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undBerlatz: Joh. Lug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckrrri in Marburg. ««Eon: Markt 21. — Telephon 55.
: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhai».
*“**««• fär W* Reteftten: Redaktmi 9L Hartmann in Marburg.
*___________________________________ Redaktion: Markt 21. — Telephon 65.
'SSllIVßlirtT Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition diese, Blatte,, die Aimoncen-
ö $yrea^?on ^°Sler, Frankfurt a. M., Caflel. Mägde- qq
Dienstag,,26. Juli 1898. 33'
Bestellunge»
für die Monate August und September auf die
Hßerhess. HeiLnttg
nebst deren Gratisbeilage»
.Kreis blatt" für die Kreise Marburg uni Kirchhain, „Illustriertes Sonntags blatt" und „Verloosungsliste der Kgl. preußischen Klassenlorterie" werden von allen Postanstalten, Landbrief- lrägern, in der Expedition (Markt 21), sowie von unseren Filial-Expeditionen in Kirchhain, Zieustadr und Wetter entgegengenommen
Zum Reichstagswahlrecht
veröffentlicht in der „Cons. Corresp." das Herrenhaus- Mitglied Stuf' von Mirbach- Sorquitten die nachstehende Erklärung:
Bei der Agitation, welche den letzten Reichstags- vahlen vorausging, haben zahlreiche demokratische Md linksliberale Organe meine parlamentarischen Amßerungen über das Reichstagswahlrecht wider befferes Wissen zum Nachtheile der konservativen Partei auszubeuten versucht. Erfolge werden damit schwerlich erzielt sein, denn die großen Massen, auf die es bei den Reichstagswahlen doch ankommt, legen ihrem Wahlrecht nicht im entferntesten den Werth bei, wie die Preffe, die angeblich deren Äleresse vertritt, das darstellt. Sonst wäre das regelmäßige Fortbleiben von etwa einem Drittel aller Wähler von der Wahlurne, trotz aller Bemühungen der Wahlagitatoren der verschiedenen Parteien, nicht erklärlich. — In der Reichstagssttzung vom 9. Februar 1896 habe ich wörtlich das Nach- stchende ausgeführt:
„Wenn es die Herren interessiert, meine persönliche Meinung über das Wahlrecht zu hören, so bin ich gern bereit, sie Ihnen zu unterbreiten, aber allerdings mit derselben Reserve, daß es sich nur um meine persönliche Auffassung handelt. . . . Wenn man nicht den Reichstag und die Volksvertretungen in den Einzelstaaten auf ganz anderen organischen Gebilden aufbaueu will, sondern sich lediglich beschränkt auf eine Amendierung des jetzigen allgemeinen, geheimen und gleichen Wahlrechts, und Sie legten die Entscheidung darüber in meine Hände, — dann würde ich Ihnen folgende
Vorschläge machen. Einmal eine Prüfung derjenigen Vorschläge, welche von den Herren Sozial- Reformern gemacht sind, eine Wahlpflicht betreffend. Zweitens würde ich den Vorschlag bringen, das Lebensalter für das aktive und passive Reichstagswahlrecht zu beschränken in dem Umfange wie es für den preußischen Landtag gilt .... Dann würde ich — da stehe ich vielleicht ganz isoliert — den Vorschlag machen, das Wort „geheim" zu streichen. — Allerdings, da stehe ich tm Widerspruch mit den Herren (links). Ja, meine Herren, ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube, ich bin niemals und vor keiner Stelle zurückgewichen mit meinen Ansichten und habe ttinen Anlaß, das hier zu thun, selbst wenn wir das Mißfallen des Herrn Abgeordneten Rickert im höchsten Umfang zu theil wird. Meine Herren, nach meinen praktischen Erfahrungen bei den Wahlen habe ich gefunden, daß gerade in dem Wort „geheim", dem ja in seiner Tendenz vielleicht etwas Ideales zu Grunde liegen kann, in der Praxis das Mittel zu einer wüsten, vergiftenden Agitation der allerbedenklichsten Art liegt.....
Ich habe Ihnen ganz unumwunden meine persönliche Ansicht ausgesprochen. Meine politische» Freunde haben keinen Anlaß zu einer Stellungnahme auf diesem Gebiete."
Rach diesen bestimmten Erklärungen konnte man nur unter vollem Verzicht auf Wahrheitsliebe meine persönliche Stellungnahme mit jener der konservativen Partei identificieren. — Die konservative Partei, oder deren Leitung ist niemals in irgendwelche Berathuug oder auch nur in eine vertrauliche Besprechung des Reichswahlrechtes eingetrcten.
Von meinem besonderen Standpunkte aus beklage ich cs durchaus nicht, daß das Reichstagswahl- recht in neuester Zeit einer umfaffenden Erörterung unterzogen wurde. Zunächst ist dadurch klar gestellt worden, welche Parteien ein besonderes Interesse an dem geheimen Wahlrecht haben. Sind es die vorzugsweise staatserhaltenden?
Von ganz besonderem Interesse für die Be- urtheilung dieser Frage dürste aber der Umstand ein, daß unter den fünf, von dem sozialdemokratischen CeutralcomitS festgesetzten Bedingungen, welche bei den letzten Stichwahlen es sozialdemokratischen Wählern gestatten ollten, für einen sie erfüllenden gegnerischen Kandidaten einzutreten, in erster Reihe die nachstehende figurnte, das Eintreten:
„Für Aufrechterhaltung des allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht? in seinem jetzigen Bestand, eS sei denn, daß «e sich um Anträge auf Erweiterung oder größere Sicherung desselben handelt".
Das geheime Reichswahlrecht ist eins der wichtigsten, vielleicht das bedeutsamste Mittel, über
welches die Sozialdemokratie verfügt, um ihre Macht zu befestigen und zu erweitern.
Die Konsequenzen, welche sich daraus ergeben, liegen wohl nicht zu fein.
Umschau.
Der Fürst und die F ü r st i n von Bulgarien sind zur Zeit am russischen Hofe zu Besuch. Am 23. d. M. fand Abends um 9 Uhr Galatafel bei dem Zaren und der Zarewna im Palais statt. Rechts vom Kaiser saß die Fürstin von Bulgarien, neben dieser Großfürst Wladimir, links von der Kaiserin Alexandra saß der Fürst von Bulgari-n, neben ihm die Großfürstin Wladimir. Dem Kaiser gegenüber saß der Hofmeister Baron FrederikS, neben diesem der bulgarische Kriegsminister Iwanow, rechts Ministerpräsident Stoilow und der russische Minister des Aeußern Graf Murawjew, und sodann in weiterer Reihenfolge der Finanzmivister Witte und Generaladjutant Geueral- lieuteuant Hesse. Bei Beginn der Tafel brachte der Kaiser folgenden Toast auS:
„Ich trinke auf die Gesundheit Ihrer Königlichen Hoheiten des Fürsten und der Fürstin von Bulgarien wie auch auf die meines lieben Pathen, des chrmzen Boris, und auf das Gedeihen Bulgariens!
Auf diesen Toast erwiderte der F ü r st von Bulgarien Folgendes:
„Ich danke Ew. Majestät von ganzem Herzen für die io wohlwollenden und freundlichen Worte, die Ew. Majestät soeben gesprochen haben. Zu den Banden, welche Bulgarien bereits so eng mit der großen Schwesternation vereinen, Raffe, Religion und ewige Erkenntlichkeit gegenüber den erhabenen und unvergeßlichen Begründern der Befreiung unseres Vaterlandes, haben Ew. Majestät noch ein Ban des hohen Wohlwollens hinzugefügt, indem Ew. Majestät eS annahmen, Taufzeug« meines Sohnes und Thronerben, des Prinzen von Ttrnowo bei feinet Aufnahme in den Schooß der heiligen orthodoxen Kirche zu sein. Ich glaubte deßhalb di« heiligste und theuerste Pflicht zu erfüllen, als ich hierher kam, den Prinzen Boris seinem erhabenen Taufzeugen vorzustellen. Indem ich Ew. Majestät in meinem und der Fürstin, meiner Gemahlin Namen sowie im Namen des gelammten Bulgarien unsere tiefste und innerste Dankbarkeit ausfpreche für den so bewegenden und bezaubernden Empfang, der uns zu Theil geworden ist, und mit dem Gefühle der Freude, die mein Herz erfüllt, erhebe ich mein Glas und trinke aus die Gesundheit und die Wohlfahrt Ew. Kaiserlichen Majestät, aus die Gesundheit und Wohi- ahrt Ihrer Majestät der Kaiserin Alexandra Feodorowua und des ganzen Kaiserlichen Hauses, wie auf das Gedeihen des großen Rußland."
Die letzten Worte sprach der Fürst in russischer Sprache.
Die Ergebnisse des Reichshaushalts ür das Etatsjahr 1897/98 haben sich nach d-m Finalabschluß der Reichs-Hauptkaffe, abgesehen von den auf außerordentliche Deckungsmittel angewiesenen
Ausgaben, im Vergleich zum Etat als recht erfreuliche erwiesen. Im Ganzen find an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche verbleiben, im Vergleich mit dem Etat 63132147,43 Mk. mehr aufgekommc», wovon 274716,87 Mk. zur Deckung des Mehrbedarfs bei den Ausgaben und 37 500 000 Mark in Gemäßheit des Gesetzes vom 31. März 1898 zur Verminderung der Reichsschuld verwendet sind, sodaß als Ueberschuß des Etatsjahres 1897/98 ein Betrag von 25 357 430,56 Mark verbleibt. _____
Einigen Blättern zufolge soll in einigen Einzelstaaten der Wunsch nach Herabsetzung der Altersgrenze für den Eintritt in den Genuß der Altersrente gehegt werden. Dieser Wunsch dürfte für die nächste Revision deS Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes große Aussicht auf Erfolg kaum haben. Bekanntlich waren solche Wünsche schon vorhanden, als daS Gesetz ausgearbeitet wurde, und man hat sie damals hauptsächlich aus dem Grunde nicht berücksichtigt, weil man erst die finanzielle Tragweite der ganzen neuen Einrichtung kennen lernen wollte. Ob das in der Zeit seit 1891 schon geschehen konnte, ist doch sehr zweifelhaft. Ganz gewiß ist es aber, daß mit einer Herabsetzung der Altersgrenze gewaltige Beitragsteigerungen eintreten müßten. Amtlich ist berechnet, daß bei Herabsetzung der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre jede Marke 51/* Pfg. und bei einer Herabsetzung auf 60 Jahre 13 Pfg. mehr kosten würde. Die Zahl bei jährlich zugehenden Alterstenten würde bei Herabsetzung auf 65 Jahre von 30234 auf 56140 steigen, bei Herabsetzung auf 60 Jahre von 30 234 auf 80 750. Die Belastung würde sich danach um 30 oder 60 Proz. erhöhen. Man ersteht daraus, wie beträchtlich-sich die Leistungen von Arbeitgebern, Arbeitern und Reich steigern müßten. Ob eine solche Steigerung aber angängig ist, das ist doch fehr fraglich. Graf v. Posadowsky hat denn auch in der Reichstags- sitzung vom 24. Januar d. I. erklärt, daß auf diesem Gebiete die größte Vorstcht angebracht sei und daß man zur Zeit an eine Herabsetzung der Alters- grenze wohl nicht denken könne.
Zur Frage der Berufung gegen die Urtheile der Strafkammern erklärte bekanntlich in der letzten Session des Reichstages der Staatssekretär deS Reichsjustiz-Amtes, daß die Aussichten auf das Zustandekommen der Justiznovelle äußerst gering seien, so lange nicht die Möglichkeit eines Ausgleichs in der hauptsächlichsten Streitfrage, der Frage der Besetzung der Strafkammern, bestehe. In dieser Frage machte der Antrag Adt der letzten Session den Vorschlag, die Strafkammern verschieden mit fünf oder mit drei Richtern zu befiW,
(Nachdruck verboten.)
Wie es endete.
Roman von Maria Theresia May, «rf- des preisgekrönten Romans „Unter der Königstanne."
(Fortfetznng.)
Mr. Cosway war verschwunden, ehe noch der Görminer Polizeichef ihm ein höfliches Daukeswort «Gen konnte. Kopfschüttelnd griff er wieder zum r^’e und schaute bedächtig in die aufsteigende Perlen, ^brannt hat er stch, il signor Inglese, richtig ^brannt an den schönen Augen der jungen Gräfin.
ja, das geht so, wenn man jung ist — o, An- iolettaj" und mit diesem Seufzer an die Entfernte der Herr Polizeichef wieder das schlanke Spitz-
„ -Ich habe so Angst, flüsterte während des Tanzes dklttud ihrem Manne zu.
„Wovor?"
-Bor Mr. Cosway. Et sprach so drohend und so böse au»."
»Kleine Thörin, ich will nicht sagen, daß CoSway w hätte, uns zu schaden, aber glücklicherweise .w ihm die Macht dazu. Doch wirst Du nun wohl i7''hkv, daß ich recht hatte, den Verkehr mit diesen ^taten nicht zu wünschen.
»3a. Laß unS ausruhen. Herbert." . Leffe athmeud, blieb die junge Frau einige Augen eT” bei einem der blumenurnkiänzlen Pfeiler stehen, A ®it dem Fächer Kühlung znwehend, der ebenfalls y- Cosways vollste Bewunderung erregt haben ^'dc. Er war aus Elfenbein und ein Meisterwerk
Schnitzkunst.
. -Wem hast Du den nächsten Tanz zugesagt, fiagte Herbert, um den sinnenden und sorgen- '-kn Ausdruck aus Gertruds Augen zu bannen.
Sie blickte auf ihre Tanzkarte und reichte sie dann ihrem Manne. „Sieh selbst, ich kann diese krausen Schriftzüge nicht entziffern."
„Das heißt Marchese del Monti, und der nächste Name ist Fürst Bogdanoff. „Schau, meine kleine Demokratin tanzt auf ihrem ersten Ball mit lauter Aristokraten. Was sagt den Dein republikanisches Gewiffen dazu?" das klang sehr scherzhaft; doch lag etwas wie fragende Sorge in der Stimme.
„Mein replublikanifches Gewiffen ist auch gar nicht sehr ruhig, Herbert," antwortete Gertrud ernsthaft. „Im übrigen finde ich, daß unsere Reise mit ihrer Menge neuer Eindrücke mit viel von meiner Willenskraft genommen hat. In Böckstein hätte ich gewiß nicht mit einem Aristokraten getanzt. Hier sage ich mir schon, daß mich ein Tanz zu nichts verpflichtet, und daß ich ja höchstwahrscheinlich nie wieder mit diesen Herrn vorn Adel zusammen treffen werde. In Böckstein hätte ich mich unter diesen vornehmen Menschen durchaus nicht wohl gefühlt, die alle wahrscheinlich so ganz andere Lebensanschauungen haben als ich, und die uns in ihrem Hochmuth und Dünkel gewiß nicht bei sich zu Hause in ihren Salons empfangen würden.
„Aber Kind, gerade die vornehmstrn der Gäste find von ausgesuchtester LiebeuSwürdigkeü gegen Dich . . /
rote mir Frau Cosway gesagt hat. Ich selbst kann ja dergleichen noch nicht beurteilen, ich habe nur gefunden, daß die Toilette sehr hübsch ist und habe mich sehr darüber gefreut. Wer weiß, ob ich nicht ein Unrecht damit begehe, wenn das, was Du mir giebft, Kleider find, wie nur die vornehmen Leute sie tragen."
„Stein, Kind, Deine Toilette kostet nicht um einen Pfennig mehr, als ich ausgebea kann. Quäle Dich nicht mit solchen Sorgen!"
Sie seufzte leicht auf. „Nun, das Beste ist jedenfalls, daß wir nicht zu den „Vornehmen" gehören und nach dem Reisettaum hoffentlich uns in unserem bescheidenen Kreise sehr wohlfühlen werden. — Komm, der Walzer ist zu Ende, wir haben geplaudert, anstatt zu tanzen!"
Herbert führte seine Frau zu ihrem Platze zurück und bemerfte mit großem Unbehagen, daß Mr. Cosway ich wieder neben seiner Mutter eingefunden hatte und mit einer Art von boshafter Neugierde dem jungen Zaare entgegensah.
Giftig wandte stch Mrs. CoSway mit einer ganzen Reihe von Fragen, wie es ihr gefiele, wie fie sich unterhalte, der jungen Frau zu; ehe aber Gertrud eine einzige derselben beantworten konnte, sagte Mr. Cosway laut: „Aber Mama, belästige doch die Frau Gräfin nicht."
„Wahrscheinlich aus demselben Grunde, aus dem ich mit ihnen tanze. Der Verkehr in einem Kurorte legt einem keine besonderen Verpflichtungen auf. Später kennt man sfih nicht mehr und geht aneinander vorüber. Ich: fürchte nur, daß uns diese Leute alle auch für etwas anderes halten weiden, als wir sind."
„Wie meinst Du das?" fragte er hastig. ' „Wegen meines Anzuges, der sehr kostbar ist.
Wie vom Schlage getroffen, wandte sich Herbert um und starrte den Sprecher an, der höhnisch fortftlhr: „Ich labe noch sehr um Entschuldigung zu bitten, daß ich vor- hin wagte, die Frau Gräfin um einen Tanz zu ersuchen. Hütt- ich nur die leiseste Ayvung von dem Inkognito gehabt, so wäre ich, selbstverständlich nicht so kühn gewesen. Ich weiß ja, daß die Damen der Aristokratie noch viel exclufiver zn sein pflegen, wie die Herrn .'
„MeinHimmel, welch ein komischesMißverständnis," rief Gertrud arglos aus, „wer hat Ihnen denn --" Da ließ ein Blick auf das tief erblaßte Gesicht ihres Gatten sie verstummen und fie fühlle, wie sich ihr Herz in banger Angst vor einem nahenden Unheil krampfhaft zusammenzog.
»Rein Mißverständnis, Frau Gräfin. Soeben erfuhr ich ans zuverlässiger Quelle, daß wir die Ehre haben, in Ihrem Gemahl den Grafen Herbett Landskron von Kronau unter uns zu sehen. — Sehen Sie, Ihr Herr Gemahl haft das Inkognito nicht mehr aufrecht"
Da war die Entdeckung der Wahrheft. Sie war in einer Weise gekommen, wie fie Herbett am allerwenigsten gewünscht oder für möglich gehalten hatte, in einer Weise, wie sie für Gertrud nicht unerwarteter und verletzender gedacht werden konnte, und mit herbem Selbstvorwurf empfand Herdett, wie bitter sich sein Zögern rächte. Doch dem Unver- schämten durste er nicht zeigen, wie tief der Streich hn getroffen hatte, ja er konnte sich in diesem Augenblicke auch garnicht erklären, was die Schadenfreude veranlaßte, die/er in William Cosways falten Augen leuchten sah.
„Gewiß halte ich unter Umftängen mein Inkognito nicht aufrecht," entgegnete Herbert deshalb mit möglichster'Ruhe auf die triumphirende Bemerkung des Engländers, ohne sich indeß zu bemühen, die Verachtung zu verbergen, welche ihm das Verhalten Cosways einflößie. „WaS Sie bewog, dies Inkognito, das ich aus triftigen Gründen annahm, in so taktloser Weise zu lüften, weiß ich nicht. Ich erwarte, daß Sie wir darüber Rede stehen werden."
(Fottsetzung folgt.)