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öd)entliehe Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhai«.

gnrfmABtttaf: Joh. Äug. Koch, Universttätr-Buchdruckerei in Marburg, Berantwortlich für bit Redaktion: Redakteur M. Hartman» t» Marburg,

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Das Genossenschaftswesen.

Bekanntlich spielen die eingetragenen Genossen­schaften im Erwerbsleben eine Rolle, weil es ver- tinter Kraft eher gelingt, gegen die Uebermacht des Kapitals für den Mittelstand Stützpunkte zu finden, als dem Einzelnen. Es ist denn auch das Bestreben poh Reich und Staat gewesen, das Genossenschafts- Rscn soviel als möglich zu fördern. Wir erinnern nit daran, daß das Gesetz über die Erwerbs- und Sirthschaftsgenossenschaften am Ende der achtziger Zähre zwei ganz neue Genossenschaftsarten, die mit beschränkter Haftpflicht und mit unbeschräntter Nach­schußpflicht, schuf, von denen allerdings wesentlich mit die elftere Erfolge hatte. Wir erinnern ferner daran, daß der preußische Staat mit einem Kapital von 20 Millionen Mark die Centtalgenoffenschasts- ttsse errichtete, welche die Aufgabe erhielt, die Ge- uossenschaftsverbände zu unterstützen und so zur Förderung des Personalkredits namentlich in der Landwirthschaft und int Handwerk beizutragen. Ihr Kapital ist auf 40 Millionen erhöht, eine weitere Steigerung um 10 Millionen ist in das Belieben des Finanzministers gestellt. Es ist also viel ge­schehen, um das Genossenschaftswesen zu heben und glücklicherweise scheint es auch überall mehr als früher zu blühen.

Bisher gab es keine umfassende Statistik des KeuossenschaftswesenS. Die Preußische Central- gmossenschaftskasse hat sich nun das Verdienst er> worden, eine solche aufzustellen, was ihr allerdings aut unter Mitwirkung des Justizministers möglich wer, der die Gerichte zur Uebersendung des Materials anhielt. Nach dieser Statistik gab es Ende Februar 1897, dem Zeitpunkte der betreffenden Erhebung, in Preußen 6958 eingetragene Genossen» schäften mit 965160 Genossen. Davon entfielen 1019 Genossenschaften mit 462 088 Genossen auf die Richtung Schulze-Delitzsch, 2228 Genossenschaften und 132129 Genossen auf die Richtung Offenbach, 2217 Ge­nossenschaften und 170013 Genossen auf die Richtung Raiffeisen. Die übrigen Genossenschaften find entweder Heineren Verbänden angeschlossen oder stehen allein. Noch bei 1116 Genossenschaften mit 167 719 Genossen wird der Revisor vom Gerichte bestellt. Aon den gesammten Genossenschaften waren 5103 mit unbeschränkter Haftpflicht, 92 mit unbeschränkter Nachschußpflicht und 1763 mit beschränkter Hast- Echt. Nach dem Gegenstände des Unternehmens tatbeilen sich die eingetragenen Genossenschaften mit 1155 auf Vorschuß- und Creditvereine, 367 auf Rohstoffvereine, 43 auf Absatzgenossenschaften, 12 aaf Magazingenossenschaften, 1239 auf Produktiv- Genosstnschasten, insbesondere Molkerei- und Winzer- Genoffenschaften, 605 auf Konsumvereine, 134 auf Wohnungsgenossenschaften und 103 auf sonstige

Genossenschaften. Bei den Genossenschaften mit beschränkter Haftpflicht bettug der Gesammtbetrag der Haftsummen, für welche »lle Genossen aufzukommen haben, 146123 064 Mark. Der Zahl der Genossen nach folgen sich unter den preußischen Provinzen: Schlesien, Rheinland, Hessen - Nassau, Hannover, Sachsen, Brandenburg, Westfalen, Ostpreußen, Posen, Pommern, Schleswig-Holstein und West­preußen.

Es ist das ein recht erfreuliches Bild, das sich jedenfalls noch im Laufe der Thätigkeit der preußischen Centtolgenossenschaftskasse heben wird. Wenn dem­gegenüber immer noch Seitens der Vertreter der Schultze-Delitzschen Kassen, die niemals eine solche Statistik fertig bekommen haben, die Centrgl- Genossenschaftikasse angegriffen und herabgesetzt wird, so ist das Verhalten wirklich kleinlich. Man wird ihm am besten begegnen, wenn man auch in den Kreise» der Genossen der Schultze-Delitz'schen Kassen den Werth der Centralgenossenschaftskasse immer besser und der wirklichen Natur entsprechend darstellt und alle Elemente, die im Genoffenschaftsleben thätig sind, zu gemeinsamer Arbeü in den gemein­schaftlich zu erledigenden Fragen auffordert.

Umschau.

Der M i n i st e r des Innern hat dem Comitö des VIII. Kongresses polnischer Aerzte und Naturforscher in Posen auf fdne Eingabe wegen Zurücknahme der die Theil- nahme von Ausländern an dem beabsichtigten Kongresse verbietenden Verfügung des dortigen Polizeipräsidenten nachfolgenden Bescheid zugehen lassen:Ich bin, wie ich dem Comiiö auf die Vor­stellung vom 7. d. Mts. erwidere, nicht in der Lage, dem darin gestellten Anttage auf Zurücknahme der von dem Königl. Polizei - Präsidenten daselbst in Bezug auf die Theiluahme von Ausländern an dem beabsichtigten Aerztekongreß erlassenen Verfügung Folge zu geben. So sehr die Königliche Staats­regierung bereit ist, fachwissenschaftlichen Unter­nehmungen und Veranstaltungen jede thunliche Förderung zu Theil werden zu lasten, so liegt ihr in gleichem Maße die Pflicht ob, darüber zu wachen, daß diese Veranstaltungen nicht zu Zwecken gemiß- braucht werden, für welche sie nicht bestimmt sind. Die letztere Voraussetzung war aber im vorliegenden Falle gegeben, nachdem in der ausländischen Presse unter Hinweis auf bekannte neuerliche Vorkommnisse öffentlich dazu aufgefordert worden war, den Kongreß möglichst zahlreich zu beschicke», um denselben auf diesem Wege zu einem Vereinigungspunkte des ge­sammten Slaventhums zu gestalten. Dieser Vorgang läßt teilten Zweifel darüber aufkommen, daß es sich bei der geplanten Zusammenkunft nicht mehr um eine

rein fachwissenschaftliche Vereinigung gehandelt haben würde, sondern daß mit derselben zugleich eine in ihrer Tendenz gegen das Deutschthum gerichtete politische Kundgebung verbunden werden sollte. Eine derartige, das ftiedliche Zusammenleben der beiden Nationalitäten gefährdende Demonstration zu dulden, verbietet nicht nur die Rücksicht auf die deutsch- nationalen Interessen überhaupt, sondern insbesondere auch die Rücksicht auf die deutsche Bevölkerung in der Stadt und in der Provinz Pose». Mit vollem Rechte ist daher der Polizei-Präsident zu Posen der Ausführung dieses Vorhabens entgegengetteten, indem er die Betheiligung ausländischer Aerzte an dem Kongresse untersagt hat. Wenn hierbei der Polizei- Präsident darauf hingewiesen hat, daß er unter Umständen dazu genöthigt sein würde, die zureisenden ausländischen Aerzte über die Grenze zu verweisen, so hat er hiermit lediglich die Anwendung desjenigen Mittels in Aussicht gestellt, welches nach Lage der Verhältniste bei Nichtbefolgung der von ihm ge- ttoffenen Anordnung als das allein Geeignete erschien, gez. Frhr. von der Recke".

Zu dem ThemaReichstagspräsidium und Sozialdemokratie" bringt dasBerl. Tageblatt" einen echtfreisinnigen" Beitrag. Nach ihm erheischt die Billigkeit, einem Sozialdemokraten das Amt des zweiten Vizepräsidentenzur Ver­fügung zu stellen", vorausgesetzt, daß die grundsätzlich republikanische Sozialdemokratie alle die Obliegen­heitenin bett Kauf nimmt", die ein Mitglied des Reichstagspräfldiums zu erfüllen hat: verstände sie sich dazu, ihrem Kandidaten die Theilnahme am Kaiserhoch, den Empfängen im Schlosse, und was dergleichen Repräsentative Vorgänge mehr seien, zu gestatten, so läge darin eine so eklatante Aner­kennung der bestehenden Staatsform, daß jeder Ein­wand gegen die Vertretung der Sozialdemokratie im Präsidium hinfällig werden müßte. DerHannov. Courier" bemerkt hierzu:Eine formalistischere, hohlere und zugleich widerspruchsvollere Auffassung des Verfassungslebens kann es nicht geben, und einen schmiegsameren Höfling, als er hier zu Worte kommt, kann Herr Singer sich nicht wünschen. Das Hoch auf den Kaiser ist demBerliner Tageblatt" nichts weiter denn ein repräsentativer Vorgang; trotzdem soll die Theilnahme an diesem angeblich nur repräsentativen Vorgang eine eklatante Aner­kennung der bestehende» Staatsform sein, die jeden Einwand gegen die sozialdemokratische Vertretung int Präsidium hinfällig macht! Die logischen Mängel solcher Schlußfolgerung werden noch in den Schatten gestellt durch die Einseitigkeit des Standpunktes, von dem aus das genannte Blatt die ganze Angelegen­heit bettachtet: fein Blick ist ausschließlich auf die Sozialdemokratie gerichtet, die Krone kommt für das

Berl. Ta gebt." gar nicht in Frage. Der frei­sinnige Mannesstolz vor dem Thron der Sozial­demokratie hat es wahrlich weit gebracht".

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt:In Londoner Privattelegrammen mancher Berliner Blätter lesen wir, nach Nachrichten aus Washington hätte die deutsche Regierung dem Staatssekretär D a y versichert, das Vorgehen der deutschen Offiziere bei Manila sei unbefugt gewesen. In einer anderen solchen Meldung heißt es, die deutsche Re­gierung lehne die Verantwortung für die Aktion des Admirals v. D i e d e r i ch s ab und werde ihn zur Verantw-ortung ziehen, falls er sich in amerika­nische Angelegenheiten eingemischt habe. Wir wüßten nicht, welchen Anlaß unsere Regierung zu solchen ober ähnlichen Erklärungen haben sollte. Von einer gegen bie Vereinigten Staaten unfreundlichen Aktion des Admirals v. Diederichs oder einzelner Schiffe des deutschen Geschwaders in den philippinischen Ge- wässern ist hier amtlich bisher nichts bekannt; desgleichen weiß man nichts von einer amerikanischen Initiative im Sinne einer Beschwerde. Die deutsche Regierung ist daher gar nicht in die Lage gekommen, irgend etwas zu erklären."

Am 19. Juli hat in Frankenberg zum 1. Berbandsfestdes dortigen Kreiskrieger­verbandes der Vorsitzende des Frankenberger Krieger- bundes, Heu Amtsrichter Schor, eine treffliche Festrede gehalten. Wir reproduciren aus der­selbe» im Anschluß an unsere jüngsten bezüglichen Leitartikel aus demKrsbl." folgende Stelle:Möge das Fest, welches wir hier feiern, einen frohen Ver­lauf nehmen, und möge es allen Vereinen, die zu feinem Besuch hierhergekommen sind, neue Anregung geben, auch bei sich daheim in der rechten Weise die Liebe und Treue für Kaiser und Reich, die echte Kameradschaft zu fördern! Denn das ist ja der Zweck unsres neuen Kreisverbandes. In ernster Zeit leben wir. Das Wachsen der Sozial­demokratie ist eine Mahnung für alle Vater- landsfteunde, sich fest zusammenzuschließen und zu vereinigen, und den Kern dieser Vereinigungen sollen die Kriegervereine, den soll unser neuer Krnsverband bilden. So wollen wir uns zusammenschließen, fest, geeint in Liebe und Treue für Kaiser und Reich, dicht geschaart um den Hohenzollernthron, um unfern ge­liebten Kaiser. Pocht von außen der Feind an unsere Grenzen, bann steht unser kampferprobtes Heer, unsre jugendkräftige Marine gerüstet da, seine Angriffe zurückzuweisen, und wenn im Innern die Feinde unsrer staatlichen Ordnung zu kühn das Haupt erheben, dann steht auch ein achtunggebietendes Heer da, die anderthalb Millionen Soldaten im Bürgerrock, die deutschen Kriegervercine, die aller Welt zeigen werde»,

(Nachdruck verboten.)

Wie es endete.

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Roman von Maria Theresia May, N. des preisgekrönten RomansUnter der Königstanne."

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»Ader sie hätte sie machen können," beharrte er, »3a London wird sie überall die Schönste fein, ich toe noch nie ihresgleichen gesehen. Wenn sie nur ®d)t auch schon so hochmüthig wäre," schloß er, an )ffnen ersten Gedanken anknüpfend.

.Er hat einen schlechten Einfluß auf sie," sagte tttschuldigeud bie alte Dame.Sie ist ein reizendes Erschöpf; freilich, stolz ist sie auch. Nicht einmal

Viktoria Walhope, bie Präsidentin unseres Miauenvereins, hat so vornehme Manieren und diese «er will bie Tochter eines armen DorfarzteS fein, glaube bas nimmermehr, benn sie scheint mir aus einem Fürstenhause zu stammen. Wer ^, ob sie sich nicht in ben hübschen Burschen, ben 'ler, verliebt hat unb mit ihm davongelanfeu ist;

hübsch ist er."

»Findest Du?" fragte ihr Sohn spöttisch.

g. »Nicht so wie Du mein Hetzblatt," beeilte sich 2$ Cosway zu versichern; er ist lange keine so farnehme, elegante Erscheinung wie Du; aber immer» Z* mag er auf ein anbereB romantisches Mädchen ^brnd mache», zumal er Künstler ist."

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z»Jch habe noch kein Bild von ihm gesehen," Merkte der junge Cosway mißmuthig.Wer weiß, tr nicht ein Hochstapler ist."

^Nis Cosway fing an zu jammern.DaS 7^ schrecklich; bie atme junge Frau weiß gewiß nichs : . »on, fix jst jebenfallS unschulbig. Sein Verhalten,

(Fortsetznug.)

»Lieber Sohn, sie macht auch wohl keine höhere» : mffprüche."

fein Auftreten läßt allerdings jedem Verdachte Spiel­raum. Die Hotelrechnungen bezahlt er pünktlich" (danach hatte die Dame fich bereits erkundigt)aber ganz geheuer ist es jedenfalls nicht mit ihm. Wes­halb weicht er denn so geflissentlich jeder Bekanntschaft aus, warum vermeidet er jeden Verkehr mit ben Hotelgästen selbst? Man müßte doch unbedingt die schöne junge Frau warne»; kommt eine Katastrophe, so werde ich das süße Geschöpf gern in meinen Schutz nehmen."

Nur sachte, Mama!" Mr. Cosway hatte sich halb aus feiner liegende» Stellung erhoben, stützte ben Ellenbogen auf bie Banklehne, mit ber Hand feinen röthlich blonden Bart streichelnd'Sage ber Mrs. Kronau kein Wort, sonst verschwinbet ber Vogel. Woher will sie sein?"

Aus Böckstei», bei Gastein in Salzburg."

Werde mich erkundigen; finde ich aber etwas, daS nicht ganz in Ordnung ist, bann gehts ihm schlecht, ben insolenten Burschen. Ich schenke meine Blumen, wem ich will."

DaS alles murmelte Mr. Cosway in höchstem Unmuth mit halber Stimme vor sich hin. Seine Mama unterbrach ibn nicht. Da er fich streckte unb die Hände unter dem Kopf faltete, hoffte sie, baß er einschlafe» würde, wie dies nach jeder großen Erregung bei ihm ber Fall war. Wirklich schlief er in wenigen Augenblicken ganz fest ein; nur bie Hände zuckten krampfhaft, unb einmal murmelte er im Sckilafe: Werd' mich schon erkundigen, eS soll ihm schlecht gehen!" Jedenfalls träumte William CoSway davon, daß er ben Maler Herbert Kronau als Hochstapler entlarvt und bingfest gemacht habe; benn feit einer Stunde haßte er den Mann, der ihm bis dahin nur unsympathisch gewesen war, aus den Tiefen feiner Seele.

MrS. Cosway aber saß bei ihrem geliebten Sohne und bewachte feinen Schlaf,

9. Kapitel.

Der Tag des großen Baltzs war gekommen und bilbete für Taormina ein bedeutendes Ereigniß. Kein junges Mädchen konnte mit größerer Erregung den Tag herbeisehne», als die kleine Mrs. Cosway, die einen dreißigjährigen Sohn hatte. Nicht, daß fie besonders tanzlustig gewesen wäre oder gehofft hätte, Eroberungen zu machen, daran dachte bie ehrliche Seele nicht. Aber fie hatte zwei große Schwächen, bie gelegentlich eines solchen Feste? größte Befriebiaung fanben. Sie liebte es über alles, sich in vornehmer Gesellschaft zu bewegen; wenn fie bei ihrer Rückkehr mit bem Namen aristokratischer Leute, mit bene» sie an einer Tafel gereift unb sich überhaupt nur im selben Raume bewegt hatte, vor ihren Bekannten prunke» konnte, bann schwoll ihr Herz vor Stolz, unb sie genoß eine Befriedigung, für welche sie gern größere Summen geopfert hätte, als ber Aufenthalt auf bem Kontinente fie alljährlich kostete. Ihre zweite Schwäche war, daß Fra» Cosway gern in ihren Toiletten übermäßig viel Reichthum zur Schau trug. Seit Mr. Cosway Millionär geworben, gab es niemanben, ber behaupten konnte, feine Frau jemals ohne Brillanten gesehen zu haben. Die dösen Zungen sagte» sogar, Frau CoSway ginge stets mit allen ihre» Ringen, Armbändern und Halsketten ins Bett.

Für den Ball zu Ehren der russischen Großfürstin gedachte fich Frau CoSway besonders kostbar zu chmücken; benn unter ben Fremden, welche in dieser Saison in Taormina anwesend waren, befanden sich so auserlesene Vertreter des hohen und höchsten europäischen Adels, daß die kleine Engländerin vor

Vergnügen in die Hände klatschte, wenn sie daran dachte. Unb enblich war Mrs. Cosway auch um ber schönen Frau Kronau willen aufgeregt. Ob sie auf ben Ball kommen würbe unb in welcher Toilette? Denn bem hochmüthigen Maler unb in gewissem Maße auch feiner Frau wollte Mrs. Cosway nicht zum wenigsten mit der Entwickelung höchster Toiletten- pracht imponieren.

©ertrüb war ber rebfeligen Dame feit ber letzten Unterhaltung ausgewichen; aber bei einer gelegentlichen Begegnung hatte MrS. CoSwah die junge Frau doch festzuhalten verstauben, um dringend zu fragen, ob fie ben Ball besuchen würde.

Mein Mann hat eingewilligt," erklärte Gertrud, weil er sah, daß er mir eine Freude damit be­reiten konnte."

Und was für eine Toilette wählen Sie?"

Mein Mann will mich bamti überrasche», ent­gegnete Gertrud.

Frau Cosway war unzufrieden. Ihrer Meinung nach verstand kein Mann etwas von Frauenkleidung, unb noch hundert andere Fragen hätte fie an die junge Frau richten mögen; woher denn Mr. Kronau die Toilette kommen laste, ob fie auch paffen würde, und ob (8ertrüb garnichts bezüglich bes Stoffes unb ber Farbe wisse; aber bie junge Frau konnte der neugierigen Dame nichl Rede stehen, seibst wenn fie eS gewollt hätte; Herbert erwartete seine Frau.

Als MrS. Cosway endlich, da der langersehnte Ballabend gekommen war, am Arme ihres Mannes und in Begleitung ihres Sohnes in den heller­leuchteten Saal trat, war das Ehepaar Kronau noch nicht anwesend, ebensowenig die Großfürstin. Frau CoSway ärgerte fich darüber.

(Fortsetzung folgt.)