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MOM Leitung.

Wöchentliche Beilagen: Kreisblatt für die Kreise Marburg nnd Kirchhain.

Jllustrirtes Sonntagsblatt. ""lw

Jfi. 157

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. QuartalS-Abonnemeuts-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtem 2,25 Mk. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr: die ge- spaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfz., Reklamen: die Zeile 25 Pfg.

'^Rarßitrg

Freitag, 8 Juli 1898.

Anzeigen nehmen entgegen: die Expedition dieses Blatte«, die Annoncen- Bureaux von Haasenstein & Vogler, Frankfurt a. M., Cassel, Maade- Wien; Rudolf Moffe, Frankfurt a. M., Berlin, München, Köln;

S. L. Daube & Co., Frankfurt a. M., Berkin, Hannover, Paris x.

33. Jahrg.

Das Anwachsen der Sozial­demokratie auf dem platten Lande.

Eine eigenthümliche Erscheinung hat sich bei den letzten Reichstagswahlen gezeigt. In Bayer», wo die Sozialdemokratie seit Langem eine intensive Land­agitation betreibt, sind die sozialdemokratischen Stimmen auf dem platten Lande zurückgegangen; in Ostpreußen, wo von einer planmäßigen Landagitation durch die Sozialdemokratie füglich nicht gesprochen werden kann, haben die sozialdemokratischen Stimmen sich stark erhöht. Ist hieraus zu schließen, daß intensive Agitation auf sozialdemokratischer Grund­lage namentlich die Bauern abstößt, so kann man daraus aber auch ersehen, daß die Sozialdemokratie ihre Erfolge thatsächlich in erster Linie dem Freisinn, resp. der Demokratie und deren Laudagitation verdankt.

DieSächsische Arbeiterzeitung* hebt ausdrück, lich die Thatsache hervor, daß man in sozialdemo­kratischen Parteikreisen nicht daran zweifle, daß die Landarbeiter Ostpreußens theils durch dieun- koutrollirbare Reichstagsagitation*, theils durch die derbürgerlichen Presse*, und endlichnicht zum Geringsten durch die Agitation der Kaserne*von s e l b st* zur Sozialdemokratie gekommen seien. Das ist daS schönste Vertrauensvotum für den Frei­sinn, der in allen diesen, der sozialdemokratischen Partei frommenden Agitationen, durch die die Land­arbeiter gegen die Besitzer aufgehetzt werden, an erster Stelle ftel&t.

In der That ist es so: der sozialdemokratische Stimmenzuwachs in Ostpreußen, der vielfach einen verblüffenden Eindruck gemacht hat, ist ein klarer Beweis für das Wirken des Freisinns alsVorfrucht*. Mir Zahlen können wir diese Behauptung noch nicht belegen; nach Erscheinen der amtlichen Wahlstatistik aber wird es leicht sein, den ziffernmäßigen Beweis für unsere Behauptung beizubringen.

DieNationalzeitung" behauptet, dieagrarischen Agitatoren* haben den Sozialdemokraten Eingang in die Dörfer verschafft. Nun, in keinem Theile Deutsch­lands wird so scharfe agrarische Agitation betrieben, wie in Bayern, und gerade dort hat die Sozialdemo­kratie abgenommen. DieSächsische Arbeiterztg.* gesteht geradezu ein, daß die sozialdemokratische Partei vor der Agitation des süddeutschenBauernbundes* die Segel streichen müsse. Dar kommt aber daher, daß in jenen bayerischen Wahlkreisen so gut wie kein Liberalismus herrscht, welcher der Sozialdemokratie die Agitation erleichtern könnte.

Schreibt dieNationalzcituug*:

Die Gegner der Sozialdewokrati» in Stadt und Land durch eine zweideutige Wahlparole zu sammeln, ist nicht gelungen; aber di« Sozialdemo­kratie hat am die Fahne des Kampfes gegen die

(Nachdruck verboten.)

Wie es endete.

Roman von Maria Theresia May, terf. des Preisgekrönten RomansUnter der Königstanne."

(Fortsetzung.)!

Ja, was also die äußeren Verhältnisse anlangt,* begann der Priester abermals, so find diese ja gleich­falls sehr geordnete und günstige. Herr Kronau hat mir seine Lage ganz offen geschildert," der Pfarrer legte einen ganz merkbaren Nachdruck auf das Wörtchen: ganzer hat mir bereits seine Papiere zusenden lasse» durch seinen Freund, den Baron Rhoden, der auch Trauzeuge sein wttd. Ich habe aber auch noch andere Erkundigungen unter dir Hand «ingezögen, ein Pfarrer hat ja seine Ver­bindungen, nicht wahr?' Friederike nickte zerstreut >" »Und habe sehr befriedigende Auskunft erhalte», Kht befriedigend.' Der alte Herr klopfte Wied« tuf seine Dose und sah Fräulein Meynert erwartungs- doll au. Als sie nicht Seich sprach, fragte er ärger- sich:Also, nun sage» Sie mir, was haben Sie eigentlich gegen Herrn Kronau einzuwenden?*

Nichts »nb alles," entgegnete Friederike Meynert de» Kopf wendend.Ich will überhaupt nicht, daß Gertrud heirathet. Ich segnete meinen Bruder, als er in die Eiusammkeit dieser Berge -mit Frau und And übersiedelte; ich hoffte, daß sich hier niemals die Gelegenheit bieten würde, in Gertruds Herzen Tünsche für die Zukunft erstehe» zu lassen, welche «einen Ansichten so direkt entgegengesetzt sind. Meine Anze Erziehung ziefte dahin, sie unabhängig von der «auzen Welt und selbstständig zu machen, sie den Adel und den Reichthum und allen Tand verachten -u lehre» und sie zu einem denkenden Menschen zu erziehen. Ich dachte, daß eS mir gelungen wäre.

agrarisch« Ausbeutung der Gesammtheit einen er­heblichen Theil der ländlichen Bevölkerung mit großen Masten der städtischen gesammelt."

so möge sie sich doch einmal ehrlicherweise die Frage beantworten, wer denn am meisten eine gegen die Sozialdemokratie gerichtete Sammlung bekämpft hat? Sie s e l b st war eS mit der herrlichenKölnischen Zeitung", die sogar die Sammlung mit der Sozial­demokratie gegen dieAgrarier* empfohlen hat. DieMithilfe jener liberalenBlätter bei dem sozialdemokratischen Vor- dringen auf das platte Land läßt sich Schritt vorSchritt verfolge», und namentlich seit die Konservativen der Böisenkorruptiou an den Kragen gegangen find, ist der Liberalismus, insonderheit der jüdische Liberalismus Todt- feind derAgrarier* und offener Kampfge- nosse der Sozialdemokratie.

Es ist die höchste Zeit so ruft im Markt- schreierton dieNationalzeitung' schließlich, daß in den östlichen Provinzen der' gemäßigte Liberalismus sich von neuem organisire; die Wahlen zum Abgeordnetenhause können ihm die erste Gelegenheit darbieten, wieder Boden zu gewinnen für die Bekämpfung der dort besonders zerrüttend wirkenden Extreme von rechts und links.' Ja, wo ist den» dort dergemäßigte Liberalismus' geblieben? Unter Führung der immer radikaler werdende» linksnationalliberalen Presse ist er ins fteifinnige Lager abgeschwenkt und der Freisinn verliert sich schließlich in dem sozial­demokratischen Sammelbecken für Unzufriedene, Nörgler undVerkannte.' DieFreisinnige Zeitung' ist in dieser Frage gewiß kompetent; sie hat erst jüngst zu­gegeben, daß der Liberalismus auf dem letzten Lvche Pfeift Fängt also dieNationalzeitung* an zu sammeln*, so kann sie eS leicht dazu bringen, daß die linksnationalliberale Parteiauffliegt*; denn die Sammele! von jener Seite hat, wie gesagt, bis jetzt nur den subversiven Strömungen Vortheil gebracht.

Umschau.

Der Vorstand des konservativen Kreis­vereins Usedom-Wollin hat für seine Vertrauens­männer die folgende Anweisung erlassen:

1) Innerhalb des ihm zugewiesenen Bezirkes hat der Vertrauensmann in erster Linie für die V er - breitung und Befestigung konser­vativer, d. h. patriotischer, königs- treuer und christlicher Gesinnung zu sorgen. Auch hat er immer wieder darauf hinzu- weisen, daß die konservative Partei vornehmlich jedes ehrliche Gewerbe schützt und besonders die Interessen des ländlichen und städtischen Mittelstandes vertritt.

Damit dachte ich Gertrud am besten vor rhörichten Heirathsgelüste» zn schützen; denn eS find schwache, gedankenlose Frauennaturen, welche das größte Kontingent derjenigen bilden, die sich nach bet Ver- sorguug durch eine vortheilhasteu Heirath sehnen und einen Mann als Halt neben sich haben wollen und müssen. Mein Bruder hat mich immer in diesen Bemühungen unterstützt, freilich hatte er zum Theil andere Gründe dafür als ich; aber wir freuten uns beide, wenn wir sahen, wie völlig unseren Wünschen gemäß sich Gertnrd entwickelte. Nie hatte ich eine der sonst an den meisten jungen Mädchen zu rügenden Schwächen an ihr zu tadeln. Ruhig, selbstbewußt, weit über ihre Jahre hinaus, ging sie ihren Lebens­weg, selbst als sie anfing, so schön zu werden, daß ihr dir bewundernden Blicke aller folgte», hatte ich nicht »öthig, unruhig zu werden. Das Mädchen sah dar Erstaunen garnicht, welches ihre Erscheinung er» regte, ober sie beachtete es boch wenigstens nicht. Unb jetzt, die Werbung des ersten Mannes, der ihr entgegentritt, nimmt sie an, nnd alle Vorstellungen find vergebens.*

Der alte Pfarrer hatte sinnend zugehört.Aber meine liebe kluge Freundin,' sagte er bedächtig,das ist doch weiter nicht verwunderlich. Unsere Kleine liebt den jungen Man», und wir können Gott danken, daß der Zug ihres Herzens sie so glücklich geleitet hat. Die Liebe, wenigstens die echte, wahre und tiefe Liebe dar beobachtet ein Seelsorger ja be­sonders häufig fragt weder nach anerzogenen Vornrtheilen »och nach angelernten Vorschriften. Seht doch auch in der heilige» Schrift:Das Weib wird Vater unb Mutter verlassen unb dem Manne folge».'

Hier lachte Friederike Meynert auf, und mit heftiger Bewegung sich erhebend, stieß sie den Sessel zurück

Richtschnur hierfür ist das Programm der Partei vom 8. Dezember 1892, dessen möglichste Verbreitung der Vertrauensmann besorgt. 2) Außerdem arbeitet der Vertrauensmann für die konservative Partei durch möglichst viel Rede und Gegenrede im Gespräch von Mund zu Mund, ganz gleichgültig, ob er sich bei der Arbeit oder im Rruge, in einer besonderen Ver­sammlung oder sonst in zufälligem Zusammensein mit anderen befindet. Hierbei werden möglichst viele Mitglieder für den Verein geworben. 3) Der Vertrauensmann beobachtet genau das etwaige Auftreten und Arbesten der Feinde b er konser­vativen Partei in seinem Bezirk. Solche Feinbe stnb besonders die Demokraten aller Art, gleichgültig, ob sie sich Sozialdemokraten oder Liberale nennen. Die Liberalen kommen jetzt vielfach auf das Land unter der Maske des angeblich bauern» freundlichen VereinsNordost*, welcher aber weiter nichts ist als ein Verein zum Einfangen von demo­kratischen Bauer» für die Demokraten und haupt­sächlich von dem Geld der reichen Berliner Börsen­leute bezahlt wird. Deswegen kann er dem Land- mann und dem Handwerker nichts Gutes bringe». 4) Ueber alle seine Wahrnehmungen von einem Arbeiten solcher Feinde in seinem Bezirk macht der Vertrauensmann dem Obmann, zu dessen Aufsicht der Vertrauensmännerbezirk gehört, sobald er kann, Mittheilung, wobei er möglichst sehen muß, immer je ein Blatt von gedruckten Schriften jeder Art, die die Gegner etwa vertheilt haben, in seinen Besitz zu bringen und dem Obmann zu geben. Auch über die Absicht der Gegner, Versammlungen, wie über die Reisen feindlicher Agitatoren be­richtet der Vertrauensmann dem Obmann. 5) Die zu einem Obmannsbezirk gehörenden Vertrauens­männer, bereit Namen jedem von ihnen von dem Ob­mann mitgetheilt werden, können auch gemeinsam handeln und sich hierzu miteinander verabreden. 6) In allen Angelegenheiten des Vereins verhandeln im übrigen die Vertrauensmänner nur mit ihrem Obmann, der ihnen in jeder Beziehung mit Rath und That zur Seite steht. Sie nennen ihm die Namen der von ihnen gewonnenen Mitglieder und die Anzahl der für dieselben nöthigen Mitgliederkarten und Bereinssatzungen nnd sammeln von den Mit­gliedern die Eintrittsbeiträge von mindestens 25 Pfg., die sie dann an den Obmann abführen.*

Wir empfehlen hiermit diese knappe, klare unb praktische Instruktion zur Benutzung auch in anberen konservativen Organisationen. Es wirb in so manchem Wahlkreise bringenb nothwenbig fein, bie Organisation zu reüibiren unb bie Vertrauensmänner- CadreS zu vervollstänbigen. Hierzu giebt bie vor­stehende Anweisung recht gute Fingerzeige. Die Hauptsache ist allerbingS, baß als Obmänner

unb blieb hochaufgerichtet stehen.Sie liebt ihn?' rief sie in schneidendem Tone.Net»' sage ich Ihne», unb tausendmal nein. Gertrud weiß überhaupt noch nicht, was Liebe ist. Jedes junge Wesen, besonders jedes junge Mädchen, hat seine Phantasie. Gertruds Phantasie ist gefangen, außerdem mag auch ein Ver­langen nach Veränderung in ihr erwacht fein, und die Ankunft Kronaus gerade zu diesem Zeitpunkt hat die Sache zur Reife gebracht. Das Weib soll uw des Mannes willen Vater und Mutt« v«laffeu? Nun, wenn heute Gertruds Bat« plötzlich wieder käme, würde es sein« Tochter gar nicht einsallen, mit dem Fremden zu gehen, das ist meine Ueberzeuguug. Sie hat ihn gern, seine schlichte Männlichkeit gefällt ihr. Sie stellt es sich reizend vor, Herrin einer eigenen Häuslichkeit zu sei», und sehnt sich darnach, von mir, der schweigsamen, ernsten Verwandten, au8 der Einsamkeit und Gleichförmigkeit dieses Heims fort zu kommen. Aber von Liebe weiß dieses Kind noch nichts, nichts von jener Flamme, welche Herz und Sinn in Aufruhr bringt, vor deren Gewalt alles versinkt, was man bis dahin dachte und fühlte, der man alle« opfert; die Welt und sich selbst. Woher sollte dieses Kind jene Liebe kennen, die nie­mals «lischt, die kein Tod und Berrath vernichten kann? Nein, wirkliche Liebe kau» nie aufhören; ab« sie kann Wandlungen durchmachen, die schlimmer find als der Tod! Die Flamme erlischt nie, sie brennt weiter, wird sogar gewaltiger, die Seele ver­sengend, uns« Mcnschenthum tödtend. Nur heißt sie dann nicht mehr Liebe, dann heißt sie Haß und lebt weit« in derselben Kraft und Gluth.'

Großer Himmel,' rief der Pfarrer entsetzt, da Friederike Meynert abbrach und mit weit offenen Augen inS Le«e starrte, als sähe sie ein Gespenst, was reden Sie für unchristliches Zeug! Gott be­

Persönlichkeiten gewählt werden, bie Gewähr dafür bieten, baß sie dieses wichtige Ehrenamt mit un­ablässigem Interesse für die konservative Sache wahr­nehmen. Vertrauensmänner unb Obmänner, bie nur auf dem Papiere' stehen, bilden in jeder Organisation nur schädlichen Ballast.

DieBerliner Politischen Nachrichten* schreiben: Mit Recht richtet sich die Aufmerksamkeit der Chefs der große» V«waltungen im Reiche und in Preußen auf die in zunehmender Zahl entstehenden Beamten­de r e i n e und die damit eng verknüpfte Fach­presse. Vereine und Vereinsorgane dieser Art stellen sich die Vertretung der Interessen bestimmter Beamtenklassen zur besonderen Aufgabe; ihr Werk find namentlich auch Massenpetitionen au die parla­mentarischen Körperschaften. Ohne Zweifel ist die Vertretung der Interessen bestimmt« Kreise der Be­völkerung an sich ein berechtigter Zweck der Bereins- und Preßthätigkeit. Bei den Beamten- vereinen und ihr« Presse richtet sich aber die angebliche Vertretung der Interessen der Beamten ausschließlich gegen die Regierung im all­gemeinen und die Vorgesetzte» der Beamten im be­sonderen. Dieses Verhalten beruht auf der Unter­stellung eines in Wirklichkett nicht vorhandenen Interessengegensatzes zwischen den Chefs und den mittlraen unb unteren Beamten eines Verwaltung4- zweiges. Jeb« Reffortchef, ja jeher Vorgesetzte ist aber ber natürliche Vertreter bet Interessen seiner Untergebenen. Im Interesse feiner Verwaltung, für bie er verantwortlich ist, liegt es, bie Zufriedenheit und damit die Berufsfreudigkeit aller beteiligten Beamten zu fördern. Dasselbe gilt von der Regierung im Ganzen. Die Schranken, welche das Gemeinwohl der Berücksichtigung von Sonderinteressen zieht, müsse» aber von allen Beamten voll geachtet unb als für sie binbenb erachtet werden. Das ist ihre Be­amtenpflicht, deren treue Erfüllung sie eidlich gelobt haben. Zu einer besonderen Vertretung ber Interessen großer Beamtenkrcise ihrem Vorgesetzten, wie der Sraatsregierung gegenüber, ist daher kein Anlaß vorhanden. Indem künstlich ein nicht vor- Hauben« Interessengegensatz zwischen Vorgesetzten unb Untergebenen konstruirt wird, untergräbt man das Vertrauensverhältniß zwischen beiden, auf dem das gedeihliche Zn- ammenwirken int Dienst des Vaterlandes beruht, mb lockert bamit zugleich die Grundlage des Staats­dienstes, die Beamtendisziplin. In dieser Hinsicht «scheint schon die Anrufung der Volksvertretung gegen die Regierung durch Massenpetttionen nicht unbedenklich. Man darf erwarten, daß diese gegen sie eingangs «wähnten Beamtenvereine und deren Fachpresse zu «hebenden Bedenken sich mit vollem Nachdrucke geltend zu machen wissen werden.*

wahre Gertrud, daß sie jemals eine solche Liebe empfände. Sie ist sündhaft, denn sie setzt das Ge» chöpf über de» Schöpfer; sie beglückt nicht, sie macht nicht rein«, nicht besser. Die echte und einzig wahre Liebe ist daran zu «kennen, daß sie zu Gott führt. Wir haben das Wesen gefunden, dar nuS vom Höchste» bestimmt scheint, zur Ergänzung unseres Selbst, uub wenn dieses Wesen nicht das unsere werden kann, und göttliche und menschliche Gesetze unS trennen, dann sehen wir ergeben und demüihig zu, wie schließlich eine andere Hand als die unsere, da» geliebte Wesen an sich zieht, und beten, vielleicht «st nach schwerem Kampfe, daß der Herr ihm Glück senden möge ans allen feinen Lebenswegen. Und die Frucht dieser entsagungSreichen Liebe kommt dann allen anderen Menschen zu gute, den Betrübten unb Traurigen zumeist." Der Pfan« zog fein Taschen­tuch aus be» Falten ber weiten Soutane hervor unb trocknete sich bie feucht gewordenen Augen, die sonst so heiter unter den buschigen Brauen h«vorsahen.

Fiänlei» Friederike Meynnt stand mit gekreuzten Armen »och auf derselbe» Stelle.Solche Zahmheit verstehe ich nicht,' sagte sie verächtlich,ihn glücklich wünsche», ihn, ver mich feig und um elenden Geldes willen ve«athen hat!' Nein, dessen wäre ich nie­mals fähig! Die Liebe hat mir nur Enttäuschung gebracht, vielleicht wird mir der Haß Beftiedigung gewähren. Ich möchte den Elenden, d« mich um mein Glück betrogen hat, auch so fteublos sehen, wie ich eS jetzt bin!" Die letzten Worte ber unsagbar Aufgeregten verklangen in einem Stöhnen; sie schlug beide Hände vor das Gesicht und sank in einen Stuhl.

(Fortsetzung folgt.)