Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhai«, gort »ft Böfaf: S»h «ug, Koch, Univerfitäts-Buchdruckerri iu Marburg, ««»uNooMch fftr btt Stodtte*: SUbaftenr M. Hart««»« t» Marburg.
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Sonntag, 7. August 1898.
Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition diese» Blatte», die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Bögler, Frankfurt e. M., Caffel, Magdeburg, Wien; Rudolf Moste, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; t. L. Danbe & Eo., Frankfurt a. R., Berti», Hannover. PariS rc.
33. Jahrg.
Bismarcks Vermächtniß.
Die Schöpfungen deS Fürsten Bismarck über- ßwern ihn und werde» noch der späten Nachwelt feine Größe künden. Aber auch ein Testament, ein WicheS Vermächtniß hat er uns hinterlaflen. Es fiegt in der vorbildlichen Art seines Wirkens, in der Mise, wie er Politik aufgefaßt und gehandhabt wissen »ollte. Leben wir dieser Art nach, werden wir im -ollsten Sinne Erben Bismarck'schen Geistes, so wird M ein unvergleichlicher Schatz zufallen.
Den Kern des politischen Wesens und Wirkens Siimarcks birgt jene Aufforderung, die er einst in simer großen Rede bei Berathung des Tabak- Nrnopols an den versammelten Reichstag richtete: .Lasten Sie den nationalen Gedanken hell leuchten m ganz Europa I" Der nationale Gedanke — er mi der schöpferische Lebensquell seiner Ruhmes- tzaten, der stete Leitstern seiner schicksals- und arbeits- schweren Lebensbahn. Aus der Straft des National- demßtscins, die in Bismarck lebte und schaffte, er- Lden sich alle Einzelhesteu seines staatsmännischen Handelns.
Nur diese Kraft, nur die unbedingte Liebe zu Anig und Vaterland, ließ Otto v. Bismarck, den Äpreußischeu Junker, zu einem Natioaaldeutschen «erden, ließ ihn die festgewurzelten Neigungen und lleberlieferunge» eines bestimmten StandeskreiseS und besonderer Stammesart überwinden, nur sie allein befähigte ihn, unbeirrt von den Partei-Stteitigkeiten des Tages, den Blick immerdar fest auf das große Lanze gerichtet zu halten. Daher auch seine tief- «ehende Abneigung gegen alles kleinliche Fraktions- sesen, sein stetes Mahnen zur Einigkeit und seine filtere Verurtheilung deS alten Erbübels der Deutschen, bes bösen Bruderzwistes.
„Lassen wir den nationalen Gedanken hell leuchten dar ganz Europa!" Nicht besser ehren können wir bm großen Tobten, als wenn wir dieses Mahnwort W Richtschnur für unser polittsches Handeln machen, fat dann erfüllen wir Bismarcks Vermächtniß, wenn dir uns fest zusammenschließen und treu zu Kaiser Ad Reich stehen. BiSmarck'sche Polittk treiben heißt SmnmlungS-Politik treiben, Sammlungs-Politik im Wen und zugleich weitteichendsten Sinne des Wortes, nicht für den vorübergehenden Zweck eines Kahl - Feldzuges, sondern in alle» Phasen und Wandlungen öffentlichen Lebens.
Mit Nothwendigkeit aber ergiebt sich aus solcher Politik auch der mannhafte Entschluß zu entschiedener Lckämpfung aller anttuationaleu Richtungen unseres BolkslebenS, also insbesondere der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratte weiß wohl, warum sie den lnsten Recken im Sachsenwalde so glühend haßte, sie ihn auch »och über den Tod hinaus mit
ihrem Hasse verfolgt. In der SammlungS - Polittk deS Fürsten Bismarck, in seiner Politik der großen Ziele und der ausschließlich nationale« Handelns ist uns das sicherste, ja dar einzige Bollwerk wider die finstern Gewalten des Umsturzes verliehen. Darum nochmals: geloben wir an der Bahre des Dahingeschiedenen, sei» uationalpolittsches Vermächtniß getreulich zu erfülle», und wir können gettosten Muthes der Zukunft deS Vaterlandes entgegenblicken.
Umschau.
Se. Majestät der Kaiser erhielt zum Ableben des Fürsten von Bismarck von Sr. Königlichen Hoheit dem Prinz-Regenten von Bayer» ein herzliches Beileidstelegramm. Von ftemden Staatsoberhäuptern sandten an Se. Majastät Beileidstelegramme: Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich, Se. Majestät der König von I t a l i e u, Se. Majestät der König von P o r t» g a l und die Präsidenten der Südafrikanischen Republik und des Oranje-Frei- staats. Se. Königliche Hoheit der Prinzregent von Bayern hat wegen des Fürsten Bismarck eine achttägige Armeetrauer, die gestern begann, angeordnet. Aus Mexiko sind zwei Trauerkundgebungen eingettoffen. Der deutsche Kousul Hildebrand in Tepic telegraphirt: „Die deutsche Kolonie giebt zum Ableben des Fürsten Bismarck tiefe Trauer kund." Die zweite Depesche ist aus Vera Cruz und lautet: „Mit dem Vaterlaude bettauert auftichttg daS Hinscheiden seines große» und unvergeßlichen StaaatsmanneS, des Fürsten Bismarck, Die deuffche Kolonie zu Vera Cruz."
ES war von Aachen aus gemeldet worden, die dortige Polizeidirektto» habe aus Anlaß des Ablebens des Fürsten Bismarck die Erlaub »iß zur Beflaggung ertheilt. Das „Aachener Polttische Tageblatt" bemerkt zu dieser seiner Mittheilung: „Die Meldung hatte einen praktischen Zweck. Nach einer polizeilichen Vorschrift bedarf es in jedem Falle einer Erlaubniß zum Beflaggen. DieS wurde aus naheliegende» Gründen von den Besitzer» der beflaggten Häuser übersehen, und i» mehreren Fälle» haben Schutzleute Nachfrage gehalten. Als die Polizeidirektto» hiervon erfuhr, wurde von ihr sofort die Genehmigung allgemein ertheilt, wovon wir zur Aufklärung von etwaigen Zweifeln Mittheilung machten." Die Sache beruht auf einer zwar noch nicht formell, aber doch tatsächlich längst aufgehobenen Polizei- Verordnung; sie wurde für Rheinland »och zur Zett des Kulturkampfes erlassen und gestattete Beflaggung nur mit polizetticher Genehmigung. In der Zeit der Kirchengesetzgebuug der fiebenziger Jahre wurde in katholischen Kreisen bei allen mögliche», früher nie
üblichen wirklichen oder gesuchten kirchlichen Anläffen gewissermaßen als Einspruch gegen die Gesetzgebung demonstrattv geflaggt. Das zu verhindern, war der Zweck der Polizei-Verordnung. Inzwischen ist sie schon längst nicht mehr gehandhabt worden und in die Rumpelkammer veralteter Verordnungen gewandert.
Ans einem Wirrwarr von anfangs unbeglaubigten Nachrichten sind in den letzten Tagen die amerikanischen Friedensbedingungen mehr und mehr mit widerspruchsloser und für die Spanier auch hoffnungsloser Deutlichkeit hervorgetreten. Unbedingtes Verzichten auf alle westindischen Inseln, scheinbar mit Ausnahme Kubas, aber auch für Kuba Zugkständnisse, die praktisch ebenfalls auf das unbedingte Verzichten hinauslaufen, Einräumung eines Stützpunktes auf den Karolinen-, wie auf den Ladronen-Juseln, eines Stützpunktes, der ftüher oder später die Grundlage für die völlige Unterjochung dieser Inselgruppe» durch Nord-Amerika bilden wird, — Uebernahme der ge- sammten Schuldenlast von Kuba und Portoriko, endlich, was die Philippinen bettifst, Einsetzung einer amerikanisch - spanischen (lies löwenlamm-ähnlichen) Kommission zur Regelung der künfttgen Herrschafts- Verhältnisse im philippinischen Archipel, — das ist alles. Ja, das ist in der That alles, möchte man sagen, das bedeutet so ziemlich die Einziehung des gesammten spanischen Kolonialbesitzes, soweit er werthvoll ist, zu Gunsten der Vereinigte» Staaten. Nicht als ob die Amerikaner mit der Erhebung dieser Forderungen ein himmelschreiendes Unrecht begingen! Krieg ist Krieg, und zu allen Zeiten hat nach Erzielung militärischer Äffolge das Wort gegolten: „Wehe den Besiegten!" Aber eigenthümlich berührt eS doch, wenn das Blatt der französischen Regierung, der Pariser „Temps", de» arme» Spanier» einzu- reden versucht, die von dem Washingtoner Kabinett aufgestellten Bedingungen seien im Grunde — maßvoll. Wie das allerneueste Ministerium der brüten Republik sich deren Rolle bei den Friedensverhandlungen eigentlich denkt, kann ei» Geheimniß der augenblicklichen Machthaber in Paris bleiben. Für die nicht französische Welt aber steht soviel fest, daß Frankreich weniger die spanischen Interessen bei den Amerttanern, als amerikanische Wünschegegen Spanien vertritt. Daher die wortreichen Mahnungen, man möge nur in Madrid mit beiden Hände» zugreifen, um sich schon jetzt den Frieden zu sichern. Am auffälligsten aber ist, daß Frankreich auch gegen die von Amerika verlangte Uebernahme der kubanischen Schuld nichts einzuwenden findet. Bekanntlich find die Tittes dieser nach viele» Millionen zählenden Schuld fast ausschließlich in spanischen Händen. Bisher hatten diese Papiere noch immer ihren Werth, der stch auf die Thatsache der Beherrschung und Ausbeutung Kubas durch Spanien gründete. Fällt diese in Zu
kunft fort, so bedeutet die dadurch verursachte Schädigung des spanische» Nationalvermögens zugleich eine weitere Entwerthung derjenigen spanischen Staats- papiere, die fich überwiegend in den Hände» ftanzöfischer Sparer befinden. Will also die Pariser Diplomatie nicht, indem fie als Sachwalterin Nord-Amerikas handelt, den Jntereffe» ihrer eigenen Landes- Angehörige» zu nahe trete», so muß sie die bei Annahme der amerikanischen Friedensbedingungen durch Spanien für dar ftanzöfische Kapital unvermeidlich einttetenden Verluste anderweitig gut machen. Der Verdacht liegt, nahe, daß Fraufteich diesmal versuchen wird, in Marokko eine „Revanche" zu nehmen.
Der amerikanische Marinesekretär Long hat den Bericht der Kommission erhalten, welche Kommodore Sampson einsetzte, um über die Feuerwirkung der amerikanischen Kriegsschiffe ein Gutachten zu liefern. Der AnSschuß ist zu dem Schluffe gelangt, daß die spanischen Schiffe „Jnfauta Teresa", „Almttaute Oquendo" und „Vizcaya" verbrannten, well Kugeln da» Holzwerk in Brand steckten. Ans den Schiffen fand man später noch die Kugeln in den Kanonen. Dar zeigt, wie schnell die Mannschaft fottgeeilt war. Nach der Ansicht deS Ausschusses sollte beim Bau moderner Kriegsschiffe möglichst wenig Holz verwendet werde». Geladene Torpedos über der Wasserlinie sind eine ernstliche Bedrohung für die Schiffe, welche fie tragen. Nur Torpedoboote sollten Torpedos an Bord haben. Der Werth schnellfenernder Geschütze könne gar nicht hoch genug veranschlagt werden. Alle Wasser- und Dampftöhren sollten sich unter der Wasserlinie befinden. — Marinesekretör Long sagt, daß das Geschwader der Vereinigten Staaten i» europäischen Gewässern auf alle Fälle bedeutend vermehrt werden wird, damit man in Enropa einsehen leint (!) daß die Vereinigten Staaten eint Seemacht find.
Die Sozialdemokraten sind eifrig daran, das Liebknecht'sche Wort vom „Hinausfliegen" i»_ die Prexis zu übersetzen. Zunächst sind die Häupter der Solinger Dissidenten, Herr Schumacher und feine nächsten Anhänger, hinausgeflogen. Sodann hat das Strafgericht, welches im Auftrage der Parteileitung Herr Auer in Braunschweig abgehalten fyat, mit der Ausschließung zweier besonders radikaler „Genossen" geendigt. Diesen beiden „Genossen" wurde zum Vorwurf gemacht, daß fie in ihrem eigenen pekuniären Jntereffe ans dicVer län gerung des Bier- Boykott in Braun- schweigundUmgegendhingewirkt hätte». Merkwürdigweise ist dieser Geschäfts-Sozialismus so lange mit dem Mantel genossenschaftlicher Liebe bedeckt worden, bis die beiden Attentäter fich der Parteileitung lästig machten. Neuerdings wird aus Hirschberg gemeldet,
(Nachdruck verbot«».)
Wie es endete.
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Roman von Maria Theresia May, M. des preisgekrönten Romans „Unter der Königstanne."
(Fortsetzung.)
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, Unbefangen nahm Gertrud, ehe fie etwas erwiderte, ^Etück Gebäck von der silbernen Platte, die ihr Körting bot — man hatte die Diener fottge- Nuft, nachdem der Thee servirt war, und wollte sich W bedienen; Herbert hatte er vorsichtshalber so Wünscht — die junge Frau benahm fich überhaupt solcher Ungezwungenheit, als säße fie schon sett Näh an dem Tisch deS gräflichen Hauser, und wären ihr Krystall und Silber, Damast und ' Höfisches Porzellan das gewohnteste Tischgeräth; totbt in dieser Sicherheit, die wohl daS Beiwort -dvrnehm" verdiente, lag etwas, daS die Gräfin mehr als sie fich eingestand. Wäre Gertrud schüchtern '^sSthig gewesen, hätte fie sich Blößen gegeben, so •ftbe die Gräfin-Mutter wahrscheinlich spöttische Pachtung, vielleicht Mitleid, ganz gewiß aber Ge- ?Wmng darüber empfunden haben, daß ihr SBiber» gegen die Mesalliance ihres Sohnes durch das ^halten der Bürgerlichen eine so eklante Recht- ^lgung erfuhr. Und diese Befriedigung hätte, so j^erbar es auch klingt, wahrscheinlich nach und M die Abneigung der Gräfin gegen ihre Schwieger- ^Aer etwas gemildett. Doch so empirtt es die 7k Gräfin, daß sie an der Frau ihres Sohnes so Lichts zu bemäkeln fand: woher kam dieser Dorf- ^itfftn die Sicherheit der Bewegungen, die elegante T^uug, die geblldete, nicht allein verständige, sonder» ^volle Sprache. Sie mochte burdj ben Umgang 1? Herbert unb auf ihren Reisen viel gelernt haben, F*1 — selbst die Voreingenommenheit der Gräfiu-
Mntter verhehtte fich dies nicht — wenige Monate des vorzüglichsten Umganges reichten nicht hin, ans einer Bäuerin eine wirklich große Dame zu machen, und Gettrud gab sich als vollendete Weltdame bis auf die schreckliche RückfichtSlofigkeit ihrer Antworten an die Gräfin-Mntter. Nie würde fich eine Dame der guten Gesellschaft dergleichen erlaubt haben! Nur vergaß die alte Gräfin-Mutter bei ihrem Entsetzen über diese Rückfichtslofigketten völlig, daß fie lediglich eine Art Ncihwehr gegen ihre, der Gräfin, ebenso rücksichtslosen Angriffe bildeten.
Gertrud ahnte, waS in der Seele ihrer Schwiegermutter vorgehen mochte, und je gereizter diese erschien, desto ruhiger wurde die Tochter des Dorfarztes, allerdings nur äußerlich; innerlich hatte sie einen furchtbaren Kampf zu besteh«, um die äußerste Ruhe zu bewahren. Jetzt glitt auch ei» leichter Lächeln über ihr Gesicht, dem ein sehr aufmerksamer Beobachter wohl den Zwang angcmertt hätte, den Grrttud sich auferlegen mußte, als fie, nm auf die letzten Bemerkungen der Gräfin zu autwotten, stch dieser zuwandte.
„Die Fabel vom Fuchs und den Trauben kenne ich sehr gut," sagte fie mit ihrer wunderbar klaren Stimme. „ES widerstrebt mir, zu widerholen, was ich über Rang und Reichthum von jeher dachte und noch immer denke. Wer zu oft ein und daffelbe versichert, geräth leicht in Verdacht, daß er seine Ansichten fich selbst versichern muß. Aber Sie wolle» mir auch zu verstehe» geben, daß Herbett mich einzig und allein meiner Schönheit wegen gehettachet hat. Ich kann nicht annehmen, daß Sie selbst dies im Ernst glauben; es wäre eine Beleidigung für die UttheilSkraft Ihres Sohnes, die Ihne» Niemand zu- ttanen wird."
Trotz der Entrüstung, welche stch deutlich in den Züge» der alten Gräfin zeigte, lachte Graf Körttng
laut auf: „Liebe Gertrud, Sie hätten Advokat werde» solle», ich mache Ihne» mein Kompliment über Ihre Schlagfettigkeit."
„ES wird wohl am besten sei», wen» ich mich entferne, bamit Du Deine Komplimente mit noch weniger Reserve anbringen kannst," warf seine Schwester beleidigt ein und machte Miene sich zu entfernen. Doch Herbert hielt sie zurück. „Mit einem Mißton darf der erste Abend, den ich mit meinem Weibe im Vaterhaufe verlebe, nicht schließen; blttbe. Mama, ich erzähle Euch von Taormina, Du mutzt bald einmal mit Menti dorthin, es ist zu schön dort."
Herbert erzählte mit Lebhaftigkeit unb Wärme, und schließlich gelang es dem jungen Grafen wirklich, ein lebhaftes Gespräch in Gang zu bringen, woran sich Alle bttheiligten, wenn auch die Gräfin Mutter eS stets vermied, Gertrud direft anzusprechen, um einer Entgegnung auSzuweichen, und jedesmal finster wurde, wenn fie ihre Tochter und Gertrud fich einander Du nennen hörte.
So trennte man fich diesen Abend anscheinend in befferer Stimmung, als noch dem ersten Zusammenstoß zwischen der alten Gräfin und ihrer Schwiegertochter hätte erwattet werden können. Graf Kötting als erfahrener Landwitth dachte zwar doch bei fich, datz rin schönes Abendroth zumeist einen stürmische» Morgen verkündigt. Ans der Treppe flüstette er seinem Neffen z»: „Du, Deine Frau braucht weder einen Ritter, noch einen getanen Eckart, die hilft fich allein, nur ein Mitkämpfer wird manchmal noth sein, ben darf fie indeß in Niemand anderm finden als in Dir!"
Für Gertrud war dies der Abschnitt gewesen, mit dem ihr neues Leben begann, und ehe noch der Abend ganz zu Ende war, hatte fie bereits in ihrem Kampfe mtf dem gesellschaftlichen Schlachtfelde eine
Wunde davon getragen. Ihre Schwiegermutter hatte bisher ihr gegenüber noch eine gewiße Reserve beobachtet und dabei doch schon so tiefe Wunden geschlagen, die Gettrud tief schmerzten. Wie würde eS erst in der Zukunft sein!
11. Kapitel.
Die Tage kamen und gingen. Voller Frühling breitete fich über das Land, süßer, keuscher Frühling mit seinen sanften Farben »nd seinem duftig kühl« Hauch, der die Seele beruhigt und das Herz entzückt, ohne es aufzuregen.
Für Gerttud hatte der Frühling keinen Frieden gebracht. Der fast tägliche Kampf, den fie mit der Gräfin-Mutter auSzukämpfen hatte, machte fie immer unversöhnlicher auch ihrem Manne gegenüber. Theil- »ahmslos ging sie neben ihm dahin, und ihre Kühle verletzte und erkälttte auch ihn, so daß der Ausdruck seines GefichiS auch täglich ernster wurde, und ein leiser Zug von Trauer um de» feingeschntttenen Mund verrieth denen, die ihn kannten und liebten, daß er litt. Zunächst bemerkte eS wohl seine Mutter, daß ihr Sohn nicht so glücklich, wie sie eS für ihn erhofft hatte, »bglttch er in ihrer Gegenwart bemüht war, sich den Anschttn deS Glücklichseins zn geben. Ihre Abneigung gegen die niedriggeborene unwillkommene Schwiegertochter wuchs dehalb nur um so schneller und tiefer. Die alte Gräfin hatte anfangs versucht, ihrem Sohne das Gestäudniß zu entlocken, daß er enttäuscht fei, da aber Herbert jedes berartige Gestänbniß mit ernster Entschiedenheit zurückwieS, verschärfte fich die Gereizthett der Gräfin-Mutter gegen Gertrud beständig. Sie beschuldigte fie nicht nur bei fich, sondern allen Familienmitgliedern gegenüber; HerbettS offenen Charakter umgewandelt, sein Ver- ttaneu zur Mutter erschüttett zu haben. Ob die Gräfin Landskron indeß versöhnlicher gewesen sein