hatte sie soeben zu Dupont
? harmloser Freundlichkeit gesagt; aber kaum hatte » r» Ende gesprochen, als sich die junge Frau mit P'troffenbeit bewußt wurde, welche Bedeutung dieser j Spruch für sie hatte. Sie verzieh ihrem Gatte» daß er Graf Landskro» war I Aber war er r” als solcher ein weniger tadelloser Charakter, be=
»Ich war mein Lebenlang nur bei einer Herrschaft,
Dupont," versetzte die Kammerfrau; aber was War's möglich, ein ganzes Menschenleben in herber ist, verstehe ich darum besser als Sie. i Unversöhnlichkeit an der Seite eines Mannes zu . h— !ri “ ■r - 1 --- verbringen, den sie doch, trotz seines Vergehens gegen
sie, schätzen mußte? War sie vemrtheilt, Tag für Tag' den Gehässigkeiten der alten Dame ausgesetzt zu fein, im Vergleich zu der die kühle, strenge Tante
habt, und wie durch einen Zauber hätte sich bann ihr ganzes Lebe» geändert. Aber Gertrud sollte erst noch manchen Kampf zu bestehen haben, ehe bie Liebe zu ihrem Manne durch ihre Erfahrungen diese» Grad der Innigkeit erreichte.
Nach kurzer Promenade in der tiefen Einsamkeit, welche sie umgab, hörte Gertrud ein leises Geräusch, ein Flüstern, dann ein Klirren wie von Metall. Nach wenigen Schritten befand sich die junge Frau vor dem Eingang einer künstlichen Grotte, einem der vielen Ruheplätze der Parkes und einem so überraschenden Bilde gegenüber, daß sie sprachlos stehen blieb. Hier saß die schüchterne, stille Klementine und hatte beide Arme um ben Hals eines stattlichen Offiziers geschlungen, und er beugte sich über sie nnb küßte ihr blondes Haupt. Eines Kommentars bedurfte eS zu dieser Gruppe nicht.
Gertrud wollte sofort zurücktreten; aber sobald ihre Gestatt den Grotteneingang verdunkelte, fuhr Klementine mit einem Schreckenslaut auf und Gertrud erkennend, warf sie sich, in krampfhaftes Schluchzen ausbrechend, an die Brust ihrer Schwägerin. „O, Liebste I" rief sie flehend, „verrathe uns nicht!"
Einen Augenblick war Gertrud fast ebenso verlegen, wie der junge Offizier, der sich eben zum dritten Male verbeugte und „Gnädigste Frau Gräfin!" stotterte.
Gertrud mußte lächeln und gab damit dem jungen Jägerlieutenant, der kein anderer war als der junge Narveldt, seine Haltung einigermaßen zurück. Er küßte respektvoll die Hand der Gräfin, die ben Offizier schon vor längerer Zeit kennen gelernt hatte. „Frau Gräfin," bat er, „richten Sie nicht nach den strengen Vorurtheilen des Standes, dem Sie jetzt augehören. Ich habe vielleicht ein großes Unrecht begangen, indem ich der Schwester des Grafen Landskron, des Brot
herrn meines Vaters, gestand, daß ich sie liebe. Ich hätte meine Neigung beherrschen sollen, aber — ich könnte jetzt kaum darüber Rechenschaft geben, wie eS kam, daß wir plötzlich beide wußten, wie es um unsere Herzen stand. Und Sie, Frau Gräfin, werde» uns gewiß beistehen. Sie begreifen die Rechte des Herzens, die älter sind und heiliger, als alle gesellschaftlichen Institutionen, nnb ich will ja nichts als den Besitz meiner geliebten Klementine allein, nicht ihr Wappen, das sie gern oblegen will, um mir zu gehören, und nicht ihr Geld. Wenn es fein mutz, quittire ich ben Dienst unb suche trgenbeine Civilstellung."
Da hob Klementine den Kopf, hocheiröthet mit feuchtschimwerden Augen sah sie die Schwägerin an: „Nein Gertrud, seinen Beruf soll er mir nicht opfern," rief fie, „er hängt zu sehr an demselben; aber er besitzt nicht soviel Vermögen, als die Kaution beträgt. Wir müssen warten, bis ich großjährig bin, vielleicht giebt fie uns bann Herbert von meinem Erbtheil. Du bittest ihn für mich, Gertrud, nicht wahr, Du btttest für wich, und Du wirft unser Schutz sein!"
Eine Wolke zog über die Stirn Gertruds; fie dachte an ihre arme Mutter, bie so wie Klementine auf ihre Großjährigkeit hatte warten müssen und bann »och verstoßen worben war. Als sie aber bie Blicke der beiden jungen Menschen so flehend auf sich ge» richtet sah mit einem wahrhaft rührenden Blicke des Zutrauens, da lächelte fie doch wieder: „Ich soll also für Euch bie gute Fee spielen?" sagte sie. „Nun ich weiß nicht, ob mir diese Rolle sehr zusagen wird, fie hat doch auch ihre bedenklichen unb ernsten Seiten. Mir imponiren Staudesrückfichten allerdings nicht, daraus mache ich kein Hehl, nnb wenn Sie einander lieb haben, so weiß ich für meine Person nicht, warum Sie einander nicht heiratheu sollen. Ob