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Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marbnrg und Kirchhain.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. QuartalS-Abounements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile ober deren Raum 10 Pfg., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonnabend^M. Juli 1898.
Aryeigen nehmen entgegen: die Expedition dieser Blatter, die Annoncen- Bureaux von Haasenftein & Vogler, Frankfurt a. M., Casiel, Magdr- dlra, Wien; Rudolf Moss«, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln; L. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berkin, Hannover, Parts x.
33. Jahrff.
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für die Monate August und September auf die Wrrßrff. Aeiintrg nebst deren Gratisbeilage«
„Ärei8 blatt" für die Kreise Marburg uni Kirchhain, „Illustriertes Sonntag- blatt" und „Verloosungsliste der Kgl. preußischen Klassenlotterie" werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Neustadt und Wetter entgegengenommen.
Der Fall Lippe.
Mehrere Jahre hat der Lippische Erbfolgestreit die deutschen Zeitungen zu langen Erörterungen veranlaßt. ES ist bekannt, daß König Albert von Sachsen als Schiedsrichter dem Grafen zur Lippe- Biesterfeld das Successionsrecht zugesprochen hat, ahne sich über die angefochtene Legitimität der Nachkommen desselben auszusprechen, diese Frage vielmehr einer weitern Entscheidung Vorbehalten blieb. Der 6raf zur Lippe-Biesterfeld zog in Detmold als Stafregent ein, und der Fürst von Schaumburg- Lippe, welcher die Regentschaft bereits übernommen hatte, legte dieselbe nieder.
Der Fürst von Schaumburg-Lippe nahm miüler- mile Veranlassung, die Hilfe und Rechtsentscheidung des Bundesraths gegenüber den Versuchen des Grafregenten und der lippischen Landes»Gesetzgebung nachzusuchen, als diese ein Gesetz erlassen wollten, dar unter Außerachtlassung der agnattschen Rechte der schaumburgischen Linie sowohl die Thronfolge- Ordnung wie die Nachfolge in der Regentschaft zu regeln sich anschickte. Der Bundesrath hat alsbald ans das Nachsuchen dieser Rechtshilfe die lippische Regierung ersucht, eine weitere Verfolgung dieser Bestrebungen einstweilen bis zur endgtltigen Stellungnahme des Bundesrathes auszusetzen. Die lippische Regierung hat leider diesem durchaus gerechtfertigten Ersuchen des Bundesraths nur theilweise entsprochen; ste hat zwar auf die jetzige gesetzliche Regelung der Thronfolge-Ordnung vorläufig verzichtet, dagegen ein Gesetz erlassen, das für den Fall, daß der Grafregent vor dem Fürsten Alexander sterben sollte, die Nachfolge in der Regentschaft unter Außerachtlassung der vom Fürsten zu Schaumburg beanspruchten Rechte
(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia May,
Berf. des preisgekrönten Romans „Unter der Königstanne."
(Fortsetzung.)
Mrs. Cosway, die sich nicht von ihrem Platze Svrührt hatte, war außer sich vor Staunen, als sie Gertrud am Arme des Fürsten Bagdanoff sich zur Großfürstin begebe» sah, und das Verhalten der- Äben gegen die junge Frau beobachtete. Ein Vermögen hätte sie dafür gegeben, an Gertruds Stelle » sein. „Billy, mein Junge,* flüstette sie ihrem Sohn- zu, der in ohnmächtiger Wuth ebenfalls die LorstellungS Ceremonie beobachtete. „Du hast nicht W gehabt, ste muß doch eine richttge Frau und eine miche Gräfin sein."
„Leider,* entgegnete er, und gab damit ein 'chönes Zeichen seiner edlen Gesinnung. Am nächsten Sage bewies er nichtsdestoweniger eine anerkennens- Mttthe Versöhnlichkeit. Dem Marchese del Monti, Melcher ihm die Herausforderung deS Grafen Lauds- überbrachte, übergab Herr Cosway einen sehr Löslichen Brief, in dem er wegen seines Verhattens
Ballabend um Verzeihung bat. Da er de» Mahren Grund seines ungezogene» Benehmens nicht a»8ebe» konnte, beschuldigte er sich darin fteiwillig, Mtter der Herrschaft eines zu reichliche» Genusses listiger Gettäuke gestandeu zu haben.
Al» Herbert den Brief gelesen, zerriß er ih», damit war nun diese Angelegenheit erledigt. Mei Stunden später verließ« Graf und Gräfin «mdskron daS herrliche Taormina; sie reisten in die vnmathj ___________
regelt. Sie hat sich damit unzweifelhaft in scharfen Widerspruch gegen de» Bundesrath gesetzt, und es ist selbstverständlich, daß au8 diesem eigenmächtigen, das Bundesrecht offenbar kränkenden Vorgehen der deutsche Kaiser, als der Hüter der deutschen Rechtsordnung nach außen hin, die entsprechende Nutzanwendung zieht.
Da der Sraftegent für seine Familie militärische Ehrenbezeugungen beanspruchte, die vom komman- dftenden General versagt wurde», kam eS zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und dem Kaiser, über welche bisher nur Einzelheiten in die Oeffentlichkeit gelangt find. Ma» ist daher durchaus nicht berechtigt, ei« abschließendes Urtheil in dieser Sache zu fällen, wie es namentlich von Lippischer Seite in der Presse versucht wird, um Stimmung für die Ansprüche des Grafe» zur Lippe-Biesterfeld zu machen. Ehe der Schriftwechsel, der zwischen dem Kaiser und dem Graf- regeuten stattgefunden hat, nicht authentisch vorliegt, gleicht alles Gerede über diese Angelegenheit einem Sturm im Wasserglase. Es wird sowohl im Auslande als auch bei jedem national-gesinnten Deutsche» eine seltsame Empfindung wecken, wenn diese Angelegenheit nunmehr in den Hundstagen zu einer Haupt- und Staatsaktion aufgebauscht wird. Schon in frühem Jahrhunderten amüsirten sich unsere Nachbarn über das, was mau „quereile allemande* (eine deutsche Streitfrage) nannte.
Die partikularistische Presse sucht diese Angelegenheit gegen die Einigkeit der deutschen Bundesfürsten auszubeuten, wie sie ja überhaupt jede Gelegenheit benutzt, um gegen den Kaiser aufzuhetzen, als ob der Kaiser darüber eine Verstimmung hege, daß statt seines Schwagers der Grafregent in Lippe die Regierung angetretm hat. Eine Verstimmung würde sich doch nur gegen das Urtheil deS Schiedsgerichts richten können; eine solche aber ist selbstverständlich beim Kaiser, dem Hüter unseres Rechts, ausgeschlossen. Auch jetzt wieder handelt es sich um eine weitere Rechtsfrage: um die zuftieden- stellende Lösung der Frage, wer nach dem etwaigen Tode des Grafregenten die nächstberechtigten Agnaten für die Regentschaft sowohl wie für die Thronfolge sind, ob die Söhne des Regenten, deren Ebenbürtigkeit bestritten ist, oder zunächst die Brüder des Regenten. An der rechtlichen Lösung der Frage hat die schaumburgische Linie ein zweifelloses Interesse, und sie hat einen unbedingten Anspruch nach der Reichsverfassung darauf, in diesem ihrem rechtlichen Interesse gegen ungerechte Eingriffe der lippische» Landesgesetzgebung geschützt zu werden. Die Lösung dieser Rechtsftage liegt zur Zeit dem Bundesrath ob, und dort mht sie zweifellos in den besten Händen.
10. Kapitel.
Gertrud und Herberts Reise in die Heimath zurück war keine fröhliche; es fehlte ihnen jene Hoffnung auf ungettübte Glückseligkeit, welche sonst wohl jedes junge Ehepaar nach den Wonnen der Flitterwochen empfindet. Welch fteudiges Erwarten belebt die junge Frau, wenn fie an das Heim denkt, das der Geliebte ihr bereitet hat, und wie ersehnt der Mann den Augenblick, wo er die Erwählte einführen kann in ihr eigenes Reich, in welchem neben ihr nur Liebe herschen soll. Seit jenem Unglücksabend in Taormina, der Gertrud eine für sie so schmerzliche Aufklämng gebracht hatte, schien das Glück der beide» vollständig zerweht zu fein. Gertrud schien es, als hätte fie alles Sertraue» verloren zu ihm, in beffen Hände sie so gern die ihrigen gelegt hatte zum ewigen Bunde, während Herbert noch immer zuversichtlich auf die Wiederkehr seines holde» Glückes hoffte. Wessen Schuld war es, daß dasselbe so plötzlich «nb, wie es jetzt schien, unheilbar zerstört worden war?
Al» nach dem Balle in Taormina Gertrud und Herbert auf ihrem Zimmer im Hotel »»gekommen waren, hatte Sertrub nur ben Spitzenshawl vom Haar geworfen und war mit starrem Gesicht, ein drohendes Feuer in den großen Augen, hochaufgerichtet mitten m Zimmer vor Herbert stehen geblieben, bann hatte le nur gefragt: „Warum hast Du mich bettogen?*
Alles, was leidenschaftliche Zärtlichkett und glühende Liebe einem Manne auf die Lippe» drängt, hatte Herbert seinem Weibe gesagt. Er erzählte ihr, wie eS ihm stets als ein Schreckgespenst vorgeschwebt hätte, nur seines Namens und Besitzes halber als Gatte angenommen zu werden, und wie sehr ihn also der Gedanke beglückt habe, von Gerttnd allein um seiner selbst wissen geliebt zu werden, deren Schönheit,'
Umschau.
Auf eine Beschwerde der Stadtverordneten- Versammlung zu Salzwedel gegen den dortigen Magistrat wegen unterlassener Vorlegung eines Verwaltungsberichts für 1897 und einseitiger Festsetzung des Steuersolls hat der Regierungspräsident zu Magdeburg die sofortige Aufhebung der magistratliche» Anordnung bestimmt. Die Antwort des Regierungspräsidenten lautet: „Im Hinblick darauf, daß der Kämmerei- kasseneutwurf der Stadtverordneten-Versammlung sehr verzögert zugegangen ist, habe ich den Magistrat angewiesen, von der angeordneten Steuerfestsetzung Abstand zu nehmen, und habe ich mir Vorbehalten, bezüglich des Steuersatzes meine eigene Anordnung zu treffen, welche aber nicht zur Ausführung kommen würde, wenn die Versammlung die Erledigung des Kämmereikaffenetats und die prozentuale Steuerfestsetzung sofort vornimmt. Bezüglich des rückständigen Verwaltungsberichtes ist der Magistrat angewiesen worden, ihn unverzüglich der Stadt- verordneten- Versammlung vorzulegen. *
Hand in Hand mit dem sozialdemokratischen „Vorwärts* ereifert sich die „Voss. Ztg.* über die Verfügung des Eiseubahnministers, wonach in Zukunft die Bahnhofsbuchhäudler a n - stößige P r e ß e r z e u g n i s s e von dem Verkaufe auszuschließen haben. Die „Voss. Ztg.* will glauben machen, daß es sich hier lediglich um „einige mit heiteren Bildern geschmückte, luftige Wochenschriften* handelt, die von dieser Verordnung betroffen werden, und nicht um Schriften, die in sittlicher oder religiöser Beziehung Aergerniß zu geben geeignet find. ES läßt sich nicht annehmen, so sagt hierzu die „R. Pr. Ztg.*, daß der Redaktiou der „Voss. Ztg.* das „Narrenschiff" unbekannt geblieben ist. Wenn die „Voss. Ztg.* trotz der ungewöhnlichen Laszivitäten, die darin geboten werden, ein ernstes Wort der Ver- urtheilnng solcher literarischen Auswüchse nicht findet, s» ist ihr Schweigen nur zu erklären, weil hier ihre jüdisch-demokratischen Affiliirten in Betracht kommen. Wenn Jemand in einer Bahuhosswirthschaft ein Butteibrod fordert und ein Margarinedrod erhält, so wird er mit Recht die Eiseubahnverwaltung für diesen Betrug verantwortlich machen, die unzweifelhaft im Stande ist, dem vorzubeugen. Aehnlich verhält es fich auch mit der Literatur, die innerhalb der Bahnhöfe mit Erlaubniß der Eisenbahn - Verwaltung feil- gehalten wird. Frauen oder Mädchen oder junge Leute haben eine längere oder kürzere Fahrt vor, wollen sich unterwegs die Zeit vertreiben und verlangen beim Bahnhofsbuchhäudler, wie die „Voss. Ztg.* so hübsch sagt, „einige mit heiteren Bildern geschmückte luftige Wochenschriften*. Was erhalten
Reinheit und Verstand ihn vollständig gefangen genommen hätten, und wie er doch gleichzeitig gefürchtet habe, sie nimmer zu gewinnen, wenn er ihr seinen Titel genannt hätte. Wie er gehofft hätte, ihre Borurtheile allmählich zu überwinden, wie er von einem Tage zum andern die Enthüllung verschoben, weil er so glücklich im Genüsse der Gegenwart gewesen sei, »nb wie sehr er herauf rechne, daß ihre Liebe groß genug fein werde, ihre Abneigung gegen die „Vornehmen* zu besiegen. Er zeigte ihr, wie feine Liebe auf keine Stanbesbebenken, auf feine Familienrücksichten gehört habe unb schloß damit, daß er eine gleiche Hochherzigkeit von ihr erwarte.
Doch was er auch alles sprach, und welch' innige Herzenstöne er auch anschlug, es schien alle» vergebens. Gerttnd hörte ihn an mit festanfeinanber- gepreßte» Lippen, mit ineinander verschränkten Hände«; al» er in sie drang, ihm zu sagen, ob ihr Gefühl für ihn durch ben zufälligen Umstand, daß er Aristokrat fei, eine Aenderung erfahren hätte, d« entgegnete fie mit graufiger Kälte: „Ich liebte den einfachen Maler Herbert Kronau, den Grafen Landskron kenne ich nicht. Nimmermehr toürb ich eiugewilligt haben, seine Gattin zu werden. Du hast durch Dein Komödien- spiel all mein Vertraue« zu Dir erstickt; es wird niemals wiederkehren, und ich will unb werde niemals eine Gräfin fein, Du mußt mich freigeben.*
„Gertrud, fei nicht grausam I*
„Ich spreche im vollen Ernst,* erklärte fie. „Du weißt, daß ich von ftühester Kindheft an gelehrt worden bin, die Klaffe der Mensche» z» verachten, der Du angehörst. O, wie recht hatte meine Tante! Was hast Du gethau? Ein armes, unerfahrenes Mädchen betrogen und ihre Unwissenheit benutzt. Ich habe Dir meine Gesinnung nie vorenthalte», Du hast mich absichtlich getäuscht.*
fie aber, wenn man ihnen das „Narrenschiff* in die Hand giebt? Gelinde gesagt, Schlüpfrigkeiten bedenklichster Art aus dem Sumps der modernen Emporkömmlinge unb Decadenten, eine Lektüre, von der jeder Gatte und jeder Vater auf das Nachdrücklichste wünschen muß, daß fie den ©einigen unter feinen Umständen in die Hande kommt. Und es ist ein Recht, ja eine Pflicht bet Eisenbahnverwaltung, dafür zu sorgen, daß eine derartige vergiftende Lektüre von den BahnhosSbuchhandlunge» ebenso ferngehalten wird, wie gesundheitsschädliche Nahrungsmittel ober verfälschte Getränke von den Bahnhofswirthschaften. Im llebrigett kann man sicher fein, daß ein demokratischer oder freisinniger Eisenbahnminister die Bahn- hofsbuchhandlungen mindestens ebenso scharf überwachen würde. Verlangte doch vor einiger Zeit die demokratische „Volksztg.*, baß bestimmt bezeichnete Geschichtswerke von Oncken u. A. aus ben städtischen Schulbibliotheken ausgemerzt werben sollen, weil darin einige Stellen über das Verhalten her Fortschrittspartei während der Konfliktszeit in demokratischen Kreisen Mißfallen erregt hatten. Die demokratischen Blätter bekämpfen nnr die Censur, soweit davon demokratische Schriften betroffen werden, wie denn auch jetzt die „Volkszeitung* in den stärksten Ausdrücken das Verlangen »ach Beschleunigung der lex Heinze gegen die Kolportage unsittlicher — nicht, wie sie sagt, mißliebiger — Zeitungen unb Zeitschriften als eine „Unverschämtheit ber reaktionären Presse* »sw. zurückweist. Unb wer wollte daran zweifeln, daß im sozialdemokratischen Zukunftsstaat die Censur gegen nichtsozialdemokrattsche Schriften auf das Allerstrengste geübt und zu einem gänzlichen Verbot oppositioneller Kundgebungen jeder Art entwickelt werden würde?
In Peterhof trafen gestern Vormittag ber König und ber Prinz ben Rumänien auf bem reichgeschmückten Bahnhofe ein. Zum Empfange hatten sich der K a i f e r mit sämmtlichen Großfürsten und die Großwürbenttäger eingefunben. Die Musik ber Ehrenwache spielte bie rumänische Nationalhymne. Als ber König ben Wagen verließ, eilte ber Kaiser mit ben Großfürsten auf ihn zu unb begrüßte ihn unb ben Prinzen herzlich. Nach ber Vorstellung des Gefolges begaben sich ber Kaiser unb ber König im ersten, ber Prinz unb ber Großfürst Michael Alexanbrowitsch im zweiten Wagen ins Schloß. Vor bem Bahnhof bilbeten Gardekosaken Spalier, während beide Wagen von je einer Sotnie mit ber Standarte eskorttrt wurden. Die Majestäten und ber Prinz stattete« alsbald der Kaiserin Alexandra und ber Kaiserin-Mutter Besuche ab. Mittags fand im Großen Palais Familiensrühfiück, woran beide Kaiserinnen theilnahrnen, Abends Familientafel bei bem Großfürsten Michael Nikolajewitsch statt.
„Gertrud,* sagte er mit einer Ruhe unb Geduld, bie sie bei jedem anderen bewundert haben würbe, „Geliebte höre mich doch an. Ich habe Dich treu geliebt vvn jenem Tage an, da ich Dich zum ersten Male sah, bis Du mein Weib würbest, nicht wahr?*
„Ja,* erwiderte fie.
„Und hast Du während ber ganze» Zeit, in ber ich alles aufgab »nb nur für Dich lebte, irgend etwas an mir bemerkt, was Dich abstieß?*
Zögernd sagte fie: „Nein.*
„Fandest Du mich unwahr, leichtfinnig oder ohne Grundsätze? Machte ich Dir ben Einbruck, als ob ich nur mit Dir unb Deiner Tante Liebe spielen wollte?*
Unb toieber antwortete fie: „Nein.*
„Unb jetzt, ist Dir in ber ganzen Zeit, ta ber wir verheirathet sind, etwas a» mir aufgefallen, was Dft unsympathisch war, ober was Du verdammen mußtest?*
„Nein,* sagte fie, baS ist eS nicht.'
„Bis heute gehört mir Deine Achtung unb Liebe?*
„Ja,* gab sie zu.
„Unb heute, wo Du erfährst, baß ich kein Künstler, sinder» ein Edelmann bin, entziehst Du mir alle» und willst mich verlaffen? Ich bi» noch derselbe wie gestern, mein Charakter hat fich nicht im geringsten verändert, nur weft ich wohlhabender bin, als Du verrnnthest, darum sprichst Tu von Trennung. Iß das gerecht?*
„Jetzt bist Du ungerecht,* erwiderte fie. „Nicht um des Geldes willen will ich Dich verlaffen, sondern weil Du mich betrogen hast. Das kann ich Dft nicht vergeben!*
(Fortsetzung folgt.)