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glaubt nicht umhin zu können, dem Minister des Inner« ihr aufrichtiges Bedauern darüber anszusprechen, daß er, um über die Ursache des Wachsthums der Sozialdemokratie unterrichtet zu werden, auf die Be­richte der Regierungspräsidenten angewiesen ist. Wen» sie aber fortfährt, aus dem, was die Regierungs- Präfidenten berichten, würde der Minister des Innern weuiger lernen, als wenn er einige Zeitungen lese vorausgesetzt, daß es keine konservativen oder Regierungsblätter seien, so spottet sie ihrer selbst und weiß nicht wie. Den» darüber kann allerdings kein Zweifel bestehen, daß, was nicht die wirthschaft- liche Roth auf dem Lande und in den kleinen Städten mit den Bewohnern, die früher wett kaufkräftigere Landwirthe und andere Produzenten zu ihre» Ab­nehmer» hatten, beigettage» h«t, um ein gut Thell Wähler der Sozialdemokratie in die Arme zu tteiben, ganz gewiß die demagogische Agitationsmethodc zuwege gebracht hat, die sich auch bei den letzte» Wahle» wieder die sogenannte fteisinnige Parteipresse als Flamme Vorbehalten hatte. Oder glauben die Herren in den Berliner und anderen großstädtischen fteisinnigen Zettungsbureaus, daß die kleinen Bürger auf dem Lande und in den kleinen Städten, die nicht in der Lage sind, sich den Zusammenhang der Dinge klar zu machen, zahm bleiben könnten, wen» ihnen, die mit der Roth der Zeit kämpfe». Tag für Tag vor­geredet wird von den manchesterliche» Blättern, die Vertheuerung der Lebensmittelpreise sei ein Mittel, ersonnen von der Regierung, um das Volk mürbe zu machen?" _________

letzten Ehrung unseres in ein besseres Sein abbe­rufenen Altreichskanzlers. Fürsten und Völker be­eilen sich, dem deutschen Kaiser und dem deutschen Volke ihre Theilnahme auszudrücken bei dem Verluste eines solchen Deutschen, des Stolzes seiner Nation! Und Kaiser Wilhelm II., der auf der Rückfahrt von der Nordlandsreise begriffen ist, sicher betritt auch er nur aufs Tiefste er- fchüttert wieder den deutschen heimischen Boden; die begonnene Todesruhe eines Fürsten Bismarck, sie läßt durch sein kaiserliches Erinnern nochmals all' die Bilder jener Vorgänge Heraufziehen, die den Fürsten Bismarck einst von seinem Kanzler- Amte getrennt und die sich dann in den letzten acht Jahren seiner bisherigen kaiserlichen Regierung in Berlin und Friedrichsruh abgespielt. Fester halten möchte da das Herz des kaiserlichen Herrn davon wohl jede Episode, die ihn mit Fürst Bismarck er­neut und wieder thunlichst geeint und wir freuen uns, daß deren doch fo gar manche dage- wefen ist vor dem ewigen Stillstände des Bismarck'schen Herzens! Haben doch mit uns alle Deutschen jeden Akt solcher Versöhnlichkeit und monarchischen Huld gegenüber einem Fürsten Bismarck mit aufrichtigster Herzensfreude begrüßt, verknüpfte ein jeder doch mehr und mehr wieder die Trennung, welche zwar niemals zwischen Bismarck nnd der deutschen Nation, wohl aber leider zwischen dem Altreichskanzler und seinem Kaiser aus dem Hohenzollernhause bestanden hatte! Auch unseres Kaisers Bruder, Prinz Heinrich von Preußen, hat wohl nicht geahnt, daß es das letzte Mal sein müsse, als er vor seiner Ausfahrt nach Ostasien den Fürsten Bismarck zum Abschied in Friedrichsruh besucht. All' den Deutschen aber, die den Fürsten auf seiner letzten Reise nach Wien, oder in Friedrichsruh noch einmal gesehen und sprechen gehört, wird jetzt, da der gewaltige Geistes-

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Dienstag, 2. August 1898.

?,m die Erde trug in der Nacht zum I gestrigen Sonntag der Telegraph die p deutsche Schmerzenskunde: Fürst Otto von Bismarck, des geeinten deutschen Reiches erster Kanzler, ist in Friedrichsruh am 30. Auti Nachts 11 Uhr gestorben. Mitten in die Hoffnungen auf des 83 jährigen Fürsten (auch unseres Marburger Ehrenbürgers) Wiedergenesung, welche die Nachrichten vom Sonnabend nur be­stärkten, traf diese tief erschütternde Meldung. Die vorletzte Stunde des 30. Juli ist zu einer der historisch bedeutsamsten des Jahrhunderts geworden: bei ihrem Ende schloß sich für immer der Mund, hörte für immer auf zu schlagen das Herz des bisher größten deutschen Staatsmannes! Ungeahnt schnell steht nun die deutsche Nation an der Bahre ihres treuesten und verdientesten Sohnes, dessen politisches Können, gestützt auf staatsmännisches Geschick und unerschütterlichen Willen, durch Blut und Eisen die deutschen Völker geeint und dann den Erbfeind niedergeschlagen. Auf Grund seiner Bismarck'schen Politik vermochte unter Gottes Führung ein weiland König Wilhelm von Preußen, dank auch der Taktik eines Moltke, die Heere von Sieg zu Sieg zu führen, bis ihm dann am 18. Januar 1871 die deutsche Kaiserkrone im Sitzungssaale zu Versailles aufs Haupt gesetzt worden. Mit ihrem weit und mächtig hinaus­ragenden Glanze bleibt das Andenken und der Name unseres Fürsten Otto von Bismarck auf ewig verbunden, in seiner Geisteswerkstatt ist sie geschmiedet und gehärtet!

Während wir diese Zeilen schreiben, führen aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes die Züge einenPalmen-,Blumen-und Lorbeer-Regen nach dem Sachsenwalde zum Paradebett des großen Todten, überall auf dem Erdball finnen Angehörige unserer Nation nach über ihre Bethätigung der

Fürst Bismarcks letzte Stunden.

Vom 30. Juli Nachmittags an lagen über das Befinden des Fürsten Bismarck bis zu seinem Ableben noch folgende Meldungen vor:

»erlitt, 30. Juli. Ueber das Befinden deS Fürsten Bismarck lauten die Nachrichten heute weniger günstig. Ein Telegramm aus Friedrichsruh meldet: Der Fürst speiste gestern Abend mit Appetit, doch war der Schlaf heute Nacht weniger gut als in der voraufgegangenen Nacht. Der Husten, an dem der greise Patient schon geraume Zett leidet, quälte ihn, sodaß die Nachtruhe öfter unterbrochen wurde. Der Zustand des Fürste» ist sonst un­verändert. In Hamburg verbreiteten fich in den späteren Nachmittags stunden wieder sehr beunruhigende Gerüchte über daS Befinden des Fürsten Bismarck. Obwohl dieselben von keiner Sette authentische Be­stätigung erfuhren, machten fie doch überall tiefen Eindruck. Professor Schweniuger ist zur Zeit in Friedrichsruh nicht anwesend; auch Graf Wilhelm Bismarck ist heute von dort abgereist, so daß die Verschlimmerung im Befinden des Fürsten, falls die betteffenden Nachrichten fich bestätigen sollten, ganz plötzlich erfolgt sein müßte.

Hamburg, 30. Juli. Das Befinden des Fürsten Bismarck wechselt. Die letzte Nacht ver­brachte der Fürst vielfach schlaflos, so daß heute wieder große Mattigkeit vorherrscht. In FriedrichS- ruh scheint man nicht ohne Besorgniß zu sein.

Hamburg, 30. Juli, Abends 6 Uhr. In der Umgebung des Fürsten Bismarck herrscht, wie wir

heroe nicht mehr in dieser Zeitlichkeit weilt, diese Erinnerung tausendfach theurer sein!

Auch wir treten denn heute im Geiste, thränen- feuchten Auges, an die Bahre unseres Bismarck. EinS ch l u m m r e sanft!" ertönt aus tief dankbarem deutschen Herzen über unsere Lippen, in stillem Gebete begleiten wir die Seele des Heimge­gangenen zu lichterem Sein vor Gottes Thron. Dann aber fragen wir uns Angesichts dieses geistes­gewaltigsten, nun stillen deutschen Mannes, der der beste Deutsche gewesen: wie danken wir und unsere Nachkommen es ihm in seinem Sinne, was er an uns Deutschen gethan? Und unserem Gebete folgt an dieser uns heiligen Stätte des Todes das Gelübde:Deutsch sein und deutsch bleiben zu wollen mit jeder Faser unseres Herzens bis in den Tod!" Deutsche Treue für Kaiser und Reich, Liebe zum deutschen Vaterland, allzeitiges Eintreten für deutsche Ehre und deutsche Sitte, deutscher Glaube und Gottesfurcht, sie sollen uns innewohnen jederzeit so, wie sie einem Fürsten Bismarck eigen gewesen! An seiner Bahre geloben wir, sie allzeit unserer Jugend lehren zu wollen als größte nationale Güter unseres Volks, als ein Erbe Bismarck, im Frieden der Wohlfahrt des deutschen Volkes gewidmet, dem Feinde gegenüber auflodernd in heiligem deutschen Zorne! So werden wir ein Jeder zu unserem Theile weiter zu schaffen ver­mögen an dem unsterblichen deutschen Werke Otto von Bismarcks, so ist es eines jeden guten Deutschen Pflicht! Nichts anderes, als dieses Pflichtgefühl vermag wohl in uns mit der Zeit den Schmerz zu lindern, den mit all den Deutschen auch wir in tiefster Seele empfinden durch Fürst Bismarcks Tod! In schmerzerfüllter Trauer scheiden wir von der Stätte seiner letzten Ruhe. H a v e pia anima! h.

Nach den Trinksprüchen, die beide in französischer Sprache gehalten waren, wnrde die rumänische, bezw. die russische Nationalhymne gespielt.

Zu dem durch daS sozialdemokratische Zenttal- Organ veröffentlichtenGeheimen" Erlaß des Ministers des Inner«, Frhrn. v. d. Recke be- mertt dieAllgemeine Zeitung"s:Daß derVowärtS" in den Besitz dieses Schrift­stückes gelangt ist, dürfte nach den früheren Vor­gängen nicht weiter überraschen; in den Regierungs- bureans aber soll man sich fragen, ob es nicht an der Zett sei, ebenso wie im auswärtige», auch im innere» Dienst im gegebenen Fall mit Chiffren zu arbeiten. Vielleicht vertrüge auch der ge- sammte bureaukratische Apparat eine durchgreifende Modernifirnng. Im übrigen ist eS im vorliegenden Fall von gar keiner Erheblichkeit, daß derVor­wärts" die zukunststaatliche Praxis antizipirt und sich über etwas hinweggesetzt hat, was von anständigen Angehörigen der jetzige»reaktionären Gesellschafts­klasse" als Geheimniß respektirt worden wäre, wenn sie das WortGeheim" gelesen hätten. In der Thai, es hätte nichts geschadet, wenn Herr v. d. Recke seinen Runderlaß schon vor drei Wochen imReichs­anzeiger" oder wo er sonst wollte, veröffentlicht haben würde, denn er enthält nichts, als eine ganz selbst­verständliche Anfrage bei den nachgeordneten Instanzen, welche besondere Verhältnisse sozialer oder sonstiger Art etwa zu dem Anwachsen der Sozialdemokratie insbesondere! auch auf dem platten Land Anlaß gegeben haben. DieVossische Zeitung"

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öchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blatter, die Annoneen-

Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde- on bürg, Wien; Rudolf Mofle, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; öd. C. L. Daube & Co., Frankfurt a. M.. Bettin, Hannover, Paris x.

.Gestatten mir Ew. Majestät, meinen tiefen Dank fit . Majestät huldvolle Worte auszudrücken, wie auch für so warmen, so herzlichen Empfang, den Ew. Majestät k zu bereiten geruhten, und Ihnen zu versichern, tote Ar ich bte zarten Aufmerksamkeiten empfinde, mit denen Majestät mich überhäuft hat. Die Erinnerung au »einen Aufenthalt in Rußland wird für alle Zeit in

_ Herzen eingegraben bleiben, ebenso wie jene an die j fSckliche Epoche, da meine junge Armee «nf den Schlacht- j federn zwischen der Donau und dem Balkan an der Seite k-8 tapferen Kaiserlichen Heer eS gefochten hat, mit dem M heute, Dank der Güte Ew. Majestät, ein neuer kost- °°res Baud verbindet. Eins mit meinem Laude in den- Ani Gefühlen und in dem lebhaften und au richtigen Zutsche, daß mein Besuch bei Ew. Majestät die besten Be­dungen Herstellen und dazu deittagen möge, die B-> 8Zungen der Freundschaft mit dem mächtigen Reiche Ew Siefiät noch enger zu knipsen, hege ich die heißesten Wünsch, fjjr daS Glück Ew. Majestät und dasjenige des ^Nerlichen Hause», indem ich die Votsehung bitte, alle

Segnungen auf Ew. Majestäten und ihre getreuen ^»thanen auSzugießen Ich erhebe mein GlaS auf die Wundheit Ew. Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin, auf jene Ihrer erlauchten Mutter:Ihre Majestäten p« hoch!'

Umschau.

Bei dem i» P e t e r h o f am 29. Juli statt- ctbabten Galadiuer brachte Kaiser Nikolaus folgenden Trinkspruch auS:

.Indem ich Ew. Majestät für Ihren Besuch danke, erbebe ich Ihnen zu Ehren mein GlaS und trinke ebenso tof die Gesundheit Ihrer Majestät der Königin, Sr. König­lichen Hoheit des Prinzen Ferdinand und auf das Gedeihen Sumänieni."

Der König von Rumänien erwiderte feaitf:

Erscheint täglich außer an Werftagen nach Sonn- und Feiertagen. 1 Quartals-Abonnements-Preis bei der Expedition 2 Mk., bei allen 1*0 Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge- spaltene Zeile oder bereit Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.

Ragen» örung, ., gebt tgett» pachtet gesund (878

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