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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

BtattMibBttlM: 3oh. «ug. Koch, UniverMtS-Buchdruckerei in Marburg. «enmtwottltch für bk Äeixftien; Redakteur M. Hartmann tat Marburg

Spedition: Markt 21. - Telephon 55. Redaktion: Markt 21. - Telephon 55.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartals-Abonnemcnts-Preis bei der Exvedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge­spaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 31^Juli 1898.

Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition diese? Blatte«, die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Magde­burg, Wien: Rudolf Moss«, Frankfutt a. M Berlin, München, Köln; 6. L. Daube & Co., Frankfutt a. M.. Berkin, Hannover, Paris re.

33. Jahrg.

Von der Börse.

Es siebt kaum ein Institut, das sich so sehr gegen Gesetze wehrte, die Auswüchse befeitigen sollen, sie die Börse. Die ihr ergebene Presse stimmt jedet mal, wenn ein Gesetz über die Börse in Aussicht ßeht, ein Geschrei an, als ob es sich um ein Attentat handle» und das ist das Bezeichnende jedesmal stellt sich nach einiger Zeit heraus, das es ein blinder Lärm war.

Als im Jahre 1884 das Aktiengesetz verschärft wurde, gab es unter den Betheiligten große Ent­rüstung. Man verstieg sich beispielsweise zu der Be­hauptung, nach den Zumuthungen, die das Gesetz an den Aufstchisraih stelle, werde kein anständiger Mensch Whr in einen Aufsichtsrath eintreten können. Seither find viele anständige, und allerdings auch wie früher, einige weniger anständige Männer Mitglieder von ftufsichtsräthen geworden. Eine ähnliche Aufregung wiederholte sich, als im Jahre 1894 die Börsensteuer verdoppelt wurde. Diese unerträgliche Belastung, so hieß es, werde der Ruin der deutschen Börsen sein wd damit dem deutschen National-Wohlstand un- wiederbringlichen Schaden thun. Wie aber kam es »irllich? Kurz nach der Steuer-Erhöhung und trotz ihr erlebte die Börse einen glänzenden Aufschwung und machte mehr und bessere Geschäfte, al« in den Hier vorangegangenen Depresfionsjahren. Im ganzen ist ihre Thätigkeit bis heute lebhafter und ihre Lage zünftiger geblieben, trotzdem im Jahre 1897 das vielverschrieene Börsengesetz als angeblich neue .Knebelung" hinzukam.

Dieses Gesetz brachte unter Anderem über die

Zulassung von Werthpapieren zum Börsenhandel, das

Emisstonswesen, die Prospekte 20. wesentliche Ver­

schärfungen, von denen die Gegner des Gesetzes be-

ununW fausteten, sie würden den Geldmarkt und den Unter»

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llchmungsgeist hemmen und sonach ungünstig auch wf die deutsche Industrie zurückwirken. Nun halte man dcm die soeben veröffentlichten Ergebnisse der deutschen Werthpapier-Emissionen im ersten Halbjahre 1898 gegenüber! Wir haben eine solche Hochfluth von Emissionen aller Arten, für Industrie, Verkehrs- Anlagen, Banken rc. in Deutschland gehabt, wie

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noch niemals vorher. Der Nominalwerth soll 1330 Mllionen Mark betragen gegen nur 844 und 780 Mionen im zweiten und ersten Halbjahr 1897 ! Schon sind eindringliche Warnungen vor Ueber- Nibungen und Rückschlägen bei den vielfach durch dm inner« Werth der Unternehmungen nicht gerecht­fertigten großen Kurssteigerungen laut geworden. Jedenfalls hat auch das Börsengesetz der deutschen Emissionsthätigkeit keine hemmenden Zügel angelegt.

Die Wogen der Erregung, die in Börsen- und Handelskreisen hervorgeruse« waren, haben sich denn

auch ziemlich rasch geglättet. Nur der Streit um die Berliner Produkten-Börse erinnert ab und zu an jene Zeit. Bekanntlich wollte sich die Berliner Produklen-Börse den Bestimmungen des Gesetzes über die Aufsicht ec. nicht fügen und gab deßbalb ihre offiziellen Versammlungen im Börsen - Gebäude auf. Darauf begann der Streit, ob die als Ersatz ver­anstalteten Zusammenkünfte im Feen - Palast rein privater Art wären, ober ob sie unter das Börseu- Gesetz fielen. Das Berliner Polizei-Präsidium verbot sie, die zweite Instanz, der Kreis-Ausschuß, war entgegengesetzter Ansicht, und nun schwebt die Sache beim O ver-Verwaltungsgericht.

Dessen Entscheidung dürfte jedoch nur noch akademischen Werth haben; denn die Berliner Getreide- Händler wollen unter keinen Umständen ihre bean­standeten Versammlungen wieder aufnehmen. Sie erklären, ganz gut auch so fertig werden zu können, während die gegnerischenAgrarier" aus dem Ver­lust eines maßgebenden Centtal-Marktes und fester Richtpreise den größer« Schade« hätten. Von land- wirthschaftlicher Seite wird das geleugnet und bemerkt, daß die Verhinderung der maßlose« Spekulation bereits einen wohlthätigen Einfluß auf die Lage des inländischen Getteide-Marktes ausgeübt habe. Jeden­falls ist das Interesse an dem früher so erbitterten Kampfe um den Feen - Palast dem Erlöschen nahe, und der wohlthätige Einfluß des Gesetzes kommt immer mehr zur Geltung.

Umschau.

Wir lesen zu dem von uns ihr jüngst nachge­druckten ArtikelSozialpolitik auf Kriegsschiffen" in derPost" nachstehende weitere Abfertigung der Frankfurter Zeitung":DieFrankfurter Zeitung" hält uns vor, daß wir ihr den Vorwurf, sie habe die erlogenen Schilderungen über Arbeitszeit und Verpflegung auf derDeutschland" voll Freude abgedruckt, zu Unrecht gemacht hätten. Wir geben zu, daß dieser Vorwurf zu allgemein gehalten war, und schränken ihn bereitwilligst dahin ein, daß es nur eine hämische Freude war, die das edle Blatt bei der Abfassung seines Artikels überSozial­politik auf Kriegsschiffen" empfunden hat. Das geht schon aus der Einleitung hervor, in der es nach der zum tausendsten Male wiederholten Klage über dieganz außerordentliche« Anforderungen", die an die Arbeitskraft der Soldatenmehr aus etwas kleinlichen disziplinären Gründen" gestellt werden, heißt:Bisher war aber nichts darüber bekannt ge­worden, wie es in dieser Beziehung in der Marine bestellt ist. Man ist gewöhnt, das Leben unserer blauen Jungen als ein ziemlich angenehmes zu be­trachten und denkt schwerlich daran, daß die Fürsorge für sie sonderlich viel zu wünschen übrig lasse". Und

nun kommt die unseren Lesern bereits bekannte schmucklose Schilderung der Tagesarbeit" auf der Deutschland", die nach Ansicht derBerl. Polit. Nachr." nur erfunden sein kann, um die süddeutsche Bevölkerung vom Eintritt in die Marine abzuhalten. Wenn dieFranks. Ztg." von der Marinever­waltung eine Nachprüfung der von ihr vorgebrachten Beschwerden erwattet, so können wir ihr jetzt schon die Versicherung geben, daß diese Nachprüfung nicht anders aus fallen wird, wie unsere Angaben über den Dienst und die Verpflegung auf Kriegsschiffen. Beides ist streng geregelt und nur in besonderen Fällen können Ausnahmen eintreten. Daß der Gewährsmann der Frkf.Ztg." auf jeden Fall sehr wenig zuverlässig ist und auch den Marinekundigen des Blattes doch mindestens als unsicherer Kantonist hätte erscheinen müssen, geht daraus hervor, daß in derschmucklosen Schilderung" garnicht vom Nachtdienst die Rede ist, der doch sicherlich eine bedeutende Rolle auf den Kriegsschiffen spielt. Die Frankfurterin möge sich daher schnellstens um Auskunft über diese« Punkt an ihre« Gewährs­mann wenden; vielleicht kann sie bann eine vierundzwanzigstündige Arbeitszeit täglich auf den deutschen Kriegsschiffen konstatirenl Daß ferner der Gewährsmann derFrankfurter Zeitung" zu den­jenigen Leuten gehört, die nicht nur auskleinlichen" disziplinären Gründen in besonders strammer Zucht gehalten werden müssen, hätte sich das demokratische Blatt selbst sage« können, wenn es folgende Stelle in seiner Beschwerde sorgfältig beachtet hätte:Zur Stillung des Hungers wurde sogar in einer Nacht die Bäckerei aufgevrochen und 20 Brode herausgeholt, und in einer andern Nacht ein Kalbsviertel, das für die Offiziere an Deck hing, von de« Matrosen roh aufgegessen." Und eine solche Schauermär hält die Frankfurter Zeitung" ohne weiteres für wahr, wie folgende Schlußbemerkung erkenne« läßt:Mr habe« diese« einfache« Schilderungen wenig hinzuzufügen, sie sprechen beredt genug für sich . . . Wir wissen nicht, ob diese Verhältniffc die gewöhnlichen auf der Marine sind. Aber daß sie überhaupt vorkommen können, erscheint uns bedenklich genug, und wir spreche« die Erwartung aus, daß nur die Marine- Verwaltung der Sache näher nachgeht und schleunigst auf eine Besserung hin wirkt, sondern daß auch der Reichstag sich damit besaßt und für eine gründliche Prüfung dieser Verhältnisse Sorge trägt." Von einer ausdrücklichen Betonung der Absicht, daß sie lediglich die Marineverwaltung habe veranlassen wollen, der Sache weiter nachzugehen und etwa vor­handene Mißstände abzustellen, von der b*e Frankfurterin in ihrer Philippika gegen uns spricht ist also in ihrer Jeremiade nicht bie Rede gewesen. Wen« das Blatt uns schließlich einen bedauerlichen Mangel an sozialem Empfinden vorwirft, so müsse« wir allerdings gestehe«, daß sich unsere Sozialpolitik

auf Leute, die ein rohes Kalbviertel aufessen, im all­gemeinen nicht erstreckt."

Des Oefteren ist in jüngster Zeit durch die Presse die Nachricht gegangen, daß in Kattowitz (Oberschlesien) die sozialdemokratischen Agitatoren de« oberschlesischen katholischen Arbeitern einen Rosenkranz gezeigt hätten, den angeblich derGenosse" Bebel täglich bei seinen Gebeten für die Arbeiter benutze. Es sollte damit offenbar den, ihre Religion heilig haltenden Arbeitern vor Auge« geführt werden, daß sie ihre Stimmen ruhig dem Sozialdemokraten geben könnte«, benn auch die Genossen seien durchaus religiös und sogar derErste Proletarier" bete täglich seinen Rosenkranz und schließe in seine Gebete sicher sämmtliche Arbeiter ausdrücklich ein. Wie sieht es nun aber in Wirklich­keit mit der Religiösität Bebels und seiner Genossen aus? Zunächst können wir auf Grund des, für die IX. Legislaturperiode vom Reichstagsbureau herauS- gegebenenOeffcntlichen Riichstagshandbuchs" kon- ftatiren, daß Herr Bebel sich selbst als religionslos" hinstelltl Wir haben weiter die amtlichenStenographischen Berichte des Reichstages vom Jahre 1893" vor uns und finde« darin bei der im Jahre 1893 tm Reichstage statt­gehabten Debatte über de« sozialdemokratischen Zukunftsstaat" in der Rede eben desselben Herrn Bebel folgende wörtliche Auslassungen, die wir hier wiedergeben, weil sie klar die Unmöglichkeit darthun, daß Bebel oder ein anderer führender Genosse jemals das Bedürfniß nach christlichem Gebet mit oder ohne Rosenkranz gehabt haben kann. Herr Bebel ver­kündete am 3. Februar jenes Jahres von der Reichstagstribüne herab die Glaubenssätze der inter­nationalen Genossen, die ebensowohl von den anarchistischen Petroleum- und Bombenpolitikern vom Schlage Most's anerkannt werden können.

Wir find gegen alle Autoritäten, gegen die himmli­schen, wie gegen die irdischen, di« Sie uns gegenüberfleüen und mit denen Sie bisher die Mafien am Leitseil geführt haben und noch zu führen versuchen. Da« ist der uy- geheure Gegensatz, in dem wir un» zu Ihnen befinden."

Die vorstehenden Ausführungen Bebels aber er­halten dierechte Weihe" erst noch durch die Verse desberühmten" Dichters Heinrich Heine, die Bebel am Schluffe seiner sehr langen damaligen Reichstagsrede anführt und die wie folgt lauten:

Es giebt bienieben Brod genug für alle Menschenkinder, Und Rosen und Myrrhen und Schönheit und Lust und Zuckererbsen nicht minder.

Die Zuckererbsen für Jedermann, sobald die Schoten platzen 1 Den Himmel überlasten wir den Engeln und den Spatzen."

Wir begnügen uns damit, dies einfachniedriger zu hängen". Was bedürfen wir weiteren Zeugnisses dafür, daß eS nichts weiter als ein plumper Wahl- fchwindel und verächtliche Religionsheuchelei war.

(Nachdruck verboten.)

lichkciten . kennen gelernt, die aristokratische Namen

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Re über alles liebte. Er flehte sie an, doch wenigstens ^8 Versuch zu machen, ihre Vornttheile aufzugeben, habe doch bis jetzt fast uur liebenswürdige Persön-

^tlerenc« Liebe tm Herzen ist weit schwerer. Der «danke, daß Du meine Hand ausschlagen könntest,

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*il immer angenommen wird, für unS wäre die Siebe eine vorübergehende Episode in unserem Leben, Ehrend sie bei den Frauen der Gmndton ihres Da- 788 sei. Ich halte das nicht für wahr. Die Liebe $ die gleiche für beide Geschlechter, der Unterschied $ »ur, daß wir weniger darüber reden. Als ich ®i<6 sah, vergaß ich alles andere. Dein Verlust ?ire für mich schlimmer gewesen, als zu sterben.

Wie es endete.

Roman von Maria Theresia May,

trugen, und in jedem Stande gebe eS gute und schlechte Menschen es war alles umsonst, denn Gertrud beharrte in ihrer ttotzigen, ja fast verächtlichen Abweisung.

Wenn ich Dich beleidigt hätte," stellte er ihr vor,Dich herabgezogen oder Dich an ein entehrtes Dasein geknüpft, so hättest Du kaum verletzender fein können."

Daraus würde ich mir weniger gemacht haben," erwiderte Gerttud trotzig.

Nein, Geliebte, sagte er ernsthaft, so darfst Du nicht sprechen, Du mußt mir verzeihen. Du kannst nicht so grausam fein, mir mein Vergehen durchs ganze Leben nachzuttagen."

Dadurch, daß Du mich getäuscht hast, ist etwas zwischen unS getreten, das sich nie befeitigen läßt," antwortete sie kalt,ich kann Dich nicht mehr so lieb haben wie bisher."

DaS glaube ich Dir nicht," versetzte Herbett, Du kannst nicht von einem Tage zum andern eine falte, herzlose Frau werden."

Ich nehme mir nur ein Beispiel an Dir," rief sie aus.Du warst noch gestern ein ehrlicher Künstler für mich, und heute bist Du ein schlechter Evelrnann."

Nun endlich flammte es auch in seine« Augen auf, so dunkel wie in den ihren; das Blut stieg ihm inS Gefickt und hart faßte er ihre Hand.

Niemand auf der Welt hat das Recht, so zu mir zu sprechen, wie Du eS eben gethan hast," rief er ihr drohend zu,und Du wirst eS nie wieder wagen. Wenn Du nach allem, waS ich Dir gesagt, daS Herz hast, Dich von mir zu trennen, so hast Du nie auch nur einen Funken Liebe für mich empfunden, und Du bist eS, die gelegen hat. Nicht ans Liebe

(Fottfetzung.)

Ich liebe Dich, Gertrud! Wenn ich gefehlt, fade, so geschah eS nur aus zu großer Liebe. Ich falle mir vorgenommen, nicht zu heirathen, wenn ich facht ein Mädchen fände, das mich nur um meiner selbst Ulen liebte. Wir Männer werden oft falsch beurteilt,

f *6 8trf. des preisgekrönten RomansUnter der Königstanne.

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/8 Tatite mir damals jede Ruhe. Glaub es mir doch, A ®tin süßes Weib, daß ich Dich über aller liebe.' dtDu hast mich dennoch bezogen," sagte sie kühl.

4 fa ?ire für mich schlimmer gewesen, als zu sterben. /» Tod endet alle unsre Dual, ein Leben mit einer

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»0 Andere Frauen würden durch solche Hingebung Wj 'falber gestimmt worden sein. Gettrud aber A fattbe immer kälter und härter. Ihr Stolz war zu : Jji fa tief verletzt. Sie dachte nur daran, der sie ge- Eyscht Hadi; diese Thatsache war nicht fortznleugnen. güt'*L Und wieder hatte er ihr zugeredet wie einem inftv1 Zanken, thörichten Kinde; er hatte sie gebeten, in nichts anderes zu sehen als bett Mann, der

für mich hast Du eingewilligt, mein Weib zu werden, sondern weil Du der Kälte und Oede Eurer Häus­lichkeit entfliehen wolltest. Zehnfach größeren Tadel als ich verdientest Du, wenn Du mit dem heiligsten Gefühl des Menschenherzens ein Spiel getrieben hättest, während ich nur aus Liebe mir eine ver­zeihliche Täuschung erlaubte, die sich höchstens auf Wochen erstrecken konnte. Aber ich glaube das nicht. Deine Eigenliebe fühlt sich jetzt verletzt, die Grundsätze, nach denen Du erzogen bist, wecken Deinen Widerspruch, der sich nie beugen gelernt hat; was Stolz und Zurückhaltung anbelangt, so bist Du weit aristokratischer als ich. unter einem Berge von Trotz hast Du jetzt Deine Liebe für mich verschüttet, die meine wird aber stark genug fein, diese« Schatz zu hebe«. Ich sollte Dich freigeben? Nie, Gettrud! Nur mein Tod «acht Dich frei!*

Ohne Gute Nacht-Gruß hatte die junge Fran an jenem Abend ihr Zimmer aufgesucht und hatte während der ganzen Nacht gegrübelt. Gegen Morgen war sie eingeschlummert und nicht früher erwacht, bis Herbert sich über sie beugte und sie wie an jedem Tage mit einem Kusse weckte.

Du wirst mein gutes, liebes Weib fei«, nicht wahr? Du wirft mir vergeben, Gertrud, ich liebe Dich mehr wie je. Die meisten Frauen würde« selig sein in dem Gedanke«, Herrin auf Schloß Landskron zu werde«. Ich achte Dich höher, weil solche Regungen Dir fern find, hoffentlich liegt noch ein langes Sehen vor uns und wir wollen es uns nicht oerbttiern. Vergieb mir."

Stumm hatte fie genickt, ohne feine bargebotene Hand zu berühren.

Kein Schimmer eines milderen Denkens war ans ihrem schönen Gesicht zu sehen, die Lippen waren fest aufeinander gepreßt. Gerttud dachte eben daran,

wie er wohl im stiften über sie gelacht hatte, wenn fie ihn zur Sparsamkeit ermahnte oder ihn bat sich gegen die CoSway nicht so ablehnend zu verhalten, da fie ihnen von Nutzen fein könnten. Sie hatte es ihm sehr leicht gemacht, fie zu täuschen, und die Thränen des Zorns, die der kurze Schlummer ge­trocknet, stiegen wieder in die Augen. Doch was konnte fie anders thun, als mit ihm gehen; fie mußte da bleiben, wohin sie, wie sie in der unbesiegten Bitterkeit ihres Herzens dachte, ein Betrug geworfen hatte. I« dieser Stimmung reiste das junge Paar heim. Gerttud war kühl und schweigsam und ließ durch ihr ganzes Verhallen erkennen, wie tief verletzt fie sich fühlte, und Herbert neben ihr beobachtete fie scharf und »artete auf ein Zeichen der Einkehr, da­bei im innersten Herzen unsäglich Itibenb um die ge­liebte Frau,

Er hatte seiner Mutter geschtteben, und ihre Ankunft angezeigt! mit Sorge« dachte er jetzt daran, wie die erstere wohl die unwillkommene Schwiegertochter empfange« würde. Vorstchtig bereitete er Gertrud darauf vor, daß die Mutter bet der erste« Begegnung möglicherweise steif und ftostig sein würde.

Dann heuchelt fie doch wenigstens nicht,' lautete ihre Antwort,und Du weißt, ich liebe die Offenheit."

Es war ein trüber, grauer Tag, Ende April, da der Majoratserbe derer von Landskron mit seiner jungen Frau in daS Schloß feiner Väter cinzsg. Feuchtschwer hing die Fahne an der Fahnenstange auf dem Dache nieder! die goldene Krone im Wappen über dem Portale leuchtete in dem darüberjhinrieselnden Regen.

(Fottsetzung folgt.)