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Wöchentliche Beilagen: Krcisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
3oh. lug. Koch, UnivrrfitLtS-Buchdruckerki in Marburg. «erantworttich für bk Redaktion: Redakteur M. Hartmann in Marburg
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Dienstag, 9. August 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieser Blatter, die Annoncen- Burcaux von Haasenftein & Vogler, Frankfurt a. M., Caffel, Magd«» bürg, Wien: Rudolf Moste, Frankfutt a. M., Berlin, München, Köln; L. L. Daube & Lo., Frankfutt m M., Bettin, Hannover, Paris re.
33. Jahrg.
Die Emser Depesche.
Zu de» Schmähungen, mit welchen Fürst Bismarck noch nach seinem Tode von sozialdemokratischer wie ftan- zöstscher Seite überhäuft worden ist, hat natürlich auch das bekannte Märchen von der Fälschung der Emser Depesche wieder ausgiebigen Stoff liefern müssen. Bismarck soll durch diese „verbrecherische That", wie man sich auszudrücken beliebt, de» Kriegs- ttand zwffchen Frankreich und Deutschland leicht- fettig entfesselt haben.
Da es leider immer noch Leute giebt, die sich durch solche im Tone unfehlbarer Gewißheit vorgetragenen Märchen blenden lassen, so dürfte eine kurze Richtigstellung wohl am Platze sein. Dankbar ist anzuerkennen, daß von freisinniger Seite auch in diesem Punkte der Wahrheit die Ehre gegeben wird. So ist beispielsweise die „Vossische Zeitung" erst jüngsthin in schlagender Ausführung allen Versuchen, aus der Legende der Emser D.peschen - Fälschung Kapital wider den tobten Reichskanzler zu schlagen, mit Entschiedenheit entgegengetreten.
Kaiser Napoleon war lange vor 1870 bereits zum Kriege mit Deutschland fest und unwiderruflich entschlossen; er betrieb aufs eiftigste die Rüstungen zu diesem Kriege und bemühte sich angelegentlich, Bundesgenossen zu werben. Darüber liegen unwiderlegliche Aktenstücke vor, und auch von unbefangenen französische» Darstellern jener Epoche ist die Richtigkeit dieser Thatsachen mehrfach anerkannt vorde». Der Krieg mußte komme», weil er für die Franzosen beschlossene Sache war.
Bismarcks genialem Scharfblicke entgingen die feindlichen Pläne des Nachbars nicht. Er sah die Unvermeidlichkeit des heraufziehenden Kriegsgewitters voraus, und seine glühende Vaterlandsliebe veranlaßte ihn naturgemäß, auf ein Msttel zu sinnen, daß Deutschland von der Entladung des Wetters in einem möglichst günstigen Momente gettoffen wurde. Zu diesem Zwecke schrieb er die Emser Depesche. So wie er handelte, würde und müßte jeder Patriot von gleicher Einsicht gehandelt haben. Fürst Bismarck «füllte, als er die Emser Depesche verfaßte, im Namen und Jnteresfe des ganzen Volkes eine Pflicht nationaler Selbsterhaltung. So und nicht anders stellt sich dem gerechten Urtheil jene Thatsache dar.
Der Inhalt der Depesche enthielt an sich nichts, was nothwendig den Krieg herbeiführen mußte. Aber in Frankreich drängte die Stimmung zum Kriege. Man suchte längst begierig nach einem Vorwande, um sofort loszuschlagcn. Die Emser Depesche lieferte ihn. Frankreich stürzte sich, wie Bismarck vorausgesehen hatte, ohne genügende Rüstungen und ohne Bündniß in den Krieg.
(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia May, Berf. des preisgekrönten Romans „Unter der Königstanne."
(Fortsetznng.)
„In welcher Weise würde mich daS berühren?" fragte Gerttud.
„Die Frau eines Staatsmannes, der eine Rolle spielt, hat manche Verantwortung und Sorge," warf bie Gräfin-Mutter ein. „Sie habe» natürlich wenig Begriff von solchen Dingen."
„Warum meinen Sie, daß ich kein Verftändniß dafür haben sollte?' entgegnete Gerttud ruhig. „Mau verlangt doch von jeder Frau wehr oder weniger Sin» und Interesse für die Thättgkeit ihre» Mannes."
„Ich dachte, da Sie stets auf dem Laude gelebt habe», würden Sie wenig mit der Außenwelt in Berührung gekommen sein"
„DaS Leben auf dem Lande bedingt aber doch dohl keine geistige Beschränkung," versetzte Gerttud lächelnd.
„Ich weiß er nicht," bemerkte die Gräfin-Mutter. „Ich bin bisher der Ansicht gewesen."
„Da ist Ihre Ansicht nicht ganz richtig," erwidertt Berttud in gleichmäßig ruhigem Tone, dem aber doch ein wenig Ironie beigemischt war. „Der Kreis, to dem ich mich bewegte, war allerdings ein eng- begrenzter ; das hinderte mich aber nicht, über die Grenze» hinauSzublicke» und mich mit Fragen zu beschäftigen, die eigentlich nicht an mich herauttateu."
Die Gräfin-Mutter erhob sich indignirt, damit bas Zeichen gebend, daß die Tafel beendet sei. Sie fand es unerttäglich, daß diese Frau mit einem solchem
Die Emser Depesche berichtet von den Verhandlungen zwischen König Wilhelm und Benedetti. Wäre der Verlauf der Verhandlungen falsch dargestellt worden, so hätte sicherlich wenigstens einer der beiden Männer dagegen Einspruch erhoben. Das ist jedoch keinesfalls geschehen. Mit Recht bemerkt daher die „Vossische Zeitung": „Wie man jene Depesche eine Fälschung nennen kann, ist nicht abzu- sehen. Es wurde in dieser Depesche manches verschwiegen, was der König seinem erste» Minister vertraulich geschrieben halte, aber verständiger weise wird kein Mensch verlangen, daß der Verkehr zwischen König und Minister in gefahrdrohenden Zeiten sich im Lichte der Oeffeutlichkest vollziehen solle."
Im übrigen erscheint es unverständlich, warum gerade die Sozialdemokratie als angebliche Vertreterin der Arbeiter-Interessen die Thatsache des 1870er Krieges so sehr verabscheut, daß sie seinen vermeintlichen Urheber nicht scharf genug zu brandmarken vermag. Kein Berufsstand verdankt der Schöpfung dieses Krieges, dem neugeeinte» Reiche mehr, als gerade die städtische Industrie Arbeiterschaft. Der reiche, ungeahnte Aufschwung unserer industriellen ErwerbS- thätigkeit datirt erst seit dem Frankfurter Friedensschlüsse her. Tie Sozialdemottatie beweist auch in diesem Falle wieder, daß sie die geschichtliche» Thatsachen nicht richtig zu würdigen vermag und daß sie vor allem das nicht ist, war sie zu sein stets vor- giebt — eine rechte und wahre Arbeiterpartei.
Umschau.
Die „Times", welche, nach einer Meldung des „B. T.", für den Artikel von Moritz Busch 15 000 Mark gezahlt haben soll, preist das warmherzige Verhalten des Kaisers beim Tode Bismarcks. „Er hat nicht unterlaffen," sagt das Cityblatt, „was er im Namen des Deutschen Reiches seinem größten Diener an Ehrungen gewähren konnte, wie er nichts unterlassen hat, was seinen persönlichen Schmerz zum Ausdruck bringen konnte, ©eine Bemühungen, den Fürsten zu ehren, find weder warm von der Bismarckschen Familie unterstützt noch freundlich aufgenommen worden! im Gegentheil: selbst wenn wir der Heiligkeit des Schmerzes jener Rechnung tragen, so gestehen wir, daß es nicht geringer Großmuth seitens des Deutschen Kaisers bedurfte, um in ungetrübtem Gleichmuthe gegenüber der offenbaren Feindseligkeit zu beharren. Welche Differenzen auch immer zwischen dem Kanzler und dem Kaiser, von dem er sich trennte, bestanden haben, sie hätte» bei dieser feierlichen Gelegenheit von der einen wie von der anderen Seite gänzlich vergessen werden müssen, der Kaiser hat sich daran erinnert, daß er Namens des demschen Volkes an der Bahre des Fürsten stand. Aber es scheint, daß die Familie eS kaum verstanden
Selvstbewußtsein die Unterhaltung jführte und auf jede Bemerkung eine tteffende Antwort hatte.
Herbert und Graf Körting verließen das Zimmer; Herbert mit sehr ernstem Gesichtsausdruck. Sollte der Kampf der beiden Frauen beständig währen? Er hoffte, daß Gerttuds sinniges Gemüth mit der Zeit doch zum Durchbruch kommen und schließlich auch die Mmter versöhnen würde. Er hob daher de» Kopf und seine Brust weitete sich, als er draußen auf der Veranda stand und die lachende Flur, den prangenden Frühling vor sich auSgebreittt liege» sah.
Klementine, welche sah, wie erregt ihre Mutter war, hatte inzwischen im anstoßenden Zimmer einen Stuhl in der Fensternische zurechtgerückt, ehren Tisch zur Seite gestellt und die neuangekommene» Zett- schriste» darauf gelegt. Die Gräfin pflegte nach Tisch die Zeitungen und Journale zu durchblättern. Auch heute nahm sie dieselbe» zur Hand; doch ihre Augen wanderten immer wieder zu Gertrud hinüber.
Gertrud fühtte sich vollständig als Herri» der Situativ» und war durchaus unbefangen; aber um keinen Preis hätte sie immer hier leben und einen steten Kampf führen möge». Sie war an einen Seitentisch getreten und fing an, in den Photoraphie- Aldums zu blätter». Sie fand ein Bild von Herbett als zehnjähriger Knabe und bettachtete es.
Klemeuttne, die eben vorbeiging, sagte: „DaS Bild war sehr ähnlich, gjtama findet, eS sei das beste von seine» Kinderbildern."
AIS die Gräfin die Bemerkung hörte, trat fie auch heran, und wie ihr Gertrud die Photographie reichte, zucktt eS schmerzlich um ihre Mundwinkel.
„Ja," sagte sie, „so sah Herbett als Kind aus. Er war em sehr hübscher Junge, und ich war stolz auf ihn!"
hat, daß sie nicht nur den Deutschen Kaiser, sondern die deutsche Nation sich gegenüber hatte. Es ist bedauerlich, daß die einzige schrille Note bei de» Vorgängen der letzten Tage von den nächsten Verwandten des Mannes angeschlagen wurde, den Deutschland be- trauett und ehrt."
Herr Graf M i r b a ch - S o rquitten, welcher voraussichtlich an der Ausschußfitzung des Bundes der Landwirthe im Reichstagsgebäude am heutigen Montage nicht lheilnehmen kann, hat dem Ausschüsse dennachstehenden Antrag nebst Begründung unterbreitet: „Der Ausschuß wolle beschließen, die Neuwahl eines ersten Vorsitzenden bis zum Spätherbst d. I. a u s z u - setzen." — Begründung: In unserem deutschen Vaterlande wird seitens einer überaus einflußreichen weitverzweigten Preffe die Landwiithschaft systematisch bekämpft, obwohl deren schwierige Lage nicht bestritten werden kann. Wo beispielsweise die Interessen des Auslandes mit denen unserer heimischen Landwitth- schaft konkurriren, da steht dieser sehr große Theil unserer Presse stets auf Setten des Auslandes. In keinem anderen Lande ist etwas AehulicheS zu verzeichnen. Nur ein ungewöhnlicher Mangel an selbstständigem Urtheil in weiten Kreisen des großen Publikums macht die Minirarbett jener Preffe gegen die heimische Landwirthschaft möglich und lohnend. Es muß aber fettens der deutschen Landwirthe mit jener nicht zu unterschätzenden Macht und ihrer Bundesgenoffenschaft sehr ernst gerechnet werden. Deßhalb ist in Deutschland ein starker Bund der Landwirthe eine Nothwendigkeit. Die Landwirthe Deutschlands sind zu einem besonderen Zusammenschluß gezwungen. In Frantteich, wo der politische Standpunkt der Stellungnahme zu nationalen und witthschaftlichen Frage» nicht präjudizirt, kann die Landwirthschaft die Verttetung ihrer Jntereffen fast allen politischen Patteie» überlasten. Die Sonderstellung des großen deutschen Bundes der Landwirthe ergiebt aber mannigfache und bedeutsame Schwierigkeiten für dessen Leiiung. Den Bund der Laudwirthe in den richtigen Bahnen zu erhalten, ist eine Aufgabe, welche viel Tast erfordert und die erfolgreich nur von einem Vorsitzenden gelöst werden kann, der ein großes Vertrauen bei den maßgebenden politischen Parteien besitzt. Zunächst bei den konservativen Parteien, aus deren Reihen die agrare Bewegung hervorging, welche über die ganz überwiegende Mehrheit der Träger der agraren Wirthschaftspolitik gebieten; dann aber auch bei einem bedeuffamen Theil der Nationallibcraleu im westlichen und südlichen Deutschland, und nicht minder bei den konservativen Kreisen des Zentrums. Wenn die gegenwärtigen Leiter des Zentrums in ihrer linksliberalen Presse stets eine dem „Bunde der Landwirthe" feindliche Stellung ein«
„Sind Sie e8 denn jetzt nicht mehr?" fragte Gerttud.
Die alte Dame schüttelte den Kopf.
„Nein, ich habe mich sehr in ihm getäuscht. Seine Leidenschaft fürs Zeichnen und Malen hat nie meinen Beifall gehabt; aber seine Heirath, verzeihen Sie meine Offenheit, ist mir ei» bitterer Kummer."
„Da« thnt mir sehr leid," erwiderte Gettrud förmlich."
„Damit ist nur nichts gut gemacht," fuhr die Gräfin fort. „Er ist das Haupt einer alten Familie und hat Verpflichtungen gegen fie. Ich habe persönlich nichts gegen Sie cinzuwevde»; aber die Heirath meines Sohne» ist mir eine große Enttäuschung."
Gettrud wurde dunkelroth, und ein feindseliges Feuer leuchtete in ihren Augen.
Wenn es schon Ihre Meinung ist, so zweifle ich, ob es taktvoll ist, fie mir gegenüber zu äußern," sagte fie.
„Da bin ich ganz anderer Ansicht," entgegnete die Gräfin. „Ich halte e» sogar für meine Pflicht, Ihnen mein Mißfallen auSzusprcche»; denn ich finde daß Sie Unrecht thate», meinen Sohn zn heirathcn.
„DaS Unrecht Ihres Sohnes ist viel größer," erwiderte Gerttud stolz und verließ mit der Miene einer beleidigten Königin daS Zimmer.
In ihrem Zimmer angelangt, stund fie eine ganze Weile am Fenster und blickte in die blühende Landschaft hinaus. Mit ihren zarten Händen hatte sie daS Fenstertteuz umfaßt, den Kopf leicht angelernt. Dann richtete sie sich auf und warf den Kopf in die Höhe, als wollte fie von fich abschütteln, waS fie bedrückte.
Darauf schritt fie die schmale Wendeltreppe hinab, welche von ihrem Zimmer direkt in den Schloß- 1 Hof fühtte. In der Thür der Schloßküche stand der
nehmen, so standen und stehen fie damit durchaus nickt in Uebereinftimmung mit großen Kreisen unserer katholischen Berufsgenossen, die genau ebenso enffchieden für unsere Landwirthschaft, für ba8 Erhalten von Haus und Hof in der angestammten Familie, gleichviel ob bäuerlich oder adelig, einzutreten gewillt sind, wie die Angehörigen der evangelischen Kirche. Die Wahl des erste» Vorsitzenden des Bundes der Landwirthe wird für das Schicksal entscheidend sein. Ueberstürzen wir diese Entscheidung nicht, geben wtt den berufenen Kreisen aus allen Theile» Deutschlands Zeit, um zu den Personen, welche dabei in Frage kommen können, Stellung zu nehmen. Die Betheiligung des Bundes der Landwirthe an den Wahlen zum preußischen Abgeordnetenhause kann ohne Schwierigkeit von dem beseitigen Vorstände geleitet werden.
Wie der „Vorwärts" mittheilt, hat Stactts- fefretär Tirpitz in diesen Tagen an die Kaiserliche Werftdirektion zu Kiel einen Erlaß gerichtet, in welchem er die Behörde auf die auffallende Höhe der bei der letzten Reichstagswahl in der nächsten Umgebung der Werst abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen aufmerksam macht. Der Staatssekretär kann sich diesen Umstand nicht anders erllären, als durch die Annahme, daß in der Kaiserlichen Anstalt zahlreiche sozialdemokratische Agitatoren und Hetzer beschäftigt sein müsse». Er fordert deßhalb die Werftverwaltung auf, die so charatterisitten Arbeiter ausfindig zn machen und unverzüglich zu entlaffen. Die Werftdirektion hat den Erlaß des Staatssettetärs vervielfälligen und an die einzelnen Reffottchefs gelangen lasse», welche das Weitere veranlassen solle».
Die „Köln. Ztg." schreibt: „Durch die Presse ging vor kurzer Zett die Nachricht, daß eine amerikanische Gesellschaft an hervorragenden Punkten des Rheinufers Reklameschilder von 21/, Meter Breite und 12 Meter Länge anbringen lassen werde. Die Absicht der betreffenden Fttma scheint auch sckon in der Ausführung begriffen zn sein; wenigstens ist sckon ein solches Schild hock über den Weinbergen der Ortschaft Kestert bei St. Goarshausen erschienen, daS in riesigen, weißen Buchstaben auf grellrothem Grunde den Ruhm der Erzeugnisse jener Fttma, wir möchten sagen, ausbrüllt. Diese Thatsache ist geeignet, d e öffentliche Aufmerksamkeil von Neuem auf eine unserer herrlichen Rheinlandschaft drohende Gefahr zu lenken. De» von „Weingroßhandlungen" aufgestellten Firmenschilder», deren Größe nicht immer dem Umfang deS betreffenden „Weinguts" entspricht, von denen einzelne viel- mehr den gesummten Grund und Boden dieses „Weinguts" zu ihrer Aufstellung nöthig haben, folgen mehr
Koch, außer ihrer Jungfer die einzige Person der Dienerschaft, die ihre» Wünschen sofort Rechnung trug. Er grüßte mit tiefer ehrfurchtsvoller Verbeugung. Gerttud dankte und blieb stehen.
„Sie habe» heute eine» Unfall gehabt, Dupont," sagte Gertrud hinzuttetend freundlich, „Lisette erzählte mir, Sie hätten sich arg die Hand verbrannt; haben Sie große Schmerzen?"
Der Koch warf einen Blick ans seine Linke, deren Leinen verband mit schwarzseidenem Tuch nicht ohne Zier- lichkett verhüllt war, und entgegnete mit großem Eifer: „Die Fran Gräfin find zn gütig; solch eine Verletzung ist kaum der Rede wetth, man muß nur etwas dagegen thun, damit die Sache nicht schlimmer wird und arbeitsunfähig macht, Darf ich mir erlauben zu fragen, ob die Frau Gräfin heute mit dem Deffett zufrieden waren?"
„Gewiß Dupont, e8 war alles sehr gut," entgegnete Gertrud und schickte fich an, vorüber zu gehen.
„Und — und —* der Franzose drehte verlege» die Mütze in der Hand — „bie Frau Gräfin zürnen mtt nicht, daß ich mir erlaubt Hube, die mit Rosinen- creme gefüllten Baiser» — ich habe sie selbst erfunden — meringues ä la Comtesse Landskron zu nennen?"
Gertrud lächelte: „Auf ien Namen kommt es ja nicht an, Dupont, wenn die Sache nur gut ist." Sie neigte den Kops und begab fich in den Park.
Mr. Dupont trat in die Küche zurück, i» der eben Fräulein Josephine erschienen war, um ihren Kräuterthee zu hole», — sie litt an chronischen Magenverstimmungen. „Wenn das eine Bürgerliche ist," sagte der Koch zu der ayr Fenster stehenden Kammerfrau, die gleich ihm der jungen Gräfin »ach- blickte, so bin ich ein Marquis! (Forts, folgt.)