Bilde stand, und barg ihr Antlitz in dem Kissen der Lehne.
Erschrocken schaute Klementine ans diesen plötzlichen Ausbruch des Schmerzes; aber wenn Graf Herberts Schwester auch nicht einer besonders hervorragenden Intelligenz begabt war, so besaß fie doch den Verstand eines guten zärtlichen Gemüthes. Voll innigen Mitgefühls kniete sie deshalb neben ihrer jungen Schwägerin nieder, und schlang den Arm um die Weinende.
„Gertrud, liebste Gertrud/ flüsterte fie tröstend, „Sie haben Heimweh, nicht wahr? O bitte, weinen Sie nicht, mein Bruder liebt Sie ja so sehr und auch ich will Sie sehr, sehr lieb haben, wenn Sie ein wenig gut sein wollen. Ich habe mich ja immer so sehr nach einer Schwester gesehnt. Ich bin Gott so dankbar, daß Herbert gerade Sie gewählt hat, ich werde Ihnen später den speziellen Grund dafür sagen. — Herbert hat ausdrücklich geschrieben, daß wir diesem Silbe einen besonders guten Platz in Ihrem Boudoir geben sollten, und ich veranlaßte den Onkel, — der ist übrigens auch sehr gut. Sie werden sich bald davon überzeugen, — die Alpenblumen auS Wien kommen zu lassen, mir schienen zu diesem Bilde keine anderen zu paffen —*
Während Klementine voll HerzenStheilnahme sprach, hatte fie Gertruds herabhängende linke Hand erfaßt und streichelte sie und drückte fie kosend an Wangen und Lippen. Und sonderbar, die sanfte «Stimme des schüchternen jungen Mädchens, die leise liebkosende Berührung ihrer Hände und ihres Antlitzes übten einen wohlthuenden beruhigenden Einfluß auf die aufgeregte Stimmung Gertruds auS und langsam verstegten ihre Thräuen.
(Fortsetzung folgt.)
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Religion ist Privatsache!
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So behaupten die Sozialdemokraten, nm unerfahrenen Leuten Sand in die Augen zu streuen. Sie wissen gar gut, wie tief noch unserem Lolke die Religion im Herzen wurzelt, und daß viele mit beiden Händen sich die Ohren zuhalten würden, wenn sie ein einziges feindliches Wort gegen dies geheiligte Gut ihres Lebens vernähmen. So wird
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1 4.
beim ausgesprengt: „Religion ist Privat'ache!" Das heißt, man kann zugleich ein gesinnungstüchtiger Sozialdemokrat und ein glaubeustteuer Christ sein.
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Wer glaubt solches? Schon eine oberflächliche Gegenüberstellung der christlichen Lehren mit denen der
Matthä:; . Sonntq du
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Sozialdemokratie zeigt den Widerspruch.
Der Katechismus lehrt: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib!" Die Sozialdemokraten predigen die freie Liebe, die alle Einrichtungen der Ehe und Familie auf den Kops stellt. Zm Sirach steht: „Gott segnet den Frommen ihre Güter, und veim die Zeit kommt, gedeihen sie bald". Die Sozialdemokraten behaupten: „Eigevthum ist Diebstahl!" — Die christliche Hausordnung ruft
„ i ms zu: „Bete und arbeite!" Die Sozialdemokraten
» - verspotten das Gebet als Unsinn und Hetzen die Leute
auf, die Arbeit einzustellen, wodurch über viele VCk I tausend fleißige Familien Noth und Elend gekommen iK. — Christus nennt sich Weg, Wahrheit und Leben und bekräftigt seine Herkunft, die nicht von
1.20
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ersue'n.
IX, lang.
dieser Welt,' sondern vom Himmel ist. Die Sozialdemokraten stempeln ihn zu einem der Ihrigen, dessen Bild schlaue Pfaffen entstellt hätten, und setzen ihn in eine Reihe mit Lassalle, Marx, Engels und roheren. — Die Schrift spricht: „Jedermann se unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat!" rod: „Ehre, dem Ehre gebühret!" Die Sozialdemokraten thun alles, um der Obrigkeit das Leben so schwer wie möglich zu machen, und wenn brave Patrioten dem Kaiser ein Lebehoch darbringen wollen, so proteftiren sie dagegen.
uzen
ndler, 11.
Mk, entel, 28.
ans Messer gekommen, dann werden die Sozial- „ demokraten auch mit der Religion aufräumen. Doch HTC1I dahin hat es gute Weile. Ja wir find gewiß,
viederkehrenden Aufforderungen zum Austtilt aus W. j der Landeskirche? Warum erheben die sozialistischen Blätter ein Freudengeschrei über jeden angeblichen ■"Rückgang der Kirche? Das ist gewiß, daß im " ° socialistitchen „Staate" kein Raum für das Christen-
chum sein wird. Ist die monarchische Staatsform
Ml Diese kurze Gegenüberstellung beweist deutlich, bcE> es den Sozialdemokiaten wenig Ernst ist mit H |l bfm Satze: „Religion ist Privatsache." Die »aakk' Religion ist ihnen ein Gegenstand bittern Hasses und maßloser Feindschaf t. Welchen Zweck hätten sonst die immer
daß nicht die Sozialdemokratie das Christenthum, sondern daß das Christenthum die Sozialdemokratie überleben wird.
Solange im Deutschen Vaterlande noch die Kirch- tijüime emporragen, solange noch die Glocken den Sonntag einläuten, solange Gottes Gruß den Lebensanfang der Kinder weiht, die Brautpaare am Altar segnet, zum Tagewerke Kraft spendet und müde Erbenpilger zum ewigen Frieden ruft, wird die Social- demottatie ihr Ziel nicht erreichen. Unser Volk weiß, was es an seiner Religion hat, weiß, daß auf einer Seite seines Bibelbuches mehr praktische Lebensweisheit steht, als in hundert Büchern der sozialistischen Volksbeglücker, und daß Christus an einem Tage seines Erdenwalles unendlich mehr Gutes gewirkt hat, als alle socialistischeu Parteigrößen zusammengenommen in ihrem ganzen Leben. Wir sagen: Religion ist uns die Hauptsache. Mit Gott beginnen wir unsere Lebensarbeit, mit Gott dient jeder ehrliche Deutsche seinen Lebensaufgaben, seinem Datei lande, seinem Herrscher gegen innere und äußere Feinde. In der Religion liegen die starken Wurzeln unserer Kraft. So veeklingt nie der deutsche Ruf: Mit Gott für König und Vaterland! Mit Gott für Kaiser und Reich!
Umschau.
Zur Trauung Sr. Hoheit des Herzogs Ernst Günther zu Schleswig-Holstein wird der „Post" von gut unterrichteter Seite geschrieben: Die Vermählung des Herzogs Ernst Günther zu Schleswig-Holstein mit der Prinzessin Dorothea von Sachsen Koburg hat eine solche Fluth von Preß- öußerungen.je nach der verschiedenen Parteirichtung hervorgerufen, daß eS angezeigt erscheint, einige authentische Notizen zu geben. In Koburg hat am 2. August die evangelisch-lutherische Trauung in der Herzoglichen Schloßkapelle durch den ftüheren Lehrer des Herzogs Ernst Günther, den Pastor Mühlenhardt in Schönkirchen bei Kiel, stattgefunden, nachdem die passive Assistenz am 30. Juli in Wien vor dem dortigen katholischen Geistlichen vollzogen worden war. Die evangelisch-lutherische und protestantische Trauung — denn das ganze schleswig-holsteinsche Haus gehört der lutherischen Konfession an — war von Anfang an die ratio sine qua non für Se. Hoheit den Herzog Ernst Günther als Oberhaupt eines lutherischen Fürstenhauses. Um nach Möglichkeit die Parität der beiden Konfessionen zu wahren, hatte unter diesen Umständen nach den katholischen Bestimmungen die assistentia passiva zu erfolgen, und als Domizil der Braut wurde Wien als der hierfür in Frage kommende Ort erachtet. Leider bemächtigte sich die Presse der verschiedenen Parteischattirungen, zum Theil gewiß in lobenswerihem
leidt
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(gortfarag.)
(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
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----- 1 , Roman von Maria Theresia May, clgasse^ ; tzerf. des preisgekrönten Romans „Unter der Königstanne.
lieb’
Bett
u. H» end ergtk-,
* Geist und Gemüth hält, was ihre Augen Der» Rechen, so hast Du wirklich ein Kleinod gewonnen.
Ich werde ihre Farben tragen und ihr ein getreuer $titr sein, und das wird sie sich trotz ihres ^istokratenhaffeS gefallen lassen."
Komtesse Klementine hatte ihre junge Schwägerin den schönen, mit farbigen Glasbildern gebückten Korridor in die neu hergerichteten Räume ■ühn, welche zur Wohnung des jungen Ehepaares
- »Ich denke auch, Onkel, besonders wenn der ^üet gleichzeitig auch ein getreuer Eckart ist." y j L Graf Körting lachte. „Sehr fein zmückgewiesen. chinev :«t sei nur ruhig, mein fünfzigjähriges Herz brennt n . nicht mehr, so heiß eS auch unter Umständen
■ SOI* schlagen kann. Ich übernehme gern auch die
Wt Rolle." —
! Mama wird sich zufrieden geben. Die Haupffache . doch' daß ich ein Weib gefunden habe, das "eine ganze Seele erfüllt. — Ich weiß nicht, Onkel, Item 6^ Du je geliebt hast, wenigstens in dem Sinne, fften ®it ich bie Liebe verstehe; aber wenn dies der Fall s MS . $ar, so wirst Du ja begreifen, daß keine Erwägung , glöfi* »ich abhatteu konnte, Gerttud zu meiner Frau zu ein, v fachen, und Furcht vor irgendwelchen Unannehmlich- eruch s Diteu doch in letzter Linie zu zeigen."
- ins Graf Körting pfiff ein paar Takte und v‘ ■chlug aber dann mit kräftiger Hand seinem > Heu^ -Mt auf die Schulter. „Du bist ein ganzer Mann, _ rtoge, und ich wünsche Dir und Deiner Frau von um ^zeu alles Glück. Sie ist wunderschön, und wenn
bestimmt waren. Schweigend schritten die beiden durch den Gang; Klementine verstohlen die Frau ihres Bruders musternd, Gerttud mit ihren peinigenden Gedanken beschäftigt, kaum das junge blasse Mädchen neben sich beachtend.
„Bitte hier," sagte plötzlich die sanfte Simme Klementinens, und drückte die Thür eines stattlichen Vorzimmers auf, aus dem man in die Gemächer der jungen Gräfin gelangte. „Ich danke," sagte die junge Komtesse. „Sie begeben sich sogleich in Ihr Toilettenzimmer, es ist so lästig, im Reiseanzug zu sein."
Müde und apathisch nicktt Gerttud, flüchtig streifte ihr Auge die auserlesene Einrichtung der Räume; aber nichtsdestoweniger bemerkte sie doch, daß trotz des auch hier fühlbaren Reichthums alles viel wohnlicher und traulicher erschien als im linken Flügel bei der alten Gräfin. Blumen, seltene Treibhaus- blüthen sowohl wie heimische Frühlingspflanzen dufteten und blühten an allen Ecken und Enden, alle Zimmer waren wohlig durchwärmt, und im Boudoir flammten noch mächtige Buchenscheite hinter dem Gitter des MsmorkamiuS.
Enttäuscht bemerkte Komtesse Klementine, wie wenig ihre Schwägerin von dem Arrangement der Zimmer-Einrichtungsstücke Notiz nahm, und Klementine hatte fich doch, schon dem Bruder zu Liebe, soviel Muhe damit gegeben. Immer wieder war fie herein- geschlüpft und hatte verändert und geruckt; fie selber hatte die Topfpflanzen und alle Blumen im Treibhaus angewählt, welche in die Gemächer der „jungen Gräfin" kommen sollten, und vor einer Stunde noch hatte sie selbst den weißen Flieder im Wärmhause abgeschnitten, deffeu zarte Trauben jetzt in dem schlanken Gefäß von schillerndem oenetianischen Glase in Gertruds Boudoir dufteten. Und wie verstohlen fie alles
Eifer, so ftüh dieses Gegenstandes, während die Verhandlungen mit den einzelnen kirchlichen Oberbehörden noch schwebte», daß eine konfessionelle Schärfe auf beiden Seiten erzeugt wurde, die die Verhandlungen erschwerte. Namentlich Blätter, welche sich schmeicheln, dem Throne nahe zu stehen, wie z. B. „Der Reichsbote", sollten sich doch bewußt sein, welch schlechten Dienst fie den betreffenden Fürsten leisten durch derartige Preßerzeugniffe, wie sie diese letzte Zeit hervorgebracht hat. Abgesehen davon, daß die bett. Fürsten sich voraussichtlich wenig in ihren Entschließungen durch derartigeGefühlsausbrüche beeinflussen lassen, zeugt es doch von sehr geiingem Zutrauen zu den festen Anschauungen der betreffenden Fürstenhäuser, wenn unsere konfessionelle Presse glaubt, daß dieselben eines derartigen Ansporns bedürfen. Auf der anderen Seite wird nur der konfessionelle Hader vermehrt, denn es erfolgte sofort das Echo katholischer Seite. Dieses Resultat muß doch von allen monarchisch-kirchlichen Elementen enschieden bedauert, werden, und jedenfalls zeugte es von größerer Nachsicht auf katholischer Seite, daß trotz dieses bedauerns- werthen Preßkrieges eine ganze Reibe katholischer Fürstlichkeiten zu der rein protestantischen Trauung erschienen ist. Fest in den evangelischen Anschauungen, ohne aggressive Schärfe, auf dieser Basis läßt sich ein gütliches Zusammenleben mit der großen katholischen Bevölkerung doch ermöglichen, ja sogar ein Zusammengehen ber kirchlichen und monarchischen Elemente beider Konfessionen. Das Analogon biet so manche gute Mischehe innerhalb unseres deutschen Vaterlandes.
Die meisten französischen Blätter bringen spalten-, ja seitenlange Erörterungen und Berichte über das Wirken des verstorbenen deutschen Staatsmannes, dessen Biographie eine ganze Beilage des „Temps" füllt. Die meisten Organe der Pariser Presse zollen der unbegrenzten Vaterlandsliebe des verstorbenen Reichskanzlers die wohlverdiente Anerkennung und Georges Thiöbaud, der Erfinder Boulangers, giebt der Hoffnung der Chauvinisten Ausdruck, daß diesen dereinst auch ein Bismarck erstehen möge, der das Werk des Altreichskanzlers vernichten könnte. Die französischen Urtheile über den großen Todten sind zu bekannt, als daß man sich darüber wundern könnte, wenn man fie jetzt wieder liest. Aber trotzdem sprechen ihm auch seine Feinde seine Größe nicht ab. Das „Petit Journal" schreibt:
„Der geborene Feind Frankreich«, der Fälscher der Emser Depesche, der über unser Land einen „zur deutschen Einigkeit unumgänglichen * Krieg hereinbrechen ließ, der eisern« Kanzler, der den verbrecherischen Grundsatz „Gewalt geht vor Recht" anfzustellen wagte, ist nicht meyr. Er ist ohne Zweifel eine der größten Gestalten der Geschichte, und trotz seiner letzten Niederlagen wird da« Verschwinden des-
dies hatte thun müssen; die Mutter hätte es nicht wiffen dürfen, daß sie Klementine um die Einrichtung bekümmerte. Als Graf Körting feiner Schwester von dem Schreiben Herberts hatte Mittheilung machen wollen, in welchem dieser genaue Anweisungen bezüglich der Instandsetzung des linken Flügels gab, hatte sie ihm sofort das Wort abgeschnitten. Sie !önne nicht hindern, daß alles im Schlöffe auf den Kopf gestellt werde; was der Majorathsherr anordne, müsse vollführt weiden; aber fie selbst wolle davon nichts hören und sehen' Thatsächlich ignorirte fie die mit derartig umfassenden Renovation verbundene Bewegung vollständig.
Das Schweigen der jungen Frau wurde für komteffe Klementine endlich drückend, so überwand le dann tapfer ihre Schüchternheit und fragte, im Boudoir den Schritt anhaltend; „Ist Ihnen alles o recht — gefällt Ihnen Ihr Heim?"
,O ja, eS ist alle» sehr schön, sehr gut," ent» gegnete fie zerstreut. Da blieb ihr Auge an einer Stelle der breit vorspringenden Fensterwölbung haften, )ier hing in braun gebeiztem, schön geschnitzten Rahmen, über dem ein Strauß künstlicher Alpenblumen befestigt war, ein für Gerttud wohlbekanntes Bild, ms erste Geschenk Herbetts, das sie an ihrem Ver- obungStage von ihm erhalten hatte — das Bild )es Friedhofes von Böckstein mit den Gräbern ihrer Eltern.
Wie ein Kind streckte die junge Frau beide Arme darnach aus, als müßte fie es fassen und an ihr Herz drücken! „DaS Bild — Vater, Vater!" stammelte fie ausichluchzend. Die mühsam ieherrschtt Fassung war dahin, und in ein heißes eidenschaftliches Weinen ausbrechend, sank sie auf den kleinen Sessel nieder, der in der Ecke unter dem
jenigen, der lange Zeit Herr im Hause war und die Zügel des deutschen Reiche« führte, in oer ganzen Welt eine bedeutende Erregung hervorbringen."
DaS „Journal des Debats" bemerft:
„Man muß weit in der Geschichte zurückgreifen, um da« Beispiel eine« Manne« zu finden, der unS so viel liebel zugefügt hat. Das hindert un« aber nicht, anzu- eikennen, daß er politische« Genie, GeisteSgewandtheit und Stärke, Charakterstärke und Hartnäckigkeit besaß, welche Eigenschaften Niemand seit Beginn de» Jahrhundert« und dem Sturze Napoleon» I. so weit entwickelt hatte, wie er. Er war Deutscher und Preuße, Patriot und hat ein riesiges, festes und dauerhaftes Werk zurückgelaflen, das ohne ihn nicht möglich gewesen wäre. Die Allianzen, die er für sein Land geschaffen und die Spaltung, in der er Europa bi« ans Ende zu erhalten wußte, sind Meisterwerke der Diplomatie, deren starken und ingeniösen Mechanismus man nicht genug studiren kann. Er blieb seinem Programm treu und verstand eS, fich zu mäßigen. Ja dem zweiten Tbeile seines Werkes sorgte er behutsam dafür, daß Europa nicht die nothwendige Ruhe einbüßte. Deutschland schuldet ihm seine Dankbarkeit, Europa, das er lange beherrscht, eine Bewunderung mit Vorbehalt; Frankreich seinerseits muß, abgesehen von seinem Unglück, gegen den Rückschritt proteftiren, den die BiSmarck'sche Politik einigen der edelsten Prinzipien beigebracht, dir der Menschheit zur Ehre gereichen."
Der „Temps" sagt in seiner ausführlichen Studie a. 8t.:
„Man begreift, daß die Deutschen in ihrem Jubel vergessen haben, wie theuer Bismarck die Bildung der deutschen Einheit sie und die Welt bezahlen ließ. Da» ist ihre Sache, vielleicht hätten fie aber besser daran gethan, zu warten, andere Msttel zu gebrauchen, nicht ihre Sitten, Ueberlieserungen und Prinzipien zu opfern, nicht das idealistische und liberale Deutschland von ehedem vor dem Moloch de» preußischen Militarismus zu beugen, ein moralisch und politisch einiges, großes Deutschland einem großen Preußen vorzuziehen. Wir für unseren Theil haben da« Recht, zu bedauern, daß die Dinge durch die Fehler Aller diese Wendung angenommen, daß daS Genie Bismarck» die Geschicke der Welt auf jene Bahn gedrängt, und daß eines der größten Dinge dieses Jahrhunderts anscheinend auf der Feindseligkeit zweier großer Rassen beruht, die der Menschheit gleich nothwendig find 1866 trug den Keim von 1870 in fich und 1871 veranlaßte alle Mißverständnisse, alle Zwistigkeiten, alle Konflikte deS letzten Viertel» des Jahrhundert«. Da» hindert uns, ohne Vorbehalte den elften Triumph de» großen Staatsmannes zu feiern".
In ber deutschen Juristenzeitung kommt der Rechtsanwalt am Kammergettcht, Dr. Korn, auf den Prozeß Kiefer zurück und fordert, daß nun endlich daran gedacht werden solle, die Befugnisse ber Sittenpolizei wenigstens gegenüber ben ber Gewerbe- Unzucht Verdächtigen gesetzlich oder durch allallgemeine Verordnung festzulegen. Das ganze Institut der Sittenpolizei entbehre jeder gesetzliche» Sanction. Es beruhe auf Gewohnheitsrecht, und die Gesetzgebung sei der Regelung desselben geflissentlich ausgewichen. Auf die Dauer werde dieses Verhalten nicht möglich sein. Daß verdächtige Personen, wenn sie sich nicht legitimiren können, fistitt werden, fei nicht zu ändern. Aber schlechterdings untersagt muffe eS