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eoebttion: Markt 21. — Telephon 55.
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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
0OKf «nd BtttM: Joh Xug. Koch, UniversttätS-Buchdrucker« in Rarburg. Jllustrirtes Sonntagsblatt. Berautwortlich für Mt Redaktion: Redakteur M. Hartmann ta Marburg. ' v Redaktion; Markt 21. — Telephon 55.
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OP*V*1* *•''***' y Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Casiel, Mägde-
Freitags 5. August 1898.
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gar nicht ein, [daß Klementine von LandSkro» eine Aristokratin sei.
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persönliche Verdienst des Fürsten Bismarck war die unbestreitbare Energie, mit der er den einmal gefaßten Entschluß gegen alle Widerstände, selbst aus konservativen Kreisen, durchführte; ohoe den überragenden Einfluß deS Fürsten wären die Vorlage», die so ost ins Stocken geriethe», vielleicht ganz zum Scheitern gekommen".
Ein glänzenderes Zeugniß für die Bedeutung der positiven Sozialreform auf der Grundlage der Kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 und die Verdienste des Fürsten Bismarck um deren Durchführung ist nicht denkbar.
zuzeigen g. 1898 ichlti, ernst.
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„Was nun die Erfolge der „positiven Förderung des Wohles der Arbeiter", die Zwangsversicherung, anbelangt, so wstd mau heute anerkennen müssen, daß sie immerhin größer find, als man anfangs Testens der Gegner glaubte — Gegner der allgemeinen Grundgedanken ist wohl der linke Flügel der Liberalen, nicht jedoch die Sozialdemokratie gewesen. Auf diesem Gebiete steht heute Deutschlaud an der Spitze aller Staaten; selbst aus dem letzten Bericht der englischen Kommission, welche zur Prüfung der Altersversorgungsplane eingesetzt war, klingt etwas wie Neid gegen die deutsche Institution heraus.... So ist in der That, trotz aller widerspruchsvolle» äußeren Organisationsforme», ein wirkliches System der Arbeiterverficheruug zum Ausbau gekommen, das mit dem Namen des Fürsten Bismarck wohl immer verknüpft bleiben wird. Daß er die freien Kaffen und Gewerkschaften der Arbeiter vielfach verkümmert hat, ist unbestreitbar. Ebenso unbestreitbar ist jedoch, daß auch das entwickelteste freie Kastenwesen — das
Arbeiter in tausenden von Fällen unentschädigt läßt, in denen sie bei uns in Deutschland, wenn auch mit minimalen Beträgen, der Unter- stützung gewiß sind. Aus dem englischen Kommissionsbericht fühlt man auch deutlich heraus, warum es anderen Ländern schwer oder ganz unmöglich ist, Deutschland nachzufolgen, und die freien Kasten werde» kaum jemals so allumfassend sein, wie
Der sozialdemokratische „Vorwärts" chreibt in einem Artikel über „die Sozial- reform des Fürsten Bismarck":
Gelegentlich der Verleihung des Schwarzen Adler-Ordens an den Kaiser von China ist in der Presse die Auffaffung vertreten worden, daß durch diese wie durch frühere Verleihungen an den Sultan Abdul Medschid und den jetzigen Sultan die Grundbestimmung, wonach die „Gemeinschaft der Christlichen Kirche" als „Grund dieses Unseres Ordens" zu betrachte» ist, außer Kraft gesetzt sei. Dies ist ftrthümlich. Die Statuten des Ordens find nur anwendbar auf die Verleihung an die irländischen, zur Investitur zugelaffenen Ritter, welche sodann dem Kapitel des Ordens augehöreu und dasselbe bilde». Fremde Souveraine, wie über-
Fassung deS Gesetzes ist der Möglichkeit, daß über den Kreis der berufsmäßigen Agitatoren hinauSge- griffen werden könnte, hinreichend vorgebeugt. Sollte aber wider Erwarten die Mehrheit der Centrumsfraktion versagen, so würde für Reichstagsneuwahlen offenbar eine der Regierung und den vaterländisch gerichteten Sammlungs-Parteien günstigere Parole gar nicht denkbar sein als die Forderung: Schutz unserer heiligsten nationalen Güter gegen deren gewerbsmäßige Verkleinere!!
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kann es auch nicht die Absicht sein, die Denk-, Rede- und Preßfteiheit im Allgemeinen zu beschränken oder de» Arbeitern die ruhige sachliche Vertretung ihrer berechtigten Jnteresten zu verwehren. Es wird im wesentliche» genügen, wenn denen das Handwerk endlich gelegt wird, die aus der Hetze gegen die Grundlage» deS Staates einen Lebens- beruf mache», die das gehässigste Schimpfen mf die bedeutsamsten Kultureinrichtungen geradezu g e • schäftSmäßig betreiben. Ei» kraftvolles Vor- geheu gegen diese Berufs agitatoren ist das Mindeste, waS nach den Ersah ungen der jüngsten Reichstags - Wahlbewegung gefordert werden muß. Die verbündeten Regierungen werden einfach ihre Pflicht erfüllen, indem sie eine Straf- gesetznovelle etwa folgenden der „Post" aus deutschkonseroativen Kreisen übersandten Inhalts dem Reichstage vorlegen:
„Wer die Grundlagen der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung, insbesondere den Bestand des Reiches in seiner gegenwärtigen Gestalt, die Monarchie, die vom Staate anerkaunten Kirchen- gemeinschaften, die Ehe und Familie, das Privat- eigenthum, die Rechtspflege, die Heereseinrichtungen gkwohnheits- oder berufsmäßig in Versammlungen, Zeitungen, Druckschriften aller Art in bewußt gehässiger Weise angreist, wird mit Gefängniß bis zu fünf Jahren bestraft. Daneben kann auf Geldstrafe, im Wiederholungsfälle auch auf Landesverweisung erkannt werden. In denjenigen Fällen, in denen auf Grund deS erste» Satzes auf eine Gefängniß- strafe von mindestens zwei Jahren erkannt wird, tritt zugleich Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf mindestens fünf Jahre ein."
Ei» solches A g i t a t o r e»- G e s e tz ist nicht nur nothwendig, sondern auch sehr leicht durchzubrmgen und durchzuführen. Die Sozialdemokraten werden schreien, das ist selbstverständlich, und darüber ist kein Wort zu verlieren; wen» die „bürgerlichen" Demokraten mitschreieu, um so so bester für die Belehrung immer weiterer Volkskreise über die wahre Natur der „Vorfrucht!" Sicher wären für die Vorlage die Stimmen der Konservativen und — nach den ausdrücklichen, bestimmten Erklärungen der Herren Dr. Krause und Dr. Sattler gelegentlich der Ver- einSgesetz-Berathung im Abgeorduetenhause — auch die Stimmen der Nationalliberalen, denen sich aller Voraussicht nach eine zur Mehrheitsbildung hinreichende Zahl von Zentrumsstimmen hinzugesellen würde. Die Erfahrungen in Oberschlefien, Mainz, Köln, Aachen usw. dürsten auch in diesem Lager aufklärend gewirtt haben. Die berufsmäßigen Agitatoren arbeiten ausnahmslos nicht nur auf die Vernichtung der Vaterlandsliebe und der monarchischen Gesinnung, sondern genau ebenso auf die AuSmerzung aller religiösen Empfindungen hin, und durch die
Umschau.
Das „Militär-Wochenblatt" widmet dem Fürsten Bismarck folgende» Nachruf: „Gott hat de» Man» abberufen, der als Erster unter unserem großen Kaiser dazu ausersehen war, daS sert Jahrhunderten zerrissene Deutsche Reich wieder zu einigen. Ganz Deutschland, ja die ganze civilisirte Welt durchzittert bei der Nachricht vom Tode deS gewaltigen ManneS eine ehrfurchtsvolle Schauer, und Jeder, ob Freund oder Feind, beugt sich unwillkürlich vor der Geistesgröße des Heimgegangenen. Das Hee war daS vornehmste Werkzeug zur Durchführung der weitauSschauendeu, kühnen Pläne Fürst Bismarcks, das Schwert, mit dem er den gordische» Knoten durchhaute und dir Deutsche Frag« löste. Trauernd steht das Volk in Waffe» mit dem übrige» Deutschland an seiner Bahre, und die angstvolle Frage will sich in unserem Herzen nicht unterdrücken lassen: Wird Deutschland auch in Zukunft so tote in den Tagen Bismarcks seine Stellung unter den Völkern behaupten können? Wird es nicht heißen: „Müssen uns drücken von Ort zu Ort, der alte Respekt ist eben fort?" Aber wahrlich, wir wäre» des großen Kaisers und seiner Paladine nicht werth, wenn die Trauer unsere Herzen jetzt kleiumüthig machen würde. Die junge Generation wird zeigen, welche Erziehung fie in großer Zett genossen hat; wie ein Phönix aus der Asche, so erhebt sich bereits die patriotische Gluth an allen Orten bei der Trauerkunde vom Tode Bismarcks. „Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt," das ist das vornehmste Erbtheil, das unser Eiserner Reichskanzler seinem Volke, daS er mit ganzer Seele liebte, hinterlassen hat. In dem furcht- und rücksichtslosen Eintreten für das, was er als Wahrheit und Pflicht erkannt hatte, in dem hierdurch wunderbar geschärften Blick lag das Geheimniß seiner Erfolge; unsterblich wird er unter unS forüebe». Wir aber wollen seinem Namen Ehre machen und mit „Volldampf voraus" auch ferner den alten Kurs steuer». DaS walle Gott!"
Da schlug eine Uhr. „Mein Himmel, schon vier Uhr," rief Klementine sich erhebend; ein glückliche» Lächeln hatte bei dem Küste Gertruds ihr Antlitz erhellt. „Wir müfle» un8 beeilen, liebe Schwägerin, um fünf wird der Thee serviert, und Sie müffe» sich noch umkleiden."
„Umkleiden? Ist da» nothwendig, Klementine?" fragte die junge Frau mit einem müden Blick auf ihr hübsches graues Reisekleid.
„O ja, natürlich," gab die Komteste etwas verwundert zurück, und da ihr einfiel, daß Gertrud die Gewohnheiten vornehmer Häuser wohl nicht kenne, fetzte fie hinzu: „Mama liebt er nicht wen» man im Haus- oder Reisekleid am Tisch erscheint. Ich ziehe mich stets zum Mittageffeu an und zum Abend nochmal». Heute habe ich da« schon vorher besorgt, weil ich «ich darauf freute, mit Ihnen zusammen zu sei». Mache» Sie sich nur recht hübsch. Sie find so schön, daß fie eigentlich gar nicht durch irgendeinen Anzug gewinnen oder verlieren können."
Gertrud lächelte. „Wie liebenswürdig Sie sind; ich fühle, wie fie fich bemühe», mich aufzuhetteru, uud ich bttl Ihne» dankbar dafür. Wolle» Sie hier im Boudoir ans mich warten, bi» ich mit dem Umkleide» fertig bi».
»Ich habe »och kein Mädche» für Sie speziell besorgt, weil ich mich nicht getraue, für Sie zu wählen. Soll ich Ihnen meine Kammerjungfer schicken?"
„Nein, ich danke, liebe Klementine, ich bedarf überhaupt keiner Hilfe."
Komtesse Riementine mußte an einige ihre Bekannte» in der Hauptstadt denke», welche behaupteten, nervö» ,u werde», wenn fie fich die Schuhe allein an- »der auSziehen müßten; aber fie erwiderte nicht».
Während Gertrud fich umkleidete, nahm Komteste Klementine ein Buch, aber zu lesen vermochte fie
Bewunderung, „Ihre Zöpfe reiche» ja dreimal um den Kopf!"
Gertrud zuckte die Achseln. „Kann man lernen, sich zu kleiden?" fragte fie. „ES handelt fich doch hauptsächlich um die Farbenwahl. Ein Blick in den Spiegel müßte eigentlich jeder Frau sagen, waS fie tragen soll."
Da klopfte eS; auf de» Hereinruf Gertruds trat Herbert ein und blieb einen Augenblick bewundernd stehen, er freute sich im Stillen darüber, daß fie fich o besonders vortheilhast angezogen hatte, wußte er doch, wie viel von dem Eindruck abhängt, den eine persönlich gute Erscheinung hervorbringt. „Ich habe Dich noch nicht i» Deinem Heim begrüßt, verzech mir," sagte er liebevoll und zog daS schöne, junge Weib an fich, leise und zärtlich chre Stirn küssend. Sie ließ e» fast automateuhaft geschehen; Klementine wandte fich taktvoll und doch mtt leisem Staunen ab. Wie anders hätte fie geblickt und gelächelt, wenn ein — „Gewisser" ihr so hätte nahen dürfen, wie Herbert feiner Frau.
Graf LandSkron wollte aber die kühle Gezwungen- hett in Gertruds Verhallen ihm gegenüber nicht bemerken. Er hoffte, feine Liebe und die alles auS- gleichende Zeit würde» Gertrud» Starrfio» beuge». So hieß er benn fern geliebte» Weib in warmer Serzlichkett in ihrem Heim willkommen, bat fie in cherzendem Ernst, sich durchaus als Herrin und Königin in diesem kleinen Reich zu fühlen, und ernannte Klementine zu ihrer elften Hofdame.
„O nein," gab Gertrud darauf schnell zurück, „ich bin für republikanische Verwaltung, da giebt e» keine Königinnen und Hofdamen."
(Fortsetzung folgt.)
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(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia May, ; 8trf- des preisgekrönten Romans „Unter der Königstanne."
(Fortsewmg.)
„ES find theure Gräber, welche das Bild dar- feüt?" fragte Klementine. Gertrud stützte die Stirn • die Hand, und ein zitternder Seufzer glitt über fct Lippen, während ihr Kopf zustimmend nickte.
„Ihre Eltern?"
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„Arme Gertrud, so jung und keine» Vater und lkwe Mutter mehr! Ach mein Vater ist auch früh Morden, viel zn früh für mich. Er war so gut, ^herzensgut; Herbert gleicht ihm durchaus." Und fich ^ümend, daß fie mtt dem ausschließliche» Lobe des Erters vielleicht der Muteer ei» Unrecht thne, fügte ^komteste schnell hinzu: „Die Mutter liebt uns Hch sehr, obgleich fie etwa» strenger und nicht so Mänglich ist, wie Papa es war. Sie hat freilich
Grund, mit mir unzufrieden zu sei»; fie ist f» *dl und fest in alle» ihren Entschlüssen und Handle» und so geistvoll dabei, und ich bin da» alle» glicht," erklärte fie mtt rührender Offenhett, über
Gertrud z» anderer Zett wohl hätte lächeln Wen.
Ein Agitatoren-Gesetz.
Unsere Zeit ist überaus vergeßlich und wendet fich schnell neuen Eindrücken zu. So hat daS Wahl- eigebniß im allgemeinen für viele Millionen bereits kein Jntereffe mehr. Nur ein Haupteindruck ist überall zurückgeblieben: in ganz Deutschland wird »och immer die abermalige bedeutende Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen in allen Kreisen eifrig ffirtert und die allgemeine Stimmung der vater- ländisch Gesinnten, wie fie sich in der ernsthaften Presst spiegelt, geht offenbar dahin, daß der manchester- liche Grundsatz des Gehen- und Geschehen-Lassens gegenüber der rothen Gefahr nicht länger zur Anwendung kommen darf.
Der wachsenden Ausbreitung der Sozialdemokratie maß durch zweckmäßige Maßnahmen entgegengetreten »erden, nicht wegen einer künftigen Umsturzgefahr, sondern wegen der h e u t e vor unser Aller Augen bettiebenen Vergiftung der Volksseele, wegen der immer weiter gehenden Aufhetzung der Arbeit- uchmer gegen die Arbeitgeber, wegen der planmäßigen Anreizung zum Klaffeuhaß und Klaffenkampf. Die sozialdemokratische Agitation nimmt allen denen, tie sie in ihre Netze zu ziehen vermag, die Liebe zum Vaterlande, die Ehrfurcht vor dem Landesherrn, die Achtung vor allem, was die Kulturmenschheit in rieltausendjähriger Arbeit auf gebaut hat: vor Monarchie, Religion, Familie und Eigenthum. Die sozialdemokratischen Agitatoren beschimpfen jahraus jahrein alles, was unS, waS den bis jetzt immerhin »och die Mehrheit bildenden guten Staatsbürgern heilig ist, und fie sind fast nie zu fassen — welches Gesetz kümmert fich denn z. B. ausreichend um den dlanmäßigen Kampf gegen die Monarchie, der durch Beschimpfungen aus wär tiger und »erstorbener Monarchen geführt wird? Wenn das ungestört so Leiter geht, muß schließlich das ganze Volk am Staate irre werden, der keinen Finger rührt, um die höchsten Güter der Nation gegen ihre von Tag zu Tag frecher aufttetenden Feinde zu vcrtheidigen.
Das Sozialistengesetz von 1878 ist leider 1890 sicht verlängert worden. Die Umsturzgesetzvorlage wd der preußische Vereinsgesetzentwurf sind nicht zur ülwahme gelangt. DaS Hauptbedenken, das man Segen diese Gesetze zur Geltung brachte, bestand be- kauutlich in der „Dehnbarkeit" der bett. Ge- setzeSbestimmungen, in der nicht hinreichend scharfen Begrenzung des zu tteffenden PersoneukreiseS. Dieser Angriffspunkt ist aber unschwer zu vermeiden. Wie die Regierung und die konservativen Parteien nicht fie Freizügigkeit, die Gewerbefreiheit, daS Reichs- iigswahlrecht usw. „abschaffen", sondern nur die denn praktffchen Gebrauch dieser Institutionen hervor- Nttetenen Auswüchse beseitigen wollen, so
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nicht. Jedes leise Geräusch, das aus dem Ankleidezimmer zu ihr drang, beschäftigte fie. So sicher fie fich einerseits in Gertruds Nähe fühlte, so ängstlich war ihr andrerseits zu Muthe, da sie besorgt war, daß ihre Schwägerin durch eine unpassende Wahl in der Kleidung, ober durch irgendeine Ungehörigkeit im Benehmen den spöttischen Unwillen der Gräfin-Mutter erregen könne. Klementine mußte dies nach allem, was Rhode» von er Herkunft und Lebensweise der Gräfin erzählt hatte, und beeinflußt von den Voraussetzungen, welche die Gräfin-Mutter wiederholt ausgesprochen hatte, ja erwarten. Bis jetzt [freilich Haie daS junge Mädchen nicht daS geringste an ihrer Schwägerin anzusetzen gefunden; allerdings hatten die Umstände jedes Anßerachtlaffen von Förmlichkeiten gerechtfertigt. Wie würde fich Gerttud im tägliche» Verkehr geben ? Und sie selbst hoffte so viel von der neuen Verwandten — würden ihre Erwartungen und Wünsche wohl in Erfüllung gehen?
Da trat Gertrud wieder ein. Ein Kleid von zarter Fliederfarbe umschloß die schlanke Gestalt, eine Nüauce, Welche zu dem feinen rostgen Teint, zu schönen lichtbraunen Haaren der jungen Frau ungemein gut paßte.
„Sie Glückliche, Sie können Lila fragen!" rief die Komtesse von ihrem Sitze auffpringend, und ging wie ein Kind, das eine Puppe bewundert, um Gertrud herum. „Mir steht Lila garnicht, ich bin dazu viel zu blaß; aber Sie sind wirklich reizend, wirklich! Hier an die Seite stecken wir »och einige Veilchen," und eilfertig nahm fie ein Sträußchen aus einem ierlicheu Bastkörbchen und befestigte es in den gelb» ichen Spitzen, mit welchen das Kleid besetzt war. „Wo haben Sie nur gelernt, fich so anzuziehen, Ihr Haar so onfeufteden ? Das brächte ich im Leben nicht allein fertig," rief Klementine mit naiver
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RichStdestoweniger fühlte fie fich merkwürdigerweise 7*4 die» blaffe zarte Mädchen zum Mttleid bewegt, war ihr, als spräche ganz leise etwa» in der *fa«ne und ix de» Augen des junge» Mädchen» das von ihr Schutz und Beistand heischte. Ger- (750- beugte sich mit feuchten Augen vor und küßte 9t, L Stirn ihrer jungen Schwägerin. ES fiel ihr